Mittwoch, 5. Mai 2021

Gefühlte Schwierigkeit: Blazer 112 aus Burdastyle 2/2015

 

Ihr kennt doch sicher alle das Burda-Punktesystem, mit dem der Schwierigkeitsgrad eines Schnittes angegeben wird? Die Schnitte bewegen sich zwischen einem Punkt (Poncho aus zwei zusammengenähten Stoffrechtecken) und vier Punkten (Mantel mit Reverskragen, Paspeltaschen mit Klappe und noch einer Handvoll Extras). Interessanterweise entspricht die angegebene Schwierigkeitsstufe nicht immer meiner gefühlten Schwierigkeit. Ich habe von Trenchcoat bis zum doppelt gefütterten Wintermantel schon alle möglichen Mäntel genäht, darunter auch welche mit Vier-Punkt-Wertung (zum Beispiel den dunkelroten Wollmantel, den ich zuletzt beim MeMadeMittwoch zeigte) - aber mein echter Angstgegner sind Blazer.  


In meiner Nähkarriere habe ich noch nie einen Blazer genäht, der mir dann wirklich gefallen hätte und den ich auf Dauer wirklich angezogen hätte. Das ist natürlich vollkommen absurd, schließlich unterscheidet sich ein Wollmantel von einem Blazer meistens nur in der Länge. Die Schnitte sind gleich aufgebaut, die Passform ist im Prinzip identisch, die Stoffe sind ähnlich - aber irgendwie stelle ich an die Passform von Blazern höhere (oder einfach andere?) Ansprüche als an Mäntel. Und zweitens finde ich es schwierig, bei Blazern die richtige Länge zu finden, die dann auch zu möglichst vielen meiner Unterteile passt.


Dieser Blazer hier, Modell 112 aus Burdastyle 2/2015, könnte vielleicht doch mal ein Teil sein, das ich wirklich trage. Die Anfänge der Jacke konnte ich sogar hier im Blog wiederfinden: im November 2016 hatte ich die meisten Teile zugeschnitten und den Korpus zusammengenäht. Ich glaube ich nahm die Teile im Januar 2017 mit zur AnNäherung, für alle Fälle, falls ich mit meinem Hauptprojekt früh fertig werden würde. Dann passierte lange nichts, die halbe Jacke zog sogar einmal mit mir um (und warf sie nicht weg, obwohl ich das überlegte) und holte sie erst vor ein paar Wochen wieder hervor, zum Online-Nähwochenende, das Muriel und Chrissy organisiert hatten. Eigentlich nur, weil ich nicht dazu gekommen war, etwas Neues zu planen und zuzuschneiden, nicht unbedingt aus Überzeugung, dass das wirklich etwas werden würde. 


Der Zustand nach dem Wochenende, noch ohne Futter, aber mit Kragen, Taschen und Ärmeln war dann wirklich so vielversprechend, dass ich motiviert war, das Futter einigermaßen zügig (für meine Verhältnisse) einzunähen - und dem Blazer das sehr gehütete Sicherheitsnadelfutter zu spendieren, von dem ich leider nur 1,50 Meter habe. Jetzt fehlt nur noch ein Knopf und ein Knopfloch in der Taille und ich bin vorsichtig optimistisch, dass mir diese Jacke wirklich so gelungen sein könnte, dass ich sie wirklich anziehen werde. Über die Kopffrage werde ich noch ein bisschen nachdenken - die Optionen aus der Knopfschachtel gefallen mir alle nicht so richtig. Eventuell beziehe ich einen Knopf mit dem Stoff der Jacke. 


Über Passformfragen bei selbstgenähter Kleidung hatte ich mir 2013 schon mal Gedanken gemacht (in diesem alten Artikel - habe ich selbst mit Vergnügen nochmal gelesen)  - Fazit: besser als Fertigkleidung bekommt man es allemal hin, und wenn man sich das selbst nicht glaubt und im Perfektionismus gelähmt ist hilft es, im Vergleich gekaufte Kleidung anzuziehen, die man mal in dem Glauben angeschafft hatte, sie würde gut passen. 


Das Kleid unter der Jacke ist Wenona, genäht 2017, von named clothing, ein Schnittmuster, das es leider nicht mehr gibt.  

Damit gebe ich zurück zum MeMadeMittwoch, dem Treffpunkt für Menschen, die ihre Kleidung selber nähen. 

Details auf einen Blick:

Schnitt: 112 aus Burdastyle 2/2015

Stoff: ca. 2 Meter leichter dunkelblauer Wollstoff mit Nadelstreifen

Futter: ca. 1,50 m Polyestercrêpe

Zubehör: dünne Schulterpolster, Ärmelfische. Einlage auf mittleres Vorderteil, Kragen, Belege und Saumumschläge aufgebügelt.

