Freitag, 28. Oktober 2016

Eine Mini-Schnittmusterparade und Chaos bei Colette

Es ist mal wieder Zeit für eine Schnittmusterparade: In den letzten Wochen fielen mir so viele bemerkenswerte Schnittmuster auf wie lange nicht mehr. Nachdem in den Sommermonaten so viele banale Schnitte für Sackkleidchen und Tanktops herauskamen, dass ich überhaupt keinen Überblick mehr hatte, gibt es jetzt wieder Schnitte, an denen ein bißchen mehr dran ist und die im Gedächtnis bleiben. Zumindest in meinem - aber ich mag die Herbst- und Winterausgaben der Burda auch immer lieber als die Sommerhefte. Die Auswahl ist also wahrscheinlich höchst subjektiv.


Ein klarer Fall von "Geschmackssache" ist auch die Modellauswahl in der neuen "Burda Vintage", einem Sonderheft mit Schnitten der Siebziger, das am 2. November erscheint: Die Bilder der Modelle sind schon im Netz aufgetaucht - und mein Geschmack ist es nicht. Aber nicht ausgeschlossen, dass ich meine Meinung ändere, wenn die Nähcommunity wie so oft das Potential einzelner Schnitte erkennt und tolle Dinge daraus zaubert!

Bei den internationalen Indie-Schnitten gibt es auch einiges Neues:

Named patterns aus Finnland, von denen ich ja sowieso ein Fan bin, hat mich diesmal nicht enttäuscht (auch hier: die Sommerkollektion fand ich ziemlich uninteressant.). Die Herbstkollektion "Evolution Theory" enthält dagegen wieder eine komplette, moderne und nicht-spießige Grundgarderobe. Mir gefällt der Stil sehr, und die Schnittmuster sind technisch immer sehr gut gemacht.

Die Schnittmusterfirma Sew House Seven habe ich erst ziemlich neu entdeckt: Sew House Seven möchte anfängertaugliche Schnitte bieten, die trotzdem schöne Designdetails haben. Mit dem Tea House dress - das mir besonders ins Auge fiel - ist das perfekt gelungen: Da es locker gegürtet wird, dürfte die Passform unproblematisch sein, und die Aufteilung des Vorderteils und die schönen Taschen machen richtig was her. Die Inhaberin von Sew House Seven arbeitete früher als Schnittdesignerin in der Bekleidungsindustrie - ein Garant für professionell gemachte Schnitte.

Closet Case files scheint die Strategie zu verfolgen, die Schnittmuster-Nischen abzudecken, die andere Firmen nicht bedienen. Zuerst waren es Jeans und Badeanzüge, nun ist eine richtige aufwendige Herbstjacke, der Kelly Anorak mit verdecktem Reißverschluss und Kapuze dazugekommen.

Um By Hand London, die schickste aller schicken Indie-Schnittmusterfirmen, war es ziemlich still geworden, seitdem die Inhaberinnen letztes Jahr in ihre alten Jobs zurückwechselten. Nun gab es mal wieder einen Schnitt (mit Ärmeln!): Alix, ein von den Siebzigern inspiriertes Kleid, das sehr gut zu den fließenden Viskosestoffen passt, die es seit einiger Zeit überall gibt.

Alix hat eine geschwungene Taillenpasse, an die sich ein angekräuseltes Brustteil anschließt - eine Schnittform, die oft viel Anpassung benötigt. Da der Schnitt ganz neu ist, gibt es noch nicht viele genähten Kleider zu sehen und ich bin gespannt, ob sich der Schnitt bewähren wird. Colette Pattterns hat sich mit einem ähnlich konstruierten Schnitt nämlich gerade ein Riesenproblem eingehandelt. Das Rue dress, das wie angekündigt wieder an die Retro-Ästhetik der Colette-Anfangszeit anknüpfen sollte, scheint zu den Körperproportionen der meisten Frauen nicht zu passen, oder zumindest war zunächst nicht so recht herauszufinden, wie das Kleid eigentlich sitzen soll. Die Colette-Inhaberin zeigte eine karierte Version, bei der die Teilungsnaht unter der Brust sitzt, was in meinen Augen "richtig" aussieht, allerdings war dieser Sitz wohl einem nachgiebigen Stoff und einer FBA, einer Änderung für größere Oberweiten, zu verdanken. (Und mal ehrlich: Wenn Sarai eine FBA für gute Passform braucht, dann kann man davon ausgehen, dass der Schnitt den meisten Frauen nicht passt.) Bei vielen Modellbeispielen verlief die Naht denn auch sehr merkwürdig quer über die Brust.

