Montag, 11. Mai 2009

Sieben Antworten aus dem Nähkästchen...

... weitergereicht von Britta von Tischis Welt. Alles mehr oder weniger offene Geheimnisse.



1. Handgestricktes nähe ich mit der Maschine zusammen. Ein Verstoß gegen die reine Lehre, so weit ich weiß, aber für mich die einzig wahre Methode. Obwohl ich gerne und gut mit der Hand nähe – bei Strickteilen versage ich, die Nähte werden wulstig und mühsam ist das ganze außerdem. Daher: normales Polyesternähgarn, leichter Zickzack, die Naht noch einmal dämpfen und bloß keiner Strickerin erzählen, wie der Pullover von innen aussieht.

2. Mir fällt es schwer, mich über fertig Genähtes wirklich zu freuen und etwas, das längere Zeit eine Nähaufgabe war, als Kleidungsstück zu akzeptieren. Dieses prickelnde Gefühl von „Toll! Ich hab was schönes Neues!“ habe ich nur bei gekauften Sachen. Leider ist es mir noch nicht gelungen, dieses Gefühl durch „Toll, das habe ich selbst gemacht und das hat keiner sonst!“ zu ersetzen, aber ich arbeite daran. Eine konsumkritische Haltung ist manchmal gar nicht so einfach.

3. Ich habe noch nie einen Kurs besucht, der das Hobby betrifft. Gehört zu den Dingen, die ich unbedingt machen möchte. Der Siebdruckkurs im letztem Winter scheiterte daran, dass ich wegen anderer Verpflichtungen nur an der Hälfte der Kurstage Zeit gehabt hätte, und so war es bisher immer.

4. Ich sammele ältere und alte Näh- und Handarbeitsbücher und wenn meine Zeit es erlaubt, werde ich auch einmal einige hier vorstellen. Ich mag die Illustrationen, die ganze Aufmachung, die mitgelieferte Lebenshilfe, und selbst im Inferno der Siebzigerjahremuster und -farben gibt es immer wieder originelle Ideen. Manches, was jetzt als „der neue Handarbeits-Trend“ propagiert wird, findet sich schon in dreißig oder vierzig Jahre alten Büchern.

5. Der hier kürzlich besprochene Nähwagen hat die jüngste Ausmist- und Frühjahrsputzaktion im Hause Nahtzugabe nicht überlebt. Seit meiner Bekanntschaft mit seinem pulverisierten Schaumstoffinnenleben hatte sich meine Begeisterung, so vorhanden, schon etwas gelegt. Dazu noch die hausinterne Opposition – als wir sowieso wegen einem nicht mehr benutzbaren Bügelbrett mit Knick im Gestell zum Müllplatz fahren mussten, willigte ich schließlich ein und er kam mit. Dort musste ich tatsächlich das Wegwerfen des kaputten Bügelbretts gegenüber einer anderen Recyclinghof-Kundin verteidigen („Das wollen Sie wegwerfen?! Unglaublich, sowas habe ich mir gerade gekauft!“), während der Nähwagen völlig unbeachtet in den Container wanderte. Armes Ding.

6. Durch das Bloggen habe ich erst den Spaß am Schreiben wiedergefunden. Unglaublich, weil ich nicht gedacht hatte, dass das überhaupt möglich wäre.

7. Kein Geheimnis: Die Monatsseite April ist schon seit über einer Woche fertig, auch schon fotografiert, aber der Text dazu dauert noch. Nach wie vor bin ich nämlich eine eher langsame Schreiberin, aber das macht nichts, Hauptsache es tut nicht mehr weh.

9 Kommentare:

  1. Wie gerne ich deine Beiträge lese!
    Manchmal denke ich, wir könnten Schwestern sein - und deshalb ein ganz grosses Kompliment zu "5."!
    Welch mutige Entscheidung, welcher Platzgewinn...

    Herzliche Grüsse Ly

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  2. Hach, ein wirklich interessantes Stöckchen, das da durch die Blogwelt wabert. Punkt 2 kenne ich übrigens ziemlich gut, weil ich mir oft nicht sicher bin, ob es wirklich schön ist. Und manchmal bin ich auch ein bisschen enttäuscht, weil es anders aussieht als geplant. Aber ich trage es trotzdem und dann geht es irgendwann!
    Verpöngelt heißt tatsächlich verwöhnt. Du bist ein Sprachtalent!
    Liebe Grüße aus Aachen,
    Juli

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  3. Danke für den Einblick!
    LG
    sonia

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  4. Liebe Lucy,
    vielen Dank für die interessanten Einblicke! In Punkt 2 stimme ich 100%ig mit dir überein - ich wünschte, es wäre anders! Aber ich arbeite an meiner Haltung...
    Und es wäre wirklich eine große Verschwendung gewesen, hättest du nicht wieder zum Schreiben gefunden! Deine Texte lese ich immer ungemein gern!
    Liebe Grüße
    von Katharina,
    die schon ganz gespannt auf die neue Monatsseite ist

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  5. Beim Lesen von Punkt 1 und 2 musste ich sehr schmunzeln, da geht es mir genauso.

    Ganz liebe Grüsse von Sabine

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  6. Liebe Lucy,
    Punkt 2. fand ich wirklich interessant und erstaunlich; ich arbeite daran, um das Gefühl bei mir auch mal zu überprüfen (Stoff und Schnitt liegen hier schon rum).
    Übrigens freue ich mich über deine Kommentare immer besonders - wegen deines Blog-Namens: "Lucy in the sky with diamonds" macht nämlich schon beim daran denken extrem gute Laune :-)
    LG, Mona

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  7. Bei so schönen Posts und Werken muss man sich keine Gedanken machen, ob man vielleicht langsam schreibt (und stattdessen eher schnell werkelt) und an der positiven Einstellung zu arbeiten lohnt sich bei solchen Werken!

    Liebe Grüße, teufelskruemel

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  8. Ich habe Deinen Blog erst gestern entdeckt und bin wirklich sehr begeistert. Wirklich sehr kreativ. So begeistert, dass ich meinem Mann beim Frühstück in epischer Breite davon erzählt habe.
    Zu Punkt 2: Wirklich nervig ist wenn andere selbstgemachtes bewundern und die Kreativität und das Können loben und dann gleich fragen:"könntest mir nicht auch dieses oder jenes nähen" aber kosten soll es weniger wie bei H&M weil's ja selbstgemacht ist.
    Vielleicht gibt es im Zuge der Krise auch da ein umdenken. Handarbeit ist höher zu bewerten als Konfektion und sei sie auch von Prada oder so.
    Liebe Grüße
    Teresa

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  9. These des Liebsten zu 2.: Jagen und Sammeln ist genetisch tief verankert, war einst überlebenswichtig, daher haben (und wollen!) Menschen dieses Glücksgefühl heute immer noch. Nur haben sich die Sammelobjekte und die Jagdgründe verändert. Wer weiß?
    Teresa, "in epischer Breite von Blogs erzählen", das mache ich auch gerne, treffe aber nur selten auf das Interesse, was ich mir vorgestellt habe ;-)

    viele Grüße, Lucy

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