Freitag, 8. Juni 2018

Mit Naturmaterialien gefärbt: Workshop Ecoprinting

 
In meinem Kiez gibt es seit neuestem einen Gemeinschaftsgarten mit Hochbeeten auf dem Gelände eines nicht mehr genutzten Schulhofs, und weil der Garten Teil eines geförderten Projekts zum Klimaschutz ist, finden dort ab und zu auch Veranstaltungen statt. An einem schönen Sonntag Nachmittag konnte das Ecoprinting ausprobiert werden, also das Drucken oder Färben mit Pflanzen auf Stoff. Hannah Schorch, die den Workshop leitete, kannte ich von ihrem Label Erie Berlin, ihre zart gefärbten Sachen waren mir im Studio Herzberg, einem Laden für nachhaltige Kleidung an der Sonnenallee, schon vor längerer Zeit aufgefallen.

Ehrlich gesagt bin ich von Ecoprinting-Ergebnissen nicht immer restlos begeistert - im Netz sieht man manchmal Beispiele von Stoffen mit lauter fleckigen braun-grau-Tönen, die mich an einen Komposthaufen auf Stoff erinnern, das finde ich nicht so erstrebenswert. Hannahs bedruckte Stoffe sehen hingegen zart und geheimnisvoll und besonders aus, mit interessanten Farbverläufen oder Strukturen, gar nicht "Öko", sondern sehr raffiniert.


Hannah hatte färbende Pflanzen mitgebracht: getrocknete Zwiebel-, Avocado- und Granatapfelschalen, pulverisierte Krappwurzel und geraspeltes Blauholz, Kamillenblüten und getrocknete Rosen- und Malvenblüten. In einem Topf auf einer Kochplatte wurden Baumwollstoffe in einer Alaunlösung gebeizt, dadurch können die Fasern die Farbstoffe besser aufnehmen und die Farben werden haltbarer.


Das eigentliche Färben (oder genauer gesagt: Drucken) erinnert dann etwas an Kochen (und riecht auch fast so): Die Pflanzenbestandteile werden auf dem feuchten Stoff ausgelegt, der Stoff fest zusammengerollt und zu kleinen Päckchen gebunden. Die Stoffpäckchen kommen in ein Sieb über kochendes Wasser und liegen eine Weile im Dampf, wobei sich die Farbstoffe mit dem Stoff verbinden.


Dann geht es ans Auspacken und Auswaschen und an die große Überraschung: Was ist mit den Farben aus den Pflanzenteilen passiert? Färberkamilleblüten ergeben zum Beispiel kräftig gelbe Punkte, die Blauholzspäne violette Striche. Manche Pflanzenteile färben gar nicht - grüne Blätter zum Beipiel - und wenn verschiedene farbstoffhaltige Pflanzen zusammentreffen, können sich interessante Mischungen ergeben.


Ich bin größtenteils nur zu zarten Sprenkeln auf weißem Untergrund gekommen, für mehr Farbe darf man nicht so zögerlich sein wie ich - die Kinder hatten das beim Workshop besser drauf: Viel Material ergibt viel Farbe.


Ein Stoffstück (aus dem ich die Passe einer Bluse machen will) ist einfach grandios geworden. Das Stück alte Bettwäsche hatte ich zuerst in einem Sud aus Holunderbeeren gefärbt, der in einem kleinen Topf vor sich hinköchelte. Der Stoff war dann so gleichmäßig dunkelviolett, dass ich schon dachte, das könne man gar nicht weiter färben, aber Hannah gab mir den Tipp, Granatapfelschalen zu verwenden. Die getrockneten Schalen waren zu kleinen Bröckchen von etwa 5x5 mm geschreddert, die ich konfettimäßig auf dem gefärbten Stoff verteilte. Nach dem Dämpfen konnte ich das Ergebnis kaum fassen: Die Schalen hatten irgendwie mit der Holunderfarbe reagiert und den Stoff an den Stellen, wo sie lagen, zu orange bis rostrot verfärbt. Sehr schön und sehr überraschend!


