Freitag, 3. Dezember 2010

Warme Füße


Warme Füße, oder genauer gesagt: kalte Füße, und wie man sie erwärmt, sind im Winter mein Dauerthema. Hausschuhe zum Beipiel haben sicher eine Menge Vorteile, aber wie ich finde auch eine Menge Nachteile: Sie sehen fast durchweg nicht gut aus, vorsichtig ausgedrückt. Ich erinnere nur an Hausschuhe in Tierpfotenform, braunkarierte Filzpantoffeln, neonfarbene Crocs mit Plüschfutter und an die ganze Bandbreite irgendwelcher unansehnlicher Latschen mit Korkfußbett - bleibt mir bloß weg damit! Und so einen Ruch von Spießigkeit haben Hausschuhe ja auch.
Daher schlidderte ich bis vor einem halben Jahr immer auf Strümpfen durch die Wohnung, betrachtete die handgestrickten Socken aus dem Vorrat meines Liebsten als Dauerleihgabe und hatte natürlich trotzdem oft kalte Füße.

 

Dass ich mich mit der Wilderei in fremden Sockenschubladen nicht unbedingt beliebt mache, hätte mir klar sein müssen - dass das Opfer meiner Sockenborgerei aber eines Tages zurückschlägt und mir ein Paar Hausschuhe schenkt, damit hatte ich nicht gerechnet. Nach dem ersten Schock musste ich zugeben, dass sich die hellbraunen Schläppchen aus einer Art Kunstwildleder mit Plüschinnenseite sehr angenehm tragen und angenehm aussehen, jedenfalls besser als mehrere Paar Socken übereinander.


Jetzt bin ich also auf den Geschmack gekommen und brauche Nachschub, denn das geschenkte Paar löst sich schon langsam auf. Ausprobiert habe ich den Schnitt von Fräulein Otten, den man bei ihr herunterladen kann.

Der Außenstoff war ehemals eine Jacke, die ich zu Abiturzeiten gekauft und sehr viel getragen hatte, Wollwalk mit Polyesteranteil, der vor der Weiterverarbeitung bei 60 Grad in die Waschmaschine gewandert ist. Das konnte ihm quasi nichts anhaben, aber jetzt bin ich sicher, dass die Schläppchen auch eine Wäsche vertragen. Die Sohle ist aus einem ebenfalls vorhandenen Fensterleder (auch waschbar), gepolstert mit einer Lage Volumenvlies, die mit der Futtersohle versteppt ist. Im hinteren Teil des Hausschuhs ist ein Gummiband eingenäht, also nicht rundherum, wie man es in Stefanies Fotoanleitung sieht.

Das Ergebnis ist jedenfalls schon mal nicht schlecht, aber aus meinem Stoff ein bißchen dünn. Beim nächsten Mal würde ich auch den oberen Teil des Schuhs mit einer Lage Volumenvlies füttern, und für die Sohle zwei Lagen nehmen. Eventuell ziehe ich den Ausschnitt vorne etwas tiefer und schneide den oberen Schuhteil im Bruch zu, damit die ganze Geschichte noch "schuhiger" aussieht. Wenn die gekauften Schläppchen richtig durch sind, werden sie außerdem geschlachtet, und die gesammelten Erkenntnisse fließen dann in den Schnitt ein.
Ich gebs ja ungern zu, aber besser als nur Socken ist das allemal. Spießig? - Egal!

18 Kommentare:

  1. Ich hab's ja immer gesagt: Berlin ist die kälteste Stadt Deutschlands! Ich erinnere mich noch gut an deine Anti-Zugluft-Rolle. Und jetzt Puschen! Ich finde, warme Füße zu haben, kann gar nicht spießig sein! Und alte Sachen zu recyclen, macht sowieso jedes Unterfangen lobenswert.
    Ich habe übrigens letztens im Fernsehen einen Bericht über einen Puschenmacher in Berlin gesehen - 3. Generation Puschenmacherei oder so. Fand ich sehr interessant...
    Liebe Grüße
    Katharina

