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Sonntag, 25. November 2012

Wintermantel-Sewalong 10: Finale!

Herzlich Willkommen zum letzten Termin unseres Wintermantel-Sewalongs: dem großen Finale! Viele, hoffentlich glückliche Mantelnäherinnen präsentieren heute ihr fertiges Nähprojekt. Danke, dass ihr mitgemacht habt, Danke für den regen Austausch über Schnitte, Stoffe und Verarbeitung. Es war toll, so vielen unterschiedlichen Mänteln beim Entstehen zuzusehen - ich habe ungeheuer viel gelernt, das Mantelnähen hat seinen Schrecken verloren. (Ehrlich gesagt freue ich mich schon auf meinen nächsten Mantel und habe beim Markbesuch am Blogtreffenwochenende vorsorglich schon Stoff dafür besorgt.)




Noch kurz zu den technischen Daten meines Mantels: Schnitt 107 aus Burda 10/2011, ca. 3cm gekürzt. Ich habe ihn schon eine Woche in der freien Wildbahn getestet: er ist ziemlich schwer, aber superwarm. Genauer gesagt, im Moment fast noch zu warm. Die Ärmel sind tatsächlich recht eng geschnitten - einerseits gefällt mir das, weil der Mantel dadurch nicht so massiv wirkt, andererseits sind sie schon mit einer dünnen Strickjacke wie hier sehr gut ausgefüllt (und krumpeln eigentlich immer, es sei denn man lässt die Arme locker herunterhängen).


Und das Futter...
... ist schön bunt!


Und jetzt ihr: hier kommen eure wunderbaren, individuellen Wintermäntel!



Donnerstag, 15. November 2012

Wenn man Gerhart Hauptmann am Strand sieht...


... und denkt: "Der Saum ist bei diesem Mantel aber schlecht genäht. Das drückt sich ja alles nach rechts durch. Damit wäre ich nicht zufrieden! Überhaupt ein komischer Schnitt, dieser Mantel. Diese labberigen Ärmel! Ist das möglicherweise ein Bademantel und gar kein Wintermantel? Aber wie Frottier sieht das ja nun nicht aus. Und er trägt Straßenschuhe und einen Stock dazu. Also doch ein richtiger Mantel? Merkwürdig." - dann, ja dann weiß man, dass es höchste Zeit war, das Mantelprojekt abzuschließen und sich neuen Nähabenteuern zu widmen. 

Sonntag, 11. November 2012

Wintermantel-Sewalong 9: Fertigstellen



Am Mantel fehlt nur noch der letzte Schliff: Knöpfe, Aufhänger, Gürtel...

Die Spannung steigt: wir nähern uns dem Vor-Finale beim Blogtreffen nächsten Sonntag und dem großen Finale am 25. 11.! Wie ich gesehen habe, haben einige ihre Mäntel sogar schon fertig, andere haben in der vergangenen Woche endlich den ersten Schnitt in ihren Stoff getan.

Egal in welchem Zwischenstadium ihr euch gerade befindet, ihr könnt auf jeden Fall stolz auf euch sein. In den letzten Wochen betrachtete ich außer Haus quasi ununterbrochen die Kaufmäntel, die mir tagtäglich begegneten – das ist ja eine alte Selbermacherinnen-Krankheit: Näht man einen Mantel, schaut man sich überall die Mäntel an, tüftelt man an einem Hosenschnitt, schaut man bei allen anderen nach der Hosenpassform. Ich war daher vollkommen auf Mäntel fixiert, Mantelschnitte, Mantelstoffe, Mantelverarbeitung, Mantelpassform... und gerade in punkto Mantelpassform habe ich viele schauerliche Dinge gesehen. Zum Beispiel das wohlbekannte und unübersehbare Problem, dass viele Frauen im Oberteil eine andere Kleidergröße brauchen als beim unteren Teil, was häufig in Schulternähten resultiert, die irgendwo auf dem Oberarm hängen, oder in kaum zu schließenden Mantelunterteilen, kurz gesagt in Problemen, die sich beim Selbernähen relativ einfach vermeiden lassen. Jedenfalls hatte ich nach dem Abscannen hunderter Mäntel den Eindruck, dass selbstgenähte Mäntel auf jeden Fall schöner, passender, kleidsamer, ja, besser sind, als das meiste, was man so kaufen kann. Und wie der Mantel-Sewalong zeigt: es ist in einer überschaubaren Zeitspanne machbar! 

Was war in der letzten Woche noch zu tun?

Seitdem das Futter festgenäht ist, habe ich den Mantel entfusselt, Markierungen entfernt und die Knöpfe (aus dem Fundus von Carola) festgenäht. Diejenigen, die tatsächlich funktional sind, bekamen auf der Innenseite einen Gegenknopf. Der Knopf ist dadurch nicht nur am Stoff befestigt, der ausreißen könnte, der Zug wird vielmehr vom Gegenknopf aufgenommen.


Über Knöpfe und Knopflöcher hatten wir in einer der vorigen Folgen des Wintermantelsewalongs schon gesprochen, ich wiederhole aber gerne noch einmal den guten Tipp von Meike, die Knopflöcher unter Umständen von einer Änderungsschneiderei nähen zu lassen. So ein Wollmantel mit zwei dicken Lagen Stoff – vier im Bereich der Nahtzugaben vorne am Beleg – das überfordert so manche Knopflochautomatik.


Für die Aufhänger-Vergessen-Fraktion gibt es nachträglich einnähbare Mantelaufhänger. (Solche ganz billigen (wie auf dem Bild) solltet ihr aber nicht kaufen, die sind wegen der scharfen Kanten an den Ösen schneller wieder abgerissen, als man gucken kann. War ein Fehlkauf von mir, habe ich nach dem Foto weggeworfen.) Tja, und damit wäre - für mich fast unfassbar - mein Wintermantel tatsächlich fertig. Für meine Verhältnisse in Rekordzeit! (Und da ich gerade so gut "drin" bin, sollte ich mich sofort um die ärmellose Blazerleiche kümmern, die hier noch herumhängt...)

Und wie sieht es bei euch aus? Noch mit den fiddeligen Details beschäftigt, schon fertig oder gerade erst richtig angefangen?





Sonntag, 4. November 2012

Mantel-Sewalong 8: Krise kriegen


Nichts klappt - ich heul gleich! Virtuelles Taschentuchreichen und Wege aus der Krise 

Oberflächlich betrachtet könnte man denken, zur Krise bestünde gar kein Anlass...


 ... aber irgendwas ist ja immer!

Aber ich will ehrlich sein: ein echter Krisengrund ist das zu kurz angenähte Futter nicht - es ist noch Nahtzugabe da, nichts ist passiert, niemand verletzt, kein Stoff verschnitten, es lässt sich reparieren (und wenn man eine Schneiderpuppe hat, der man den Mantel auf links gedreht anziehen kann, passiert einem sowas erst gar nicht).

Die Krisenmomente hatte ich vielmehr immer wieder im Laufe des Sewalongs - ganz ehrlich, hätte nicht der Druck bestanden, hier Ergebnisse abzuliefern, der Mantel wäre noch längst nicht so weit. Was habe ich geflucht und gehadert, mich auf diesen sewalong eingelassen zu haben!

