Samstag, 13. August 2016

Noch mehr Näh-Neuigkeiten und anderes


Hier mal wieder ein kurzer Zwischenbericht - lauter Schnipsel, das scheint im Moment die Form zu sein, die am besten passt in Phasen, in denen man fast jeden Morgen mit einer  neuen Katastrophenmeldung erwacht (oder schlimmer: Kurz vor dem Zubettgehen von einer neuen Katastrophenmeldung erfährt und wider besseres Wissen noch in der Nacht versucht, herauszufinden, was passiert ist).

Die sehr überarbeitungsbedürftige angefangene Viskosehose vom letzten Mal habe ich immer noch nicht aufgetrennt und gedanklich schon so gut wie verdrängt. Aus Yvonets Beschreibung entnehme ich, dass es sich bereits um ein "UFO light" handeln könnte, da die Liegezeit noch nicht sehr lang ist, ich wäre also mit der Hose schon gut bei ihrer Aktion "Ran an die UFOs" aufgehoben, in der es darum geht, jeden Monat ein unfertiges Teil fertigzustellen. Der nächste Termin ist am 31. 8., den peile ich für die Hose mal an.


Dann war ich endlich mit dem Liebsten endlich mal auf der sogenannten "Thaiwiese" im Preußenpark am Fehrbelliner Platz in Wilmersdorf. Hippe "Streetfood"-Märkte - auf Deutsch: Märkte mit lauter mobilen Imbissständen und -wagen - sind in Berlin ja seit mindestens zwei, drei Jahren aus dem Freizeitangebot nicht mehr wegzudenken. Ich kann diesen neuen Märkten nicht so viel abgewinnen, überspitzt gesagt: Mich mit vielen Leuten herumzudrängeln und anzustehen, um dann im Stehen überteuerte Imbissgerichte zu essen, entspricht nicht so ganz meiner Vorstellung von Freizeitvergnügen und auch nicht von gutem Essen.

Mit der Wiese verhält es sich aber anders: Samstag und Sonntag gibt es da bei schönen Wetter einen  informellen asiatischen Imbissmarkt - in typischer Berlin-Manier eigentlich nicht ganz legal, aber geduldet. Der Markt soll schon in den 1990er Jahren entstanden sein, als sich vor allem thailändische Familien in dem Park zum Picknick trafen, reichlich Essen mitbrachten und irgendwann dazu übergingen, neugierigen Parkbesuchern Kostproben zu verkaufen. Mittlerweile ist das wohlorganisiert, mit Müllsammeldienst und teilweise sogar Mehrweggeschirr, das eingesammelt und an einer gemeinsamen Spülstation abgewaschen wird.

Es ist schon etwas abenteuerlich, wenn thailändische Omas auf kleinen Kochern auf der Wiese frittieren oder eine Schale Nudelsuppe mit Zutaten aus vier verschiedenen Kühltaschen zusammenstellen, die in einem großen Suppentopf mit Brühe erhitzt werden. Ich glaube im ersten Moment war ich noch viel mehr von der Organisiation dieser Mini-Küchen fasziniert, als vom Essen selbst.

Ich probierte Fischfrikadellen mit Gurkenwürfeln und einer süß-scharfen Soße, die wirklich richtig scharf war, der Liebste eine scharfe Nudelsuppe, und ich habe an dem Sonntag noch sehr viel anderes gesehen, was ich unbedingt nach und nach ausprobieren möchte. Im Netz wird das Essen auf dem Markt als "genau wie in Thailand und Vietnam" gelobt, das kann ich nicht beurteilen, aber es ist auf jeden Fall nicht das irgendwie panasiatische Essen mit Bambussprossen aus der Dose, das in vielen Restaurants serviert wird. Es war nicht sehr voll, und die Atmosphäre und die Geräuschkulisse erinnerte mich ans Freibad, aber mit einer skurrilen Note, weil man hinter den Bäumen die hässlichen Bürogebäude des Fehrbelliner Platzes sehen kann. Der Ort ist - wie so oft in Berlin - einerseits total mittendrin, aber andererseits auch in eine ganz andere Welt entrückt. Wie im Freibad sollte man sich eine Decke mitbringen. In einer Parkecke (Richtung Konstanzer Straße) ist außerdem ein großer Spielplatz, an dem es auch eine Toilette geben soll, auf dem Parkplatz am Fehrbelliner Platz findet Samstag und Sonntrag bis zum frühen Nachmittag ein Flohmarkt statt. Und daneben ist das Parkcafé, wo man sich auch gut hinsetzen kann, falls einem die Stände dann doch suspekt sind (oder man, wie wir, zum Abschluss einen Espresso braucht).

Fazit: Eignet sich für einen spannenden Ausflug mit der ganzen Familie, wo für jeden etwas geboten wird.



