Mittwoch, 28. November 2012

Das Nähkontor: Knöpfe, Borten, Retrostoffe in Prenzlauer Berg


Im Wochenrückblick hatte ich vor zwei Tagen ja schon ansatzweise vom Nähkontor in der Bötzowstraße geschwärmt, zu dessen Eröffnung das Kreuzberger Nähkränzchen am Samstag eine Betriebsausflug unternahm. Schon nach einer oberflächlichen Sichtung des Sortiments waren Catherine, Wiebke und ich uns einig: wäre dieser Laden in Kreuzberg und damit in unserer Nähe, es wäre unser Ruin. So eine große Auswahl an Knöpfen, so schöne Retroborten und -Stoffe und so ein stilvolles Geschäft kann man nämlich lange suchen.


Nina und ihre Geschäftspartnerin Elke übernahmen Möbel und Warenbestand eines alt eingesessenen Kurzwarenladens in Konstanz. Einige von euch werden sich vielleicht daran erinnern: Über dieses Geschäft, das es mehr als ein halbes Jahrhundert gegeben hatte, sendete der Bayerische Rundfunk vor etwa zwei Jahren einen kurzen Bericht, als die Besitzerin aus Altersgründen aufhören musste. Herz und Seele des Kurzwarenhandels sind nun nach Berlin transplantiert worden - in einen luftigen Eckladen mit Fünfzigerjahre-blaugrauen Wänden.


Dekorative Borten aus den letzten Jahrzehnten und eine Riesenauswahl an wirklich wunderbaren Knöpfen und dekorativen Gürtelschnallen teilen sich nun die Regale mit Kurzwaren eher praktischer Art wie Schräg- und Gummibändern, Bündchen und Reißverschlüssen und Einlagen. Ergänzt werden die alten Stoffe und Borten von neuer Ware, Stoffstandards wie guten Futterstoffen, Feincord und Jersey in verschiedenen Farben, aber auch einigen Jersey- und Baumwolldrucken.    


Sehr angenehm finde ich, dass das Stoffangebot nicht in erster Linie auf zu benähende Kinder ausgerichtet ist, wie in vielen anderen Läden. Nein, hier bekommt man alles, um ernsthaft für Erwachsene zu nähen. Besonders interessant dürfte das Nähkontor für die Retronäherinnen unter uns sein: sucht ihr zu dem Sommerkleidschnitt aus den 50ern oder dem Jackie-Kennedy-Jäckchen aus den Sechzigern den passenden Originalknopf, findet ihr ihn vermutlich hier. 


Stoffbezogene Knöpfe und Gürtelschnallen passend zum Kleid können die zwei Damen vom Nähkontor demnächst auch herstellen, die Maschinen stehen schon bereit.


Nina lernte ich ursprünglich in der Strickrunde kennen, wo sie ab und zu von den Fortschritten bei Ladenumbau und Warensortierung erzählte, über die sie auch im Nähkontor-Blog berichtete. Die beiden renovierten den Laden nämlich zu einem großen Teil selbst, und die Kurzwaren aus Konstanz kamen in Umzugskisten verpackt und müssen sortiert, gezählt und inventarisiert werden. Bei der Eröffnung durfte ich einen kurzen Blick in einen Nebenraum werfen - dort waren die Kisten immer noch bis zur Decke gestapelt, nach Ninas Schätzung lagert dort noch einmal so viel, wie jetzt schon im Laden einsortiert ist, und demnächst soll es das meiste auch in einem Online-shop geben.[Ergänzung 19.8. 2013: der Onlineshop ist jetzt eröffnet: naehkontor.de.]


Nicht zuletzt laufen ab sofort auch Nähkurse und Nähworkshops für Erwachsene und Kinder, die in einem gut ausgestatteten Kursraum stattfinden, von dem ich leider kein Foto gemacht habe. 

Nähkontor
Bötzowstr. 13/Ecke Käthe-Niederkirchner-Str.
10407 Berlin

www.naehkontor.de 

Wer einen weiten Weg ins Bötzowviertel auf sich nehmen muss, braucht vor der Heimreise bestimmt eine Stärkung: in der Österreichischen Konditorei Franz-Karl in der Bötzowstraße 15 (laut Webseite nur Mittwoch bis Sonntag geöffnet) gibt es beste Torten, z. B. Mohn-Apfel-Karamelltorte.

