Mittwoch, 15. Oktober 2014

Wochenrückblick goldener Oktober


Uff, schon wieder zweieinhalb Wochen her seit dem letzten Wochenrückblick. Ich komme tendenziell nicht mehr so gut hinterher im Moment (was auch daran liegt, dass ich mehrere Abende auf dem Sofa mit dem Fahren von Autorennen verbringen musste - das duldete absolut keinen Aufschub.) Der Wochenrückblick sollte ursprünglich ja mal zeigen, woran ich im Moment werkele und ein bißchen Drumherum, als kleines Tagebuch, in dem ich selber später nachschauen kann, was in den vergangenen Jahren eigentlich los war. Mit den vielen, vielen Links zu neuen Schnittmustern fand ich die Wochenrückblicke zuletzt etwas überfrachtet und ewig lang und unübersichtlich, daher wirds für die Schnittmusterparade ab jetzt einen separaten Post geben, vielleicht einmal im Monat.

Überhaupt überkommt mich beim Sammeln der Schnittmuster-Neuerscheinungen in letzter Zeit immer öfter das Gefühl, das auch Buchmessen oder große Buchhandlungen in mir hervorrufen: eine gewisse Überwältigung verbunden mit Entmutigung. Die Frage "Wer soll das bloß alles lesen, und wie finde ich die Bücher heraus, die lesenswert sind?" wird ersetzt durch ein geseufztes "Wer soll das alles bloß nähen?" Außerdem bin ich ja nicht aus dem Kaufkleidungs-Konsum ausgestiegen, um im Gegenzug in den Schnittmuster-und-Stoffe-und-immer-was-Neues-Konsum einzusteigen. Gut, bei meinem Nähtempo findet hier nicht so arg viel Konsum statt, aber durchs Nähbloggen - und zumal durch die Schnittmusterposts - treibe ich ja selbst das Schnittmusterkarussell mit an. Ein Dilemma, bei dem ich noch nicht weiß, wie ich es löse. Im Moment habe ich ein großes Bedürfnis nach Einfachheit, vielleicht sollte ich wie bei One week - one pattern ein einziges Schnittmuster häufiger nähen und anpassen und verbessern (meine schwache Seite), anstatt immer nach Neuem zu schielen. Besser statt immer höher, schneller, weiter. Andererseits habe ich gerade Material für einen khakigrünen Halbtellerrock aus Spitze besorgt, für ein frivoles, nähtechnisch anspruchsloses Spaßprojekt. So wird das nichts mit der Konzentration aufs Wesentliche!

Das Wesentliche in den letzten zwei Wochen: Der Oktober war ungewöhnlich warm und schön, und gutes Herbstwetter bringt ja doch die innere Verpflichtung mit sich, so viel Zeit wie nur möglich draußen zu verbringen. Noch ein letztes Mal ein Eis zu essen, noch ein letztes Mal draußen zu sitzen - kalt, grau und nass wird es noch früh genug. Und so spazierten wir an der Spree in Moabit entlang (mit Blick auf das Innenministerium), wo erheblich weniger los ist als an unserem Treptower Spreeabschnitt vor der Haustür.

Diese Spaziergängerkarawanen bei uns am Landwehrkanal werden neuerdings von einem neuen Kunsthandwerker- und Flohmarkt aufgefangen: der Soloh Market am hinteren Ende des Görlitzer Parks ist der Nachfolger des Makers Market in Prenzlauer Berg, der sein angestammtes Areal verlassen musste. Zwar ist es nett, am Sonntag nur 10 Minuten von zuhause entfernt über einen Markt zu bummeln und eine fränkische Bratwurst zu essen, aber das bedeutet auch, dass unser kleiner Kiez nun unumkehrbar zum Hipster-Kerngebiet geworden ist.

Zwischendurch gabs eine Ahnung von Herbst, die aber nur zwei Tage währte. Ehrlich gesagt wäre ich über ein paar schön verregnete Sonntagnachmittage gar nicht böse. Dann würde die gemusterte Strickjacke vielleicht einmal fertig.

Links der Woche


Wearable technologies, also die Integration von Computertechnologie in Kleidung oder Schmuck, gilt im allgemeinen als der Markt der Zukunft. Schenkt man der technikbegeisterten Berichterstattung Glauben, werden wir bald alle mit allerlei Sensoren am Körper herumlaufen, die unseren Herzschlag und andere Parameter erfassen, weitermelden, speichern. Die Journalistin Sarah Kessler probierte eine Woche lang vier solcher Gadgets aus - und fand sie besonders in modischer Sicht ziemlich herausfordernd: Why technology isn't truely wearable.

