Sonntag, 4. Mai 2014

Wochenrückblick: Pictoplasma, re:publica und BamS


Frühling in Berlin! Die 14 Tage seit dem letzten Wochenrückblick gingen wieder allzu schnell vorbei, deshalb im Schnelldurchlauf ein paar Ereignisse der letzten Tage und ein paar Lese- und Veranstaltungstipps, ehe das hier gar nichts mehr wird.


Der Berliner Funkturm auf dem Messegelände ist der kleine West-Berliner Bruder des Fernsehturms. Im Gegensatz zum Fernsehturm gehts hier für wenig Geld und ohne Schlangestehen auf die Aussichtsplattform. Mich faszinierte ja besonders der Blick auf die steingewordenen Stadplanerträume der 1960er und 1970er Jahre im Berliner Westen, auf Autobahnen, Messegelände und ICC, man schaut aber ohne weiteres auch bis nach Spandau und zum Potsdamer Platz. Um zum Funkturm zu gelangen, muss man ein Messegebäude durchqueren, was bei Veranstaltungen nicht möglich ist, daher empfiehlt sich vorab ein Blick auf die Webseite oder ein Anruf. An unserem Ausflugstag gab es im Funkturm-Restaurant nur ein Buffet und keinen Kaffee (unfassbar, oder?), daher kehrten wir noch an der Neuen Kantstraße im Piano-Café ein, angezogen von der Riesenauswahl an Torten und Kuchen im Schaufenster. Die Mohn-Kirschtorte und der Mohn-Käsekuchen waren auch wirklich super. Wenns richtig warm ist am besten Kuchen zum Mitnehmen kaufen und am Ufer des Lietzensees verzehren.

 

Auf das Pictoplasma-Festival an diesem Wochenende hatte ich eigentlich vorab hinweisen wollen. Das Festival dreht sich um Character Design, um das Entwerfen von grafischen Figuren als Maskottchen, Werbeträger, Logo, für Animationsfilme und Comics in der ganzen Spannbreite von Monster bis niedlich, und dabei gibt es immer auch eine Reihe von Künstlern, die mit Textilien arbeiten. Neben einer großen Ausstellung im Kaufhaus Jandorf liefen auch dieses Jahr wieder Einzelausstellungen in kleinen Galerien. Cookie Campbells textile Monster mit Pailettenpanzern fand ich am Samstag auf dem Urban-Spree-Gelände besonders beeindruckend.


Der Selbermach-Trend ist sogar im Boulevard angekommen: vor knapp zwei Wochen besuchte uns eine Autorin der Bild am Sonntag bei der MittwochsMasche, die Geschichte gab es am 1. Mai in der Zeitung zu lesen. Die Überschrift - "Die neue Sehnsucht nach früher" - trifft zwar die Beweggründe der portraitierten SelbermacherInnen offensichtlich überhaupt nicht, aber sonst hätte der Text wohl nicht in eine Sonderausgabe über das Jahr 1964 gepasst.

Und noch eine Handarbeitstrendgeschichte: Die Stricknadeln von Addi stammen aus dem Sauerland und werden bis nach Japan exportiert. Der Deutschlandfunk brachte eine Sendung über die Firma, die sehr vom derzeitigen Strickboom profitiert (via @Effi).

Selbermachen auf der re:publica: Die Netzkonferenz beginnt am kommenden Dienstag, und es freut mich, dass die großartige Sarah Corbett, Gründerin des Craftivist Collective, am Mittwoch sprechen wird. Craftivism verbindet Craft und Activism, Selbermachen und politischen Aktivismus. In Großbritannien verschenkt das Craftivist Collective bestickte Taschentücher mit politischen Forderungen an Abgeordnete und begleitet die Londoner Fashion Week mit Protestbannern im Kreuzstich, die auf die Ausbeutung der Beschäftigten in der Textilindustrie aufmerksam machen. 
Über Lifestyle-Blogs und ihren scheinbar authentischen Blick ins Wohnzimmer gibt es ebenfalls am Mittwoch eine Podiumsdiskussion, die Bedeutung von Elternblogs für die Kultur des Kinderkriegens und bloggende Väter sind Thema am Dienstag. Spannend erscheint mir auch der Workshop über das Teilen von Wissen rund um Design, das Geldverdienen nicht ausschließen muss, die Diskussion über Blogger-Relations in globaler Perspektive, der Vortrag über die Beweggründe, das Internet und soziale Medien nicht zu nutzen - haben wir alle damit nicht von Zeit zu Zeit zu tun? - sowie die Vorträge von Alexa Clay (alle Donnerstag). Eine ganze Reihe von Veranstaltungen gibt es zum Maker-Movement, und das Internet in den afrikanischen Ländern scheint ein weiterer heimlicher Schwerpunkt der Konferenz zu sein. Insgesamt entdecke ich dieses Jahr mehr politisch und gesellschaftlich Relevantes und weniger die-deutschen-Netzleute-bespiegeln-sich-selbst-und-finden-das-total-spaßig-Themen. I Like!