Als der Schnitt dann in einem Nähwettbewerb der Nähcommunity Pattern review von 25 versierten Selbernäherinnen ausprobiert und von den meisten nur mit Schwierigkeiten und etlichen Probeteilen einigermaßen bezwungen werden konnte, brach allmählich offene Empörung los und es kam natürlich auch gleich alles mit auf den Tisch, was Colette an wirklichen oder vermeintlichen Passsformmängeln schon seit langem vorgeworfen wird. Ich habe bisher nur den Rock Beignet von Colette ausprobiert, der in der laut Maßtabelle passenden Größe um einiges zu groß ausfiel, und kann nicht mitreden, was die generelle Qualität der Schnitte betrifft. Dass besonders Armloch- und Schulterbereich  anscheinend ein Problem darstellen, war mir bei anderen Nähbloggerinnen aber schon aufgefallen, weil es verhältnismäßig oft erwähnt wird.

Colette zog den Rue-Schnitt vorerst zurück und überarbeitete ihn in den letzten Wochen. Als Download ist eine korrigierte Version jetzt verfügbar, die alle Käuferinnen automatisch zugeschickt bekommen sollen, eine korrigierte gedruckte Version soll demnächst folgen. Das Verhalten Colettes in diesem Fall wurde trotzdem ziemlich stark kritisiert - und jetzt, da eine wortreiche Entschuldigung, Erklärung und Rechtfertigung für die Panne im Colette-Blog erschienen ist, weiß ich auch nicht so recht.

Das amerikanisch-pathetische Argumentationsmuster "wir haben einen Fehler gemacht, es fühlt sich für uns so schrecklich an, aber wir werden daraus lernen, uns entwickeln und die Chance ergreifen, erwachsen zu werden und Colette zu einer noch besseren Firma zu machen" geht mir etwas auf die Nerven, aber es ist mein persönliches Problem, dass mich die Colette-internen Befindlichkeiten nicht so sehr interessieren. Aber über ein paar andere Dinge wundere ich mich schon: Es arbeiteten sechs Leute gleichzeitig an dem Schnittmuster und änderten hin- und her, bis zur letzten Minute, und es gab niemanden, der den Überblick über die Versionen behält? Es ist wirklich nicht aufgefallen, dass die Modellbeispiele und zum Beispiel die Karoversion in den Schnittlinien stark voneinander abweichen? Sollte diese unglückliche Teilungsnaht nun unter oder auf der Brust verlaufen? Dass jetzt eine Schnitterstellungsexpertin und eine Passformexpertin ins Team geholt wurden - bedeutet das, dass die übrigen Colette-Mitarbeiterinnen davon wenig Ahnung haben?

Colettes Post wirft für mich Fragen auf, die ich mir ansonsten nie gestellt hätte und untergräbt den Eindruck von Professionalität, den ich von Colette immer hatte. Ich bin gespannt, wie es weiter geht, und ob diese kleine Katastrophe sich nun wirklich als Chance entpuppen wird, wie der Blogpost verspricht ("jede Krise ist auch eine Chance", den Spruch kann ich schon so lange nicht mehr hören!). Mich bringt diese Entwicklung aber auch dazu, bei Indie-Schnittfirmen genauer hinzuschauen, ob die schnittechnische Seite von Menschen betreut wird, die das tatsächlich gelernt haben.

