Dienstag, 20. Mai 2014

Nix für Lemminge 3/1: Mustermix - Inspirationssammlung

Punkte und Streifen, Karos und Blumen - gekonnt zusammengestellte Muster lassen sich regelmäßig auf den Laufstegen oder in den Modestrecken der Frauenzeitschriften bewundern. Aber wie bei vielem, was uns die Bekleidungsindustrie schmackhaft machen will, frage ich mich: Funktioniert das auch im echten Leben?

Da trifft es sich gut, dass Alex als dritte Herausforderung ihrer Nix-für-Lemminge Challenge das Thema Mustermix vorschlug. (Worum es bei dieser Nähbloggerinnen-Gemeinschaftsaktion generell geht, findet ihr hier.) Wollen wir also mal sehen, ob sich ein Outfit mit drei gemusterten Stoffen tatsächlich alltagstauglich umsetzen lässt - das ist die Aufgabe. Oder ob Muster mit Muster mit Muster nur auf Modefotos gut aussieht. Bei vielen Mode-Ideen geht es mir nämlich so, dass ich die Idee zwar rein theoretisch für gut halte, ich reiße auch immer fleißig Bilderstrecken aus Zeitschriften aus und hebe sie auf - wenn ich sowas aber trage, schaue ich den ganzen Tag zweifelnd an mir herunter. Der Vorschlag, glitzernde Pailettenoberteile mit einer grobgestrickten Strickjacke "downzudressen" und "im Büro" anzuziehen ist zum Beispiel so eine theoretisch gute, praktisch aber zweifelhafte Mustermix-Idee. Oder jedes Jahr wieder die "eleganten Jogginghosen" (ein Widerspruch in sich), die mit zierlichen Riemchensandalen und Blazer in eben diesem "Büro" getragen werden sollen. (In der Summe könnte der Eindruck entstehen, in Büros tummelten sich vorwiegend Menschen, die zwar Kleidung für alle möglichen Anlässe besitzen, aber ganz zufällig keine, die für ihren Aufenthalt am Arbeitsplatz angemessen ist, und die deshalb Tipps lesen wollen, wie man einen Taucheranzug "bürotauglich stylen" könnte. Aber das ist ein anderes Thema.)


Mustermixkombinationen haben mich schon immer gereizt, wahrscheinlich weil ich dafür kein Händchen habe. Über Jahre sammelte ich Seiten über Seiten mit Fotostrecken gemusterter Outfits. Dries van Noten, ein begnadeter Mustermixer, ist mein liebster Designer. Zickimicki mit ihrer montäglichen (jetzt monatlichen) MIXIT-Sammlung meine Mustermix-Heldin. Und natürlich habe ich die Gebote des Mustermixens aus den Zeitschriften studiert und theoretisch verinnerlicht: Kleine, mittlere und große Muster mixen! Beim Mustermixen in einer Farbfamilie bleiben! Auf wiederkehrende Farben achten! Und so weiter.

Interessanterweise gibt es unter den Modefotos aber immer auch Outfits, die alle diese Regeln ignorieren und die wirken, wie blind in den Kleiderschrank gegriffen. Absichtsvoll-unabsichtlich-ironisch-nicht zusammenpassend-wirkend ist vermutlich die ganz hohe Schule des Mustermixens und eher etwas für Fortgeschrittene. Solche absichtsvoll-unabsichtlich-lässigen Musteroutfits sieht man auch ab und zu auf der Straße, wobei über lässig oder peinlich oft nur das Alter des Trägers oder der Trägerin entscheidet. Ich denke da an die geräumigen großgemusterten Opa-Pullis, die wir 1992 in die Altkleidersammlung gegeben hatten und die heute von Neuköllner Hipstermädchen aufgetragen werden.

Also worauf ich hinauswill: Mustermix ist für mich ein schwieriges Thema. Ich glaube ich habe seit Jahren nicht mehr als ein gemustertes Kleidungsstück auf einmal angezogen. Nach einem Blick in den Stoffvorrat hatte ich eine grobe Idee, die den Vorteil hat, dass sich alle drei Teile auch einzeln zu einfarbigen Sachen tragen lassen, falls mir die volle Musterdosis zu wild wird.


Von rechts nach links: ein wunderbarer Baumwollbatist vom Stoffverkauf in Verl mit einem wie aquarelliert wirkenden Blumenmuster, ein weißer Blusenstoff aus Baumwolle mit eingewebten blauen Streifen und ein schwerer Baumwoll-Viskose-Jacquard mit einem großflächigen abstrakten Muster in dunkelblau, das an die Scherenschnitte Henri Matisses erinnert.