Wie die meisten Leute bin ich abends heilfroh, wenn ich zuhause bin und nach dem Abendessen und dem Haushaltskram auf dem Sofa zusammensinken kann. Wegen des Sewalongs hatte ich mir vorgenommen, nach einer kurzen Verschnaufpause jeden Abend wenigstens einen weiteren Schritt zu erledigen: Schnitt abpausen, Außenstoff zuschneiden, einen Abend Futter, einen Abend bügeln und so weiter - und jeden Abend wenigstens ein, zwei Nähte nähen. Wie sich herausgestellt hat, nähe ich zu dieser Zeit nicht nur völligen Blödsinn zusammen und es hat immer noch Spaß gemacht - ich könnte mich also Abends durchaus häufiger an die Nähmaschine zwingen. 

Die noch zu erledigenden Arbeiten sind übersichtlich:

- Futtersaum teilweise auftrennen und neu annähen
- Heftfäden und Markierungen entfernen
- Mantel entfusseln (ich hatte den Futterstoff mit der Zackenschere zugeschnitten - keine so gute Idee, er franst zwar nicht, dafür fusselt er wie blöd, und die Fussel haben sich auf der Außenseite verteilt.)
- Knöpfe annähen

... und dann ist der Mantel, nach knapp acht Wochen, tatsächlich fertig! Ich freue mich schon total aufs Anziehen!

Mal sehen wie es euch ergangen ist - die Sammlung ist heute bei Catherine.

Montag, 29. Oktober 2012

Wintermantel-Sewalong 7: Futter nähen und einsetzen



Doppeltermin: Wir kämpfen gemeinsam mit dem Futter und finden dabei vielleicht eine ganz einfache Methode. L. und C. zeigen zwei unterschiedliche Methoden, einen Mantel zu füttern.

Oder: der allseits mit Spannung erwartete Höhepunkt des Wintermantel-Sewalongs: das Füttern. Entschuldigt, dass ich die Spannung so weit getrieben habe - ich habe mich nicht, unter Zurücklassung eines halbfertigen Mantels und einer ratlosen Mitbloggerin, heimlich vom Acker gemacht. Aber in dieser Phase des Mantelprojekts wollte ich mir lieber die nötige Zeit nehmen (und eine zuverlässige Internetverbindung zum Hochladen der Fotos wäre auch nicht schlecht).

Erster Akt: Futter zuschneiden


Also, zur Erinnerung, mein Futterstoff ist dieses psychedelische Wunderwerk der Chemieindustrie:


Leider nur 2,30 m anstatt der laut Schnittmuster nötigen 2,90 m, noch dazu mit Richtung, das heißt die blattähnlichen Muster "wachsen" alle nach oben. Ich hatte mich schon darauf eingerichtet, das Futter für die Ärmel aus einem einfarbigen Rest zuzuschneiden, aber mit Überlegung und viel Hin- und Herschieben bekam ich alle Schnittteile aus dem Stoff heraus: Ich nahm den Stoff quer, und legte die Teile so auf, dass die Blätter abwechselnd nach rechts und nach links zeigen.

Die Flutschigkeit des Stoffes ließ sich auf dem Teppich ganz gut in den Griff bekommen. Auf dem Zuschneidetisch könnte man ein Laken unter den Stoff legen, das dämmt die Rutscherei auch etwas ein. Am Rückenteil in der Mitte an die 2cm extra für die Bewegungsfalte denken. Ich lasse außerdem immer reichlich Stoff am Saum und an den Ärmelsäumen stehen, auch wenn die Anleitung einem weismachen will, 1,5 cm seien genug. Aber das ist Geschmackssache - wie ein Nahtzugabencheck beim vorletzten Stricktreffen ergab (zu dem auch viele Selbernäherinnen kommen), sind meine Nahtzugaben generell breiter als bei anderen. Ich gehe gerne auf Nummer sicher.

Zweiter Akt: Futtermantel nähen

Das ging besser als befürchtet, denn der Flutschstoff hat immerhin eine griffige Rückseite. Puha.

Der Futtermantel wird im Prinzip genauso genäht wie der Außenstoff, mit zwei Ausnahmen: Im Rückenteil an der senkrechten Mittelnaht wird die Bewegungsfalte am Hals ein paar Zentimeter zugesteppt. Die Mehrweite der Ärmel in der Armkugel, die man beim Außenstoff eingehalten hat, bringt man in ein oder zwei Falten unter.

Dritter Akt: Mantel säumen


Wenn man der 1,5 cm-Saumzugabe-Doktrin der Nähanleitungen vertraut, kann man den Außenmantel und das Futter rundherum verstürzen, so wie das auch in der Fabrik gemacht wird. Bei Falten und/oder Schlitzen im Rückenteil und bei generellem Misstrauen gegenüber der eigenen Fähigkeit zur Präzision wählt man besser eine Kombimethode: Futter an den Belegen verstürzen und an den Säumen von Hand annähen.

Dazu muss der Mantel zuerst einmal gesäumt werden. Ich hatte mir sehr viel Zeit genommen, den Außenmantel jetzt noch einmal ganz sorgfältig zu bügeln, einige Nahtzugaben zurückzuschneiden, Schulterpolster zu befestigen und die Länge festzulegen. Der Mantel wird nun etwa 3 cm kürzer als vom Schnitt vorgesehen, was immer noch superlang ist.


Die Säume bügelte ich ein und schnitt an den Saumzugaben die Nahtzugaben zurück, dann wird die Stelle nicht so dick (unnötig, wenn ihr ohnehin schmale Nahtzugaben habt).

Der Bereich des Vorderteilbelegs macht mir immer etwas Kopfzerbrechen. Traditionellerweise werden Beleg und Vorderteil jeweils für sich gesäumt, so dass hier vier Lagen Stoff aufeinander liegen. (Und jedes Mal frage ich mich, warum man die Ecke nicht einfach verstürzt?)

Der Saum vom Beleg muss einen Tick weiter umgeschlagen werden, so dass man ihn von außen nicht sieht.

Vierter Akt: Futter verstürzen


Jetzt wirds unübersichtlich! Der zusammengenähte Futtermantel und der Außenmantel werden entlang der Belege rechts auf rechts gesteckt und anschließend genäht. Was man so lapidar in einem Satz hinschreiben kann, bedeutet in der Praxis einen riesigen Berg Stoff durch die Maschine zu ziehen, und auch das Foto ist alles andere als aussagekräftig, illustriert aber wenigsten die Unübersichtlichkeit des Vorgangs:


Jetzt heißt es hoffen: wenn man vorher präsize gearbeitet hat, dann passt das Futter nach dem Wenden gut in den Mantel und die Futterärmel lassen sich in die Mantelärmel ziehen

Fünfter Akt: Futter ansäumen


Bleiben noch die Säume und einige Kniffelstellen, zum Beispiel die beliebte Ecke Vorderteilbeleg/Vorderteil/Futter.


Hier: die rechts-auf-rechts-Naht vom Verstürzen hört einige Zentimeter über dem Saum auf. Rechts ist das Futter schon an den Saum gesteckt (mit etwas Spiel, es soll lockerer sitzen als der Oberstoff).

 
Das Futter steckt man in Verlängerung der senkrechten Naht an den Beleg und am unteren Ende um den Beleg herum, die Saumzugabe vom Futter liegt da also zwischen Beleg und Außenmantel. Schwer zu erklären, aber es erschließt sich, wenn man die Stelle selbst vor sich hat. Den Futtersaum nähe ich mit der Hand fest.


Zweite kniffelige Stelle: Der obere Abschluss des Rückenschlitzes. Links ist das Futter schon an den Schlitz-Untertritt gesäumt, oben halte ich den Stoff fest, damit man bei dieser Musterkatastrophe wenigstens erahnen kann, wo ich da den Futterstoff zurückgeschnitten habe.


