Mittwoch, 4. Februar 2015

Me made Mittwoch oder: Helgoland im Februar, ohne Funktionskleidung

Ahoi meine Lieben,

ich grüße euch von der Hochseeinsel Helgoland, die ich vor wenigen Tagen ohne Funktionsjacke im Gepäck betreten habe. Ich betone das deshalb so sehr, weil ich mich hier öfter komisch beäugt fühle, und verfolgt von Aliens in bunten Jacken und Hosen, mit um den Kopf zusammengezurrten Kapuzen. Lauter kleine Polarforscher und -forscherinnen auf den Wegen zwischen Leuchtturm und Langer Anna, auf Hafenpromenade und Landungsbrücke.

Lustigerweise sind diese von Kopf bis Fuß in Plastik verpackten Gestalten alle Urlauber: die Einheimischen ziehen für die Wege im Städtchen ganz normale Jacken an. Klar, wenn ich wie die Kapitänin der Dünenfähre den ganzen Tag von der Hauptinsel zur Düne hin- und herschippern würde, würde ich auch einen winddichten Parka tragen und keinen Wollmantel. Aber selbst den Offshore-Arbeitern, die in der Nähe einen großen Windpark aufbauen, genügt eine ganz normale Mütze, und die meisten machen die Jacken für den Weg zwischen Schiff und Hotel nicht zu.


Bei mir spielt auch ein bißchen Trotz in meine keine-Funktionsjacken-Politik hinein: ich komme im täglichen Leben nur selten in Situationen, in denen ich mich bei sehr schlechtem Wetter lange im Freien aufhalten muss - und ich sehe es einfach nicht ein, mir für einen einwöchigen Urlaub und noch zwei, drei Gelegenheiten im Jahr so eine raschelnde Plastikhülle zuzulegen. Und im letzten Jahrhundert gings ja auch ohne Funktionsjacken. Die hohen Berge wurden von Männern in Tweed-Knickerbockern bestiegen, und ich nehme an, dass die ersten Alpinistinnen lange Wollröcke trugen, so wie ich.

Den Härtetest gestern bei Schneetreiben auf der Düne hat meine mehrschichtige selbstgenähte Wollkleidung jedenfalls bestanden, mir war nicht kalt.

Äußere Schicht, oberes Foto: Wintermantel von 2012, Hasen-Handschuhe, Schal aus Drops brushed alpaca-Silk (nicht gebloggt?), beim Kunsthandwerkermarkt im Grassi-Museum Leipzig gekaufte Filzmütze.
Untere Schicht: Fischschwanzrock aus Twinkle Sews (2011) und ein dicker Rollkragenpulli (gekauft, ist bei den meisten anderen Gelegenheiten zu warm, daher wenig getragen).

Wie ich sehe, ist Wiebke, die heutige Gastgeberin des Me made Mittwoch, auch gerade im Selbstgenähten in den Urlaub gefahren. Was heute sonst noch so getragen wurde, seht selbst.

25 Kommentare:

  1. Genau! Finde ich toll :-)
    Viele Leute verstehen ja nicht mal, dass man keine Funktionsjacke braucht, um einen Kinderwagen zu schieben oder auf den Spielplatz zu gehen. In der Stadt, wohlgemerkt.
    Einen schönen Urlaub noch (falls ihr noch da seid)!

    LG
    anne

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  2. Wunderbar geschrieben! Herrlich, zum Schmunzeln. In meinem Kopf laufen gerade ganz viele kleine Polarforscher umher :-) Dein Outfit ist klasse kombiniert und der rote Schal ist ein richtiger toller Hingucker. Ich wünsch Dir noch einen schönen Urlaub
    VG
    Blimi

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  3. Schön siehst du aus und deine Kleidung passt wunderbar zu der Landschaft! Da würde ich auch gerne hin. Schönen Urlaub noch!
    Herzliche Grüße
    Sabine