Dabei ist es ja oft herausfordernd genug, das Handy und solche Notwendigkeiten wie Schlüssel oder Geld unterzubringen, wenn Blazer, Rock und Hose keine oder viel zu kleine Taschen haben. Woher kommt das eigentlich, dass bei Damenkleidung auf Taschen so wenig Wert gelegt wird? Tanya Basu macht die Ignoranz der Modeindustrie dafür verantwortlich, die diese Bedürfnisse seit Jahren nicht  erfüllt. (via @DanielaKayB)

Wie gut also , dass wir nähen können! Vielleicht bekommen wir es in Zukunft ja mit Stoffen aus neuen Materialien zu tun. Ein Artikel im Guardian zählt auf, mit welchen Grundstoffen zur Zeit geforscht wird: Stoffe aus Chitin, Bambus, Plastikflaschen und Kaffeesatz!  

Wer sich letzte Woche mit mir über die Abqualifizierung von Handarbeit ärgerte, den interessiert bestimmt die neue Ausstellung im Museum europäischer Kulturen in Dahlem: Textile Vielfalt zeigt  Schöpfungen der letzten 60 Jahre aus dem Zirkel für Textilgestaltung Potsdam. Solche Textilzirkel, in denen Laien mit fachkundiger Anleitung gestalteten und ja, handarbeiteten, gab es in der DDR vielerorts, denn das Wissen über Techniken der Textilbearbeitung galt als bewahrenswert. Wenn ich hinkomme, gibt es hier noch einen Beitrag dazu. Die Ausstellung wird am Sonntag eröffnet (dann ist im Museum auch der Textiltag) und läuft bis zum 1. März 2015.

Der Saum ist ja oft der krönende Abschluss eines Nähprojekts - in manchen Fällen aber auch das krönende Desaster. Colette Patterns hat ein großartiges E-Book von über 100 Seiten zusammengestellt, das man sich hier (nach Registrierung) herunterladen kann: The Colette Guide to Sewing Hems.

Freut ihr euch auch auf neue Staffeln des Great British Sewing Bee? Die deutsche Fassung lässt noch auf sich warten, in Großbritannien gehts erst im Frühjahr 2015 weiter, aber um die Wartezeit zu überbrücken, kommt jetzt im Oktober eine "Celebrity Edition" ins britische Fernsehen. In drei Folgen am 21., 23. und 24. 10. nähen Menschen um die Wette, die auf den britischen Inseln bestimmt sehr bekannt sind, von denen ich aber ehrlich gesagt noch nie etwas gehört habe. Wer oder was der "Hairy Biker Dave Myers" ist möchte ich gar nicht so genau wissen, ich google denn jetzt nicht...(via @SantaLuciaPatterns)

7 Kommentare:

  1. Die "Hairy Bikers" sind cool, fahren in der Gegend herum und lernen etwas über's Essen der Region. Ein bisschen wie Jamie Oliver, aber hairier. :-)

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    1. Ah, Ok, ich hatte ganz seltsame Assoziationen!

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  2. Tolle spannende Links, vielen Dank.
    In Dänemark startet demnächst deren Variante der Sewing Bee-Show. Ich bin gespannt. Wann es hier wohl soweit ist?!
    Liebe Grüße
    Yvonne

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    1. Gerüchte besagen, dass der Dreh aufs Frühjahr verschoben wurde - also dann bei uns sicher nicht vor Herbst 2015!

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  3. Es gibt nur wenige Teile, die ich mehr als einmal genäht habe. Ich glaube, das war ein Bleistiftrock und eine Jacke. Was ich häufig mache, ist ein "tragbares" Probemodell anzufertigen, um die Passform und den Stil zu prüfen.
    Für mich ist der Weg - der handwerkliche Nähprozess - die eigentliche Näh-Befriedigung. Dass am Ende ein tragbares Kleidungsstück herauskommt, nehme ich gerne in Kauf.
    Ich finde es schön, dass du verschiedenste Schnittmuster vorstellst. Viele Anbieter hätte ich ohne deine Hilfe nicht gefunden.
    Martina

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    1. Du hast recht, das gehört einfach auch mit dazu: manche Schnitte sucht man sich ja auch wegen der Verarbeitung aus, weil es Spaß macht,bestimmte Details zu nähen. Ich sollte vielleicht mal gründlich aufräumen, vielleicht kommt das Gefühl von "zu viel" auch von der Unordnung hier.

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  4. Ach ich bin auch eine bekennende Schnittmusterhorterin und habe noch einiges weniger an Output als du. Ich rechtfertige das für mich so: Erstens sind Nähzeitschriften oder Strickzeitschriften eines der wenigen Dinge, die ich öfters mal kaufe oder mir gönne. Ansonsten gebe ich selten unnötig Geld aus (ausser für Kaffee und Kuchen). Und zweitens erhoffe ich mir, dass ich so quasi zu einer Schnittmusterbibliothek mutiere und leihe sehr gerne Schnittmuster aus - ich habe ja so viele. Eine neue Bekannte aus der Uni meinte letzthin, sie würde gerne mal einen einfachen Rock nähen und ob ich denn wüsste wie man das am einfachsten mache. Nächste Woche leihe ich ihr ein paar Magazine aus. Und das entschädigt wieder für das Burdaheft, das ich mir gestern gekauft habe :)

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