Samstag, 31. August 2013

Drops 69-17 und eine Verteidigung des Glatt-rechts-Strickens


Die dunkelblaue Strickjacke vom Me-made-Mittwoch in dieser Woche wollte ich ja noch einmal im Detail zeigen. Das Strickmuster 69-17 ist schon ein älteres von Drops, bei ravelry gab es bisher keine einzige Umsetzung davon (nur meine jetzt). Ich wurde auf die Anleitung in einem Me-made-Mittwoch-Beitrag aufmerksam, die Bloggerin hatte die Jacke aus weißem Baumwollgarn gestrickt, wenn ich mich richtig erinnere - falls jemand sich und seine Jacke wiedererkennt, bitte Bescheid geben, ich verlinke das dann noch. Ich verwendete statt Baumwollgarn Drops Baby alpaca silk, knapp 300g für Größe M, verstrickt mit Nadeln 3,5, das ergibt bei meiner Strickspannung ein relativ lockeres, leichtes Gestrick.  


Die Jacke ist denkbar schlicht: ein Raglan von unten, glatt rechts, mit einem einfachen Zopfmuster über zwei Maschen an den Bündchen, das man ohne Hilfsnadel stricken kann.


Über die Raglanabnahmen hatte ich mich zuerst gewundert (die Anleitung ist, da eine der älteren von drops, auch etwas merkwürdig übersetzt): Anstatt in jeder Hinreihe Maschen abzunehmen, wird nur in jeder vierten Reihe abgenommen - dafür dann aber immer zwei Maschen auf einmal. Das ergibt an der Raglanschrägung kleine Knötchen im Gestrickten, die mit den zwei-Maschen-Zöpfen an den Bündchen und an den Vorderkanten korrespondieren - also alles gut durchdacht von der Designerin oder dem Designer.  


Die Bündchen an der Vorderkante habe ich in eins-rechts-eins-links zuletzt separat angestrickt, die gleich mitgestrickten kraus-rechts-Bündchen, die es bei Anleitungen von Drops oft gibt, schätze ich nicht besonders.

In ihrer Schlichtheit passt die Jacke ungefähr zu allem in meinem Kleiderschrank, und ich möchte hier mal eine Lanze für glatt rechts gestrickte Teile brechen. Klar, man könnte auch viel Komplizierteres stricken - aber wer sagt, dass man das muss? Man näht ja auch nicht nur Karokleider, weil da die Musteranpassung beim Zuschneiden besonders kompliziert ist und Einfarbiges zu langweilig und einfach wäre.

Bei glatt rechts Gestricktem kommt das Garn besonders gut zur Geltung, das Gestrick ist leicht, dehnbar und anschmiegsam. Strukturmuster mit vielen Verkreuzungen ergeben oft ein sehr dickes, fast störrisches Gestrick, und Muster passen eben auch nicht immer und überall - zu einer auffällig gemusterten Strickjacke auch noch einen gemusterten Rock zu tragen, kann für meinen Geschmack schon etwas zu viel Muster sein.

Nicht zuletzt stricke ich auch gerne glatt rechts: es geht schnell und verlangt wenig Mitdenkkapazitäten und ist damit ideal für Strickprojekte zum Mitnehmen auf Reisen, für die schnelle Reihe zwischendurch, fürs paralle DVDgucken oder für die Stricktreffen bei der MittwochsMasche, wenn man sich nebenher unterhalten will. Komplizierte Strickmuster mag ich zwar auch, weil das Stricken selbst dann so spannend und unterhaltend ist, wenn sich das Muster auf den Nadeln langsam entwickelt, aber ich habe festgestellt, dass ich zum Beispiel mit Stricktüchern nicht so recht etwas anfangen kann. Und Dinge stricken, nur weil ich den Herstellungsprozess interessant finde und die ich letztlich gar nicht benutze, ist ja auch nicht sinnvoll. Überhaupt liegt bei glatt rechts gestrickten Modellen der Reiz in gut gelösten, kleinen technischen Details, wie hier zum Beispiel in den betonten Raglanabnahmen. Sowas ist zwar nicht so auffällig wie ein flächendeckendes Zopfmuster, macht mir aber auch Freude. Die Jacke wird deshalb sicher nicht mein letztes glatt rechts gestricktes Teil gewesen sein - auch wenn zur Zeit wieder etwas Gemustertes auf den Nadeln ist.        

