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Donnerstag, 6. April 2017

Inspirationen und Beobachtungen von der Handarbeitsmesse H+H in Köln

Am Wochenende war ich kurz - leider etwas zu kurz - in Köln, um die H+H, laut eigener Aussage die "weltweit größte Fachmesse für Handarbeit + Hobby" zu besuchen. Auf der H+H werden Neuheiten vorgestellt, Stoff- und Kurzwarenhändler können direkt bei den Herstellern oder Großhändlern bestellen, daher kann man sich also Materialien und Zubehör angucken, das es noch nicht in den Läden gibt. Ich war deshalb schon seit einigen Jahren neugierig auf diese Messe (die Akkreditierung als Nähbloggerin war übrigens kein Problem), außerdem wollte ich eine Buchidee anrecherchieren, und die Veranstaltung war ideal, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Die Messe ist wirklich, wirklich riesig, und so schaffte ich in einem Tag tatsächlich nur einen groben Überblick, verpasste die Modenschauen, verpasste ganz viele Internetbekanntschaften, die auch da waren, und fotografierte relativ wahllos, was mir auffiel und gefiel - drüben bei Instagram hatte ich schon ein paar Bilder gezeigt - hier also mein subjektiver Eindruck von der Messe, kommt mit!

Wolle, Wolle, Wolle


Handarbeitsgarne, vor allem Strickwolle, bilden nach meinem Eindruck einen Schwerpunkt der Messe. Die großen Wollhersteller haben riesige, oft sehr aufwendig dekorierte Stände und zeigen Dutzende Strick- und Häkelmodelle aus den neuen Garnen. Auf der anderen Seite sind aber auch kleine oder sehr kleine  Firmen aus aller Welt mit handgefärbten Garnen vertreten, die nur wenige Stränge an ihrem Stand zeigen. Ich habe vor allem Strickmodelle fotografiert und versucht, sowas wie Trends auszumachen.

Modelle von ggh
Garn von ggh
Modelle von Katia yarns

Langfädige Garne, die verstrickt eine Art Fell oder Flausch ergeben, habe ich sehr oft gesehen. Anders als das Polyesterzottelgarn, das vor ein paar Jahren populär war, sind diese Garne jetzt meistens aus Naturfasern und fassen sich sehr angenehm an. Sie werden mit großen Nadeln glatt rechts verstrickt und bilden so einen federleichten, pelzähnlichen Stoff ohne sichtbare Maschen. Es wurden vor allem große Strickjacken und Strickmäntel daraus gezeigt - das entspricht ja auch der 90er-Revival-Mode, die zur Zeit in den Läden hängt. Bei Katia Yarns gab es sogar Chenillegarn, das ich zuletzt auch in den 1990er Jahren gesehen hatte - der Pullover unter der grün-grauen Zotteljacke ist aus Chenille. Ob das immer noch so mörderisch leiert wie früher?

Modelle von Rico Design
Modelle von Rico Design

Mohairgarne oder Alpaca in Mohairoptik werden weiterhin viel angeboten, neu jetzt auch noch mit Lurexbestandteilen im Garn. Der grüne Pullover mit dem langen grünen Schal darüber in der Mitte des oberen Bildes ist aus so einerm Mohair-Lurex-Garn. Es ist interessant, dass das Glitzern auf dem Foto fast nicht zu sehen ist, in Wirklichkeit kam mir der Glanz nicht so dezent vor. Ton in Ton auf einem Messestand sieht sowas ja edel aus, aber ob so ein Pullover im Alltagskontext auch so gut wirkt?

Modelle von ggh

Sanfte melierte Farbverläufe wie bei dem Pullover links waren auch häufiger zu sehen - und Unmengen von sehr bunten Farbverlaufsgarnen. Da war die Präsentation an den Ständen oft eher eine Materialschlacht und hatte mit Design nicht so viel zu tun.

Modelle von ONline

Dekorative Aufnäher - neudeutsch: Patches - sind im Moment (seit D&G Jeans mit Aufnähern zeigte) ein großes Thema. Bei ONline wurde Gestricktes mit Aufnähern kombiniert, die Idee gefällt mir gut - und ich bin beruhigt, dass auch Strickprofis Strickjackenblenden stricken, die sich ungünstig zusammenziehen. 

Rico Design

Warum ich das fotografiert habe, weiß ich nicht mehr - aber ist die schwarz-weiß-gelbe Jacke hinten rechts nicht schön?

Lion Brand Yarn

Das Foto bildet den Übergang zum Gehäkelten: Jacke gestrickt, Rock missonimäßig gehäkelt. Gefällt mir an der Puppe sehr, aber auch hier frage ich mich, ob das im richtigen Leben angezogen wirklich so cool wirkt, oder wie Omas Häkeldecke als Kleidung. 

Gehäkeltes  

Modelle:Bernat Design Studio

Gehäkeltes gab es vor allem in zwei Formen: als lustige, gehäkelte Tiere und als Wohnaccessoires, wobei die geschmackvollen Töne der teils gehäkelten, teils gestrickten Wohndeko oben eher die Ausnahme bildeten. Im Hintergrund sieht man ein Beispiel, wie auf der Messe Geschäfte gemacht werden (denn dazu ist sie hauptsächlich da) - an Tischen, die wie bei Bernat zwischen der Messedeko stehen, manchmal auch durch halbhohe Wänder vom Besuchergewusel abgetrennt sind. Aber auf die Geschäfte auf der Messe komme ich später noch einmal zurück.