27 Kommentare:

  1. So ganz verstehe ich ehrlich gesagt nicht, warum Colette nun soviel Haue bekommt, für etwas, das manch andere Indie-Schnittmusterfirma genauso schlecht hinbekommt. Spontan fällt mir da das 1940's Tea Dress von Sew over it ein. Oder einige Schnitte im ersten Buch von Gertie. Hat man da jemals auch nur ein Wort der Entschuldigung gelesen? Korrekturen? Sinje hatte ja schon vor ettlichen Jahren mal was dazu geschrieben, wie ambivalent Indie-Schnittmuster für sie sind (ich kann ihren Blog gerade nicht finden...)

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    1. Ich glaube Colette (die es jetzt seit 7 Jahren gibt), wird nicht mehr als kleine, sympathische Indie-Firma wahrgenommen, der man viel verzeiht - es ist eben nicht mehr nur die Gründerin, "eine von uns", sondern eine Firma mit mehreren Angestellten. Bei Gertie ist es im Vergleich ja immerhin so, dass die Schnitte im zweiten Buch technisch OK waren, sie hat sich von Buch 1 zu Buch 2 professionalisiert. Klar ist es ungerecht, dass jetzt nur Colette so kritisiert wird - Pech, oder vielleicht wird auch gerade bei Colette eine besonders große Diskrepanz zwischen Vermarktung und Qualität des Produkts wahrgenommen.
      (Sinje hat ihr Nähblog leider gelöscht.)

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  2. Ich finde gut, dass die Kritik endlich mal öffentlich wird. Peony habe ich z. B. nur 1x getragen und schon war der Ärmel ausgerissen. Extrem ärgerlich, da ich einen sehr schönen Stoff verwendet hatte. Auch die Ärmel von Crepe reißen gerne mal aus. Das darf nicht passieren. Ich dachte lange, dass ich alleine mit dem Problem bin bis ich bei anderen ähnliche Probleme entdeckte. Und obwohl mir Rue nicht wirklich gefällt, hat ein blick ausgereicht, um zu sehen, dass die Brustnaht immer anders sitzt.
    Ansonsten gebe ich dir Recht: Abgesehen von der Kollektion von Named sind kaum interessante Schnitte erschienen. Es kann also nur besser werden. Herzliche Grüße!! Nina

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    1. Hm, danke für die Warnung. Ich war auch schon versucht, mal einen Colette-Schnitt auszuprobieren - da ich den für Peony noch nicht kenne, würde ich spontan einfach eine extra große Nahtzugabe zugeben, falls eine zu knapp angegebene Nahtzugabe an dem Debakel mit den ausgerissenen Ärmeln schuld sein sollte.

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    2. Oh, das ist ja interessant - dass das Armloch bei Colette-Schnitten oft nicht besonders gut sitzt, kann man ab und zu auf Fotos erkennen. Die Langzeit-Trag-Erfahrungen bekommt man ja meistens nicht mit in den Nähblogs, kaum einer schreibt ein zweites Mal über ein schon gebloggtes Kleid, und dann denkt jede, sie wäre mit dem Problem alleine.

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  3. Danke für deine immer wieder interessanten, lesenswerten Beiträge. Ich habe mir vor Jahren das Colette Buch gekauft, der redaktionelle Teil ist sehr gut. Ich habe drei Schnitte genäht und nur der Rock sitzt mit entsprechenden Änderungen. Ja, und bei pastille hatte ich ein Ärmelproblem, dachte aber, es liegt an meinem Körper. Ich bin generell bei Schnitten sehr vorsichtig, weil der anpassungsaufwand oft verhältnismäßig hoch ist - außer bei einfachen Schnitten, aber die braucht man nicht kaufen. Die ist auch ein merkwürdiges Kleid, ich weiß nicht, ob man sowas wirklich früher getragen hat. Aber die 70er sind noch merkwürdiger, ich erinnere mich noch daran, Satinhemden in der Disco und Karottenhosen in der Schule getragen zu haben. Bitte nie wieder sowas. LG Anja

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    1. Insteressant, bei dir also auch ein Ärmelproblem. Ich weiß noch, wie wir vor Jahren mal gemeinschaftlich in der Nährunde an einem der frühen Colette-Kleider (Roicoos?)herumgedoktort haben, und sich am Armausschnitt immer irgendwo irgendwas gezogen hat. Ich glaube Susanne hat das Kleid auch nicht wirklich oft angezogen.

