Freitag, 18. Oktober 2013

Woche 41


Zurück vom Betriebsausflug des MMM-Teams in den Süden und von einem kleinen Familienbesuch anschließend, um das zu erleben, was es in Berlin nicht gibt: weite Landschaften und Stille. Eine Woche komplett offline tat gut, vor allem da ich vor dem Wegfahren jedes Mal in Hektik verfalle, weil so viel noch unbedingt vorher zu erledigen ist. Der Liebste hält es ebenso und bleibt am letzten Tag auch immer extra lange im Büro, so dass wir beide erst spät zuhause eintreffen, die Koffer noch ungepackt, nichts mehr zu essen da, beide abgehetzt. Ein Freund von uns meinte einmal angesichts unseres Wegfahrverhaltens, er könne sowas ja nicht, er brauche immer erst einen Tag vor dem Wegfahren für sich, um sich in Ruhe darauf einzustellen. Ja, diesen Tag nur für mich hätte ich auch gerne, nur klappt das leider nie!

Die gehäkelten Sechsecke sind ein neues Projekt mit Suchtpotential - nachdem ich natürlich Meikes Häkeldeckenfortschritte verfolgte und ihre Hexagons beim Betriebsausflug auch mal anfassen konnte, gab ich nach und begann mit Sockenwollresten und einer Häkelnadel Nr. 2,5. Bisher bin ich begeistert. Im Grunde trage ich einen unterdrückten Hexagondeckenwunsch schon seit 2007 mit mir herum, als Moonstitches ihre wunderbare Decke häkelte. Nur wusste ich lange nicht, welches Garn ich verwenden sollte: Acrylgarn gibt es zwar günstig in vielen Farben und ich finde es für Dekosachen die man nicht anzieht auch ganz annehmbar, aber eine Menge Plastikgarn neu kaufen wollte ich auch nicht. Baumwolle war mir zu schwer, Wolle extra zu kaufen zu teuer - wie gut, dass ich jetzt darauf kam, meine bunten Sockenwollreste, aus denen sowieso keine Socken mehr werden, zu verhäkeln. Siebenhundertsachen schickte mir außerdem netterweise ein paar weitere Reste in anderen Farben zu  -  Danke nochmal! Das Sechseckmuster sind die "Love at first sight"-Hexagons von Le monde de Sucrette und ich strebe vorerst nur einen Kissenbezug an.

Und weil ich in der vergangenen Woche recht viel Zeit auf Bahnhöfen verbracht habe, kam ich nicht umhin, den irrsinnigen Werbeaufwand zu bemerken, den Pro7 in die Sendung Fashion Hero investiert. Neben Plakaten an jeder zweiten Ecke gibt es auch ein gedrucktes Magazin, das ich wegen der auf dem Titel angekündigten "4 Schnittmuster" mitnahm.

Ich finde ja prinzipiell erstmal alles gut, was Leute zum Nähen bringt, und die Zeitschrift ist auch nicht schlecht gemacht - ein bißchen Modetrends, die Kandidatinnen und Kandidaten werden vorgestellt, ein langer Artikel erklärt die Möglichkeiten, Modedesign zu studieren. Aber ohje, die Schnittmuster! Zwar gibt es einen richtigen Schnittbogen aus Seidenpapier für vier Modelle in den Größen S, M und L, aber weder eine Maßtabelle, noch technische Zeichnungen noch Angaben zur Stoffmenge und -art. Die Nähanleitungen lassen sich über QR-Codes abrufen, aber was man dann bekommt ist zum Beispiel sowas: Nähanleitung Twiggy-Kleid. Eine Aufzählung der Nähschritte, mit deren Hilfe eine versierte Selbermacherin dieses Kleid wahrscheinlich zusammennähen könnte - eine Nähanfängerin aber ganz sicher nicht. Also liebe Nähanfängerinnen - spart euch das Geld für das Heft, wenn es euch um Schnittmuster geht, und kauft euch lieber die Cut oder die Burda Easy, die haben ausführliche Anleitungen mit Bildern.

Linktipps gibt es diese Woche nicht, aber eine Empfehlung für die BerlinerInnen: In der Auguststraße 82 in Mitte hat mit Water to Wine ein neuer Laden für Upcycling-Mode eröffnet. Das Besondere: dahinter steckt ein Projekt der Berliner Stadtmission in Kooperation mit der Designerin Sarah Schwesig. Verarbeitet werden Kleiderspenden an die Stadtmission, die nicht an Obdachlose verteilt werden können, weil die Sachen kaputt sind oder nicht geeignet, wie zum Beispiel Abendkleider. In neuer, umgearbeiteter Gestalt warten sie bei Water to Wine auf Käufer, außerdem gibt es Schmuck und Accessoires anderer Labels, die sich ebenfalls dem Recycling und Upcycling verschrieben haben. Ich finde das hört sich sehr sinnvoll an, hoffentlich komme ich am Wochenende dazu, mir den Laden anzusehen.         

2 Kommentare:

  1. jetzt weiß ich immer noch nicht wo julia wohnt, wo ich doch auch aus dieser ecke komme, zumindest eben Unterfranken. Und so ein Fabrikverkauf - da liese sich ein Besüchlein ja schon mal einrichten bei den Eltern.
    Und die moonstitches Decke, an die kann ich mich auch erinnern. Da habe ich damals sofort angefangen zu häkeln, aus Baumwollresten. Hatte aber leider kein Durchhalevermögen, damals...
    So, nun sag ich mal bis nächste Woche.
    lg monika

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  2. Ahaa. Bin doch fernsehtechnisch nicht auf dem laufenden, habe aber die zeitschrift am bhf gesehen und irgendwie deren konzept nicht kapiert, weil ich auch keinen der designer kannte. Na klar, jetzt verstehe ich. Die Schnitte fand ich sehr unspannend, habe aber auf den ersten Blick gar nicht gesehen, wie unvollständig sie gemacht sind. Puh, da bin ich ja froh, dass ich mich zurückgehalten habe und das Heft nicht gekauft habe. Danke für die Info! Und eine angefangene Häkeldecke lungert hier auch herum. Ich hoffe, du hälst durch!
    Liebe Grüsse,
    Nastjusha

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