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Dienstag, 15. August 2017

Was ich gerade treibe, Pläne und Näh-Nachrichten aus dem Netz


Hier ist es gerade ein bißchen stiller zur Zeit, aber das liegt nicht an Urlaubsaktivitäten im Hause Nahtzugabe, sondern im Gegenteil an recht viel Arbeit auf einmal. Im Frühjahr 2018 wird es ein neues Buch geben, ein Anleitungsbuch für Patchwork und Quilts, dieses Mal wieder beim BuchVerlag für die Frau in Leipzig, wo zuletzt auch das "Neue Leben für alte Kleider" erschienen war. Ich bin also dabei, zu planen und zu schreiben, Stoffe auszuwählen und zu nähen - alles irgendwie parallel, denn ich möchte im November weder mit einem Berg noch zu nähender Patchworkprojekte, noch mit vielen leeren, noch zu füllenden Seiten dasitzen.


Im Kopf ist schon alles quasi fertig, ich muss es also "nur noch schnell alles aufschreiben" - dieser Spruch war früher ein Witz in meiner Doktorandengruppe, denn wie man sich vorstellen kann, fangen bei "nur noch aufschreiben" die Schwierigkeiten erst an. Bei Anleitungen für Quilts gilt das ganz besonders. Wenn man nicht nur einfarbige Stoffe oder Stoffe aus verbreiteten Quiltstoffserien verwendet, muss man sicherstellen, dass andere die Projekte mit ähnlichen Stoffen nacharbeiten können und bei der Stoffauswahl nicht verzweifeln. Die mosaikähnlichen Stoffrestequilts, die ich früher genäht habe - sowas wie hier oder hier - eignen sich überhaupt nicht dazu. Da bin ich gerade dabei, einen Mittelweg zu finden: Stoffe, die so ähnlich überall erhältlich sind, ohne dass das Ergenis eintönig wird.

Ein ausgedehnter Sommerurlaub kommt dieses Jahr also nicht in Frage, und auch ein neues, selbstverlegtes Buch muss noch etwas warten, obwohl ich einige Ideen und Pläne habe. Ein selbstgemachtes Buch wäre auf jeden Fall wieder eine große Herausforderung - nur weil beim Stofflexikon alles klappte und das Buch begeisterte Rückmeldungen bekommt und sich gut verkauft, bilde ich mir nicht ein, das Büchermachen und -verkaufen verstanden zu haben. Das Ziel in ferner Zukunft, ein sympathischer Kleinverlag zu textilen Themen, mit sehr guten Anleitungsbüchern und interessanten Büchern zur Kulturgeschichte der Textilien, ist sehr ambitioniert - vielleicht ist das ganze auch gar nicht zu schaffen, aber ich möchte es wenigstens versuchen. Immer wenn ich mal wieder einen Einblick bekomme, wie die meisten etablierten Handarbeitsverlage arbeiten, was dort alles nicht gemacht wird, weil es als zu wenig massentauglich gilt, dann denke ich doch, dass es daneben noch eine kleine, nicht unkomfortable Nische geben müsste, und da will ich hin. Aber bis dahin ist noch sehr, sehr viel zu lernen.


Auf dem Nähtisch


Noch für den Sommer oder schon für den Herbst nähen? Das wechselhafte und ab und zu recht kalte Wetter macht es nicht leicht, sich noch der Sommergarderobe zu widmen. Ich hatte ein weiteres Ansa-Butterfly-Kleid aus leichter Viskose geplant und außerdem ein ärmelloses Sommerkleid aus Waxprint, aber ich bezweifele, dass es diesen Sommer noch dazu kommt, falls uns nicht noch eine Hitzewelle überrascht. Das schon lange geplante Anna-Kleid nach By Hand London aus der im März bei der Stoffspielerei selbstgefärbten Baumwolle habe ich aber vorletztes Wochenende beim Nähtreffen immerhin schon angefangen, und es macht bis jetzt einen guten Eindruck - das wird demnächst fertig.


Außerdem fast fertig ist eine Chobe-Tasche nach dem tollen Schnitt von Elle Puls. Auch die lag schon sehr lange, seit Jahresanfang da, ehe die schwierige Suche nach der passnden Taschen-Hardware das Projekt stocken ließ.  

Konkrete Nähpläne für den Herbst wollen sich aber auch noch nicht einstellen. Eine kurze Wolljacke, eventuell in A-Linie, auf jeden Fall mit Pattentaschen und schönem Kragen, würde ich mir gerne nähen. In etwa wie die Jacke 119 aus dem Burda-September-Heft, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob diese glockigen Ärmelabschlüsse das richtige für mich sind. Zu den letzten zwei Burda-Heften würde sich aber mal wieder ein Beitrag lohnen - da tut sich offensichtlich wieder was beim Konzept, und das geht durchaus in die richtige Richtung, finde ich.

