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Mittwoch, 28. November 2018

Plastikfrei reisen: Ordnung im Koffer ohne Tüten (oder auch eine nachhaltige Geschenkverpackung)

Die Überschrift klingt, als ob ich beim Verreisen jemals "Ordnung im Koffer" hätte - ich weiß ja nicht, wie es bei euch ist, aber bei mir ist in der Regel jedwede Ordnung schon beim ersten Öffnen des Koffers zerstört. Nach ein paar Reisetagen wühle ich in einem verknäulten Wust von Kleidungsstücken, gerade dass ich es schaffe, frische Sachen und Getragenes in gegenüberliegende Ecken des Koffers zu knüllen. Einige Dinge (Schuhe, Shampooflaschen) werden in ebenfalls zerknüllten Platiktüten transportiert.

Schön ist das nicht, und wie viel ich wirklich aufzuholen habe merkte ich, als ich beim letzten Upcycling-Workshop in meinem Kiez mit Nachbarin C. gemeinsam nähte. Sie ist offenbar eine äußerst versierte Kofferpackerin und besitzt eine Reihe von Stoffbeuteln verschiedener Größe für verschiedene Aufbewahrungszwecke im Koffer, unter anderem packt sie Garnituren von Unterwäsche, Strümpfen, Jeans und Oberteil für einen Tag gemeinsam in einen Beutel. Diese Art des Packens habe sich vor allem für verreisende Kinder bewährt, sagte sie (und außerdem sieht es auch noch viel besser aus als Plastiküten, von denen ich mittlerweile auch noch kaum welche habe).

Solche Beutel für Ordnung im Koffer aus alten Hemden zu nähen, war C.s Idee beim Workshop, ich habe ihr dann nur geholfen, die Idee nähtechnisch umzusetzen, und das Ergebnis war so schön und praktisch und nachahmenswert, dass es hier eine Anleitung dafür gibt.  

Anleitung Koffer-Organizer


Material
Oberhemd oder Bluse, möglichst gerade geschnitten - Größe egal, auch Kinderhemden eignen sich
passendes Nähgarn

Werkzeug
Nähmaschine (+ eventuell Overlock, gehr aber auch ohne)
Schere
langes Lineal, Handmaß oder Geodreieck
Markierstift (Bleistift reicht)
Stecknadeln
evtl. Bügeleisen

1.
Falls das Hemd oder die Bluse senkrecht verlaufende Taillenabnäher hat, die Abnäher auftrennen. (Waagerechte Brustabnäher bei Blusen ignorieren). Das Hemd glattbügeln und zugeknöpft glatt hinlegen.

2.
Aus dem Hemdvorderteil ein großes Rechteck erst anzeichnen und dann durch beide Lagen ausschneiden.
Die obere Linie verläuft auf Achselhöhe, falls dort eine Brusttasche im Weg ist, die Tasche vor dem Schneiden abtrennen. Den Hemdsaum wenn nötig ebenfalls begradigen. Beim Anzeichnen und Schneiden außerdem darauf achten, dass die Schnittlinie in einigem Abstand von den Knöpfen verläuft.


3.
Die Brusttasche  eventuell an anderer Stelle auf der Hemdvorderseite aufsteppen.

4.
Das Hemdrechteck umstülpen, Innenseite nach außen und die offenen Kanten erst stecken, dann mit 1 cm Nahtzugabe von Seitennaht zu Seitennaht steppen. Die Knopfleiste wird dabei zugesteppt. Die Naht versäubern damit sich der Stoff nicht aufdröselt, entweder mit Zickzackstich an der Nähmaschine oder mit der Overlock.

5.
Den Beutel nacheinander an allen vier Ecken auseinanderziehen und so hinlegen, dass die eben genähte Naht und die Seitennaht genau aufeinander liegen, wenn nötig etwas bügeln. Entlang der Seitennaht jeweils die gleiche Strecke abmessen und senkrecht dazu eine Linie ziehen, quer über den Beutelzipfel. Hier ist die Linie immer 3 cm von der Beutelspitze entfernt und die Querlinie ist 6 cm lang. Auf der eingezeichneten Linie stecken.

6.
Auf der eingezeichneten Linie steppen, dabei die Naht am Anfang und am Ende durch Rückwärtsnähen befestigen.

7.
Den Beutel auf due rechte Seite drehen und überprüfen, ob schöne Ecken enstanden sind - wenn die Quernaht für das eigene Perfektionsbedürfnis zu schief geworden ist, nochmal trennen und neu nähen.

8.
Die abgenähten Zipfel wegschneiden, so dass eine Nahtzugabe von 1 cm stehen bleibt und die Nahtzugabe mit Zickzack versäubern, oder Zipfel wegschneiden und versäubern in einem Arbeitsgang mit der Overlock machen. Bei einer Overlocknaht am Anfang und am Ende eine Garnkette stehen lassen und die Fäden mit einer dicken Nadel in die Naht ziehen.