Dienstag, 4. Mai 2021

Ein neues Buch: "Über das elegante Leben" von Honoré de Balzac

Das letzte Jahr war besonders für FreiberuflerInnen nicht einfach, um es milde auszudrücken - umso froher bin ich, dass ich euch heute von meinem neuen Buch berichten kann, das vor vier Wochen erschienen ist. Für mich bedeutet es nämlich, darauf zu vertrauen, dass es sich lohnt, Büchern über so ein frivoles Thema wie Mode auf die Welt zu helfen - und darauf, dass es trotz (oder vielleicht sogar wegen?) aller Sorgen eine Zahl von Menschen gibt, die sich wie ich für dieses Thema interessieren, sich beim Lesen gerne in andere Zeiten und Orte versetzen, Spaß daran haben, mehr über Kleidung und Textilien zu erfahren. 

Honoré de Balzac - Über das elegante Leben. Texte+Textilien Berlin 2021
 
Worum geht es in "Über das elegante Leben"? Balzac war 1830, bevor er mit seinen Romanen berühmt wurde, Redakteur der damals erfolgreichsten Pariser Mode- und Salonzeitschrift "La Mode". Die Zeitschrift enthielt unter anderem aktuellen Klatsch aus dem Pariser Gesellschaftsleben, was für Kleider in der Oper getragen wurden, wer welchen Ball gegeben hatte und wer dort zu Gast gewesen war, aber auch Artikel über neue Erfindungen, neue Bücher und Stücke, eben alles, worüber man sich in einem gebildeten Salon unterhalten kann. Den Artikel "Über das elegante Leben" schrieb er für diese Zeitschrift, er erschien im Herbst 1830 in mehreren Teilen in"La Mode". Balzac macht sich darin weitergehende Gedanken über Stil und Eleganz: Gibt es eine natürliche Gabe für Eleganz? Kann jeder Mensch lernen, elegant zu sein? Aber auch: Was sagt die Kleidung über einen Menschen und die Gesellschaft aus? 

Honoré de Balzac - Über das elegante Leben (Traité de la vie élégante)
 
Das ist einerseits sehr witzig und ironisch: er fasst seine Erkenntnisse in 53 Aphorismen zusammen und auch der englische Ur-Dandy Beau Brummell, mittlerweile ziemlich abgehalftert, verschuldet und in Frankreich im Exil, hat einen Auftritt, andererseits steckt eine ganze Modetheorie in dem kleinen Text. "Der Mensch, der in der Mode nur die Mode sieht, ist ein Dummkopf" ist Balzacs Fazit. Die Zusammenhänge von Kleidung und sozialem Status, Kleidung als individueller Ausdruck der Persönlichkeit einerseits, andererseits als sichtbarer Ausdruck der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe, das ist ja ungefähr die Problemlage, die jedes modetheoretische Buch bis heute aufdröseln möchte. 

Balzac: Über das elegante Leben, Berlin 2021
 
Balzac schaut dazu auf die Entwicklung der Mode in Frankreich zurück und zeigt, wie sich erst die Französische Revolution und dann die Rückkehr zur Monarchie auf die Kleidung auswirkten. Gewissermaßen arbeitet er damit auch an seinen eigenen Problemen: 1830 gelang ihm als Autor nämlich endlich der Durchbruch, er wurde in die Pariser Salons eingeladen und man geht davon aus, dass er sich auch deshalb viel mit dem "richtigen" Auftreten beschäftigte. Er war eben nicht reich geboren oder von Adel, er besaß keine lässige, selbstverständliche Eleganz, er musste erst herausfinden, wie man sich auf dem gesellschaftlichen Parkett richtig bewegt. 

Balzac - Traité de la vie élégante, dt. Über das elegante Leben
 
Jedenfalls ein spannender Text, wie ich finde, eine interessante Perspektive auf Mode und Modegeschichte, vor allem in Frankreich. Und ein Lesevergnügen! Balzac ist so ironisch, und so viele Aussagen treffen auch heute noch den Punkt, zum Beispiel wenn er in Aphorismus Nr. 7 sagt: "Für das elegante Leben kommt als vollständiges Menschenexemplar nur der Zentaur in Betracht, nämlich: der Mann, der im Wagen sitzt." Heute würde man sagen: der Mann, der in einem dicken Auto sitzt, in einem SUV, einem Sportwagen, einem Tesla. Mir ist erst durch Balzac klar geworden, was für ein Statussymbol Pferde und Kutschen im 18. und 19. Jahrhundert waren und dass es da auch gewaltige Unterschiede bei den Modellen gab, so wie bei uns jetzt zwischen Kleinwagen und Luxuslimousine (und der berühmte Doktor Portal fährt im "Eleganten Leben" immer noch in einer uralten, klapprigen Kutsche aus der Vorrevolutionszeit herum - mithin ist er wohl eine Art Alt-68er mit angerostetem Volvo...). 

Honoré de Balzac: Über das elegante Leben. Essay über Mode und Stil.
 