Mittwoch, 28. August 2013

Erster Me-made-Mittwoch nach der Sommerpause

Der erste Me-made-Mittwoch nach der Sommerpause macht da weiter, wo mein letzter Me-made-Mittwoch vor der Sommerpause endete: mit dem langen Leinenrock aus Burdastyle 5/2012, Schnittbesprechung hier. Wenn dadurch der Eindruck entsteht, ich hätte den Sommer von Ende  Juni bis Ende August in diesem Rock verbracht: das ist richtig! Wie geplant passte der graue Rock zu fast allem, war an heißen Tagen schön luftig und an nicht zu heißen Tagen wie heute wärmt er ein bißchen mehr als ein kürzerer Rock. Klingt paradox, stimmt aber.    

Die Strickjacke - denn heute braucht man leider schon eine Strickjacke - aus Drops Alpaca-silk ist gerade neu fertiggeworden, in den nächsten Tagen folgt noch ein gesonderter Post dazu. Ich bin mal gespannt, wie sich das Garn auf die Dauer trägt. Ich finde, es neigt doch etwas zum Kratzen, eine richtige Sommerstrickjacke habe ich hier also doch nicht fabriziert. Nunja, mit dem Sommer hats sich ja auch bald, jedenfalls hier in Berlin.

Was in anderen Landesteilen heute getragen wird, ist hier beim Me-made-Mittwoch versammelt.

[Rock: Nummer 106 aus Burdastyle 5/2012, Strickjacke: Drops 69-17 aus Alpaca silk, Brosche: Kanzashi von 2009.]

Montag, 26. August 2013

Woche 34



Es gefällt mir nicht, lässt sich aber nicht mehr leugnen: der Herbst ist fast da, ich rieche ihn jeden Morgen am offenen Fenster. Das Licht, die Wolken, die Kastanien im Hof, das frühe Dunkelwerden, untrügliche Zeichen. Dass mir früher die Sommer schier endlos vorkamen, hat sicher mit den Schulferien zu tun. Heute frage ich enttäuscht: was, das wars schon? Es war doch nur ein Mal richtig warm!

Aus Bekleidungsperspektive finde ich den Herbst aber die beste Jahreszeit. Im Frühjahr komme ich meist viel zu spät aus den Stiefeln heraus, jetzt aber geht es nur darum, sich von nackten Beinen langsam wieder an Strumpfhosen zu gewöhnen. Das schaffe ich. Die Bluse vom Nähkränzchen - ich glaube es war im Mai - braucht nur noch Manschetten und Knopflöcher (und das, obwohl ich zuerst einen Kragen ohne Paspel verstürzte und schon fast angenäht hatte, ehe mir der Paspel-Plan wieder einfiel. So war das ja von Anfang an gedacht gewesen, aber in mehrwöchigen Nähpausen vergisst man das schon mal. Die Kragenteile von Nummer eins ließen sich natürlich nicht noch einmal verwenden, selbstverständlich probierte ich auch das aus.).
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Meine Nähpläne wenden sich dem Herbst zu, und die Herbst-Spezial-Nähhefte trudeln langsam ein. Letzte Woche gabs die Vorschau der Easy fashion, nun ist die Schnittübersicht der Herbst-Ottobre-Woman da (das Titelbild des letzten Hefts ganz rechts, dort kann man blättern). Wie immer eine Kollektion guter Basisschnitte, aber ich denke nicht, dass ich dieses Heft haben muss. Aber genau so einen Blumenstoff wie bei Rock 11, nur mit Anemonen statt mit Rosen, liegt seit Frühjahr 2012 in meinem Lager. Den sollte ich demnächst wohl mal zu einem geraden, schlichten Rock vernähen.  

Dann stieß ich letzte Woche auf noch mehr Schnittmuster aus Finnland: Named Clothing ist das frisch gestartete Projekt der Schwestern Saara und Laura , die eine wunderbar schlicht-elegante Winterkollektion entworfen haben, die mir sehr gefällt. Die Schnittmuster gibt es als pdf-Downloads zum Selbstausdrucken und Zusammenkleben, wobei ich mit Freude lese, dass es sich maximal um 16 DinA4-Seiten handelt. Ich bin stark in Versuchung, einen Schnitt auszuprobieren.

Könnte das Dakota Shawl Collar Dress das ideale Winterkleid sein? Ich habe an mir festgestellt, dass ich Kleider als Sommerkleid mag, dann überzeugt mich das Konzept, mit nur einem Kleidungsstück vollständig angezogen zu sein. In der kalten Jahreshälfte lande ich immer bei den vielen Varianten von Röcken und Oberteilen und Jacken. Nicht, dass ich eine Kombinationskünstlerin wäre, aber ich fühle mich so flexibler und besser für unterschiedliche Gelegenheiten und Temperaturen gerüstet. Das Schalkragenkleid könnte das beste aus beiden Welten vereinigen: ein Kleid, aber trotzdem Abwandlungsmöglichkeiten wie bei Rock und Oberteil.