9.
Fertig!


Die Beutel sind durch die Knopfleiste in der Mitte sehr praktisch, gerade für kleine Wäschestücke, sie sind waschbar, haltbar - und sie sehen gut aus. Für Vielreisende bestimmt auch ein gutes Weihnachtsgeschenk, für alle anderen eine weiternutzbare Geschenkverpackung, man findet bestimmt einen Ort, wo so eine Tasche nützlich ist.

Freitag, 8. Juni 2018

Mit Naturmaterialien gefärbt: Workshop Ecoprinting

 
In meinem Kiez gibt es seit neuestem einen Gemeinschaftsgarten mit Hochbeeten auf dem Gelände eines nicht mehr genutzten Schulhofs, und weil der Garten Teil eines geförderten Projekts zum Klimaschutz ist, finden dort ab und zu auch Veranstaltungen statt. An einem schönen Sonntag Nachmittag konnte das Ecoprinting ausprobiert werden, also das Drucken oder Färben mit Pflanzen auf Stoff. Hannah Schorch, die den Workshop leitete, kannte ich von ihrem Label Erie Berlin, ihre zart gefärbten Sachen waren mir im Studio Herzberg, einem Laden für nachhaltige Kleidung an der Sonnenallee, schon vor längerer Zeit aufgefallen.

Ehrlich gesagt bin ich von Ecoprinting-Ergebnissen nicht immer restlos begeistert - im Netz sieht man manchmal Beispiele von Stoffen mit lauter fleckigen braun-grau-Tönen, die mich an einen Komposthaufen auf Stoff erinnern, das finde ich nicht so erstrebenswert. Hannahs bedruckte Stoffe sehen hingegen zart und geheimnisvoll und besonders aus, mit interessanten Farbverläufen oder Strukturen, gar nicht "Öko", sondern sehr raffiniert.


Hannah hatte färbende Pflanzen mitgebracht: getrocknete Zwiebel-, Avocado- und Granatapfelschalen, pulverisierte Krappwurzel und geraspeltes Blauholz, Kamillenblüten und getrocknete Rosen- und Malvenblüten. In einem Topf auf einer Kochplatte wurden Baumwollstoffe in einer Alaunlösung gebeizt, dadurch können die Fasern die Farbstoffe besser aufnehmen und die Farben werden haltbarer.


Das eigentliche Färben (oder genauer gesagt: Drucken) erinnert dann etwas an Kochen (und riecht auch fast so): Die Pflanzenbestandteile werden auf dem feuchten Stoff ausgelegt, der Stoff fest zusammengerollt und zu kleinen Päckchen gebunden. Die Stoffpäckchen kommen in ein Sieb über kochendes Wasser und liegen eine Weile im Dampf, wobei sich die Farbstoffe mit dem Stoff verbinden.


Dann geht es ans Auspacken und Auswaschen und an die große Überraschung: Was ist mit den Farben aus den Pflanzenteilen passiert? Färberkamilleblüten ergeben zum Beispiel kräftig gelbe Punkte, die Blauholzspäne violette Striche. Manche Pflanzenteile färben gar nicht - grüne Blätter zum Beipiel - und wenn verschiedene farbstoffhaltige Pflanzen zusammentreffen, können sich interessante Mischungen ergeben.


Ich bin größtenteils nur zu zarten Sprenkeln auf weißem Untergrund gekommen, für mehr Farbe darf man nicht so zögerlich sein wie ich - die Kinder hatten das beim Workshop besser drauf: Viel Material ergibt viel Farbe.


Ein Stoffstück (aus dem ich die Passe einer Bluse machen will) ist einfach grandios geworden. Das Stück alte Bettwäsche hatte ich zuerst in einem Sud aus Holunderbeeren gefärbt, der in einem kleinen Topf vor sich hinköchelte. Der Stoff war dann so gleichmäßig dunkelviolett, dass ich schon dachte, das könne man gar nicht weiter färben, aber Hannah gab mir den Tipp, Granatapfelschalen zu verwenden. Die getrockneten Schalen waren zu kleinen Bröckchen von etwa 5x5 mm geschreddert, die ich konfettimäßig auf dem gefärbten Stoff verteilte. Nach dem Dämpfen konnte ich das Ergebnis kaum fassen: Die Schalen hatten irgendwie mit der Holunderfarbe reagiert und den Stoff an den Stellen, wo sie lagen, zu orange bis rostrot verfärbt. Sehr schön und sehr überraschend!