Im zweiten Teil des Buchs ("Balzacs ABC der Eleganz") werden solche Details erklärt. Die Illustrationen sind Ausschnitte aus den Bildbeilagen von Modezeitschriften von ca. 1830, aus "La Mode", der Zeitschrift, für die Balzac arbeitete, aus dem "Petit Courrrier des Dames" und dem "Journal des Dames et des Modes". Die französische Buchausgabe des Textes hatte ganz ähnliche Illustrationen. Diese Kuperstiche dienten damals tatsächlich der Information über die neue Mode und sind zum Teil sehr detailliert, man kann manchmal sogar den Nahtverlauf erkennen - und hätte um 1830 damit zu einem Schneider gehen können, um sich die neueste Mode aus Paris nach der Abbildung anfertigen zu lassen. Es hat großen Spaß gemacht, nach Bildern zu forschen - dazu zeige ich demnächst noch mal mehr.

Die Übersetzung von Balzacs Aufsatz ist für dieses Buch komplett überarbeitet worden: Auf Deutsch war "Traité de la vie élégante" 1911 schon mal erschienen, allerdings in einer ziemlich merkwürdigen, teils unvollständigen und teils eher nacherzählten Übersetzung, wie es zu der Zeit nicht unüblich war. Die alte Übersetzung wurde vervollständigt, die Fehler berichtigt und die Sprache, wie es immer so schön heißt, "behutsam modernisiert" - wenn man versuchen würde, Balzac 1830 in Alltagsdeutsch 2021 umzuformen, würde man dem Text nicht gerecht werden und er würde vor allem Balzacs typische "Stimme" verlieren. Eine Bekannte meinte zu dem Buch, es sei ein kleines "Konfektstückchen", und genauso wie eine Schachtel Pralinen kann man es auch gut essen bzw. lesen: in kleinen Häppchen zwischendurch, immer wenn man gerade etwas Weltflucht braucht. Übrigens ist es durchaus auch als Geschenk für frankophile und modeinteressierte Männer geeignet, denn Balzac schreibt im generischen Maskulinum... 

Das Buch gibt es jetzt im Buchhandel (und natürlich auch direkt über mich) und genauer kann man hier noch einmal hineinschauen: Über das elegante Leben - Honoré de Balzac. Das schöne Cover ist wieder von Claudia Benter gestaltet worden. Als nächstes gibt es hier wieder Genähtes (trotz allem ist in den letzten Wochen einiges entstanden), und einen Exkurs über die Mode von 1830 - mit zeitgenössischen Bildern, und die Fotos von der Stickereiausstellung in Leipzig letztes Jahr könnte ich auch endlich einmal zeigen. 

Also bis bald!

Mittwoch, 2. Dezember 2020

Der rote Wollmantel (107 aus Burdastyle 10/2018) oder: eine typische Geschichte

Gerade noch rechtzeitig vor dem Beginn der Winterkälte hier im Nordosten ist mein Wollmantel fertig geworden. Ich hatte das Projekt im Januar 2019 bei der Annäherung in Bielefeld begonnen, und es scheint bei mir ein Naturgesetz des Nähens zu sein, dass ein Mantel immer erst ein Jahr ablagern muss (mindestens!) bis er fertig gestellt wird. In Bielefeld brauchte ich ewig für die Taschen - Paspeltaschen mit Klappe, auf die die Teilungsnaht im Oberteil zuläuft - fürs Zusammennähen, fürs Bügeln, und ich wDar dann schon ganz stolz, dass ich mit einer zusammengenähten Mantel-Außenhülle nach Hause fahrren konnte. Der Schnitt, Nurmmer 107 aus Burdastyle 10/2018 ist immerhin ein Vier-Punkte-Projekt bei Burda.

 

Der Mantel hing dann - auch das ist mittlerweile Tradtion - den ganzen Sommer auf einem Kleiderbügel hinter der Tür meines Nähzimmers. Der Herbst 2019 verging, ich hatte keine Lust, mich ans Füttern zu machen.

 

Es wurde Winter, der Jahreswechsel kam und die Annäherung 2020 näherte sich. Ich dachte an den Mantel, an das Futter und stellte fest, dass ich keine Ahnung hatte, wo sich der herauskopierte Schnitt des Mantels befand. Ich suchte einen halben Nachmittag und schaute in gefühlt tausend Klarsichthüllen und kam dann zu der Überzeugung, dass ich den Schnitt bestimmt bei einer Aufräumaktion weggeworfen hatte. Alles nochmal schnell neu auskopieren, damit der Mantel vor dem Nähtreffen 2020 fertig werden konnte? Niemals! Ich nähte in Bielefeld einfach was anderes, der halbfertige Mantel blieb auf dem Bügel hinter der Tür.