Suchbild mit Stecknadeln: hier ist das Futter schon mal so gesteckt, wie es dann auch angenäht werden wird.  Das Prinzip erkennt man wesentlich besser in diesem Beitrag von Berry - da geht es zwar um einen Rockschlitz, aber es ist eigentlich die gleiche Konstruktion.

Und bei euch so? Die pünklichen Mantelnäherinnen haben sich schon bei Catherine versammelt.

Wenn ihr zufallig gerade mit den Ärmeln beschäftigt seid, lege ich euch Lucias Blogserie ans Herz: Armloch anpassen und Jackenärmel einnähen.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Wintermantel-Sewalong 6: Mantel-Nähen II


Wie kommen die Ärmel an den Mantel? Soll ich mich an Paspelknopflöcher wagen oder doch lieber Klettband annähen?

Willkommen zur zweiten Nährunde im Wintermantel-Sewalong! Wie weit seid ihr inzwischen gekommen? Letzte Woche waren viele von euch ja eher theoretisch mit Nähen beschäftigt – als begeisterte Theorie-Näherin (was hab' ich da schon alles schönes gemacht!) habe ich dafür ja total Verständnis, möchte aber auch daran erinnern, dass ein theoretisch genähter Wintermantel bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt nicht mehr ganz so von Nutzen ist – kommen wir daher möglichst schnell zur Praxis!

Letztes Mal waren wir im besten Fall bei einer ärmellosen Weste stehen geblieben, nun sind also die Ärmel an der Reihe. Lasst euch von denen nicht einschüchtern! Zuerst sieht es bei Mänteln immer so aus, als wären die Ärmel viel zu groß für die Armausschnitte, das ist völlig normal! Die Mitnäherinnen mit den Raglanschnitten sind hier leicht im Vorteil, denn da entfällt die Schwierigkeit, dass man einen scheinbar zu großen Ärmel in einem scheinbar zu kleinen Armloch unterbringen muss. 

Und apropos große/kleine Ärmel: ich habe festgestellt, dass mein Mantelärmel ganz schön eng ist. Mit der dicken Lieblingsstrickjacke wird das ganz schön knapp. Trotzdem konnte ich mich  nicht entschließen, mehr als 5mm zuzugeben - so ein relativ enger Ärmel und ein kleines Armloch sehen ziemlich elegant aus, wahrscheinlich hat mich das halb unbewusst zu dem Schnitt hingezogen. Ich nehme ja an, dass das Ding so warm wird, dass die Lieblingsstrickjacke nicht oft von Nöten sein wird.    


Das Ärmel-Einsetzen mache ich dann so: in den oberen Bereich der Armkugel ziehe ich mit der Hand einen Faden ein, um den Stoff leicht einzukräuseln, oder eher: etwas zusammenzuschieben. Die Nahtzugabe kräuselt sich dabei, die markierte Nahtlinie bleibt aber mehr oder weniger glatt. Die Kräuselung in der Nahtzugabe könnte man nun noch einbügeln, aber das mache ich nie - dazu bräuchte man ein Bügelkissen oder man muss sich irgendwie mit Handtuchrollen behelfen, aber bisher habe ich trotzdem noch jeden Ärmel untergebracht.


Ich fange an der Seitennaht an, den Ärmel festzustecken und arbeite mich auf beiden Seiten Richtung Schulter vor. Unten passen Ärmel und Armausschnitt genau aufeinander, oben muss man den Ärmelstoff immer etwas zusammenschieben, das Vorder- und Rückenteil nicht. Ich brauche ungefähr meinen halben Stecknadelvorrat dazu. Übrigens bin ich lange Zeit dem Irrtum aufgesessen, dass immer eine der Ärmelnähte auf die Seitennaht treffen muss  - tatsächlich ist das aber nur bei ganz wenigen Schnitten so. 

An dieser Stelle schwanke ich immer, ob ich den Ärmel gleich einnähen, oder ob ich jetzt erst einmal heften sollte, um mir den Sitz und den Fall des Ärmels anzugucken. Zweiteres wäre sicher besser, meistens aber nähe ich sofort, kontrolliere, trenne, nähe neu. Bei diesem Ärmel ging der erste Einnähversuch so gründlich daneben, dass ich dann tatsächlich geheftet habe. Der Stoff ist so dick, und wenn dann an den Nähten 3-4 Lagen aufeinandertreffen, wird das mit Stecknadeln viel zu unübersichtlich unter dem Nähfüßchen. 


Dafür sieht es jetzt aber ganz gut aus. Den Sitz des Ärmels kann man aber erst richtig beurteilen, wenn die Schulterpolster auch drin sind. Nach Claire Shaeffer werden sie bloß an 3-4 Punkten an der Schulternaht und der Einsatznaht vom Ärmel relativ locker mit der Hand befestigt, so dass sie noch ein bißchen Spiel haben. 

Die zwei Knopflöcher habe ich bis jetzt erfolgreich vor mir hergeschoben. Es sollen Paspelknopflöcher werden (Maschinenknopflöcher mit meiner Maschine bei der Stoffdicke - aussichtslos!). Dazu brauche ich aber eine gewisse Seelenruhe, schließlich muss man dabei ins Mantelvorderteil reinschneiden, und die innere Ruhe hat mir letzte Woche ein bißchen gefehlt. 

Die Knopflöcher werde ich nach diesem Tutorial von pattern-scissors-cloth nähen, das sie hier noch einmal ergänzt hatte. Vielleicht mache ich heute Abend erstmal ein Probeknopfloch? 

Einen andere gute Idee habe ich kürzlich bei Meike gelesen: sie hatte die Knopflöcher für ihren letzten Mantel in einer Änderungsschneiderei machen lassen. das ist vielleicht ein guter Tipp für Leute, die ihrer Maschine in punkto Knopflöcher nicht so recht über den Weg trauen. 


Oder man näht zuletzt große Druckknöpfe auf, so wie hier bei meiner alten Walkjacke, und setzt die Knöpfe außen nur zur Zierde auf. 

Und wie sieht's bei euch aus? Theoretisiert ihr noch, oder näht ihr schon?





Sonntag, 14. Oktober 2012

Wintermantel-Sewalong 5: Mantel-Nähen I




Doppeltermin: Kragen und Designentscheidungen (Catherine), Zusammensetzen und Taschen (Lucy)

Wie ist es euch bisher mit dem Mantel ergangen? Geplant war ja heute ein Doppelpost zum Nähprozess, aber nun ist Catherine durch die Schnittmusterlieferung etwas ausgebremst worden. Aber so ist es nun mal beim Nähen, es lässt sich manchmal nicht alles von Anfang an durchplanen.

Fangen wir hier also schon mal mit dem Zusammennähen an. Das Zusammensetzen der großen Teile ist meine Lieblingsaufgabe beim Nähen. Wenn aus einem Haufen seltsam geformter Stücke etwas wird, das einem Mantel schon einmal ähnlich sieht. Wenn sich Nahtlinie auf Nahtlinie und Passzeichen auf Passzeichen fügt – einfach toll! Und so ungeheuer befriedigend.
An meinem Mantel habe ich bisher den Abnäher im Vorderteil genäht und die Seitenteile an die Vorderteile genäht.  Der Abnäher beginnt an der Schulter und wird später vom umgeklappten Kragen verdeckt. Das ist hier einmal einer der seltenen Fälle, wo der Abnäher aufgeschnitten und auseinander gebügelt wird - bei dünneren Stoffen macht man das ja gar nicht.