Um mit dieser Methode systematisch zu färben und einigermaßen wiederholbare Ergebnisse zu bekommen, müsste man also alles notieren und am besten noch Vorher-Nachher-Fotos machen. Aber auch ganz unsystematisch bekommt man interessante Ergebnisse - und keine schlammfarbenen Fleckmuster, wie ich befürchtet hatte - und der Pflanzendruck macht großen Spaß und braucht nur ein Minimum an Ausstattung. Färben kann man auch mit Dingen, die man normalerweise wegwerfen würde: Schalen und Kerne, gebrauchte Teebeutel und verwelkte Blumensträuße, und natürlich kann man auch fertige Kleidungsstücke färben, sofern sie aus Naturfasern bestehen und sie so auffrischen, zum Beispiel wenn sie Flecke haben, die nicht mehr herausgehen. Ein spannender, sehr netter Nachmittag war das! 

Donnerstag, 14. September 2017

Aus einem alten Oberhemd genäht (111 aus Burdastyle 2/2014)


Eine spontane, schnelle und dabei sehr befriedigende Refashion-Näherei habe ich gestern unternommen und dabei festgestellt: Aus einem alten Oberhemd Größe 52 lässt sich mühelos ein kurzes Top mit gerüschten Ärmeln nach Burdaschnitt 111 aus Heft 2/2014 nähen, jedenfalls in Größe 38.

Das Zuschneiden war ganz einfach: Das Vorderteil des Tops passt auf den oberen Teil des Hemdvorderteils, so dass die Knopfleiste in der Mitte verläuft. Am Ausschnitt darauf achten, dass der oberste Knopf weder zu nah noch zu weit weg von der Ausschnittkante ist.


Das Top-Rückenteil passt auf dem oberen Teil des Hemdrückens und die Raglanärmel passten geradezu beängstigend genau auf die Ärmel des Hemds. Ich konnte die Ärmel sogar mit Hilfe des Schnitts 113 aus dem gleichen Heft verlängern, wobei ich eine knappe Handbreit der Verlängerung dann doch wieder wegschnitt. Die Ärmel sind jetzt ab Achsel etwa 20 cm lang.


Der untere Teil des Hemdrückenteils reichte für zwei Stoffstreifen für die Ärmelrüschen. Bei einem Streifen verwendete ich den abgerundeten Hemdsaum einfach weiter und legte Anfang und Ende beim Annähen ein Stück übereinander. Bei der zweiten Ärmelrüsche sind die Enden wie üblich zum Ring verbunden.


Ich bin nicht sicher, ob die Ärmellänge so klug gewählt ist - die Rüsche befindet sich mit dem Saum des sehr kastigen, kurzen Tops fast auf einer Höhe, das könnte insgesamt ziemlich kastig und quadratisch wirken. Da ich das Oberteil am Wochenende beim Lillestoff-Festival anziehen wollte, wo ich zwei Oberhemden-Upcycling-Workshops gebe und wo es sicher nicht besonders warm wird, wollte ich aber unbedingt etwas längere Ärmel haben.

Wie sich die Ärmel- und allgemeinen Proportionen verhalten, kann ich erst richtig beurteilen, wenn ich Fotos von mir in dem Teil gesehen habe. (So weit ist es mit mir also schon gekommen, jahrelanges Nähbloggen hinterlässt seine Spuren: Ohne Outfitfotos geht gar nichts mehr.) Zur Not verkürze ich die Ärmel später noch ein Stück, jetzt am Wochenende trage ich die Bluse erstmal so, wie sie ist. Von der Konstruktion der Raglanärmel bin ich ohnehin nicht so sehr überzeugt - die Naht zwischen den Ärmeln und dem Vorder- bzw. Rückenteil verläuft ziemlich körperfern, das heißt die Armausschnitte sind sehr groß, was für die Beweglichkeit der Arme nicht unbedingt von Vorteil ist. Aber ich will dem Tragetest nicht vorgreifen, vielleicht freunde ich mich ja noch damit an. Genug Hemden, um weitere Rüschenärmelblusen zu nähen, wären vorhanden.

Die Details zusammengefasst:

Schnitt: 111 aus Burdastyle 2/2014, Größe 38
Änderungen: Ärmel ca. 15 cm verlängert, rückwärtiger Ausschnitt hochgesetzt, Ärmelrüsche ausgehend vom vorhandenen Material zugeschnitten
Material: ein altes Oberhemd Größe 52, Rest Schrägband zum Versäubern des hinteren Halsausschnitts, ein Stück von einem anderen Hemd für den Ausschnittbeleg vorne

Freitag, 30. September 2016

Die Upcycling-Workshops in Hannover

Seit gut einer Woche bin ich nun vom Lillestoff-Festival in Hannover zurück und habe endlich meine Eindrücke und meine Fotos ordnen können. Dieses Festival ist wirklich unglaublich: Groß, laut (wenn ein paar Hundert Nähmaschinen gleichzeitig rattern), dabei unheimlich freundlich, herzlich, bunt und vielfältig und nicht zuletzt: Sehr, sehr gut organisiert. Die Damen vom Lillestoff-Team hatten wirklich an alles gedacht.

