Sonntag, 8. Juli 2012

Streifenmonat Juli: Bestandsaufnahme und Ideen (viele und nicht nur meine)

Meikes Monatsthema im Juli und August sind die Streifen: von Nadelstreifen bis Blockstreifen, vom Ringelshirt bis... ja, was? Das ist eben die Frage. Ich dachte ja erst, ich hätte keine besonderen Streifenpräferenzen, aber ganz so einfach ist es doch nicht.

Ringelshirts sind zum Beispiel eine Konstante in meinem Kleiderschrank. Im Laufe der Zeit hatte ich schon welche in allen möglichen Farben und Streifenbreiten und finde Ringelshirts eigentlich nie verkehrt, je geradezu unverzichtbar.


Ganz anders hingegen die Streifenbluse:  eine Bluse im klassischen Schnitt, längs gestreift wie ein Herrenhemd, finde ich einfach nur bieder. Liegt es an der Kombination von Muster und Material? Sind Streifen also nicht gleich Streifen, und würde eine Bluse mit Querstreifen etwas von der Lässigkeit eines Ringelshirts annehmen?

In meinem Kleiderschrank findet sich daher nur eine gestreifte Wickelbluse, Schnitt aus einem Burdaheft von 2005, die mir leider nicht sehr gut passt (der Schnitt hätte eine FBA gebraucht), und eine Bluse aus einem abgelegten Herrenhemd. So sind Streifen gerade noch in Ordnung.


Kommen wir zu den Unterteilen: Da ist einmal (hinten) der relativ neue Knotenrock 128 aus Burdastyle 3/2012 (Knotenanleitung hier). Ein prima Teil, mit Taschen, unkompliziert anzuziehen, passt zu vielem. Der Schnitt ist mein heißer Tipp, wenn man einen Rock mit Streifenspielerei nähen möchte, ohne beim Zuschneiden wahnsinnig zu werden: Der Streifenverlauf ergibt sich automatisch.

Der grüne Streifenrock ist das gerettete Unterteil eines Kleides - die Geschichte hatte ich vor langer Zeit hier erzählt. Während bei dem Rock die Streifen weder positiv noch negativ ins Gewicht fallen, sah das Kleid aus diesem Stoff einfach nur scheußlich aus: Kittelalarm! Wahrscheinlich eine Kombination aus schlechter Passform, schrecklichem Material (der matte, grobfädige, gecrashte Baumwollstoff ist nicht wirklich schön), ungünstiger Farbe und Längsstreifen.

Jetzt im Streifenmonat sehe ich mich also eher nicht von Kopf bis Fuß in Streifen. Ich mag Streifen vor allem als Ergänzung zu Einfarbigem und und anderen kleinen Mustern, mit denen sie ja auch gut harmonieren, wenn die Farben zusammenpassen.


Geplant habe ich
  • einen Streifenrock, wahrscheinlich einen weiten und ziemlich langen, leichten Sommerrock, bei dem der Streifenverlauf eine tragende Rolle bekommt. Diese zwei Stoffe aus dem Fundus stehen zur Auswahl, beide bekam ich geschenkt. Links ein etwas festerer Stoff mit eingewebten Streifen, Baumwolle mit Polybeimischung, schätze ich. Da der Stoff nicht wirklich luftig ist, tendiere ich zu dem Stoff rechts: aufgedruckte Streifen, reine Baumwolle, knittert leicht, fasst sich aber sehr angenehm an.
  • eventuell ein luftiges Jersey-Streifenkleid nach dieser Anleitung von Katja. Ich bin nicht sicher, ob der Rückenausschnitt etwas für mich ist. Der Streifenverlauf, in dem keine Richtung dominiert, gefällt mir schon einmal. Ob ich das angehe hängt davon ab, ob ich in den nächsten Wochen passenden Streifenjersey bekomme - mir schwebt eine dunkle Farbe mit schmalen, helleren Streifen vor.
In punkto Streifenrock muss ich erst noch einen konkreten Plan entwickeln. In meinem Nähbücherfundus habe ich eine Ausgabe der Zeitschrift "Handarbeiten und Hauswirtschaft" von 1957 Heft1, 1958, einer Fachzeitschrift, die sich an Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerinnen in Franken richtete. In diesem Heft wurden unter der Überschrift "Streifen beflügeln die Fantasie" wohl nahezu alle Möglichkeiten der Streifenverwendung durchexerziert. Darunter sind viele wirklich gute Ideen, daher lasst uns mal einen Blick hineinwerfen.