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  5. Ich gebe zu, dass ich mich schon lange wundere, wer sich alles berufen fühlt, Schnittmuster zu erstellen und zu verkaufen und habe es auf meine altmodische deutsche "man sollte nur das machen, was man in einer richtigen Ausbildung gelernt hat"-Prägung geschoben. (Zugegebenermaßen habe ich auch nur dort Schnitte gekauft, wo eine entsprechende Ausbildung bei den Labels erwähnt ist...) Aber schlechtes Handwerk ist mit oder ohne Ausbildung ärgerlich. Schade um die vielen Hobbyschneiderinnen, die jetzt Zeit, Material (und Geld) eingesetzt haben, um nur Murks und Frust zu erhalten.
    Die neue Kollektion von Named gefällt mir auch sehr. Und dem Burda Vintage Heft kann man zumindest nicht die Authentizität absprechen ;)
    VielenDank wieder für den schönen Überblick - lange erwartet und beim Entdecken sehr gefreut!
    LG, Bele

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    1. Danke, Bele, ich versuche das jetzt mal wieder öfter zu machen (ein paar Firmen sind verschwunden oder bringen keine neuen Schnitte mehr, das hilft beim Überblick).

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  6. Liebe Lucy, schön dass es mal wieder eine "Schnittmusterparade" bei Dir gibt. Ich lese diese Rubrik ausgesprochen gern (und habe sie Frühjahr/Sommer vermisst), auch wenn bzw. eigentlich gerade weil Auswahl und Kommentierung "höchst subjektiv" sind. Sew House Seven kannte ich z. B. noch gar nicht und der Ärger um Rue waren bisher an mir vorbeigegangen. Um bei der Gelegenheit mal eine Lanze für Colette und die Indies zu brechen: Ich habe Crepe, Sencha, Hayden und York genäht und trage die Sachen gern und oft. Bei den Blusen/-shirts bin auch ich im Schulterbereich auf leichte Passformprobleme gestoßen. Die Ärmel sind alle noch drin, ich würde das nächste Mal nur minimal verbreitern. Colette-Schnitte schienen mir bisher einfach für eine Frau mit schmalere, abfallender Schulterlinie konzipiert, während meine breiter und gerade sind, als dass ich hier eine mangelnde Professionalität in der Schnitttechnik vermutet hätte. Aber gibt es Pleiten, Pech und Pannen nur bei Indies? Liebe Grüße, Manuela

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    1. Hallo Manuela,
      Pleiten, Pech und Pannen gibt es natürlich nicht nur bei Indies. Aber Indies möchten 18$ für einen Schnitt, den ich hinterher selbstausdrucken und zusammenkleben kann mit deutlich weniger Variationen, als der Standard Vogue/McCalls etc. Schnitt hat.
      Dafür werben sie damit, dass ihre Schnitte modern, gut erklärt und besonders gut gemacht sind. Das ist die eine Seite der Medaille.
      Die andere Seite der Medaille ist, dass im Internet häufig Indies immer noch als "die" Alternative zu den "Big4", also den großen Schnittmusterhäusern gelten und dafür gefeiert werden und das sehr unkritisch. Zu Rue gab es z.B. eine Reihe von "Testern", bei denen Colette hinterher zugab, dass deren Feedback überhaupt nicht in die Entwicklung eingegangen ist, sondern es eher um eine Blogparade, d.h. eine Werbeaktion ging.
      Die Kultur in vielen Blogs ist immer noch bedingungsloses Lob für jedes Indieschnittmuster, wobei die Tatsache, das häufig Freebies vergeben werden (also jemand ein Schnittmuster umsonst testet) da sicherlich mit reinspielt.
      Das hat sich jetzt alles bei Colette entladen. Nicht ausschließlich deren Schuld, aber ich war schon etwas schockiert, dass die bisher weder Schnittmusterzeichner noch Passformberaterin haben....Dafür möchte ich ungern so viel Geld ausgeben.

