Das Jahr 2019 lässt sich etwas holprig an - nach der ersten Januarwoche und der auch dieses Mal wieder wunderbaren Annäherungs-Nähwochenende in Bielefeld knockte mich eine Erkältung aus und zwei Wochen später eine weitere Erkältung, und jetzt ist schon April und ich habe das Gefühl, dieses Jahr noch nichts Wesentliches auf die Reihe gekriegt zu haben. Objektiv betrachtet stimmt das nicht ganz (ein neues Buch ist bald fertig), in Bielefeld wurde ein Wintermantel zu zwei Drittel fertig, und auch den Stoffstapel vom Januar habe ich abgearbeitet.
Aus dem dunkelgrünen Cord wurde die Jacke 104 aus Burdastyle 11/2018, aber mit den aufgesetzten Taschen von Modell 105. Ich nahm sie zugeschnitten und halbfertig nach Bielefeld mit, weil ich hoffte, auf dem Stofftauschtisch einen irren Stoff - Fell, Gestepptes oder etwas mit Struktur - für die Taschen zu finden. Und der Tauschtisch enttäuschte mich nicht: Es gab Ozelotplüsch von Frau Crafteln! Die war allerdings gar nicht begeistert, als ich das Plastikfell an mich nahm und meinen Taschen-Plan verkündete, sie versuchte nachdrücklich, mir die Taschen aus diesem Material auszureden, sekundiert von weiteren Fraktionen meines Nähtisches. (Marja Katz, die hier über die Annäherung bloggte, warf an dieser Stelle die Frage auf, ob ich vielleicht am falschen Tisch säße?)
Ich habe die skandalösen Felltaschen dann lieber zuhause genäht - wären sie wirklich scheußlich geworden, hätte ich sie hier gar nicht gezeigt und so das Gesicht wahren können. Und jetzt finde ich, dass die Taschen genau richtig sind und genau so sein müssen (auch wenn ich jede verstehen kann, die das nicht findet).
Das Kunstfell löst bei mir nämlich eine gewisse Nostalgie aus: Zu Abiturzeiten hatte ich einen sehr schönen und sehr unpraktischen, weil verschlusslosen Wintermantel in Hängerform aus schwarzem Wollflausch mit einem langgezogenen, bis zum Saum des Mantels reichenden Schalkragen aus ähnlichen Fell wie diesem. Der Mantel war wirklich außerordentlich unpraktisch, weil man ihn vorne permanent geschlossen halten musste - glücklicherweise trug man zu der Zeit auch Rucksäcke, und so waren die Hände dafür frei. Ich habe diesen Mantel sehr geliebt und, wie man sieht, nie vergessen, daher macht es mich so glücklich, wieder ein Stück mit künstlichem Ozelotfell zu besitzen.
Als es vor ein paar Tagen etwas wärmer war, habe ich die Jacke schon getragen und ich bin gespannt, ob sie es wirklich auf Dauer in meine Garderobe schafft. Auf eine gewisse Weise ist die Jacke so detailüberladen mit Fell und roter Einfassung und Bling-Bling-Druckknöpfen (aber nur diese passten zu den Zähnchen des Reißverschlusses), dass sie schon wieder sehr kombinationsfreudig ist - irgendein Detail passt immer. Das Nähen hat auf jeden Fall großen Spaß gemacht, es lohnt sich, ab und zu von den üblichen Pfaden abzuweichen.
Eines noch: Der Jackenschnitt hat überschnittene Schultern, allerdings mit einem normal geformetn Armloch, das geht aus der Schnittzeichnung nicht hervor. Wenn man ihn so lässt ist die Jacke um die Schultern herum sehr voluminös und der Ärmel beginnt erst auf der Höhe des Oberarms. Ich habe die Schultern um etwa 2 cm verschmälert, damit sind sie immer noch ziemlich breit, aber auch sehr bequem. Die Schulterbreite also unbedingt überprüfen, ehe der Ärmel eingenäht wird!
Die Fakten zur Jacke
Schnitt: Burdastyle 104 aus Heft 11/2018, Taschen von Modell 105
Material: Breitcord dunkelgrün (1,20 m reichte aus), schwarzes Viskosefutter
Reißverschluss, Druckknöpfe, Baumwollschrägband, Rippjersey, Kunstfell
Änderungen: Bei Größe 40 Schulter um ca. 2 cm verschmälert
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Donnerstag, 11. April 2019
Montag, 7. Januar 2019
Mein neues Hobby: Stoffe stapeln
Jahresanfang, Zeit für Bestandsaufnahmen und Pläne. Ich habe 2018 wirklich wenig genäht. Nach einem Oberteil und einem Kleid bei der Annäherung 2018 (das Kleid habe ich hier immer noch nicht richtig gezeigt, es hat sich aber als ideales Buchmesse-Kleid erwiesen), kam erstmal nicht mehr viel - außer Vorhänge für die neue Wohnung, das endlich fertiggestellte Anna-Kleid aus Batikstoff, ein Spätsommerkleid, ein paar nicht verbloggte schnelle T-Shirts und Pyjamas, schließlich wurde die Flaum-Strickjacke fertig und erst vor kurzem ein Pullover und ein Jeansrock. Die Renovierung der Wohnung zog sich ziemlich hin und der sehr heiße Sommer und bot auch kein ideales Nähwetter.
Der Zwang, für den Umzug wirklich alle Stoffkisten zu öffnen und durchzusortieren (und dabei ein paar fast vergessene Stofflagerplätze zu entdecken, ähem), führte wenigstens dazu, dass ich nur sehr wenig Stoff gekauft habe - insgesamt kamen 2018 ca. 17 Meter dazu, mehr war es wirklich nicht.
Und statt zu nähen machte ich vor allem Pläne, zog Stoffe mit einem konkreten Plan im Kopf aus dem Lager, suchte den Schnitt dazu, stapelte Stoff und Schnitt auf, noch einen Stoff und noch einen Schnitt darüber, und noch einen und noch einen - um das meiste davon, wenn die passende Jahreszeit für das Vorhaben vorbei war, unangeschnitten wieder wegzuräumen.
Das Paradoxe daran ist, ich habe zum ersten Mal seit 2007 wieder ein eigenes Arbeits- und Nähzimmer. Zwar nur mit einem großen Tisch, so dass Laptop und Nähmaschine jeweils wieder weggeräumt werden müssen - aber es ist trotzdem ein großer Fortschritt. Gleichzeitig arbeite ich wieder von zuhause aus, ohne Schreibtisch in einem externen Büro, und da ich im Prinzip sehr gerne arbeite, fällt es mir oft schwer, "Arbeit" und "Freizeit" vernüftig zu trennen und vor allem abends einen Abschluss zu finden. Wer zuhause arbeitet, wird das kennen: Man sucht tagsüber mal eben zwischendurch eine Maschine Wäsche zusammen und hängt sie anschließend auf, aber noch viel häufiger schreibt man abends eben noch schnell eine Mail, während man das Nudelwasser beaufsichtigt. Bis jetzt leide ich nicht besonders unter dieser etwas ausufernden Arbeit, aber da ich weiß, dass das auf lange Sicht wirklich zum Problem werden kann, und weil das außerdem dazu führt, dass ich zu Dingen wie Nähen, die mir auch Spaß machen, nicht mehr komme, habe ich für 2019 nur den einen Vorsatz, Arbeit und Freizeit wieder richtig zu trennen und mir vor allem richtige, echte Freizeit und das heißt vor allem Nähzeit einzuplanen. Denn Stoffe stapeln und wieder umsortieren ist ja nicht mein Hobby. Außerdem ist mein Kleiderschrank durch das Aussortieren vor dem Umzug nur noch locker gefüllt, und ich könnte wirklich einige Dinge brauchen.
Daher zeige ich hier einfach mal meinen aktuellen Stoffstapel und die dazugehörigen Pläne. Der aktuelle Stapel besteht aus dunkelgrünem, sehr dickem Cord aus Italien (ein Coupon von 1,20 m), der zu einer Jacke 104 aus Burdastyle 11/2018 werden soll, eingefasst mit dunkelrotem Schrägband. Meine Schnittwahl erstaunt mich mittlerweile etwas, aber da das Projekt schon angefangen ist, nähe ich die Jacke jetzt auch, es wird sich ja herausstellen, ob ich sie dann häufig anziehe.
Der zweite grüne Stoff ist Baumwolltwill vom Markt, daraus soll der Hosenrock "Milly" aus La Maison Victor 1/2016 werden.
Der Streifenstoff ist eine locker gewebte, etwas kreppige Viskose, ebenfalls ein Coupon aus Italien, das soll ein Oberteil werden, der Schnitt steht noch nicht fest. Bei der Suche nach Wintermantel-Schnitten begegnete mir bei Burda ein Schnitt für ein Webstoffsirt mit Jerseybündchen, vielleicht wird es das. Oder ich probiere endlich einen Schnitt aus La Mia Boutique aus, der italienischen Nähzeitschrift, die es eine kurze Zeit auch in sehr schlechter deutscher Übersetzung gab. Ich halte euch auf dem laufenden.
Der Zwang, für den Umzug wirklich alle Stoffkisten zu öffnen und durchzusortieren (und dabei ein paar fast vergessene Stofflagerplätze zu entdecken, ähem), führte wenigstens dazu, dass ich nur sehr wenig Stoff gekauft habe - insgesamt kamen 2018 ca. 17 Meter dazu, mehr war es wirklich nicht.
Und statt zu nähen machte ich vor allem Pläne, zog Stoffe mit einem konkreten Plan im Kopf aus dem Lager, suchte den Schnitt dazu, stapelte Stoff und Schnitt auf, noch einen Stoff und noch einen Schnitt darüber, und noch einen und noch einen - um das meiste davon, wenn die passende Jahreszeit für das Vorhaben vorbei war, unangeschnitten wieder wegzuräumen.