Dann fügte ich die obere und die untere Hälfte des Rückenteils zusammen, schloss die Rückennaht bis zum Beginn des Schlitzes, bügelte den Schlitzbeleg um und steppte ihn fest. Anschließend kamen die die seitlichen Rückenteile an das mittlere Rückenteil und die Schulter- und Seitennähte wurden geschlossen. Die Seitennähte kann man auch erstmal nur heften, wenn man sich bei der Passform noch unsicher ist. Nun kann man nämlich schon einmal die Schulterpolster provisorisch feststecken und das Teil anprobieren.



Für euch habe ich dann mit wirren Haaren schnell mal das Stativ hervorgezerrt, um ein paar schlecht belichtete Fotos zu machen. Abgesehen davon, dass man nix erkennt, sieht es doch schon gar nicht schlecht aus? Die Passform scheint im Prinzip OK zu sein, die Nähte müssen noch richtig gebügelt werden, dann kann es weiter gehen.

Was die Manteltaschen betrifft, habe ich mich nun doch für die nähtechnisch einfache Lösung entschieden: Der Mantel bekommt keine klassischen Paspel- oder Leistentaschen, sondern große, aufgesetzte Taschen wie im Schnittmuster vorgesehen. Die sind nicht nur riesig, sondern werden nach unten hin etwas breiter. Ich finde sie sind ein nettes, lässiges Schnittdetail für einen ansonsten klassischen Mantelschnitt.


Die Taschen werden  mit einem Futterteil verstürzt (die Wendeöffnung ist in der Naht oben).
Um die Sache etwas raffinierter zu machen, werde ich sie möglichst unsichtbar mit der Hand annähen.

Falls ihr es bei eurem Mantel mit Paspeltaschen zu tun bekommt, findet ihr hier bei Stellamaria eine hervorragende Fotoanleitung dafür, und wie weit die anderen sind, findet ihr hier bei Catherine.




Sonntag, 7. Oktober 2012

Wintermantel-Sewalong 4: Zuschneiden und Einlage


Wie bringe ich das Zuschneiden, und schlimmer, das Einlage-Aufbügeln hinter mich?


Wir kommen heute zu den beiden Teilschritten auf dem Weg zum fertigen Mantel, die ich persönlich nicht so sehr schätze: Zuschneiden – (Nahtlinien und Passzeichen markieren) – Einlage.

Beim Weihnachtskleid-Sewalong oder bei einem Nähfragezeichen hatte einmal eine Mitnäherin (sinngemäß) gesagt, sie verstehe nicht, warum andere so ungern zuschnitten – schließlich sei das doch der Startschuss für ein tolles, neues Projekt, alles sei noch offen, und deshalb mache ihr das Zuschneiden immer besonders großen Spaß. Ich glaube ich wäre geneigter, diese Auffassung zu teilen, wenn ich dazu nicht gefühlte Stunden auf dem Fußboden herumkrauchen müsste. (Wobei der Perspektivwechsel auch neue Erkenntnisse bringt. Ich fand diesmal unter dem Wohnzimmerschrank eine Packung Zigaretten, die anscheinend unserem letzten Übernachtungsbesuch, Gelegenheitsraucher, dort hingerutscht war. Nach acht Wochen hat es wohl keinen Sinn mehr, dass ich ihm eine offene Packung schicke? Aber das nur nebenbei.)


Ich brachte also die Zuschneiderei möglichst schnell hinter mich. Der Oberstoff war diesmal besonders anstrengend, weil meine kleine Zuschneideschere für solchen dicken Stoff nicht gemacht ist. Ich brauchte nicht ganz die angegebenen 4, 20m, aber da der Stoff einen Strich hat und ich überall 2cm Nahtzugabe und 4cm für die Säume geben wollte, ließ sich nicht viel tricksen.

Ich habe mir in letzter Zeit angewöhnt, alle, wirklich alle Teile des Schnitts sofort und auf der Stelle zuzuschneiden – bis hin zu Streifen für Gürtelschlaufen, Taschenfutter und anderen Kleinteilen, denn ich weiß aus Erfahrung, dass ich es schrecklich lästig finde, wenn ich zwischendurch noch einmal den Reststoff und das Schnittmuster herauskramen muss. So lästig, dass dann manchmal ein Rock ohne Bund monatelang vor sich hin dämmert. Beim Stoffbüro im Blazer-Duett mit Ms. Fischer wurde gerade eine andere, einleuchtende Vorgehensweise beschrieben: Ärmelteile erst zuschneiden, wenn die Rumpfteile angepasst und endgültig zusammengenäht sind und Änderungen an den Armausschnitten gleich auf die Ärmelteile übertragen werden können.




Hier beim Mantelprojekt markierte ich die Nahtlinien und andere Zeichen mit aufgeschnittenen Heftnähten auf den Schnittteilen. Normalerweise betreibe ich nicht so einen Aufwand, aber bei so einem komplizierten Projekt finde ich es entspannend, wenn mir alle Markierungen sicher bis zum Schluss erhalten bleiben. Muss man nicht nachmachen, aber das Markieren ("Durchschlagen") dauert gar nicht so wahnsinnig lange: einen sehr langen Faden doppelt einfädeln und mit Vorstichen durch beide Stofflagen entlang der Nahtlinien und Markierungen nähen, dabei bei jedem Stich eine kleine Fadenschlaufe stehen lassen. Beide Lagen auseinanderziehen und die Fäden dazwischen durchschneiden.

Tja, und dann das Einlage-Aufbügeln. Nachdem ich das letzte Nähkränzchen mehr oder weniger am Bügelbrett verbracht hatte (ich erwähnte es vielleicht schon zwei- oder dreimal), bin ich ein wenig negativ eingestellt. Eine professionelle Bügelpresse wäre aber auch nicht automatisch die Lösung, da mancher Wollstoff, besonders wenn er flauschig ist, so viel Druck gar nicht verträgt. Immerhin verband sich die Einlage für dieses Projekt, eine ganz dünne mit Längsverstärkung, ähnlich Vlieseline H410, ganz willig mit dem Stoff.



Die Vorderteile bebügelte ich komplett, außerdem die Rückenteile etwa bis zur halben Höhe des Armlochs, den Rand der Armlöcher, die Ärmelsäume und die Schlitzbelege im Rückenteil. Eben alle Stellen, wo der Stoff später besonders strapaziert werden wird. So eine dünne Einlage macht den Stoff nicht dicker oder steifer, sondern verhindert, dass er sich verzieht, das ist  gerade beim Vorderteil wichtig, das durch Knöpfe, Knopflöcher, Taschen besonders beansprucht wird. Der Unterkragen ist auch komplett „vereinlagt“, allerdings laufen hier die stabilisierenden Fäden schräg, damit sich der Kragen später noch gut umklappen lässt. Wenn ihr euch noch nicht für eine Einlage entschieden habt, lest vielleicht mal  diesen Beitrag von Lucia über die häufigsten Vlieselinesorten und heute gibt sie viele Tipps zum Aufbügeln, das ist auch sehr lesenswert!

Den Futterzuschnitt habe ich bis heute vor mich hergeschoben - Memo an mich selbst: heute erledigen und an die Zugabe im Rückenteil für die Bewegungsfalte denken!

Danach gehts endlich an die Nähmaschine - das macht dann erst richtig Spaß!  Und ihr? Bügelt ihr noch oder näht ihr schon?





