Mittwoch, 25. Juli 2012

Schon wieder Näh-Fragezeichen: T-Shirts nähen


 Meike fragte beim vorletzten Nähfragezeichen, das jetzt noch einmal das aktuelle Nähfragezeichen ist:
Shirts nähen?
Warum näht ihr Shirts - wo es doch T-Shirts in großen Mengen und oft auch günstig zu kaufen gibt. Bei Jersey zählen ja auch nicht wirklich Passformprobleme. Was ist der Unterschied zwischen Euren Shirts und Kaufshirts? 
(Da sie die Frage nur noch einmal stellt, weil ich vorwitzigerweise drauf hingewiesen hatte, dass das Nähfragezeichen nur eine Woche im Blog stand, fühle ich mich jetzt auch verpflichtet zu antworten.)

Also: ihr habt alle Recht! Die, die sagen, dass es sich doch nicht lohne Shirts zu nähen, da man doch fast jede Farbe und Form günstig kaufen könne. Und die, die trotzdem selbst nähen, weil sie eben genau die richtige Ärmellänge, Ausschnittform, Schnittvariation und so weiter selbst bestimmen möchten.

Ich würde ja gerne zu der zweiten Gruppe gehören. Einmal habe ich mit dem Markt eine günstige Quelle für passablen Jersey vor der Tür, daher ist das Shirtnähen sogar ökonomisch sinnvoll. Zweitens betrete ich die Läden der großen Ketten derzeit gar nicht mehr, und ich sehe jedes Teil, das ich da nicht kaufe, als Erfolg an.

Allein, es fehlt mir an Übung. Man kann ja nicht erwarten, auf Anhieb perfekte Shirts zu produzieren - ebensowenig wie bei jedem anderen Nähobjekt. Die an sich einfache Konstruktion eines Shirts verleitet aber zu dieser Erwartung, und das macht unbefriedigene Ergebnisse noch umso unbefriedigender. Wer würde sich schon zerfleischen, wenn der asymmetrische Wollmantel nach einem Originalschnitt von 1952 mit 76 Teilen nähtechnisch nicht überall ganz gelungen ist? Eben. Bei einem einfachen Shirt aus 4 Teilen, 6 Nähten und ein paar Säumen fällt ein Verarbeitungsmakel erstens weit mehr auf, und zweitens auch motivationspsychologisch weit stärker ins Gewicht.

Außerdem ist Jerseymaterial nicht nur dehnbar, sondern auch erschreckend wandlungsfähig: ein Patentrezept zu finden - "so nähe ich das jetzt immer" - erscheint hoffnungslos, wenn doch jede neue Jerseyqualität wieder andere Tücken und Mucken hat. Zumindest bei den ersten 50 Shirts, vielleicht setzt danach die Routine ein, ich weiß es noch nicht. Poldis Beobachtung kann ich jedenfalls bestätigen: der Streifen für das Halsbündchen kann immer kürzer sein, als man zuerst denkt!

Ich nähe also mit wechselndem Erfolg weiterhin Shirts und versuche, mich einer konstant guten Verarbeitung und einem passenden Tshirt-Grundschnitt wie ihn Shirtmeisterin Monika verwendet, anzunähern.

Die Shirt-Nähanleitung bei Sandras Samos, die Meike schon verlinkt hatte, ist auf jeden Fall ein guter Ausgangspunkt. Was die Schnitte betrifft, bin ich bisher zu unsystematisch vorgegangen: jeden Schnitt nur einmal nähen und nie-, nie-, niemals Änderungen auf das Schnittmuster zurückübertragen - so kann das ja nichts werden mit dem Lieblingsschnitt.



Derzeit hätte ich gerne ein ganz einfaches Shirtschnittmuster mit angeschnittenen Ärmeln. Ausprobiert habe ich 106 aus Burdastyle 6/2011, eigentlich ein Schnitt für Webstoffe (Schnittmuster bei Burda hier). Ich habe einiges an Weite weggenommen, der V-Ausschnitt ist einen Tick zu breit, das Ergebnis ist OK - nicht brilliant, aber auch nicht schlechter als etwas Gekauftes. Darauf sollte ich aufbauen, und den Schnitt mit den Änderungen gleich noch einmal nähen!

Im Netz gibt es aber auch einige kostenlose T-Shirtschnitte, falls noch jemand schnittlos ist und das Shirtnähen gerne probieren möchte:

- das Blank Canvas Tee von 3 Hours Past the Edge of the World hat auch angeschnittene kurze Ärmel. Steph stellt in ihrem Blog regelmäßig Variationen dieses Schnittes vor und zeigt, wie sie konstruiert werden.

