Donnerstag, 4. Oktober 2012

Es geht weiter: aus Hobbyschneiderin.net wird Hobbyschneiderin24.net


Große Erleichterung im Hause Nahtzugabe: der verbliebene Forenbetreiber der Hobbyschneiderin hat innerhalb von drei Tagen und drei Nächten einen Domainumzug bewerkstelligt. Auf der neuen Domain www.hobbyschneiderin24.net sind alle alten Inhalte wie bisher abrufbar, und neue Inhalte können wie bisher dazukommen. Meinen allerhöchsten Respekt für diese Leistung. Ich bin sehr froh, dass die größte deutschsprachige Näh-Wissenssammlung nicht vom Netz genommen wurde.

Montag, 1. Oktober 2012

Wochenrückblick KW 39




1.  Die Hexagonitis greift um sich! Nachdem die Quiltgruppe ja schon voll infiziert ist, waren wir - Tacha, Miriam und ich - am Samstag unterwegs, um die Sechsecksucht zu verbreiten. Wobei: eigentlich sollte bei der Craftparty bei Volksfaden, dem tollen Patchwork-Stoffladen in Berlin-Schöneberg, so ganz allgemein mit Stoff gebastelt werden. Als wir drei aber unsere angefangenen Hexie-Projekte herauszogen und Tacha Hexa-Go-Go, ihr großartiges Buch zum Thema zeigte, waren  auf einmal alle Feuer und Flamme - trotz Handnähzwang.

Es war ein sehr netter Abend bei Volksfaden, der hoffentlich wiederholt werden wird. Berichte und bessere Bilder findet ihr auch bei bimbambuki und bei der Craftparty-Initiatorin fraumima. Seitdem ich letztes Jahr über Lindas Laden geschrieben hatte - das Ladengeschäft war damals noch ziemlich neu - sind übrigens noch viel, viel mehr schöne Stoffe dazu gekommen. Wenn ihr in Berlin Patchworkstoffe kaufen wollt, kann ich euch Volksfaden nur empfehlen - die Auswahl orgineller, moderner Stoffe, die man nicht überall bekommt, ist einfach umwerfend. (Im Bild ist Miriams angefangener Hexie-Kissenbezug, an dem Abend die Keimzelle der Hexie-Infektion.)

2. Banale, aber am Wochenende erstmals bewusste Feststellung: Es wird Herbst.

3. Schaufenster einer chemischen Reinigung in der Brunnenstraße, Wedding. Da hat mein Bürokaktus (Höhe 3,5cm) ja noch ein Ziel, auf das er hinarbeiten kann.

Sichert lieber eure Daten! Das Hobbyschneiderinnen-Forum macht (möglicherweise?) dicht


Ergänzung 4. 10. 2012: das alte Forum ist jetzt unter der Domain www.hobbyschneiderin24.net erreichbar. 
 
Ergänzung am 1. 10. 2012, 12.05Uhr: Die Erwiderung des technischen Betreibers lässt darauf hoffen, dass die Seite zumindest nicht sofort abgeschaltet wird - siehe hier: http://www.hobbyschneiderin.net/portal/showthread.php?t=160837


Wer regelmäßig im Hobbyschneiderinnen-Forum hobbyschneiderin.net unterwegs war, für den ist es vielleicht keine so große Überraschung mehr: den grünen HS-Schriftzug werden wir bald nicht mehr sehen, das Forum wird eingestellt, und zwar ab heute. Damit werden alle Daten, Threads, Fotos, Anleitungen bald verschwunden sein - speichert euch also so schnell wie möglich Anleitungen und Tipps, auf die ihr nicht verzichten könnt.