 Irgendwann im Frühjahr (genau erinnere ich mich nicht), fing ich tatsächlich an, den Futterschnitt noch einmal herauszukopieren - also zumindest die Ärmel, da relativ kleine Teile. Diese Anstrengung versandete aber irgendwann. Da fand ich eines Tages, als ich Regal mit den Nähbüchern etwas ganz anderes suchte, meine Schnittkopie von 2019 wieder. Ich hatte sie - sicher mit dem Gedanken, dass ich sie ja bald brauchen würde - zusammengefaltet quer auf eine Reihe Bücher ins Regal geschoben, von vorne leider so gut wie unsichtbar. Das Wiederfinden des Schnittmusters motivierte mich ein wenig, aber nicht so sehr, als dass ich im (heißen) Sommer einen wolligen Mantel zuendegenäht hätte. Das schaffte erst das virtuelle Nähkränzchen am Wochenende vor zwei Wochen, wo ich mich zuerst in Plänen und Träumen über schöne, neue Nähprojekte erging, ehe ich wieder an den Mantel dachte und dann wirklich, aber jetzt WIRKLICH das Futter für den Mantel zuschnitt und im Laufe des Wochenendes einnähte.

Es gab auch so gut wie keine Pannen dabei - außer: 

1. Das Futter war - nach Anleitung zugeschnitten - etwa 5 cm zu kurz. Das ist mir tatsächlich bei Burda-Schnittmustern schon öfter passiert, nach meiner Erfahrung reicht es nie, wenn man wie angegeben die Futterteile mit nur 1,5 cm Saumzugabe zuschneidet. Leider war mir dieses Wissen im entscheidenden Moment entfallen, aber ich schreibe es hier noch einmal auf, dann erinnere ich mich vielleicht beim nächsten Mal daran. Ich fand es dann etwas doof, schwarzes Futter anzustückeln, sondern verwendete einen Rest hellblauen Futterstoff, gut zum dunkelroten Oberstoff passt. Das ist sogar ein ganz guter Kompromiss, denn ich hatte zuerst überlegt, ein farbiges Futter einzunähen, mich dann aber doch für langweiliges Schwarz entschieden.   

2. Ich schnitt bei dem Versuch, die Nahtzugabe des Futters am Schlitz im Rückenteil zurückzuschnieden, auf einer Seite in das Futterrückenteil. Das sah zuerst ziemlich dramatisch aus, aber irgendwie war an der Stelle genügend Futterstoff vorhanden, so dass ich den Einschnitt beim Ansäumen am Schlitzbeleg nach innen schieben konnte. Ich verstehe im Grunde nicht ganz, wie das sein kann, aber auf jeden Fall sieht das Futter OK aus, der Schnitt ist weg, es spannt nirgends - also bin ich zufrieden. Die feinheiten des Abfütterns, bei denen ich nicht besonders fit bin, sind wahrscheinlich das, was den vierten Schwierigkeitspunkt bei diesem Schnitt ausmacht.

Hier nochmal zum Angeben die Paspeltasche aus der Nähe! 

Beim MeMadeMittwoch versammeln sich heute wieder Menschen im Selbstgenähten - ich bin gespannt, wie viele Mäntel dabei sind. 

Details zum Schnitt:

Schnittmuster: 107 aus Burdastyle 10/2018

Stoff: ca. 3,20 m dunkelroter Wollstoff , ca. 2 m schwarzes Viskosefutter und ein Futterstreifen in hellblau von ca. 7,5 cm Breite

4 Druckknöpfe

Einlage: auf dem gesamten Vorderteil, Kragen, ein Streifen auf Ärmelsäumen und Säumen und auf den Schlitzkanten im Rückenteil. Ärmelfische und dünne Schulterpolster. 

Nochmal "Zur Hölle mit der Mode" und Elizabeth Hawes - Modedesignerin, Journalistin, Gewerkschafterin und Autorin

Mehr Zeit als ich wollte, ist seit meinem ersten Artikel über die großartige Desigerin Elizabeth Hawes und ihr Buch über die Modeindustrie  der 1920er und 1930er Jahre vergangen. Wer das noch einmal nachlesen will: Hier findet sich die Zusammenfassung, worum es in "Zur Hölle mit der Mode" geht, Elizabeth Hawes erstem Buch über ihre Zeit als Designerin in Paris und New York. Heute will ich, wie versprochen, etwas mehr über die Autorin erzählen. Elizabeth Hawes war nämlich eine sehr interessante Frau, die nach ihrer Zeit in der Modebranche ein ziemlich bewegtes Leben hatte, das sie bis in die Karibik führte. 

Auf die englische Fassung von "Zur Hölle mit der Mode" wurde ich vor vier bis fünf Jahren in irgendeinem us-amerikanischen Nähblog aufmerksam. Das Buch wurde dort besprochen, machte mich neugierig, ich besorgte mir ein Exemplar und las es gebannt in einem Rutsch durch. (Und fragte mich schon damals, warum es das eigentlich nicht auf Deutsch gibt und warum ich noch nirgends einen vergleichbaren Blick hinter die Kulissen des Modegeschäfts gelesen hatte.) 

Aber neben dem Insiderwissen, das dort ausgebreitet wird, neben dem Blick auf die Gesellschaft der 1920er und 1930er Jahre, faszinierte mich auch die Autorin. Elizabeth Hawes ist witzig, ironisch und intelligent und mit analytischem Verstand und einem nicht geringen Selbstbewusstsein ausgestattet. Mir gefiel sehr, wie unverblümt sie benennt, was ihrer Ansicht nach in der Modebranche schief läuft - Produktpiraterie, miese Stoffqualität, das Lancieren von Pseudo-Trends, das Entwerfen an den Wünschen der Kundinnen vorbei - und wie sie natürlich der Meinung ist, eine bessere Lösung zu haben - sie erschien mir etwas anstrengend, aber sympathisch.