Ich kam schon am Freitag an, um die Materialien und Upcycling-Beispiele für meine Workshops abzuladen und lief am Eingang zusammen mit Meike (Frau Crafteln) gleich Daniele, der Lillestoff-Chefin, Rike (Rosa P.) und Dana (Die Komplizin) in die Arme. Das war ein sehr schöner Zufall, denn Rike, Dana, Meike und ich kennen und lesen uns virtuell schon sehr lange, hatten uns aber so zu viert noch nie getroffen. Die gemeinsamen Abende und das Frühstück waren daher außerordentlich lustig - vielen Dank vor allem nochmal an Dana, die uns vier mit großer Gelassenheit von Garbsen über Alt-Garbsen, Garbsen-Mitte und Hannover nach Garbsen und wieder zurück chauffierte, auf der Suche nach einem Abendessen - unvergesslich!   


Das Bild zeigt ungefähr ein Viertel der großen Näh-Halle am Freitag, bevor es losging. Am Samstag sah es dann so aus:


An den Nähmaschinentischen hatte man schön viel Platz. Für Bügelgelegenheiten war auch gesorgt.


Sehr guter Kaffee von einer Kaffeerösterei in Hannover (deren Namen ich mir nicht gemerkt habe), hielt das Festival am Laufen. Die volle Palette Milch fotografierte ich Samstag Mittag. Sonntag am frühen Nachmittag war sie fast leer.

Ich war vor den Workshops ganz schön nervös: Upcycling ist spontanes Nähen, oft ohne Schnitt, das kann man schlecht vorausplanen, und es kann eben auch schiefgehen. Wenn man gewöhnt ist, sonst immer strikt nach Anleitung zu  nähen, ist es sowieso eine ganz schöne Herausforderung, sich die Reihenfolge aller Schritte selbst zu überlegen. Und manchmal geht es eben auch schief, und irgendwas passt nicht. Aber alle Mitnäherinnen waren sehr nett, berieten sich gegenseitig und hatten richtig gute Ideen. Unser Workshopbereich war auch nicht unten in der wueseligen großen Halle, sondern oben im dritten Stock, wo es etwas ruhiger war.

Beim ersten Workshop wurden Oberhemden recycelt, ein paar Ergebnisse habe ich eingefangen.


Die Kinderjacke entstand aus einem Leinenhemd aus ziemlich dicken Stoff - an die Ärmelabschlüsse und ann den Saum kommen noch Bündchen. 


Die Kinderkleider aus Hemden waren besonders beim zweiten Workshop am Sonntag beliebt.


Durch den blauen Tunnelzug in der Mitte wird noch eine Kordel oder ein Gummi gezogen. Die Knopfleiste mit dem Riegel ist vom Originalhemd übernommen, das hatte ein Mitnäherin am Samstag für den Sonntagsworkshop gespendet - vielen Dank nochmal dafür, das Hemd hat eine gute Bestimmung gefunden!

Diese supertolle Bluse entstand am Sonntag:


Das Hemd war auch einfach ideal dafür: Ein ganz feiner, weicher Baumwollstoff, der ein bißchen glänzt, und es hatte genau die richtige Weite für dieses Projekt. Die Tasche hinten wurde später noch abgetrennt.

Dreieinhalb Stunden waren fast etwas knapp für diesen Workshop, war mein Eindruck - nach drei Stunden konzentriertem Werkeln könnte man erstmal eine Pause brauchen, hört dann aber nicht auf, weil die Zeit ja gleich um ist. Dafür würde ich bei einem eventuellen nächsten Mal mehr Zeit veranschlagen und noch mehr genähte Upcycling-Beispiele mitbringen, falls sich das Transportproblem lösen lässt (vielleicht ein großes Paket vorausschicken?).

Beim zweiten Workshop, dem T-Shirt-Notarzt, war der Zeitrahmen deutlich entspannter. Es entstanden Negativapplikationen auf T-Shirts und einigen Leggings, die allemal besser sind als ein Loch oder ein Fleck, hier stellvertretend drei Beispiele: 


Beim zweiten T-Shirt-Workshop am Sonntag war Lara - loh-la dabei, die in ihrem Blog sehr oft Sachen upcycelt und repariert und zeigt, wie man es macht - ihre Anleitungen findet ihr hier.

Vielen Dank an all' die netten, geduldigen Mitnäherinnen bei den Workshops! Ich hoffe, alles was noch nicht ganz fertig war, ist doch noch fertig geworden und ihr habt ein bißchen Lust bekommen, das experimentelle Nähen auszuprobieren. Danke, dass ich eure Sachen fotografieren und posten durfte. Es hat Spaß gemacht mit euch!