Den Matisse-Scherenschnitt-Stoff kaufte ich vor ein paar Jahren mit der Idee einer leichten kleinen Sommerjacke im Kopf. Wie ich bei einigen anderen Teilnehmerinnen gelesen habe, bin ich mit dem Wunsch nach so einem Kleidungsstück nicht alleine, und ich hoffe, dass ich bei dieser Gelegenheit zu einer Schnittidee komme. Der Streifenstoff soll eine Wickelbluse werden - das Schnittmuster ist vorhanden - aus dem Blumenbatist stelle ich mir einen weiten und langen Rock vor, allerdings habe ich davon nur 1,50 m. Bei Pinterest sammelte ich ein paar Bilder von Streifenoberteilen mit bunten Röcken zusammen, aber eine wirklich überzeugende Idee war bisher noch nicht dabei. Umso besser, dass bis zum nächten Treffen, wenn es um konkrete Pläne geht, noch etwas Zeit ist. Einstweilen finden sich alle Inspirationssammlungen hier bei MamamachtSachen.  

15 Kommentare:

  1. Oh sehr schöne Stoffe zum Mixen und Nähen...wo gibt die denn?
    Viele liebe Grüße und danke für die Gedanken, die Du hier niedergelegt hast über das Kombinieren von Mustern. Ich habe da oft auch Schwierigkeiten und bin schon froh, dass ich mit Farben besser umgehen kann als früher.
    schurrmurr

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    1. Der "Matisse"-Stoff und die Streifen sind vom Markt (der erste ist aber schon ein paar Jahre alt), der Blumenstoff ist aus dem Fabrikverkauf vom Marc-Aurel-Outlet in Verl.

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  2. Deine Stoffe find ich sehr schick.
    Ich mußte über deine Gedaken zum Mustermix schmunzeln.
    Mir geht es auch so, dass ich Mustermix in Modezeitschriften oft ganz wunderbar finde, im wahren Leben ist mir eine gelungener Mustermix allerdings noch nie über den Weg gelaufen-mir ist da jedenfalls nichts im Gedächtnis geblieben. Selbst bin ich auch der Ton-in-Ton-Typ und trage selten mehr als zwei verschiedene Farben am Leib. Umso spannender ist das Thema natürlich und ich lese beim Mustermix-Thema von Alex gerne mit.
    Und klar, wenn einem der Mix im nachhinein zu wild erscheint, kann man die Teile immer noch zu Unisachen tragen. Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg.
    LG von Susanne

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  3. Wunderbar, Ihre Gedanken zum Mustermixen und zum "kleiden" im Allgemeinen. Besonders der Taucheranzug-Vergleich gefällt mir: Was ist denn eigentlich so schlimm daran, sich dem Anlass entsprechend zu kleiden? Sich umzuziehen tut doch nicht weh! ? Ich möchte nicht zu einer (welcher auch immer) Abendveranstaltung in den Klamotten, die ich schon den ganzen Tag an hatte. Ich habe den Schrank voll, das will ich doch vorzeigen!
    Und dann: "...über lässig oder peinlich oft nur das Alter des Trägers oder der Trägerin entscheidet..." genau das, dem ist nichts hinzu zu fügen. Ausser vielleicht, dass ich mich manchmal frage, ob die Leute keine Spiegel zu Hause haben.

    Und apropos Muster... Wenn ich auf Musterkombinationen (oder Farben) "anspringe" frage ich mich ganz streng selber "Will ich das wirklich anziehen? Oder wünsche ich mir nur, ich würde aussehen wie das Model, das die Muster vorführt" Bei Jogginghosen (argh!) muss ich mir die Fage übrigens nie stellen: So will ich nie aussehen. Nie.

    Ich bin gespannt auf das Ergebnis der Kombi-Aktion (und den Jackenschnitt) Viel Erfolg!

    Grüße aus einer Kombination von zwei Farben, jeweils uni. Wie (fast) jeden Tag ;)
    Alexandra aus HansensGasse

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    1. Auf den Jackenschnitt bin ich auch gespannt - dazu habe ich nämlich noch gar keine Idee.
      Gute Idee, sich zu fragen, ob man nicht eher die ganze Foto-Inszenierung haben möchte, als wirklich das Kleidungsstück, um das es geht. Es ist ja oft nicht nur das Model, sondern das Drumherum, wenn da z. B. in toller Landschaft oder in einem französischen Schloss fotografiert wird.

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  4. Ich hatte zum Üben am Montag schon mal Ringelsocken zu meinem geblümten Tellerrock an. Und kam mir den ganzen Tag unglaublich fashion forward vor. ;-) Ansonsten ist mein Mustertrick: möglichst ausgefallen gemustertes Tuch zu nem ungemusterten Outfit. Und dann evtl. noch Strukturstrümpfe dazu. Ich kann michaber an ein paar wirklich schöne street-styles aus - Jaaaaa - Berlin und Paris erinnern, in denen wild Muster gemixt waren, aber meist mehrere Muster in einem Kleidungsstück mit vielen beruhigenden Flächen drum herum. Wir werden also sehen, wie's wird. Deine Stoffkombination sieht jedenfalls schon mal sehr vielversprechend aus.