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  2. Ja, ja ! Ich glaube, mit zunehmendem Alter erkennt man die Vorteile von "Hausfinken" (süddeutsche Mundart, da gibt es bestimmt in jedem Dialekt ein nettes Wort dafür) dann doch wieder. Ich bekenne, dass ich dicke Socken zum Schlafen trage und ansonsten im Winter zu hause meist ein paar eher unschöne, aber sehr bequeme und warme-Füße-machende Clarks-Gummisohlen-Cloggs.
    Das Tragen von Schlafanzügen / Nachthemden ist für mich auch so eine Altersfrage. Lange Jahre, nachdem ich den Frotteeschlafanzügen der Kindheit entwachsen war, fand ich, dass es ein (olles) T-shirt genauso tut. Mit zunehmendem Alter bin ich dann doch zu Schlafanzügen zurückgekehrt (aber ohne Frottee, ohne Snoopy!)
    Die Hausschuhe sind so schön, damit kann man bedenkenlos Besuch empfangen
    LG
    Wiebke

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  3. Hausschuhe - hmm, das ist wirklich schwierig und speziell.Und was der Handel so bietet, ist naja eben so eine Sache. Und Frieren die andere! Ich trage auch Cloggs, die nicht aus dem Hausschuhregal sind und bei diesen Temperaturen zusätzlich gestrickte Strümpfe.
    In Filmen ist mir irgendwann mal aufgefallen, trägt kein Mensch Hausschuhe.Barfuß oder Pumps, dazwischen gibt es nix. Kintopp ist eben knallhart am Leben.
    Beschuhte Grüße von Karen
    Danke für den letzten wunderbaren Post. Ich konnte mal wieder nix schreiben, man ließ mich nicht rein.

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  4. Die Hausschuhe sehen sehr schön und gemütlich aus... und ein schöner Teppich ist das übrigens auch.
    Ich wünsche mir dieses Jahr Hausschuhe von jenem "Puschenmacher", den Katharina oben ganannt hat. In braun kariert oder grau, mal sehen was es wird. Das ist der letzte Filzlatschenmacher Berlins. Auch ich trage bis jetzt Socken + Stricksocken, aber das reicht einfach nicht mehr.
    Und stimmt: in Filmen scheint alle Welt in Straßeschuhen zu Hause rumzulaufen.

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  5. Interessant, ich habe gerade gesehen, dass es sogar zwei Berliner Puschenmacher gibt, einen in der Torstraße (mit über 100jähriger Tradition, also wahrscheinlich der aus dem Film), und einen in Zehlendorf.
    Ist das Puschentragen vielleicht eine vor allem mitteleuropäische (und japanische) Angelegenheit? Ich war zwei Mal im Schüleraustausch in Frankreich, bei zwei verschiedenen Familien, da wurden die Straßenschuhe ganz selbstverständlich in der Wohnung getragen. Das war für mich, als wäre man in der eigenen Wohnung nur auf der Durchreise, wie in einem Restaurant. In Tschechien hingegen bekommt man oft Hausschuhe aufgedrängt, wenn man irgendwo privat ein Zimmer mietet.
    An eine Filmszene mit Hausschuhen kann ich mich übrigens erinnern: In "Burn after reading" liegt John Malkovic im Bademantel mit Puschen schnarchend in einem Sessel und bietet einen so erbärmlich-unsexy Anblick, dass sein Frau in dem Moment beschließt, ihn zu verlassen. Hausschuhe haben einfach kein gutes Image.

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  6. Ich finde die Puschen sehen toll aus!
    Sind warme Füße spießig?
    Meine Kinder fanden meine dicken Filzpuschen auch erst sehr spießig, aber als sie sie mal anprobiert hatten, wollten sie auch welche ;-)
    Danke auch für den Tipp auf Fräulein Ottens Blog.
    Kannte ich noch nicht!
    lg
    ela