Näh-Nachrichten aus dem Netz


Oder "Informationen querbeet", wie eine meiner Lieblingsbloggerinnen schreibt. Dank eines sehr verbesserten Internetanschlusses kann ich jetzt Tipps wie das Fashion Weekend auf arte mit lauter interessanten Modefilmen am 29. September bis 1. Oktober nicht nur weitergeben, sondern mir sogar auch selber ansehen. Die für mich ganz neue Möglichkeit des ruckelfreien Betrachtens von Filmbeiträgen hat noch nicht dazu geführt, dass ich sämtliche Mediatheken leergucke, aber es ist schön, dass das jetzt überhaupt als Freizeitgestaltung in Frage kommt. Am 1. Oktober ab 17.10 Uhr läuft bei arte zum Beispiel die Dokumentation über Dries van Noten, über die ich vor ein paar Wochen geschrieben hatte.  

Die Serie Game of Thrones hat ja jetzt auch wieder angefangen, aufgrund der vormaligen Internet- und Fernsehsituation hier bin ich völlig draußen und werde das auch nicht mehr aufholen, aber die Fans finden vielleicht diesen Artikel über die modehistorischen Bezüge der Kostüme interessant, den ich gerne gelesen habe, obwohl ich von der Serie nur ein paar Bilder kenne.

Um die Abbildungen von Kleidung in der Kunst und die damit verbundenen Fragestellungen und Probleme geht es bei einer Konferenz in Berlin in der Lipperheidischen Kostümbibliothek am 14. und 15. 9. - Programm und (kostenlose) Anmeldung hier: 'All that glitters...': Visual representations of dress in the early modern and the boundaries of reliability". Ärgerlich, dass ich am 15. nicht in Berlin bin, die Vorträge an beiden Tagen hören sich interessant an.

Ebenfalls in Berlin, im Museum Europäischer Kulturen, läuft noch bis Ende Januar die Ausstellung Anna webt Reformation. Ein Bildteppich und seine Geschichten. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ein Bildteppich von 1667 aus Dithmarschen, der anlässlich des damaligen Reformationsjubiläums in Auftrag gegeben wurde. Neben dem Teppich sollen auch weitere Textilien zu sehen sein - ich habe die Ausstellung noch nicht besucht, werde das aber so bald wie möglich einplanen.

Neben dem Reformationsjahr haben wir ja auch, auf dem Kontinent vielleicht etwas weniger präsent, das Jane-Austen-Jahr, nämlich Jane Austens zweihundertsten Todestag. Bei der BBC gab es zu diesem Anlass eine vergnügliche Doku über eingefleischte Austen-Fans und ihre Unternehmungen, die Autorin und ihre Zeit weiterleben zu lassen: My friend Jane. (noch 5 Tage in der Mediathek)

Und zuletzt habe ich für euch noch einen weiteren nützlichen Artikel des Beswingten Allerleis: Widerrruf und Reklamation beim Stoffkauf.

Freitag, 9. Oktober 2015

"Quiltessential" - ein Grundlagenbuch von Erin Burke Harris [Blogtour]


Deutschsprachige Grundlagenwerke übers Quilten sind eher rar gesät. Das hat sich seit meiner Quiltphase vor ein paar Jahren nicht grundlegend geändert, und so gehen die meisten Quiltanfängerinnen wahrscheinlich so vor, wie ich damals auch: Probieren hier etwas, schnappen dort ein bißchen Technik auf und wurschteln sich durch. Zwar gibt es alle Informationen im weiten Internet, aber die muss man finden - und am besten gleich die englischen Fachbegriffe kennen, denn die Quiltwelt spricht nun mal zum größten Teil Englisch. Der Haupt-Verlag ließ nun ein modernes Quilt-Grundlagenbuch übersetzen, Quiltessential von Erin Burke Harris, die auch ein interessantes Näh- und Quiltblog schreibt.  


Ihr Buch bietet wirklich das essentielle Quiltwissen, kurzgefasst zum Nachschlagen, so dass man es sicher immer noch oft in die Hand nimmt, wenn man die Anfängerphase schon hinter sich gelassen hat. In vier großen Kapiteln wird die gesamte Entstehung eines Quilts abgehandelt: Von der Auswahl der Stoffe, der Kombination der Farben, über den Entwurf des Musters und der Einfassungen bis zum Zusammennähen und Quilten. Neben den kurz gefassten, sehr klaren und übersichtlich gegliederten Anleitungstexten werden viele Schritte durch Grafiken oder Schritt-für-Schritt-Fotos veranschaulicht.


Kleine Fotos von Quilts in der gerade besprochenen Technik und vor allem die Porträts moderner Quilterinnen, die die Kapitel abschließen, liefern Augenfutter, das Lust macht, gleich mit der Planung eines neuen Quilts zu beginnen. Die Auswahl der Quilts ist wirklich frisch und modern, und wer regelmäßig Quiltblogs liest, wird einigen Stars der Quiltszene wiederbegegnen. 

