Freitag, 31. Januar 2014

Wochenrückblick: Puppenhäuser, make do and mend und noch eine neue Schnittmusterfirma

 
Die Rubrik der Wochenrückblicke ist in letzter Zeit mal wieder ins Hintertreffen geraten hier. Es ist aber auch nicht viel passiert: erst war kein Winter, dann doch, und ganz Berlin tat überrascht. Für meine Büropflanze ist sowieso Frühling, egal was die anderen sagen. Ich strickte eine vor Urzeiten angefangene Strickjacke fast fertig und mir gelang es, das Futter für die Helgolandjacke doch noch aus eigentlich viel zu wenig Stoff zuzuschneiden. Die kleinen Triumphe eines Nähnerds.  

Die Links der Woche sind diesmal ein buntes Sammelsurium:

Puppenhäuser sind nicht nur für Kinder. Über Twitter gelangte ich zu Stef und ihrem ebenso beeindruckenden wie zauberhaften Haus. Diese Details, diese Akribie! Ich bin von den Bildern begeistert und schon ganz gespannt auf die Vorstellung der einzelnen Zimmer. Zufällig ging es bei SpOn in der letzten Woche auch um Puppenhäuser: Die reiche Erbin Frances Glessner Lee sorgte mit einer Stiftung für die erste rechtsmedizinische Fakultät der USA - und baute in den 1930er Jahren Puppenhäuser, in denen die Schauplätze von Verbrechen detailversessen abgebildet waren. Die Schaukästen wurden über Jahrzehnte in der Ausbildung von Kriminaltechnikern verwendet. Frances Glessner Lee erfüllte sich damit nach ihrer Scheidung einen Traum und verband ihr Interesse an Medizin und "ihren unbändigen kreativen Drang, mit dem sie früher nur auf das Unverständnis ihres Ex-Mannes gestoßen war". Das Wohnhaus der Glessners in Chicago ist heute ein Museum, und das Museumsblog lässt erahnen, wie unbändig Frances' kreativer Drang gewesen sein muss: Sie spielte selbst Geige, baute ein Miniatur-Symphonieorchester und richtete sich im Keller unter dem Esszimmer eine Silberschmiedewerkstatt ein.

"Make do and mend" war in den 1940er Jahren in Großbritannien die Devise: Kleidung reparieren, ändern, umarbeiten - wie es dieser alte Werbefilm zeigt. Ob das Babybett tatsächlich praktikabel ist, kann ich nicht beurteilen - den gequilteten Morgenmantel aus Stoffresten finde ich aber große Klasse!

Indie-Schnittmusterhersteller und kein Ende: Aus England kommt gatherkits.com, gegründet von zwei nähbegeisterten Freundinnen. Im Moment gibt es einen Schnitt für ein Kleid und einen Zierkragen, die Illustrationen auf der Seite sind hübsch retro, und ich frage mich gerade, wie viele kleine Schnittmusterfirmen die Welt eigentlich ernähren kann - hoffen wir das beste!

Dienstag, 28. Januar 2014

Thema der Stoffspielerei im Februar: Gewebe


Am 23. Februar ist wieder Stoffspielerei, hier an dieser Stelle. Das Thema gibts diesmal schon besonders früh, damit Zeit zum Überlegen und Werkeln bleibt - Petra, die am letzten Stoffspielerei-Sonntag danach fragte, hat ja ganz recht.

Ich schlage Gewebe als neues Thema vor. Gewebe, das sind zum Beispiel gekreuzte Fäden in Kette und Schuss, das ist Stoff mit unterschiedlichen Webstrukturen, aber auch Spinnweben könnte man als Gewebe bezeichnen. Man kann Gewebe selbst herstellen, oder auf oder mit vorhandenen Geweben etwas anstellen - was ihr macht, ob groß oder klein, praktisch oder experimentell ist euch überlassen. Ich verlinke euch hier im Laufe des Sonntags, und wenn ihr nicht sowieso jedes Mal mitmacht, wäre es gut, wenn ihr mir dann (oder schon vorher) ganz kurz einen Hinweis gebt, dass ihr dabei seid.

Sonntag, 26. Januar 2014

Stoffspielerei im Januar: Kinderleichte Bargello-Stickerei


Als Suschna für diese Folge der Stoffspielereien das Motto "Kinderleicht" ausgab, ließ ich gedanklich die allerersten Handarbeiten, die ich gemacht hatte, Revue passieren. Ich habe ja mit Taschentücher-Stickpackungen für Kinder sticken gelernt, die ich öfter von meinen Tanten aus Dresden oder Berlin geschenkt bekam. Die fertig gesäumten Taschentücher mit vorgedruckten Mustern und das Stickgarn waren immer sehr dekorativ in einem Karton mit durchsichtigem Plastikdeckel arrangiert. Später folgte eine Gobelinstickerei-Phase (auch dafür gibt es Stickpackungen), wobei ich noch später sogar dazu überging, eigene Muster zu sticken.