Modelle: DMC

Die Arrangements beidem französischen Garnhersteller DMC waren besonders schön und detailverliebt - und sofort instagrammierbar (gibt es das Wort?), da quadratisch.

Gesticktes


Stickerei: DMC

Handsticken liegt im Trend, hört man derzeit überall. Der Trend kommt von den Laufstegen - aber wird er wirklich imDIY-Bereich ankommen? Ich bin skeptisch, denn um Plattstiche nur annähernd so gekonnt zu sticken wie die StickerInnen der Messemodelle bei DMC, braucht man sehr viel Übung und Geduld. Ich könnte mir vorstellen, dass einfacher zu erlernende Techniken eine größere Chance auf Verbreitung haben.

Stickpackungen von RTO
Gobelinstickerei bei DMC

Stickpackungen im Kreuzstich oder Gobelinstich erfüllen eigentlich alle Voraussetzungen, um zum massentaglichen Hobby zu werden: Die Muster müssen nicht mühsam auf den Untergrund übertragen werden und die Sticktechnik ist leicht zu meistern. Was die Messe in der Hinsicht zu bieten hatte, ließ mich allerdings etwas ratlos zurück. Moderne Entwürfe, wie die zwei Beispiele, die ich knipste, sind die Ausnahme. Die Hersteller von Stickpackungen aus ganz Europa - es waren bestimmt ein Dutzend Firmen vertreten - bieten zum größten Teil Motive an, wie sie schon unsere Omas stickten: Betende Hände. Schäferhunde und Kätzchen im Schuh. Disneymotive. Bilder wie von Gustav Klimt oder Chagall, aber in schreienden Farben, manchmal mit Glitzer. Vor allem gestickte Bilder, wenig benutzbare Textilien - hängt sich wirklich jemand gestickte Bilder an die Wand? Dabei könnte man in Gobelinstickerei mit Wolle auf Stramin nicht nur Kissen für jede Lebenslage sticken, sondern auch Taschen, Täschchen und Portemonnaies, Gürtel und Hausschuhe - das müsste nur jemand mit guten Designs entwerfen und als Bastelpackung auf den Markt bringen.

Stoffe


Stoffe von lotte martens
Stoffe von lotte martens

Natürlich gibt es auf der Messe auch Stoffe zu sehen - aber den überwiegenden Teil nur als Musterlaschen. Aus den Stoffen genähte Beispiele gab es vor allem bei den Herstellern von Patchworkstoffen, überhaupt gab es relativ wenig reine Bekleidungsstoffe, oder ich habe sie in dem Farben- und Musteroverkill vieler Stoffanbieter nicht wahrgenommen.

Die handbedruckten Stoffe von lottemartens.com aus Belgien sind etwas ganz Feines: Matte Jerseys mit glänzenden Goldpunkten, zarte Linien, bedruckte Plissees, flauschige Wolle mit glattem Druck - selten hat mich Stoff so begeistert! Den Stand fand ich (natürlich) erst zehn Minuten vor Messeschluss, daher war mehr als ein hastiges Foto nicht drin. Auf der Webseite und bei Instagram unter http://instagram.com/lottemartens_exclusivefabrics gibt es mehr Bilder - und wenn ich die Kommentare unter den Bildern dort richtig deute, wird es die Stoffe bald in einigen Läden geben.

Schnittmuster


Schnittmuster von zonen09
Stoffe von zonen09

Die nettesten Gespräche auf der Messe hatte ich bei einer für mich ganz neuen kleinen Schnittmusterfirma, zonen09 aus Belgien, die sich auf Schnitte für Männer und Jungs spezialisiert hat. Die Schnittmuster im Baukastensystem mit Variationen bei Ärmeln, Kragen und Ausschnitten gibt es in drei Größengruppen, für Kinder bis 9 Jahre, für Jugendliche von 10-16, einige auch in den Herrengrößen 48-60. Die schönen Papierschnittmuster haben ein aufwendiges, sehr ausführliches Anleitungsheft mit farbigen Fotos - das Muster des Anleitungshefts sieht man in dem krawattenförmigen Ausschnitt des Pappumschlags, der Schnittbogen und Anleitung zusammenhält. Zur Zeit werden die Anleitungen ins Deutsche übersetzt, so dass es bald Papierschnitte von zonen09 bei uns in den Läden geben wird. Die Kinderschnitte gibt es bereits mit englischer Anleitung als Downloadschnitte zum Zusammenkleben auf der Webseite. Passend zu den Modellen lässt zonen09 Stoffe aus Bio-Baumwolle in Belgien produzieren.

An dem Messestand von zonen09 kann man auch gut sehen, wie eine kleine, sympathische Firma mit beschränkten Mitteln doch etwas aus der Fläche machen kann: In eine Wandverkleidung aus gelochten Fichtenholzplatten werden Regalbretter oder Kleiderbügel eingehängt, dazu ein flauschiger Teppich, ein paar Sukkulenten in kleinen Töpfen, ein Stehtisch und ein Glas mit belgischen Karamellbonbons - mehr braucht man nicht.