Das Paradoxe daran ist, ich habe zum ersten Mal seit 2007 wieder ein eigenes Arbeits- und Nähzimmer. Zwar nur mit einem großen Tisch, so dass Laptop und Nähmaschine jeweils wieder weggeräumt werden müssen - aber es ist trotzdem ein großer Fortschritt. Gleichzeitig arbeite ich wieder von zuhause aus, ohne Schreibtisch in einem externen Büro, und da ich im Prinzip sehr gerne arbeite, fällt es mir oft schwer, "Arbeit" und "Freizeit" vernüftig zu trennen und vor allem abends einen Abschluss zu finden. Wer zuhause arbeitet, wird das kennen: Man sucht tagsüber mal eben zwischendurch eine Maschine Wäsche zusammen und hängt sie anschließend auf, aber noch viel häufiger schreibt man abends eben noch schnell eine Mail, während man das Nudelwasser beaufsichtigt. Bis jetzt leide ich nicht besonders unter dieser etwas ausufernden Arbeit, aber da ich weiß, dass das auf lange Sicht wirklich zum Problem werden kann, und weil das außerdem dazu führt, dass ich zu Dingen wie Nähen, die mir auch Spaß machen, nicht mehr komme, habe ich für 2019 nur den einen Vorsatz, Arbeit und Freizeit wieder richtig zu trennen und mir vor allem richtige, echte Freizeit und das heißt vor allem Nähzeit einzuplanen. Denn Stoffe stapeln und wieder umsortieren ist ja nicht mein Hobby. Außerdem ist mein Kleiderschrank durch das Aussortieren vor dem Umzug nur noch locker gefüllt, und ich könnte wirklich einige Dinge brauchen.
Daher zeige ich hier einfach mal meinen aktuellen Stoffstapel und die dazugehörigen Pläne. Der aktuelle Stapel besteht aus dunkelgrünem, sehr dickem Cord aus Italien (ein Coupon von 1,20 m), der zu einer Jacke 104 aus Burdastyle 11/2018 werden soll, eingefasst mit dunkelrotem Schrägband. Meine Schnittwahl erstaunt mich mittlerweile etwas, aber da das Projekt schon angefangen ist, nähe ich die Jacke jetzt auch, es wird sich ja herausstellen, ob ich sie dann häufig anziehe.
Der zweite grüne Stoff ist Baumwolltwill vom Markt, daraus soll der Hosenrock "Milly" aus La Maison Victor 1/2016 werden.
Der Streifenstoff ist eine locker gewebte, etwas kreppige Viskose, ebenfalls ein Coupon aus Italien, das soll ein Oberteil werden, der Schnitt steht noch nicht fest. Bei der Suche nach Wintermantel-Schnitten begegnete mir bei Burda ein Schnitt für ein Webstoffsirt mit Jerseybündchen, vielleicht wird es das. Oder ich probiere endlich einen Schnitt aus La Mia Boutique aus, der italienischen Nähzeitschrift, die es eine kurze Zeit auch in sehr schlechter deutscher Übersetzung gab. Ich halte euch auf dem laufenden.
Sonntag, 8. Juli 2018
Plötzlich Strickjackenwetter ("Flaum" von Justyna Lorkowska)
Die Fußballweltmeisterschaft in Kombination mit sehr, sehr wechselhaften Temperaturen - von 18 auf 28 Grad und zurück in wenigen Tagen - haben mich dazu gebracht, ein schon länger lagerndes Strickjackenprojekt endlich fertigzustellen. Die Strickjacke "Flaum" nach der Anleitung von Justyna Lorkowska war seit letztem Herbst praktisch fertig. Es fehlten nur noch die Ärmelabschlüsse, das Vernähen der Fäden und das Annähen der Taschenbeutel. Wie meistens in solchen Fällen waren die restlichen Arbeiten wirklich schnell erledigt, ein WM-Spiel (ohne Verlängerung) reichte aus, und ich fragte mich nachher, warum ich diese Kleinigkeiten so lange aufgeschoben hatte.
Die Jacke ist ziemlich raffiniert konstruiert: Man strickt zuerst den Schalkragen von der hinteren Mitte aus in beide Richtungen eins rechts-eins links. An der Unterkante des Kragens werden dann Maschen aufgenommen, aus denen die Passe im Rücken ebenfalls im Rippenmuster gestrickt wird. Durch den Wechsel auf Patentmuster wird das Teil immer weiter und ähnelt schließlich von der Konstruktion her einem Raglan von oben, fällt aber glockiger. Die Vorderteile haben eingestrickte Taschen, sind etwas kürzer als das Rückenteil und fallen leicht zur vorderen Mitte.
Insgesamt ein komplexes dreidimensionales Strickwerk, bei dem ich mal wieder staune, wie man sowas entwerfen kann. Ich denke auch beim Stricken in Schnittteilen, wie beim Nähen, und so werden auch die Strickteile, die ich mir selbst ausdenken kann. Für nahtlose Stücke, die die dreidimensionalen Möglichkeiten des Strickens voll ausnutzen, brauche ich eine gute Anleitung wie diese.
Verstrickt habe ich Drops Alpaca zusammen mit einem sehr feinen, dunkelroten Mohairgarn aus einem Fabrikverkauf in Bielefeld. Die beiden Garne passen farblich perfekt zusammen, ergeben gemeinsam ein tiefes, leicht meliertes Bordeauxrot und das Gestrick ist ganz wunderbar leicht und flauschig geworden.
Die Dreiviertel-Ärmellänge entspricht der Anleitung, mal sehen, wie ich das beim längeren Tragen finde. Oft nerven mich solche kürzeren Ärmel etwas - und sie sehen manchmal merkwürdig aus, wenn man ein Kleidungsstück mit normallangen Ärmeln darunter trägt - aber sie passen zu den Proportionen der Jacke. Richtig getestet wird das erst im Herbst, denn nun sind wir gerade schon wieder bei 28 Grad. Dem Fußball sei Dank ist aber auch ein Sommerkleid endlich fertiggeworden - das kommt dann demnächst.
Anleitung: Flaum von Justyna Lorkowska
Material: ca. 300g Drops Alpaca Farbe 5565 (weinrot) zusammen verstrickt mit sehr feinem dunkelrotem Mohairgarn aus einem Fabrikverkauf
Nadeln 4,5 und 5
Gestrickte Größe: L, Maschenprobe etwas kleiner als angegeben
Donnerstag, 19. Oktober 2017
Die irische-Fischer-Strickjacke: Seanair von Judith Brodnicki
Als ich in den Achtzigern stricken lernte, sprach man bei Strickpullovern mit kombinierten Zopf- und anderen plastischen Mustern von sogenannten "irischen" Pullovern. Sie waren gerade geschnitten, meistens übergroß mit überschnittenen Schultern und aus naturweißer, ziemlich dicker Wolle gestrickt. Mit der damals üblichen Karottenjeans und einer großzügig geschnittenen Jeansjacke kombiniert, entstand die Silhouette einer Tonne. Einer geschlechtslosen Tonne, denn diesen Look trugen Männer wie Frauen und sahen darin nahezu gleich aus. In den frühen Neunzigern wurde die Karottenjeans bei Gymnasiastinnen dann vielfach durch Leggings ersetzt - der Pullover sollte dann knapp über den Po reichen. Weniger wagemutige Mädchen (ich) trugen stattdessen Shorts oder abgeschnittene Jeans und eine blickdichte Strumpfhose. Dazu hohe Schnürstiefeletten aus braunem Wildleder, ähnlich wie Desert Boots. Noch häufiger als den irischen Pullover trug ich eine lange, geknöpfte Strickjacke mit V-Ausschnitt, aus hellgrau melierter Wolle, ebenfalls mit den typischen Rauten und Zöpfen. (Und ich hatte dunkelgrüne, geschnürte Wildlederpumps mit etwas Plateau - was würde ich dafür geben, wenn ich diese Schuhe noch einmal bekommen könnte!) Einen dunkelgrünen Pullover mit lauter Rauten gab es auch, und wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich auch noch einen ähnlichen weinroten.
Ihr seht, mich verbindet eine längere Geschichte mit diesen Strickmustern und den Pullovern, die man früher undifferenziert als "irisch" bezeichnete. Seither habe ich zwar sehr viel über das Stricken dazugelernt, aber nie wieder einen ganzen Pullover oder eine ganze Jacke mit Zopfmustern angefertigt. Die untaillierten, kastigen Pulloverschnitte gerieten aus der Mode, und die Zopfmuster irgendwie auch, zumindest, wenn sie auf traditionell anmutende Weise mit Wabenmustern, Rauten und Perlmuster kombiniert waren.
Als es im Sommer an die Suche nach einem passenden Strickmuster für ein Geburtstagsgeschenk für Herrn Nahtzugabe ging, bekam ich aber unbändige Lust, nach Jahren mal wieder Zöpfe zu stricken - und zwar nicht einen Zopf hier und da, und den Rest glatt, sondern sozusagen Zöpfe satt und Muster überall.
Die Suche in Zeitschriften und im Netz nach einem Strickmuster, das meiner Vorstellung entsprach, geriet ziemlich kurz: Es gibt recht wenig Anleitungen für Herrenstrickjacken, und da ich mich schon für ein bestimmtes Garn (Drops Lima, Farbe 4305 dunkelblau) entschieden hatte, schrumpfte der Kreis der Kandidaten schnell zusammen. Übrig blieb die Jacke "Seanair" von Judith Brodnicki, 2012 bei knitty.com erschienen. Glücklicherweise schaute ich auch bei ravelry nach und entdeckte rechtzeitig die Korrekturen der Anleitung - es sind auch einige Fehler in der Reihe, in der das Muster angelegt wird. Davon abgesehen fand ich die Anleitung wirklich gut und ich danke einmal mehr der internationalen Strickcommunity, die solche ausgeklügelten Anleitungen kostenlos zur Verfügung stellt.
Die Jacke wird von unten nach oben ohne Nähte gestrickt. Die Zopfmuster hat man schnell im Kopf, nur das rechts-links-Rautenmuster an der Seite im unteren Teil fand ich ein bißchen anstrengend und war froh, als es zu breiten Rippen wechselte. Die Ärmel werden in die Armlöcher eingestrickt, ohne Armkugel, aber in der Achsel gibt es einen Zwickel, bei dem einige Maschen abgenommen werden, so dass der Schnitt doch etwas raffinierter ist als die T-förmigen Pullover der Achtziger. Die Ärmel waren viel zu lang, das ahnte ich schon, denn viele Strickerinnen berichteten bei ravelry davon. Ich kürzte sie daher gleich etwas, aber noch nicht genug, so dass ich die Ärmelabschlüsse nach dem Anprobieren um weitere 5 cm verkürzte.
Das Einnähen des Reißverschlusses war nicht so ein Drama, wie ich befürchtet hatte. Natürlich musste die fertig gestrickte Jacke ein bißchen ablagern, ehe sie für den Reißverschluss reif war. Da sich der Reißverschlusskauf bei Yavas, meinem Lieblingsladen für solche Kurzwaren, mit einer taiwanesischen Nudelsuppe im Lon Men's Noodle House auf der Kantstraße verbinden ließ, wurde sie pünktlich zu Beginn der Strickjackensaison fertig.