Die tolle Stimmung beim Festival und bei den vielen Workshops wurde ganz wunderbar in einem Film eingefangen (in dem ihr mich auch entdecken könnt):



Im Lillestoff-Blog gibt's noch viele weitere Eindrücke. Nächstes Jahr findet das Festival voraussichtlich am 23. und 24. September statt.

Mittwoch, 21. September 2016

Eben noch in Hannover - jetzt mit Upcycling-Jeansfransenrock beim MeMadeMittwoch


Ich bin aus Hannover vom Lillestoff-Festival zurück, wo ich einige Upcycling-Workshops gegeben habe (Bericht folgt), und auch wenn ich meine Eindrücke noch einen Tag sortieren muss, kann ich schon jetzt verraten, dass ich ganz begeistert von der Atmosphäre bei dieser großen Nähparty bin. Durchgängig freundliche Leute, positive Begegnungen und unheimlich nette Mitnäherinnen bei den Workshops - das Wochenende war einfach toll.

Ehrensache, dass ich bei den Workshops etwas Umgearbeitetes anzog, einen Bahnenrock aus lauter alten Jeans, den ich bereits im März genäht, aber noch nicht verbloggt hatte.


Der Schnitt ist ein 8-Bahnenrock aus dem Buch Twinkle Sews, bei dem die Bahnen in Hüfthöhe schräg geteilt sind - sehr praktisch zur Resteverwertung und fürs Upcycling, weil man immer nur kleine Stoffstücke braucht. 


Insgesamt habe ich Stoffe von fünf verschiedene Jeans verarbeitet, auch Reste. Die oberen Teile der Bahnen sind aus dunklen Jeans geschnitten, die unteren aus sehr hellen, die Nähte sind mit kupferfarbenem Jeansabsteppgarn betont. Auf der Rückseite habe ich eine abgetrennte Jeanstasche untergebracht.


Den Saum hatte ich zuerst umgeschlagen und abgesteppt, aber das gefiel mir nicht so richtig. Der helle Stoff der unteren Bahnenteile ist größtenteils sehr dick und sperrig, das sind zerschnittene Levis 501 oder so, vor etwa 15 Jahren in den USA gekauft, viel fester und stabiler als die meisten Jeans, die es heute gibt. Der Rock stand daher sehr stark a-förmig ab. Im März hatte ich ihn so angezogen, aber die gute Idee, was ich mit dem Saum mache, hatte ich erst vorletzte Woche, als ich seit langem mal wieder einen teuren Klamottenladen besuchte. Im Voo-Store in einem Hinterhof der Oranienstraße gibt es die ganzen Marken, die derzeit in Berlin angesagt sind: Carven, Acne, Phillip Lim, Marni, Helmut Lang, irgendwas kyrillisch Beschriftetes - und jede Menge Jeanssachen mit ausgefransten Kanten. (Überhaupt sind ausgefranste, nicht verstürzte Kanten gerade der letzte Schrei, auch bei anderen Stoffen.)

Na wenn das so ist: Ausfransen kann ich auch, es dauerte allerdings einen ganzen Abend und ist jetzt immer noch nicht gleichmäßig, weil die Hosenbeine, aus denen die Rockteile geschnitten wurden, nicht ganz im Fadenlauf lagen. Bei Kaufsachen kann man sich eben auf gar nichts verlassen. Immerhin wiederholen die Zacken im Saum die Zacken der Passe. Damit der Saum nicht unendlich weiter ausfranst, ist er mit einer doppelten Nahtreihe gesichert.

Mir gefällt der ausgefranste Saum erstaunlich gut - der Rock fällt so besser, und die mitwippenden Fransen machen gute Laune. Zum Rock trage ich (schlecht erkennbar) eine Pam-Bluse (Schnitt aus La maison victor) aus dunkelblauer Viskose, ein Schnitt, den ich heute beim Me made Mittwoch wieder mehrmals gesehen habe. Und dahin gebe ich auch zurück - zur Sammlung für selbstgemachte Kleidungsstücke, die im Alltag getragen werden.

Zusammenfassung


Details Rock

Bahnenrock aus Twinkle sews, das Buch hatte ich hier besprochen, genäht aus alten Jeans

Details Bluse

Pam aus La Maison Victor, Heft vom Januar/Februar 2016
Größe 38
genäht aus etwa 1,20 m dunkelblauer Viskose von Stoff&Stil

Montag, 2. Mai 2016

Plissieren, Siebdrucken... und dann die Weltherrschaft!


Ich wollte euch ja noch ganz dringend die Ergebnisse des Plisseeversuchs vom letzten Wochenende und des Siebdruckkurses vom vorletzten Wochenende in Hamburg zeigen. Die gereihten Plisseefalten sind genau so herausgekommen, wie ich mir das gedacht habe und scheinen sehr haltbar zu sein.