      In Deutschland empfinde ich die ganze Kultur etwas anders.
      Dafür kenne ich hier noch viel, viel mehr "Designer", die nach zwei Jahren Kinderkleidern aus Jersey nähen dann ihr eigenen "Jersey"-"Schnittmuster" auf den Markt bringen, die dann bedingungslos gefeiert werden. Das ärgert mich auch sehr. Ich weiß deshalb, welche Blogs ich lese und welche nicht. :)

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    2. Danke für die ausführliche Antwort. LG, Manuela

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    3. Perfekt zusammengefasst, wie ich finde. Dass es Colette jetzt so trifft, hat sicher auch damit zu tun, dass die Probleme mit dem neuen Schnitt anlässlich des Nähwettbewerbs bei Pattern review so geballt zutage traten. Normalerweise liest man eben nur mal hier und da eine vorsichtige Kritik, und wie Nina und Anja oben schon erwähnt haben, glaubt jede, sie wäre allein mit dem Problem.

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    4. Etwas, das wir in DE auch nicht so spüren, glaube ich jedenfalls, ist der große preisliche Unterschied zwischen Indie und "Big4" in den USA.
      Durch die häufigen Sales kann man da Big4 Schnittmuster oft für 99 Cent bis 5€ bekommen. McCalls, Vogue und Simplicity kosten hier dagegen oft auch 15€, wie eben die IndieSchnittmuster.
      (Klar, bei uns gibt es Burda. Ich, als jemand der Generation Beigebracht-durchs-Internet kann mit deren Schnittmusterzeitschriften wenig anfangen...Und Einzelschnittmuster verhalten sich dann ähnlich.)

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  7. Auch find deine Schnittmusterparade super!
    Aus der Sommercollection von named habe ich gerade ein Kleid fertiggestellt. Zugegeben, es war auch bei mir Liebe auf den Zweiten Blick. Aber jetzt mag ich die Rüsche am Rock sehr! Auf Instagram gibt es schon ein Bild.
    Vom erwähnten Anorak hab ich schon sehr schöne Exemplare gesehen,währe vielleicht einen Versuch wert.
    Wenn ich Manuelas Kommentar lese sollte ich mal einen Collette Schnitt nähen. Schmale Schultern könnten mir passen (von burdaBreite bin ich weit entfernt ). Bisher haben mich die Schnitte nur nicht so angesprochen, vobei ich Peony besitze (ein schöner Gewinn) aber auch da soviel schlechtes gelesen habe.
    Lieber Gruß
    Elke

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    1. Rüsche am Rock? - Das muss ich gleich mal suchen bei dir, vielleicht verliebe ich mich ja auch auf den zweiten Blick.

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  8. Ach schön, ich freue mich auch immer über deinen Überblick der neuen Schnittmuster.
    War klar, dass Burda mit den 7oer Schnittmustern die Vintagreihe fortsetzen wird. Für mich ist das auch nichts; ich liebe die 60er, bei den anderen Jahrzehnten bin ich definitv raus.
    LG von Susanne