Den Reißverschluss nähte ich mit normalem Nähgarn mit der Hand ein (mit Rückstichen) und nähte anschließend ein schmales, schwarzes Schrägband von innen dagegen, das die Stiche der Rückstichnaht verdeckt. Oben verschwindet der Reißverschluss im doppelt gelegten Kragen, unten ist das Schrägband um das Reißverschlussende herumgefaltet.
Und ist "Seanair" nur eine "irische" Strickjacke? Nicht ganz. Ich habe mich nur ein wenig in die verwickelte Geschichte des Strickpullovers auf den Britischen Inseln vertieft. Die cremeweißen, grobgestrickten Pullover mit Zopfmustern in Längsrichtung, die bei uns in den späten 1980ern und frühen 1990ern so beliebt waren, sind Pullover von der Insel Aran, einer Insel vor der Westküste Irlands.
Die von einem Heimatforscher in die Welt gesetzte Legende, die Musterung der Aranpullover gehe auf keltische Zeiten zurück, wurde aber inzwischen widerlegt. Tatsächlich entwickelte sich dieser Pullovertyp wohl erst Ende des 19. Jahrhunderts, als es in Irland ein staatliches Programm gab, das zur Verbesserung der Lebensumstände in besonders armen Regionen beitragen sollte. Die Bewohner der Araninseln bekamn nicht nur Know-How in Sachen Fischerei vermittelt, auch das Stricken von Pullovern nach Vorbild der Ganseys oder Guernseys - plastisch gemusterte Fischerpullover von der Insel Kanalinsel Guernsey - wurde angeregt. Die Bewohner Arans verwendeten die lokale, gröbere Wolle zum Stricken, beließen sie in der Naturfarbe, und gaben den Mustern ihren eigenen Twist. Während klassische Ganseys aus dunkelblauer, feinerer Wolle vor allem im oberen Teil gemustert sind und Unterarme und unterer Teil des Rumpfes glatt bleiben, verlaufen die Muster bei Aranpullovern über die ganze Länge von Vorder- und Rückenteil, und ein Wabenmuster als Mittelstreifen scheint typisch zu sein. Der Pullovertypus des Gansey verbreitete sich mit der Zeit in allen Küstenorten Großbritanniens und Irlands, wobei jede Region charakteristische Muster und Musterzusammenstellungen entwickelte.
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| Wohl doch nur Ornamente und nichts Gestricktes |
So viel in Kürze - ich würde mich gerne noch ausgiebiger mit dieser Stricktradition beschäftigen. Wie bei den deutschen Trachten, die größtenteils auch erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts entstanden, sind die Fischerpullover wohl ebenso ein Produkt dieser Zeit, die von kulturell begründeter Identitätspolitik geradezu besessen war. Was auch immer David im "Book of Kells" aus dem 9. Jahrhundert trägt, es handelt sich wohl nicht um "die erste bildliche Darstellung von Gestricktem". Davon abgesehen habe ich immer noch Lust, Zopfmuster zu stricken, besitze von 500g Drops Lima in rubinrot im Wollvorrat und denke über einen Pullover für mich nach.
tl, dr oder: die Fakten zur Strickjacke
Anleitung: Seanair von Judith Brodnicki via knitty.com
unbedingt die Korrekturen bei ravelry beachten!
Garn und Nadeln: Drops Lima, 100 m Lauflänge auf 50 Gramm - knapp 800 Gramm verwendet, verstrickt mit Nadeln Nr. 4, für die Bündchen Stärke 3,5.
Gestrickte Größe: M, Ärmel ca. 8 cm kürzer als in der Anleitung angegeben, Abnahmen im Ärmel enger gesetzt
Samstag, 5. August 2017
Auf den Nadeln im August: Strickjacke "Seanair" für den Liebsten und "Flaum" für mich
Die Frage "Was strickst du gerade?" kam vor kurzem bei Instagram auf, und sie erfordert eine längere Antwort. Ich stricke zur Zeit zwei größere Projekte parallel, oder genauer gesagt: ich strickte, denn ehrlich gesagt war es in den letzten Tagen zu warm und zu schwül, um Wolle anzufassen, und beide Teile stagnieren. Aber in den kalten und regnerischen Wochen der ersten Sommerhälfte ging es sehr gut voran.
Das erste Projekt, den Cardigan Flaum nach Anleitung von Justyna Lorkowska, habe ich Ende Mai angefangen. Die Anleitung hatte Birgit - lila und gelb aufgetan und gleich die halbe Berliner Strickrunde damit infiziert. Bei dieser Jacke wird eine Art Schulterpasse in 1rechts-1links-Rippe gestrickt, die dann in Patent-Rippen übergeht, so wird die Jacke im unteren Teil automatisch weiter, ohne dass man Zunahmen stricken muss.
Man braucht ein leichtes, flauschiges Garn, und glücklicherweise hatte ich beim Fabrikverkauf von Hindahl&Skudelny in Bielefeld Anfang des Jahres eine große Kone dunkelrotes Mohairgarn erworben. Der Farbton passt exakt zu drops Alpaca im Farbton 5565, Weinrot, und beides zusammen verstrickt mit Nadeln 4,5 ergibt ein schönes, fluffiges Maschenbild. Es entspricht nicht ganz der Maschenprobe, daher stricke ich Größe L, um hoffentlich zum Schluss eine kleine Größe M zu erhalten.
Zuletzt habe ich die Taschenbeutel gestrickt, jetzt kommen noch 2,5 cm 1rechts-1links-Bündchen, dann ist der Korpus der Jacke fertig. Ich bin bis jetzt sehr zufrieden, anprobiert sehen die Proportionen gut aus und die Farbe entspricht genau meinem "mehr Dunkelrot"-Vorsatz.
Projekt Nummer zwei ist der Männercardigan Seanair mit Zopfmuster und Reißverschluss von Judith Brodnicki, die Anleitung gibt es kostenlos bei knitty.com, die Korrekturen der Anleitung aber nur auf der ravelry- Seite. Auch ihn begann ich im Mai, und er sollte ein Geschenk zum Geburtstag des Liebsten im Juli werden. Natürlich wurde ich bis zum Termin nicht fertig, aber kam doch so weit, dass die Schulternähte geschlossen waren und das Teil damit anprobierbar war. Glücklicherweise passt es! Ich stricke bei solchen geheim gestrickten Geschenken immer mit viel Zweifel, messe ständig nach und vergleiche mit passenden Oberteilen und bin trotzdem sehr nervös, ob das alles so klappt.
Diese Jacke stricke ich aus Lima von drops in Farbe 4305 (dunkelblau) auf 4er-Nadeln. Das Lima-Garn, eine Mischung aus Wolle und Alpaca, mag ich sehr gerne, es verstrickt sich flott, ist formstabil, pillt nicht und wird nach dem Spannen noch etwas flauschiger. Die Anleitung Seanair ist auch gut - aber wie gesagt, unbedingt die Fehlerkorrekturen bei ravelry beachten, ich habe mir die Anleitung ausgedruckt und erstmal alle Korrekturen eingetragen. Dann ist das Stricken kein Problem, die verschiedenen Zopfmuster kann man sich gut merken, und ich hatte nach den ganzen Stephen-West-Tüchern mit viel kraus rechts sehr große Lust, mal wieder etwas Komplizierteres zu stricken. Es ist großartig, dass eine so ausgeklügelte Jackenanleitung kostenlos zur Verfügung gestellt wird.
Die Jacke ist mittlerweile fertig gestrickt, nun muss ich die Fäden vernähen, die Jacke spannen und den Reißverschluss einnähen, alles in allem also ein Programm für mindestens drei Abende. Die Ärmel der Jacke scheinen ziemlich weit zu sein, und die Abnahmen kommen nicht ganz hin - zumindest in größe M muss man häufiger abnehmen, als die Anleitung sagt, damit am Bündchen die richtige Maschenzahl erreicht ist (oder die Jacke ist für Menschen mit außerordentlich langen Ärmeln konzipiert, wer weiß).
Besonders schön finde ich den kleinen Stehkragen, der innen einen glatt rechts gestrickten Beleg bekommt - mal sehen, wie sehr ich mich abmühen muss, dort den Reißverschluss ansehnlich einzunähen. Aber es ist ja noch ein bißchen Zeit, bis wir wieder Strickjackenwetter haben.
Weitere Strickprojekte im August findet man in der Sammlung "Auf den Nadeln" bei Maschenfein.
Das erste Projekt, den Cardigan Flaum nach Anleitung von Justyna Lorkowska, habe ich Ende Mai angefangen. Die Anleitung hatte Birgit - lila und gelb aufgetan und gleich die halbe Berliner Strickrunde damit infiziert. Bei dieser Jacke wird eine Art Schulterpasse in 1rechts-1links-Rippe gestrickt, die dann in Patent-Rippen übergeht, so wird die Jacke im unteren Teil automatisch weiter, ohne dass man Zunahmen stricken muss.
Man braucht ein leichtes, flauschiges Garn, und glücklicherweise hatte ich beim Fabrikverkauf von Hindahl&Skudelny in Bielefeld Anfang des Jahres eine große Kone dunkelrotes Mohairgarn erworben. Der Farbton passt exakt zu drops Alpaca im Farbton 5565, Weinrot, und beides zusammen verstrickt mit Nadeln 4,5 ergibt ein schönes, fluffiges Maschenbild. Es entspricht nicht ganz der Maschenprobe, daher stricke ich Größe L, um hoffentlich zum Schluss eine kleine Größe M zu erhalten.
Zuletzt habe ich die Taschenbeutel gestrickt, jetzt kommen noch 2,5 cm 1rechts-1links-Bündchen, dann ist der Korpus der Jacke fertig. Ich bin bis jetzt sehr zufrieden, anprobiert sehen die Proportionen gut aus und die Farbe entspricht genau meinem "mehr Dunkelrot"-Vorsatz.
Projekt Nummer zwei ist der Männercardigan Seanair mit Zopfmuster und Reißverschluss von Judith Brodnicki, die Anleitung gibt es kostenlos bei knitty.com, die Korrekturen der Anleitung aber nur auf der ravelry- Seite. Auch ihn begann ich im Mai, und er sollte ein Geschenk zum Geburtstag des Liebsten im Juli werden. Natürlich wurde ich bis zum Termin nicht fertig, aber kam doch so weit, dass die Schulternähte geschlossen waren und das Teil damit anprobierbar war. Glücklicherweise passt es! Ich stricke bei solchen geheim gestrickten Geschenken immer mit viel Zweifel, messe ständig nach und vergleiche mit passenden Oberteilen und bin trotzdem sehr nervös, ob das alles so klappt.
