Montag, 1. Mai 2017

Rope bowls ohne Nähmaschine bei der Stoffspielerei im April


Ehe ich mich noch monatelang dumm und dusselig wickele, poste ich lieber jetzt den aktuellen Stand meines Versuchs für die Stoffspielerei im April. Das Thema lautete "Seltene Techniken", und Suschna hatte in ihrem Blog Textile Geschichten schon gestern die Projekte der Mitstreiterinnen gesammelt.

Wenn es um seltene - ich intepretiere das als ungewöhnliche, nicht mehr verbreitete - Techniken geht, dann ist das "Werkbuch für Mädchen" von Ruth Zechlin ein guter Ausgangspunkt. Das Buch erschien seit den 1950er Jahren in vielen Auflagen - ich habe eines aus der 24. Auflage von 1960 - und es behandelt neben bekannten Handarbeitstechniken wie Stricken und Häkeln auch weniger gebräuchliche Techniken. Die Zielsetzung des Buches ist aus heutiger Sicht mehr als merkwürdig, neben der geschlechtsspezifischen Zuordnung im Titel gibt es z.B. eine Einleitung, in der über "Werkgesetze, die wir beachten müssen" doziert wird.

Manche Technikkapitel sind aber sehr interessant, denn Anleitungen für "Arbeiten aus Bast, Binsen und Stroh" findet man sonst kaum. Aus diesem Kapitel habe ich mich mit den Wickelarbeiten befasst. Dabei werden dicke Schnüren aus den Grundmaterialien (Binsen, Stroh) mit Hilfe von Garn zu Gefäßen zusammengefügt.  


Bei der getesteten Wickeltechnik wird das Grundmaterial (im Buch: Peddigrohr) schneckenförmig aufgerollt und mit dem Garn komplett umwickelt. Durch regelmäßige Stiche in die vorhergehende Runde verbindet man das Gewickelte zu einer zusammenhängenden Fläche.


Ich habe als Einlage ein geflochtenes Seil, eine Art Wäscheleine verwendet, die es im 1-Euro-Laden nur in den nicht so ansprechenden Farben neongelb, neonorange und neonpink gab - deshalb ein Versuch, das Seil komplett zu umwickeln. Das Garn sind Reste aus Baumwolle, das typische Topflappengarn.  


Die knappe Anleitung im Buch, die fast nur aus einer nicht sehr deutlichen Zeichnung besteht, habe ich nicht hundertprozentig nachvollziehen können. Anscheinend wird das Garn zum Umwickeln entweder in Form einer Acht um das Grundmaterial geschlungen, oder mit dem so genannten "Knotenstich", der wohl so ähnlich wie ein Knopflochstich funktioniert. Wie man diese Verschlingungen einigermaßen rationell arbeiten kann, ohne Wicklung für Wicklung mit einer Nadel zu fädeln, habe ich nicht herausbekommen, an dieser Stelle hätte ich ein Video oder wenigstens eine Folge von Bildern gebraucht.

Ich habe dann einfach das Seil immer fünf- bis sechsmal mit Baumwollgarn umwickelt, bei der nächsten Wicklung eine Runde tiefer eingestochen, wieder gewickelt wieder eingestochen - was schon viel, viel länger dauerte, als ich mir vorher vorgestellt hatte, aber ausreichend stabil zu sein scheint. Der angefangene Korb, im Moment nur eine Scheibe in der Größe eine Kuchentellers mit etwas Knick, ist das Ergebnis der Wickelei von mehreren Abenden. 

Ich hatte gehofft, eine alternative Technik zu den zur Zeit so beliebten "rope bowls", den mit der Nähmaschine aus Seilen genähten Behältnissen zu finden. Nun ja. Das Ergebnis gefällt mir zwar sehr, aber die Handnähtechnik ist so langwierig, dass ich nicht glaube, dass sich irgendjemand diese Wickelei als neues Hobby aussuchen wird. Oder ich bin einfach nicht der Typ für gewickelt-genähte Behältnisse, denn auch den Versuch mit einem maschinell genähten Korb in rope bowl-Technik bei der Stoffspielerei im Dezember 2013 fand ich ermüdend, aber immerhin benutze ich den großen Papierkorb immer noch, den ich damals gemacht habe.


Als nächstes könnte ich noch eine andere Wickel- und Nähtechnik ausprobieren, bei der das Seil größtenteils sichtbar bleibt - vielleicht komme ich dann zu dem Brotkorb, den ich eigentlich geplant hatte, denn das könnte etwas schneller gehen.

Alle Mitstreiterinnen bei den "Seltenen Techniken" findet ihr bei Susanne hier im Blog "Textile Geschichten". Die nächste Stoffspielerei ist am 28. 5. bei Griselda/Machwerke zum Thema Jeans - Blau in allen Schattierungen. Der Termin im Juni ist am 25. 6. hier zum Thema Schwarz und Weiß.   

16 Kommentare:

  1. Ich hatte gerade einen Erinnerungs-Flash - das Werkbuch für Mädchen müsste in meinem alten Kinderzimmer auch noch irgendwo herumstehen! Wenn ich das nächste Mal bei meinen Eltern bin, werde ich danach suchen.
    Schade, dass das Wickeln so langwierig ist - den Zwischenstand finde ich jedenfalls sehr schön!