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  9. Ich kann zur Qualität der Colette-Schnittmuster nichts sagen, finde die Kommentare im von Dir verlinkten Blog aber überzogen. Vielleicht hat Colette tatsächlich keine Ahnung vom Schnittmustermachen, aber Blog, Podcast und die vielen breitgefächerten Beiträge zum Thema Kleidung, Stil und Nähen finde ich super. Den Vorwurf "die wollen nur unser Geld erschleichen" (im verlinkten Blog klingt das so) kann ich daher nicht nachvollziehen. Ist wohl eher ein Fall von "wir finden Nähen und Selbermachen richtig gut, machen Hobby zum Beruf und sind leider eher unprofessionell beim Schnitt erstellen". Eine objektive Selbstwahrnehmung ist auch sehr schwer, wenn man bisher immer gut ankam und viel Lob geerntet hat. Die schon genannten Beispiele "Gertie" und "Jerseydesignerinnen" finde ich gut, ich habe mit "Willemientje" auch einen echt mies gemachten Farbenmix-Schnitt daheim - aber die Designidee von Willemientje ist gut und ich habe mir den Schnitt halt passend gemacht.

    Spannend fand ich Deine Reaktion auf den Colette-Post. Ich habe die Analyse und Schlussfolgerungen daraus sehr gern gelesen und sehr positiv aufgenommen, das beschriebene Vorgehen entspricht aber auch genau meinem eigenen Arbeitsstil. Vielleicht bin ich aber auch schon zu lange in einem internationalen Großkonzern und das färbt ab!

    Liebe Grüße, Frau Lotterfix

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    1. Ich glaube, was bei Colette bei einigen jetzt so schlecht ankommt, ist gerade, dass die mittlerweile alles Mögliche rund ums Nähen anbieten und Zeit für Blog, Podcast etc. haben - aber nicht genug Zeit und/oder Sorgfalt in ihr eigentliches Produkt stecken. Das erweckt den Eindruck, dass da die Prioritäten falsch gesetzt sind.

      Wie man Colettes Post auffasst und wie das "ankommt" ist sicher vor allem eine Frage der kulturellen Prägungen, das glaube ich auch! Die Analyse, die Schlussfolgerungen und Konsequenzen finde ich auch gut und zutreffend (und ich denke auch, dass man das so machen sollte) - aber das alles ausführlichst zu besprechen und dann noch zu erzählen, wie man sich dabei fühlt, das geht mir irgendwie zu weit ;-)

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    2. Oh, gute Anmerkung! Wahrscheinlich ist der geweckte Eindruck tatsächlich korrekt und die Prioritäten lagen falsch: die Basisarbeit wurde vernachlässigt und man hat sich lieber auf das gestürzt, was neu und spannend war. Erlebe ich tagtäglich :-)

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  10. Vielen lieben Dank für deine Schnittmustervorstellung. Dies ist meine liebste Lektüre zum Frühstück. ;))
    Von der neuen Named-Collection bin auch ich begeistert. Vier! Schnitte gefallen mir ausgesprochen gut. Die Schnittführung finde ich interessant (hier: das inspirierende Interessant), äußerst geschmackvoll und vorteilhaft.
    Zu den Passformproblemen bei Colette kann ich nichts sagen. Ich muss sowieso jeden Schnitt ändern. Allerdings was mich zusehends ärgert, ist die Nachlässigkeit, die bei einigen Schnittmusterherstellern einzieht. Es werden Schnitte ohne Halsbelege angeboten. Der Halsausschnitt soll einfach umgebügelt und gesäumt werden. Hallooo! Im Grunde ist die Vorgehensweise ja in Ordnung. Nur wenn ich für den Schnitt Geld ausgebe, dann möchte ich wenigstens einen Halsbeleg als Schnittteil vorfinden. Ob ich den dann benutze, steht auf einem anderen Blatt.
    LG Martina

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  11. Ich muss ja sagen, dass ich wenig Colette genäht habe. Schlicht, weil sie auf Cup C zeichnen und ich jedes Mal eine SBA machen müsste, was ziemlich nervt (Faulheit von mir und so...). Eventuell wurde Rue auf B gezeichnet - das würde viele der Nahtprobleme erklären.
    Zu den Ärmeln kann ich nur sagen, dass ich meine Aster-Armkugel selbst gezeichnet habe. Das Armloch war okay, aber die Kugel war gruselig.
    Na, jede Firma hat ihre "Schwachstellen", und ich muss ohnehin überall ändern. Egal ob Burda (Schultern/Länge), Knip (Länge, SBA), ByHand (sitzt gar nicht) oder sonstwas - You name it.