Diese Jacke stricke ich aus Lima von drops in Farbe 4305 (dunkelblau) auf 4er-Nadeln. Das Lima-Garn, eine Mischung aus Wolle und Alpaca, mag ich sehr gerne, es verstrickt sich flott, ist formstabil, pillt nicht und wird nach dem Spannen noch etwas flauschiger. Die Anleitung Seanair ist auch gut - aber wie gesagt, unbedingt die Fehlerkorrekturen bei ravelry beachten, ich habe mir die Anleitung ausgedruckt und erstmal alle Korrekturen eingetragen. Dann ist das Stricken kein Problem, die verschiedenen Zopfmuster kann man sich gut merken, und ich hatte nach den ganzen Stephen-West-Tüchern mit viel kraus rechts sehr große Lust, mal wieder etwas Komplizierteres zu stricken. Es ist großartig, dass eine so ausgeklügelte Jackenanleitung kostenlos zur Verfügung gestellt wird.
Die Jacke ist mittlerweile fertig gestrickt, nun muss ich die Fäden vernähen, die Jacke spannen und den Reißverschluss einnähen, alles in allem also ein Programm für mindestens drei Abende. Die Ärmel der Jacke scheinen ziemlich weit zu sein, und die Abnahmen kommen nicht ganz hin - zumindest in größe M muss man häufiger abnehmen, als die Anleitung sagt, damit am Bündchen die richtige Maschenzahl erreicht ist (oder die Jacke ist für Menschen mit außerordentlich langen Ärmeln konzipiert, wer weiß).
Besonders schön finde ich den kleinen Stehkragen, der innen einen glatt rechts gestrickten Beleg bekommt - mal sehen, wie sehr ich mich abmühen muss, dort den Reißverschluss ansehnlich einzunähen. Aber es ist ja noch ein bißchen Zeit, bis wir wieder Strickjackenwetter haben.
Weitere Strickprojekte im August findet man in der Sammlung "Auf den Nadeln" bei Maschenfein.
Dienstag, 14. Februar 2017
Die Tweedjacke
Ich bin eine egoistische Selbernäherin: Nur wenige Brosamen fallen für nahestehende Menschen ab, und ich bin gut darin, Hinweise über auseinanderfallende Pullover, zu lange Hosen und ähnliche behebbare Kleidungsfehlfunktionen zu überhören. Der Liebste bildet eine Ausnahme: Er darf Wünsche äußen, und ich geruhe, sie mir anzuhören. Dass es manchmal sehr, sehr lange dauert, bis diese Wünsche erfüllt werden, steht auf einem anderen Blatt.
Der Wunsch nach einer Wolljacke nach dem abgenommenen Schnitt einer alten Lieblingsjacke kam schon 2009 auf, als ich den ersten Klon dieser Lieblingsjacke aus braunem Cord nähte. Dazwischen klonte ich diese Jacke noch einmal, im letzten Sommer, jetzt aus dunkelgrünem Cord.
Die neue Cordjacke war ein großer Hit, aber eine Wolljacke wäre vielleicht sogar noch schöner, wurde mir bedeutet - und vor allem später im Jahr auch noch zu tragen. Ich hörte zu, und hatte Glück und fand in der Vorweihnachtszeit einen ganz wunderbaren Wollstoff auf dem Markt: Leicht, voluminös, etwas kratzig - aber auf die gute, naturbelassene Art - und aus reiner Wolle. Für das Materiallexikon hatte ich mich ja gerade mit Tweedstoffen beschäftigt, daher würde ich den Stoff als "ähnlich wie Shetland-Tweed" charakterisieren. Das Garn ist locker gedreht aus schwarzen und dunkelblauen Fasern und als lockerer Fischgratköper gewebt - auf dem Foto unten erkennt man vielleicht ein bißchen die diagonal verlaufenen "Gräten".
Natürlich ist der Stoff kein echter Shetland-Tweed von den Shetland-Inseln - solche handgewebten Kostbarkeiten, die sonst von Chanel verarbeitet werden, findet man dann doch nicht auf unserem Markt. Aber es ist ein ziemlich hochwertiger Wollstoff, wie ihn britisch angehauchte Landhausbekleidungshersteller verwenden würden, und er ließ sich ganz wunderbar nähen. Mit einem normalen Viskosefutter zusammen hält er auch erstaunlich warm - das dicke Garn speichert viel Luft.
Der Schnitt mit Teilungsnähten, aufgesetzten und eingesetzten Taschen ist bei der grünen Cordjacke vielleicht besser zu erkennen. Ich habe ihn für diese Version noch etwas verbessert, indem ich die Ärmelschnittteile an der Armkugel etwas aufgespreizt und die Armkugel etwas verlängert habe - da der Ursprungsschnitt von einer Lederjacke stammte, hatten die Ärmel keine oder fast keine Einhalteweite. Aus Stoff fielen die Ärmel daher nicht so gut, das ist bei dieser Version besser geworden.
Ansonsten ist es erstaunlich, wie oft
Etwas verspätet reihe ich die Jacke noch bei Monikas Sammlung für selbstgenähte Männersachen, Herrmann im Februar ein. Ich kann sehr empfehlen, von alten Lieblingsteilen den Schnitt abzunehmen und diese Kleidungsstücke als Klon weiterleben zu lassen. Aus Sicht der Näherin, die Abwechslung mag, ist die Wiederholung zwar nicht so spannend, aber mit einer ganzen Serie eines erprobten Schnitts kann man Menschen glücklich machen.
Dienstag, 7. Februar 2017
"Nähen geht tiefer als nur passende Kleidung herzustellen." Elke - ellepuls.com - über Schnittmuster für lange Frauen
Über neue Schnittmuster von Indie-Designerinnen blogge ich hier ja mehr oder weniger regelmäßig, bisher jedoch vor allem über kleine Firmen aus den USA, Kanada und Großbritannien. Dabei gibt es auch bei uns interessante Schnittmacherinnen mit guten Ideen, die hier auch mal zu Wort kommen sollen. Elke vom Blog ellepuls.com und ich laufen uns ab und zu zufällig hier in Berlin über den Weg, daher habe ich immer locker verfolgt, was sie so macht.
Nach einem Schnitt für ein Raglanshirt und einer tollen Upcycling-Tasche aus Jeans spezialisierte sich Elke auf Schnittmuster für lange Frauen und brachte letztes Jahr im Sommer einen Shirt- und Kleiderbaukasten heraus. Wer Elke schon mal begegnet ist, muss nicht lange fragen warum: Sie ist selbst eine große Frau und kennt die Problematik zu kurzer Kleidung aus eigener Erfahrung. Zu der "Shirtbox" von ellepuls.com gehört ein Anleitungsheft für die Längenänderung bei Oberteil-Schnittmustern - Hilfe zur Selbsthilfe für große Frauen sozusagen. Da ich das Konzept klasse finde und Elkes Umsetzung mit schönen Grafiken und ausführlichen Fotoanleitungen sehr gelungen, wollte ich von Elke wissen, wie es mit den EXTRAlang-Schnitten weitergehen wird.
Elke, du nähst seit 2012 Kleidung für dich – bist du gleich darauf gekommen, dass du auch die Schnittmuster verändern musst, damit sie für dich nicht zu kurz sind, und wie hast du das Schnitte-Verlängern gelernt? War das von Anfang an von Erfolg gekrönt?
Elke: Ich habe sehr unbefangen mit dem Nähen begonnen. Kein Nähkurs, nur learning by doing. Ich habe abgetragene Shirts meiner Söhne für meine Tochter umgearbeitet. Meine erste Verlängerung für mich war bei einem Shirt. Die Ärmellinien habe ich einfach länger gezeichnet, was dazu geführt hat, dass ich nur noch eben so mit der Hand durch die Öffnung kam. Den Rumpf habe ich auch einfach nach unten verlängert. Im Ergebnis war das Shirt lang genug, aber die Taille hing mir zu hoch. Erst einige Projekte später habe ich begonnen, Vorder- und Rückenteile sowie Ärmel nicht unten, sondern zwischendrin zu verlängern. Für das EXTRAlang Handbuch zum Verlängern von Schnitten habe ich mich noch intensiver mit dem Thema befasst. Dieses Handbuch wird jedem EXTRAlang Schnittmuster "beiliegen". Für den Blusen-Sew-Along nähe ich gerade an einer burda Bluse, die ich verlängern musste. Fast hätte ich vergessen, neben Vorder-, Rückenteil und Ärmel, die Knopfleiste mit zu verlängern. Je mehr Teile ein Schnitt hat, desto aufmerksamer muss man überlegen, welche Schnittteile alle verlängert werden müssen, damit nachher auch alles wieder zusammenpasst.
Schnitte für den eigenen Körper zu verändern ist das eine, aber auch wenn man sich darin gut eingearbeitet hat, ist es ja nochmal ein großer Schritt, Schnitte auch für andere und in verschiedenen Größen anzubieten. Wie hast du das technisch gemeistert?
Elke: Da ich die Schnittkonstruktion nicht gelernt habe, arbeite ich mit einem Profi zusammen. Meine Schnittdirektrice setzt meine Ideen um. Ich möchte auch nicht den Eindruck erwecken, dass ich die Schnitte selber technisch erstelle. Wir feilen gemeinsam daran herum und das Ergebnis lasse ich von Probenäherinnen testen. Das ist in diesem Ablauf schon sehr aufwändig, da ich meine Entwürfe für die Hobbynäherin so bedienungsfreundlich wie möglich gestalten möchte. Die Schnittdateien sind so angelegt, dass man nicht benötigte Größen vor dem Ausdrucken ausblenden kann, um hinterher einen übersichtlichen Schnittbogen zu erhalten. Bye-bye Liniendschungel. Die Anleitungen versuche ich auch immer möglichst nachvollziehbar, logisch und klar aufzubauen, damit meine Kundinnen die Schnitte auch erfolgreich umsetzen können.
Kannst du schon verraten, wie es mit den Schnittmustern bei dir weitergehen wird? Das Extralang-Handbuch erklärt das Verlängern von Oberteilen – wird es auch noch etwas Entsprechendes für Unterteile geben?
Elke: Am 6. Februar geht ein neues Schnittmuster für eine Jacke online. Darauf freue ich mich schon sehr, weil ich den Entwurf sehr mag. Es wird ein Basic für den Lagenlook sein, der im Frühling wieder gefragt sein wird.