Um mit dieser Methode systematisch zu färben und einigermaßen wiederholbare Ergebnisse zu bekommen, müsste man also alles notieren und am besten noch Vorher-Nachher-Fotos machen. Aber auch ganz unsystematisch bekommt man interessante Ergebnisse - und keine schlammfarbenen Fleckmuster, wie ich befürchtet hatte - und der Pflanzendruck macht großen Spaß und braucht nur ein Minimum an Ausstattung. Färben kann man auch mit Dingen, die man normalerweise wegwerfen würde: Schalen und Kerne, gebrauchte Teebeutel und verwelkte Blumensträuße, und natürlich kann man auch fertige Kleidungsstücke färben, sofern sie aus Naturfasern bestehen und sie so auffrischen, zum Beispiel wenn sie Flecke haben, die nicht mehr herausgehen. Ein spannender, sehr netter Nachmittag war das! 

Dienstag, 22. Mai 2018

Strickgeschichte(n): "Zwei rechts, zwei links" von Ebba D. Drolshagen [Rezension]


Schon seit Wochen liegt das Buch Zwei rechts, zwei links. Geschichten vom Stricken von Ebba D. Drolshagen auf meinem Rezensionsstapel ganz oben, und ich werde es in den nächsten Wochen noch einmal lesen, so viele Geschichten enthält es, die ich gerne weiterverfolgen würde. Und so habe ich eigentlich nur einen Kritikpunkt: Es ist zu kurz! Aus jedem einzelnen Kapitel dieser inhaltsreichen und unterhaltsamen Geschichte des Strickens hätte man ein Buch machen können, oder anders gesagt: Müsste und würde man ein Buch machen, wenn Textilien hierzulande so viel Aufmerksamkeit bekämen wie meinetwegen Lokomotiven oder die Seeschlachten des Ersten Weltkriegs.


Dabei war und ist Stricken so viel mehr als eine Beschäftigungstherapie für Frauen mit zu viel Freizeit - dieses „Salonstricken“ entstand erst im 19. Jahrhundert, und auch ihm ist ein Kapitel des Buchs gewidmet. Die längste Zeit in seiner Geschichte diente Stricken der Versorgung mit Kleidung oder als Lohnstricken dem Lebensunterhalt. Sehr interessant, was Ebba Drolshagen über die Lohn-Handstrickereien in Irland, Norwegen und auf den Shetland-Inseln erzählt. So wurden Shetlandpullover mit den typischen kleinen Einstrickmustern in moosigen Inselfarben auf einmal modern, als der britische Thronfolger Edward (später Edward VIII.) 1921 einen Shetlandpullover geschenkt bekam, ihn auf dem Golfplatz trug und sich sogar in dem Pullover malen ließ.


Ebba Drolshagen rollt die Geschichte des Strickens aber auch aus der Sicht der Strickerin auf: So zeichnet sie zum Beispiel die Geschichte von Mustern wie die des Norwegersterns, der Achtblattrose nach, schreibt über wegweisende Stricktechnikerinnen und -designerinnen wie Elizabeth Zimmerman und landet immer wieder bei der Gegenwart, den erfolgreichen Designerinnen bei ravelry, den Handfärberinnen und -spinnerinnen, den Strickwellen und -moden, den Stricktreffen und -gemeinschaften online wie offline.

Es ist klar, dass auf 250 Seiten viele dieser Geschichten nur angerissen werden können. Ich ertappte mich dabei, wie ich mir beim Lesen Notizen machte, um einige der Geschichten weiterrecherchieren zu können. Bei anderen tat ich es nicht und bedaure das jetzt, denn ich finde sie nicht wieder – wie war das zum Beispiel genau mit der Künstlerin, die eine ganze alte Strickwarenfabrik samt Lagerbestand kaufte? Das Buch hat leider kein Register, so dass es sich zum gezielten Nachlesen weniger eignet (und, dafür kann die Autorin natürlich nichts, es ist schlampig lektoriert – nach dem ersten Drittel häufen sich die Druckfehler, von Suhrkamp hätte ich ja mehr Sorgfalt erwartet). Besser also, man lässt sich von Ebba Drolshagens Plauderton und ihren unterhaltsamen Anekdoten durch die Geschichte des Strickens führen, wie es eben kommt. Das Buch ist ein Vergnügen zu lesen, sehr persönlich und teils ironisch im Ton – eine tolle Ferienlektüre, wenn man am Strand nicht nur stricken, sondern auch lesen will und noch dazu schön gestaltet mit vor (allem alten) Fotos und Illustrationen auf mattem Papier gedruckt.

