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Mittwoch, 18. Januar 2017
Niederländischer Barock-Rock, ein Falten-Tellerrock nach 700Sachen
Manche Kleidungsstücke leben allein von dem Stoff, nicht vom Schnitt, oder werden überhaupt erst erdacht, weil es einen bestimmten Stoff gibt. Mit dem barocken Blumenrock, desen Muster mich an ein altes, niederländisches Stilleben erinnert, ging es mir genau so: Ich fand den Stoff auf dem Markt an meinem Lieblingsstand und hätte ihn fast übersehen, weil das riesige Muster auf dem Ballen gar nicht zu erkennen war. Man sah vor allem unattraktive gelb-grün-Nuancen, aber weil der Stoff einen schwarzen Untergrund zu haben schien (Schwarz geht immer!) und sich gut anfühlte, rollte ich ihn ein Stück aus.
Suppentellergroße Blüten und fleischige Blätter erwarteten mich - ich glaube, es sind Pfingstrosen. Den ausgebreiteten Stoff hatte ich kurz nach dem Fund im November 2015 schon hier gezeigt. Die Messingtöne der Blüten passen zufällig sehr gut zum Schirmständer im Nähkontor, wo das Foto gemacht wurde.
Den in Muster und Stoffqualität so wunderbaren Fund wollte ich schon im Rahmen des Vivienne-Westwood-Sewalongs vernähen, zu einem Rock, wie es sie in der Anglomania-Kollektion gibt, wusste aber nicht so recht, nach welchem Schnitt. Der Stoff wanderte erst auf den "bald-nähen"-Stapel auf dem Bügelbrett und nach und nach auf weiter entfernte Stapel.
Im Lauf des letzten Sommers fiel mir dann die Anleitung für einen Falten-Tellerrock von Siebenhundertsachen wieder ein: Sie hatte den Schnitt eines H&M-Rocks analysiert und ein Schema für die Konstruktion bereitgestellt. Es handelt sich im Prinzip um einen halben Teller, der in Kellerfalten und Quetschfalten gelegt ist - einfach, aber sehr wirkungsvoll.
Für den Bund habe ich einen Formbundschnitt von irgendeinem Burdarock verwendet, der hier als Standard-Bundschnitt herumfliegt. Der Saum ist mit schmalem schwarzem Schrägband verstürzt.
Weil der Stoff viel Stand hat, ist der Rock ziemlich voluminös, fällt aber trotzdem angenehm und knittert wenig. Der Stoff ist aus reiner Baumwolle, würde ich sagen, etwas gekreppt, mit eingewebter Struktur - wie ein typischer Küchengardinenstoff Jahrgang 1965, also ungefähr das gleiche Material, aus dem Die Luise heute als Gastgeberin beim MeMadeMittwoch einen Rock zeigt, nur dass ihr Stoff wirklich alt ist.
Material: "Vorhangstoff" aus Baumwolle, etwa 1,80 m vom Markt, schwarzes Schrägband, nahtverdeckter Reißverschluss, schwarzer Futterstoff.
Schnitt: Faltentellerrock, selbstgemacht nach Schema von Siebenhundertsachen.
Strickjacke: selbstgemacht aus drops Baby Merino kombiniert mit Kid silk, hier noch nicht verbloggt.
Samstag, 7. November 2015
Ein Stoff wie ein Gemälde
Das dritte Treffen des Vivienne-Westwood-Sewalongs bei Sybille - Das Büro für schöne Dinge habe ich verpasst, aber ich bin noch nicht abgesprungen. Vor zwei Wochen fand ich auf dem Markt nämlich ganz zufällig einen atemberaubenden Stoff, der meinen Plänen eine neue Richtung gibt.
Ist der nicht phantastisch? Es handelt sich um einen festeren, leicht glänzenden Stoff aus reiner Baumwolle mit einer kreppigen, eingewebten Struktur. In Wirklichkeit tritt das aufgedruckte Muster nicht so klar hervor, denn das Auge nimmt die Webstruktur stärker wahr, als sie auf einem Foto erscheint. Das Schwarz wirkt dadurch nicht so tiefschwarz, die hellen Partien sind in Wirklichkeit eher gelblich und das Muster erscheint etwas verwaschen.
Auf dem Bild aus der Nähe kann man das vielleicht erahnen. Der Blumendruck ist wirklich sehr, sehr großformatig - auf dem obersten Bild bedeckt der Stoff etwa ein Viertel meines (zugegebenermaßen nicht sehr großen) Balkons.