Die junge Frau trägt eine Schürze aus - na klar- Streifenstoffen. Schürzen und Nachthemden (mit Kimonoärmel) waren übrigens die zwei Objekte, die 1957 laut Lehrplan im Handarbeitsunterricht genäht werden sollten. Die Fotos zum Artikel zeigen jeweils Nähproben mit Streifenstoffen, die mögliche Anwendung bei Kleidungsstücken vermittelte man in sehr charmanten Zeichnungen.

Der Artikel gibt natürlich auch Verarbeitungshinweise: Die Autorin Irmgard Hartmann empfahl, die Streifenanschlüsse mit schrägen Heftstichen von rechts mit der Hand zu heften und dann von links mit der Maschine nachzunähen. Manche Formen wie Dreiecke und Zacken wurden hingegen auf der rechten Stoffseite aufgesteppt. Falls ihr zu einem bestimmten Beispiel Näheres wissen wollt, fragt in den Kommentaren danach - meistens steht da noch irgendwo ein knapper Satz, den ich weitergeben kann.


Hier haben wir zum Beispiel quer gestreifte Blusen. An dem Kleid finde ich vor allem die Kragen- bzw. Ausschnittlösung interessant.


Der oberste Rock wäre ein Kandidat für meinen Streifenstoff:  drei schräge Partien, durch schmale Querstreifen getrennt. Wenn man diese Röcke aus einer in Falten gelegten geraden Rockbahn näht, ist das auch gar nicht so schwierig. Kompliziert wird es erst beim obersten und beim untersten Kleid, dort deutet der Zeichner oder die Zeichnerin einen Bahnenrock an, wobei die Querstreifen beim oberen Kleid patchworkmäßig eingesetzt wurden, beim unteren Kleid sind es zwischengefasste Blenden. Immerhin muss man so nicht auf den Streifenanschluss achten.


Hier finde ich den Rock auch ganz interessant. Da nur die schmalen eingesetzten Streifen schräg geschnitten sind, wäre das Modell auch nicht allzu stofffressend.

Schaut euch aber einmal das Kleid genau an, und zwar aus Schneiderinnensicht, nicht aus der Sicht eines Illustrators: Da hat doch der Wahnsinn schon die Türklinke zum Nähzimmer in der Hand. Eingesetzte zweiteilige Godets mit schrägem Streifenverlauf, und an der Naht laufen die Streifen genau zusammen! Das kann man vielleicht so zeichnen - nähen kann man das eigentlich nicht.


Das obere Kleid ist schon realistischer: alles quergestreift. Das bienenkorbartige Objekt darunter ist ein Kaffeewärmer, und die Idee der versetzten Streifen bei den beiden Teilen ganz unten gefällt mir. Nur dass das wahrscheinlich mit lauter gleich breiten Streifen wie in den Nähproben besser aussieht, als mit meinem unregelmäßig gestreiften Stoff.


Die Fünfziger liebten große, aufgesetzte Taschen, jedenfalls am "Waschkleid", dem Kleid, das man alltags zuhause trug. Die Oberteillösung samt Streifen am unteren Kleid ist auch ganz schön, nicht wahr?


Hier gibts noch einmal die schönen Kragen an den breiten, flachen Ausschnitten, die typisch Fünfziger sind.


Hier scheint es sich wieder um Bahnenröcke zu handeln. Die Musterplazierung im echten Leben so auszutüfteln, dürfte alles andere als einfach sein.


Genauso hier - die Bordüre beim unteren Kleid soll man aufsteppen. Dabei muss man den Musterrapport so ausrechnen, dass die Verzierung dann auch mit einem vollständigen Quadrat endet. Und dann muss die Höhe der schräg gestellten Quadrate auch noch mit der Rocklänge und der Streifenbreite harmonieren. Puh.


Den Streifenrauteneinsatz am Oberteil finde ich sehr hübsch, auf spitze Taschen auf der Schürze kann ich hingegen verzichten (bzw. auf Schürzen überhaupt, aber darum geht es hier ja nicht). In den Taschenspitzen lassen sich bestimmt hervorragend Krümel sammeln.