Morgen am späten Nachmittag kann man im Museum europäischer Kulturen in Dahlem die Autorin erleben - im Rahmen der Ausstellung 100 Prozent Wolle liest sie um 18.00 Uhr aus ihrem Buch.

Ebba D. Drolshagen
Zwei rechts, zwei links. Geschichten vom Stricken.
suhrkamp taschenbuch 4814, Steifbroschur, 251 Seiten
ISBN: 978-3-518-46814-2
18,00 Euro 

[Das Buch wurde mir auf Vermittlung der Autorin vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.]

Dienstag, 15. Mai 2018

Peak Trompetenärmel (#111 Burdastyle 10/2017)

Drama, Baby!

Wann beginnt ein modischer Trend, kein Trend mehr zu sein? Definiert man "Trend" als eine Entwicklung in eine bestimmte Richtung, dann kann ein Trend wohl als abgeschlossen gelten, wenn das betreffende Trend-Phänomen allgegenwärtig geworden ist und es nicht möglich erscheint, dass es zukünftig noch häufiger auftreten könnte, als es aktuell der Fall ist.

Ein Ärmel ohne Trompete ist kein Ärmel
Der Trompetenärmel-Trend befindet sich nach dieser Definition bereits kurz vor dem Zenit oder vielleicht sogar schon darüber - das dachte ich, als ich vor einigen Wochen einen Kaufhaus-Werbeprospekt aus der Tagezeitung durchblätterte, in dem auf jeder Seite mit Damenmode mindestens ein Kleidungsstück mit Trompetenärmeln zu sehen war: Blusen und T-Shirts mit Trompetenärmeln, Blazer und Strickjacken mit Trompetenärmeln, Übergangsmäntel mit Trompetenärmeln - im Herbst werden vielleicht noch Wintermäntel mit Trompetenärmeln folgen, eventuell Pyjamas und Bademäntel mit Trompetenärmeln, und dann ist das Konzept Trompetenärmel wohl durchgespielt.

Ich malte mir aus, wie der dem Kaufkleidungsangebot ausgelieferte Teil der Menschheit notgedrungen Trompetenärmel mit Trompetenärmel kombinieren müsste, wenn es Jacken nur noch mit Trompetenärmeln gäbe, ebenso wie Blusen und T-Shirts. Man müsste auf schön abgestufte Ärmellängen achten, so dass der rüschige Abschluss des unteren Kleidungsstücks dekorativ aus dem Ärmel des oberen Kleidungsstücks herausquellen könnte - so, wie schon einmal im 18. Jahrhundert, als die Engageantes, üppige Volants oder Rüschen aus Spitze oder besticktem Batist, die ellbogenlangen Ärmel der Kleider schmückten (hier ein französischsprachiger Artikel dazu mit vielen Bildbeispielen).

Im 18. Jahrhundert gab es schon einmal einen Trompetenärmel-Trend

Die Engageantes hatten sich ursprünglich aus dem Unterkleid, der Chemise entwickelt, die am Handgelenk unter dem Ärmel des Oberkleids sichtbar war. Die üppige Form des 18. Jahrhunderts bot eine willkommene Gelegenheit, den Reichtum mit teurer Nadelspitze zu zeigen und die zarten Unterarme und Hände der Trägerin zu betonen, um zu verdeutlichen, dass sie keiner ernsthaften Arbeit mit den Händen nachgehen musste.

Das Top mit Volantärmeln


Den Aspekt "verhindert manuelle Tätigkeiten" kann ich bestätigen, da ich seit einiger Zeit mit Nummer 111 aus Burdastyle 10/2017 ein Oberteil mit einer modernen Adaption der Engageantes besitze: Der Ärmel ist zwar weder beim Tippen am Computer noch beim Abschneiden von Stoff hinderlich, aber schon einfache Haushaltstätigkeiten (Abwaschen, Putzen, ein Brot mit Butter bestreichen) werden ein wenig verkompliziert. Und tatsächlich wäre eine kurzärmelige Jacke (mit Trompete oder ohne, egal!) ganz praktisch, damit der Ärmelvolant unter dem Jackenärmel keinen Knödel am Unterarm bilden müsste.

