Hella alias Miss Margerite hatte die grandiose Idee, das Jahr 2013 mit einer gemeinsamen UFO-Jagd zu beginnen (Termine
hier), also mit dem "Fertigmachen"
Un
Fertiger Näh- und Strick
Objekte - all der angefangenen und nicht fertig gestellten Sachen, die irgendwo verschämt weggestopft und zum Teil schon fast vergessen wurden. Da ich zum Jahresanfang sowieso ein großes Bedürfnis nach Aufräumen und Ballast-Abwerfen habe, kommt diese Aktion wie gerufen. Heute, beim ersten Termin, ist zunächst die Analyse angesagt:
Alle meine UFOs oder: Die schonungslose Wahrheit
Steckbrief: Eure UFOs und ihre Geschichte
Vorüberlegungen: Was mache ich aus meinen UFOs? Was soll ihre Bestimmung sein: Mache ich sie wie ursprünglich geplant fertig oder soll doch etwas ganz anders daraus werden? Oder will ich mich ihrer gar entledigen?
Ich sichtete also diverse Papier- und Plastiktüten, den Kleiderschrank und einen Materialkorb und zerrte allerlei Unfertiges heraus. Im unbarmherzigen Januarlicht, vom langen Liegen zerdrückt, verfusselt, vernachlässigt und zerknittert, sehen die UFOs auch noch besonders unvorteilhaft aus - hier also die ungeschönten Fakten:
Exponat 1 - dunkelgrauer Blazer nach Burda 110, Heft 8/2005
Alter: begonnen beim Nähkränzchen im August 2012
Zustand: Halbfertig - es fehlen Ärmel, Säume, Futter, Knopflöcher. Restliche Schnittteile und Schnittmuster sind vorhanden. Liegefalten.
Ursache für UFO-Zustand: Der Reverskragen wurde eingesetzt, jetzt müsste das ganze Teil ordentlich ausgebügelt werden (und mittlerweile noch dreimal mehr als im August, weil es in einer Plastiktüte überwintern musste). Solche fitzeligen aber enorm wichtigen Bügelarbeiten am Kragen erledige ich äußerst ungern. Außerdem wäre jetzt der Zeitpunkt zu entscheiden, ob in den Seitennähten und bei der Schulterbreite noch etwas weggenommen werden sollte. Unangenehme Arbeiten + wichtige Entscheidungen, womöglich verbunden mit Auftrennen = Stillstand.
Prognose: Gut. Den Blazer möchte ich wie geplant fertignähen. Leider habe ich den vorgesehenen Futterstoff aus dem Fundus noch nicht wiedergefunden (eventuell habe ich ihn vor dem letzten Umzug doch weggeworfen?), aber wenn die Ärmel drin sind und die Passform stimmt, würde ich ihm sogar neues Futter spendieren.
Anekdote: Erwähnte ich schon, dass ich mir gerne noch tausend Jacken nähen würde, aber nach einer halben immer abgeschreckt bin, weil das doch ganz schön aufwendig ist?
Exponat 2: Bluse nach Burda 125 aus Heft 1/2008
Alter: Angefangen ca. Oktober 2009
Zustand: Halbfertig - es fehlen Ärmel, Knopflöcher und Knöpfe. Reststoff und Stickgarn für die Ärmel vorhanden, das auskopierte Schnittmuster verschwunden, Verbleib des Schnittmusterbogens ungewiss.
Ursache für UFO-Zustand: Die Bluse sollte weite, lange Ärmel bekommen, die am Oberarm und an der Schulter durch handgestickte Smokfalten gerafft werden - ungefähr die gleiche Form wie
bei dieser Bluse von 2010. Die Tiefe und Verteilung der Smokfalten muss man ausrechnen und am besten auch an einem Probeteil testen. Probeteil + Mathe = Stillstand.
Prognose: Gut, sofern sich eine Schnittgrundlage für den Ärmel anfindet. Aber eigentlich müsste fast jeder beliebige Burda-Blusenärmel gehen, wenn ich für die Falten entsprechend Weite dazugebe. Fragt sich nur, was "entsprechend" in diesem Zusammenhang zu bedeuten hat.
Anekdote: Der Stoff ist von
Philea, über die ich damals
hier geschrieben hatte. Da er immer noch nicht verarbeitet ist, hatte ich mir bis jetzt verboten, wieder in den Laden zu gehen, obwohl ich nur 10 Minuten entfernt wohne.
Exponat 3: Jerseyjacke nach einem Schnitt aus einem Sommerheft von Burda, vermutlich Sommer 2010
Alter: Auf jeden Fall jünger als das Schnittmuster - Frühjahr 2011?
Zustand: Fertig.
Ursache für UFO-Zustand: Es ist noch nicht bekannt, ob es sich hier um ein echtes UFO, oder doch um ein TfT (Teil für die Tonne) handelt. Bekannte Probleme: Passform allgemein (zu groß), Material (Jersey mit schlechtem Fall), Verarbeitung (Vorderkanten wurden laut Anleitung mit einem in Form gebügelten Schrägstreifen aus Webstoff eingefasst - Nahtzugabe daher innen sichtbar, Schrägstreifenkante ist dünner als das Jackenmaterial und wirkt substanzlos, die Knopflöcher sind hässlich) - kurz gesagt: alles.
Prognose: Schlecht. Möglicherweise rettbar, wenn ich das Teil überall 2cm enger nähe, die Taschen abtrenne und die Vorderkante mit irgendwas (Falzgummi? einem elastischen Streifen?) einfasse. Aber habe ich Lust dazu?
Anekdote: Der Jersey hat eine tolle Farbe - aber es ist mir nicht gelungen, irgendwas Tragbares daraus herzustellen. Das zweite Teil war nämlich
das unvorteilhafteste Shirt der Welt.
Exponat 4: Oberteil nach einem Schnitt aus einem Burdaheft vom Anfang der 2000er Jahre
Alter: ca. 2004?
Zustand: Angefangen. Schnittmuster und restlicher Stoff (es sollte Ärmel bekommen) zur Zeit unauffindbar.
Prognose: Mittelprächtig, steigerungsfähig auf "gut", falls ich den Stoff wiederfinde. Bei der letzten Anprobe vor ca. 8 Jahren ähnelte das Teil einem gemusterten Sack, daran erinnere ich mich noch. Ich hatte vor, den Ausschnitt zu vergrößern und mit einem Schrägstreifen einzufassen, der schon angeheftet ist. Es müsste zusätzlich Längsabnäher bekommen. Und Ärmel. Möglicherweise nähe ich es freestyle ohne Schnitt fertig.
Anekdote: Den Stoff kaufte ich in Dänemark bei
Stof2000, der nicht ganz so erfolgreichen Schwester von Stoff&Stil.
Die UFOs der anderen und ihre Geschichte(n)
hier in der heutigen Sammlung bei Miss Magerite!