Für den endgültigen Haltbarkeitstest wandert der Stoff jetzt erstmal in die Wäsche, ich möchte das Verhalten kennenlernen. Der Stoff besteht wohl etwa zur Hälfte aus Chemiefaser und wäre auch als Kleidungsstück angenehm zu tragen.


Ich bin zwar keine große Freundin dieses ökigen, unregelmäßigen Knitterlooks, aber wer weiß: kommt Zeit, kommt Gelegenheit. Und mit viel Geduld wären auch regelmäßige, scharfe Falten möglich.

Von den bedruckten Stoffen bin ich immer noch begeistert.


Der Untergrund für diesen Druck in verschiedenen Blau- und Petroltönen ist eine Art Oberhemdenstoff, ein etwas verwaschenes, leicht meliertes Rot. Ich habe einen breiten Streifen bedruckt und plane, einen Rock mit breiter Saumblende (101 aus Burda 3/2016) daraus zu nähen - die Blende gemustert, der Rest einfarbig, die Blende mit einer Paspel abgesetzt. 


Die gemusterten "Kartoffeln" auf Streifenstoff von Ikea dienten zur Verwertung der ausgeschnittenen Schablonenreste des Tischdeckendrucks auf den nächsten zwei Bildern. Das werden wohl zwei Tischsets - die großen Farbflächen sind sogar ein bißchen schmutzabweisend, glaube ich. Dieser Druck brauchte unfassbar viel Farbe - die große Fläche und ein grob gewebter Stoff mit leicht unregelmäßiger Oberfläche tragen dazu bei - daher sind nicht alle Gebilde ganz gleichmäßig gedruckt, aber das wird später kaum noch auffallen. 


Mit diesem Druck bin ich besonders zufrieden. Die Tischdecke wurde von Hand sehr geübt und kunstfertig bestickt, ich hatte sie vor einiger Zeit aus einem "zu verschenken"-Karton bei uns in der Straße gerettet. Aber wenn sie bei mir nur in einer Schublade liegt, hat ja auch niemand etwas davon. Bei der Textile Art hatte ich vor Jahren einmal bedruckte Damasttischdecken gesehen, daher kam meine Idee, die gestickte Decke mit zarten Motiven zu bedrucken.


Die Motive habe ich ohne Rücksicht auf die Symmetrien des gestickten Musters locker und unregelmäßig über die Decke verteilt. Das Drucken hat gut funktioniert, obwohl das Sieb bei den plastischen Stickereien zum Teil nicht ganz plan liegen konnte.

Kristina, die Veranstalterin des Workshops, hat inzwischen auch über den Kurs geschrieben und zeigt, was an dem Tag entstanden ist. Falls ihr im Hamburger Raum in verschiedene Drucktechniken hineinschnuppern wollt, kann ich einen Kurs bei ihr sehr empfehlen.

Gerade das Drucken bietet Selbernäherinnen ja noch mal eine ganz andere Stufe der Gestaltungsmöglichkeiten als das Vernähen von gekauftem Stoff. Kurz gesagt: Wer Stoff bedrucken kann, ist der nähnerdischen Weltherrschaft ein Stück näher gerückt. Die Selbernäherin kann sich zum Beispiel Jersey für ein Game of Thrones-Fanshirt bedrucken, das absolut nicht wie ein herkömmliches Fanshirt aussieht. Mich interessiert besonders die Möglichkeit, den gleichen Stoff gemustert und ungemustert in einem Kleidungsstück verarbeiten zu können. Oder denkt an Bordürendrucke: Sie finden sich nur selten im Stoffgeschäft, und bei Meterware braucht man oft größere Mengen, um die Schnittteile platzieren zu können. Wie viel praktischer wäre es, die schon zugeschnittenen Teile direkt zu bedrucken! Natürlich sind nur bestimmte Muster mit dieser Technik möglich, und natürlich werde ich nicht ab sofort alle Stoffe selbst bedrucken, aber es ist schön zu wissen, wie sowas geht und einschätzen zu können, was möglich ist. Dann muss ich zum Herbst hin zum Beispiel nicht mehr nach gut fallenden Blusenstoffen mit netten, kleinen grafischen Mustern suchen - die ich bisher nur in sehr teuren französischen Onlineshops gesehen habe - sondern ich könnte mir zum Beispiel einfarbige Viskose selbst bedrucken. Siebenhundertsachen schrieb kürzlich über die Indianermentalität, und ihr Artikel trifft es sehr gut.    