Kinderleicht ist das zum Beispiel mit der Bargello-Stickerei oder Florentiner Stickerei, sofern man dicke Wolle und Stramin benutzt. Bei der Bargellostickerei werden graphische Muster, meistens Zacken oder Wellen, aus mehreren, aufeinander abgestimmten Farbtönen auf einen auszählbaren Untergrund gestickt.          


Ursprünglich wurde Bargellostickerei mit Wolle auf Leinenuntergrund gestickt und für Möbelbezüge und Wandbehänge verwendet- dafür gibt es einige Beispiele aus dem frühen 17. Jahrhundert. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden die verwendeten Garne und Stoffe feiner, bestickte Brieftaschen mit Bargellostickerei kamen in Mode. Im Burda Stick-Lehrbuch von 1982 wird die Technik unter dem Namen Florentiner Stickerei beschrieben, nun verwendete man Perlgarn und auszählbare Handarbeitsstoffe. Im deutschsprachigen Netz gibt es aktuell nur wenig Informationen zu dieser Technik, aber wie so oft ist der Eintrag in der englischsprachigen Wikipedia recht ausführlich und bei apartment therapy gab es auch einmal einen Überblicksartikel. Bilder und Anleitungen findet man jedenfalls besser mit englischen Suchbegriffen - bargello stitch, flame stitch oder German brick stitch - zum Beispiel hier.  


Das Nadelkissen und die Nadelmappe stammen noch aus meiner ersten Bargello-Phase.


Jetzt kramte ich die seit Jahren nicht mehr angefassten Garnvorräte heraus, einen Rest Stramin hatte ich auch noch da. Die Stickwolle verwendete ich doppelt, sonst wird der Untergrund durch die senkrecht verlaufenden Stiche nicht komplett verdeckt. Für größere Flächen habe ich früher aber auch ganz normales Strickgarn verwendet, der Kauf von Stickwolle führt nämlich schnurstracks zur Verarmung, das Zeug ist ähnlich teuer wie Druckertinte oder Wimperntusche. Was das Verhältnis von Garnstärke und Untergund betrifft, muss man einfach ausprobieren, was zusammenpasst: hier ist  es Stramin 18/10, das heißt mit 18 "Löchern" auf 10 cm, Wolle mit 90 m Lauflänge auf 50g passt gut dazu. Wahrscheinlich könnte man auch mit Baumwollgarn sticken, mit bunten Resten vom Häkeln, zumindest stelle ich mir vor, dass das eine schöne matte Fläche gäbe.


Ich dachte an robuste Broschen für den Wintermantel und zeichnete mir ein paar Umrisse vor - die rechteckige Stickerei oben rechts ist so groß wie eine Streichholzschachtel. Interessanterweise fand ich das, was ich als "ganz einfach" in Erinnerung hatte, jetzt nach Jahren gar nicht mehr so simpel. Man muss sich vorher schon ein paar Gedanken machen, wie die Zacken verlaufen sollen und welche Farben man nebeneinander setzt.


Den unbestickten Straminrand schlug ich nach hinten um, heftete ihn fest und bügelte dann einmal mit ein bißchen Dampf drüber. Die Stärke im Stramin wird dadurch erst etwas angelöst, trocknet dann wieder und der Stramin hält bombenfest die Form. Eine Filzrückseite und eine kleine Sicherheitsnadel nähte ich von Hand auf.


Was mir erst später auffiel: die unregelmäßigen bunten Zacken der Stickerei passen perfekt zum wildgemusterten Futter meines Mantels! Ob ich vielleicht doch mal wieder etwas Größeres sticke? Es macht schon Spaß, mit bunter Wolle auf Stramin zu malen. Andererseits liegen hier noch zwei größere Stickereien von früher, aus der Gobelin-Phase herum, und ich habe keine Verwendung dafür. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Wollstickerei bei mir nur eine Phase war und wohl auch eine Phase bleibt.

Alle kinderleichten Handarbeiten sammelt heute Suschna.