 
Aber von diesen kleinen Alltagsschwierigkeiten abgesehen mag ich mein neues Trompetenärmeltop - der Volant verleiht auch kleinen Gesten eine gewisse Dramatik und verbessert damit das Leben. Der zugrundeliegende Schnitt ist die Nummer 111 aus Burdastyle 10/2017, gekreuzt mit "Pam" aus La Maison Victor.


Ich hielt mich für schlau, die Details des Burda-Schnitts (Ausschnitt, Ärmellänge, Volants) auf die Grundlage von "Pam" zu übertragen, da ich "Pam" schon mal angepasst hatte und der Burdaschnitt für Kurzgrößen gedacht war. Das ist mir nur mäßig gelungen - der V-Ausschnitt ist mir einen Tick zu tief und sitzt äußerst bescheiden, wie man den Bildern vielleicht entnehmen kann. Beim Burdaschnitt besteht das Top aus zwei Stofflagen, die am Ausschnitt miteinander verstürzt werden, so dass man auf einfache Art einen schönen Ausschnitt erhält. Ich habe das Oberteil einlagig genäht und den Ausschnitt mit Schrägband aus demselben Stoff verstürzt und schmal abgesteppt - wahrscheinlich nicht die beste Methode bei dünner Viskose.


Die Ärmel sind aber wirklich ganz lustig - am Ärmelabschluss sind zwei Volants übereinander, die laut Anleitung nicht zum Ring geschlossen werden sollen. Daran habe ich mich gehalten und alle Kanten ganz schmal mit der Maschine gesäumt. Obwohl ich sonst wirklich nicht der Rüschen-Typ bin, finde ich das Top aus der dunkelgrundigen Viskose auch nicht zu niedlich oder zu verspielt.

Schnittmuster: 111 aus Burdastyle 10/2017
Stoff: Leichte gewebte Viskose, 1,50 m
Änderungen: Vorder- und Rückenteil sowie Armkugel des Schnitts mit "Pam" aus La Maison Vistor abgeglichen. Top nur einlagig genäht und den Ausschnitt mit Schrägstreifen verstürzt.

Donnerstag, 3. Mai 2018

Näh-Nachrichten (verkürzte Umzugsedition) - Neues vom Great British Sewing Bee, Louise Bourgeois, das Lillestoff-Festival, ein neues Nähmagazin und mein neues Buch

Der Schreibtisch steht wieder, und abgesehen davon, dass noch nicht alles an seinem Platz ist, bin ich wieder arbeitsfähig. Und es ist so viel passiert!



Die Nachricht, die spontan die meiste Vorfreude bei mir auslöste: The Great British Sewing Bee kommt zurück! Derzeit können sich Hobbynäherinnen und -näher für eine neue Staffel bewerben, gedreht wird im Juli, August und September, so dass man wohl im späten Herbst oder in der Vorweihnachtszeit mit der Ausstrahlung rechnen kann. Die Moderatorin Claudia Winkleman wird nicht mehr dabei sein - an ihrer Stelle übernimmt der Comedian Joe Lycett die Präsentation. Ich weiß, dass einige Zuschauerinnen aufatmen werden, denen Claudias gebrülltes "SEWERS, YOU HAVE SIXTY SECONDS LEFT!!!" sehr auf die Nerven ging - ich mochte Claudia, aber ich bin auch gespannt, wie sich die Sendung mit einer neuen Moderation verändern wird. Patrick Grant bleibt uns wohl als Juror erhalten, und vor allem freue ich mich auf Esme Young und ihren staubtrockenen Humor.

Die deutsche Sewing Bee Geschickt eingefädelt kommt nicht zurück ins Fernsehen, was hier nicht allzu viel Bedauern auslöst. Trotzdem will es Vox noch einmal mit einer Nähsendung für Guido Maria Kretschmer versuchen: "Guidos Masterclass" wurde im März und April in Berlin gedreht. Acht aufstrebende Jungdesignerinnen und -designer müssen in sechs Folgen Designaufgaben lösen, werden von Kretschmer unterstützt und anschließend bewertet. Da Kretschmer die Kandidatinnen und Kandiaten laut Pressemitteilung selbst auswählen konnte, dürfte der Flausch-Faktor hier höher liegen, als bei Geschickt eingefädelt. Vom Konzept her erinnert mich die Sendung ein wenig an Project Runway - wir werden im Herbst sehen, ob auch hier Zickereien zwischen den Kandidatinnen für das nötige Drama sorgen müssen.