Auch wenn ich nur Gelegenheits-Forennutzerin war (angemeldet seit 2006, 282 Beiträge), wird mir das Forum als unerschöpflicher Wissenspool fehlen. Ich habe schon allein durchs Mitlesen unendlich viel gelernt! Dass es zwischen den beiden Betreibern nicht mehr ganz so rund lief, war schon Anfang des Jahres zu spüren, als darüber diskutiert wurde, das Forum zu überarbeiten und wirtschaftlich auf andere Füße zu stellen. Im August gab es dann eher beiläufig die Nachricht, dass beide nur noch über Anwälte kommunizieren - damit war eigentlich klar, dass die Tage des alten Forums gezählt waren, denn wer erst einmal so weit gekommen ist, setzt sich in Zukunft nicht mehr gemeinsam an einen Tisch. Mir tut es vor allem für die Leute Leid, die mit und im Forum gelebt haben, die so viel Arbeit in  Beiträge und Support investiert haben, und für die die Seite zum Teil sogar eine Anlaufstelle bei persönlichen Problemen war, eine Heimat im Internet. Und der Verlust an nähtechnischem Wissen in deutscher Sprache ist noch gar nicht zu ermessen - wie soll man schon heute wissen, welches Nähproblem man in Zukunft mit Hilfe der "Hobbyschneiderin" gelöst hätte?  

Sonntag, 30. September 2012

Stoffmanipulationen im September: die Rüschentasche


Herzlich willkommen zur Stoffmanipulationssammlung, bei der ich die Initiatorin Suschna heute vertrete. Es geht wie immer um Zwei- und Dreidimensionales mit und aus Stoff, genäht, gerafft, gefaltet, geknotet oder gedruckt.

Ich wäre im September beinahe meiner Taschenserie aus weißen Stoffen mit roten und schwarzen Akzenten untreu geworden, weil ich mir endlich das neueste Buch von Natalie Chanin, Alabama Studio Sewing + Design gegönnt hatte. Die Fotos darin sind einfach atemberaubend – wunderschöne Kleidungsstücke mit Applikationen, Perlen, aufgenähten Jerseyschnüren und so weiter. Da mein angefangener Schal aber keineswegs atemberaubend zu werden versprach, kehrte ich reumütig zu meinen Taschenmaterialien zurück.


„Random ruffle“, zufällige Rüsche, nennt Natalie Chanin solche aufgenähten Jerseystreifen. Das ist tatsächlich sehr einfach umzusetzen und macht was her. Ich verwendete wie immer Nessel als Taschenmaterial und schnitt Jerseystreifen aus einem alten T-Shirt, die ich mit rotem Stickgarn aufnähte. Die gerüschten Stellen werden mehr oder weniger willkürlich, eben "random" verteilt. Ich dachte mir aber gleich, dass es doch besser aussieht, wenn man ein System hat - im Buch ist nämlich eine Stola abgebildet (S. 138), die dicht an dicht mit "random ruffles" besetzt ist, so dass die gerüschten Stellen ein regelmäßiges Raster ergeben.



Natalie Chanin besetzt T-Shirts mit einigen Rüschenstreifen, aber man könnte ja auch größere Stoffbahnen so gestalten. In weiß mit weiß wäre das z. B. Stoff für ein unkonventionelles Brautkleid.

Eure Stoffmanipulationen im September: 

Marion/Kunst und Kleider befilzte Jerseyschals mit Motiven aus Wolle.

Suschna ahmte Knallerbsen nach, die weißen Beeren des Gartenstrauchs. Bei ihr sind sie aus gefärbter Seide (und sehen täuschend echt aus).  

Waltraut/Siebensachen stellte Blüten aus gestreiftem Stoff her und verzierte ihre Sandalen damit.

Kathrin/annekata probierte eine schwedische Sticktechnik namens Hallandssöm aus, über die es im Netz kaum Informationen gibt - das Internet weiß eben doch nicht alles.

Griselda/Machwerk hat die gesmokte Tasche fertig und experimentierte mit gefüllten Biesen iin transparentem Stoff.

Kathrin/tinistaschen faltete große Sechsecke zu ebenfalls sechseckigen, plastischen Strukturen - eine interessante Technik, die noch viele Möglichkeiten bietet.