Dienstag, 26. April 2016

Upcycling-Workshops beim Lillestoff-Festival 2016


Wenn man Außenstehenden erzählt, dass sich an einem Wochenende im September sechs- bis siebenhundert Frauen in einer Messehalle bei Hannover treffen, um ein Wochenende lang zu nähen, kann man beobachten, wie sich in einer Denkblase über dem Kopf des Gegenübers ein riesiges Fragezeichen materialisiert. Nähnerds aber wissen sofort, dass das eine tolle Sache sein muss. Das Wochenende wird von der der Firma Lillestoff organisiert, Herstellerin hochwertiger Jerseys, und neben Nähen bis zum Abwinken gibt es jedes Mal Workshops zu Nähthemen, zum Fotografieren und Siebdrucken.


Ich freue mich total, dass ich beim Lillestofffestival 2016 zwei verschiedene Upcycling-Workshops geben werde und bin schon ganz neugierig auf die Veranstaltung. Im Workshop Neues Leben für alte Hemden werden abgewetzte Oberhemden verwandelt. Hemden sind mein Lieblingsmaterial beim Upcyceln, weil die Stoffe so schön und hochwertig sind. Mit etwas Einfallsreichtum werden Röcke, Blusen oder Kindersachen daraus, man muss sich nur trauen, hineinzuschneiden und improvisierend zu nähen. Der Workshop läuft jeweils am Samstag und am Sonntag vormittags (17.+18. 9.), dauert ca. 3,5 Stunden und kostet 35 Euro.     


Den zweiten Workshop habe ich den T-Shirt-Notarzt genannt, denn darin werden wir T-Shirts mit kleinen, aber lebensbedrohlichen Verletzungen retten: Oft sind T-Shirts ja im Prinzip intakt und tragbar, aber oft finden sich ausgerechnet auf der Vorderseite kleine Löcher oder nicht mehr entfernbare Flecke. Ich werde euch zeigen, wie man mit "umgekehrten" Applikationen (auch Negativapplikation genannt) solche Kandidaten vor der Tonne retten kann. Ein Beispiel seht ihr oben - und ja, es wird mit der Hand genäht, aber das ist gar nicht so langwierig, wie sich das anhört. Dieser Workshop läuft jeweils am Samstag und Sonntag Nachmittag, dauert ca. 2 Stunden und kostet 20 Euro.

Das gesamte Programm des Wochenendes findet ihr hier im Lillestoff-Blog (Klick auf das Bild öffnet ein pdf mit dem Programmflyer), die Karten für Wochenende und Workshops bestellen könnt ihr unter dem Menüpunkt "Lillestofffestival" im Shop. Ich bin unheimlich gespannt, wie das alles wird und wen ich wohl im September beim Festival treffen werde. Und ich freue mich sehr, denn ein ganzes Wochenende, in dem es nur ums Nähen geht, kann ja eigentlich nur gut werden.

Ergänzung 27. 4. 2016: Die Workshops sind schon ausverkauft. 
Falls es neue Workshops gibt, findet ihr die Termine auf der Extraseite hier im Blog (siehe oben unter dem Reiter "Termine"). 

Dienstag, 15. März 2016

Einladung zum Mitmachen: Buchvorstellung "Neues Leben für alte Kleider" und Upcycling-Workshops in Leipzig und Halle


Hier laufen die Vorbereitungen für  die Buchmesse: Material zusammensuchen, einen Bahnenrock aus alten Jeans nähen, und nicht zuletzt den Anflug einer Erkältung überwinden. Am Samstag und Sonntag stelle ich bei "Leipzig liest" und bei "Halle liest mit" mein Buch Neues Leben für alte Kleider vor, die Buchvorstellungen sind mit einem kleinen Upcycling-Workshop verbunden.

Wenn ihr also Lust und Zeit habt: Steckt ein paar alte Sachen ein und und kommt ins Leipziger Kreativ- und Strickcafé (Samstag) oder ins Nähcafé Halle (Sonntag). Für die Veranstaltung in Halle bitte kurz per Mail anmelden, weil das Nähcafe sehr schön, aber auch recht klein ist. Ich würde mich freuen, euch zu treffen und bin ein bißchen aufgeregt, wie das dann so wird! Ich bringe ein bißchen Material für ein ganz einfaches Projekt mit, so dass sich auch noch-nicht-Nähende betätigen können.