Sonntag, 30. September 2012

Wintermantel-Sew-along 3: Stoffwahl


Der Stoff für den Traummantel wird ausgewählt oder ist sogar schon eingetroffen. Mit welchem Futter wird mein Mantel warm genug, welche Knöpfe nehme ich dazu und brauche ich weitere Zutaten?

Ich will euch nicht auf die Folter spannen: Mein schreckliches Stoffmangelproblem von letzter Woche klärte sich am Dienstag, als ich auf dem Markt 4 Meter dicken, mitternachtsblau-schwarzen Wollstoff an mich raffen konnte. Puh, ich war vielleicht erleichtert! Jetzt kann ich wirklich wie geplant den langen Mantel 107 aus Burda 10/2011 nähen.



Der Stoff, den ihr hier gestern vielleicht schon gesehen habt, ist eine Art Loden, sehr dicht gefilzt, mit einem ganz schwach sichtbaren eingewebten Fischgratmuster. Er ist im Gesamteindruck dunkelblau – das sieht man aber erst, wenn man etwas Schwarzes daneben hält. Der Stoff hat einen leichten Schimmer und einen Strich, d. h. die Härchen auf der Oberfläche liegen alle in einer bestimmten Richtung – das merkt man, wenn man darüberstreicht. Beim Zuschneiden muss ich also unbedingt darauf achten, wie ich die Teile auflege.



Das sen-sa-tio-nelle Futter ist eigentlich kein Futter, sondern ein fließender, flutschiger Vollpoly-Kleiderstoff, den ich vor einem Jahr mal auf Verdacht mitnahm, um ihn irgendwann in ein Futter zu verwandeln. Natürlich ist das ein bisschen riskant – gut möglich, dass man mich später zur Stromerzeugung nutzen kann, wenn ich den Mantel trage! Aber egal, ich probiere es einfach aus. Das Vernähen dieses glitschigen Erdölprodukts wird auf jeden Fall kein Spaß.

Ins Mantel-Vorderteil kommt ganz dünne Bügeleinlage, der Stoff ist für sich schon so mächtig, dass ich nicht viel stabilisieren muss. Wenn ihr noch schwankt, welche Teile ihr bei eurem Stoff verstärken sollt, welches Futter ihr nehmt und ob ein Zwischenfutter angesagt ist – schaut doch mal in die Wissenssammlung hier, die wir gestern angefangen hatten (und die natürlich weiterhin ergänzt werden kann).

Vier Knöpfe für außen muss ich noch beschaffen, außerdem ein Stück schwarzen Futterstoff für die Ärmel, der Poly-Paisley reicht nämlich nicht für das gesamte Futter. Apropos Knöpfe - ein großer Vorteil des Schnittmusters ist mir erst jetzt aufgefallen: Es gibt nur zwei Knopflöcher! Damit ist die Entscheidung für Paspelknopflöcher gefallen. Die Taschen-Frage (aufgesetzt oder Klappentaschen – Lucia war für Klappentaschen) halte ich mir vorerst offen. Ich bin bereit fürs Zuschneiden!

Und wie sieht es bei euch aus? Auch bereit, die Schere anzusetzen, oder noch auf der Suche?

(Ach ja, und ehe's vergesse: Bei Miss Margerite beginnt am 8. 10. ein Cap-Craft-along, um sich zu Mantel gleich die passende Kopfbedeckung zu machen. Vielleicht ist das ja auch etwas für euch?)



Samstag, 29. September 2012

Wintermantel-Sew-along Teil 2a: Wissenssammlung Stoffe, Einlagen, Futter


Eigentlich war das etwas anders geplant: am Sonntag treffen wir uns ja hier zum dritten Teil des Wintermantel-Sew-alongs und beratschlagen über Stoffe, und dafür hatte ich eine kleine Wissensammlung über Oberstoffe, Einlagen, Zwischenfutter und Futter angefangen. Nachdem ich aber am letzten Sonntag so viele Grübeleien zur Stoffwahl bei euch gelesen hatte, einige Mails zu diesem Thema bekam und außerdem Meike anregte, dass man die nähtechnische Seite der Stoff- und Einlagenwahl besser etwas früher behandeln sollte, gibt es die Sammlung heute schon. Es ist sowieso so viel geworden, dass man den Text besser auf zwei Posts aufteilt. Und außerdem kann ich euch so noch etwas besser auf die Folter spannen, ob ich am Dienstag nun Stoff für meinen Mantel gefunden habe oder nicht, hehe.

Die Sammlung enthält also das, was ich über Mantelstoffe, Einlagen, Zwischenfutter und Futterstoffe weiß - und das ist beileibe nicht alles, und es ist möglicherweise auch nicht alles richtig, und überhaupt lernt man beim Nähen nie aus. Außerdem wisst ihr wahrscheinlich vieles schon - oder ihr wisst anderes als ich. Wenn ihr also Ergänzungen, Einwände, Anmerkungen habt: immer her damit! Oder wenn ihr bei euch im Blog schon einmal etwas über eure Erfahrungen mit bestimmten Materialien und Verarbeitungsweisen geschrieben habt oder in nächster Zeit schreibt: hinterlasst doch einen Link in den Kommentaren, ich würde eure Links und Informationen dann hier im Text ergänzen. Auf dass die Sammlung wachse und (annähernd) vollständig werde!

Wintermantelstoffe


Wenn wir von einem typischen Wintermantel reden – keinem Daunenmantel, keinem Parka – dann kommen ja in erster Linie verschiedene Wollstoffe als Obermaterial in Frage. Ich habe mal versucht, einige Stoffarten so zu fotografieren, dass man die Unterschiede erkennt (Internet mit anhängenden Griffproben wurde leider noch nicht erfunden).

Oberstoffe

Mantelvelours

Ein dicker, gewebter Stoff , dessen Oberfläche so angerauht, wird, dass sie flauschig weich ist und das Grundgewebe nicht mehr erkennbar ist. Eigentlich der ideale Mantelstoff – wenn er nur nicht so teuer und so schwer aufzutreiben wäre. (Bei Karstadt hatte ich schönen Mantelvelours gefunden – aber 50 Euro pro Meter...)

Loden

Loden

Denkt ihr auch sofort an „Oberförster“? Aber Loden muss nicht trachtengrün sein, es handelt sich einfach um einen gewebten Stoff aus Wolle, der nach dem Weben so behandelt wird, dass er verfilzt wird und die Fasern sich verdichten. Die Webstruktur ist aber noch sichtbar bzw. zu erahnen. Typischerweise hat die Oberfläche einen leichten Glanz, der Stoff ist sehr dicht und windundurchlässig, ja sogar regenabweisend. Ein prima Mantelmaterial, aber auch ziemlich schwer.

Walk

Walk

Üblicherweise ist Walk gestrickt und wird im Produktionsprozess gewalkt und dadurch angefilzt, so dass der Stoff dicker und dichter wird. Trotzdem ist Walk ziemlich winddurchlässig und meistens leicht elastisch. Daher werden häufig lockere, ungefütterte Jacken daraus genäht – es spricht aber nichts dagegen, Walk mit dünner Einlage und Futter wie jeden anderen Wollstoff auch zu verarbeiten. Meike hat das letzten Winter mit ihrem Himbeersorbetmantel gemacht und ich schiele deshalb in ihre Richtung, dass sie vielleicht nochmal was zur Verarbeitung sagt. und hier hat sie noch einmal etwas zur Walk-Verarbeitung geschrieben.