Christoph/Chri-stoff Charming experimentierte mit Falten unterschiedlicher Breite - und mit dem Kordelaufnähfuß der Nähmaschine.

... und bei frifris erfährt man, wie man Muschelbiesen mit der Maschine anfertigt und einen rechteckigen Einsatz dann mit schönen Ecken in eine Bluse näht.

Wintermantel-Sew-along 3: Stoffwahl


Der Stoff für den Traummantel wird ausgewählt oder ist sogar schon eingetroffen. Mit welchem Futter wird mein Mantel warm genug, welche Knöpfe nehme ich dazu und brauche ich weitere Zutaten?

Ich will euch nicht auf die Folter spannen: Mein schreckliches Stoffmangelproblem von letzter Woche klärte sich am Dienstag, als ich auf dem Markt 4 Meter dicken, mitternachtsblau-schwarzen Wollstoff an mich raffen konnte. Puh, ich war vielleicht erleichtert! Jetzt kann ich wirklich wie geplant den langen Mantel 107 aus Burda 10/2011 nähen.



Der Stoff, den ihr hier gestern vielleicht schon gesehen habt, ist eine Art Loden, sehr dicht gefilzt, mit einem ganz schwach sichtbaren eingewebten Fischgratmuster. Er ist im Gesamteindruck dunkelblau – das sieht man aber erst, wenn man etwas Schwarzes daneben hält. Der Stoff hat einen leichten Schimmer und einen Strich, d. h. die Härchen auf der Oberfläche liegen alle in einer bestimmten Richtung – das merkt man, wenn man darüberstreicht. Beim Zuschneiden muss ich also unbedingt darauf achten, wie ich die Teile auflege.



Das sen-sa-tio-nelle Futter ist eigentlich kein Futter, sondern ein fließender, flutschiger Vollpoly-Kleiderstoff, den ich vor einem Jahr mal auf Verdacht mitnahm, um ihn irgendwann in ein Futter zu verwandeln. Natürlich ist das ein bisschen riskant – gut möglich, dass man mich später zur Stromerzeugung nutzen kann, wenn ich den Mantel trage! Aber egal, ich probiere es einfach aus. Das Vernähen dieses glitschigen Erdölprodukts wird auf jeden Fall kein Spaß.

Ins Mantel-Vorderteil kommt ganz dünne Bügeleinlage, der Stoff ist für sich schon so mächtig, dass ich nicht viel stabilisieren muss. Wenn ihr noch schwankt, welche Teile ihr bei eurem Stoff verstärken sollt, welches Futter ihr nehmt und ob ein Zwischenfutter angesagt ist – schaut doch mal in die Wissenssammlung hier, die wir gestern angefangen hatten (und die natürlich weiterhin ergänzt werden kann).

Vier Knöpfe für außen muss ich noch beschaffen, außerdem ein Stück schwarzen Futterstoff für die Ärmel, der Poly-Paisley reicht nämlich nicht für das gesamte Futter. Apropos Knöpfe - ein großer Vorteil des Schnittmusters ist mir erst jetzt aufgefallen: Es gibt nur zwei Knopflöcher! Damit ist die Entscheidung für Paspelknopflöcher gefallen. Die Taschen-Frage (aufgesetzt oder Klappentaschen – Lucia war für Klappentaschen) halte ich mir vorerst offen. Ich bin bereit fürs Zuschneiden!

Und wie sieht es bei euch aus? Auch bereit, die Schere anzusetzen, oder noch auf der Suche?

(Ach ja, und ehe's vergesse: Bei Miss Margerite beginnt am 8. 10. ein Cap-Craft-along, um sich zu Mantel gleich die passende Kopfbedeckung zu machen. Vielleicht ist das ja auch etwas für euch?)