Messebeobachtungen


Der bombastische Stand von Gütermann

Bei anderen lautet das Motto eher: Klotzen, nicht kleckern. Weiter oben hatte ich schon beschrieben, dass die wirklich wichtigen Dinge, nämlich die Bestellungen der Händler, an den Ständen an kleinen Tischen abgewickelt werden. Zum Teil sieht man dort Stoff- und Wollladenbesitzerinnen sitzen, nicht selten sind es aber auch Herren in sehr smarten Anzügen. Die Tische stehen manchmal mitten im Messegewusel, manchmal in abgetrennten Ecken - und ein Großkonzern wie Gütermann (der neben Nähgarn auch Perlen und eine Stofflinie produziert), richtet an seinem riesigen Stand einen abgetrennten Bereich mit Kaffebar mit Espressomaschine und Gebäck ein, der auf den ersten Blick wie ein nettes Café wirkt. Das habe ich nicht fotografiert, da zu viele Menschen mit auf das Bild gekommen wären - die Tische waren gut gefüllt - aber die Dekorationen boten genügend Fotomotive. Der Messestand war so groß wie eine große Drei-Zimmer-Wohnung mit ineinander übergehenden Zimmern, frischen Blumen und Garndeko überall.


Es geht aber auch wesentlich prosaischer: Viele Verhandlungen finden am Rand der Messehallen in Räumen aus mobilen Stellwänden statt, und ich wette da gibt es dann nur plörrigen Pumpkannenkaffee und die messetypische Keks- und Waffelmischung!

Nähzubehör


Grundsätzlich hatte ich den Eindruck, dass es auf der Messe fast alles gibt, was man sich als Selbermacherin an Werkzeug oder Zubehör wünscht, aber in den Läden nie oder nur sehr selten findet. Es gibt schöne Taschengriffe, es gibt japanisches Sashiko-Garn und Sashiko-Stoffe mit vorgedruckten Mustern. Es gibt hochwertige Scheren aus Solingen, es gibt Holzstickrahmen in jeder Größe, es gibt Tapisseriewolle in allen Farben, es gibt dänisches Stickgarn, hochwertiges Ripsband, gewebte Borten aus Baumwolle, Nähseide verschiedenen Stärken und Perlen- und Pailettenmotive zum Aufnähen, die nicht billig aussehen. Es gibt sogar (schon seit letztem Jahr) eine Nähzubehörserie von Prym in türkis, die richtig hübsch aussieht, die ich aber noch nie in irgendeinem Einzelhandelsgeschäft gesehen habe. Wenn wir all das in den Läden vermissen, dann liegt es jedenfalls nicht daran, dass schöne, hochwertige Sachen nicht zu beschaffen wären.

Auf der anderen Seite gibt es das ganze Nähzubehör und viele Kurzwaren auch in billig und als Kopie, direkt von chinesischen Herstellern, mit der Möglichkeit, den eigenen Firmennamen gleich auf die Verpackung drucken zu lassen. An diesen Ständen war meistens nicht viel los, die H+H ist eher ein Umschlagplatz für Hochwertiges, aber die nicht unerhebliche Anzahl dieser Anbieter lässt doch darauf schließen, dass sich das Geschäft lohnen muss.

Zum Schluss möchte ich noch zwei Anbieter für hübsche Kleinigkeiten zeigen, die schöne und nützliche Geschenke für Näh- und Stricknerds anbieten.

Die japanische Firma Cohana stellt in Japan formschönes Nähzubehör aus japanischen Rohstoffen her und versendet es weltweit. Mir gefallen besonders die kleinen Nadelkissen und die Scheren mit Holzgriffen. Und es gibt handgemachte Glaskopfstecknadeln die kleine Schmuckstücke sind.



Strickhandschuhe von hobbywool.com
Aus Riga kommen die Strickpakete für lettische Fausthandschuhe mit traditionellen Mustern von hobbywool.com. In einer schwarzen Schachtel bekommt man alles, was man für ein paar Handschuhe braucht: Wolle in verschiedenen Farben, ein farbiges Zählmuster und eine englische Strickanleitung.

Am Sonntag konnte ich dann noch viele Kölner Nähnerds bei ihrem Stammtisch in einem sehr schönen Café treffen, ehe ich etwas erschöpft die Heimreise antrat. Ich hoffe der Messerundgang mit mir war interessant für euch - mir hat das Wochenende in Köln großen Spaß gemacht und ich habe mir den Messetermin für nächstes Jahr gleich im Kalender notiert.

Dienstag, 20. Mai 2014

Nix für Lemminge 3/1: Mustermix - Inspirationssammlung

Punkte und Streifen, Karos und Blumen - gekonnt zusammengestellte Muster lassen sich regelmäßig auf den Laufstegen oder in den Modestrecken der Frauenzeitschriften bewundern. Aber wie bei vielem, was uns die Bekleidungsindustrie schmackhaft machen will, frage ich mich: Funktioniert das auch im echten Leben?

Da trifft es sich gut, dass Alex als dritte Herausforderung ihrer Nix-für-Lemminge Challenge das Thema Mustermix vorschlug. (Worum es bei dieser Nähbloggerinnen-Gemeinschaftsaktion generell geht, findet ihr hier.) Wollen wir also mal sehen, ob sich ein Outfit mit drei gemusterten Stoffen tatsächlich alltagstauglich umsetzen lässt - das ist die Aufgabe. Oder ob Muster mit Muster mit Muster nur auf Modefotos gut aussieht. Bei vielen Mode-Ideen geht es mir nämlich so, dass ich die Idee zwar rein theoretisch für gut halte, ich reiße auch immer fleißig Bilderstrecken aus Zeitschriften aus und hebe sie auf - wenn ich sowas aber trage, schaue ich den ganzen Tag zweifelnd an mir herunter. Der Vorschlag, glitzernde Pailettenoberteile mit einer grobgestrickten Strickjacke "downzudressen" und "im Büro" anzuziehen ist zum Beispiel so eine theoretisch gute, praktisch aber zweifelhafte Mustermix-Idee. Oder jedes Jahr wieder die "eleganten Jogginghosen" (ein Widerspruch in sich), die mit zierlichen Riemchensandalen und Blazer in eben diesem "Büro" getragen werden sollen. (In der Summe könnte der Eindruck entstehen, in Büros tummelten sich vorwiegend Menschen, die zwar Kleidung für alle möglichen Anlässe besitzen, aber ganz zufällig keine, die für ihren Aufenthalt am Arbeitsplatz angemessen ist, und die deshalb Tipps lesen wollen, wie man einen Taucheranzug "bürotauglich stylen" könnte. Aber das ist ein anderes Thema.)