"Zur Hölle mit der Mode" muss 1938 ziemlich eingeschlagen haben, obwohl oder weil Hawes sich in der Modebranche damit keine Freunde machte und darin für ihre Zeit radikale Positionen vertrat, zum Beispiel plädierte sie für bunte, phantasievolle Männerkleidung (und warum nicht mal Röcke?) und berichtete von ihrer Reise in die Sowjetunion. In New York wurde sie eine kleine Berühmtheit, eine unkonventionelle Erscheinung, wenn sie mit flachen Schuhen, ohne Hut und Lippenstift, mit offenen, langen Haaren und in einem weiten Rock über die Fifth Avenue spazierte - ein fast skandalöser Anblick zwischen den sorgfältig zurechtgemachten Frauen und den Männern in formellen Anzügen. Hier gibt es einige Fotos von Elizabeth Hawes aus dieser Zeit (darunter auch einige private Partyschnappschüsse). Auch geschäftlich war sie in den späten 1930er Jahren sehr erfolgreich, ihr Modesalon brummte und sie hatte eine Menge Designaufträge nebenher. 

In den 1940er Jahren änderte sich die Situation: Elizabeth Hawes war früh klar, dass das Eingreifen der USA in den Krieg in Europa nur eine Frage der Zeit war und dass dies ihrem Geschäft die Grundlage entziehen würde -  und davon abgesehen hatte sie wohl auch die Lust verloren, sich mit den Bedürfnissen der vermögenden Kundinnen, die sich ihre Entwürfe leisten konnten, herumzuschlagen. Sie wollte das Leben der amerikanischen Durchschnittsfrau durch ihre Kleidung verbessern, wie man aus "Zur Hölle mit der Mode" erfährt, und nicht nur für die entwerfen, die sich sowieso alles kaufen konnten.

In den 1940er Jahren unternimmt Elizabeth Hawes mehrere Versuche, diese praktische Verbesserung des Lebens von Frauen anzugehen. Sie betreut für eine neu gegründete links-liberale Boulevardzeitung die Rubrik "News for Living", eine Kolumne mit Tipps zum sparsamen Auffrischen der Garderobe, über aktuelle Sonderangebote, Mode, Kosmetik, Unterhaltung und Unternehmungen mit kleinem Budget, als praktische Hilfe für Frauen, die aufs Geld achten mussten. 

Im Frühjahr 1943 heuert Elizabeth Hawes bei einer Flugzeugfabrik an und fräst im Akkord Metallteile für die Produktion von Kampfbombern. In der Nachtschicht, sechs Tage die Woche von Mitternacht bis zum Morgen, wenn sie nach Hause fährt, ihr Kind weckt und es schulfertig macht. Über dieses unglaublich harte Leben, das sie selbst nur wenige Wochen durchhält, zu dem aber die meisten ihrer ehemaligen Kolleginnen keine Alternative haben, schreibt sie ebenfalls ein Buch: "Why women cry" (1943). Auch dieses Buch habe ich mit großer Faszination verschlungen, denn es gewährt einen Blick in diese Kriegsindustrie und in das Leben nicht privilegierter Frauen in den USA, wie ich es sonst noch nirgends gelesen hatte. Elizabeth Hawes entwickelt darin auch ihre höchst modernen Ideen, wie sich Hausarbeit und Kinderbetreuung in Kollektiven so organisieren ließen, dass die Frauen die Dreifachbelastung durch Arbeit, Haushalt, Kindererziehung auf mehrere Schultern verteilen können. 

1944/45 lebt sie kurze Zeit in Detroit und versucht, Frauen in der Gewerkschaft der "United Auto Workers" zu organisieren. Dies wird zwar einerseits von den Gewerkschaftsfunktionären gefördert - denn die billige Arbeitskraft von Frauen wird als Gefahr für die Jobs der Männer gesehen - andererseits gilt Elizabeth Hawes mit ihren Ideen von Gleichberechtigung als "zu links" und und eckt in der Gewerkschaftshierarchie immer wieder an.

 Mit dem Kriegsende wird Elizabeth Hawes, wie die meisten Frauen, die während des Krieges in der Industrie gearbeitet hatten, ins Hausfrauendasein geschickt. Die Jobs bekommen die zurückgekehrten Männer, die Frauen sollen sich mit der traditionellen Rollenverteilung abfinden. Der Weg zurück in ihren alten Beruf, die Mode, ist Elizabeth Hawes verschlossen: Mittlerweile wird sie als radikale Linke angesehen und sogar vom FBI beobachtet. Vermutlich deswegen gelingt es ihr nicht, eine Anstellung in der Modeindustrie oder im Modejournalismus zu finden. 