Hier noch die genauen Daten:

Samstag, 19. März 2016, 16 – 18 Uhr 

"Neues Leben für alte Kleider" – Buchvorstellung und Nähworkshop

im Leipziger Kreativ- und Strick-Café, Karl-Liebknecht-Str. 31, 04107 Leipzig

und

Sonntag, 20. März 2016, 14 – 16 Uhr

"Neues Leben für alte Kleider“ – Nähworkshop im Nähcafé Halle


Nähcafé Halle, Foto: Janine Jonneg

Eintritt: 2,50 Euro, max. 7 Teilnehmer
Gerne können Materialien wie alte Kleidung und Stoffe mitgebracht werden. Um Anmeldung wird gebeten unter naehcafe-halle@jonneg.de!

im Nähcafé Halle, Reilstraße 126, 06114 Halle

Freitag, 18. Dezember 2015

Buchvorstellung: "Nähen mit Kork" von Carmo da Silva [Rezension]


Kork ist derzeit ein Trendmaterial, das offenbart selbst ein flüchtiger Blick in Einrichtungs- und Designblogs: Korkuntersetzer, Korktapeten, Korkfußböden und nicht zuletzt Korkpinnwände, wie sie manche von uns schon in den 1980ern im "Jugendzimmer" hatten, sind zurück. Gleichzeitig erschienen im Herbst einige Bücher, die sich dem Basteln mit Kork in verschiedenen Erschheinungsformen widmeten. Stoff aus Kork, der mit der Schere geschnitten und mit der Maschine genäht werden kann, ist ein relativ neues Material, und darum geht es in dem Buch "Nähen mit Kork" von Carmo da Silva, die in Hannover einen Laden für Korkstoffe und Korkprodukte führt.


Ihr Buch erklärt zunächst die Herkunft des Korks, die Ernte und Weiterverarbeitung. Der verwendete Korkstoff - es gibt ein dünneres Material mit 0,7 mm Stärke und ein dickeres mit 1 mm Stärke - besteht aus miteinander verleimten Korkplatten, die dünn aufgeschnitten und mit wasserlöslichem Kleber auf einen Trägerstoff geklebt werden, so dass Meterware mit 1,40 m Breite entsteht. Korkstoff, so die Autorin, ähnelt Leder, ist ebenso flexibel und haltbar, und wird auch wie Leder verarbeitet: Mit Jeansnadeln oder Ledernadeln und mit größerer Stichlänge genäht, statt Stecknadeln verwendet man besser Klammern, da sich Löcher im Material nicht schließen.


Gut gelöst finde ich in dem Buch, dass die Anleitungen für die Projekte jeweils direkt auf die Fotos folgen. Das Nähen dürfte Dank der sehr deutlichen Grafiken, die jeden Schritt bebildern, auch für Nähanfänger kein Problem sein.

Es gibt Anleitungen für Dinge für die Wohnung (Bestecktasche, gefütterte Körbchen, Buchumschlag, Kosmetiktasche, Rolletui, eckige Schale, Sitzsack, Tischset oder Schreibtischunterlage, Yogakissen), Sachen für Kinder und Eltern (Babyschuhe, Lätzchen, Wickeltasche, Reißverschlusstäschchen in Tierform, Windeltasche), Kleidung (Schirmmütze, Gürtel, ein einfacher Wickelrock, Schürze) und weitere Taschen: eine Laptoptasche, ein einfacher Rucksack, eine Shoppertasche, eine große Tasche mit Streifenaufteilung und die unvermeidliche Taschentüchertasche. Die Schnitte sind auf einem sehr übersichtlichen Schnittmusterbogen aus kräftigem Papier gedruckt.


Die Modelle sind schlicht, ohne viel Verzierungen, aber zum Teil ungewöhnlich konstruiert, so dass das Material für sich wirken kann. Details wie eingehämmerte Ösen, aufgesteppte Baumwollbänder, Schnallen und Kordeln, die mit dem Korkstoff kombiniert werden, geben ihnen einen sehr professionellen Anstrich. Das sind Dinge, die auch designverliebten Handarbeitsskeptikern gefallen werden, gleichzeitig erscheinen die Anleitungen sehr gut umsetzbar.

Das größte Hindernis dürfte in den hohen Preisen der Korkstoffe liegen: Sie werden im Netz nicht umsonst in Zentimeterschritten verkauft. Das hielt mich dann doch davon ab, ein, zwei Modelle, die mir besonders gut gefielen, wie zum Beispiel die Schürze oder das Rolletui, tatsächlich auszuprobieren. Ein Testlauf mit günstigerem Stoff ist zu empfehlen, ehe das kostbare Naturmaterial angeschnitten wird. Aber ich vermute, dass Korkstoff wie Leder sehr schön altert und dass man daher sehr lange etwas von den selbstgenähten Dingen hat. Vielleicht kommt mir ja mal ein günstiger Korkstoffrest unter, so dass ich dieses interessante Material ausprobieren kann. Bei einem Notizbuch mit Korkeinband (dem einzigen Korkprodukt hier im Haus) finde ich die Haptik jedenfalls sehr schön, sehr warm und angenehm.

Carmo da Silva
Nähen mit Kork
LV-Buch Münster 2015
114 Seiten, 19, 95 €
ISBN 978-37843-5380-7

[Das Rezensionsexemplar wurde mir von der Agentur Buch Contact zur Verfügung gestellt.]