Oben: ein Schlafanzug - unten: ein verstürztes Band, das durch große Knopflöcher im Rock gezogen wird. Also auswechselbar.


Im folgenden Heft von "Handarbeiten und Hauswirtschaft" gab es diesen Nachtrag: Blockstreifen können so gefaltet und zusammengesteppt werden, dass neue, interessante Streifenmuster entstehen.

An Ideen ist also kein Mangel - weitere wie gesagt hier beim Auftakt des Streifenmonats -, ich bin selbst gespannt, was es schließlich wird.

18 Kommentare:

  1. Das ist ja wirklich phänomenal, was Du da zum Thema Streifen gefunden hast! Ein echter 50s-Streifen-Verarbeitungs-Schatz... sehr interessant, die Möglichkeiten die Streifen zu variieren indem man den Fadenverlauf verändert. Ich bin gespannt, was Du aus den vorgestellten Stoffen machen wirst!

    Christel

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  2. Ich finde faszinierend, welche Informationsdichte damals gang und gäbe war. Ich habe einen Stoß alter Handarbeitshefte geerbt (keine Fachliteratur) und bin auch fasziniert. Wenn man sich dagegen den Inhalt neuer Hefte (z.B. "Cut") ansieht, könnte deren Inhalt im Vergleich auf zwei Seiten zusammengeschrieben werden!

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  3. Liebe Lucy,
    mal ein kleiner einwurf von mir in sachen streifen-variationen im echten leben zu nähen . . .
    doch, das ging früher sehr gut: weil die stoffe nämlich gewebt und nicht gedruckt waren. dh, du hast auf beiden seiten einen sauberen und identischen musterlauf. sowas macht(e) es wesentlich leichter komplizierte schnitt-und nähtechniken auszuführen. vieles konnte durch kniffen und vorbügeln entsprechend vorberitet werden.
    außerdem hatten wir auch um den nähfußbereich herum mehr platz ( bei den rein mechanischen=tretmaschinen), zur seite und nach oben, als heute, was das halten und zurechtschieben auch vereinfacht hat.
    trotzdem war es eine riesige tüftelei solchen komplizierten muster im "großen stil" zu nähen.
    kleine pröbchen waren naturgemäß nicht so schwierig.
    ich selber habe in den siebzigern -ein einziges mal was aus streifen genäht; einen sommermantel (ohne schnitt) >>> http://iloapp.abf1.de/blog/naehen?Home&post=7

    ich bin gespannt was dir zu deinen stoffen einfällt.
    lg
    carola

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  4. Deine "Streifenbibel" ist ja der Hammer! Ich hoffe, dass ich am übernächsten Dienstag auf dem Markt ganz billigen schönen Streifenstoff kaufen kann, um so richtig materialverschwenderisch ähnliche Dinge zu zaubern, wie du sie gezeigt hast.

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  5. wahnsinn ! eine detailgenauigkeit und arbeitssorgfalt...da könnt ich mir als alte zuschneidschlampe noch was abgucken... ich hätt da noch was gewebtes rumliegen.

    grüße
    stella

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  6. "streifenbibel" ist gut, triffts auch. das buch scheint wahnsinn zu sein-wie es die alten nähbücher ja oft sind;)
    herzlich auf die ersten ergebnisse gespannt birgit

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  7. Diese alten Nähbücher sind total inspirierend, aber so ausführliche Beispiele habe ich noch in keinem gesehen. Da sind echt tolle Sachen für Geduldige oder erfahrene Patchworkerinnen dabei.
    Wahrscheinlich klappt es wirklich am besten mit Webstoffen, einen so sauberen Streifenverlauf hinzukriegen. Ich habe bei Ringeljerseys immer Schwierigkeiten die Streifen genau aufeinander treffen zu lassen, deshalb interessiert mich der oben angesprochene Trick mit dem schräg Heften von rechts. Ich kann mir das nicht genau vorstellen, wie ich dann normal links nähen kann.

    Dein Knotenrock gefällt mir übrigens sehr.

    LG
    Susanne

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    1. Also, die Autorin empfiehlt: "[...] erzielt man größte Genauigkeit, wenn eine Stoffkante nach links geknickt und der anderen aufgesteckt wird (Stecknadeln rechtwinklig zur Kante!). Danach wird die Naht von rechts mit kleinen Schrägstichen so aufgeheftet, daß die Bruchkante eben gefaßt wird. [...] Dann wird der Bruch von links ausgestrichen, die Naht in der Heftlinie gesteppt, auseinander- oder nach einer Seite gebügelt."