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  7. In Frankreich ist es tatsächlich unüblich, seine Gäste zum Schuheausziehen zu nötigen bzw. Gäste in Puschen zu empfangen. In meiner Kindheit (Norddeutschland) war es auch noch so, dass man die Schuhe eher anbehielt. In mir ist das noch so drin, wenn ich meine Schuhe woanders ausziehen soll, verliere ich damit ein Stück Würde. Könnte sein, dass das regionale Eigenheiten sind, denn hier in Berlin leide ich ziemlich unter dieser Ausziehpflicht.
    Andererseits trage ich zuhause schon seit Jahren ballerinaarige Puschen aus Frankreich, die so aussehen wie die deine ganz links im Bild. Sie halten immer in Jahr, dann kaufe ich mir im nächsten Sommer neue. Ein Teil habe ich schon zerlegt, ich könnte den Schnitt ja abzeichnen und dir mailen (welche Schuhgröße?). Für meine Tochter hatte ich welche aus verfilzter Wolldecke und einem ganz normalen Lederrest gemacht, lässt sich auch hervorragend waschen. (Zu diesen Themen hatte ich einen halbfertigen Post, der sich jetzt gerade in diesen Kommentar ergießt, scheint mir).
    Wünsch dir jedenfalls nun ganz warme Füße.

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  8. Besuch zwinge ich auch nicht dazu, die Schuhe auszuziehen, da geht es mir wie dir. Besonders ätzend finde ich das, wenn man zu einer (angeblichen) Party eingeladen ist, und dann läuft alles in Socken herum. Das ist eher am Platze, wenn man vertraute Freunde besucht und gemeinsam den Nachmittag auf dem Sofa verbringt.
    Danke für das Schnittangebot - meine Ballerinaschläppchen sind aber auch fast reif zum Zerlegen, ich glaub du musst dir die Mühe nicht machen.

    ncoh eine schönes Wochenende!

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  9. Na, dann füge ich jetzt auch noch mal was zur Hausschuhforschung hinzu.
    Ich kenne ne Menge Familien aus der Türkei, und da (jedenfalls bei denen, die ich so kenne)zieht jeder grundsätzlich immer die Schuhe aus, wenn er (oder sie) von draußen rein kommt. Manche tragen dann Hausschuhe oder eben nur Socken. Hängt vielleicht mit der Teppichtradition zusammen...
    Ich find das eigentlich immer schön, irgendwo hinzukommen und die Schuhe auszuziehen. Hat was respektvolles, wenn man den Dreck von draußen nicht in eine (fremde) Wohnung trägt. Ein bisschen heimischer fühe ich mich dann auch. Aber das ist sicher alles eine Sache der Gewöhnung.

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  10. Ich kann übrigens handgefilzte Puschen empfehlen - sehr schick und sehr warm :-)
    Viele Grüße
    Marika

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  11. Werden die Dinger in Berlin auch Puschen genannt? Hier in Frankfurt kennt niemand (ausser mir?) den Begriff, ich dachte immer das ist norddeutsch? Und das "Kalte-Füsse-Problem" kenne ich auch, ich hab ehrlich gesagt noch nicht die richtigen Puschen gefunden, dabei hab ich 3 Paar, einmal so Giesswein- Nachbildungen (lösen sich schnell an den Nähten auf), selbstgenähte Lederschläppchen (lassen die Kälte von unten durch) und Ökoschlappen mit Fussbett (nicht wirklich bequem und extrem häßlich). Vielleicht werde ich mich demnächst auch an die Nähmaschine setzen und mir auch welche nähen. Mittlerweile gibt es auch so Fusscreme die angeblich wärmen soll, aber ich glaube, dass ist nur so ein Verkaufstrick (kalte Füsse scheinen sehr verbreitet zu sein:)

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  12. Hm, ich weiß nicht, wie mans in Berlin sagt (ich bin ja selbst zugereiste Norddeutsche).
    Der Duden Sinn- und sachverwandte Wörter (allerdings eine alte Ausgabe) kennt das Wort "Puschen" überhaupt nicht! Neben Hauschuh, Pantoffel gibts da noch Babusche, Schlappen (ugs.), Latschen (salopp), Finken (schweiz. - Wiebke, bist du Schweizerin??), Patschen (ugs., österr.), Schlapfen (bayr., österr.).
    Zusammenfassend könnte man sagen: Die Dinger heißen so häßlich, wie sie meistens aussehen.

