Samstag, 6. August 2016

Lieblingsjacken-Klon 2.0


An das Leben als Kleidungs-Selbermacherin habe ich mich so gewöhnt, dass ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, wie es ist, sich mit dem standardisierten Sachen in den Läden zufrieden geben zu müssen. Mein Liebster leidet eher still unter dem Angebot an buntkarierten Dreiviertelhosen, Polohemden mit Aufdruck und nicht zu vergessen unter den beigen Jacken mit tausend Taschen und reagiert mit Konsumverzicht. Und ich lasse ihn viel zu wenig (meistens nur zu Weihnachten) von meiner Näherei profitieren.

Jetzt habe ich aber immerhin einen zweiten Klon seiner alten Lieblingsjacke genäht. Um Lieblingsjacke 1.0 wiederzufinden, musste ich tief ins Blogarchiv hinabsteigen: Im Herbst 2009 nähte ich die erste Kopie der alten Lederjacke. Lieblingsjacke 1.0 aus braunem Cord war jetzt schon lange nicht mehr ansehnlich, und eine Nachfolgejacke wurde diskutiert: Der Liebste träumte nun von dunkelgrünem Cord.   


Den Wunsch zu erfüllen war nicht so ganz einfach, denn dunkelgrünen Cord aufzutreiben, erforderte mehr als einen Anlauf. Ein großes Stück Baumwoll-Feincord, den ich aus Chrissys Stofflager erwerben konnte (vielen Dank nochmal!) hatte nicht den richtigen Farbton: Der Liebste fand den Stoff "ganz schön grün", was in etwa einem Urteil wie  "das schmeckt aber interessant" entspricht. Nach Überfärben mit zwei Paketen Simplicol Dunkelgrün hatte ich aber Stoff in einem schönen tiefen, satten Tannengrün (das sich meiner Erinnerung nach gar nicht so sehr von der Ausgangsfarbe unterscheidet - leider habe ich keine Stoffprobe vom Vorher-Zustand mehr!).


Da der Feincord ziemlich leicht ist, habe ich Vorderteile, Rückenteile, Kragen und Belege komplett mit gewebter Einlage (Klebebatist) unterlegt. Die Jacke ist trotzdem viel dünner und leichter als Lieblingsjacke 1.0 und ich fürchte, sie wird keine sechs Jahre halten. 


Bei Schulterpassen und Taschenklappen ist der Cord schräg zugeschnitten, bei Knopfleisten und Taschenriegeln verlaufen die Rippen quer.


Lustig ist auch, dass ich jetzt beim zweiten Mal andere Fehler gemacht habe als bei Cordjacke 1.0 - an die ersten Fehler konnte ich mich noch gut erinnern, daher sitzt der Kragen jetzt wesentlich besser. Dafür ist die Innentasche (hier noch mit Kreidespuren) ein bißchen verunglückt. Eigentlich sollte man den senfgrünen Taschenbeutel nicht sehen - da habe ich irgendwie falsch gerechnet. Der hervorblitzende Taschenstoff gilt jetzt als Designfeature.


Und - fragt mich nicht warum - trotz Saumzugabe waren die Ärmel des Futters etwa 5 mm zu kurz, die Ärmel verzogen sich seltsam. Ich konnte das Futter an den Manschetten einfach nicht noch knapper annähen, das wäre vermutlich sehr schnell ausgerissen. Den entscheidenden Zentimeter gewann ich durch ein Webband, das ich zuerst rundherum an die Nahtzugabe der Manschetten steppte und daran dann von Hand das Futter ansäumte. Jetzt passt es genau.


Hier noch die Rückenansicht - das Schöne an dem Schnitt sind die vielen Unterteilungen, die im Rücken eine leichte Taillierung bewirken.

Da, wie gesagt, der Cord nicht der Haltbarste zu sein scheint, denke ich jetzt schon über eine Lieblingsjacke 3.0 aus Pfeffer-und-Salz-Tweed oder Fischgrat-Tweed nach, die nicht erst im Jahr 2022 umgesetzt werden sollte. Eine Tweedjacke, die nicht aussieht, als müsste man Pfeife und Backenbart dazu kombinieren, ist nämlich auch einer der Kleidungswünsche, die hier öfter diskutiert werden und die ja im Prinzip erfüllbar sind.

Bis dahin schaue ich zur Inspiration mal bei Monika, die beim Herrmann im August sammelt, was in letzter Zeit so für Männer genäht wurde. 