Die textilen Skulpturen von Louise Bourgeois bekommt man hierzulande nur selten zu sehen. Der Kuratorin des Schinkel-Pavillons, eines privaten Kunstvereins, ist es gelungen, einige Werke aus den letzten zwei Lebensjahrzehnten Bourgeois' nach Berlin zu holen. Die Ausstellung The Empty House läuft bis zum 29. Juli, geöffnet ist Donnerstag bis Sonntag von 12-18.00 Uhr. Ich war noch nicht dort, aber ich denke, das darf man nicht verpassen! Lesenswert auch die Besprechung der Ausstellung in der Berliner Zeitung.


Das Lillestoff-Festival, ein riesiges, wirklich riesiges Wochenend-Näh-Event in Hannover-Langenhagen (über das ich hier und hier schon mal geschrieben hatte), findet dieses Jahr am 8. und 9. September statt, und ich bin wieder mit einigen Workshops dabei: Es gibt zwei Workshops zu  Oberhemden-Upcycling, jeweils einmal am Samstag und einmal am Sonntag, einen Kurs zur T-Shirt-Rettung mittels Applikationen am Samstag und ganz neu auch einen kleinen Workshop zur Stoffkunde am Sonntag, wo wir uns mit der Lupe über verschiedene Stoffarten hermachen werden - denn wer seinen Stoff kennt, kann auch vorhersagen, wie er sich verhält, wenn er ein Kleidungsstück wird.
Alle Informationen zum Festival gibt es bei Lillestoff, meine Workshops können hier gebucht werden und oben unter dem Reiter "Veranstaltungen" findet ihr weitere Informationen zu den einzelnen Workshops.


Die Firma Lillestoff ist übrigens auch unter die Zeitschriftenmacher gegangen: Das Lillestoff-Magazin No1 mit 58 Seiten enthält 12 Schnittmuster auf zwei großen Schnittbögen. Das Heft ist aus schönem, dickem Papier und sehr aufwendig gestaltet: Die Modelle werden an ganz unterschiedlichen Frauen mit tollen Fotos in Szene gesetzt, es gibt Detailfotos der Stoffe und der Schnitte und man erfährt etwas über die Designerinnen der Stoffmuster und die Ideen hinter den Entwürfen.


Die verspielten Zeichungen von Susanne Bochem - als Überschriften, Modellzeichnungen, kleine Akzente, Illustrationen für die Anleitungen - haben mir besonders gut gefallen. Die Nähanleitungen für die Modelle sind sehr ausführlich und einfach gehalten, ohne Nähchinesisch und komische Abkürzungen, so, wie man es auch jemandem erklären würde, wenn man beieinander sitzt und gemeinsam näht.

Entdeckt? Mein Buch "Stoff und Faden" ist auch mit dabei

Ein sehr gelungenes Konzept finde ich - ein Heft, das sich nicht vor der Konkurrenz aus den großen Zeitschriftenverlagen verstecken muss, und das alles wurde mit einem kleinen, hauseigenen Team auf die Beine gestellt. Beeindruckend! Im September wird das zweite Heft erscheinen, ich bin gespannt.


Ebenfalls neu erschienen ist mein neues Buch "Zauberhafte Quilt- und Patchworkideen", ein Buch mit 14 Quiltprojekten - dieses Mal wieder beim Leipziger Buchverlag für die Frau. Das Erscheinen fiel etwas ungünstig mit der heißen Phase des Umzugs zusammen, so dass ich nach dem Durchblättern meine Autor-Exemplare gleich in einer Umzugskiste verstaute, aus der sie erst jetzt wieder aufgetaucht sind.

Kurz vor dem Einsetzen der Umzugspanik habe ich es aber noch geschafft, bei Jane und Steffi, den Damen vom Frickelcast, zu Gast zu sein - die Podcastfolge mit mir findet ihr hier, da erzähle ich ein bißchen, wie es zu dem Buch kam, Jane und Steffi waren nämlich sehr gut vorbereitet und hatten sehr interessante Fragen. Beide haben auch das Buch besprochen, hier Jane alias jetztkochtsieauchnoch und hier Steffi alias Feierabendfrickeleien. Vielen Dank ihr beiden!