Besuchenswert ist außerdem der Laden der Fachfrau, Bötzowstraße 37. Das Konzept ist ähnlich wie in der "Galerie von Fach zu Fach", auf die ich bei meiner Charlottenburg-Tour gestoßen war: Die Regalfächer können wochenweise gemietet werden, angeboten werden Kunst, Selbstgemachtes und Altes.

14 Kommentare:

  1. wui sieht das toll aus, da wäre ich sehr oft, würde ich in der nähe wohnen :)
    glg andrea

    AntwortenLöschen
  2. Hach, das klingt sehr gut - und wieder nach einer echten Schatzkiste. Zu schade, dass alle meine Wochenenden in nächster Zeit schon verplant sind. Obwohl, so ein kleiner Abstecher auf dem Weg von der Arbeit nach Hause...
    Lieben Dank auf alle Fälle für diese schönen Einblicke und den Tipp(s - der Kuchen sieht ja auch toll aus)!
    Naomi

    AntwortenLöschen
  3. Toll! ich erinnere mich gut an besagten Konstanzer Laden und fand es schade als er schloß.

    Viele liebe Grüße von Ellen

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Du kanntest den Laden? (aber ist ja eigentlich klar - wenn man aus der Gegend kommt und näht, kennt man solche Läden). Es ist schon schade, dass sich in der Region niemand gefunden hat, der ihn weiterführen mochte - aber hier ist er auch in guten Händen.

      viele Grüße!

      Löschen
  4. Oh, endlich einmal bin ich froh, nicht in Berlin zu wohnen! Das wäre tragisch für unser finanzielles Auskommen und den ohnehin geringen Platz in unserer Wohnung, nicht auszumalen, wie ich meine Tage verbringen würde!

    Ein bisschen traurig macht mich der Gedanke, dass sich solche Läden in weniger großen Städten nicht mehr halten können und die Inhaber keine Nachfolger mehr finden. Das ist wohl der Preis für die Möglichkeit, alles online kaufen zu können. (Achje. Ich werde wohl alt.)
    Das Nähkontor sieht ganz, ganz bezaubernd aus.

    AntwortenLöschen
  5. Der Laden sieht so wunderbar bestückt aus!ich wünsche den Inhaberinnen ganz viel Erfolg und werde dort bei meinem nächsten Berlinbesuch vorbeigucken!

    AntwortenLöschen
  6. Ach herjeee, in meiner alten Heimat solch ein Laden. Und warum wußte ich vor zwei Wochen nix von dem? Das klingt ja wunderbar!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Weil es den vor zwei Wochen noch nicht gab! Hat erst am letzten Wochenende eröffnet, früher war wohl nicht drin, sonst hätte mans ins Blogtreffen einbinden können.

      Löschen
  7. Sehr schöne stimmungsvolle Fotos und eure Berichte sind wirklich so verlockend. Wäre all das um die Ecke, hätte ich schon längst geschaut. Vor allem muss ich auskundschaften, ob dort noch Borten und Bänder sind, die man früher zum Spitzenhäkeln benutzt hat. Was der Lagerraum wohl später noch alles hergibt!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Sie haben ja noch nicht mal alles durchsortiert! Es sind wohl auch Teile dabei, von denen keiner weiß, wofür sie gut sind, die müsstest du dir dann mal vorführen lassen.

      viele Grüße!

      Löschen
  8. Finde ich wunderbar, dass sich jemand dieses Erbes angenommen hat und ich finde die Zeit ist gerade richtig gut dafür. Da werde ich auf alle vorbeiflitzen, besser rein-, wenn ich wieder in B. bin. Auch die Umgebung klingt gut, vorallem lecker. Danke für Deinen schönen Bericht!

    AntwortenLöschen
  9. *yapps* *hyperventilier* *sabber*

    (Ich kannte den Konstanzer Laden auch.... - Mehr oder weniger das einzige aus Konstanz, das ich bedauerte zu verlassen.. )

    AntwortenLöschen
  10. Ein sehr schöner Text - schade, dass ich nicht nähen kann! Nach ein paar täppischen Versuchen habe ich es aufgegeben. Und dabei zieht mich doch das ganze Drumherum wie magisch an, all die schönen Borten, die nach Farben sortierten Garne, die Knöpfe ...

    AntwortenLöschen
  11. Hallo zusammen,
    das ist ja ein toller Laden. Wenn ich meinen Sohn in Berlin besuche, werde
    ich bestimmt mal dort vorbei schauen. So viel schöne Sachen.
    Liebe Grüße aus Krefeld
    Gabi

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für deinen Kommentar!