An dem Buch gefällt mir besonders, dass sich die Auswahl der Quilts und der beschriebenen Techniken nicht allein auf das Patchworken mit den typischen Quiltstoffen aus Baumwolle beschränkt. Im Stoffkundekapitel am Anfang des Buches werden genauso Stoffe wie Samt, Denim und Wolle besprochen, jeweils eine Doppelseite ist Spezialtechniken wie japanischem Sashiko, hawaiianischen Applikationsquilts, Quiltcollagen und provenzalischen Quilts gewidmet. In diesem Umfang können die Erklärungen natürlich nicht sehr in die Tiefe gehen - bei der sehr knappen Anleitung für Paper Piecing/Nähen auf Papier wird wohl jede absolute Anfängerin kapitulieren - aber sie liefern einen guten Eindruck, was alles mit der Quilttechnik möglich ist und wo sich das Weiterlesen in Spezialbüchern lohnt. 


Sehr angetan bin ich auch von der deutschen Übersetzung und Bearbeitung: In den Texten werden neben den übersetzten Fachbegriffen auf Deutsch parallel immer auch die englischen Begriffe genannt, was die Orientierung in Quiltblogs und auf Quiltwebseiten sehr erleichtert, wenn man damit nicht vertraut ist. Ebenso werden alle Maße parallel in Zentimeter und in Zoll (inches) angegeben, eine Tabelle zu Matratzenmaßen und sich daraus ergebenden typischen Quiltdeckenmaßen wurde auf die europäischen Verhältnisse angepasst.

Anleitungen für konkrete Projekte, Schnittmuster oder eine Auswahl von traditionellen Patchwork-Blockmustern enthält das Buch nicht. Quiltessential ist daher vor allem ein Buch für die selbständige Quiltanfängerin, die sich über das Wie und Warum belesen möchte und einen Leitfaden an die Hand bekommt, aus der Fülle von Materialien und Techniken das Passende für ihr Projekt zu wählen. Dass das Buch keine Mustersammlung enthält, finde ich ein bißchen schade - das hätte das Buch in meinen Augen rund gemacht - aber um auch das noch zu bieten und wirklich alle Aspekte des Quiltens abzudecken, müsste es wohl noch hundert Seiten umfangreicher sein. Der Anhang mit Links zu den Blogs und Webseiten der beteiligten Quilterinnen, zu Quilforen und Quiltzeitschriften bietet ja auch einen guten Startpunkt, um sich in Quiltinspirationen zu verlieren.

Der Haupt-Verlag verlost in seinem Blog 10 Exemplare des Buchs Quiltessential von Erin Burke Harris. Auf der Verlagswebseite kann man außerdem durch eine Leseprobe blättern.

[Dieser Beitrag erscheint im Rahmen einer Blogtour, gestern erschien ein Beitrag bei Quilts und mehr, morgen geht es weiter bei Stoffbreite. Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Alle Teilnehmerinnen der Blogtour: 

01. Okt 15 http://aylin-nilya.blogspot.com/
02. Okt 15 http://nadel-garn-tee.blogspot.com/
03. Okt 15 http://allie-and-me-design.blogspot.com/
04. Okt 15 http://das-mach-ich-nachts.com/
05. Okt 15 http://sternwerfer.blogspot.com/
06. Okt 15 http://zeit-fuer-patchwork.blogspot.com/
07. Okt 15 http://reginasquiltblog.blogspot.com/
08. Okt 15 http://quiltsundmehr.blogspot.com/
09. Okt 15 http://nahtzugabe.blogspot.com/
10. Okt 15 http://blog.stoffbreite.de/
11. Okt 15 http://sunset-sewing.blogspot.com/
12. Okt 15 http://hansundgrete.blogspot.com/
13. Okt 15 http://capricornquilts.blogspot.com/
14. Okt 15 http://nanasnw.blogspot.com/
15. Okt 15 http://.quiltecke.blogspot.com/
16. Okt 15 http://quiltmanufaktur.blogspot.com/
17. Okt 15 http://machenundtun.blogspot.com/
18. Okt 15 http://www.ellisandhiggs.com/
19. Okt 15 http://kingaisabellaquilts.blogspot.com/
20. Okt 15 http://quilt-virus.com/
21. Okt 15 https://venividivicky.wordpress.com/
22. Okt 15 http://patchworkangela.blogspot.com/
23. Okt 15 http://durbanvilledesign.blogspot.com/
24. Okt 15 http://tagfuertag.typepad.com/weblog

Sonntag, 25. Januar 2015

Stoffspielerei*) im Januar: Ecken


Ein schnelles Restepatchwork aus einfarbigen und zusammengesetzten Dreiecken und ein schnelles Erfolgserlebnis hatte ich mir beim Januar-Thema "Ecken" von frifris vorgestellt. Aber so schnell ging das doch wieder nicht, es war mehr Näharbeit als ich dachte. Die Restedreiecke entstanden in den letzten zwei Wochen, nach und nach setzte ich sie schon mit einfarbigen Gegenstücken zu Paaren zusammen und die Paare zu Reihen, verschusselte dabei aber teilweise die Richtung der Streifen bei den Restedreiecken, musste trennen, stellte dabei fest, dass einer der schwarzen Stoffreste total morsch war und ausgetauscht werde musste... hach ja, die letzten Reihen fügte ich heute Morgen an, und gequiltet ist es noch nicht, und auch noch nicht zum Kissenbezug verarbeitet.