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  4. Hihi, ich musste auch grinsen. Hier ist das auch immer so, wenn im ersten Herbstwind vorsorglich schon mal die Polarmütze herausgeholt wird. Aber vielleicht hat man ja sonst auch einfach nie Gelegenheit dazu, denn in Berlin, Hamburg und München braucht man Funktionskleidung vielleicht nicht so häufig:-). Süß geschrieben. Davon abgesehen, siehst Du phantastisch aus und hebst dich mit Sicherheit ab in diesem tollen Mantel! Klasse! Lieben Gruß Verena

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  5. Ja aber dann kannst du nicht mit deinem Mann im Partnerlook den Strand verschönern,-)
    Ich wünsch dir ganz viel Spass, ein hoch dem Wollzwiebellook.
    LG Sybille

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    1. Hihi, der Mann trägt ja auch Wollmantel - allerdings keinen identischen. Und keinen roten Schal. Aber wir könnten ja mal...

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  6. Ein wunderbares selbsterstelltes Outdoor-Outfit trägst du! Die Fotos sehen toll aus und du sowieso :-) Ich wünsch dir noch eine schöne Zeit auf Helgoland!
    Herzliche Grüße
    Christiane

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  7. Super siehst Du aus in dieser tollen Kombination und dieser wundervollen Umgebung! Und geschmunzelt habe ich auch - besonders über die raschelnde Plastiktüte und meiner bildlichen Vorstellung der berockten Alpinistinnen. Herrlich! Ich bin ein Fan von Wolle, Tweed und Co.
    Lieben Gruss heike

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  8. Ich finde toll, dass du da oben so unterwegs bist. Ein Fels des guten Geschmacks in der Brandung. Ich bekomme ja schon die Krise hier mitten in der Großstadt ob der vielen Polarforscher in der Straßenbahn. Lass dich beäugen, du fällst positiv auf! Und das erste Foto finde ich spitzenmäßig mit dem Schiff und dem Himmel.Geht auch als Plakat! viele grüße Karen

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  9. :-) wenn ich im Sommerurlaub zum Frühstück mit 3Lagen Fleecepullover erscheine während mein Mann mit einem LangarmShirt auskommt wird mein Look auch oft als Polarforschertauglich belächelt :-)

    Trotzdem liebe ich meine nicht raschelde grüne Plastikhülle auch (die ich allerdings NIE als Partnerlook kaufen würde) ;-)

    Schöne Bilder und du harmonierst wunderschön mit der Landschaft.

    Lieber Gruß
    Elke

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  10. Funktionskleidung schützt nicht in erster Linie vor Kälte, da ist Wolle viel geeigneter (es gab da mal im TV einen Test auf der Zugspitze, wo Funktionskleidung, Woll / Lodensachen wie früher und modische Winterkleidung nebeneinander gestellt wurden und bei verschiedenen Aktivitäten getestet wurden). Funktionskleidung gibt dann Sinn, wenn man sich angestrengt und / oder schnell bei Kälte / Wind bewegt, so dass man schwitzt und der Schweiß durch die Membrane oder was das alles ist, nach außen transportiert werden kann. Für Bergsteigen bei kalten Temperaturen ist Funktionskleidung also viel geeigneter, aber Berge gibt es auf Helgoland ja keine und ich nehme nicht an, dass du die Lange Anna hochklettern möchtest ... LG anja

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    1. Ja, die Funktionsstoffe haben sicher ihre Berechtigung. Im tiefen Schnee herumzustapfen ist z. B. mit Wollhosen nicht so der Hit. Aber spannend, dass bei nicht-schweißtreibenden Tätigkeiten Wolle sogar besser abschneidet, was das Wärmen betrifft. Aus dem Bauch heraus hatte ich auch immer das Gefühl, dass Wolle besser wärmt als Fleece.