Donnerstag, 23. Januar 2014

Eine neue Tasche für den Liebsten


Ich hatte mir ja fest vorgenommen, zu Weihnachten keine Tasche zu nähen. Wie ich bestimmt schon zwei- oder dreimal erwähnt habe, macht mir das Nähen von Taschen nicht besonders viel Spaß, deshalb wollte ich für die mittlerweile total verschlissene Herrenhandtasche von 2009 einen Ersatz auf dem Weihnachtsmarkt in der Kreuzberger Markthalle besorgen. Aber als Selbermacherin kommt man eben doch immer wieder aufs Selbermachen zurück.

Auf dem Markt hatte ich zwar eine ganze Menge Taschen in der Hand, aber wirklich keine, die ich gerne gekauft hätte. An dem einen Stand fand ich das Planenmaterial hässlich, die Taschen aus Fahrradschläuchen fand ich - ganz abgesehen vom Geruch - auch nicht sonderlich attraktiv, und an einem dritten Stand gefielen mir zwar Material und Verarbeitung, aber dafür gab es nur ungünstige Formate. Entweder deutlich kleiner als DinA4 oder deutlich größer, so dass man einen großen Aktenordner oder einen großen Laptop transportieren könnte. Für mich liegt die ideale Taschengröße irgendwo dazwischen: so, dass eine Zeitschrift, eine dünne Mappe oder ein kleines Netbook gut hineinpassen.   


Zuhause fing ich dann also doch wieder an, aus Zeitungspapier Schnittteile auszuschneiden und mit Tesa zusammenzukleben, hier abzuschneiden und da zuzugeben. Wenn ich keinen fertigen Taschenschnitt benutze, baue ich den Taschenkorpus immer erst aus Papier zusammen, sonst kann ich mir nicht vorstellen, wie groß das ganze wird. Noch am Sonntagabend begann ich mit Zuschneiden und Nähen - lieber die Energie nutzen, solange sie da ist, und der Geheimprojektbegünstigte weilte im Voralpenland.


Bei so einem spontanen Nähvorhaben erweist sich mal wieder der Vorteil eines guten Lagers: Die blaue Plane ist ein Rest der Paco-Tasche - von der Optik und der Strapazierfähigkeit her ein ganz tolles Material, nur nicht ganz einfach zu vernähen, es lässt sich zum Beispiel nicht bügeln. Säume und verstürzte Kanten bekommt man daher nur flach, wenn man sie absteppt, was mit einer Haushaltsnähmaschine aber nur unter Schwierigkeiten möglich ist. Die untere Kante der Taschenklappe bekam darum einen Beleg aus einem Stück dünnem Nylongurtband (ebenfalls Fundus), auf dem zweiten Bild kann man das mehr erahnen als sehen. Weil das Gurtband so steif ist, liegt die Kante flach, das hätte mit eingeschlagener und festgesteppter Plane alleine nie geklappt.   

Die Vorderseite der Tasche besteht aus einem Rest grauen Wollstoff, den ich mit einer Lage Gewebeinlage zum Aufbügeln und Vlieseline H630, einem dünnen, aufbügelbaren Volumenvlies verstärkt habe. Das Futter ist ein Rest vom Trenchcoat, es hätte gerne etwas farbiger sein können, aber in diesem Fall geht Strapazierfähigkeit vor Farbe. Reißverschlüsse, Karabiner und Schnallen für den Träger hatte ich ebenfalls zuhause, nur das Gurtband musste ich besorgen. Ich nahm das Baumwollgurtband aus dem Nähkontor, von dem ich übrigens ganz begeistert bin: sieht viel besser aus als Nylongurtband und meine Nähmaschine mag es auch lieber. Außerdem gibt es das Band nicht nur in verschiedenen Farben, sondern auch in unterschiedlichen Breiten, so dass die Schnalle vorne mit einem Band in der gleichen Farbe wie der Träger befestigt werden kann.    


Die Schnalle stammt aus einem Onlineshop, den es schon lange nicht mehr gibt und ist eine Verwandte des Magnetdrehknopfes, der an der ersten Tasche befestigt war. Auch die Schnalle namens Fidlock Slider schließt magnetisch und kann außerdem als Nadelkissen zweckentfremdet werden. Beim Schließen werden die beiden Seiten der Schnalle durch die Magnete von selbst in die richtige Position gezogen und rasten fest ein, so dass die Schnalle unter Zug nicht mehr aufgeht. Wenn man weiß wie, kann man sie dennoch leicht öffnen: die untere Hälfte nach links und oben schieben, dann trennen sich die beiden Teile wieder. Tolle deutsche Ingenieurskunst aus Hannover! Der Beschenkte schätzt sowas sehr. Nun bin ich mal gespannt, wie lange die neue Tasche ansehnlich bleibt. Das Vorgängermodell war nach vier Jahren vollkommen zerschlissen.