Mit Restepatchwork hatte ich mich in den letzten Jahren immer mal wieder beschäftigt, denn ich bin eine große Resteaufheberin und Restesammlerin. Nur der reine Zufall, ganz ohne Struktur funktioniert dabei meistens nicht so gut, jedenfalls mit meinen unspektakulären Resten vom Kleidernähen. Mit farblich und nach hell und dunkel sortierten Resten wie bei den Kaleidoskopkissen schon eher, diese Methode ist aber aufwendig, da im Grunde der Platz jedes einzelnen Restfitzelchens festgelegt werden muss. Bei der Zufalls-Wolldecke wird hingegen nur eine grobe Sortierung nach "Hauptfarbe" und "Akzentfarbe" vorgenommen, die Anordnung ist ansonsten vollkommen zufällig. Die Restedreiecke hier sind im Grunde ein Kompromiss zwischen den zwei Methoden: Die aus dünnem Stoff zugeschnittene Grundform wird abwechselnd mit dunklen und hellen unregelmäßigen Stoffstreifen benäht, Struktur und Zufall gleichzeitig.         


Das Monatsthema "Ecken" hätte Raum für allerlei Interpretationen geboten, nicht nur Dreiecke sind Ecken, Dreiecke sind aber eine besonders dankbare Form für Patchwork. Seit dem Matheunterricht betrachte ich Dreiecke eigentlich nur noch aus der Patchwork-Perspektive, und aus Patchworksicht sind vor allem zwei Dreieckstypen interessant: Rechtwinklige Dreiecke, die sich im Patchworkmustern mit Quadraten vertragen, und gleichseitige Dreiecke wie hier, aus denen sich Rauten, Parallelogramme und Sechsecke zusammensetzen lassen. Letztere finde ich gerade interessanter, die Mustermöglichkeiten erscheinen mir vielfältiger. (Entwurfspapier mit gleichseitigen Dreiecken, mit dem man spielen kann, kann man übrigens hier herunterladen.)


Wenn das Teil gequiltet ist, zeige ich euch es auf jeden Fall nochmal! Der ursprüngliche Plan sah sogar vor, zwei Kissenbezüge im gleichen Muster für zwei Stuhlkissen anzufertigen - das dauert sicher noch ein bißchen. Wie das Ecken-Thema sonst interpretiert wurde wird hier von frifris gesammelt - vielen Dank dafür!

*) Worum geht es hier? Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.  

Thema nächsten Monat: Chenille (vorgeschlagen von Griselda, Sammlung am 22. 2. 2015). 

Donnerstag, 6. November 2014

Blogtour zum Buch: C. June Barnes, Quilten in der dritten Dimension


Die meist sorgfältig gemachten Textilbücher des Schweizer Haupt-Verlags schätze ich schon lange, daher war ich sehr interessiert, als mich der Verlag anschrieb, um mir ein Rezensionsexemplar des gerade erschienen Buches „Quilten in der dritten Dimension“ von C. June Barnes anzubieten. 

C. June Barnes ist eine britische Textilkünstlerin, die nach Anfängen im klassischen Patchwork in den letzten Jahren vielfach für ihre experimentellen textilen Arbeiten ausgezeichnet wurde. Barnes erschafft dreidimensionale Skulpturen aus Stoff, die an überdimensionale Seeigel erinnern, an Samenkapseln oder Blütenkelche, an Einzeller oder an muschelverkrustete Felsen. Manchmal wachsen die organischen Formen aus einer rechteckigen Fläche heraus, das Objekt kann also wie ein herkömmlicher Quilt an die Wand gehängt werden, häufiger jedoch stehen oder schweben die Gebilde frei im Raum. Die gequilteten Flächen bearbeitet Barnes oft noch mit Farbe oder bestickt sie mit Perlen und Pailetten.


Das Buch liefert einen Einblick in die Herstellung dieser textilen Skulpturen: teils werden die Formen aus Veränderungen der Fläche oder der Oberfläche entwickelt, der Stoff wird gerafft, gefaltet, gewickelt, gestapelt oder verdreht; teils gehen die Gebilde von geometrischen Formen aus. Die vielen großformatigen Bilder eignen sich sehr gut zum Schmökern, C. June Barnes scheibt außerdem über ihre Inspirationsquellen und ihren Entwurfsprozess. In einem Galerieteil werden die Arbeiten einiger anderer Textilkünstlerinnen vorgestellt, die ebenfalls mit dreidimensionalen Formen experimentieren und andere Ansätze als Barnes verfolgen.   


Die grundlegenden Herstellungsweisen dieser Gebilde werden anhand von Zeichnungen beschrieben. Dabei gibt es meistens keine detaillierten Anleitungen, wie ein bestimmtes Objekt 1:1 nachzuarbeiten wäre, die Erklärungen verraten nur das allgemeine Vorgehen bei der Grundkonstruktion und beim Zusammensetzen - den Maßstab, das Material, die Oberflächengestaltung bleiben offen. Die Abschnitte über Materialien und Nähtechniken hätte ich mir denn auch ausführlicher gewünscht. Gerade über unübliche Materialien wie Peltex, Lamitex, Timtex sind deutschsprachige Informationen schwer zu beschaffen. Dass sich dreidimensionale Gebilde mit Hilfe von Kabelbindern oder Korsettstangen versteifen lassen, darauf wird sicher jede experimentierfreudige Quilterin selber kommen - aber wie verarbeitet man das am besten? Und was ist mit dem Woll-Viskose-Filz gemeint, der in der Waschmaschine schrumpft? Es mag sein, dass alle diese Materialien in Art-Quilt-Kreisen auch im deutschsprachigen Raum wohlbekannt sind. Um die Bezeichnung des Buchs als "Handbuch" zu rechtfertigen, hätte ich dennoch mehr Informationen erwartet, die auch Neulingen den Einstieg in dieses Gebiet ermöglichen.