Samstag, 29. September 2012

Wintermantel-Sew-along Teil 2a: Wissenssammlung Stoffe, Einlagen, Futter


Eigentlich war das etwas anders geplant: am Sonntag treffen wir uns ja hier zum dritten Teil des Wintermantel-Sew-alongs und beratschlagen über Stoffe, und dafür hatte ich eine kleine Wissensammlung über Oberstoffe, Einlagen, Zwischenfutter und Futter angefangen. Nachdem ich aber am letzten Sonntag so viele Grübeleien zur Stoffwahl bei euch gelesen hatte, einige Mails zu diesem Thema bekam und außerdem Meike anregte, dass man die nähtechnische Seite der Stoff- und Einlagenwahl besser etwas früher behandeln sollte, gibt es die Sammlung heute schon. Es ist sowieso so viel geworden, dass man den Text besser auf zwei Posts aufteilt. Und außerdem kann ich euch so noch etwas besser auf die Folter spannen, ob ich am Dienstag nun Stoff für meinen Mantel gefunden habe oder nicht, hehe.

Die Sammlung enthält also das, was ich über Mantelstoffe, Einlagen, Zwischenfutter und Futterstoffe weiß - und das ist beileibe nicht alles, und es ist möglicherweise auch nicht alles richtig, und überhaupt lernt man beim Nähen nie aus. Außerdem wisst ihr wahrscheinlich vieles schon - oder ihr wisst anderes als ich. Wenn ihr also Ergänzungen, Einwände, Anmerkungen habt: immer her damit! Oder wenn ihr bei euch im Blog schon einmal etwas über eure Erfahrungen mit bestimmten Materialien und Verarbeitungsweisen geschrieben habt oder in nächster Zeit schreibt: hinterlasst doch einen Link in den Kommentaren, ich würde eure Links und Informationen dann hier im Text ergänzen. Auf dass die Sammlung wachse und (annähernd) vollständig werde!

Wintermantelstoffe


Wenn wir von einem typischen Wintermantel reden – keinem Daunenmantel, keinem Parka – dann kommen ja in erster Linie verschiedene Wollstoffe als Obermaterial in Frage. Ich habe mal versucht, einige Stoffarten so zu fotografieren, dass man die Unterschiede erkennt (Internet mit anhängenden Griffproben wurde leider noch nicht erfunden).

Oberstoffe

Mantelvelours

Ein dicker, gewebter Stoff , dessen Oberfläche so angerauht, wird, dass sie flauschig weich ist und das Grundgewebe nicht mehr erkennbar ist. Eigentlich der ideale Mantelstoff – wenn er nur nicht so teuer und so schwer aufzutreiben wäre. (Bei Karstadt hatte ich schönen Mantelvelours gefunden – aber 50 Euro pro Meter...)

Loden

Loden

Denkt ihr auch sofort an „Oberförster“? Aber Loden muss nicht trachtengrün sein, es handelt sich einfach um einen gewebten Stoff aus Wolle, der nach dem Weben so behandelt wird, dass er verfilzt wird und die Fasern sich verdichten. Die Webstruktur ist aber noch sichtbar bzw. zu erahnen. Typischerweise hat die Oberfläche einen leichten Glanz, der Stoff ist sehr dicht und windundurchlässig, ja sogar regenabweisend. Ein prima Mantelmaterial, aber auch ziemlich schwer.

Walk

Walk

Üblicherweise ist Walk gestrickt und wird im Produktionsprozess gewalkt und dadurch angefilzt, so dass der Stoff dicker und dichter wird. Trotzdem ist Walk ziemlich winddurchlässig und meistens leicht elastisch. Daher werden häufig lockere, ungefütterte Jacken daraus genäht – es spricht aber nichts dagegen, Walk mit dünner Einlage und Futter wie jeden anderen Wollstoff auch zu verarbeiten. Meike hat das letzten Winter mit ihrem Himbeersorbetmantel gemacht und ich schiele deshalb in ihre Richtung, dass sie vielleicht nochmal was zur Verarbeitung sagt. und hier hat sie noch einmal etwas zur Walk-Verarbeitung geschrieben.