Mustermixkombinationen haben mich schon immer gereizt, wahrscheinlich weil ich dafür kein Händchen habe. Über Jahre sammelte ich Seiten über Seiten mit Fotostrecken gemusterter Outfits. Dries van Noten, ein begnadeter Mustermixer, ist mein liebster Designer. Zickimicki mit ihrer montäglichen (jetzt monatlichen) MIXIT-Sammlung meine Mustermix-Heldin. Und natürlich habe ich die Gebote des Mustermixens aus den Zeitschriften studiert und theoretisch verinnerlicht: Kleine, mittlere und große Muster mixen! Beim Mustermixen in einer Farbfamilie bleiben! Auf wiederkehrende Farben achten! Und so weiter.

Interessanterweise gibt es unter den Modefotos aber immer auch Outfits, die alle diese Regeln ignorieren und die wirken, wie blind in den Kleiderschrank gegriffen. Absichtsvoll-unabsichtlich-ironisch-nicht zusammenpassend-wirkend ist vermutlich die ganz hohe Schule des Mustermixens und eher etwas für Fortgeschrittene. Solche absichtsvoll-unabsichtlich-lässigen Musteroutfits sieht man auch ab und zu auf der Straße, wobei über lässig oder peinlich oft nur das Alter des Trägers oder der Trägerin entscheidet. Ich denke da an die geräumigen großgemusterten Opa-Pullis, die wir 1992 in die Altkleidersammlung gegeben hatten und die heute von Neuköllner Hipstermädchen aufgetragen werden.

Also worauf ich hinauswill: Mustermix ist für mich ein schwieriges Thema. Ich glaube ich habe seit Jahren nicht mehr als ein gemustertes Kleidungsstück auf einmal angezogen. Nach einem Blick in den Stoffvorrat hatte ich eine grobe Idee, die den Vorteil hat, dass sich alle drei Teile auch einzeln zu einfarbigen Sachen tragen lassen, falls mir die volle Musterdosis zu wild wird.


Von rechts nach links: ein wunderbarer Baumwollbatist vom Stoffverkauf in Verl mit einem wie aquarelliert wirkenden Blumenmuster, ein weißer Blusenstoff aus Baumwolle mit eingewebten blauen Streifen und ein schwerer Baumwoll-Viskose-Jacquard mit einem großflächigen abstrakten Muster in dunkelblau, das an die Scherenschnitte Henri Matisses erinnert.

Den Matisse-Scherenschnitt-Stoff kaufte ich vor ein paar Jahren mit der Idee einer leichten kleinen Sommerjacke im Kopf. Wie ich bei einigen anderen Teilnehmerinnen gelesen habe, bin ich mit dem Wunsch nach so einem Kleidungsstück nicht alleine, und ich hoffe, dass ich bei dieser Gelegenheit zu einer Schnittidee komme. Der Streifenstoff soll eine Wickelbluse werden - das Schnittmuster ist vorhanden - aus dem Blumenbatist stelle ich mir einen weiten und langen Rock vor, allerdings habe ich davon nur 1,50 m. Bei Pinterest sammelte ich ein paar Bilder von Streifenoberteilen mit bunten Röcken zusammen, aber eine wirklich überzeugende Idee war bisher noch nicht dabei. Umso besser, dass bis zum nächten Treffen, wenn es um konkrete Pläne geht, noch etwas Zeit ist. Einstweilen finden sich alle Inspirationssammlungen hier bei MamamachtSachen.  

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Näh- und Strickprojekte organisieren - ohne Nähzimmer

Wie behaltet ihr bei euren Projekten den Überblick? Ich habe ja ab und zu das Gefühl, dass ich manchmal länger nach Kurzwaren, herauskopierten Schnittteilen oder anderem Kleinkram suche, als tatsächlich zu nähen. Sowas passiert zum Beispiel, wenn ich die vorgesehenen Knöpfe vorübergehend an einem Platz ablege, an dem ich sie später garantiert wiederfinde. Allerdings vergesse ich innerhalb von fünf Minuten, wo das war. Oder wie oft und wie lange ich schon durchsichtige Folienschnittteile für Belege gesucht habe, die ich unvorsichtigerweise oben quer auf den Büchern in meinem überfüllten Bücherregal abgelegt hatte: Stunden, nein Tage kostbarer Nähzeit verschwendet.    


Wie organisiert ihr eure Projekte, wie und wo bewahrt ihr Schnitt, Anleitung, Zubehör auf, bis ein Nähprojekt fertig ist? Leute ohne Nähzimmer haben ja auch noch das Problem, dass die halbfertigen Sachen überhaupt irgendwo verstaut werden müssen, weil die meisten MitbewohnerInnen eine  stimmungsvolle Dekoration der Wohnräume mit auskopierten Schnittmustern, Stoffstapeln, Sachen in verschiedenen Stadien der Fertigstellung, Schrägbandnestern und Nadelhaufen komischerweise nicht so sehr schätzen.