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  11. Sehr schönes Outfit! Um Welten besser und vor allem interessanter als all die gleich aussehenden Funktionsjacken. Über dieses Phänomen im Urlaub komische, übertriebene Sachen zu tragen, auch von Leuten die im Alltag ganz "normal" gekleidet rumlaufen, wundere ich mich auch jedes Mal. Trotzdem bin ich der Meinung, dass sich im Bereich der Kleidung für extreme Bedingungen - was bestimmt nicht ein normaler Winter auf Helgoland ist :) - unglaublich viel getan hat und für bestimmte Zwecke Funktionskleidung viel besser geeignet ist und im Vergleich mit Alltagskleidung und Kleidung aus Naturfasern immer besser abschneiden wird.
    LG Yvonne

    PS: Nicht nur dein Outfit auch die Fotos finde ich ganz toll!!!

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  12. Btw: Ganz tolle Bilder, ein dickes Kompliment an den Fotografen.
    Das erste Bild mit dem Schiff im Hintergrund hat was vom Wanderer über dem Nebelmeer, deine Pose ist sehr super :)
    Ich wünsch euch noch einen schönen Urlaub, Helgoland im Winter finde ich genial unkonventionell!

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    1. Ich war noch nie im Sommer da und möchte eigentlich auch gar nicht wissen, wie das da ist, wenn alles so überlaufen ist. Vor allem ist es mindestens jeden zweiten Tag richtig strahlend sonnig! Jetzt sitze ich wieder in Berlin auf dem Sofa, es ist 15.00 Uhr, trüb, und ich könnte langsam das Licht anmachen.

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  13. Wirklich wunderschöne Bilder! Du hast ja so recht, mit Sicherheit trugen die ersten Alpinistinnen Wollröcke. Und du gibst ein wunderbar stimmiges Bild ab, und ich finde auch, es braucht mehr rote Schals, lange Mäntel und Hasenhandschuhe in der Natur! Das meine ich ernst, obwohl ich selbst eine schwarze schlichte Softshelljacke besitze, die ich aufgrund ihrer Leichtigkeit und Unkompliziertheit (besonders im Urlaub mit den Jungs wertvoll) schätze und nur trage, wenn ich im Urlaub irgendwo bin, wo ich mich die meiste Zeit draußen aufhalte und keine Lust habe, dass mir ein paar Regentropfen oder starker Wind den Aufenthalt an der frischen Luft versauern (einen Regenschirm mag ich nämlich nicht immer mitschleppen).
    Dafür ist die Jacke gut, aber schick ist anders, und ich fühle mich in ihr auch sehr funktional, weshalb ich sie sonst nie trage. Jegliche Außenwirkung geht mit so einem Ding verloren, jeder Geschmack wird plattgemackt, und Männlein sehen genauso aus wie Weiblein, sowas finde ich ja immer sehr schade. Insofern, bitte weitermachen so, und beim nächsten Mal unbedingt einen dicken Jahrhundertwende-Wälzer mit ins Bild nehmen! :-)
    Ganz liebe Grüße und eine schöne Zeit da oben,
    Nastjusha

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  14. Ich oute mich hier mal ganz frech als Funktionsjackenbesitzer.
    Wer mit Hunden jahraus und jahrein bei jedem Wetter raus geht, darf das meiner bescheidenen Meinung nach. (ätsch! ;))

    Deine Bilder sind einfach nur toll geworden, und ich kann Deine Meinung durchaus nachvollziehen. Wenn ich nicht muß, ziehe ich auch lieber meine normalen Jacken und Mäntel an. Ich kann allerdings den Funktionsjacken ihre Daseinsberechtigung nicht absprechen (eben aus besagten Gründen), denn einen Regenschirm zu balancieren, während man vom doppelten Eigengewicht an zwei Leinen den Berg raufgezogen wird, ist recht schwierig ;)

    Schönen Urlaub noch!!! :)
    Katrin

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    1. Klar, da gehe ich vollkommen mit - wenn man wirklich bei Wind und Wetter raus muss, sind diese Sachen aus den modernen Materialien eine tolle Sache. Hätte ich Hunde oder würde ich in Freien arbeiten, hätte ich sowas ganz sicher auch.