Man sollte sich vorher überlegen, ob verstürzte Teile, z. B. der Kragen oder die vordere Kante nicht zu dick und wulstig werden – bei dem abgebildeten Walk, der knapp einen Zentimeter dick ist, wäre das der Fall. Mehr als zwei Lagen davon bekäme ich nicht mehr gut unter die Maschine, deshalb müsste für Kragenunterseiten und Belege ein passender dünnerer Stoff her. 

Gekochte Wolle

ist sowas wie „Walk für Arme“, etwas günstiger, etwas (oder sehr viel) kratziger und elastischer. So ein strukturiertes Kleidungsstück wie ein Mantel braucht auf jeden Fall eine Bügeleinlage, damit er die Form behält.

Filz

Stoff&Stil bietet Wollfilz in vielen schönen Farben als Bekleidungsmaterial an – aber abgesehen davon, dass es sich wohl nicht wirklich um Filz handelt, wenn die Rückseite gestrickt ist, sondern um Walk, hatte ich bei der letzten Mantel-Sewalong-Runde irgendwo in den Kommentaren gefunden, dass dieser Stoff eher nicht empfehlenswert sei: sehr kratzig und ziemlich steif. Falls die Kommentarposterin (oder jemand anderes mit Erfahrungen aus erster Hand) hier dabei ist, sagt doch noch einmal was dazu.

Martje sagte: "Ein bisschen kratzig ist er, das würde ich auch sagen. Ich finde ihn allerdings nicht besonders steif. Eher recht dehnbar (also, nicht extrem dehnbar- aber für so einen Filz-Walk-Stoff...) und daher weich-formbar. Ich würde daraus keinen Mantel nähen. Zu wenig warm und ich würde befürchten, dass er sich "aushängt"."

Was es im Kaufhaus so an Filz gibt, ist meistens nicht für Bekleidung gedacht –zu steif und zu wenig strapazierfähig. Es gibt aber auch Bekleidungsfilz, davon bekam ich einmal einige Stoffproben einer französischen Firma geschenkt (die ich gerade zum Fotografieren in meinem Wust nicht wiederfinde, ehem) aber wunderschön sage ich euch. tolle Farben, ganz weich, waschbar. Aber wo man sowas kauft? Keine Ahnung!

Tweed - ich steh' ja auf Fischgrat

Tweed und Boucle

Beides wird aus dicken, oft bunten Garnen mehr oder weniger locker gewebt. Der Stoff ist daher nicht so stabil und wärmend, vor allem braucht er einen dünne Bügeleinlage, damit er sich nicht verzieht.

Im Bild habe ich Fischgrat-Tweed, meien Lieblingssorte – nur mit Futter ohne wärmende Zwischenlage gäbe das eher eine Übergangsmantel. Genauso bei Boucle, dem typischen Chaneljackenstoff: ganz locker gewebt, da geht der Wind total durch.

Wollköper="Wolldiagonal"?

Wollköper

Das ist wohl der ominöse „Wolldiagonal“, der in Burda-Anleitungen so oft verlangt wird.  Marion klärt auf: Diagonal ist eine Art der Köperbindung, die Rippen sind aber breiter.
Also ein Wollstoff in Köperbindung, einer Webart, bei der auf der Oberfläche des Stoffes kleine, schräg laufende Rippen entstehen. Auch eher dünn und fließend und eher Übergangsmantel als Wintermantel.

Einlagen


Also wenn ich hier von „Einlage“ rede, dann meine ich die herkömmlichen Einlagen zum Aufbügeln. In der hohen Kunst der handwerklichen Herren- und Damenschneiderei gibt es ja auch verschiedene Einlagen zum Einnähen, Rosshaareinlagen für Kragen und Revers, die mit außen unsichtbaren Handstichen an den Kragenteilen befestigt werden und wegen Gerties New Blog for Better Sewing sind diese Techniken in Amerika irgendwie populär geworden – aber ich verstehe viel zu wenig davon, um darüber zu schreiben. Lieber gut aufgebügelte Einlage, als mit Rosshaar herumzustümpern und auch noch andere dazu anzustiften, ist meine Devise.

Dünne Einlage mit Längsverstärkung

Man braucht also auf jeden Fall Einlage. Wo kommt die hin? Es erscheint immer etwas übertrieben, wenn die Nähanleitung verlangt, dass man z. B. das gesamte Mantelvorderteil mit Einlage bebügeln soll – aber wenn man überlegt, welche Stoffmasse bei einem Mantel im Spiel ist, die ja auch in Form bleiben muss, dann relativiert sich das. Da das gesamte Stoffgewicht ja sozusagen an den Schultern hängt, verstärkt man meistens auch noch den gesamten Schulterbereich des Rückenteils. Die Einlage wird genauso groß wie das Stoffteil zugeschnitten – also mit Nahtzugaben - oder, wie Julia anmerkte: "mit kleinerer Nahtzugabe [...] (0,5cm und den Oberstoff mit 1,5cm)", wahrscheinlich besonders wichtig bei dickerer Einlage.

Am Saum und an den Ärmelsäumen soll oft auch ein Streifen Einlage aufgebügelt werden. An den Ärmelsäumen ist das auf jeden Fall eine gute Sache, der untere Saum wird mir mit Einlage manchmal zu steif und steht unschön ab, da habe ich schon manchmal die Einlage wieder herausgezupft.

Und was nimmt man? Das kommt in erster Linie auf den Stoff an. Wenn man nicht vorhat, den Fall des Oberstoffs durch die Einlage zu verändern, ihn fester und steifer zu machen, nimmt man am besten etwas ganz Dünnes, das nur stabilisiert.

Ich kaufe meine Einlagen in einer Mischung aus Faulheit und Geiz immer auf dem Markt, allerdings kommt das Zeug wohl zum Teil aus der Industrie und setzt eigentlich eine Bügelpresse voraus - also Hitze und starken Druck beim Aufbügeln. Mit dem normalen Bügeleisen wird das manchmal, aber nicht immer, mühsam, man bügelt Stunden daran herum und verpasst dadurch das halbe Nähkränzchen. Markeneinlagen von Vlieseline haben demgegenüber den Vorteil, dass sie sich auch mit einem normalen Hausfrauenbügeleisen gut festbügeln lassen. Auf der Webseite von Vlieseline gibt es ganz rechts einen Einlagenberater, der verschiedene Einlagen vorschlägt, wenn ihr Oberstoff und Verwendungszweck auswählt - das kann schon mal ein Anhaltspunkt für den Einlagenkauf sein.
Schaut auch nochmal bei Lucia - sie zeigt verschiedene Einlagesorten.

Zwischenfutter


Dünne Stoffe kann man mit verschiedenen Zwischenlagen wärmer machen. Man muss nur bedenken, dass man die ganzen Lagen als Mantel ja buchstäblich tragen muss – einmal vom Gewicht her, aber auch die Materialdicke und die Beweglichkeit der Arme sollte man nicht vernachlässigen.

Werft euch den geplanten Mantelstoff mit Einlage, Zwischenfutter, Futter einmal über und überlegt, ob ihr das im Winter monatelang mit euch herumschleppen wollt, oder ob ihr mit einem dünneren Mantel und einem Extrapullover bei Bedarf nicht besser fahrt. Außerdem verändert sich der Fall des Oberstoffs durch ein Zwischenfutter – wenn es zu viel des Guten ist, kann es passieren, dass der Mantel ohne euch stehen kann.