Zum Buch gibt es hier bald mehr, ich muss nur erst die Kisten auspacken,wo die Decken aus dem Buch verstaut sind. Bis bald!

Mittwoch, 4. April 2018

Japanische Stoffe und Maßschneiderei im Wedding: Atelier Nuno (mit einer kleinen Verlosung)

Atelier Nuno Japanische Stoffe und Maßschneiderei Berlin

Was ich am meisten an der Nähbloggerei mag ist ja, dass ich dadurch Menschen kennenlerne, die interessante Dinge auf die Beine stellen. Marie Schmunkamp, gelernte Maßschneiderin und studierte Modedesignerin, ist so ein Mensch. Sie schrieb mich vor einigen Wochen an, und so trafen wir uns eines Nachmittags bei ihr in ihrem Maßschneideratelier und Stoffladen Atelier Nuno in der Utrechter Straße in Berlin-Wedding. Ich war schon lange nicht mehr in der Gegend und war ganz überrascht, wie sich die Nebenstraßen der Müllerstraße verändert haben, da gibt es jetzt einige nette kleine Läden, und nach dem Treffen mit Marie saß ich am Leopoldplatz noch in einem kleinen, französichen Café.

Maßschneiderin Marie Schmunkamp in ihrem Laden

Marie hat ein großes Faible für Japan und Cosplay und nähte schon als Schülerin für sich. Die Ausbildung zur Maßschneiderin und die Meisterausbildung - letztere übrigens bei Inge Szoltysik-Sparrer, die man aus der Jury von "Geschickt eingefädelt" kennt - absolvierte sie direkt hintereinander weg und schloss dann in Berlin direkt noch einen Bachelor in Modedesign an der HTWK an. Marie weiß also ungefähr alles, was man über Schnitte, Stoffe, Modedesign und nähtechnische Verarbeitung wissen kann, und mir gefällt es so gut, dass Maßschneiderei bei ihr keine spießige, verstaubte Angelegenheit ist und sie ihren Beruf und die Japanliebe einfach verbindet: In ihrem kleinen, schicken Laden bietet sie ausgewählte japanische Stoffe, selbstgenähte Accessoires und Kleider an,  und im Nebenraum des Ladens arbeiten Marie, ihre Auszubildende Charlotte und vor ein paar Wochen auch ein Praktikant an den Aufträgen, denn man könnte sich genauso auch ein klassisches Tweedkostüm, ein Hochzeitskleid oder einen Mantel im Atelier Nuno auf den Leib schneidern lassen.

Das Stoffregal im Atelier Nuno

Im Atelier-Nuno-Instagramaccount sieht man sehr gut, dass diese Vielfalt wunderbar zusammenpasst. Wenn japanische Schuluniformen und Matrosenblusen aus guten Stoffen gut genäht werden, lassen sie sich nämlich auch im Alltag tragen und wirken nicht wie eine Verkleidung.

Japanische Accessoires aus dem Atelier Nuno

Die Stoffe und einige ausgewählte Kleider gibt es übrigens auch im Onlineshop. Gerade die Stoffe sollte man sich aber bei Marie direkt anschauen - fühlen ist besser als nur sehen. Es gibt zum Beispiel eine wunderbar weiche Double Gauze (ein Doppelgewebe, also ein Stoff, der aus zwei Lagen feiner, gewebter Baumwolle besteht) mit Kranichmuster, Stoffe mit leinenähnlicher Struktur, leichte gekreppte Stoffe und drumherum allerlei nette Kleinigkeiten wie Broschen, Täschchen, Sets zum Basteln von Kanzashi, den japanischen Stoffblumen, und Süßigkeiten aus Japan.

Letztere bietet Marie in Zusammenarbeit mit dem Japanshop in der Kantstraße an - überhaupt ist es gar nicht so einfach, in Japan an die Ware zum Wiederverkauf zu kommen, wie sie mir verriet. Viele japanische Hersteller haben mit Englisch so ihre Schwierigkeiten, und wenn man nur kleinere Mengen abnehmen kann, ist das Geschäft für sie nicht interessant, oder zu kompliziert um sich zu lohnen, denn man muss sich außerdem um Zoll, Ausfuhrpapiere und den Versand kümmern. 