Als Inspirationsquelle und als Anregung, beim Quilten über den Quiltrand hinauszublicken ist dieses Buch allerdings großartig. Das Kapitel über die so genannten D-Formen, kapselartige Gebilde, von denen ich noch nie gehört hatte, faszinierte mich besonders. So eine einfache D-Form probierte ich auch aus. Aus einer Form, die aus zwei verbundenen Kreisen besteht, zweimal zugeschnitten, lässt sich eine abgeflachte Kugel nähen - bei mir eher ein abgerundeter Quader, siehe erstes Foto.


Fazit: C. June Barnes' Buch bietet einen faszinierenden Einblick in das Atelier einer Quiltkünstlerin, die hier sicher nicht alle Tricks und Geheimnisse verrät. Ein Ideenfundus für experimentierfreudige Quilterinnen, die sich auf neue Wege führen lassen möchten und die nicht auf detaillierte Anleitungen angewiesen sind.

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Dieser Beitrag ist Teil einer vom Haupt-Verlag organisierten Blogtour. Die weiteren Beiträge der Tour erscheinen in den nächsten Tagen hier:

07.11.2014 Sunset Sewing
08.11.2014 Hans und Grete
09.11.2014 like to quiltblog
10.11.2014 Nadel Garn Tee
11.11.2014 Quiltecke 
12.11.2014 Quilt it Out

Im Blog des Haupt-Verlags läuft bis zum 15. 11. eine Verlosung des Buchs.  

Donnerstag, 19. September 2013

Wie der Zufall so spielt


Menschen, die regelmäßig Mittagsschlaf halten, seien gesünder, klüger, leistungsfähiger, ja glücklicher als andere – diese bahnbrechende Erkenntnis der Wissenschaft hatte ich im Frühjahr so oft gelesen, dass ich große Lust bekam, die Mittagsschlaf-Decke fürs Bürosofa zu nähen, die schon so lange geplant war. Ich habe ja einen Schreibplatz in einer Bürogemeinschaft, und dort steht ein nickerchengeeignetes Sofa auf dem Gang. Auch wenn ich davon bisher nur wenig Gebrauch gemacht habe – das gefürchtete Nachmittagstief ab 14.00 Uhr war in letzter Zeit weniger tief – ist es ja immer gut, vorbereitet zu sein.


Wollstoffreste hatte ich schon seit längerer Zeit gesammelt, und von Wiebke und Frau Kirsche wurde ich großzügig mit Zuschnittresten versorgt – vielen Dank nochmal dafür! Wie das Muster zustande gekommen ist, darüber könnte ich euch jetzt lange rätseln lassen: es sieht ja irgendwie nach moderner Kunst aus. In Wirklichkeit ist die Anordnung Zufall, oder besser gesagt, ein gesteuerter Zufall.


Für Zufallsquilts gibt es ja eine Menge Anleitungen. Manche basieren darauf, dass man einfach eine Menge Stoffschnipsel in eine Tüte steckt und die Schnipsel Stück für Stück zufällig zusammennäht. Das ergibt ein ansehnliches Ergebnis, wenn sich in der Tüte ein paar schöne moderne Quiltstoffserien, vielleicht gemixt mit ein paar Punkten und einfarbigen Stoffen in gefälligen Farben befinden. Mit dem Inhalt meiner Baumwollstoff-Kiste funktioniert das nicht: Merkwürdige Stoffe in Kombination mit noch mehr merkwürdigen Stoffen neutralisieren sich nicht gegenseitig, oder jedenfalls nur manchmal.


Diese Anleitung für einen Quilt, die ich über Textile Ideen fand, war deshalb ein guter Ausgangspunkt, um den Zufall einzubeziehen, sich ihm aber nicht völlig auszuliefern. Für den Quilt verwendete ich Wollstoffreste in schwarz, schwarz-weiß, grau, dunkelblau, braun, dunkelrot als Hauptfarbe und Reste in einfarbig rot und rotem Fischgrat als Akzentfarbe. Während die Originalanleitung mit langen Streifen aus Patchworkstoff arbeitet, sind bei mir die langen Streifen aus verschiedenen Stoffen zusammengesetzt. Ich schnitt einfach nach und nach alle Reste in 12 cm breite Streifen und fügte sie grob nach Farben geordnet zusammen, so dass ich 20 Streifen von etwa 1,20 m Länge erhielt. Diese Streifen setzte ich dann in zufälliger Reihenfolge abwechselnd mit kurzen Stücken aus den Akzentfarben zusammen zu einem einzigen, mehr als 25 Meter langen Streifen.