In der einzigen Biographie, die über Elizabeth Hawes erschienen ist ("Radical by design. The life and styles of Elizabeth Hawes"; New York 1988), versucht die Autorin Bettina Berch, diese Zeit auch mit Hilfe von Geheimdienstakten zu rekonstruieren. Es bleibt vieles im Dunkeln, aber sicher ist, dass Elizabeth Hawes Anfang der 1950er Jahre  nach Saint Croix, eine Insel der Kleinen Antillen und amerikanisches Außengebiet zieht. Die Insel ist in dieser Zeit ein Zufluchtsort für viele Amerikaner, die dort mit relativ wenig Geld komfortabel und sehr entspannt leben können. Auch darüber veröffentlichte Elizabeth Hawes später ein Buch - und sprach darin auch den Rassismus an, der die Beziehungen von weißen Festlandsamerikanern und den "Crucians" bestimmte.

In den 1960er Jahren scheint Elizabeth Hawes dann ein nomadisches Leben geführt zu haben. Mal in San Francisco, mal in New York, nahm sie noch ab und zu Designaufträge an, um sich über Wasser zu halten. 1967 gab es im Fashion Institute of Technlogy in New York eine Retrospektive ihrer Werke.  Elizabeth Hawes Kleider aus den 1930er und 1940er Jahren mit ihrer zeitlosen Modernität wurden zusammen mit denen des jungen Designers Rudi Gernreich in einer sehr erfolgreichen Show gezeigt. Elizabeth Hawes starb 1971, mit 68 Jahren, in New York an Leberzirrhose, und auch wenn ihr Ende nicht dem angemessen erscheint, was sie sich einmal vom Leben erhofft haben mag, möchte ich sie als Elizabeth Hawes, die geniale Designerin in Erinnerung behalten, deren Kleider heute im Metropolitan Museum of Art in New York ausgestellt werden -  klickt euch durch die Sammlung.  Bewundert die raffinierten, von Madeleine Vionnet, ihrem großen Vorbild, inspirierten Schnittführungen, die ungewöhnlichen Farbkombinationen, die tragbaren, unaufgeregten, aber nicht langweiligen Designs.

Und ich möchte an Elizabeth Hawes, die vor Witz sprühende, immer den Finger in die Wunde legende Autorin erinnern, wie man sie in "Zur Hölle mit der Mode" kennenlernt, und deshalb veranstalte ich am Mittwoch, 16.12.2020 - ihrem 117. Geburtstag - um 20.30 Uhr eine Online-Lesung auf https://www.twitch.tv/textilfernsehen. Ich freue mich auf euch!

Alle Informationen und einen Blick ins Buch findet man hier bei Texte und Textilien.

Mittwoch, 4. November 2020

Dp Studio - le 406: Asymmetrischer Rock mit Volant

Ahoi aus dem Wald hinter dem Haus heute zum MeMadeMittwoch, dem Treffpunkt für Selbstgenähtes. In den letzten Wochen war ich nähtechnisch etwas lustlos. Eigentlich liebe ich den Herbst, auch als Näh-Jahreszeit. In früheren Jahren war das jetzt die Zeit, um in Schnittmustern und herrlichen Materialien wie Cord, Tweed und leichter Wolle zu schwelgen und Nähpläne für Herbst und Winter zu machen. Tja. Wenn man fast immer zuhause ist, von zuhause arbeitet und bis auf ein paar Spaziergänge zuhause die Freizeit verbringt, ist der Bedarf an Kleidung einfach nicht so hoch. 

Mir ist noch nicht viel eingefallen, was ich jetzt gerne hätte - ich brauche einfach nichts. Daher habe ich im Spätsommer einige Schnitte genäht, die ich spannend fand (oder bei denen ich ausprobieren wollte, ob ich das tragen kann), einfach wegen des Nähvergnügens. Der Schnitt Nummer 406 von dp Studio lag seit ziemlich genau einem Jahr hier - ich hatte ihn im September 2019 beim Lillestoff-Festival ganz günstig gekauft. Der Rock besteht zum größten Teil aus einem einzigen riesigen Schnittteil für Rücken und Seiten und einem kleinen Vorderteil. Bei Version A, die ich genäht habe, wird dann noch ein Volant vorne in die Verbindungsnaht gesetzt. Eine spannende Konstruktion und ein wirklich tolles Design.

Hier sieht man die Konstruktion etwas besser: Das große Schnittteil wird an der rechten Hüfte in mehrere Falten gelegt, der Volant ist darüber eingenäht und bedeckt die Falten.

Das obere Ende des Volants wird eingeklappt und die doppelte Volantlage ist in der Naht zwischengefasst.