Dann bin ich gerade dem Brioche-Stricken bzw. dem zweifarbigen Patent verfallen und habe Askews me von Stephen West angefangen. Von dem Strickmuster war ich begeistert, seitdem Monika im April dieses Tuch in hellgrau-dunkelgrau-schwarz gezeigt hatte. Das wollte ich auch, genau so! Letztlich hatte ich mich dann für schwarz-weiß-knallblau entschieden, aber da der Wollladen um die Ecke erst nicht genug weiße und schwarze Wolle vorrätig hatte und dann einen Monat in die Ferien ging, habe ich erstmal mit einem weißen und einem schwarzen Knäuel plus einem Rest angefangen. Zweifarbiges Patent ist sehr effektvoll und hat eine tolle, elastisch-voluminöse Struktur. Faszinierend, wie das Gestrickte fällt, und die Anleitung ist raffiniert, aber nicht übermäßig kompliziert, wenn man einmal den Anfang verstanden hat (ich brauchte fünf Versuche).

Die Netzfunde der letzten Zeit:

Der Brexit ist ja nach allem, was seither in der Welt passiert ist, schon fast wieder egal. Siebenhundertsachen, eine ausgewiesene Expertin für Wirtschaftsthemen, hat in den letzten Wochen zusammengefasst, welche Szenarien es für Großbritannien und die EU gibt und wie die Prognosen aussehen - detailliert, allgemeinverständlich und unterhaltsam: We are all doomed. Was Ökonomen über die Fogen des Brexit wissen. Teil 1 - Teil 2 - Teil 3 - Teil 4. In meiner Tagezeitung habe ich sowas vermisst!   

Gekaufte Produktplatzierungen, die nicht als Werbung gekennzeichnet werden, sind in Modeblogs gang und gäbe - und viele Modebloggerinnen "sehen das nicht so eng". Ein Artikel in der Welt beleuchtete, wie viel Geld da mittlerweile fließt. Im DIY-Bereich sind wir von diesen Summen noch weit entfernt, aber die Tendenz ist ähnlich.

Die McCall Pattern Company gibt die Schnittmuster von McCalls, Vogue, Kwick Sew und Butterick heraus. Ein Artikel in der New York Times gewährte einen Blick hinter die Kulissen, mit Blick in die Ateliers, wo die Schnitte für die neuen Kollektionen entwickelt werden.

9 Kommentare:

  1. Danke für Deine Tipps. Vielleicht ist das was für meinen Berlinbesuch.
    Briochestricken klingt gut (Brioche, hmm...) und sieht schön aus. Ich könnte es mir gut als Pulli oder Jacke vorstellen. Das geht sicherlich auch. Bis hoffentlich bald, in strickender Runde. Neulich abends, als es kühl wurde, war mir schon so nach "Winterjacke stricken".
    viele Grüße!

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    1. Das Provinz soll Anfang September wiedereröffnen - im Moment wird da noch wie wild renoviert. Schauen wir mal, ob das dann wieder geht!

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  2. Sehr interessante Artikel, danke, lg Anja

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  3. Das Tuch sieht wirklich klasse aus (habe eben noch mal bei Monika geguckt). Aber ist es nicht irre viel Gestricke, wenn jede Reihe zweimal gestrickt werden muss?
    Und danke für die Schnipsel. Ich lese sie gern und ich entdecke immer etwas interessantes. Einen schönen Sonntag wünsche ich dir noch!
    LG, Luise

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    1. Man kommt - wie auch beim normalen Patentstricken - nicht wahnsinnig schnell voran, aber eigentlich hat "Reihe zweimal stricken" nichts zu bedeuten: Das ist nur die Zählweise, im Grunde strickt man ganz normal zwei Patentreihen, nur in der gleichen Richtung. Der zweifarbige Effekt dabei wirklich klasse!

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  4. Das Wort Viskosehose muss ich unbedingt in meinen aktiven Wortschatz aufnehmen!

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    1. Ja, ne? Klingt wie eine Krankheit, ich mag das.

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  5. Ein Stückchen Asien in Berlin.... Das ist genau der richtige Tipp für meine Thailandverrückte Tochter. Sie geht am kommenden Samstag mit auf den Maybachmarkt und ich dann am Sonntag mit ihr zum anarchistischen Parkessen. Das passt so wunderbar, vielen Dank!

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    1. Viel Spaß euch! Hoffentlich ist Sonntag gutes Wetter. Und wenn ich die beiden Tage nicht schon mit Arbeit und Verabredungen in total Beschlag genommen wäre, würde ich mich jetzt zu einem von beidem selbst einladen (oder es zumindest versuchen).

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Vielen Dank für deinen Kommentar!