20 Kommentare:

  1. Großartig
    Danke für denBericht.
    Gruß Mema

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  2. Sehr schöne Jacke. Mit sehr tollen Details. Ein Adventskalender HerrMann? Für Jacke 3
    Lg monika

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    1. Bin ich voll dafür!

      Ralf

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    2. Ok, Ok, ich fange jetzt an, nach Pfeffer-und-Salz-Tweed zu suchen. Und nähe im Dezember jeden Tag eine halbe Stunde.
      Machst du wieder eine Aktion in deinem Blog daraus, Monika?

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  3. Tolle Jacke! Ich zögere noch für den Mann zu nähen - das wird ein Fass ohne Boden und der Stoffverbrauch ist so hoch...
    LG
    Martina

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    1. Es ist ja auch nicht so, dass einem die Nähideen fürs egoistische Nähen ausgehen, nicht wahr?

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  4. Sehr toll! Und das erste Foto ist cool!
    Herzliche Grüße
    Sabine

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  5. Tolle Jacke. Gerne mehr davon! Mir gefallen besonders die verschiedensten Fadenläufe und das kurzfristig eingenähte Webband. Sieht man nicht, weiß man aber und macht die Jacke noch einzigartiger. LG, Nina

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    1. Vielleicht macht das Webband die Stelle sogar haltbarer, wer weiß.
      Danke dir.

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  6. Tolle Jacke. Gerne mehr davon! Mir gefallen besonders die verschiedensten Fadenläufe und das kurzfristig eingenähte Webband. Sieht man nicht, weiß man aber und macht die Jacke noch einzigartiger. LG, Nina

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  7. Superschöne Jacke und ich finde es super, dass sich dein Mann benähen lässt. Eine Tweedjacke wäre sicher mit dem Schnitt sehr schön - vielleicht mit einem "farbigen" Futter ... als Design :-) LG Ingrid

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    1. Ich würde mich gerne noch öfter benähen lassen. Finde Selbstgenähtes toll.

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  8. Wow, ganz schön aufwändig und sauber verarbeitet. Meinem Liebsten geht es ähnlich. Auf das Nachnähen seines alten verschlissenen Winter-Lieblingsmantels musste er jahrelang warten, während ich auch schon mal ein paar Stunden vor der Party ein Kleid für mich entwerfe und nähe

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  9. Toll! Der Schnitt ist super für eine Männerjacke, da verstehe ich gut, dass eine 3te her musste. Eine Jacke hat meiner noch nicht bekommen, obwohl er schon eine Weile bettelt, dafür Jeans und Hemden. Liebe Grüße, Zuzsa

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    1. Wir sind schon gemein: Nähen ständig für uns selbst und lassen andere betteln... Jacken sind allerdings auch nicht einfach mal schnell zwischendurch genäht - dafür ist die Dankbarkeit riesig!

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  10. Schön, einfach schön genäht. Die Fehler sieht man ja wirklich nur, wenn man in die Jacke reinschaut, und wer geht schon so nahe an die Jacke ran, außer Dir? ;-) Hier wartet ein Hemdenschnitt darauf, dass er endlich mal für den Liebsten genäht wird. *seufz* Ich komm grad zu gar nichts. Von wegen "im Sommer wird alles leichter". Aber irgendwann. Liebe Grüße, Gabi

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    1. Vielleicht macht Monika ja wieder das Adventskalender-Nähen: Im Advent jeden Tag eine halbe Stunde an einem Projekt nähen. Damit schafft man eine ganze Menge, glaube ich. Selbst zu einer Zeit, wenn man eigentlich gar keine Zeit hat.

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  11. Die Jacke ist schick geworden - dass der Taschenstoff innen hervorblitzt, hätte mich jetzt gar nicht als "Fehler" angesprungen, sondern ich hätte das wirklich als gewollt abgenickt und gut gefunden!
    Meine Männer kommen ja auch immer zu kurz. Der große mehr als der kleine, aber das liegt einfach auch an den - hm - eingeschränkten (?) Möglichkeiten. Für sich selbst ist es doch einfacher und Damenbekleidung bietet einfach mehr Spielmöglichkeiten, die bei Männerbekleidung leicht "over the top" sein können.
    Vielleicht sollte ich da mal mein Auge mehr schulen und öfter bei Herr Mann reinschauen?!
    LG
    Katrin

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Vielen Dank für deinen Kommentar!