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    2. Danke, muss ich mal ausprobieren, ob das auch mit Jersey geht.

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  8. :-D sagte ich doch: der wohl interessantestes 'Muster-Monat' mit den herrrrrrrlichsten Spiel-Varianten. Fieselig waren und bleiben sie immer; nur marginal 'schlimmer' ABER: viele kennen 'Das Frueher' gar nicht (mehr) als Vergleichsbasis und kaempfen sich trotzdem bleeeendend durch!
    Vielen Dank, fuer Deine Lieferung von 'Wasser auf meine Muehlen' ! :-)

    LG, Gerlinde

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  9. Die Kombination Streifen und Blümchen bei deiner Bluse finde ich sehr hübsch. Bei Streifenkleidern bin ich weiterhin ambivalent, denn ich habe da leider ein scheußliches Streifenkleid im Schrank, mal schauen, ob ich das mal zu Abschreckung poste. Diese Streifenspielereien sind aber sehr reizvoll. Schau ma mal...
    Viele Grüße
    Julia

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  10. Solche Bücher sind wunderbar- aber wer macht sich heutzutage noch die Mühe, derart exakt zu arbeiten?
    Meine Mutter hat viel genäht, aber das war damals in den 60ern echtes slow-sewing. Sie hat wochenlang an einem Kostüm gearbeitet und wundert sich heute über den Ausstoß an Klamotten, die wir Näherinnen produzieren.
    Die Nahtlinien durchschlagen?
    Komplizierte Paspeltaschen einarbeiten?
    Da gibt es nur noch wenige, die sich diese Arbeit machen.
    Deshalb habe ich auch einen Heidenrespekt vor den Patchworkerinnen, die arbeiten heute noch so exakt wie damals die Hauswirtschaftslehrerinnen gefordert haben.
    Aber ich schweife ab :)

    Streifen (und noch schwieriger: Karos) sind toll, aber man muss eben schon beim Zuschnitt höllisch aufpassen. Mit deinen gedruckten Streifen ist das sicher nicht einfach. Aber wer wie du Patchworkdecken mit der Hand genäht hat, der wird das sicher hinbekommen......

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  11. ... und 3. ganz verliebter Besuch hier!
    LG, Gerlinde
    (ich glaub', diesen Monat bringt Ihr mich glatt (komplett) zum Durchdrehen ;-) !)

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  12. Super, was für eine Sammlung an Vorschlägen! Da hat sich jemand wirklich viel Mühe gemacht.
    Ich liebe Streifen, habe aber sehr viel Respekt vor der Genauigkeit, die einem da abgefordert wird - ungenau sieht sehr schnell einfach nicht gut aus.
    Ich denke auch, das das mit gewebten Streifen besser geht.

    Ich bin SEHR gespannt auf die Ergebnisse vom Streifenmonat!

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  13. Eine tolle Sammlung von Streifen!!

    LG
    Christine

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  14. ... und Besuch Nr. 4 ;-) (o.k., o.k., ich hoer' jetzt auf zum Mitzaehlen/-schreiben ;-) ! )

    LG, Gerlinde

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  15. :-) Wortbruch; begeisterter: No. 5 !!!

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  16. Für mich ist diese Abhandlung auch eine wahre Fundgrube. Wenn ich kann fotografiere ich solche Streifenkleider mit aufeinanderstoßenden Schrägen in 50s Filmen vom Bildschirm ab - bei Röcken und Krägen finde ich das vor allem toll. Nun brauche ich gar nicht mehr zu sammeln, komme hier nur wieder vorbei. Ich würde es auch eher mit gewebten Streifen machen, habe da schon ein Lager z.B. mit feinen Hemdenstoffen von Hüco. Dein Blumenkleid und der lange Blockrock stehen dir doch so gut - das schreit nach einer weiteren 50s-Umsetzung. Ich hatte für mich eine Blusen mit angeschnittenen Ärmeln und Kragen mit gewinkelten STreifen im Sinn, hoffentlich raffe ich mich auf.
    Danke fürs Zeigen!

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Vielen Dank für deinen Kommentar!