Was dann kommt, macht richtig Spaß: Wann kann man schon mal mehr als 10 Meter einfach nur geradeaus nähen? Der Streifen wird der Länge nach zusammengefaltet. Da die Näherei nicht besonders präzise sein muss, reicht es aus, einfach die beiden Enden zusammenzulegen, so, dass der Streifen nicht in sich verdreht ist, und von dort aus Richtung Bruch entlang der Längskante loszunähen. Den Bruch schneidet man auf und faltet den Streifen wieder zusammen und näht wieder an der Längskante entlang - und das so lange, bis ein rechteckiges Deckenformat entstanden ist. Dann aufhören!


Durch die farblich vorsortierten Streifen kommt es zu einer abwechslungsreichen Quiltfläche mit helleren und dunkleren Partien und genügend Kontrasten, dass die Sache nicht langweilig wirkt - und ohne dass man beim Falten und Nähen noch Einfluss darauf hätte. Um so eine unzufällig-zufällige Stoffanordnung bewusst herzustellen, hätte ich lange herumrpobieren müssen.


Die gepatchte Oberseite verarbeitete ich dann ganz konventionell weiter: die Rückseite besteht aus einem großen Reststück karierten Baumwollflanells, als Füllung dient eine dünne und günstige Fleecedecke. Die Decke wurde jeweils in einigem Abstand von den Nähten quer durchgesteppt. Und so werde ich nun ab und an unter dieser Decke dem Glück und dem Erfolg entgegenschlafen.

Montag, 10. September 2012

Wochenrückblick KW 36


 


 
1. Wie habt ihr das Ende der Glühbirne Anfang September erlebt? Ich wollte mich noch schnell mit 25-Watt-Kerzenbirnen eindecken und stand im Baumarkt vor leergefegten Regalen. Nun hatte der Ramschladen nebenan noch dies hier: 40-Watt-Glühbirnen, und der Impuls, ein paar zu kaufen, war übemächtig. Hilfe! Sollten Zigaretten verboten werden - ich würde vermutlich anfangen zu rauchen.

2. Griselda hatte schon richtig vermutet: es ist auch noch was großes aus Sechsecken in Gange. Mal sehen wie weit ich komme, ehe sich ein Stoff wiederholt.

3. Erkenntnis des Quilttreffens am Sonntag: Drunkard's path ist ja total Siebziger!

4. Am Reuterplatz, Neukölln: paste up von Tona aus Hamburg.

Freitag, 7. September 2012

Schöner sitzen


Ich sitze viel, mehr als ich möchte, täglich lange auf diesem Platz. So ein Plastikschalenstuhl wäre ohne Kissen auf die Dauer ziemlich unangenehm, daher besorgte ich nach dem Einzug schnell ein Schaumstoffkissen im Ramschkaufhaus nebenan. Dass ein schöner Kissenbezug nicht schlecht ist, wenn man sich an einem Ort so lange aufhalten muss, ist ja klar.

Aber, unter uns, ich brauchte vor allem ein Betätigungsfeld für meine neue Sucht - ich habe nämlich Hexagonitis. Ja, so siehts aus. Wahrscheinlich war es nur eine Frage der Zeit, wahrscheinlich war es fahrlässig von mir, mich bewusst immer wieder den Hexagons und ihren englischen Verwandten auszusetzen - schließlich wundert man sich ja auch nicht über eine Erkältung, wenn man in der Erkältungszeit im vollbesetzten Bus steht und alle um einen herum husten und schniefen. Jetzt habe ich also auch Hexagonitis mit den bekannten Symptomen:

- ich bin immer auf der Suche nach Stoff für noch mehr Hexagons (andere zerschneiden in diesem Zustand die nicht mehr getragenen Sachen aus dem Kleiderschrank, habe ich gehört – erschreckend, oder?)
- bin ständig beschäftigt mit dem Anlegen, Sortieren und Umschichten hübscher, kleiner, gehefteter Hexagon-Stapel
- habe zerstochene Fingerspitzen
- leide zeitweilig unter Schlafmangel und sozialer Vereinsamung („ich komme gleich, ich mache nur noch schnell die Reihe zuende!“)


Angesteckt hatte ich mich wahrscheinlich schon bei einem Treffen der Berlin modern quilt guild zum Thema – hier im Quilt-guild-Blog findet man auch die ganzen technischen Tricks, die Tacha uns verraten hatte. Beim English paper piecing (Hexagonitis ist nur eine Unterart, es gibt z. B. auch Pentagonitis oder Parallelogrammitis, you name it) werden Stoffstücke um Papierschablonen geheftet oder geklebt und durch Handnähte zusammengefügt.



Ich lade die Schablonen hier herunter und drucke sie auf Schmierpapier aus. Die ausgeschnittenen Papiersechsecke klebe ich mit Klebestift leicht auf den Stoff und hefte die Ränder hinten fest, ohne durch das Papier zu stechen, so dass die Schablonen später herausgezupft werden können und die Heftfäden drinbleiben.