Der Rock ist sehr schön schwungvoll, und obwohl ich ihn schon im Sommer genäht habe (der Stoff ist ein günstiges Leinen von Karstadt) finde ich, dass er auf jeden Fall auch wintertauglich ist. Eine Nadelstreifenversion wäre toll. Oder eine Version aus Karostoff. (Aber da kommt dann wieder die Vernunft hoch, denn viele Gelegenheiten, sowas anzuziehen, habe ich derzeit ja nicht. Ich sitze zwar richtig angezogen am Schreibtisch und besitze keinen Jogginganzug, aber so einen dramatischen Rpock ziehe nicht mal ich an, wenn ich während des Tages maximal zum Mülleimer gehe.)  

Der Pullover ist auch selbstgemacht, nach eigenem Entwurf Ende 2018 aus Drops Lima gestrickt - besprochen wurde er hier.

Das Schnittmuster ist auf schönem, festen Papier gedruckt und alles nebeneinander, so dass man die Teile auch ausschneiden könnte. Ich habe kopiert und musste für das Hauptteil zwei Bögen Seidenpapier aneinander kleben. Die Anleitung besteht vor allem aus Zeichungen, inklusive Pfeilen, die zeigen, was wohin gehört, so, wie man es auch von japanischen Schnittmustern kennt. Ich tat mich erstmal schwer, die Zeichnungen nachzuvollziehen - vor allem dauerte es, bis mir auffiel, dass der obere Teil des Volants nach innen gefaltet werden muss.

Beim Ansetzen des Volants waren die erwarteten Passzeichen nicht immer vorhanden, und vorne, wo Vorderteil und Rücken/Seitenteil aufeinander treffen, ist ein Passzeichen meiner Meinung nach falsch beschriftet - man muss darauf achten, dass die rechte und die linke Seite des Rocks auf einer Höhe aufeinander treffen, dann kommt alles einigermaßen hin. An den Markierungen für die eingelegten Falten unter dem Volant habe ich auch meine Zweifel. Ich habe es nicht hinbekommen, die Falten anhand der Passzeichen so einzulegen, dass sie genau zu ihrem Gegenstück passen, irgendwie war da immer zu viel Stoff, so dass ich schließlich so gefaltet habe, wie es mir sinnvoll erschien. 

In einigen Blogposts habe ich gelesen, dass bei anderen zum Teil der Taillenbeleg nicht zum Rock passte, wobei der Fehler bei jüngeren Versionen des Schnitts korrigiert worden sein soll - das Problem hatte ich nicht. Es kann sein, dass die anderen Ungenauigkeiten bei mir beim mühsamen Abkopieren des Riesenschnittteils entstanden sind, aber davon abgesehen hätten ein paar mehr Passzeichen auf jeden Fall nicht geschadet. Wenn man erstmal weiß, wie sich die Teile zusammensetzen, dann ist der Rock nämlich schnell genäht, das ist ein Projekt für einen Nachmittag.

Den Saum der Volants habe ich einfach mit der Overlock abgekettelt, das Abgekettelte umgebügelt und von rechts festgesteppt, ganz unauffällig. Weil die gerundeten Säume im schrägen Fadenlauf liegen, ist die Kante so ausreichend dehnbar, dass man sie mit etwas Bügeln faltenfrei umschlagen kann. In der Anleitung wird vorgeschlagen, die Säume des Volants mit Schrägband einzufassen, das war mir für diesen dünnen Stoff zu mächtig. Bei festerem oder dickerem Stoff würde das Säumen kaum anders gehen - und man könnte die Einfassung in einer anderen Farbe machen als den Rock, das sähe bestimmt gut aus. 

An Nähideen mangelt es hier nicht, wie man sieht. Mal sehen, ob ich in den nächsten Wochen meine relative Näh-Unlust überwinde - und mal sehen, was die anderen heute beim MeMadeMittwoch tragen

Details zum Schnitt:

Schnitt: le 406, dp Studio (Größe 42 genäht - bei der Auswahl auf die Maßtabelle achten, französische Größen!)

Material:  1,80 m Leinen, 1,40 breit (der Stoff reichte nicht ganz, daher musste ich den vorderen Volant mit einer zusätzlichen Naht teilen), nahtverdeckter Reißverschluss, Bügeeinlage für den Taillenbeleg

Tipps: nicht auf die Passzeichen verlassen und frühzeitig überlegen, welche Art Saum zum Stoff passt  

Freitag, 28. August 2020

Raffinierte Schlichtheit: Das Puff Shirt von The Assembly Line

"Moderne und minimalistische Indie-Schnittmuster", so wirbt die schwedische Firma The Assembly Line für sich, und das trifft die Sache auf den Punkt. Genauer gesagt fand ich die Schnitte und ihre Präsentation auf der Webseite so minimalistisch, dass ich nicht sicher war, ob das etwas für mich sein könnte. Ihr kennt das vielleicht: Man starrt hundertmal die Modellfotos und die technischen Zeichnungen an und überlegt sich, ob der ganze Reiz vielleicht nur in der coolen skandinavisch-japanisch angehauchten Inszenierung mit den fast aussschließlich einfarbigen, unbunten Stoffen und den ruhigen Fotohintergründen liegt. Ist an den Schnitten wirklich etwas Besonderes dran, oder ist das nur noch ein ausgestellter Bahnenrock oder ein Sweatshirtschnitt, genauso wie tausend andere? Manchmal schafft es die Produktfotografie ja, einem etwas schmackhaft zu machen, was an sich vollkommen banal ist.


