Donnerstag, 23. Januar 2014

Eine neue Tasche für den Liebsten


Ich hatte mir ja fest vorgenommen, zu Weihnachten keine Tasche zu nähen. Wie ich bestimmt schon zwei- oder dreimal erwähnt habe, macht mir das Nähen von Taschen nicht besonders viel Spaß, deshalb wollte ich für die mittlerweile total verschlissene Herrenhandtasche von 2009 einen Ersatz auf dem Weihnachtsmarkt in der Kreuzberger Markthalle besorgen. Aber als Selbermacherin kommt man eben doch immer wieder aufs Selbermachen zurück.

Auf dem Markt hatte ich zwar eine ganze Menge Taschen in der Hand, aber wirklich keine, die ich gerne gekauft hätte. An dem einen Stand fand ich das Planenmaterial hässlich, die Taschen aus Fahrradschläuchen fand ich - ganz abgesehen vom Geruch - auch nicht sonderlich attraktiv, und an einem dritten Stand gefielen mir zwar Material und Verarbeitung, aber dafür gab es nur ungünstige Formate. Entweder deutlich kleiner als DinA4 oder deutlich größer, so dass man einen großen Aktenordner oder einen großen Laptop transportieren könnte. Für mich liegt die ideale Taschengröße irgendwo dazwischen: so, dass eine Zeitschrift, eine dünne Mappe oder ein kleines Netbook gut hineinpassen.   


Zuhause fing ich dann also doch wieder an, aus Zeitungspapier Schnittteile auszuschneiden und mit Tesa zusammenzukleben, hier abzuschneiden und da zuzugeben. Wenn ich keinen fertigen Taschenschnitt benutze, baue ich den Taschenkorpus immer erst aus Papier zusammen, sonst kann ich mir nicht vorstellen, wie groß das ganze wird. Noch am Sonntagabend begann ich mit Zuschneiden und Nähen - lieber die Energie nutzen, solange sie da ist, und der Geheimprojektbegünstigte weilte im Voralpenland.


Bei so einem spontanen Nähvorhaben erweist sich mal wieder der Vorteil eines guten Lagers: Die blaue Plane ist ein Rest der Paco-Tasche - von der Optik und der Strapazierfähigkeit her ein ganz tolles Material, nur nicht ganz einfach zu vernähen, es lässt sich zum Beispiel nicht bügeln. Säume und verstürzte Kanten bekommt man daher nur flach, wenn man sie absteppt, was mit einer Haushaltsnähmaschine aber nur unter Schwierigkeiten möglich ist. Die untere Kante der Taschenklappe bekam darum einen Beleg aus einem Stück dünnem Nylongurtband (ebenfalls Fundus), auf dem zweiten Bild kann man das mehr erahnen als sehen. Weil das Gurtband so steif ist, liegt die Kante flach, das hätte mit eingeschlagener und festgesteppter Plane alleine nie geklappt.   

Die Vorderseite der Tasche besteht aus einem Rest grauen Wollstoff, den ich mit einer Lage Gewebeinlage zum Aufbügeln und Vlieseline H630, einem dünnen, aufbügelbaren Volumenvlies verstärkt habe. Das Futter ist ein Rest vom Trenchcoat, es hätte gerne etwas farbiger sein können, aber in diesem Fall geht Strapazierfähigkeit vor Farbe. Reißverschlüsse, Karabiner und Schnallen für den Träger hatte ich ebenfalls zuhause, nur das Gurtband musste ich besorgen. Ich nahm das Baumwollgurtband aus dem Nähkontor, von dem ich übrigens ganz begeistert bin: sieht viel besser aus als Nylongurtband und meine Nähmaschine mag es auch lieber. Außerdem gibt es das Band nicht nur in verschiedenen Farben, sondern auch in unterschiedlichen Breiten, so dass die Schnalle vorne mit einem Band in der gleichen Farbe wie der Träger befestigt werden kann.    


Die Schnalle stammt aus einem Onlineshop, den es schon lange nicht mehr gibt und ist eine Verwandte des Magnetdrehknopfes, der an der ersten Tasche befestigt war. Auch die Schnalle namens Fidlock Slider schließt magnetisch und kann außerdem als Nadelkissen zweckentfremdet werden. Beim Schließen werden die beiden Seiten der Schnalle durch die Magnete von selbst in die richtige Position gezogen und rasten fest ein, so dass die Schnalle unter Zug nicht mehr aufgeht. Wenn man weiß wie, kann man sie dennoch leicht öffnen: die untere Hälfte nach links und oben schieben, dann trennen sich die beiden Teile wieder. Tolle deutsche Ingenieurskunst aus Hannover! Der Beschenkte schätzt sowas sehr. Nun bin ich mal gespannt, wie lange die neue Tasche ansehnlich bleibt. Das Vorgängermodell war nach vier Jahren vollkommen zerschlissen.