Alter Mantel von innen (unten der Saum, rechts das weggeklappte Futter)

Das Zwischenfutter wird genau so zugeschnitten wie der Oberstoff (ohne Kragen, Manschetten, Innenbelege und andere Teile, die sowieso doppelt liegen). Oberstoff und Zwischenfutter werden dann wie eine Lage behandelt – im Bild seht ihr einen Blick in meinen alten Mantel, der ein Zwischenfutter aus Batist hat. Die Nähte gehen also durch Oberstoff und Zwischenfutter, das Zwischenfutter kann sich dadurch nicht selbstständig machen. Ein Schnitt mit vielen Teilungsnähten und daher kleinen Schnittteilen ist dafür besonders günstig. Oder – das ist bei Watteline zu empfehlen, die in sich nicht so stabil ist – ihr steppt das Zwischenfutter mit dem Futterstoff zusammen, z. B. in einem Gittermuster.

Watteline

Watteline ist ein lockeres, flauschiges Gestrick aus Wolle und anderen Fasern, dünn, anschmiegsam und günstig und es wärmt trotzdem gut. Andere Vliese – Volumenvlies, Thermolam, Quiltfüllungen und sowas – sind als Zwischenlage ziemlich dick und steif, das Ergebnis ähnelt dann womöglich einer Steppjacke.

Thinsulate

Thinsulate ist ein Hightech-Vlies, das besonders warmhalten soll und mit dem ich keine Erfahrungen habe. Hattet ihr das schon mal in der Hand?

Rebecca hatte und sagte dazu: "Ich habe es schon mehrfach verarbeitet und kann nur davon schwärmen. Hier ist es ganz gut erklärt http://www.funfabric.com/halli.php?00_14295. Es ist leicht (Gewicht) und einfach zu verarbeiten. Ich habe im letzten Winter die folgende Kombination für mich genäht: außen Walk, Mitte Thinsulate und innen dünner Popeline. Super warm! Für meine Kinder nähe ich auch Skijacken draus: Regenstoff - Klimamembran - Thinsulate - Fleece (300er). Und preiswert ist es auch noch.
Zu probieren wäre nochmal Isobalance, wenn auch viel teurer, aber warm ist eben warm :-)"


Klimamembran

Klimamembran wärmt nicht per se, aber es hält den Wind ab, ein Mantel aus Wollstoff wird damit wohl mehr oder weniger winddicht, aber ohne schwitziges Plastiktütengefühl, weil die Membran Feuchtigkeit nach draußen transportiert. Auch hiermit habe ich keine Erfahrungen, ihr vielleicht?

Wieder Rebecca: "... und dann noch was zur Klimamembran: Die kann man, wenn sie richtig funktionieren soll (Schweiß raus und Nässe nicht rein) nur auf Innenfutter mit Kunstfaser nähen, sonst bleibt die geschwitzte Feuchtigkeit innen."

Uta hatte noch eine anderen Vorschlag, sie verwendet das Zwischenfutter gleichzeitig zur Stabilisierung, statt Einlage: "Statt Bebügeln habe ich bei einem lockeren Oberstoff ein stabiles Zwischenfutter in Vorder- und Rückenteil eingefügt und war sehr zufrieden. Einen Blazer, der ziemlich auf Figur geschnitten war, habe ich um einen "back stay" (sorry, keine Ahnung, wie das auf Deutsch heißt) ergänzt, der den oberen Rücken stabilisiert, wenn man kein Zwischenfutter benutzt."

Futterstoffe


Futtertaft

Das normale, von den meisten nicht so sehr geliebte „Flutschfutter“. Wenn es hauptsächlich aus Viskose ist, so wie Neva Viscon oder aus Acetat, so wie Venezia, erzeugt es nicht so ein Plastikgefühl wie das meistens billigere Futter aus Polyester. Und so unsympathisch der Flutschstoff auch sein mag: damit kommt man in den Mantel einfach am leichtesten hinein, und er klebt nicht an der Kleidung.

Das Futter wird am Rücken einen Tick größer als der Oberstoff zugeschnitten, und zwar wird das Schnittteil vom Rückenteil beim Zuschneiden mit 2cm Abstand zum Stoffbruch auf den Futterstoff gelegt. Oben, wo das Futter auf den Beleg trifft, steppt man diese Zugabe einige Zentimeter zu, nach unten hin bleibt das einfach eine offene Falte, die "Bewegungsfalte". Die Idee ist, dass das flutschige Futter eine bewegliche Schicht zwischen Kleidung und Mantel-Oberstoff bildet, so dass sich die Schichten gegeneinander verschieben können. Ohne diese Verschiebbarkeit stellt sich in engen Mänteln leicht ein Zwangsjackengefühl ein.

Steppfutter

Solche gesteppten Futter aus Vlies und Futterstoff gibt es fertig von der Rolle, und nach meiner Beobachtung ist das immer superdick, und ich befürchte Michelinfrauchenalarm. Daher habe ich sowas noch nicht verarbeitet, vielleicht verfügt ihr über Erfahrungen? Ich nehme an, dass man einen weiten Mantelschnitt ohne großartige Taillierung und Teilungsnähte wählen sollte, und vermutlich etwas größer zuschneiden, aber wieviel?

Fleece, Flanell, Plüsch


Ein Wintermantel mit einem kuscheligen Innenfutter erscheint ja äußerst verlockend, aber ich habe bei einem figurbetontem Schnitt, dem Talmi-Mantel, mit Baumwollsatin als Futter, keine guten Erfahrungen gemacht. Der Mantel klebte total an mir, deshalb würde ich mich nicht mehr trauen, einen Mantel mit einem der genannten Materialien zu füttern. Wie sind eure Erfahrungen damit? Ich nehme an es funktioniert, wenn der Mantel nicht zu eng sitzt? Aber woher weiß man, was „zu eng“ ist?
Anja hatte einen weiten Parka mit Fleece gefüttert - es funktionierte und trägt sich sehr angenehm.
Marion nähte sich "einen Mantel aus Wollwalk mit einem dünnen Baumwollstoff als Futter [...] (Die Ärmel habe ich wegen der Bequemlichkeit beim Anziehen mit klassischem Futtertaft gefüttert.) Das reicht vielleicht nicht den ganz hohen Nähansprüchen, ließ sich aber gut verarbeiten, bekommt viel positive Resonanz, habe ich den ganzen Winter getragen und nie gefroren. Es war aber ja auch nicht sooo kalt und außerdem bevorzuge ich das "dünne-Mehrschichtensystem"."

Schulterpolster


"Iiiihh, Schulterpolster!" höre ich schon die Menge aufschreien (oder besser gesagt die zwei Leute, die bis hierher durchgehalten haben). Aber Schulterpolster ist nicht gleich Schulterpolster! Ich rede nicht von diesen merkwürdigen und viel zu großen Schaumstoffschalen, die im Kaufhaus im Kurzwarenregal hängen.

Nein, die richtigen Schulterpolster, wie sie in Schneidereien verwendet werden, sind höchstens einen Zentimeter dick und bestehen aus Vlies und Wattierung. Sie sollen nicht die Schultern auf Schwarzeneggermaß verbreitern, sondern den Schulterbereich stabilisieren und glätten - schließlich hängt das gesamte Gewicht des Mantels daran. Bei einem richtigen Wintermantel sind sie eigentlich unverzichtbar - und in der Regel sind die Schnitte an der Schulternaht auch so konzipiert, dass da Polster rein müssen, damit der Ärmel richtig sitzt. Also nicht einfach weglassen! Man kann sich solche Schulterpolster auch problemlos selber machen - eine Anleitung dafür ist in der Pipeline und wird hoffentlich nächste Woche fertig.

Lucia zeigt in ihrem Beitrag nicht nur ihren Stoff, sondern erklärt auch verschiedene Sorten Einlage und zeigt ein paar Schneiderschulterpolster.  