Täschchen in verschiedenen Formen im Atelier Nuno

Und als ob Marie mit den Aufträgen in der Maßschneiderei, dem Laden, ab und zu einem Festivalbesuch (zum Beispiel am 15. April beim Kirschblütenfest in den Gärten der Welt in Marzahn) noch nicht beschäftigt genug wäre, so filmt sie auch sehr sympathische Nähtutorials - besonders interessant fand ich ihre Anleitung, wie man Schneiderknopflöcher näht und bügelt.

Wenn ihr mal in Berlin seid, stattet ihr einen Besuch ab - geöffnet ist jeweils Dienstag, Mittwoch und Donnerstag ab 15.00 Uhr, Freitag und Samstag ab 12 Uhr. 


Atelier Nuno
Utrechter Str. 32
13347 Berlin

Öffnungszeiten:
Di-Do 15-18.00 Uhr, Fr/Sa 12-19.00 Uhr

Haltestellen in der Nähe: Leopoldplatz (U6, U9)

www.atelier-nuno.de/

Marie hat mir außerdem ein sehr großzügiges Paket zur Verlosung hier im Blog mitgegeben: Japanische Süßigkeiten - siehe Bild - und einen Gutschein über 25 Euro, einzulösen in ihrem Laden (nach Absprache auch im Onlineshop). Macht also nur mit, wenn ihr in Berlin seid oder in der nächsten Zeit hinfahrt, so dass ihr ihn einlösen könnt. Um an der Verlosung teilzunehmen, hinterlasst hier bis zum 11. April einen Kommentar. Ich verschicke den Gewinn innerhalb Deutschlands, und achtet darauf, dass ich eine Möglichkeit habe, euch zu benachrichtigen, falls ihr kein Blog oder Onlineprofil mit Mailadresse habt (auf die Daten, die ihr eventuell beim Kommentiren bei Blogger angeben müsst, habe ich keinen Zugriff, ich sehe nur den Namen und den Kommentar.) Viel Glück!
Die Gewinnerin wird am 12. 4. hier im Blog bekanntgegeben. 

Die Gewinnerinnen wurden gezogen: Der Gutschein geht an Sabine - Langsame Schildkröte und ich habe noch einen Trostpreis verlost, eine selbstgemachte Kanzashi-Blüte zum Anstecken, die geht an Angela Hipp - Patchworkangela. Vielen Dank allen fürs Mitmachen!

 


Dienstag, 6. März 2018

Näh-Nachrichten: Perlenkunst, Jil Sander und eine Lesung

Puh, das echte Leben nimmt - in Gestalt einer neuen Wohnung, Renovierung und einem bevorstehenden Umzug - gerade etwas Überhand im Hause Nahtzugabe. Statt Stoffen streichele ich Wandfarbenmuster, anstelle von Schere und Nähmaschine habe ich mit Spachteln und Farbrollen zu tun. (Würde sich hier eigentlich jemand für Renovierungsposts interessieren?)

In der Zwischenzeit sind eine Menge Links zu nähnerdrelevanten Themen angefallen.

Ausstellungsplakat, Stadtmuseum Hornmoldhaus, Bietigheim-Bissingen


Zuallererst möchte ich euch auf eine Lesung von Susanne - Textile Geschichten aufmerksam machen. Übermorgen, am 8. März liest sie um 19.00 Uhr in Bietigheim-Bissingen im Stadtmuseum Hornmoldhaus im Begleitprogramm zur Ausstellung Macht Handarbeiten glücklich?.
Verflixt und Zugenäht – Warum ist der rote Faden rot? Dem (fast) vergessenen Wissen früherer Generationen über die Bedeutung von Sprichwörtern und Redewendungen aus dem Bereich der Textilherstellung spürt die Autorin und Bloggerin Susanne Schnatmeyer in ihrer Lesung nach.
Teilnehmerbeitrag 3 €.


Kommt zahlreich, das wird bestimmt sehr unterhaltsam!