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  15. Wow, das könnten auch Szenen aus den schottischen Highlands sein (außer die Fähre natürlich), sehr schön. Wir würden uns wahrscheinlich zunicken, als Wollmantelfraktion an der Küste. Hier in der Stadt habe ich inzwischen den Eindruck, dass die Funktionsjacken von diesen wattierten Mänteln abgelöst werden. Überall schwarze Michelinmännchen, Wahnsinn. Grüße ins James-Krüss-Land, für mich auf immer verbunden mit der Ledernen Lisbeth und Quality Street Dosen.

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    1. Eine Mitreisende formulierte die These, Helgoland sei heute noch so wie Westdeutschland in den 1980ern, daher wäre es für die Generation der 35-45-jährigen wie eine Reise in die Kindheit und daher so beruhigend und entspannend. Da ist vielleicht was dran. Ich bin voll in meine Kindheit eingetaucht, es gab altmodische Torte, sehr deutsches Essen, ich habe in der Lesehalle nochmal in die Bücher von Krüss reingelesen, in den Souvenierläden Muschelkitsch angeschaut, den es in meienr Kindheit genauso auch an den Hamburger Landungsbrücken zu kaufen gab - nur Quality Street habe ich diesmal nicht gekauft, aber auch nur, weil es das auch im Edeka hier bei uns gibt.

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  16. Wundervoll! So ein langer Mantel ist meiner Meinung nach oft die wärmste Bekleidung für draußen, weil er der viele Stoff den Körper einfach toll umhüllt. Solange es nicht regnet und frau spaziert und nicht rennt ist Dein Outfit nicht nur wunderschön sondern auch klasse warm und praktisch. Den Alien-Status solltest Du unbedingt genießen, ist doch prima. Deinen tollen Rock finde ich ganz wunderschön, die schönen Details sind erst auf dem zweiten Blick zu erkennen - sehr fein - und so ein langer Wollrock ist durch nichts zu toppen. LG Kuestensocke

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  17. Schon seit einer Weile lese ich gern deinen Blog und danke für die Anregungen :-)
    Funktionskleidung scheint so ein echt deutsches Ding zu sein. Es ist das erste woran du deutsche Touristen in down under erkennst. Einheimische tragen Shorts und Thongs everywhere. Selbst auf den meisten Wanderwegen sind thongs völlig ausreichend. Aber wenn du jemanden in Funktionshosen mit abtretbaren Beinen und knöchelhohen Meindl-Stiefeln siehst, kannst du sicher "Guten Tag" sagen ;-)

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    1. Ja, der Deutsche und seine Wanderstiefel - immer für alles gerüstet, für die Begegnung mit einem Eisbär, für lose Geröllflächen, zu überquerende Bäche oder was einem sonst in den Fußgängerzonen von Sidney oder Berlin so vor die Füße kommt ;) Wahrscheinlich gibt es ihnen Sicherheit!

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  18. gut gesagt. Die einzige "Funktionsjacke", die ich besitze, ist eine Skijacke; und zum Wandern benutze ich einen Anorak, den meine Mutter schon in den 60er Jahren hatte. Ansonsten bin ich der Meinung, dass Wolle ein hervorragender Schutz gegen Wärme ist. Das wußten schon seit jeher Förster und Kutscher, die in Lodenmänteln bei Wind und Wetter unterwegs waren.

    Mir persönlich sind diese sogenannten Outdoorjacken zu unbequem, das Geraschel mag ich nicht, und das Gefühl dieses Stoffs an Hals und Gesicht bei jeder Bewegung macht mich schaudern. Dass die Arbeiter auf Helgoland sowas nicht tragen, wundert mich gar nicht - schließlich müssen sie schwer arbeiten, und da wäre jedes Gramm überflüssiger Stoff am Körper eine Einschränkung der Beweglichkeit und ließe sie schnell ins Schwitzen kommen.

    Deine Fotos finde ich sehr schön, ich sehe, du hast den Aufenthalt sehr genossen.

    Liebe Grüße
    Ulrike

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