Und nicht zuletzt möchte ich auf Monikas Sammelaktion Winter HerrMann hinweisen - Monika sammelt jetzt vier Mal im Jahr Genähtes und Gestricktes für den Mann. Mit Thread Theory und Walden, der Männer-Schnittmusterlinie von Colette Patterns, gibt es ja nun endlich auch eine größere Auswahl interessanter Schnittmuster für Männersachen. Und wer weiß, vielleicht bald auch einige nähende und bloggende Männer? 

15 Kommentare:

  1. Wow! Da kann der Liebste sich aber mal richtig glücklich schätzen, dass er so was Tolles geschenkt bekommt :) !!!
    Schöne Materialien hast Du da zusammengestellt- super

    LG

    Kristina

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  2. die Tasche sieht aber wirklich toll aus und selbstgemacht ist eben doch am besten ;)

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  3. Die Tasche ist super! Richtig richtig schön.
    Gut nachvollziehen konnte ich in Deinem Bericht, dass Dir so gar keine Tasche, die es zu kaufen gab, gefallen hat. Dieses notorische Selbermachen bringt einen dazu, dass einem nichts Gekauftes mehr gefällt und überall die persönliche Note dran sein muss. Die Ansprüche sind arg gestiegen. Bei mir zumindest.
    viele Grüsse!

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  4. Ja, ja, Selbermacher tun sich schwer, was fertiges zu kaufen.
    + Schöne Farbkombination, gefällt mir in dieser Kombination samt Proportionen
    + Wenn der Stoff sich nicht bügeln lässt knittert er auch nicht ;-))
    + Tolle Schnalle ;-))
    Ich nehme immer eine vorhandene bewährte Tasche als "Orientierung" und schneide meine Teile frei mit großem Lineal + Rollschneider.
    LG Ute

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  5. Sehr schöne Tasche. Nicht zu groß nicht zu klein, stabil, aber nicht zu fest. Klassisch, schlicht, aber doch mit Hingucker. So könnte ich auch eine Tasche nähen. Auf dem Markt bei euch gibt es einen Möbelpolsterstand, da habe ich mir neben dem schrillen pink lila Stoff noch einen interessanten braun strukturierten mitgenommen. In der neuen Cut sind Kulturtasche oder Handtasche. Dafür habe ich das verwendet. Jetzt fehlt mir evtl noch etwas für eine Tasche. Die von colette habe ich ins Auge gefasst - hast du bestimmt schon lange entdeckt - und geklebt und Schnitt ausgeschnitten. Aber der Mann hat ja wirklich erst mal genug abbekommen.
    lg monika

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    2. die Waldentasche meine ich, hast du ja erwähnt.

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    3. Die Tasche von Colette/Walden (ist ja die gleiche Firma) hat mir auch gut gefallen, wenn es eine größere Tasche sein soll. Wäre interessant, wenn du die mal nähen würdest.

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  6. Irgendwie kommt mir das bekannt vor, denn seit Jahren bekomme ich fertige Taschen gezeigt, so und so hätte mein Mann gerne eine von mir genäht. Meistens so kompliziert, dass mich das abschreckt. Ruhig bissel bunt, aber nicht zu sehr, nicht zu groß und nicht zu klein. Oh je, wie soll ich das nur bewerkstelligen!? Deine Tasche ist richtig toll geworden! Vielleicht bekommt mein Mann ja auch noch eine zum Geburtstag, der ist zum Glück erst im August! ;O)

    LG Sabine

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  7. Die Tasche ist toll geworden! Männertaschen sind gar nicht so einfach zu finden und schnell so teuer und schnell nur in bestimmten Marken erhältlich. Ich nähe übrigens auch gar nicht gerne Taschen, sollte aber endlich mal welche nähen, aber für mich ;)

    Die SaisonHerrmann-Idee ist wirklich klasse, danke hier noch einmal fürs Verlinken.

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  8. so eine schöne tasche! ich mag besonders den grauen Stoff!!

    ich bin auch froh, dass es endlich ernst zu nehmende schnitte für männer gibt, der mann hat sich schon beschwert, dass er immer zu kurz kommt...

    liebe grüße,
    johanna

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  9. Schön ist die Tasche geworden! Wäre sogar was für meinen! Im Juni vielleicht zum Geburtstag...hmmmm, mal sehen was der Stoffschrank so hergibt....Viele Grüsse Lotta

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  10. Yepp, sieht definitiv aus wie die perfekte Tasche! :)

    LG, Kirsten

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  11. Die Tasche ist toll! Schlicht, aber edel und vor allem perfekt für den Mann!
    LG Mary

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  12. Gibt es einen Schnitt von der Tasche?
    Sie ist echt toll. Würde sie auch gerne nähen. Ginge das?


    Lg
    Harald
    broszey@gmx.de

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