Der
MeMadeMittwoch, die Vernetzungsaktion für selbstgemachte Kleidung,
steht heute unter dem Motto "Tierstoffe". Animalprints im engeren Sinne, also Fellmusterdrucke von G wie Giraffe bis Z wie Zebra oder gar Schlangenhaut, Federn oder Schuppen finden sich nicht in meinem Kleiderschrank. Aber ich wage die Prognose: Das wird nicht so bleiben. Der Einfluss der Tiermusterträgerinnen im MMM-Team (ich schaue vor allem nach Bielefeld) wird sich durchsetzen - und das ist ja überhaupt das Schöne am Austausch hier beim MMM: Die Ermutigung, auch mal etwas ganz anderes auszuprobieren und Farben, Muster und Schnittformen zu testen, auf die ich ansonsten nicht gekommen wäre.
Für den Mottotag heute konnte ich leider noch kein schönes, zu mir passendes Tierfellmuster beschaffen (aber ich weine einem dunkelroten Viskosestoff mit abstrahiertem Leomuster von Stoff&Stil nach, den es letzten Herbst noch gab und den ich blöderweise doch nicht kaufte). Aber Tiere auf Stoff fand ich, und das Zustandekommen dieser Bluse wäre ohne die Nähbloggerinnengemeinschaft auch nicht möglich gewesen. Den Stoff machte nämlich
Yvonet ausfindig, nähte die Bluse "Pam" aus
La Maison Victor daraus (Heft Januar/Februar 2016), es ergab sich eine Gelegenheit zum Anprobieren, ich war begeistert, Yvonne hatte nichts dagegen, dass ich ihre Bluse genau so nachnähe, Wiebke bestellte eine größere Menge des Stoffes -
den sie heute auch trägt - und der bevorstehende Mottotag führte dazu, dass ich die Zugvögel auf Viskosekrepp nicht übermäßig lange streichelte, sondern nach geringer Ablagerungszeit anschnitt.
Der Schnitt "Pam" war in den letzten Wochen oft beim
MeMadeMittwoch zu sehen, ich erinnere mich zum Beispiel an die schönen Versionen von
Frau Vau hier und
hier, von Birgit -
Lila und gelb hier, von Steffi -
Einmal Mond und zurück hier und von Andrea -
Lya und ich hier aus gestreiftem Jersey. Nach einem guten Oberteilschnitt für leichte Webstoffe habe ich schon sehr lange gesucht, und "Pam" ist meiner Meinung nach ideal: Dank Brustabnäher nicht zu sackig, die Arme lassen sich gut bewegen und die nicht dominierende Schleife ist ein nettes Detail. Ich habe direkt gleich mal drei Stück genäht.
Bei der leichten Viskose dehnen sich schräg geschnittene Partien schon aus, wenn man die Schnittteile nur hochhebt und zur Nähmaschine trägt. Die Nahtlinien von Ausschnitt und Schlitz habe ich daher als erstes mit einer Stütznaht gesichert. Was sich dann noch dehnte, ließ sich glücklicherweise beim Annähen des Belegs wieder zusammenschieben.
Den Beleg habe ich durch "understitching", Feststeppen auf der Nahtzugabe befestigt, und außerdem in den Schulternähten und der aus Anpassungsründen eingefügten Rückennaht durchgesteppt. Die Nähte sind sämtlich rechts-links-Nähte (sogenannte "französische Nähte").
Der Schlitz im Vorderteil ist eine Stelle, an der es mit der Zeit leicht zum Ausfransen kommen kann, er ist deshalb zweifach gesichert: einmal durch die Stütznaht auf der Nahtzugabe knapp neben der Nahtlinie, zweitens ist der untere Teil des Schlitzes ganz knapp an der Kante abgesteppt, was bei dem körnigen Stoff kaum auffällt (auf dem Foto leider auch nicht).
Nachdem der in meinen Augen perfekte Schnitt für langärmelige Webstoffoberteile gefunden ist, suche ich nun als nächstes einen ebenso guten Schnitt für kurzärmelige Webstoffoberteile, also eine Art T-Shirt-Ersatz.
Luzies vergleichendes Nähen von drei Webstoff-Oberteilschnitten vor kurzem war schon mal sehr aufschlussreich,
Miss Margerite hatte letzten Sommer
hier ein paar Schnitte zusammengestellt. Oder ich verwende einfach "Pam" als Grundlage und experimentiere mit überschnittenen Schultern, mal sehen. Einstweilen geb ich
zurück zum MemadeMittwoch mit vielen schönen Beispielen für Kleidung mit und ohne Tier.
Details Bluse
Schnitt: "Pam" aus La Maison Victor, Januar/Februar 2016, Größe 38
Änderungen: Rücken mit Naht zugeschnitten und etwas ausgeformt, Brustabnäher ca. 1,5 cm nach unten versetzt
Material: ca. 1,30 m Viskosecrêpe
Details Rock (Prada-Sewalong)
Schnitt: Sechs-Bahnen-Rock selbst aus einem Acht-Bahnen-Rock erstellt
Material: Reste schwarzes Leinen, offenkantig verarbeitet und sichtbar zusammengesteppt - weitere Bilder
hier.