Man sollte sich vorher überlegen, ob verstürzte Teile, z. B. der Kragen oder die vordere Kante nicht zu dick und wulstig werden – bei dem abgebildeten Walk, der knapp einen Zentimeter dick ist, wäre das der Fall. Mehr als zwei Lagen davon bekäme ich nicht mehr gut unter die Maschine, deshalb müsste für Kragenunterseiten und Belege ein passender dünnerer Stoff her. 

Gekochte Wolle

ist sowas wie „Walk für Arme“, etwas günstiger, etwas (oder sehr viel) kratziger und elastischer. So ein strukturiertes Kleidungsstück wie ein Mantel braucht auf jeden Fall eine Bügeleinlage, damit er die Form behält.

Filz

Stoff&Stil bietet Wollfilz in vielen schönen Farben als Bekleidungsmaterial an – aber abgesehen davon, dass es sich wohl nicht wirklich um Filz handelt, wenn die Rückseite gestrickt ist, sondern um Walk, hatte ich bei der letzten Mantel-Sewalong-Runde irgendwo in den Kommentaren gefunden, dass dieser Stoff eher nicht empfehlenswert sei: sehr kratzig und ziemlich steif. Falls die Kommentarposterin (oder jemand anderes mit Erfahrungen aus erster Hand) hier dabei ist, sagt doch noch einmal was dazu.

Martje sagte: "Ein bisschen kratzig ist er, das würde ich auch sagen. Ich finde ihn allerdings nicht besonders steif. Eher recht dehnbar (also, nicht extrem dehnbar- aber für so einen Filz-Walk-Stoff...) und daher weich-formbar. Ich würde daraus keinen Mantel nähen. Zu wenig warm und ich würde befürchten, dass er sich "aushängt"."

Was es im Kaufhaus so an Filz gibt, ist meistens nicht für Bekleidung gedacht –zu steif und zu wenig strapazierfähig. Es gibt aber auch Bekleidungsfilz, davon bekam ich einmal einige Stoffproben einer französischen Firma geschenkt (die ich gerade zum Fotografieren in meinem Wust nicht wiederfinde, ehem) aber wunderschön sage ich euch. tolle Farben, ganz weich, waschbar. Aber wo man sowas kauft? Keine Ahnung!

Tweed - ich steh' ja auf Fischgrat

Tweed und Boucle

Beides wird aus dicken, oft bunten Garnen mehr oder weniger locker gewebt. Der Stoff ist daher nicht so stabil und wärmend, vor allem braucht er einen dünne Bügeleinlage, damit er sich nicht verzieht.

Im Bild habe ich Fischgrat-Tweed, meien Lieblingssorte – nur mit Futter ohne wärmende Zwischenlage gäbe das eher eine Übergangsmantel. Genauso bei Boucle, dem typischen Chaneljackenstoff: ganz locker gewebt, da geht der Wind total durch.

Wollköper="Wolldiagonal"?

Wollköper

Das ist wohl der ominöse „Wolldiagonal“, der in Burda-Anleitungen so oft verlangt wird.  Marion klärt auf: Diagonal ist eine Art der Köperbindung, die Rippen sind aber breiter.
Also ein Wollstoff in Köperbindung, einer Webart, bei der auf der Oberfläche des Stoffes kleine, schräg laufende Rippen entstehen. Auch eher dünn und fließend und eher Übergangsmantel als Wintermantel.

Einlagen


Also wenn ich hier von „Einlage“ rede, dann meine ich die herkömmlichen Einlagen zum Aufbügeln. In der hohen Kunst der handwerklichen Herren- und Damenschneiderei gibt es ja auch verschiedene Einlagen zum Einnähen, Rosshaareinlagen für Kragen und Revers, die mit außen unsichtbaren Handstichen an den Kragenteilen befestigt werden und wegen Gerties New Blog for Better Sewing sind diese Techniken in Amerika irgendwie populär geworden – aber ich verstehe viel zu wenig davon, um darüber zu schreiben. Lieber gut aufgebügelte Einlage, als mit Rosshaar herumzustümpern und auch noch andere dazu anzustiften, ist meine Devise.