Die Gelegenheit, der Sache auf den Grund zu gehen ergab sich, als Andrea vom Stoffladen Berliner Schnitte (Brandenburgische Straße/Nähe Fehrbelliner Platz - und natürlich mit Onlineshop) einige Assembly-Line-Schnittmuster in ihren Shop aufnahm und mich fragte, ob ich einen ausprobieren wolle - vielen Dank nochmal für den Schnitt und den sehr tollen Stoff. Ich entschied mich für das "Puff Shirt", ein Oberteil mit weiten, gerafften Ärmeln und einem interessant von schräg unten kommenden Brustabnäher.


Der Stoff ist ein sehr schöner feiner Twill aus Tencel, also ein Stoff in Köperbindung (die Webart, in der auch Jeansstoffe gewebt werden) aus einer hochwertigen Viskose. Tencel ist ein Markenname für eine Viskosefaser des österreichischen Herstellers Lenzing, für die nicht nur Holz, sondern zum Teil auch Reste von Baumwollstoffen aus der Industrie (z. B. Zuschnittreste) und sogar Baumwolle aus Altkleidern wiederverwendet werden, wenn man der Darstellung auf der Herstellerseite glauben darf. Der Stoff ist ein bisschen dicker und nicht so flatterig wie die meisten Viskosestoffe, er fällt aber durch die Webart sehr schön und wäre zum Beispiel auch für weite Hosen, Röcke und Kleider geeignet (und es gibt ihn außer in dem tollen Grün auch in einem Puderton). Der Stoff lässt sich sehr gut nähen und bügeln, aber man sollte ihn unbedingt vorwaschen, denn er ist beim ersten Waschen doch merklich eingelaufen.


Von dem Schnitt bin ich auch sehr begeistert. Ja, er ist schlicht - aber auf eine schwer zu beschreibende Weise merkt man mit etwas Näherfahrung, ob ein Schnittmuster "gut gemacht" ist, und das Puff Shirt ist sehr gut gemacht. Manche Schnittmuster wirken so grob, als wären sie mit einer Säge aus ungehobelten Brettern ausgeschitten worden. Zwar fügt sich alles zusammen, aber ohne Eleganz und man bekommt beim Nähen den Eindruck, als würde das ganze überhaupt nur funktionieren, weil sich Stoff zurechtziehen lässt. Bei anderen Schnitten passen die Kanten perfekt aufeinander, Passzeichen haben ein Sinn und das Teil näht sich wie Butter. Ich kann nicht genau sagen, woran das im einzelnen liegt, aber aus meinem Wissen über Schnittkonstruktion vermute ich, dass es bestimmte Feinheiten sind, die erfahrene Schnittkonstrukteurinnen beachten und die ein nur in einem Konstruktionsprogramm aufgestellter Schnitt nicht hat: Eine etwas eingestellte Naht hier, eine leicht gebogene Linie dort.


Das Puff Shirt gehört auf jeden Fall zu der Kategorie "eleganter Schnitt". Die Armkugel ist ziemlich hoch, der Stoff ließ sich aber sehr gut einhalten und die Ärmel passten gleich im ersten Anlauf ohne Falten in die Armlöcher. Der gepuffte Ärmel entsteht durch ein Bündchen mit einem breiten Gummiband, das nach innen geklappt und mit einer Naht am Ärmel fixiert wird. Das war die einzige Stelle, die mir an dem Schnitt nicht gefiel: Die Maschinennaht ist von außen sichtbar und wirkte in meinen Augen zu grobschlächtig. Ich habe das Bündchen stattdessen mit einem handgenähten Garnsteg im Inneren des Ärmels fixiert.


Am U-Boot-Ausschnitt reicht das Rückenteil an der Schulter über das Vorderteil, beide Seiten haben einen verstärkten Beleg, der von außen abgesteppt wird. Passend dazu habe ich den Saum auch abgesteppt. Die Anleitung ist beim Puff Shirt ist sehr ausführlich und hat sehr gute Zeichnungen, die an japanische Nähanleitungen erinnern, so dass ich die Schnitte von The assembly line auch für Anfänger empfehlen würde.


Von dem Ergebnis bin ich sehr angetan, mit der Farbe und den Ärmeln hat das Puff Shirt einen 70er-Jahre-Vibe, der mir sehr gefällt. Aus ganz dünner Viskose, Batist, Baumwollvoile oder feinem Leinen könnte man den Schnitt auch gut nähen, der Stoff sollte nur nicht zu labberig sein, damit die Ärmel gut ziur Geltung kommen.

Schnitt- und Stoffdetails

Schnitt: Puff Shirt von The Assembly Line (über Berliner Schnitte)
Stoff: grüner Tencel von Berliner Schnitte
Bügeleinlage (Vlies) für die Belege und breites Gummiband für die innenliegenden Ärmelbündchen