Ausstellungsansicht „Jil Sander. Präsens“, 2017 im Museum Angewandte Kunst © Paul Warchol

In Frankfurt läuft noch bis zum 6. Mai eine hochgelobte Ausstellung der Arbeiten von Jil Sander - Jil Sander. Präsens/Jil Sander. Present Tense im Museum für Angewandte Kunst. Die Ausstellung zeigt nicht nur Sanders Modeentwürfe, sondern auch Arbeiten aus verwandten Gebieten, mit denen sie sich beschäftigte, wie der Innen- und Gartenarchitektur und der Fotografie. Küstensocke hat die Ausstellung schon besucht und schrieb hier über ihre Eindrücke - und ihre Fotos von interessanten Schnittdetails und Stoffstrukturen machen großen Appetit, sich auf den Weg nach Frankfurt zu machen. Bei Monika - Wollixundstoffix läuft im Moment ein Sewalong zum Thema Jil Sander, vielleicht möchte ja noch jemand mit einsteigen.

Textilkunst: Eine Blogleserin schickte mir den Link zu einem (englischen) Artikel über das Ubhule Art Collective, einem Zusammenschluss südafrikanischer Frauen, die phantastische, meist abstrakte Perlenbilder in einer tradtionellen Technik sticken. Vor zwei Wochen waren diese Werke in London bei einer Kunsthandwerksmesse zu sehen, dieses Jahr tourt eine Ausstellung durch die USA - uns  bleibt leider nur ein Blick auf die Webseite des Kollektivs, auf der einige Bilder zu sehen sind.

Schöne Schnitte: Auf der Seite der Initiative Handarbeit erscheinen meistens zweimal im Jahr Näh- und Strickkollektionen in Zusammenarbeit mit jungen DesignerInnen. Die Kollektionen vom Ende letzte Jahres fand ich besonders gelungen - in der genähten Kollektion gefällt mir das Kleid Pecher von Jessica Lindner besonders gut und die kurze Jacke aus robustem Köper und Samt von Katharina Gorin und Karla Rabe, die außerdem ein Latzkleid aus Jeans, Samt und Chiffon entworfen haben. Die Strickkollektion ist von Birte Manz und enthält ebenfalls einen Latzrock sowie interessante "Deckenpullover", die erst am Körper eine Pulloverform annehmen. Alle Schnitte und Anleitungen gibt es zum Download kostenlos auf der Seite.

Schöne Mode aus Berlin: Was auf der Berliner Fashionweek und den Messen drumherum an neuer Mode gezeigt wird, findet man im Blog enkeda.de und im dazugehörigen Instagramaccount @enkedafashion. Da Kerstin oft Designermode nachnäht, hat sie einen tollen Blick für nähtechnische Details, die man in der üblichen Berichterstattung nicht findet, ihre Fotos sind ein Genuss, weil sie das Wesentliche erfassen - als wäre man selbst dabeigewesen. Mein Lesetipp für die vielleicht noch kommenden ungemütlichen Früh-Frühlingsabende.

"I no longer view clothing as ornament or protection, but as communication. [...] dress speaks louder—and with more honesty—than words." Ein weiterer Lesetipp: Die Textilhistorikerin Kimberly Chrisman-Campbell schreibt über ihre Arbeit als Kuratorin von Modeausstellungen: Von der Suche nach Ausstellungsstücken über die wissenschaftliche Recherche des Kontextes, die Frage der Präsentation (Puppen mit oder ohne Kopf?) und nicht zuletzt über die Versuchung, die Ausstellungsstücke anzuprobieren.

Auch ein Verlust ist zu vermelden: "Brigitte Kreativ" hat es nicht geschafft, nach zwei Jahren wurde das Heft eingestellt. Sehr schade, mir hatte es sehr gut gefallen - aber genau das könnte der Kern des Problems gewesen sein, es erinnerte mich nämlich sehr an die mittlerweile legendären Kreativstrecken in Brigitte in den 1990er Jahren. Ich glaube, meine Nostalgiegefühle teilten viele der Heftkäuferinnen, in der Kommentardiskussion hier im Blog im Oktober 2015 über das erste Heft klang das schon an - und nur mit der Leserinnengruppe 40+ lassen sich wohl nicht genug Hefte verkaufen. Auch die Redaktionen der anderen Frauenmagazine bei Gruner+Jahr werden umgebaut, erfährt man bei Meedia, Brigitte möchte mit E-Learning-Programmen und großen Veranstaltungen zu Finanz- und Berufsthemen Geld verdienen ("Brigitte Academy"). Das DIY-Thema scheint aber noch ncith für alle Zeiten begraben zu sein: "Die Hamburger wollen in den nächsten Monaten das Konzept überdenken und möglicherweise dann einen Neustart wagen.", heißt es.