Dünne Einlage mit Längsverstärkung

Man braucht also auf jeden Fall Einlage. Wo kommt die hin? Es erscheint immer etwas übertrieben, wenn die Nähanleitung verlangt, dass man z. B. das gesamte Mantelvorderteil mit Einlage bebügeln soll – aber wenn man überlegt, welche Stoffmasse bei einem Mantel im Spiel ist, die ja auch in Form bleiben muss, dann relativiert sich das. Da das gesamte Stoffgewicht ja sozusagen an den Schultern hängt, verstärkt man meistens auch noch den gesamten Schulterbereich des Rückenteils. Die Einlage wird genauso groß wie das Stoffteil zugeschnitten – also mit Nahtzugaben - oder, wie Julia anmerkte: "mit kleinerer Nahtzugabe [...] (0,5cm und den Oberstoff mit 1,5cm)", wahrscheinlich besonders wichtig bei dickerer Einlage.

Am Saum und an den Ärmelsäumen soll oft auch ein Streifen Einlage aufgebügelt werden. An den Ärmelsäumen ist das auf jeden Fall eine gute Sache, der untere Saum wird mir mit Einlage manchmal zu steif und steht unschön ab, da habe ich schon manchmal die Einlage wieder herausgezupft.

Und was nimmt man? Das kommt in erster Linie auf den Stoff an. Wenn man nicht vorhat, den Fall des Oberstoffs durch die Einlage zu verändern, ihn fester und steifer zu machen, nimmt man am besten etwas ganz Dünnes, das nur stabilisiert.

Ich kaufe meine Einlagen in einer Mischung aus Faulheit und Geiz immer auf dem Markt, allerdings kommt das Zeug wohl zum Teil aus der Industrie und setzt eigentlich eine Bügelpresse voraus - also Hitze und starken Druck beim Aufbügeln. Mit dem normalen Bügeleisen wird das manchmal, aber nicht immer, mühsam, man bügelt Stunden daran herum und verpasst dadurch das halbe Nähkränzchen. Markeneinlagen von Vlieseline haben demgegenüber den Vorteil, dass sie sich auch mit einem normalen Hausfrauenbügeleisen gut festbügeln lassen. Auf der Webseite von Vlieseline gibt es ganz rechts einen Einlagenberater, der verschiedene Einlagen vorschlägt, wenn ihr Oberstoff und Verwendungszweck auswählt - das kann schon mal ein Anhaltspunkt für den Einlagenkauf sein.
Schaut auch nochmal bei Lucia - sie zeigt verschiedene Einlagesorten.

Zwischenfutter


Dünne Stoffe kann man mit verschiedenen Zwischenlagen wärmer machen. Man muss nur bedenken, dass man die ganzen Lagen als Mantel ja buchstäblich tragen muss – einmal vom Gewicht her, aber auch die Materialdicke und die Beweglichkeit der Arme sollte man nicht vernachlässigen.

Werft euch den geplanten Mantelstoff mit Einlage, Zwischenfutter, Futter einmal über und überlegt, ob ihr das im Winter monatelang mit euch herumschleppen wollt, oder ob ihr mit einem dünneren Mantel und einem Extrapullover bei Bedarf nicht besser fahrt. Außerdem verändert sich der Fall des Oberstoffs durch ein Zwischenfutter – wenn es zu viel des Guten ist, kann es passieren, dass der Mantel ohne euch stehen kann.