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  2. Den Trend Rope Bowls hatte ich noch gar nicht mitbekommen, und deinen Papierkorb hatte ich auch nicht mehr präsent - dabei erinnerte er mich schon damals an die afrikanischen Wäschekörbe, die ich schon immer schön fand und auch eigentlich gern noch mehr hätte.
    Dein Projekt vor 4 Jahren und dein jetziges gefallen mir richtig gut, und da du hier schlauerweise im Schwarz-gelben Farbkonzept geblieben bist, könntest du ja auch nun so weitermachen, dass das Seil stellenweise sichtbar wird. Das hätte ich auch gern auf meinem Frühstückstisch. Die Farben erinnern mich an 50er Jahre Bauhausgeschirr und die schwarzgemusterten Vasen von Hedwig-Bollhagen, das hast du wieder mal gut ausgesucht.
    In den Kommentaren von 2013 erwähnte ja jemand, dass das auch waschbar ist - noch besser!

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    1. Ich bin ein bißchen skeptisch, ob Waschen nicht doch die Form zerstört - auf jeden Fall nicht so stark schleudern. Heute Abend habe ich nochmal knapp 2 Runden geschafft.

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  3. Dein Post ließ mich heute morgen schmunzeln: das Werkbuch für Mädchen bekam ich auch als Teenie anfang der 80er geschenkt. Das fand ich schon immer eine Inspirationsquelle, habe es aber völlig vergessen und dank Dir werde ich es heute Nachmittag suchen.
    Deine Version der Rope Bowl gefälltmir besser als die maschinengenähte - halt echt mühsam. Die Regelmäßigkeit und das Tieferstechen - ich bin gespannt, ob Du es fertig wickelst. Garantiert ist es stabiler als die Baumwoll-Körbe. Die werden bei mir viel zu weich.
    Liebe Grüße
    Ines

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    1. Ich mache das jetzt fertig - jetzt oder nie!

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  4. Ich liebe das Buch und blättere es regelmässig durch!
    Es gab übrigens auch ein werkbuch für Jungen, da sind dann mehr die elektrotechnischen Sachen drin, aber ich finde die Mädchenvariante in manchen Dingen erstaunlich handwerklich. Also ich meine, Holzarbeiten sind wahrscheinlich kein traditionelles Mädchenhandwerk, oder?
    Naja, man muss es historisch sehen...

    LG Sibylle

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    1. Nahc dem Werkbuch für Jungen muss ich gleich mal schauen - klingt interessant!

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  5. In Skandinavien gibt es das unter Lobbinding. Da gibts einiges dazu, wenn man google befragt.

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    1. Danke, das ist ein sehr guter Hinweis. Ich kannte bisher keinen Namen für die Technik, das machte die Suche schwierig.

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    2. Aha, englisch sagt man anscheinend "coiling" - falls noch jemand sucht.

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  6. Ich schaue auch immer wieder gerne in das Buch rein. Genau solche Brot und Gemüse Körbe sowie Topfuntersetzer habe ich mir vor 20 Jahren für Beträge unter einer DM aus Marrakesch mitgebracht. LG Anja

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    1. Uff, und dafür wurde stundenlang gewickelt...

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  7. Diese Technik ist wirklich sehr schön, aber deine Bemerkungen verstärken meine Gefühl,dass heute immer weniger etwas begonnen wird, was wirklich ewig dauert.Klar, ist das auch ein wenig Typfrage. Deine Variante finde ich aber weitaus edler, als die genähten Maschinenteile. Das Seil einhäkeln müßte doch auch gehen, aber das wird sicher ganz schön viel an Gewicht.
    Den schwierigen Anfang hast du schon geschafft,der wird sehr schön und bald fertig!
    viele Grüße Karen

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    1. Bei mir kommt es wirklich auf die Technik an, wieviel Geduld ich aufbringe - die Wickelei finde ich weder so interessant und abwechslungsreich wie nähen, noch so entspannend und Flow-erzeugend wie stricken, das ist das Problem, daher kann ich das nicht über längere Zeit am Stück machen. Wenn man sich dabei unterhalten kann, geht es.

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  8. Wahnsinn, was für ein Aufwand! Ich habe die aktuell boomenden Rope Bowls noch nicht ausprobiert, aber schon welche geschenkt bekommen. Hut ab vor Deiner Fleißarbeit, aber der Effekt bei Dir ist total schön, mit den gelb eingesprengten Stichen im Schwarz! Weiter so, jetzt nicht aufgeben - Dein Vorsatz, das fertigzumachen ist ein guter! (Eine Jacke oder ein Tuch strickt man ja auch nicht an einem Abend. ;-) ) lg, Gabi

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  9. Das Buch habe ich auch im Regal und gestehe, dass ich schon sehr lange nicht rein gesehen habe. Die Technik, die Du ausgewählt hast erinnert mich an die Bastelbücher vom Arnold-Verlag "Bast und Maisstroh" "Werken mit Stroh". Die Schalen habe ich nicht so dicht gewickelt in Erinnerung, sondern eher funktional zur Fixierung/Verbindung.
    Deine Variante ist ehrgeizig aufwändig und schön. Wahrscheinlich hätte ich schon Geduld verloren und liese das Seil durchscheinen.
    Ich bin gespannt, wie groß Dein Behältnis wird.
    LG Ute

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