Zuletzt noch ein Real-Life-Stoffkauftipp:
Bei Philea in Kreuzberg läuft gerade eine Sonderaktion: die Sommerware muss weg, die neuen Winterstoffe kommen im September. Für Kurzentschlossene ist der Laden in der Schlesischen Straße 31 heute bis 19.00 Uhr geöffnet, morgen von 10-19.00 Uhr und Mittwoch von 12-19.00 Uhr. Es gibt reduzierte Stoffe ab 2€/m netto. In der nächsten Woche gelten wieder die normalen Öffnungszeiten: immer Mittwochs von 12-19.00 Uhr. Nur am 25. 9. bleibt wegen eines Messebesuchs geschlossen.

Sonntag, 25. August 2013

Stoffspielerei im August: Fadengrafik+Stoff=Stickerei


Heute nur etwas Kleines und noch nicht Fertiges. Als frifris für die Stoffspielerei im Juli das Thema Fadengrafik vorschlug, einen Link zu diesem modernen Fadenbild  setzte und Ende Juli Fadengrafik-Muster auf Stoff zeigte, fielen bei mir im Kopf die Teile einer Gleichung auf die richtigen Plätze: Fadengrafik plus Stoff ergibt Stickerei. Eigentlich logisch. Da es im August mit dem Fadenthema weitergehen sollte - "Im Fadenkreuz" schlug Karen vor - versuchte ich,  so ein Fadenbild mit Schrift umzusetzen.



Es sollte eine Stickerei werden, die zu einem Tischset verarbeitet werden kann - deshalb der Text. Meine Fotos aus dem Herstellungsprozess sind leider einer kaputten Speicherkarte zum Opfer gefallen, daher kann ich nur kurz beschreiben, wie ich es gemacht habe: Den Schriftzug erstellte ich im Schreibprogramm und druckte ihn aus. Mit einem Stift, der beim Bügeln verschwindet, zeichnete ich die Schrift auf den Stoff durch (Ausdruck und Stoff ans Fenster halten, die Schrift scheint durch). Die Linien der (scheinbaren) Spannfäden zeichnete ich mit dem Lineal vor. Beim Sticken ergibt sich dann das Problem, wie frifris schon letztes Mal festgestellt hatte, dass allzu lange Spannfäden den Stoff zusammenziehen können und man leicht darin hängen bleibt.


Durch die Aufteilung in kürzere Stickstiche geht einiges des Spannbild-Eindrucks verloren. Aus größerer Entfernung gefällt mir die Schrift aber ganz gut - ich habe Lust, wieder mehr zu sticken!
Wäre das vielleicht ein Thema für die nächste Stoffspierlerei am 29. 9.? Dann bin ich nämlich Gastgeberin.

Heute aber sammelt Karen die Stoffspielerei-Beiträge hier, vielen Dank! 

Freitag, 23. August 2013

Dekostoffe in den Osramhöfen


Schon mehrmals bin ich von Leserinnen per Mail nach guten Einkaufsmöglichkeiten für Dekostoffe in Berlin gefragt worden. Das ist nicht so ganz der Bereich, in dem ich mich gut auskenne, aber ich ahne: Neben den bedruckten Baumwollstoffen von Ikea, die dann die halbe Nachbarschaft auch am Fenster hängen hat, und den Polyesterstores bei Karstadt muss es noch etwas anderes geben. Nur wo? Auf die Mailanfragen hatte ich vorsichtig auf das Dekostoff-Outlet in den Osramhöfen im Wedding hingewiesen – vorsichtig, weil ich den Laden bisher nie besucht hatte, und unbesehen etwas zu empfehlen ist heikel. Vor kurzem führte mich der Weg zufällig an der Oudenarder Straße vorbei, und ich konnte mir das Angebot anschauen.

Und wirklich: die Stoffe im Outlet haben wenig bis gar nichts mit den praktisch-waschbaren Schwedenstoffen und den Gardinenalpträumen aus dem Kaufhaus gemein. In dem großen Raum im Erdgeschoss der ehemaligen Glühbirnenfabrik findet man in hohen Regalen Hunderte verschiedene Stoffe auf Rollen, nach Materialien sortiert. Da gibt es zum Beispiel Pflanzendrucke auf naturfarbenen Leinen, die an die Illustrationen eines botanischen Lexikons erinnern. Oder Tupfenstoffe in verschiedenen Farben, aus Frankreich. Seidenstoffe, uni, mit Webstreifen oder bestickt. Flauschige Polsterstoffe, Gobelin, Stoffe mit transparent-flattrigen aufgenähten Kreisen, einfarbiges Leinen mit unregelmäßiger Webstruktur genauso wie Stoffe mit metallischer Beschichtung. Die Auswahl ist wirklich groß und nicht-alltäglich. Da es sich um ein Outlet handelt ist die verfügbare Menge oft begrenzt, zum Teil handelt es sich um B-Ware mit kleinen Fehlern. Die Preise liegen zwischen ca. 15€ für bedruckte Baumwolle und ca. 45€ für bestickte Seide, wobei viele Stoffe 160cm breit oder noch breiter liegen.