- Ida von schnittchen.com (vorletzter Eintrag auf der Seite) ist ein ärmelloses Jerseytop mit V-Ausschnitt und einem im Nacken hochgezogenen Kragen. 

- das Damen-Shirt von schneidern-naehen.de hat dreiviertellange Ärmel und einen runden Ausschnitt, der laut Anleitung nur umgeklappt und festgesteppt werden soll - hier wählt man wohl besser die Verarbeitung aus der oben verlinkten Anleitung von Sandras Samos mit Halsbündchen.

Die anderen Nähfragezeichen-Antworten, das Shirtnähen betreffend, hier bei Meike.

7 Kommentare:

  1. Ich wollte ja eigentlich auch noch eine Antwort schreiben, aber du hast alles gesagt. Und genau WEIL ich keinen Markt vor der Tür habe, finde ich die Vorstellung schrecklich einen teuren schönen Stoff zu einem mittemäßigen ungeliebten Shirt zu verarbeiten. Ich frage mich allerdings, warum ich mich dann traue Jerseykleider zu nähen....

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  2. Ich empfehle gemusterten Jersey zum Üben! Weder kann ich es besonders gut noch mache ich es besonders oft, aber ich sehe den Sinn des Shirtnähens schon ein, insbesondere wenn man durch passende Webstoffsachen so verwöhnt ist, dass auf einmal die schlechte Passform gekaufter Shirts auffällt. Bei mir z.B. krabbeln sie immer die breiten Hüften hoch und werfen in der Taille Falten. Bei großer Oberweite sammelt sich der Stoff auch manchmal oberhalb. Irgendwann nehme ich das mal in Angriff...

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  3. schnittmeisterin - wie nett. leider weit davon entfernt. aber - ich trage sehr viele shirts und aus einem probierten wird dann einfach das nächste, das besser passende.
    aber - ein grundshcnitt ist mir wichtig. und der armausscnitt.
    also - diesen schnitt nehmen und die passformänderungen übernehmen. und irgendwann macht es spaß. und noch mehr spaß. vor allem mit der overlock - ich nähe keinen geradstich mehr, nur noch overlockstiche.

    wenn es jemand schafft, dann du lucy.

    lg monika

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  4. ach, danke für die schnittmeisterin. ich bins ja nicht. nur mutig.
    lg monika

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  5. Interessante Frage.
    Also, ich nähe *gerne* Shirts, aber leider nur selten.
    Das liegt erstens daran, daß ich hier noch nichtmal ein Stoffgeschäft in der Nähe habe (geschweige denn ein gut sortiertes) und ich bei Jerseys Preise mit 20 €/m nicht so ganz einsehe (ökologisch angepinselt hin oder her, sorry...), und zweitens trage ich lieber Blusen.

    Mit online bestelltem (günstigem) Jersey hatte ich sowohl schon gute als auch schlechte Erfahrungen gemacht. Meist allerdings nicht beim Nähen, sondern beim (bzw. NACH dem) Waschen. Genau. Daß nämlich ein Stoff auch beim dritten Mal 30°-Wäsche eingehen kann oder sich dann doch noch irgendwie ulkig verzieht, ist Tatsache.

    Deshalb: Sehr selten. Gerne würde ich öfter und mehr T-Shirts nähen, aber mir fehlt da so ein bißchen der Drive dazu.
    Vielleicht sollte ich mir DIE Jerseyquelle suchen. Dann klappt's auch mit dem Drive... ;)

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  6. Ich glaube mit deiner neuen Ovi wird sich das ändern. Es geht einfach schneller und besser. Ich nähe meine Shirts meist nach Ottobre, da passen mir die Jerseyoberteile gut. Allerdings ist Shirtnähen eher Pflicht als Kür.
    Viele Grüße
    Julia

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  7. Ach Lucy , ich bin Dir ja so dankbar ! Ohne an das Nähfragezeichen zu denken habe ich mich auch an Shirts versucht ....Du hast ja sooo recht !Es gibt ihn einfach nicht , den einen Schnitt für alle Jerseys - und natürlich fallen Fehler bei so einem simplen Stück mega auf ( Frust !!! ) ! Ich bin getröstet , dass es Dir und scheint's auch den anderen nicht viel besser geht und werde weiter üben , üben , üben . Ich muss an dieser Stelle noch mal sagen , wie toll ich die Näh - und Strick Community finde , die sich mittlerweile so gefunden hat ( Dank auch an Catherine !! )
    Liebe Grüsse Dodo

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