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  13. Man kann natürlich auch einfach immer zwei Glas Rotwein trinken, meine Füße werden davon immer schön warm ;)

    Mein nächster Versuch zum Thema Hausschuhe liegt in Form von zwei Knäueln Strick- und Filzwolle rum. Mal sehen, ob (und wann) das was wird.

    Davon abgesehen finde ich den kulturellen Hausschuhaspekt sehr interessant. Ich persönlich bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem Hausschuhe tragen keine ausdrückliche Pflicht war (es sei denn, die Schuhe von draußen waren sehr schmutzig). Allerdings trugen meine Eltern (fast) immer welche. Wir hatten allerdings auch viel Teppich.
    Besuch musste NIE die Schuhe ausziehen, und ich habe jetzt auch Hemmungen Besucher dazu zu verdonnern, mache es aber. Dazu putze ich zu ungern, und mit Kindern... hat man eine gute Ausrede ;p
    Auf einer Party finde ich das allerdings sehr peinlich. Und bei nicht so guten Bekannten behalte ich auch lieber die Schuhe an, eigentlich. Genauer gesagt, fühle ich mich nicht unwohl, wenn ich sie nicht ausziehen muss.
    Heutzutage ziehe ich zuhause immer die Schuhe aus, es käme mir gar nicht anders in den Sinn.
    Das erinnert mich daran, dass wir Bekannte haben, die auf gar keinen Fall wollen, dass ein Krümelchen Schmutz in die Wohnung kommt. Dazu gibt es dann IN der Wohnung noch mal ein Tuch, auf dem man sich die Schuhe auszieht und den bereits "ausgezogenen" besockten Fuß gleich auf den sauberen Boden abstellt (und nicht auf eine möglicherweise schmutzige Fußmatte draußen oder erst die schmutzigen Schuhe in der Wohnung...). Jedem Tierchen sein Plaisierchen ;)

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  14. Hausschuhe oder dicke Socken sind eigentlich ein absolutes Muss, nier im Haus tragen aber nur wir Frauen welche.
    Der Sohn oder der Ehemann nicht. Niemals.
    Ich weiß nicht, woran das liegt, Männer haben ja scheint´s eher selten kalte Füße. Auch im Freudeskreis kann ich mich höchstens an Männer in Birkenstocks erinnern. Aber der klassische Hausschuh für Männer? Fehlanzeige.

    Ich werde meine geliebte Lammfell-Winterjacke zu Saisonende ausmustern müssen- jetzt könnte ich mir vorstellen, da Mokassins aus den heilen Partien zu schneidern. Aber das muss ich dann wohl mit der Hand nähen......

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  15. Durch das Fensterleder ging die Maschine mit einer 100er-Nadel problemlos durch, ich habe gar nicht gemerkt, dass ich Leder nähe. Daher vermute ich, dass deine Pfaff mit Lammfell, auch in mehreren Schichten, nicht die geringsten Probleme haben würde. Zur Not eben mit Ledernadel.

    viele Grüße, Lucy

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  16. Ich bin zufällig auf Deinen Blog gelandet. Das Thema Kalte Füße im Winter steht bei mir auch hoch im Kurs. Extra Teppich, zweites Paar Socken, Wärmflasche, in 'ne Decke einkuscheln … frau weiß sich ja zu helfen. Gegen klassische Hausschuhe/Puschen/Schlappen wehre ich mich ebenfalls ein wenig. Na ja ... Deine selbstgemachten Hausschuhe können sich dann aber doch sehen lassen. Und wenn sie Dir sogar warme Füße machen umso besser. :) VG, Claire

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  17. hey ho, ich war bei Fräulein Otten auf dem Blogg - leider ist das Schnittmuster nicht mehr verfügbar, da der Link nicht mehr funktioniert. Auf Anfragen über die Kommentarfunktion reagiert sie auch nciht. KÖnntest du mir das Schnittmuster irgendwie zukommen lassen?
    das wäre grandios
    liebe Grüße von Maria

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    1. Hallo Maria,

      ich habe das Schnittmuster leider auch nicht mehr.... Google mal (hast du sicher schon...), man findet hier und da ein paar kostenlose Schnittmuster für Hausschuhe.

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Vielen Dank für deinen Kommentar!