Der offenbar einzige Angestellte erschien nur kurz um mich zu begrüßen und ließ mich dann in Ruhe schauen. Ich finde spontan einiges, das ich mir zuhause am Fenster oder auf dem Sofa vorstellen kann, kaufe aber nichts, denn, wie gesagt, Heimdeko ist nicht mein Metier. Eine Tüte mit 7 Metern petrolblauem Wollstoff wartet seit gut 10 Monaten darauf, von mir in Vorhänge verwandelt zu werden. Daher heute keine Stoffe für mich, aber sollte überraschend Heimtextilbedarf aufkommen, würde ich hier schauen.

Stoff-Wohnkultur-Outlet
Oudenarder Straße 16
13347 Berlin

Geöffnet MO-FR 11-19.00 Uhr, SA 11-15.30 Uhr
Haltestellen Seestraße (U6) oder Nauener Platz (U9)

www.stoff-wohnkultur.de 

In den Osramhöfen gibt es noch einige weitere Outlets, zum Beispiel von MAC (Hosen), Ulla Popken und Marc Cain. Bei Marc Cain schaute ich kurz rein, in der Hoffnung, es werde auch Stoff angeboten. Das war nicht der Fall, und die wenigen, Kleiderstangen herumschiebenden Kundinnen sahen trotz Kaufrausch so unglaublich schlecht gelaunt und gestresst drein, dass ich  schnell wieder ging. Da sieht mans wieder: Nur Selbernähen macht glücklich! Die Sachen aus der Vorsaison kosten ungefähr die Hälfte des ehemaligen Ladenpreises, es gibt neben Kleidung auch Schuhe und Accessoires des Labels.

Montag, 19. August 2013

Woche 33

 

Es ist jeden Sonntag schön, die Speicherkarte der kleinen Knipskamera zu leeren und nachzuschauen, was ich eigentlich so getrieben habe die ganze Woche. Wenn ich meine Bildersammlung nicht hätte, wüsste ich es oft selbst nicht mehr. Die letzte Woche ging ungeheuer schnell und scheinbar ereignislos vorbei, dabei habe ich

1. Das Ufer des Plötzensees von einem Ruderboot aus betrachtet.

2. Im Birkenwäldchen des Mauerparks die Ausstellung der Fotogruppe "Blauen Laterne" angeschaut.

3. Am Neuköllner Schifffahrtskanal ein Turmspringer-paste-up gefunden.

Und ein paar Linkempfehlungen habe ich auch:

Das Herbstheft der Ottobre (5/2013), das immer Schnittmuster für Damen enthält, erscheint Anfang September. Das Titelbild und ein paar Seiten aus dem Heft (werden durch Anklicken ein wenig größer) sind hier im Ottobre-Fanblog schon zu sehen. Die Mini-Vorschau begeistert mich jetzt noch nicht, aber das war ja auch noch nicht alles. 

Und noch ein Herbstheft: Burda Easy richtet sich nicht so sehr an absolute Nähanfänger (auch wenn die Anleitungen schön ausführlich mit Bildern sind), sondern eher an jüngere Leserinnen. Einen ersten Blick auf die Modelle gibt es hier. Sehr interessant zum Beispiel diese Kreuzung aus Blazer und Cape - oder sind das zwei separate Teile? Mitte September wissen wir mehr.

4. Und noch eine gute Nachricht: Das Nähkontor, der tolle Kurzwarenladen in der Bötzowstraße, hat endlich einen Onlineshop: Naehkontor.de. Das ist nicht nur gut, weil jetzt das gesamte Bundesgebiet mit Kugelknöpfen versorgt werden kann, sondern auch, weil Nina und Elke monatelang Knöpfe fotografiert, Knöpfe gezählt, Knöpfe ausgemessen haben, sich Namen für Borten ausdachten, dabei noch das Ladengeschäft offen war und sie bei all dem tatsächlich nicht verrückt geworden sind. Es ist noch längst nicht alles im Onlineshop einsortiert, was im Laden vorhanden ist, es wird nach und nach immer mehr dazukommen. Schon jetzt gibt es aber zum Beispiel tolles Baumwoll-Gurtband in vielen verschiedenen Farben und sehr günstige nahtverdeckte Reißverschlüsse. Ach ja, und noch bis zum 22. August 10% Rabatt auf die Bestellung. Herzlichen Glückwunsch zu diesem großen Schritt und viel Erfolg damit!