    Ärgerlich natürlich für alle, die ein Schnittmuster sonst "blind" nähen konnten und jetzt plötzlich doof aus der Wäsche gucken.

    Sehr interessant auf jeden Fall, wie hier alle so die diversen Muster sehen. :)

    LG
    Katrin

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  12. Die Schnittmusterparade war wieder einmal sehr schön zu lesen, ohne sie würde ich vermutlich diese vielen Indie-Firmen gar nicht kennen. Ich glaube, die Vintage-Burda wird nicht bei mir einziehen, schlimmer als die Siebziger finde ich nur noch die Achziger, was die Bekleidung angeht!
    Von Colette habe ich bisher erst Chantilly genäht, und da passte das Oberteil kein bisschen, was an der nicht gemachten SBA lag. Ich fand es auch merkwürdig, dass die rückwärtige Hälfte des Rockes weiter war, als die vordere, wer will schon seinen Hintern betonen? Am meisten gestört hat mich, dass der Schnitt an einer Elfe präsentiert wurde und dann eindeutig für eine Walküre gezeichnet war. Rue gefällt mir in der karierten Version aber unglaublich gut, wenn allerdings die überarbeitete Version die Teilungsnaht irgendwo in Brustnähe hat, wäre das nicht mein Schnitt. Dieses öffentliche "Asche auf's Haupt" streuen bzw. zu Kreuze kriechen ist glaube ich typisch amerikanisch, im alten Europa hat man es damit nicht so. Ein gewisses Mittelmaß wäre da sicher nicht falsch. Ich verfolge den Colette-Blog nicht, fand aber die Kleiderschrankanalyse ziemlich gut. Möglicherweise haben sie auf zu vielen Hochzeiten auf einmal getanzt. Keinen Schnitterstellungs-Profi an Bord gehabt zu haben finde ich allerdings etwas bedenklich.
    Insgesamt finde ich bei Burda immer noch die für mich besten Schnitte, und wenn ich es mal simpler möchte, nehme ich die Ottobre. Viele der Indie-Schnittmuster, besonders von deutschen Herstellern, die ich auf den Blog ab und an sehen, habe ich in etwas aufwändiger auch schon bei Burda gesehen, dafür gebe ich dann auch kein Geld aus.
    Die Kelly-Jacke finde ich allerdings echt genial, und Closet Case werde ich mir auf jeden Fall merken.
    Liebe Grüße, Stefanie

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  13. Danke Constanze, schön zu wissen, dass du dich für mich um den Überblick kümmerst, aber ich lande ja auch eh meist wieder bei good old Burda, im Herbst jedenfalls.
    LG Sybille

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  14. Vielen Dank für die Schnittbesprechung/-übersicht. Für mich war Sewhouse Seven die Entdeckung des Sommers. Ich habe mir den Pencil-Skirt genäht und die Passform ist grandios. Auch die Nähanleitung lässt nichts zu wünschen übrig. Das neue Kleid ist schon ausgeplottet, vielleicht wird das mein Weihnachtsschnitt. LG Carola

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  15. Stimmt, das Rooibos-Kleid habe ich letzten Endes nicht getragen und auch nicht noch einmal genäht. Es hat viele 'Issues' im Oberteil. Nach 6 Jahren erinnere ich mich aber noch am meisten daran, dass ein Futterschnitteil fälschlicherweise als Außenteil bezeichnet war und das jeden unerfahrenen Näher in totale Verwirrung gestürzt hätte. Ich war schon damals enttäuscht, das so eine Schlamperei für so einen teuren Schnitt möglich war.
    Den anderen gekauften Schnitt, Chantilly, habe ich nie genäht, der liegt noch unangetastet irgendwo rum.

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