[Einschub von mir, Lucy: Der Schnitt für die Jacke "Cardison" ist gestern erschienen - Elke schickte mir vorab schon mal zwei Bilder. Mehr über Cardison erfahrt ihr bei Elke im Blog.]
Elke: Ideen für "untenrum" sind auch schon genügend vorhanden. Für lange Frauen ist die Suche nach ausreichend langen Hosen immer sehr nervig. Teils schon ab Länge 34, aber mit Sicherheit ab Länge 36 wird die Auswahl dünn bis nicht vorhanden in Läden. Standardmodelle in Standardfarben findet man bei Jeans schon noch. Wenn man aber andere Wünsche hat, muss man in Spezialshops wie z.B. Long Tall Sally suchen. Dass immer mehr große internationale Bekleidungshäuser wie z.B. Asos und Topshop ein "Tall-Sortiment" anbieten zeigt mir, dass der Bedarf da ist. Letztens ist mir wieder aufgefallen, dass immer mehr junge Frauen so groß wie ich sind oder sogar größer. Und sie wollen sich genauso modern kleiden wie alle anderen Frauen ihres Alters. Das bestätigt mich in meiner Idee, auch extra lange Schnittmuster anzubieten.
Das selber Nähen hat mich von der begrenzten Auswahl, die ich oft in Läden vorfand, befreit. Darüber freue ich mich täglich. Endlich habe ich Hosen nach meinem Geschmack in meiner Länge. Das schreit ja quasi nach extra langen Hosenschnittmustern. Meine Ideen lassen sich nur leider nicht so schnell umsetzen, wie sie in meinem Kopf aufploppen. Ich bleibe dran.
Was würdest du Nähanfängerinnen mit auf dem Weg geben, die gerade beginnen, Kleidung für sich selbst zu nähen?
Elke: Ausprobieren, aber nicht überwältigen lassen! Ich finde es einfach fantastisch, dass so viele Frauen einen Näh- oder Modeblog schreiben. Natürlich kann man sich auch überwältigt fühlen von der schieren Masse, aber so erhöht sich einfach die Wahrscheinlichkeit, Bloggerinnen zu finden, mit denen man sich vom Stil und vom Körperbau her identifizieren kann. Das erleichtert es, sich Anregungen zu Schnitten zu holen, wenn man sich selbst nicht sicher ist, was man wählen soll.
Auch fachliche Hilfe findet man schnell bei Youtube und in Blogs. Das mag nicht jedermanns Sache sein, zu recherchieren, aber die Einstiegshürden zum Nähen der eigenen Kleidung sind doch denkbar niedrig geworden.
Ausprobieren und am besten keine Angst haben, denn letzten Endes ist es doch nur Stoff, den wir im schlimmsten Fall versemmeln. Das kann manchmal schon sehr ärgerlich sein, aber ich habe noch bei jedem Projekt etwas gelernt, und sei es nur über mich selbst.
Was mich zu einem persönlichen Lieblingsthema führt, der Stilfindung. Dadurch, dass ich mich zum ersten Mal wirklich mit Schnittführungen und Farben beschäftigt habe, konnte ich viel besser erkennen, was zu mir passt, was mir steht und auch ein Stück weit wer ich bin. Nähen geht tiefer als nur passende Kleidung herzustellen.
Das ist ein sehr passendes Schlusswort von Elke, finde ich, denn in jeder Hinsicht passende Kleidung zu bekommen, ist doch wahrscheinlich der Grund, warum die meisten von uns nähen: Richtige Passform, die richtige Farbe und das richtige Material, das gibt es doch nur selbstgenäht. Ich bin gespannt, was Elke noch alles aushecken wird - im Moment läuft in ihrem Blog ein Blusen-Sewalong.
(Alle Fotos in diesem Beitrag von Elke Puls)
Nach einem Schnitt für ein Raglanshirt und einer tollen Upcycling-Tasche aus Jeans spezialisierte sich Elke auf Schnittmuster für lange Frauen und brachte letztes Jahr im Sommer einen Shirt- und Kleiderbaukasten heraus. Wer Elke schon mal begegnet ist, muss nicht lange fragen warum: Sie ist selbst eine große Frau und kennt die Problematik zu kurzer Kleidung aus eigener Erfahrung. Zu der "Shirtbox" von ellepuls.com gehört ein Anleitungsheft für die Längenänderung bei Oberteil-Schnittmustern - Hilfe zur Selbsthilfe für große Frauen sozusagen. Da ich das Konzept klasse finde und Elkes Umsetzung mit schönen Grafiken und ausführlichen Fotoanleitungen sehr gelungen, wollte ich von Elke wissen, wie es mit den EXTRAlang-Schnitten weitergehen wird.
Elke, du nähst seit 2012 Kleidung für dich – bist du gleich darauf gekommen, dass du auch die Schnittmuster verändern musst, damit sie für dich nicht zu kurz sind, und wie hast du das Schnitte-Verlängern gelernt? War das von Anfang an von Erfolg gekrönt?
Elke: Ich habe sehr unbefangen mit dem Nähen begonnen. Kein Nähkurs, nur learning by doing. Ich habe abgetragene Shirts meiner Söhne für meine Tochter umgearbeitet. Meine erste Verlängerung für mich war bei einem Shirt. Die Ärmellinien habe ich einfach länger gezeichnet, was dazu geführt hat, dass ich nur noch eben so mit der Hand durch die Öffnung kam. Den Rumpf habe ich auch einfach nach unten verlängert. Im Ergebnis war das Shirt lang genug, aber die Taille hing mir zu hoch. Erst einige Projekte später habe ich begonnen, Vorder- und Rückenteile sowie Ärmel nicht unten, sondern zwischendrin zu verlängern. Für das EXTRAlang Handbuch zum Verlängern von Schnitten habe ich mich noch intensiver mit dem Thema befasst. Dieses Handbuch wird jedem EXTRAlang Schnittmuster "beiliegen". Für den Blusen-Sew-Along nähe ich gerade an einer burda Bluse, die ich verlängern musste. Fast hätte ich vergessen, neben Vorder-, Rückenteil und Ärmel, die Knopfleiste mit zu verlängern. Je mehr Teile ein Schnitt hat, desto aufmerksamer muss man überlegen, welche Schnittteile alle verlängert werden müssen, damit nachher auch alles wieder zusammenpasst.
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| Das Kleid aus der "Shirtbox" von Elle Puls - lange Ärmel passend zum Wetter sind auch dabei |
Schnitte für den eigenen Körper zu verändern ist das eine, aber auch wenn man sich darin gut eingearbeitet hat, ist es ja nochmal ein großer Schritt, Schnitte auch für andere und in verschiedenen Größen anzubieten. Wie hast du das technisch gemeistert?
Elke: Da ich die Schnittkonstruktion nicht gelernt habe, arbeite ich mit einem Profi zusammen. Meine Schnittdirektrice setzt meine Ideen um. Ich möchte auch nicht den Eindruck erwecken, dass ich die Schnitte selber technisch erstelle. Wir feilen gemeinsam daran herum und das Ergebnis lasse ich von Probenäherinnen testen. Das ist in diesem Ablauf schon sehr aufwändig, da ich meine Entwürfe für die Hobbynäherin so bedienungsfreundlich wie möglich gestalten möchte. Die Schnittdateien sind so angelegt, dass man nicht benötigte Größen vor dem Ausdrucken ausblenden kann, um hinterher einen übersichtlichen Schnittbogen zu erhalten. Bye-bye Liniendschungel. Die Anleitungen versuche ich auch immer möglichst nachvollziehbar, logisch und klar aufzubauen, damit meine Kundinnen die Schnitte auch erfolgreich umsetzen können.
Kannst du schon verraten, wie es mit den Schnittmustern bei dir weitergehen wird? Das Extralang-Handbuch erklärt das Verlängern von Oberteilen – wird es auch noch etwas Entsprechendes für Unterteile geben?
Elke: Am 6. Februar geht ein neues Schnittmuster für eine Jacke online. Darauf freue ich mich schon sehr, weil ich den Entwurf sehr mag. Es wird ein Basic für den Lagenlook sein, der im Frühling wieder gefragt sein wird.
[Einschub von mir, Lucy: Der Schnitt für die Jacke "Cardison" ist gestern erschienen - Elke schickte mir vorab schon mal zwei Bilder. Mehr über Cardison erfahrt ihr bei Elke im Blog.]
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| "Cardison", die neue Blousonstrickjacke mit schicken Paspeltaschen von Elle Puls |
Elke: Ideen für "untenrum" sind auch schon genügend vorhanden. Für lange Frauen ist die Suche nach ausreichend langen Hosen immer sehr nervig. Teils schon ab Länge 34, aber mit Sicherheit ab Länge 36 wird die Auswahl dünn bis nicht vorhanden in Läden. Standardmodelle in Standardfarben findet man bei Jeans schon noch. Wenn man aber andere Wünsche hat, muss man in Spezialshops wie z.B. Long Tall Sally suchen. Dass immer mehr große internationale Bekleidungshäuser wie z.B. Asos und Topshop ein "Tall-Sortiment" anbieten zeigt mir, dass der Bedarf da ist. Letztens ist mir wieder aufgefallen, dass immer mehr junge Frauen so groß wie ich sind oder sogar größer. Und sie wollen sich genauso modern kleiden wie alle anderen Frauen ihres Alters. Das bestätigt mich in meiner Idee, auch extra lange Schnittmuster anzubieten.
Das selber Nähen hat mich von der begrenzten Auswahl, die ich oft in Läden vorfand, befreit. Darüber freue ich mich täglich. Endlich habe ich Hosen nach meinem Geschmack in meiner Länge. Das schreit ja quasi nach extra langen Hosenschnittmustern. Meine Ideen lassen sich nur leider nicht so schnell umsetzen, wie sie in meinem Kopf aufploppen. Ich bleibe dran.
Was würdest du Nähanfängerinnen mit auf dem Weg geben, die gerade beginnen, Kleidung für sich selbst zu nähen?
Elke: Ausprobieren, aber nicht überwältigen lassen! Ich finde es einfach fantastisch, dass so viele Frauen einen Näh- oder Modeblog schreiben. Natürlich kann man sich auch überwältigt fühlen von der schieren Masse, aber so erhöht sich einfach die Wahrscheinlichkeit, Bloggerinnen zu finden, mit denen man sich vom Stil und vom Körperbau her identifizieren kann. Das erleichtert es, sich Anregungen zu Schnitten zu holen, wenn man sich selbst nicht sicher ist, was man wählen soll.