7 Kommentare:

  1. Dieses Jahr gehe ich glaube ich endlich mal zur Republica. Da spricht mich jetzt auch mehr an als sonst.
    Und ob dieses Pianocafe gut ist, da war ich mir von Außen nie sicher. Offenbar kann ich gefahrlos (sprich: keine Gefahr schlechter Kuchen) reingegen. Danke fürs Vorkosten :-)

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    1. Oho, nach Sichtung der Preise gehe ich glaube ich doch nicht zur Republica. Kann ich nur hoffen, dass die Sachen online gestellt werden. (Letztes Jahr hatte das nicht für alles geklappt, jedenfalls nicht für Nischenthemen).

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  2. Ach ja das Piano-Café kenne ich auch noch, da waren wir manchmal, als wir noch in Charlottenburg wohnten. Damals war ich auch regelmäßig am Lietzensee joggen. Seltsam, jetzt wohnen wir ja "im Grünen", aber joggen kann man hier nicht, weil der nächste Park zu weit weg ist.

    Der Funkturm ist übrigens zwar der kleine Bruder, aber er ist sehr viel älter als der Fernsehturm. Solche Fotos machen mich immer etwas wehmütig, denn meine Mutter war damals am Bau des daneben stehenden, futuristisch aussehenden ICC beteiligt. Wer hätte damals gedacht, dass die Vergänglichkeit so schnell kommt.

    Danke fürs Zeigen und viele liebe Grüße,
    Henriette

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    1. Wenn man mal wieder die Atmosphäre des "alten Westens" einsaugen willl, dann ist man am ICC richtig, mich macht das auch etwas wehmütig, auch wenn ich Berlin in den 70ern/80ern eigentlich kaum kenne. Aber wahrscheinlich ist es gerade der räumliche Abstand, ich habe nicht mitbekommen, wie sich die Stadt kontinuierlich verändert hat, sondern immer nur Momentaufnahmen erlebt. Dass das ICC jetzt einfach so - ohne Plan - zugemacht wurde, lässt nichts Gutes erwarten. Wie man Berlin so kennt, lässt man das jetzt 30 Jahre vor sich hinrotten, um es dann doch - trotz Denkmalschutz - abzureißen. Besonders der Blick von oben auf das ICC ist beeindruckend, man kann das Gebäude eigentlich erst von dort richtig würdigen.

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  3. Hallo, freut mich ja, dass Du das Piano-Café besucht hast...hoffe es hat gefallen. Auf den Funkturm wollte ich auch schon längst mal, war ich vor langer Zeit mit Berlin-Besuch, meine aber, dass es einen Zugang gibt bei dem kleinen runden Pavillon an der Ecke Masurenalleeoder irre ich mich da? Wenn man ins Restaurant will, soll wohl die Auffahrt nichts kosten.
    Viele liebe Grüße
    schurrmurr

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    1. Der Zugang zum Funkturm war von der Masurenallee aus, aber man musste dafür durch ein Gebäude der Messe durch, an einem Pförtner vorbei. Ich weiß nicht, ob es noch einen anderen Weg gibt, wir sind da lang, weil es so vom S-Bahnhof ausgeschildert war. Der Turm ist ja ringsherum von Gebäuden umschlossen, oder kann man irgendwie auch außenrum? Das haben wir nicht herausgekriegt. Fürs Restaurant ist die Auffahrt etwas billiger, das stimmt - es kostet 2,80€ statt 5,00€.

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    2. Auf der Homepage steht:
      Bei Messen oder anderen Veranstaltungen ist der Zugang zum Funkturm eventuell eingeschränkt oder nur verbunden mit dem Erwerb einer Eintrittskarte zu der jeweiligen Veranstaltung möglich. Die aktuellen Messetermine erfahren Sie hier:
      http://www.funkturm-messeberlin.de/Oeffnungszeiten

      Liebe Grüße,
      Henriette

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