Lasst uns doch Aufbewahrungs- und Ordnungstipps sammeln. Ich fange mal mit dem an, was bei mir ganz gut funktioniert:

  • Strick-, Häkel- und Handnähprojekte, eben alles, was länger dauert und ab und zu außer Haus, im Zug oder bei der MittwochsMasche gebraucht wird, bewahre ich in Stoffbeuteln auf. Da ist jeweils das angefangene Teil mit Strick- und Häkelnadeln, genügend Wolle, die Anleitung - meistens eine ausgedruckte -, ein Zettel und ein Bleistift zum Abstreichen von Zu- und Abnahmen und für Notizen drin. 
  • Die gefüllten Beutel (die ich auch manchmal suche...) lassen sich z. B. an die Garderobe im Flur hängen. Macht einen aufgeräumten Eindruck, und beim Verlassen des Hauses kann man sich schnell den Beutel mit dem Projekt greifen, das in Schwierigkeitsgrad und Laune zum Tag passt.
 
  • Angefangene Nähprojekte liegen samt Reststoff, Schnittmusterteilen, passendem Garn, Reißverschlüssen, Knöpfen und anderen Kurzwaren in geräumigen Plastiktüten und werden mit allen Einzelteilen auch immer wieder dort hineingeräumt.  
  • Die Projekttüten haben keinen festen Platz - mit dem jüngsten Nähmaschinenzuwachs im Fuhrpark könnte dieser feste Platz aber gefunden sein, denn die neue alte Maschine brachte ein Schränkchen mit.
Die Tüten sind eine verbesserte Weiterentwicklung meiner früher angewandten Haufen-Technik. Am konsequenten In-die-Tüte-Räumen muss ich noch arbeiten - siehe oben - besonders die Schnittmusterteile entwischen mir immer wieder. Ich zwinge mich jetzt auch, wirklich alle Kleinteile sofort zuzuschneiden und Taschenbeutel, Belege und Co. nicht auf später zu verschieben. Die zugeschnittenen Teile werden mit aufgesteckten Schnittmusterteilen weggeräumt, ich markiere die Nahtlinien nur an schwierigen Stellen und erst unmittelbar vor dem Nähen.  

  • Von Projektkisten las ich schon häufiger - erzählt doch mal, was für Kisten sind das, was kommt alles rein und vor allem: wo bewahrt ihr die Kisten auf? Oder habt ihr ganz andere Aufbewahrungslösungen für laufende Projekte?


Verbesserungspotential gibt es bei mir auch bei den Strickanleitungen: bisher drucke ich Anleitungen aus, notiere Änderungen irgendwo am Rand, wo Platz ist, und führe dort auch Strichlisten für regelmäßige Zu- und Abnahmen. Das alles ist nach einiger Zeit überhaupt nicht mehr nachzuvollziehen, die Zettel gehen ab und zu verloren und landen zuletzt im Müll, deshalb suche ich nach einer besseren Methode.

  • In der Strickrunde führen einige MitstrickerInnen Stricknotizbücher und schreiben alle Details ihrer Projekte dort auf, angefangen von Garn und Nadelstärke, über die Maschenprobe bis zu Veränderungen am Muster. Besonders wenn man häufiger dasselbe Garn verstrickt ist das praktisch, dann kann man sich beim zweiten Mal nämlich die Maschenprobe sparen. Nina führt ihre Mitschriften besonders sorgfältig und klebt die ausgedruckte Strickanleitung, Strickschriften und alles in ein DinA5-Notizbuch mit Spiralbindung (kann man umklappen!) ein - sehr praktisch und durchdacht!
  • Eine bisher nur theoretisch von mir angedachte Möglichkeit wäre ja auch, Strick- und Häkelanleitungen aus dem Netz direkt vom Tablet oder einem Ebookreader abzulesen. Beim Ebookreader gibt es sogar die Möglichkeit, Zeilen zu markieren oder zu unterstreichen und Lesezeichen und Notizen zu speichern. Hat das schon mal jemand ausprobiert, ist das praktikabel oder eine dumme Idee? 
  • Um die Details der Nähprojekte zu dokumentieren reicht im allgemeinen das Blog. Eine Zeitlang führte ich ein Näh-Notizbuch, aber da ich dort nur das aufschrieb, was ich auch in den Blog schreibe, lohnte sich die doppelte Buchführung nicht.      

Sonntag, 8. Juli 2012

Streifenmonat Juli: Bestandsaufnahme und Ideen (viele und nicht nur meine)

Meikes Monatsthema im Juli und August sind die Streifen: von Nadelstreifen bis Blockstreifen, vom Ringelshirt bis... ja, was? Das ist eben die Frage. Ich dachte ja erst, ich hätte keine besonderen Streifenpräferenzen, aber ganz so einfach ist es doch nicht.

Ringelshirts sind zum Beispiel eine Konstante in meinem Kleiderschrank. Im Laufe der Zeit hatte ich schon welche in allen möglichen Farben und Streifenbreiten und finde Ringelshirts eigentlich nie verkehrt, je geradezu unverzichtbar.


Ganz anders hingegen die Streifenbluse:  eine Bluse im klassischen Schnitt, längs gestreift wie ein Herrenhemd, finde ich einfach nur bieder. Liegt es an der Kombination von Muster und Material? Sind Streifen also nicht gleich Streifen, und würde eine Bluse mit Querstreifen etwas von der Lässigkeit eines Ringelshirts annehmen?