Alter Mantel von innen (unten der Saum, rechts das weggeklappte Futter)

Das Zwischenfutter wird genau so zugeschnitten wie der Oberstoff (ohne Kragen, Manschetten, Innenbelege und andere Teile, die sowieso doppelt liegen). Oberstoff und Zwischenfutter werden dann wie eine Lage behandelt – im Bild seht ihr einen Blick in meinen alten Mantel, der ein Zwischenfutter aus Batist hat. Die Nähte gehen also durch Oberstoff und Zwischenfutter, das Zwischenfutter kann sich dadurch nicht selbstständig machen. Ein Schnitt mit vielen Teilungsnähten und daher kleinen Schnittteilen ist dafür besonders günstig. Oder – das ist bei Watteline zu empfehlen, die in sich nicht so stabil ist – ihr steppt das Zwischenfutter mit dem Futterstoff zusammen, z. B. in einem Gittermuster.

Watteline

Watteline ist ein lockeres, flauschiges Gestrick aus Wolle und anderen Fasern, dünn, anschmiegsam und günstig und es wärmt trotzdem gut. Andere Vliese – Volumenvlies, Thermolam, Quiltfüllungen und sowas – sind als Zwischenlage ziemlich dick und steif, das Ergebnis ähnelt dann womöglich einer Steppjacke.

Thinsulate

Thinsulate ist ein Hightech-Vlies, das besonders warmhalten soll und mit dem ich keine Erfahrungen habe. Hattet ihr das schon mal in der Hand?

Rebecca hatte und sagte dazu: "Ich habe es schon mehrfach verarbeitet und kann nur davon schwärmen. Hier ist es ganz gut erklärt http://www.funfabric.com/halli.php?00_14295. Es ist leicht (Gewicht) und einfach zu verarbeiten. Ich habe im letzten Winter die folgende Kombination für mich genäht: außen Walk, Mitte Thinsulate und innen dünner Popeline. Super warm! Für meine Kinder nähe ich auch Skijacken draus: Regenstoff - Klimamembran - Thinsulate - Fleece (300er). Und preiswert ist es auch noch.
Zu probieren wäre nochmal Isobalance, wenn auch viel teurer, aber warm ist eben warm :-)"


Klimamembran

Klimamembran wärmt nicht per se, aber es hält den Wind ab, ein Mantel aus Wollstoff wird damit wohl mehr oder weniger winddicht, aber ohne schwitziges Plastiktütengefühl, weil die Membran Feuchtigkeit nach draußen transportiert. Auch hiermit habe ich keine Erfahrungen, ihr vielleicht?

Wieder Rebecca: "... und dann noch was zur Klimamembran: Die kann man, wenn sie richtig funktionieren soll (Schweiß raus und Nässe nicht rein) nur auf Innenfutter mit Kunstfaser nähen, sonst bleibt die geschwitzte Feuchtigkeit innen."

Uta hatte noch eine anderen Vorschlag, sie verwendet das Zwischenfutter gleichzeitig zur Stabilisierung, statt Einlage: "Statt Bebügeln habe ich bei einem lockeren Oberstoff ein stabiles Zwischenfutter in Vorder- und Rückenteil eingefügt und war sehr zufrieden. Einen Blazer, der ziemlich auf Figur geschnitten war, habe ich um einen "back stay" (sorry, keine Ahnung, wie das auf Deutsch heißt) ergänzt, der den oberen Rücken stabilisiert, wenn man kein Zwischenfutter benutzt."

Futterstoffe


Futtertaft

Das normale, von den meisten nicht so sehr geliebte „Flutschfutter“. Wenn es hauptsächlich aus Viskose ist, so wie Neva Viscon oder aus Acetat, so wie Venezia, erzeugt es nicht so ein Plastikgefühl wie das meistens billigere Futter aus Polyester. Und so unsympathisch der Flutschstoff auch sein mag: damit kommt man in den Mantel einfach am leichtesten hinein, und er klebt nicht an der Kleidung.