Auch fachliche Hilfe findet man schnell bei Youtube und in Blogs. Das mag nicht jedermanns Sache sein, zu recherchieren, aber die Einstiegshürden zum Nähen der eigenen Kleidung sind doch denkbar niedrig geworden.
Ausprobieren und am besten keine Angst haben, denn letzten Endes ist es doch nur Stoff, den wir im schlimmsten Fall versemmeln. Das kann manchmal schon sehr ärgerlich sein, aber ich habe noch bei jedem Projekt etwas gelernt, und sei es nur über mich selbst.
Was mich zu einem persönlichen Lieblingsthema führt, der Stilfindung. Dadurch, dass ich mich zum ersten Mal wirklich mit Schnittführungen und Farben beschäftigt habe, konnte ich viel besser erkennen, was zu mir passt, was mir steht und auch ein Stück weit wer ich bin. Nähen geht tiefer als nur passende Kleidung herzustellen.
Das ist ein sehr passendes Schlusswort von Elke, finde ich, denn in jeder Hinsicht passende Kleidung zu bekommen, ist doch wahrscheinlich der Grund, warum die meisten von uns nähen: Richtige Passform, die richtige Farbe und das richtige Material, das gibt es doch nur selbstgenäht. Ich bin gespannt, was Elke noch alles aushecken wird - im Moment läuft in ihrem Blog ein Blusen-Sewalong.
(Alle Fotos in diesem Beitrag von Elke Puls)
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Freitag, 30. Dezember 2016
Jahresend-Wochenrückblick mit Tweedjackenfail
Die letzten Wochen des Jahres vergingen im Galopp. Ich war viel unterwegs, aber immer nur zu Blitzbesuchen, das erste Mal im Schwarzwald und zum wiederholten Mal in der fränkischen Heimat des Liebsten. Letzteres war besonders nett, weil ein bißchen Zeit war, Ute - Schneckennasen - auf einen Glühwein zu treffen. Nähnerds gibt es eben im kleinsten Dorf, wer hätte das gedacht! Einen Stoffladentipp verriet mir Ute auch: Anitas Nähkästchen in Vincenzenbronn - da muss ich beim nächsten Mal unbedingt hin.
Wenn viel los ist, ist Stricken meistens die bessere Wahl als Nähen, besonders bei so einem nicht komplizierten Strickmuster. Ich habe ein zweites Vertices Unite von westknits angefangen, diesmal aus Brushed alpaca silk von drops in jeansblau, grün, schwarz, puderrosa und lila (eher magenta), nachdem ich das erste Tuch sehr häufig trage, obwohl die Wolle nicht mal besonders schön ist. Ausgebreitet sieht das Tuch mit der Flächenaufteilung ja eher merkwürdig aus, aber umgewickelt ist es wirklich ein Hit, wenn die Flächen und die Farben jedesmal neu gemischt werden. Frau Crafteln zeigte vor kurzem ein Vertices unite aus dem fluffigen Drops-Garn, das sehr groß und sehr leicht ist, wobei man pro Farbe mit zwei Knäueln auskommt, das ist das Vorbild.
An der Nähfront hatte ich mich in den letzten Wochen ziemlich verzettelt. Die Weihnachtsröcke werden daher nicht mal Silvesterröcke, denn ich muss zuerst ein Geschenk fertignähen, eine Jacke aus einer Art Shetlandtweed, reine Wolle, dunkelblau-schwarz meliert, nach dem Schnitt einer alten Lieblingsjacke des Liebsten, die ich schon zweimal aus Cord geklont hatte (hier und hier). Da ich die Jacke zuletzt im Sommer genäht hatte, bildete ich mir ein, ich könnte sie mal eben nebenher nähen.
Nunja. Zu Weihnachten verschenkte ich symbolisch eine Stoffprobe.
Jetzt habe ich gerade die Schulterpolster fertiggestellt (ich mache Polster, dünn und passgenau, meistens selber - die Anleitung hatte ich hier schon mal gebloggt). Sie bestehen aus zwei Lagen Baumwollstoff und einer Lage Wattierung, das reicht, um der Schulterpartie etwas Form zu geben.
Das Futter ist schon an den Belegen und müsste nur noch am Jackensaum verstürzt werden - wenn es denn passen würde. Die ganze Zeit wunderte ich mich, warum die Armlöcher im Futter so merkwürdig klein waren. Die Ärmel passten auch äußerst schlecht ins Armloch, eigentlich gar nicht. Kein Wunder, wenn man vergisst, die Futter-Seitenteile zuzuschneiden!
Ich hatte mir im Sommer beim letzten Nähen der Jacke einen separaten Futterschnitt für Vorder- und Rückenteil gemacht und kam mir extrem schlau vor, weil ich mir beim nächsten Mal so viel Arbeit sparen würde. Das stimmt auch, aber eben nur, wenn man dann auch alle Teile zuschneidet und zusammennäht. Aber es ist noch Futterstoff da, die Futter-Seitennähte und die Ärmel sind bereits getrennt, und heute Abend werde ich versuchen, die Seitenteile hineinzutransplantieren, ohne das Futter wieder ganz aus der Jacke zu trennen. (Möglicherweise ein Fehler, aber ich versuche es einfach mal.)
Ein paar interessante Links habe ich auch noch für euch:
Wer japanische Nähbücher wie "Pattern Magic" kennt oder die Modeschauen in Paris verfolgt, hat sicher schon mal vom Bunka Fashion College in Tokio gehört, haben doch viele japanische Designer ihre Ausbildung an dieser Modeschule gemacht. Ein Artikel bei Business of Fashion widmet sich der Modeschule, in der Zusammenarbeit, gutes Handwerk und Verständnis des menschlichen Körpers groß geschrieben werden.
Aus Japan stammt auch ein Album mit japanischen Stoffmustern, das ich beim Stöbern auf archive.org zufällig fand. Blättert bis zur Seite 51, ab da sind blau-weiß gemusterte Druckstoffe (Wachsbatik?) eingeklebt.
Wusstet ihr, dass Grace Kelly in ihrer Freizeit Collagen aus gepressten Blumen anfertigte und sogar ein Buch darüber veröffentlichte? Über diese Information stolperte ich ganz zufällig und war dann sehr über meine eigene Verwunderung erstaunt, denn ein ernsthaftes Hobby hatte ich der Fürstin von Monaco gar nicht zugetraut - ein Denkfehler, denn natürlich sind gekrönte Häupter nicht nur öffentliche Personen. Die Kunst der Collage aus gepressten Blumen soll im 16. Jahrhundert in Japan enstanden sein, als Übung für Samurai, um Geduld und Konzentration zu trainieren. "Oshibana", wie diese Kunst in Japan heißt, scheint vor allem in Asien, Australien und Neuseeland immer noch ein ganz beliebtes Hobby zu sein, wobei ungeheuer detaillierte Bilder entstehen (bei den Beispielen hier dachte ich zuerst, es würden auch kleine Nagetiere gepresst und verarbeitet, oh Schreck - aber die Tiere werden aus Pflanzenmaterial zusammengesetzt!).
Zurück zum Nähen: Wer bei Burdastyle das Editorial nicht nur überblättert, wird bemerkt haben, dass seit einigen Ausgaben nicht mehr Dagmar Bily, die Chefredakteurin, von der Seite Drei grüßt. Sie hatte bereits im Sommer den Burda-Verlag verlassen, eine Meldung, die in der Ferienzeit an mir vorbeiging, die aber kürzlich @kleiderschmiede bei twitter ausgrub. Nun werden die Änderungen sichtbar, zu denen offenbar auch gehört, dass einige Heftseiten mit Backrezepten gefüllt werden. Die Stelle der Chefredakteurin soll nicht neu besetzt werden, und es wird gemunkelt, dass die Produktion der Schnitte "ins Ausland" verlagert werden solle. Keine guten Aussichten für eine Zeitschrift, die sich zum ersten Mal seit Jahren mit ernsthafter Konkurrenz auseinandersetzen muss, 2017 könnte holprig werden, oder zumindest nicht besser als 2016.
Mittwoch, 16. November 2016
MeMadeMittwoch mit Morris (und komischem Gesichtsausdruck)
Bevor ich mit dem "richtigen" Blazer aus Webstoff mit Einlage, Futter und anderen Kompliziertheiten anfing, wollte ich mir beim Nähtreffen ein sicheres, schnelles Erfolgserlebnis verschaffen und schnitt daher den Morris Blazer, einen Schnitt von Grainline Studio zu. Der Schnitt ist speziell für feste Strickstoffe, Sweat und Romanit konzipiert und wird nicht gefüttert. Glücklicherweise war Karin in der Nähe, die den Morris schon mehrfach genäht hatte, und die mich daran erinnerte, dass die Jacke Dreiviertelärmel hat. Dreiviertelärmel finde ich bei Jacken meistens unpraktisch, daher verlängerte ich die Ärmel gleich beim Zuschnitt.
Das Nähen war dann doch nicht so unkompliziert wie gedacht, weil meine Maschine zunächst den Stoff verweigerte. Nach zwanzigmal neu Einfädeln, Entstauben und Fluchen kam ich darauf, dass ein altes Röllchen Billiggarn, das sich in in den Vorrat geschmuggelt hatte, die Probleme verursachte.
Als dieses Problem erkannt und beseitigt war, ging der Schnitt flott voran: Durch die Teilungsnaht im Rücken ässt sich die Passform gut anpassen, die Schultern musste ich etwas verschmälern. Ärmel einsetzen, Vorderteil mit dem Beleg vertsürzen - alles kein Problem. Anders als die Steppnaht, mit der der Kragen, das Revers und die unteren Spitzen knapp an der Kante entlang abgesteppt werden sollen.
Kennt ihr das, wenn man zu nähen beginnt und schon nach ein paar Zentimetern weiß, dass die Naht keine gute Idee war? Hier war das auch so, ich dachte noch im Moment des Absteppens: "Mist, hättest du das nicht getan", steppte aber trotzdem einmal rundherum. Bei so einem dicken, dehnbaren Stoff ist es fast unmöglich, den Abstand zur Kante immer exakt zu treffen, und durch die Steppnaht entstand ein beulig-blasiger Sitz des Belegs und des Kragens, kurz gesagt: Das sah alles andere als gekonnt aus.
Den Abend des ersten Tages des Nähwochenendes verbrachte ich mit dem Trennen der Steppnaht - schwarzes Garn auf schwarzem Stoff mit Struktur im Licht von Oma-Wohnzimmerlampen, so viel zum Thema "sicheres, schnelles Erfolgserlebnis".