In meinem Kleiderschrank findet sich daher nur eine gestreifte Wickelbluse, Schnitt aus einem Burdaheft von 2005, die mir leider nicht sehr gut passt (der Schnitt hätte eine FBA gebraucht), und eine Bluse aus einem abgelegten Herrenhemd. So sind Streifen gerade noch in Ordnung.


Kommen wir zu den Unterteilen: Da ist einmal (hinten) der relativ neue Knotenrock 128 aus Burdastyle 3/2012 (Knotenanleitung hier). Ein prima Teil, mit Taschen, unkompliziert anzuziehen, passt zu vielem. Der Schnitt ist mein heißer Tipp, wenn man einen Rock mit Streifenspielerei nähen möchte, ohne beim Zuschneiden wahnsinnig zu werden: Der Streifenverlauf ergibt sich automatisch.

Der grüne Streifenrock ist das gerettete Unterteil eines Kleides - die Geschichte hatte ich vor langer Zeit hier erzählt. Während bei dem Rock die Streifen weder positiv noch negativ ins Gewicht fallen, sah das Kleid aus diesem Stoff einfach nur scheußlich aus: Kittelalarm! Wahrscheinlich eine Kombination aus schlechter Passform, schrecklichem Material (der matte, grobfädige, gecrashte Baumwollstoff ist nicht wirklich schön), ungünstiger Farbe und Längsstreifen.

Jetzt im Streifenmonat sehe ich mich also eher nicht von Kopf bis Fuß in Streifen. Ich mag Streifen vor allem als Ergänzung zu Einfarbigem und und anderen kleinen Mustern, mit denen sie ja auch gut harmonieren, wenn die Farben zusammenpassen.


Geplant habe ich
  • einen Streifenrock, wahrscheinlich einen weiten und ziemlich langen, leichten Sommerrock, bei dem der Streifenverlauf eine tragende Rolle bekommt. Diese zwei Stoffe aus dem Fundus stehen zur Auswahl, beide bekam ich geschenkt. Links ein etwas festerer Stoff mit eingewebten Streifen, Baumwolle mit Polybeimischung, schätze ich. Da der Stoff nicht wirklich luftig ist, tendiere ich zu dem Stoff rechts: aufgedruckte Streifen, reine Baumwolle, knittert leicht, fasst sich aber sehr angenehm an.
  • eventuell ein luftiges Jersey-Streifenkleid nach dieser Anleitung von Katja. Ich bin nicht sicher, ob der Rückenausschnitt etwas für mich ist. Der Streifenverlauf, in dem keine Richtung dominiert, gefällt mir schon einmal. Ob ich das angehe hängt davon ab, ob ich in den nächsten Wochen passenden Streifenjersey bekomme - mir schwebt eine dunkle Farbe mit schmalen, helleren Streifen vor.
In punkto Streifenrock muss ich erst noch einen konkreten Plan entwickeln. In meinem Nähbücherfundus habe ich eine Ausgabe der Zeitschrift "Handarbeiten und Hauswirtschaft" von 1957 Heft1, 1958, einer Fachzeitschrift, die sich an Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerinnen in Franken richtete. In diesem Heft wurden unter der Überschrift "Streifen beflügeln die Fantasie" wohl nahezu alle Möglichkeiten der Streifenverwendung durchexerziert. Darunter sind viele wirklich gute Ideen, daher lasst uns mal einen Blick hineinwerfen.


Die junge Frau trägt eine Schürze aus - na klar- Streifenstoffen. Schürzen und Nachthemden (mit Kimonoärmel) waren übrigens die zwei Objekte, die 1957 laut Lehrplan im Handarbeitsunterricht genäht werden sollten. Die Fotos zum Artikel zeigen jeweils Nähproben mit Streifenstoffen, die mögliche Anwendung bei Kleidungsstücken vermittelte man in sehr charmanten Zeichnungen.

Der Artikel gibt natürlich auch Verarbeitungshinweise: Die Autorin Irmgard Hartmann empfahl, die Streifenanschlüsse mit schrägen Heftstichen von rechts mit der Hand zu heften und dann von links mit der Maschine nachzunähen. Manche Formen wie Dreiecke und Zacken wurden hingegen auf der rechten Stoffseite aufgesteppt. Falls ihr zu einem bestimmten Beispiel Näheres wissen wollt, fragt in den Kommentaren danach - meistens steht da noch irgendwo ein knapper Satz, den ich weitergeben kann.


Hier haben wir zum Beispiel quer gestreifte Blusen. An dem Kleid finde ich vor allem die Kragen- bzw. Ausschnittlösung interessant.


Der oberste Rock wäre ein Kandidat für meinen Streifenstoff:  drei schräge Partien, durch schmale Querstreifen getrennt. Wenn man diese Röcke aus einer in Falten gelegten geraden Rockbahn näht, ist das auch gar nicht so schwierig. Kompliziert wird es erst beim obersten und beim untersten Kleid, dort deutet der Zeichner oder die Zeichnerin einen Bahnenrock an, wobei die Querstreifen beim oberen Kleid patchworkmäßig eingesetzt wurden, beim unteren Kleid sind es zwischengefasste Blenden. Immerhin muss man so nicht auf den Streifenanschluss achten.


Hier finde ich den Rock auch ganz interessant. Da nur die schmalen eingesetzten Streifen schräg geschnitten sind, wäre das Modell auch nicht allzu stofffressend.