Sonntag, 23. September 2012

Wintermantel-Sewalong 2: Schnittmusterwahl


Ich habe den Schnitt für meinen Traummantel gefunden. Vorstellung der Schnittmuster. Kurz Entschlossene können jetzt noch locker einsteigen.

Nein! oder Ja! oder: eigentlich bin ich noch nicht viel weiter als letzte Woche zur Inspirationssammlung. 

Es sind letzte Woche viele reizvolle Mantelschnittmuster vorgestellt worden, die gleich auf meine innere Vormerkliste gewandert sind. Alles läuft aber auf ein Problem heraus: Ich habe noch keinen Stoff, und das Modell, das ich nähen kann, hängt vor allem davon ab, für welchen Schnitt ich den passenden Stoff finde. In der engeren Auswahl stehen der ganz lange Mantel 107 aus Burdastyle 10/2011 (eigentlich mein Favorit) und der Strenesse-Mantel aus dem aktuellen Heft, den ja auch einige von euch nähen werden.

Der Favorit
Für den langen Mantel brauche ich eine große Menge eines nicht gar so dicken Wollstoffs, für den kurzen Mantel eine kleinere Menge eines dickeren Wollstoffs. Und ehrlich gesagt bin ich schon leicht panisch. Auf dem Markt: bisher nichts! Anders als viele andere Teilnehmerinnen horte ich nämlich keinerlei Mantelstoffvorräte. Was Außenstehende vielleicht als "Vernunft" bezeichnen würden, erweist sich als Problem, als Stoffklemme. Nähpläne und keinen Stoff - gibt es Schlimmeres? 

Meine Hoffnung richtet sich damit auf den nächsten Dienstag, Markttag. Dann muss es passieren! Oder ich muss weitere Läden abklappern. Ich kann zwar unter Druck gut nähen oder arbeiten, aber Stoff kauft sich besser in entspanntem Zustand. und was mache ich, wenn ich gar keinen bezahlbaren Stoff finde, der mir gefällt? Ich kann nicht einfach heimlich aussteigen, ich bin doch Mitzveranstalterin!

Zu Beruhigung kopiere ich heute schon mal den Schnitt von Burda 107 aus 10/2011 heraus. Es sind 11 Teile,  relativ wenig für einen Mantel. Das Ding ist wirklich wahnsinnig lang - 140 cm Mantellänge reichen mir (168cm) fast bis zum Knöchel. Wäre ich ganz wahnsinnig, könnte ich den Mantel statt mit aufgesetzten Taschen auch mit den Paspeltaschen mit Klappen von Modell 105 nähen, der Grundschnitt ist der gleiche. Das würde die Schwierigkeitspunkte gleich von drei (Mantel) auf dreieinhalb (Modell 105) steigern.Aber an solchen Nervenkitzel wage ich derzeit nicht einmal zu denken - zuerst muss das Stoffproblem aus der Welt geschafft werden. Und ich schaue mal bei Catherine, was ihr euch so ausgesucht habt - lauter gefestigte Entscheidungen oder schwankt ihr auch noch?

P. S. den Bonusmantel von letzter Woche, der euch so begeistert hat, würde ich auch noch gerne in absehbarer Zeit nähen - aber, ihr ahnt es, ich habe keinen Stoff!

Sonntag, 16. September 2012

Wintermantel-Sewalong 1: Mantel-Inspirationen



Was brauche ich eigentlich für einen Mantel? Welche Farbe wünsche ich mir? Welche Ansprüche stelle ich an die Beschaffenheit und Kompatibilität? Welche Schnitte sind schwer oder nicht so schwer zu nähen, und schaffe ich das? Oder auch: Wovon habe ich schon immer geträumt? Was bereitet mir Kopfzerbrechen und woran möchte ich mich endlich mal trauen?

Die Suche nach Mantel-Inspiration ist bei mir eigentlich ganz einfach: Ich liebe Mäntel! Ich hätte am liebsten ganz viele verschiedene Mäntel, um nach Lust und Laune wechseln zu können: einen ganz langen schwarzen, einen kurzen bunten, einen aus Tweed, einen taillierten und einen weiten, einen Trenchcoat aus Wolle, ach ja, und ein Cape, unbedingt ein Cape.

Naja, es ist bisher bei der Theorie geblieben: in Wirklichkeit habe ich jeweils immer nur einen einzigen intakten Wintermantel. Dazu ist das Mantelnähen zu zeitaufwendig und das Mantelkaufen zu teuer. Dabei gibt es beim Nähen eigentlich kein Teil mit einem besseren Kosten-Nutzen-Verhältnis als einen Mantel: Ich ziehe ihn mindestens von November bis März jeden Tag an. Jeden Tag! Das leistet kein anderes Kleidungsstück. Und im Vergleich zu einem schönen gekauften ist ein selbstgenähter Mantel noch günstig.

Mantel 107, Burdastyle 10/2011

Da ich viel zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin und es in Berlin gerne mal -15 Grad hat, sind lange Mäntel für mich praktischer. Sowas wie mein zweireihiger, taillierter, unten weiter Mantel aus schwarz-weiß gewebtem Wollstoff, den ich vor vier Jahren gemacht habe. Der ist jetzt einfach durch.

Als Ersatz käme der ultralange, schmale, zweireihige Mantel 107 aus Burda 10/2011 in Frage. Den würde ich gerne aus einem schönen schwarzen, nicht zu dünnen Wollstoff nähen. Problem: Ich brauche 4,20 Meter davon, kommt also nur in Frage, wenn ich einen günstigen Stoff finde. Das Futter hätte ich schon, denn letztes Jahr nahm ich auf Verdacht einen bunten, irre gemusterten Stoff auf dem Markt mit (lasst euch überraschen) – das würde phantastisch dazu passen.


Strenesse-Mantel aktuelle Burda
Der Mantel von Strenesse aus dem aktuellen Burda-Heft ist zwar kurz, gefällt mir aber wegen der großen Taschen. Wenn ich dafür einen schönen dicken Mantelstoff bekäme, vielleicht in Dunkelgrün oder Mitternachtsblau? Der Stoff müsste auf jeden Fall dicker sein als der Wollstoff meines Fischgratmantels mit Glitzer vom letzten Herbst, damit der Mantel dann warm genug ist.


118 aus Burda 9/2010

102 aus Burda 8/2010

Dann gefallen mir - warum, weiß ich auch nicht so recht - auch noch die weit geschnittenen, untaillierten Mäntel, die es zur Zeit gibt. Zum Beispiel 118 aus Burda 9/2010 oder 102 aus Burda 8/2010. Das wäre ein bisschen riskant, weil ich in weiten Sachen meist etwas verloren wirke, aber andererseits ungeheuer praktisch: was man da noch alles drunterziehen könnte, ohne sich in eine gestopfte Wurst zu verwandeln!


Und nicht zuletzt liegt hier auch noch ein Einzelschnitt aus den späten Sechzigern, den ich von Carola bekam: Ein kurzer, im Rücken ausgestellter Mantel mit Ärmelaufschlägen und Riesenkragen -  so toll! Er wäre genau der Bonusmantel, den ich nähen würde, wenn ich schon einen "vernünftigen" hätte. Aber bis dahin muss dieser vernünftige erstmal genäht werden...

Und wie ist es bei euch? Lang oder kurz, Wolle oder Steppstoff, eng oder weit? Ich bin gespannt, was ihr euch aussucht, Catherine sammelt heute alle Beiträge.