Die klassische Sechseck-Anordnung ist der "Grandmothers flowergarden" mit sechs gleichfarbigen Teilen um eine andersfarbige Mitte herum, aber wie macht man ein modernes Muster daraus? Indem man nur ungemusterte Reste verwendet und eine Anordnung wählt, die gar kein regelmäßiges Muster ergibt, dachte ich mir. Eine gewisse Ähnlichkeit des Kissens mit zeitvertreibenden Spielchen wie Infex oder Mad Virus lässt sich ja nun nicht verleugnen. Aber sowas spiele ich nur gaaanz, ganz selten, ehrlich!    

Sonntag, 29. Juli 2012

Sieben Farben weiß: Patchwork paradox


Knoten, Falten, Verdrehen, Schneiden - um diese manipulativeren Methoden der Stoffmanipulation ging es mir diesmal nicht. Ja, mein Genähtes qualifiziert sich höchstens noch gerade so als Stoffmanipulation, ich hatte aber einfach größte Lust es anzufertigen.


Seitdem wir nämlich beim Quiltgruppentreffen English Paper Piecing durchgenommen hatten, handgenähtes Patchwork mit Hilfe von Papierschablonen, überlegte und verwarf ich Projekte in dieser Technik. Als erst Floh, dann Suschna English Paper Piecing im Blog zeigten, druckte ich mir eine Seite Fünfecke aus (von hier) und fing an - mit den Stoffen aus der Manipulationstüte, also weißem Batist, ungebleichtem Leinen, Nessel und anderen weißen Stoffen, Nähgarn in weiß, schwarz und rot - absichtlich nicht passend, absichtlich mit sichtbaren Stichen.


Fünfecke erschienen mir weniger regelmäßig und vorhersehbar als Sechsecke, aus denen dieses Patchwork traditionellerweise genäht wird. Der Stern aus Rauten auf der Rückseite der Tasche ergab sich aus den Resten, den Zwischenräumen der ausgedruckten Fünfecke.


In Wirklichkeit fallen die Farbunterschiede zwischen den Stoffen übrigens nicht so stark auf - die Kamera verstärkt sie ohne mein Zutun. In Muster und Technik sehe ich noch viele Möglichkeiten, mehrfarbig natürlich, aber auch ein Patchwork aus nur einem einzigen einfarbigen Stoff erscheint mir reizvoll. Das führte das Prinzip des Patchworks ad absurdum. Im nächsten Schritt müsste ich auf die Einzelteile verzichten, und nur noch die verbindenden Nähte auf den Stoff nähen. Oder ein Gitter aus Nähten anlegen, ganz ohne Stoffstücke dazwischen. Also quasi ein Einkaufsnetz! Wenn man sich einmal mit paradoxem Patchwork beschäftigt, führt zwangsläufig eines zum anderen.    

Alle Stoffmanipulationsideen sammelt wie immer Suschna.

Donnerstag, 1. März 2012

Endlich gerüstet (und sag‘ am Ende leise menno...)

Außen bunt...

Den Spruch von den Schustern, die immer die schlechtesten Schuhe haben, kennt man ja – gehört ihr auch zu den Selbernäherinnen, die unterwegs nicht mal einen Knopf annähen könnten? Ich muss gestehen, dass ich auf Reisen immer ohne Nähzeug unterwegs bin. Bei einem Notfall musste ich letztens sogar Nähnadeln und Garn in einem Supermarkt kaufen und dafür vergleichsweise ein Vermögen ausgeben.

... innen praktisch...

Deshalb – und weil ich immer öfter auf diversen Treffen außerhäusig nähe – habe ich mir endlich ein Etui für die wichtigsten Nähutensilien gemacht, nach der Anleitung von Where the orchids grow, die ich schon mal verlinkt hatte. Genau nach Anleitung genäht – das heißt außen mit einem improvisiert gepatchten Log Cabin (was mir eigentlich gar nicht so gut gefällt, ich hab‘s gern ordentlicher...), und innen mit diversen kleine Fächern, in denen ich Schere, Garn, Nadeln, Nähmaß, Nahttrenner und so weiter unterbringen kann. Praktisch!

... gefüllt: kein Kommentar!

Aber nicht perfekt: Genau nach Anleitung bedeutet auch, vorher nicht nachzumessen, wie groß das Täschchen werden würde, und Inch-Maße sagen mir erstmal nicht so viel... Der Markierstift passt nicht vollständig hinein, aber – und jetzt bitte alle im Chor: DAS LASSE ICH JETZT SO!
(Menno.)

Montag, 6. Februar 2012

Selbstgemacht - KW 5




1. Selbstgezeichnet: Einen Schnitt für das Oberteil aus einem Rechteck aus Pattern magic 2.

2. Selbstgenäht: Das Paper-piecing-Patchwork aus lauter fast-schwarzen Stoffen und Seidenresten, angefangen im Oktober ist ganz schön gewachsen. Zuerst wollte ich ja eine kleine Tasche für Nähzubehör daraus machen, aber dafür ist das Patchwork wohl zu zart, auch gefüttert und gequiltet. Für das meiste andere übrigens auch – daher bleibt es erstmal liegen, bis mir eine Verwendung einfällt.