Schaut euch aber einmal das Kleid genau an, und zwar aus Schneiderinnensicht, nicht aus der Sicht eines Illustrators: Da hat doch der Wahnsinn schon die Türklinke zum Nähzimmer in der Hand. Eingesetzte zweiteilige Godets mit schrägem Streifenverlauf, und an der Naht laufen die Streifen genau zusammen! Das kann man vielleicht so zeichnen - nähen kann man das eigentlich nicht.


Das obere Kleid ist schon realistischer: alles quergestreift. Das bienenkorbartige Objekt darunter ist ein Kaffeewärmer, und die Idee der versetzten Streifen bei den beiden Teilen ganz unten gefällt mir. Nur dass das wahrscheinlich mit lauter gleich breiten Streifen wie in den Nähproben besser aussieht, als mit meinem unregelmäßig gestreiften Stoff.


Die Fünfziger liebten große, aufgesetzte Taschen, jedenfalls am "Waschkleid", dem Kleid, das man alltags zuhause trug. Die Oberteillösung samt Streifen am unteren Kleid ist auch ganz schön, nicht wahr?


Hier gibts noch einmal die schönen Kragen an den breiten, flachen Ausschnitten, die typisch Fünfziger sind.


Hier scheint es sich wieder um Bahnenröcke zu handeln. Die Musterplazierung im echten Leben so auszutüfteln, dürfte alles andere als einfach sein.


Genauso hier - die Bordüre beim unteren Kleid soll man aufsteppen. Dabei muss man den Musterrapport so ausrechnen, dass die Verzierung dann auch mit einem vollständigen Quadrat endet. Und dann muss die Höhe der schräg gestellten Quadrate auch noch mit der Rocklänge und der Streifenbreite harmonieren. Puh.


Den Streifenrauteneinsatz am Oberteil finde ich sehr hübsch, auf spitze Taschen auf der Schürze kann ich hingegen verzichten (bzw. auf Schürzen überhaupt, aber darum geht es hier ja nicht). In den Taschenspitzen lassen sich bestimmt hervorragend Krümel sammeln.


Oben: ein Schlafanzug - unten: ein verstürztes Band, das durch große Knopflöcher im Rock gezogen wird. Also auswechselbar.


Im folgenden Heft von "Handarbeiten und Hauswirtschaft" gab es diesen Nachtrag: Blockstreifen können so gefaltet und zusammengesteppt werden, dass neue, interessante Streifenmuster entstehen.

An Ideen ist also kein Mangel - weitere wie gesagt hier beim Auftakt des Streifenmonats -, ich bin selbst gespannt, was es schließlich wird.

Montag, 3. Mai 2010

Handarbeitsbücher im Netz


Als Suschna kürzlich Blumen mit einer Anleitung aus einem Buch von 1856 herstellte, das sie bei Google Books gefunden hatte, fiel mir ein, dass ich schon über längere Zeit Quellen gesammelt hatte, die gemeinfreie Werke aus dem Handarbeits- und Schneidereibereich zur Verfügung stellen.

Der Blick auf alte Handarbeitstechniken fasziniert mich schon immer - vieles hat sich erstaunlich wenig geändert, beispielsweise das Sockenstricken oder die Filethäkelei, andere Techniken sind wohl ausgestorben, z. B. die Bändchenspitze, weil die Materialien gar nicht mehr hergestellt werden. Manches ist amüsant, wenn etwa lebenspraktische Ratschläge in das Lehrbuch für die Hobbyschneiderin eingeflochten werden, manches ist aufregend, wenn ein Buch die Schnittkonstruktionen von Abendroben der dreißiger Jahre enthüllt, oder ein Hutmacherbuch aus den 1920er Jahren Federdekorationen zeigt, die wir heute nur noch im Zuammenhang mit dem internationalen Artenschutzabkommen kennen. Vieles gefällt mir besser als Modernes, z. B. die alten Kreuzstichvorlagen von DMC oder Sajou.

Vielleicht interessiert euch das ja auch? Ich habe hier meine gesammelten Links aufgeführt, jeweils mit einer kleinen Beschreibung, was einen erwartet. Es ist jedenfalls mehr, als man in absehbarer Zeit lesen und anschauen kann, und viele Seitenbetreiber scannen laufend weitere Bücher ein. Viel Spaß!

Schneiderei und Hutmacherei

- www.vintagesewing.info: Die Seite stellt eine ständig wachsende Zahl von Büchern zur Damen- und Herrenschneiderei, zur Schnitterstellung, zur Hutmacherei einschließlich phantastischer Hutdekorationen und zum Nähen von Handschuhen aus der Zeit von etwa 1890 bis 1950 zur Verfügung, alle in englischer Sprache. Vom Inhaltsverzeichnis gelangt man jeweils in die einzelnen Kapitel.
Im Angebot sind sowohl Bücher, die sich an Hobbyschneiderinnen richteten, aber auch Lehrbücher für Profischneider oder Hutmacher. Erste geben zum Teil gleich putzige Tips, wie frau sich am vorteilhaftesten kleidet, letztere behandeln auch Themen wie die Ladeneinrichtung und die Auswahl von Angestellten - man will ja nichts dem Zufall überlassen.