Hier auf dem Bild kann man die Stoffstruktur genauer erkennen. Ohne Absteppung fällt der Kragen so, wie er soll, ich habe die Kanten des Vorderteilbelegs dann eingeschlagen und mit der Hand angesäumt.
Wenn man sich meine Umwege spart und einen schon angepassten Schnitt verwendet, ist Morris tatsächlich ein schnelles kleines Nähprojekt, das sich an einem Nachmittag umsetzen lässt. Ob sich dieser Blazer mit dem Tragegefühl einer Strickjacke gut in meine Kleidungsgewohnheiten einfügen lässt, muss sich noch zeigen. Es ist merkwürdig: Ich liebe ja Stricksachen (also selbstgestrickte Jacken oder gekaufte Feinstrickpullover), aber selbstgenähte Teile aus Strickstoffen sind bei mir noch nie in die Liga der Lieblingssachen aufgestiegen, egal um welchen Schnitt es sich handelte. Ich werde ein paar Kombinationsmöglichkeiten ausprobieren und berichten.
Alle Mittwochs-Outfits heute wieder neu im MeMadeMittwoch-Blog, der Sammlung für selbstgemachte Kleidung - heute mit Gastbloggerin Himmel* und Zwirn in einem von Lena Hoschek inspirierten Kleid.
Zusammenfassung Schnitt und Stoff:
Schnitt Oberteil:
Morris Blazer, Grainline Studio, Größe 10, an der Rückennaht angepasst, Schultern 1,5 cm verschmälert, Ärmel 4 cm verlängert. Kragenkante nicht abgesteppt, sondern Beleg und Kragen mit Handstichen unsichtbar befestigt.
Material: Fester romanitähnlicher Strickstoff mit Struktur, etwa 1,70 m, Kragen und Belege mit dünner schwarzer Vlieseinlage verstärkt.
Rock: 105 aus Burdastyle 8/2014, der Stoffwechselrock, Details hier.
Samstag, 12. November 2016
Auf meinem Nähtisch: Möglicherweise was mit Selbstüberschätzung (Blazer 112, Burdastyle 2/2015)
Mein neues Nähprojekt ist anspruchsvoll, mit einem Anflug von Selbstüberschätzung: Ein langer taillierter Blazer (Nr. 112) mit schmalem Revers und großen Taschen aus Burdastyle 2/2015, das Titelmodell. Ich brauche ab und zu eine Herausforderung beim Nähen, um mich nicht zu langweilen - aber ich bin noch nicht sicher, ob das hier was wird.
Ich bin da echt pingelig: Revers und Passform darf auf keinen Fall ungekonnt selbstgenäht aussehen, sonst ziehe ich das nicht an, das weiß ich jetzt schon. Bei Mänteln finde ich es nicht so kompliziert, einen guten Kragen hinzukriegen, weil der dickere Wollstoff, mit dem man näht, eine Menge verzeiht und sich meistens alles irgendwie hinbügeln lässt. Zur Not wickelt man sich einen dicken Schal um, und damit ist die Kragenproblematik gelöst! Bei Blazern geht das nicht ganz so gut, und Revers, Kragen, Schultern fallen viel mehr ins Auge, das sollte schon einigermaßen perfekt werden, zumindest ist das mein Anspruch. Und wie alles beim Nähen ist es auch Übungssache, deshalb ist es sinnvoll, ab und zu Blazer zu nähen, nur so können sie irgendwann richtig gut werden.
Mein Stoff ist ein dünner dunkelblauer Wollstoff mit einer Art Nadelstreifen, der sich sehr gut in Form bügeln lässt. Ich habe bisher nur die Schnittteile für Vorder- und Rückenteile zugeschnitten und mache mich an die Ärmel, wenn der Korpus und das Armloch gut sitzen, dann kann ich noch mal in Ruhe über die Streifenverteilung meditieren.
Bisher sieht die Sache ganz vielversprechend aus: Die Größe 38 passt im Prinzip, nur dass die Schultern wie immer bei Burda etwas breit sind. Über die Teilungsnähte kann ich noch einen Tick Weite im Brustbereich zugeben, den Rücken muss ich über die Mittelnaht noch ein bißchen anpassen. Die Nahtlinien habe ich mit Heftgarn durchgeschlagen, was gar nicht so schrecklich zeitraubend ist (gibt es Interesse an einem Tutorial dazu?). Der große Vorteil ist, dass die Markierungen auf jeden Fall sichtbar bleiben, auch nach fünfmal nähen und wieder auftrennen. Bei langwierigen Projekten mache ich das fast immer, wenn ich nur mit Kreide oder anderen Stiften markiert hatte, habe ich mich letztlich zum Schluss immer geärgert, nicht die Zeit investiert zu haben. (Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, dass man von den Heftgarnmarkierungen manchmal sehr lange etwas hat: Meistens entdecke ich in langweiligen Situationen, im Bus oder so, noch Fäden, die ich beim Herauszupfen übersehen hatte.)
Die Schultern sind anscheinend für ziemlich mächtige Schulterpolster konzipiert, dafür bin ich noch nicht (wieder) bereit, die Schulterschräge werde ich also auch anpassen müssen. Im Moment sinniere ich darüber, ob ich die vordere Kante und die Reversecke mit aufbügelbaren Einlagestreifen von der Rolle (von Stoff&Stil) verstärken soll. Die Einlage hatte ich erst vor zwei Tagen mitgenommen und etwas Weicheres erwartet - in etwa wie Vlieseline H180 - die Streifen erinnern aber eher an H250, sind also papierähnlich steif. Ich halte euch auf dem Laufenden - das wird hier etwas läger dauern!
Ich bin da echt pingelig: Revers und Passform darf auf keinen Fall ungekonnt selbstgenäht aussehen, sonst ziehe ich das nicht an, das weiß ich jetzt schon. Bei Mänteln finde ich es nicht so kompliziert, einen guten Kragen hinzukriegen, weil der dickere Wollstoff, mit dem man näht, eine Menge verzeiht und sich meistens alles irgendwie hinbügeln lässt. Zur Not wickelt man sich einen dicken Schal um, und damit ist die Kragenproblematik gelöst! Bei Blazern geht das nicht ganz so gut, und Revers, Kragen, Schultern fallen viel mehr ins Auge, das sollte schon einigermaßen perfekt werden, zumindest ist das mein Anspruch. Und wie alles beim Nähen ist es auch Übungssache, deshalb ist es sinnvoll, ab und zu Blazer zu nähen, nur so können sie irgendwann richtig gut werden.
Mein Stoff ist ein dünner dunkelblauer Wollstoff mit einer Art Nadelstreifen, der sich sehr gut in Form bügeln lässt. Ich habe bisher nur die Schnittteile für Vorder- und Rückenteile zugeschnitten und mache mich an die Ärmel, wenn der Korpus und das Armloch gut sitzen, dann kann ich noch mal in Ruhe über die Streifenverteilung meditieren.
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| Etwas geknittert nach dem Transport im Koffer, zurück vom Nähwochenende |
Bisher sieht die Sache ganz vielversprechend aus: Die Größe 38 passt im Prinzip, nur dass die Schultern wie immer bei Burda etwas breit sind. Über die Teilungsnähte kann ich noch einen Tick Weite im Brustbereich zugeben, den Rücken muss ich über die Mittelnaht noch ein bißchen anpassen. Die Nahtlinien habe ich mit Heftgarn durchgeschlagen, was gar nicht so schrecklich zeitraubend ist (gibt es Interesse an einem Tutorial dazu?). Der große Vorteil ist, dass die Markierungen auf jeden Fall sichtbar bleiben, auch nach fünfmal nähen und wieder auftrennen. Bei langwierigen Projekten mache ich das fast immer, wenn ich nur mit Kreide oder anderen Stiften markiert hatte, habe ich mich letztlich zum Schluss immer geärgert, nicht die Zeit investiert zu haben. (Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, dass man von den Heftgarnmarkierungen manchmal sehr lange etwas hat: Meistens entdecke ich in langweiligen Situationen, im Bus oder so, noch Fäden, die ich beim Herauszupfen übersehen hatte.)
Die Schultern sind anscheinend für ziemlich mächtige Schulterpolster konzipiert, dafür bin ich noch nicht (wieder) bereit, die Schulterschräge werde ich also auch anpassen müssen. Im Moment sinniere ich darüber, ob ich die vordere Kante und die Reversecke mit aufbügelbaren Einlagestreifen von der Rolle (von Stoff&Stil) verstärken soll. Die Einlage hatte ich erst vor zwei Tagen mitgenommen und etwas Weicheres erwartet - in etwa wie Vlieseline H180 - die Streifen erinnern aber eher an H250, sind also papierähnlich steif. Ich halte euch auf dem Laufenden - das wird hier etwas läger dauern!
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Freitag, 21. Oktober 2016
Eisen-Cardigan: bald fertig
Bevor die Linksammlung bei Sylvia-Frauenoberbekleidung schließt, möchte ich noch den aktuellen Stand des Eisen-Cardigans nachreichen: Ich habe einen Ärmel! Die Jacke macht schon einen ganz guten Eindruck: Ärmel und die Schultern sitzen eher locker bei mir. Vermutlich werde ich die Jacke selbst zum Schluss wirklich wieder etwas verkürzen - ihr erinnert euch vielleicht: Ich passte beim Stricken nicht auf und strickte sie etwa 4-5 cm zu lang. Die A-Form kommt besser heraus udn wirkt weniger "zeltig", wenn die Jacke nicht so lang ist.
Sylvia fragte auch nach dem Zusammennähen, nach Methoden und Erfahrungen. Bei dieser Strickjacke wird alles in einem Stück gestrickt, zum Schluss müssen nur ein paar Fäden vernäht werden. Was den Strickspaß betrifft, ist das meine bevorzugte Methode. Zusammennähen (ich nähe meistens Matratzenstich mit der Hand) macht mir keinen Spaß und oft verschleppe ich das Zusammenfügen ein paar Wochen. Andererseits denke ich in Schnittmustern: Wenn ich selbst mit einer Maschenprobe ein Strickteil berechne, kann ich nur in Vorderteil, Rückenteil, Ärmel denken. Das kenne ich, da weiß ich, wie es aussehen muss, mit zwei Dimensionen komme ich zurecht. Das Ausrechnen eines dreidimensionalen Gebildes a.k.a. Strickjacke überfordert mich hingegen. Daher muss ich mich beim Zusammennähen einfach zusammenreißen. Das Zusammenhäkeln der Teile, wie es Sylvia beschreibt, gefällt mir als Methode sehr gut - das werde ich bei der nächsten Gelegenheit ausprobieren.