3. Selbstgefunden: Die ‚zu-verschenken‘-Ecke bei uns im Haus erstaunt mich immer wieder. In den ersten Wochen des Jahres lag da nur das Erwartbare, nämlich gräßliche Weihnachtsgeschenke (stellt euch Pseudo-Ölbilder mit LED-Beleuchtung vor). Die Lampe besteht zwar aus Pressglas und künstlicher Patina – aber wer sieht das noch, wenn sie erstmal in 3 Metern Höhe hängt?

4. Selbermacher geklickt: Tanoshii - japanisch schneidern, ein Sammelblog für alle, die nach japanischen Büchern nähen - nicht nur für Kinder. Prima Sache, dann weiß ich ja, wohin mit dem fertigen Teil aus 1.

Freitag, 20. Januar 2012

Kona Cotton Kantha


Erinnert ihr euch noch an die Erbsensuppe? Im August hatten wir in der Quiltgruppe gemeinsam Stoffe bestellt, und zwar Kona Cotton Charm quilt packs, Farbrichtung „dusty“, Pakete mit je 44 Stoffquadraten im Format 12x12 in 44 verschiedenen Farben. Die Herausforderung bestand darin, aus diesem Paket mit zwei anderen einfarbigen Stoffen nach Wunsch einen kleinen Quilt oder etwas anderes anzufertigen. Wie sehr würden sich die Quilts gleichen, bei gleichem Ausgangsmaterial? Letzten Sonntag wurden nun die Ergebnisse enthüllt, Suschnas transparenten Stimmungsquilt kann man zum Beispiel hier in ihrem Blog sehen. Aylin war schon ganz früh fertig und nähte ein Kissen aus den Stoffen.
 

Meine ersten Assoziationen angesichts des Stoffpakets gingen ja in Richtung traurige Rentnerjacken, verkochte Eintöpfe, Schlamm und Schmutz. Die Stoffe der „dusty“-Palette sind alle gleichermaßen gedämpft, es gibt wenig Kontraste, am meisten aber irritiert mich ihre Struktur- und Texturlosigkeit. Natürlich ist das vom Hersteller beabsichtigt – sie sollen sich ja gerade zuverlässig in Quilts mit Musterstoffen einfügen und nur durch ihre Farbe wirken. Da ich bei Quilts das Unregelmäßige, Zufällige mag und normalerweise Stoffe mit Geschichte, aus ganz verschiedenen Quellen und Zeiten verwende, hatte ich mit solcher Gleichförmigkeit bisher noch nicht zu tun.


Ich wollte also in den Quilt eine Textur, den Zufall und das sichtbar Handgemachte hineinbringen, ohne mich vom Prinzip des Quilts, letztlich ja eine gefütterte, wattierte und abgesteppte Decke, zu entfernen. Und wenn der Stoff an sich industriell, perfekt, leblos wirkt, dann muss eben das Quilting für das Lebendige sorgen.


Kantha ist ein indisches Quiltprinzip - ursprünglich wurden abgenutzte Kleidungsstücke und alte Stoffe in mehreren Schichten aufeinander gelegt und mit kleinen Stichen durchgesteppt, um wieder ein benutzbares Stück zu erhalten, das zu Gebrauchsgegenständen weiterverarbeitet wurde. Das charakteristische sind die kleinen, dichten Vorstichreihen, mit denen gesteppt wird. Die Stichreihen laufen parallel und liegen eng beieinander - manchmal in einfachen Linien, manchmal bilden sie verschlungene Muster. Einen guten Überblick über einige Stichtypen der Kantha-Stickerei findet man hier. Mich interessierte vor allem die Strukturierung der Oberfläche durch die Stichreihen: das gleichmäßige Stichraster durchbricht die Oberfläche und hält sie gleichzeitig auch zusammen.


So einen Effekt wollte ich hier auch. Das Garn ist normaler Sticktwist (zweifädig), mal im Kontrast zur Untergrund, mal Ton in Ton, mal hell auf dunkel, mal dunkel auf hell, mit zufälligen Farbwechseln immer dann, wenn ein Faden zuende war. Wie ich Deepas Blog entnehme, habe ich im Bejod-Stil gestickt: die Stiche in den parallelen Linien sind nicht bündig.


Für den kleinen Quilt verwendete ich letztlich fast das ganze Stoffpaket ohne zusätzliches Material, denn es gab in meiner Stoffsammlung einfach nichts, was nicht in Struktur oder Farbintensität herausgestochen hätte. Durch stundenlanges Quadrate-Kombinieren und Umsortieren fand ich schließlich Farbzusammenstellungen, die mir gefielen, das Rechteckmuster ergab sich aus dem begrenzten Material.


Das Nähen in den Bahnen einer vordefinierten Aufgabe erwies sich mal wieder als spannender Prozess mit unerwartetem Ausgang und einem schönen Ergebnis, mit dem ich bei dem ersten demotivierenden Blick auf das Stoffpaket niemals gerechnet hätte. Fazit: gebt mir mehr Herausforderungen!


Nachtrag 22. 1. 2012: Hier gibt es jetzt die anderen Ergebnisse der Kona cotton Challenge zu sehen.