Das Futter wird am Rücken einen Tick größer als der Oberstoff zugeschnitten, und zwar wird das Schnittteil vom Rückenteil beim Zuschneiden mit 2cm Abstand zum Stoffbruch auf den Futterstoff gelegt. Oben, wo das Futter auf den Beleg trifft, steppt man diese Zugabe einige Zentimeter zu, nach unten hin bleibt das einfach eine offene Falte, die "Bewegungsfalte". Die Idee ist, dass das flutschige Futter eine bewegliche Schicht zwischen Kleidung und Mantel-Oberstoff bildet, so dass sich die Schichten gegeneinander verschieben können. Ohne diese Verschiebbarkeit stellt sich in engen Mänteln leicht ein Zwangsjackengefühl ein.

Steppfutter

Solche gesteppten Futter aus Vlies und Futterstoff gibt es fertig von der Rolle, und nach meiner Beobachtung ist das immer superdick, und ich befürchte Michelinfrauchenalarm. Daher habe ich sowas noch nicht verarbeitet, vielleicht verfügt ihr über Erfahrungen? Ich nehme an, dass man einen weiten Mantelschnitt ohne großartige Taillierung und Teilungsnähte wählen sollte, und vermutlich etwas größer zuschneiden, aber wieviel?

Fleece, Flanell, Plüsch


Ein Wintermantel mit einem kuscheligen Innenfutter erscheint ja äußerst verlockend, aber ich habe bei einem figurbetontem Schnitt, dem Talmi-Mantel, mit Baumwollsatin als Futter, keine guten Erfahrungen gemacht. Der Mantel klebte total an mir, deshalb würde ich mich nicht mehr trauen, einen Mantel mit einem der genannten Materialien zu füttern. Wie sind eure Erfahrungen damit? Ich nehme an es funktioniert, wenn der Mantel nicht zu eng sitzt? Aber woher weiß man, was „zu eng“ ist?
Anja hatte einen weiten Parka mit Fleece gefüttert - es funktionierte und trägt sich sehr angenehm.
Marion nähte sich "einen Mantel aus Wollwalk mit einem dünnen Baumwollstoff als Futter [...] (Die Ärmel habe ich wegen der Bequemlichkeit beim Anziehen mit klassischem Futtertaft gefüttert.) Das reicht vielleicht nicht den ganz hohen Nähansprüchen, ließ sich aber gut verarbeiten, bekommt viel positive Resonanz, habe ich den ganzen Winter getragen und nie gefroren. Es war aber ja auch nicht sooo kalt und außerdem bevorzuge ich das "dünne-Mehrschichtensystem"."

Schulterpolster


"Iiiihh, Schulterpolster!" höre ich schon die Menge aufschreien (oder besser gesagt die zwei Leute, die bis hierher durchgehalten haben). Aber Schulterpolster ist nicht gleich Schulterpolster! Ich rede nicht von diesen merkwürdigen und viel zu großen Schaumstoffschalen, die im Kaufhaus im Kurzwarenregal hängen.

Nein, die richtigen Schulterpolster, wie sie in Schneidereien verwendet werden, sind höchstens einen Zentimeter dick und bestehen aus Vlies und Wattierung. Sie sollen nicht die Schultern auf Schwarzeneggermaß verbreitern, sondern den Schulterbereich stabilisieren und glätten - schließlich hängt das gesamte Gewicht des Mantels daran. Bei einem richtigen Wintermantel sind sie eigentlich unverzichtbar - und in der Regel sind die Schnitte an der Schulternaht auch so konzipiert, dass da Polster rein müssen, damit der Ärmel richtig sitzt. Also nicht einfach weglassen! Man kann sich solche Schulterpolster auch problemlos selber machen - eine Anleitung dafür ist in der Pipeline und wird hoffentlich nächste Woche fertig.

Lucia zeigt in ihrem Beitrag nicht nur ihren Stoff, sondern erklärt auch verschiedene Sorten Einlage und zeigt ein paar Schneiderschulterpolster.