Hier noch ein Foto mit einem großen Teller (27 cm Durchmesser) als Maßstab:
Der Stoff erinnerte mich sofort an die drapierten Röcke und Kleider von Vivienne Westwood aus der Anglomania-Kollektion. Dort gibt es einige Teile mit überdimensionierten Rosen, zum Teil weite, tellerartige Röcke wie hier (Pinterest-Link), aber auch engere Röcke wie hier (Pinterest-Link). So einen weiten Rock mit unregelmäßig eingelegten Falten wie auf dem ersten Bild möchte ich probieren - ich habe dabei quasi Griseldas Stimme im Ohr, die mal bei einem ihrer Röcke aus sehr groß gemustertem Stoff schrieb, solche Muster müsse man durch Falten aufbrechen. Mal sehen, ob ich das bis zum Abschluss des Vivienne-Westwood-Sewalongs (am 21. 11. bei Claudia) schaffe - dafür wäre eine Schneiderpuppe schon mal gut.
Ist der nicht phantastisch? Es handelt sich um einen festeren, leicht glänzenden Stoff aus reiner Baumwolle mit einer kreppigen, eingewebten Struktur. In Wirklichkeit tritt das aufgedruckte Muster nicht so klar hervor, denn das Auge nimmt die Webstruktur stärker wahr, als sie auf einem Foto erscheint. Das Schwarz wirkt dadurch nicht so tiefschwarz, die hellen Partien sind in Wirklichkeit eher gelblich und das Muster erscheint etwas verwaschen.
Auf dem Bild aus der Nähe kann man das vielleicht erahnen. Der Blumendruck ist wirklich sehr, sehr großformatig - auf dem obersten Bild bedeckt der Stoff etwa ein Viertel meines (zugegebenermaßen nicht sehr großen) Balkons.
Hier noch ein Foto mit einem großen Teller (27 cm Durchmesser) als Maßstab:
Der Stoff erinnerte mich sofort an die drapierten Röcke und Kleider von Vivienne Westwood aus der Anglomania-Kollektion. Dort gibt es einige Teile mit überdimensionierten Rosen, zum Teil weite, tellerartige Röcke wie hier (Pinterest-Link), aber auch engere Röcke wie hier (Pinterest-Link). So einen weiten Rock mit unregelmäßig eingelegten Falten wie auf dem ersten Bild möchte ich probieren - ich habe dabei quasi Griseldas Stimme im Ohr, die mal bei einem ihrer Röcke aus sehr groß gemustertem Stoff schrieb, solche Muster müsse man durch Falten aufbrechen. Mal sehen, ob ich das bis zum Abschluss des Vivienne-Westwood-Sewalongs (am 21. 11. bei Claudia) schaffe - dafür wäre eine Schneiderpuppe schon mal gut.
Sonntag, 13. September 2015
Westwood-Sewalong Teil 1: Hobbynäherin trifft "Queen of Punk", oder: Inspirationen
Gestern begann bei Sybille, dem Büro für schöne Dinge und bei Claudia - Bunte Kleider der Vivienne-Westwood-Sewalong, auf den ich mich mindestens schon ein halbes Jahr freue, seitdem die Sachenmacherin die Idee aufbrachte. Erstens, weil wir einen Sewalong, inspiriert von einer Designerin, bisher noch nicht hatten, und zweitens weil ich einige Westwood-Designs schon seit Jahren von einer Pinterestwand auf die andere schiebe, alleine aber bestimmt nie an die Umsetzung herangegangen wäre.
Heute geht es im Sewalong zunächst um die Inspirationssammlung. Was fällt mir also zu Vivienne Westwood ein? In ihren Entwürfen gibt es ja über die Jahre betrachtet eine sehr große stilistische Bandbreite. Einerseits gilt Westwood als die Erfinderin des Punk, oder, wie man wohl zutreffender sagen müsste: sie war diejenige, die Elemente der Subkultur des Punks als erste in der Mode verwendete, vielleicht auch die erste, die überhaupt Elemente der Mode von der Straße als Inpirationsquelle für Modekollektionen heranzog. Superenge Röhrenhosen mit Löchern an den Knien, T-Shirts mit Aufdrucken und provokativen Sprüchen, Netzstrümpfe und Sicherheitnadeln, Unterwäsche als Oberbekleidung getragen - das sind die Elemente, für die Westwood vor allem in den 70er und 80er Jahren bekannt wurde. Andererseits ist in den letzten Jahrzehnten die Orientierung an historischer Mode nicht zu übersehen: Mieder, Schößchen, taillierte Jacketts, Reifröcke, Karostoffe und Wolltweed. Westwood dreht diese Inspirationen durch den Wolf, macht die Drapierungen noch exaltierter, die Jackenrevers noch größer, das Tartanmuster noch bunter.