Und nicht zuletzt möchte ich auf Monikas Sammelaktion Winter HerrMann hinweisen - Monika sammelt jetzt vier Mal im Jahr Genähtes und Gestricktes für den Mann. Mit Thread Theory und Walden, der Männer-Schnittmusterlinie von Colette Patterns, gibt es ja nun endlich auch eine größere Auswahl interessanter Schnittmuster für Männersachen. Und wer weiß, vielleicht bald auch einige nähende und bloggende Männer? 

Sonntag, 19. Januar 2014

From a far away place: Entwurf (Nix für Lemminge 1/2)

Also die Nix-für-Lemminge-Challenge entwickelt sich zum Interesssantesten, was die nähnerdige Blogosphäre gerade zu bieten hat. Bei der Inspirationssammlung vor zwei Wochen zeichnete sich ja schon ab, dass sich eine ganze Reihe Teilnehmerinnen in Richtung Korea aufmacht. Das wird spannend, wie verschiedene Leute den gleichen Ausgangspunkt interpretieren und in ein heute tragbares Kleidungsstück übersetzen!

Ich habe seit dem letzten Mal noch ein bißchen weiter in Sachen Hanbok, dem traditionellen koreanischen Ensemble aus kurzem Jäckchen und langem, weiten Rock mit hoher Taille geforscht. Glücklicherweise gibt es überall auf der Welt Enthusiasten, die historische Trachten nachschneidern und dies im Netz dokumentieren. Über eine interessante Serie von Posts über das Nachschneidern eines Hanboks, allerdings auf Grundlage eines kommerziellen Schnittmusters, gelangte ich zu einem Artikel über den Formwandel des Hanboks seit dem 16. Jahrhundert.    

Korea 1904. Cornell University Library via flickr, public domain
Im Verlauf von 500 Jahren schrumpfte  die Jacke immer mehr, wurde kürzer und enger, bis um 1900 die heute so charakteristische Silhouette erreicht war, mit einer sehr kurzen, gerade die Achseln bedeckenden Jacke und und einem Rock bzw. Kleid, das schon auf oder unmittelbar unter der Brust gekräuselt ist. Auf alten Fotos sieht man, dass die Röcke im Alltag nicht bodenlang getragen wurden, sondern über einer pludrigen langen Hose. Die Kragenform der Jacke, die relativ weiten Ärmel und das Schließen der Jacke links über rechts wurden hingegen beibehalten.

Ein Test: Jacke nach einem rekonstruierten Schnitt aus dem 16. Jahrhundert

Im Zuge meiner Suche fand ich auch zu einer Seite mit einem rekonstruierten Schnittschema einer koreanischen Jacke aus dem 16. Jahrhundert, und um mich einzugrooven und ein Gefühl für die Sache zu bekommen, nähte ich ein Probeteil dieser Jacke. Die Konstruktion ist sehr interessant: die Jacke besteht im wesentlichen aus Rechtecken, deren Maß anhand der Körpermaße des Trägers bestimmt wird. Das Maß von Handgelenk zu Handgelenk bei ausgestreckten Armen, durch sechs geteilt, bestimmt die Breite der einzelnen Elemente. Die Teile sind äußerst einfach zusammenzunähen, denn es gibt nur gerade Nähte - und dabei entsteht ein wirklich ansprechendes Kleidungsstück. Aus dem richtigen Material, zum Beispiel aus Wollwalk, ergäbe das eine absolut alltagstaugliche Jacke, unter der man auch noch einen dicken Pullover tragen könnte. Das hat mich schon überrascht, ich hatte etwas erwartet, das sich viel mehr wie eine Verkleidung anfühlt.


Mit dem getesteten Schnittschema werde ich nun weitermachen. Mir schwebt eine engere, kürzere Jacke vor, die sich wie eine Strickjacke tragen lässt - ich werde die Jacke quasi so schrumpfen, wie es in der historischen Entwicklung auch passiert ist. Die Jacke sollte knapp über der natürlichen Taille enden. Der Kragen, die gerade Naht zwischen Schulter und Ärmel, die eingesetzten Seitengodets und die abgeschägten Vorderteile mit dem asymmetrischen Verschluss sind die wesentlichen Elemente, die ich erhalten will. Wie man bei den gesammelten Hanbok-Beispielen auch sieht, gibt es aktuell durchaus eine größere Variationsbreite, was die Position der Taille betrifft - ich werde mich an den Beispielen orientieren, bei denen die Taille im Verhältnis zur natürlichen Taille nur leicht erhöht ist. 