Die Zwischenstände aller Herbstjacken (und das Zusammenhäkeln!) hier bei Frauenoberbekleidung.
Montag, 3. Oktober 2016
Herbstjacken-Knitalong: Zwischenstand beim Eisen-Cardigan
Beim Herbstjacken-Knitalong, dem gemeinsamen Jackenstricken gehostet von der Luise und Frauenoberbekleidung, kann ich schon einige Fortschritte beim Eisen-Cardigan zeigen. Die Jacke nach einer kostenlosen Anleitung von knitty.com hatte ich schon vor dem Knitalong angefangen, und da ich an den beiden letzten Wochenenden lange mit Bus und Zug unterwegs war, ist die Jacke gut gewachsen.
Man strickt sehr lange glatt rechts mit nur ein paar Zunahmen an der Stelle der Seitennähte und in der vorderen Mitte neben der Blende aus gezopften Rippen, die Jacke ist also das ideale Projekt zum Mitnehmen.
Die Zunahmen für die Raglanärmel verstecken sich rechts und links neben einer Zopfrippe, das Detail gefällt mir sehr gut.
Die Vorderteile werden nach unten hin auch einen Tick breiter, weil ab und zu neben der Blende eine Masche zugenommen wird. Wenn Zunahmen so wie hier nur in größeren Abständen vorkommen, ziehe ich mir an diesen Stellen Markierungsfäden ein. Dann verliere ich nicht den Überblick und kann die Abstände und die Anzahl der Zunahmen leicht anhand der Fäden abzählen. Trotzdem ist der glatt rechts gestrickte Teil des Korpus bei mir etwas länger geworden als vorgesehen, etwa 3 cm - das kommt vom Stricken in einem Intercity, bei dem das Licht in den Abteilen nicht funktionierte. Ich habe den Saum trotzdem erstmal abgekettet und entscheide zum Schluss, ob ich noch einmal aufribbele und die Jacke etwas verkürze, das ist ja kein Problem. Die Proportionen der Jacke lassen sich einfach besser beurteilen, wenn die Ärmel dran sind.
Mit dem zweiten geplanten Strickprojekt, einer roten Jacke mit Zopfmuster, bin ich noch gar nicht weitergekommen. Für das Ausprobieren von Strickmustern brauche ich meine Bücher und ein bißchen Ruhe, das geht nur zuhause. Ich hoffe, dass ich beim nächsten Treffen des Knitalongs am 16. Oktober ein bißchen was zeigen kann.
Sylvia hatte für diese Folge des Knitalongs einige Strick-Fragen an uns. Ich glaube meine Strickgeschichte ist ganz typisch: Ich stricke, seit ich fünf oder sechs bin, mir hat es meine Mutter beigebracht, die sehr viel strickte. In der Schule gabs nur Werkunterricht - Hamburg war da ganz progressiv - in dem ab und zu auch mal etwas mit Textilien gemacht wurde, Weben und Batik zum Beispiel, Stricken nie, ich wurde daher nie von merkwürdigen Handarbeitslehrerinnen demotiviert. Die ersten Strickprojekte waren Schlafsäcke (mit Mustern!) für meine Plüschtiere. Auf dem Gymnasium strickte ich auch ein paar Pullover, es waren die später Achtziger, frühen Neunziger, da musste man sich mit Passform nicht beschäftigen, die Pullover bestanden aus lauter rechteckigen Teilen.
Einen Lieblingsschal aus dünner magentaroter Wolle mit Zöpfen und Noppenmuster hatte ich mir zu Abiturzeiten gestrickt, nach einer Anleitung aus einem Brigitte-Strickbuch. Das Foto dürfte 1989 in Danzig entstanden sein. Dann erinnere ich mich an eine schwarze Strickjacke mit Lochmuster aus Baumwollgarn, die leider etwas schwer und leierig war und meine Abneigung gegen Baumwollgarn begründet hat.
In den 1990ern strickte ich so gut wie nicht: mit der Mode hatten sich die Anforderungen an die Passform und die Materialien geändert, aber die Strickhefte, die erhältlich waren, spiegelten diese Entwicklung nicht wider. Das war ja auch die Zeit, in der viele Wollgeschäfte schlossen. Selbst die Strickanleitungen in der Brigitte waren damals seltsam neben der Spur, oder zumindest nicht das, was ich anziehen wollte. Ich hätte knappe, taillenkurze Pullover aus feiner Wolle gebraucht, das gab es nicht als Anleitung, und ich hatte keine Ahnung, wie ich mir sowas selbst entwerfen und berechnen könnte. Ich fing erst Anfang der 2000er wieder mit dem Stricken an, als ich die tollen Anleitungen auf englischsprachigen Webseiten entdeckte. Der Tag, als ich knitty.com fand, war eine stricktechnische Offenbarung für mich.
Ich stricke mittlerweile ziemlich ungeniert in der Öffentlichkeit, besonders auf Reisen oder wenn ich eine Wartezeit zu überbücken habe, meistens für mich, ab und zu für den Liebsten (hier und hier), Kleinigkeiten wie Stulpen oder Mützen auch für andere. Die alten Rundstricknadeln aus den Achtzigern aus beschichtetem Metall finde ich ehrlich gesagt immer noch am besten. Seitdem bei der einzigen Nadel, die ich vor zwei, drei Jahren neu gekauft hatte, nach zweieinhalb Projekten das Seil direkt am Nadelansatz abbrach, denke ich nicht mehr darüber nach, ob ich mir zeitgemäße Holznadelsets oder etwas anderes Neues anschaffen sollte.
Alle Strickprojekte des Knitalongs finden sich hier bei Sylvia - Frauenoberbekleidung.
Man strickt sehr lange glatt rechts mit nur ein paar Zunahmen an der Stelle der Seitennähte und in der vorderen Mitte neben der Blende aus gezopften Rippen, die Jacke ist also das ideale Projekt zum Mitnehmen.
Die Zunahmen für die Raglanärmel verstecken sich rechts und links neben einer Zopfrippe, das Detail gefällt mir sehr gut.
Die Vorderteile werden nach unten hin auch einen Tick breiter, weil ab und zu neben der Blende eine Masche zugenommen wird. Wenn Zunahmen so wie hier nur in größeren Abständen vorkommen, ziehe ich mir an diesen Stellen Markierungsfäden ein. Dann verliere ich nicht den Überblick und kann die Abstände und die Anzahl der Zunahmen leicht anhand der Fäden abzählen. Trotzdem ist der glatt rechts gestrickte Teil des Korpus bei mir etwas länger geworden als vorgesehen, etwa 3 cm - das kommt vom Stricken in einem Intercity, bei dem das Licht in den Abteilen nicht funktionierte. Ich habe den Saum trotzdem erstmal abgekettet und entscheide zum Schluss, ob ich noch einmal aufribbele und die Jacke etwas verkürze, das ist ja kein Problem. Die Proportionen der Jacke lassen sich einfach besser beurteilen, wenn die Ärmel dran sind.
Mit dem zweiten geplanten Strickprojekt, einer roten Jacke mit Zopfmuster, bin ich noch gar nicht weitergekommen. Für das Ausprobieren von Strickmustern brauche ich meine Bücher und ein bißchen Ruhe, das geht nur zuhause. Ich hoffe, dass ich beim nächsten Treffen des Knitalongs am 16. Oktober ein bißchen was zeigen kann.
Sylvia hatte für diese Folge des Knitalongs einige Strick-Fragen an uns. Ich glaube meine Strickgeschichte ist ganz typisch: Ich stricke, seit ich fünf oder sechs bin, mir hat es meine Mutter beigebracht, die sehr viel strickte. In der Schule gabs nur Werkunterricht - Hamburg war da ganz progressiv - in dem ab und zu auch mal etwas mit Textilien gemacht wurde, Weben und Batik zum Beispiel, Stricken nie, ich wurde daher nie von merkwürdigen Handarbeitslehrerinnen demotiviert. Die ersten Strickprojekte waren Schlafsäcke (mit Mustern!) für meine Plüschtiere. Auf dem Gymnasium strickte ich auch ein paar Pullover, es waren die später Achtziger, frühen Neunziger, da musste man sich mit Passform nicht beschäftigen, die Pullover bestanden aus lauter rechteckigen Teilen.
Einen Lieblingsschal aus dünner magentaroter Wolle mit Zöpfen und Noppenmuster hatte ich mir zu Abiturzeiten gestrickt, nach einer Anleitung aus einem Brigitte-Strickbuch. Das Foto dürfte 1989 in Danzig entstanden sein. Dann erinnere ich mich an eine schwarze Strickjacke mit Lochmuster aus Baumwollgarn, die leider etwas schwer und leierig war und meine Abneigung gegen Baumwollgarn begründet hat.
In den 1990ern strickte ich so gut wie nicht: mit der Mode hatten sich die Anforderungen an die Passform und die Materialien geändert, aber die Strickhefte, die erhältlich waren, spiegelten diese Entwicklung nicht wider. Das war ja auch die Zeit, in der viele Wollgeschäfte schlossen. Selbst die Strickanleitungen in der Brigitte waren damals seltsam neben der Spur, oder zumindest nicht das, was ich anziehen wollte. Ich hätte knappe, taillenkurze Pullover aus feiner Wolle gebraucht, das gab es nicht als Anleitung, und ich hatte keine Ahnung, wie ich mir sowas selbst entwerfen und berechnen könnte. Ich fing erst Anfang der 2000er wieder mit dem Stricken an, als ich die tollen Anleitungen auf englischsprachigen Webseiten entdeckte. Der Tag, als ich knitty.com fand, war eine stricktechnische Offenbarung für mich.
Ich stricke mittlerweile ziemlich ungeniert in der Öffentlichkeit, besonders auf Reisen oder wenn ich eine Wartezeit zu überbücken habe, meistens für mich, ab und zu für den Liebsten (hier und hier), Kleinigkeiten wie Stulpen oder Mützen auch für andere. Die alten Rundstricknadeln aus den Achtzigern aus beschichtetem Metall finde ich ehrlich gesagt immer noch am besten. Seitdem bei der einzigen Nadel, die ich vor zwei, drei Jahren neu gekauft hatte, nach zweieinhalb Projekten das Seil direkt am Nadelansatz abbrach, denke ich nicht mehr darüber nach, ob ich mir zeitgemäße Holznadelsets oder etwas anderes Neues anschaffen sollte.
Alle Strickprojekte des Knitalongs finden sich hier bei Sylvia - Frauenoberbekleidung.
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