In ihren persönlichen Auftritten setzt sie sich seit Jahren mit plakativen Aktionen für und gegen allerhand ein: Für PETA, gegen den Klimawandel, für Konsumverzicht, für Wikileaks und letzte Woche fuhr sie mit einem weißen Panzer vor das Haus des britischen Premierministers David Cameron, um gegen Fracking zu protestieren. So ganz durchdacht und differenziert ist das in der Regel nicht, was sie zu ihren Engagements in diversen Interviews sagt. Ich bin keine große Freundin des politischen Stammtischs, auch wenn es um Positionen geht, die ich eigentlich teile, sondern entwickele da leicht etwas Fremdscham, und so geht es mir auch oft, wenn Westwood wieder irgendwo zitiert wird. Aber: Immerhin hat Westwood überhaupt eine Meinung, scheut sich nicht, sie auszusprechen, und wird aufgrund ihrer Prominenz auch gehört und zitiert, das ist ja auch nicht zu verachten.
Aber nun zum Nähen. Was plane ich für diesen Sewalong? Ich habe schon eine Weile Stoffe gehortet, die zum Westwood-Thema passen, weil ich Karo und klassische Wollstoffe sowieso sehr gerne mag. Bei Pinterest habe ich auf einer Pinnwand mal gesammelt, was mir gefallen würde, zum größten Teil sind die Sachen aus Westwoods Anglomania-Kollektionen und aus Vivienne Westwood Red Label (hier und hier die aktuell fur Herbst/Winter 2015/26), das ist im Grunde gehobene Konfektion und fast durchweg tragbar.
Ich plane einen Rock aus Tartan oder Nadelstreifenstoff mit interessanten Drapierungen nachzubauen. Wie man auf der Pinnwand sieht, gibt es diese Röcke in verschiedenen Längen und Weiten und mit unterschiedlichen Drapierungen, mal seitlich, mal tournürenähnlich am Hinterteil, mal aus Karostoff, mal aus Wollstoff mit Nadelstreifen, und anscheinend sogar manchmal aus Jersey. Wie ich diese Aufgabe angehe, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht so genau. Es ist ja schon mal sehr von Vorteil, dass man durch Karo bzw. Streifen den Fadenlauf gut erkennen kann. Ich werde versuchen, ein Rockmodell zu finden, von dem es ein Foto von Vorder- und Rückseite im Netz gibt, und dann erstmal mit Papiermodellen experimentieren. Hoffentlich kann ich beim nächsten Sewalong-Termin schon mehr darüber berichten!
Die japanischen Pattern-Magic-Bücher habe ich noch in der Hinterhand. Wenn man das Kleid mit dem Tunnelzug an der Seite aus Karostoff nähen würde, wäre das doch schon fast Westwood, nicht wahr? Zumindest sind die Bücher eine gute Hilfe, wenn es darum geht, in einen Grundschnitt Drapierungen einzufügen, da kann ich mir sicher etwas abgucken.
Die Jacken und Mäntel von Westwood gefallen mir zwar auch - und die Schnitte sind erstaunlich klassisch, fast "normal" - aber so ein großes Teil schaffe ich sicher nicht während dieses Sewalongs. Stattdessen denke ich darüber nach, auch noch etwas zu stricken, Westwood hat schließlich immer auch Strickwaren in ihren Kollektionen. Ein konkretes Vorbild habe ich noch nicht gefunden, daher wird es möglicherweise eher etwas nur locker von Westwood Inspiriertes. Mir schwebt eine schwarze Strickjacke mit Partien aus glattem und flauschigem Garn vor, also zum Beispiel aus Merino und Mohairwolle.
Weiter bin ich noch nicht beim Denken und Planen, aber wenn ich heute Abend die Beiträge der Mitnäherinnen lese, die Sybille hier sammelt, wird sich sicher einiges klären. Sybille hat übrigens in ihrem Beitrag von heute schon ganz großartig vorgelegt und sehr viel über Vivienne Westwood zusammengetragen und unter anderem sogar einen Link zu einem kostenlosen Westwood-Schnitt gefunden. Danke ihr beiden, Sybille und Claudia, dass ihr den Sewalong betreut!
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