Hier die endgültige Stoffauswahl. Die Jacke wird aus dem moosgrünen Wollstoff genäht, in Kombination mit dem passenden grün-blauen Karostoff. Die Aufteilung stelle ich mir ungefähr so wie bei dieser Jacke vor - die Seitenteile und Zwickel aus Karostoff.

Den weißen Stoff mit den Blumen habe ich als Futter für die Jacke vorgesehen, er soll mit einem leichten Vlies unterlegt und versteppt werden. Vlies muss ich noch besorgen, oder genauer gesagt: mir überhaupt überlegen, was ich dafür nehme. Ich möchte ein ganz dünnes Steppfutter, das der Jacke mehr Substanz gibt, aber ohne sie zu versteifen. 

Dazu kommt ein weiter, in der Taille sitzender Rock aus dem grauen Jacquard, Schnitt noch unklar, eventuell ein Tellerrock. Außerdem ein langärmeliges T-Shirt aus weiß-schwarz-geringeltem Baumwolljersey und möglicherweise auch noch eines aus magentarotem Viskosejersey.

Meine Route bis zum nächsten Treffen am 2. 2. ist also soweit klar: das Probeteil zu dem geplanten Jackenschnitt weiterentwickeln und über den Rockschnitt nachsinnen. Heute aber bin ich erstmal sehr gespannt, was die anderen Mitnäherinnen sich überlegt haben. Der Stand der Dinge wie immer bei Mamamachtsachen. 

Donnerstag, 16. Januar 2014

Die zweite Woche: falscher Frühling und Fashion Week, Chinamode und japanische Stoffbälle

Die Vögel zwitschern hier in Berlin so ausdauernd, dass der Frühling schon um die Ecke zu schauen scheint. Aber wer weiß.

Nach drei Abendveranstaltungen in Folge und dementsprechend wenig Zeit zuhause, kann ich nur ein paar Strickfortschritte vorweisen, und für die Helgolandmorgenjacke muss ich erst Futter besorgen und überlegen, wie es weitergeht. Das Paste-up von Alias namens "Suitcase Bomb" ist ein Fundstück aus der Boxhagener Straße.

Ansonsten ist in Berlin Fashion Week, was ich auf meinen täglichen Routinewegen praktisch gar nicht merke. Die Büronachbarin hingegen, die in der Nähe des Flughafens Tempelhof wohnt, wo gerade die Bread&Butter läuft, klagt über hipsterverstopfte Bushaltestellen auf dem Weg zur Arbeit. Wie jedes Jahr gibt es bei den Showroom Days eine ganze Reihe allgemein zugänglicher Veranstaltungen und Ausstellungen - vielleicht gehe ich am Samstag selbst noch gucken.

Eine ebenfalls interessant klingende Ausstellung über chinesische Mode, ihren Wandel im Laufe der Zeit und den Einfluss westlicher Kleidung, läuft bis zum 7. 2. im Konfuzius-Institut der FU in Dahlem. Die Öffnungszeiten (Montag bis Donnerstag jeweils von 14.00 bis 18.00 Uhr) sind zwar eine Herausforderung, aber ich werde mir die Ausstellung nicht entgehen lassen - hätte ich rechtzeitig davon gewusst, hätte ich mich für China als Thema der ersten Nicht-für-Lemminge-Challenge entschieden.

NanaAkua via flickr: Apr2009_my 88yrs old grandma's works : TEMARI, unter CC-Lizenz

Selbermach-Links der Woche:


Täusche ich mich, oder taucht die Vorschau für das nächste Burda-Heft immer früher und früher auf? Es ist gerade einmal Mitte Januar, und schon gibt es erste Bilder aus der Märzburda. Und ein Burda-Plus-Heft für Frühling und Sommer wird es auch geben - in Russland erscheint es am 26. Februar, den Erscheinungstermin in Deutschland habe ich nicht herausfinden können.

Temari heißen in Japan Bälle aus Stoff, die kunstvoll mit Garn umwickelt und bestickt werden. Man verschenkt sie traditionell zum neuen Jahr. Über boredpanda.com stieß ich auf dieses phantastische Temari-Bilderset auf flickr, aus dem auch das Foto oben stammt: Die jetzt 92-jährige Großmutter der flickr-Nutzerin NanaAkua stellt seit dreißig Jahren Temari-Bälle her. Die mehr als 400 Fotos dokumentieren sie Stück für Stück und zeigen einen unglaublichen Farben- und Formenreichtum. Es gibt Bälle mit geometrischen Mustern, mit Sternen, mit Blumen, mit Kranichen, mit Gesichtern, mit Weihnachtsmännern oder mit Kirschblüten. Unglaublich, was nur mit Nadel und Faden erschaffen werden kann.