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    1. Alex, Ringelsocken zum Tellerroock, das IST fashion forward, zumindest in meiner Welt.

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  5. Das wird gut!
    Deine Stoff- und Schnittauswahl gefällt mir. Auf die "Henri-Matisses-Scherenschnitt-Jacke" freue ich mich ganz besonders.
    Leider fehlt mir die Zeit, um an dem Projekt teilzunehmen, denn die Idee finde ich großartig. Zwei Teile zu mixen, finde ich nicht schwer. Gestreiftes Top und geblümten Rock finde ich durchaus alltagstauglich - aber dann noch ein drittes Teil. UiUiUi. Ich finde es sehr schwer, passende Stoffe aufzustöbern.
    Für die Umsetzung wünsche ich dir viel Erfolg und werde deinen Fortschritt "beobachten".
    LG Martina

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    1. Mal sehen, ob ich mir nicht zu viel vorgenommen habe. Für die Jacke schwebt mir etwas Einfaches, Kurzes vor - aber ich habe keine Ahnung, wo ich sowas finde. Und ob ich es schaffe, das dann auch zu nähen.

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    2. Es ist immer schwer, etwas zu raten, wenn man den Stoff nicht vor sich sieht. Ganz witzig finde ich den Vogue Schnitt 2956. Der passt allerdings nicht zu einem langen und weiten Rock. Außerdem benötigt er einen dünnen und weichfallenden Stoff.
      Kurz und einfach bedeutet für mich immer "Chanel-Jäckchen". Kein Revers oder Kragen - einfach und schlicht.
      Ich bin sehr gespannt auf deine Ideen.
      LG Martina
      Bin auf deine Wahl sehr gespannt.

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    3. 2956 ist ein wirklich interessanter Schnitt - von vorne kommt er meiner Vorstellung auch ziemlich nahe. Das interessante Rückenteil wäre zusammen mit dem Muster wahrscheinlich etwas zu viel. Oder ich probiere wirklich mal die kragenlose quasi-Chanel-Variante - Vorteil: dafür hätte ich in den Burda-Heften jede Menge Schnitte. Danke auf jeden Fall fürs Mitüberlegen!

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  6. Oh ja, Bilderstrecken aus Zeitschriften schneide ich auch immer aus und kleb mir das auf, was mir am besten gefällt - nur waren da nie Mixe dabei; wahrscheinlich hatte ich bisher nie das richtige zum Mixen da und hatte deshalb Bedenken, dass mich jemand komisch anguckt.

    Man muss sich ja nur mal die Kommentare lesen, wenn in Online solche Experimente gezeigt werden. Aber: Heute würde ich da drüber stehen und mir denken, "na wenigstens trau ich mich, ihr Angsthasen, hihi ".

    Deine Stoffe gefallen mir sehr gut. Wie ich sehe, gibt es bei denen, die mitmachen, eine sehr große Vielfalt und kaum Überschneidungen, so dass ich mich freue, euch allen beim Werdegang des Mixes zugucken zu können.

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  7. Deine Gedanken kann ich mal wieder sehr gut nachvollziehen. Wenn ich Muster tatsächlich mal mixe, sind das fast immer Streifen, Pünktchen oder Karos in neutralen Farben zu buntgeblümt oder verschiedene Muster, die dann aber exakt die gleichen Farbtöne haben müssen.
    Deine Stoffauswahl gefällt mir schon mal sehr gut - vor allem der Scherenschnitt-Stoff. Da bin ich gespannt, was daraus wird. Spontan fällt mir zum Thema kurze Jacke zu längerem weiten Rock eine schwarz-weiße Kombi aus einer älteren Knipmode ein. In der war damals auch Cats Fame Kleid drin (Juli 2011).
    Herzliche Grüße,
    Malou

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  8. Ich habe festgestellt, dass Mustermix für mich persönlich gar nichts ist, meinem Empfinden nach bringe zu wenig Größe oder "Markanz" (jaja, gibt es nicht als Nomen in dem Sinn, ist mir jetzt aber egal, das Wort wird gebraucht!) mit um so etwas überzeugend zu tragen.
    Was für mich noch am ehesten geht (will heißen, an anderen schätze, nicht selbst trage) ist eine Buntgemustert mit Schwarzweiß-Kombination. Bei dir wäre das Schwarz dann das Blau, quasi.

    Ich bin sehr gespannt, es sind ja wirklich die unterschiedlichsten Sachen dabei bei allen!

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Vielen Dank für deinen Kommentar!