Handarbeiten querbeet

- antiquepatternlibrary.org: Der Katalog enthält etwa 300 Handarbeitstitel - vom sechseitigen Heftchen mit Kreuzstichvorlagen bis hin zu dickleibigen Handbüchern, vor allem in englischer Sprache, aber auch eine ganze Menge deutsche sind darunter. Neben zahlreichen Mustervorlagen für Stickereien, Spitzen- und Häkelarbeiten finden sich z. B. auch Informationen zur Wachsblumenherstellung, zur Hardanger- und Soutachestickerei und zur Sprache der Blumen, letzteres von 1844.
Die Bücher wurden in guter Qualität eingescannt und können als pdf heruntergeladen werden. Eine Beschäftigung für mehr als einen verregneten Nachmittag.

- encyclopediaofneedlework.com: Thérèse de Dillmonts Encyclopedie des ouvrages de dames von 1884 ist ein handarbeitstechnisches Standardwerk mit vielen Illustrationen, das unter dem Titel Encyklopädie der weiblichen Handarbeiten in vielen Auflagen auch auf Deutsch erschienen ist - als Nachdruck zuletzt 1995 (Taschenbuchausgaben aus den 1980er Jahren sind antiquarisch recht günstig zu finden, falls die Webseite Appetit auf ein richtiges Buch macht). Durch die englische Ausgabe kann man sich online Kapitel für Kapitel durchklicken.
Das Buch deckt ungefähr alles ab, was man mit Nadel(n) und Faden anstellen kann, einschließlich Häkeln, Stricken, Knüpfen, Occhi. Besonders interessant die Kapitel zu Techniken der Spitzenherstellung, z. B. von Tüll- und Nadelspitzen und Irischer Spitze, die heute kaum noch ausgeübt werden.

- beetonsbookofneedlework.com: Ähnlich wie Thérèse de Dillmont deckt Beeton's Book of Needlework von 1870 fast alle nur denkbaren Handarbeitstechniken ab, der Schwerpunkt liegt auf Stickereien und Spitzenherstellung. Auch hier ist das gesamte Buch, in Kapitel aufgeteilt, online verfügbar.

Vorlagen für Kreuzstichmuster und Schwarzstickerei

- Swappons avec sof: Stickvorlagenhefte der vorletzten Jahrhundertwende, viele Alphabete. Ein Klick auf eines der Hefte führt zu Vorschauseiten, auf denen man die Muster als pdf herunterladen kann (auf die gewünschte Musterreihe klicken). Die Scans haben eine sehr gute Qualität, aber zum Teil längere Ladezeiten.

- patternmakercharts.blogspot.com: Alte französische, deutsche und russische Muster für Kreuzstich- und Weißstickerei, auch hier viele Alphabete (auch ein kyrillisches!) und Bordüren. Ein Klick auf die gelben Felder in der Tabelle oben auf der Seite führt direkt zu dem entsprechenden Vorlagenheft, das man Seite für Seite herunterladen bzw. ausdrucken kann, jeweils als Scan und als bearbeitete Stickvorlage, beide als jpg.
Andere Dateiformate (.xsd, .pat, .wxs, .chart) werden auch angeboten, ich nehme an, um mit den Mustern in Grafikprogrammen weiterarbeiten zu können (falls sich zufällig jemand damit auskennt, freue ich mich sehr über einen erklärenden Kommentar. Die .pat-Dateien sollten sich mit Gimp öffnen lassen, aber mein Gimp tut das nicht).

Ergänzung 5. 6. 2010:
- www.blackworkarchives.com: Vorlagen für Schwarzstickerei, die den typischen Mustern aus dem 15. und 16. Jahrhundert nachempfunden sind. Die Schwarzstickerei, im deutschsprachigen Raum auch als Holbeinstickerei bekannt, wird heutzutage meistens fadengebunden gestickt - einige erhellende technische Hinweise auf Deutsch von Christiane Eichler gibt es hier.

(wird ergänzt, falls ich weiteres finde)

Mittwoch, 24. Februar 2010

Kunststricktischdecken

Waescherei Lilienweiss Stuttgart
Kunststricktischdecken besitzen nicht nur einen schwer auszusprechenden Namen, sondern auch ungeahnte grafische Qualitäten, das ist mir am Wochenende in Stuttgart zum ersten Mal aufgefallen. Die Wäscherei und Heißmangel Lilienweiß in der Rosenbergstraße benutzt so eine Tischdecke als Gardine.

gestrickte Tischdecke
Zuhause musste ich gleich nach der Stricktischdecke kramen, die meine Oma für einen kleinen runden Wohnzimmertisch angefertigt hatte. Diese Decke aus dünnen Baumwollgarn war immer so sehr gestärkt, dass sie quasi auch ohne den Tisch darunter von selbst gestanden hätte. Die frisch gewaschene Decke spannte meine Oma mit einem halben Kilo Stecknadeln auf den dicken Teppich im Wohnzimmer und ließ sie so in Form trocknen.


Daher betrachtete ich die Decke bisher als kunstvolle Kuriosität - es muss schon viel passieren, ehe ich anfange, Tischdecken zu spannen. Als Gardine hingegen, beispielsweise im Badezimmerfenster, fände ich sie richtig gut. Zur Zeit fehlt es noch am passenden Fenster, aber vielleicht ergibt sich das ja irgendwann in Zukunft.

Waescherei Lilienweiss Stuttgart
Die Decke im zweiten Fenster der Wäscherei Lilienweiß konnte ich nicht identifizieren. Die Musterfüllungen haben zum Teil eine Webstruktur, daher könnten sie geklöppelt sein. Aber kann man so eine große Decke klöppeln? Das Fenster ist gut einen Meter breit. Das Detailbild unten vergrößert sich beim Anklicken - vielleicht weiß jemand, was das ist?