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Mittwoch, 17. Oktober 2018

Viel mehr als Häkeltanten: Handarbeiten durch die Jahrhunderte in Susannes neuem Buch "Gedichte, Geschichten mit Nadel und Faden"

Susannes neues Buch ist da! Beim mittlerweile ritualisierten Warten auf den Lastwagen mit der Buchpalette konnte ich dieses Mal nicht dabei sein, weil der Liefertermin und mein Urlaub kollidierten, aber mittlerweile habe ich das neue Buch Gedichte, Geschichten mit Nadel und Faden in der Hand und kann es euch zeigen.


Susanne sammelt schon seit Jahren Erzählungen und Gedichte, in denen gehandarbeitet wird und hat die 57 schönsten und interessantesten für dieses Buch ausgewählt. Ich kenne mich in der deutschen Literatur ja einigermaßen gut aus, aber auch für mich waren die meisten Fundstücke ganz unbekannt, oder ich hatte sie nicht im Gedächtnis, weil das Handarbeiten in vielen Büchern nur ganz beiläufig beschrieben wird - wie es eben auch oft beiläufig nebenher stattfindet - oder weil mein eigener Fokus beim Lesen früher ganz woanders lag.

Erinnert sich zum Beispiel jemand daran, dass Effi Briest in der Anfangsszene von Fontanes Roman, (den warscheinlich die meisten von uns in der Schule lesen und (über-)analysieren mussten), mit ihrer Mutter an einer Stickerei für eine Altardecke arbeiten muss und dazu überhaupt keine Lust hat? Ich habe den Roman im Deutschunterricht sogar zweimal in verschiedenen Klassenstufen durchgenommen (fragt nicht), aber diese Handarbeitsszene hatte ich verdrängt.


Die Sammlung besteht aber nicht nur aus so schwerer Kost wie Fontane - sehr amüsant ist zum Beispiel, wenn Thomas Bernhard über selbstgestrickte Pullover rantet und man ahnt: Das ist nicht nur Fiktion, dahinter steht wirklich eine Erfahrung. Nicht verpassen darf man das "Huldgedicht an Singer", von dem es auf youtube auch eine Vertonung gibt. Man kann erkennen, welche Autoren sich wirklich mit Handarbeiten beschäftigt haben und die dahinterstehende Technik verstehen und daher zu schätzen wissen (Günther Grass, Rainer Maria Rilke) und welche nicht (Henrik Ibsen). Man wundert sich, dass der durchschnittliche Ehemann des 19. Jahrhunderts von strickenden Frauen offenbar höchst genervt war. 

Erschreckend wird es dann, wenn Handarbeiten in Heimarbeit unter prekären Bedingungen den Familienunterhalt sichern müssen. Die Schilderung des Arbeitsalltags in der Thüringischen Puppenindustrie um 1900 von Agnes Sapper steht dem, was wir heute aus Bangladesch kennen, in nichts nach, Kinderarbeit inklusive. Und Nesthäkchen im Ersten Weltkrieg strickt Strümpfe für den Endsieg.


Am Interesssantesten finde ich aber die vielen Texte von Autorinnen, die Susanne gefunden hat und die hier zum Teil zum ersten Mal seit langem wieder in einer zugänglichen, lesbaren Form verfügbar sind. Manche Namen kennt man vielleicht von Briefmarken oder Straßenschildern, hat aber noch nie wirklich etwas von der Autorin gelesen - Fanny Lewald zum Beispiel, die als Jugendliche durch ein gesticktes Geburtstagsgeschenk in große Bedrängnis gerät. Oder Sophie von La Roche, die so detailversessen und mit großer Begeisterung über Stoffe, Kleider und Stickereien schreibt.

Das neue Buch ist etwas größer und als "Verflixt und zugenäht" und "Am Rockzipfel", die beide weiterhin erhältlich sind

Im 19. Jahrhundert gab es überhaupt eine Menge Bestsellerautorinnen, die vom Schreiben ihre Familien ernähren konnten, das weiß heute nur kaum einer mehr. Sophie Wörrishöffer beispielsweise schrieb Abenteuerromane - meistens unter einem männlichen Namen - und verkaufte fast so viele Bücher wie Karl May, vermutlich um die 50 Millionen Stück. Viele Frauenrechtlerinnen waren gleichzeitig Schriftstellerinnen wie Hedwig Dohm und Louise Otto-Peters, die beide in der Sammlung vertreten sind.

Es gibt also viel zu entdecken auf den annähernd 200 Seiten, unter anderem auch zwölf dezent absurde Collagen von Susanne, für die sie alte Buchillustrationen neu zusammengesetzt hat. Und übrigens: SINGERS NÄHMASCHINE IST DIE BESTE, das wusste man schon 1928 in Belgien.   

Susanne Schnatmeyer (Hgg.): 
Gedichte, Geschichten mit Nadel und Faden   
192 S., 12 Illustrationen, Hardcover mit Lesebändchen
18,00 Euro

Erhältlich im Buchhandel, bei amazon und Konsorten, bei Susanne direkt und versandkostenfrei in unserem neuen Shop. In Susannes Blog Textile Geschichten gibt es ebenfalls einen Einblick in das neue Buch.

Eine Gelegenheit, die Bücher und uns direkt zu erleben (beinahe hätte ich geschrieben: anzufassen, aber einigen wir uns auf: Bücher gerne anfassen, Autorinnen nicht), gibt es in Berlin am 24. und 25. November jeweils von 10-18.00 Uhr, wir haben einen Stand auf der Buchmesse BuchBerlin für unabhängige Verlage und Selfpublisher im Mercure-Hotel MOA Berlin in Moabit (U-Bahnhof Birkenstraße). Vielleicht sehen wir uns ja?

Donnerstag, 6. April 2017

Inspirationen und Beobachtungen von der Handarbeitsmesse H+H in Köln

Am Wochenende war ich kurz - leider etwas zu kurz - in Köln, um die H+H, laut eigener Aussage die "weltweit größte Fachmesse für Handarbeit + Hobby" zu besuchen. Auf der H+H werden Neuheiten vorgestellt, Stoff- und Kurzwarenhändler können direkt bei den Herstellern oder Großhändlern bestellen, daher kann man sich also Materialien und Zubehör angucken, das es noch nicht in den Läden gibt. Ich war deshalb schon seit einigen Jahren neugierig auf diese Messe (die Akkreditierung als Nähbloggerin war übrigens kein Problem), außerdem wollte ich eine Buchidee anrecherchieren, und die Veranstaltung war ideal, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Die Messe ist wirklich, wirklich riesig, und so schaffte ich in einem Tag tatsächlich nur einen groben Überblick, verpasste die Modenschauen, verpasste ganz viele Internetbekanntschaften, die auch da waren, und fotografierte relativ wahllos, was mir auffiel und gefiel - drüben bei Instagram hatte ich schon ein paar Bilder gezeigt - hier also mein subjektiver Eindruck von der Messe, kommt mit!

Wolle, Wolle, Wolle


Handarbeitsgarne, vor allem Strickwolle, bilden nach meinem Eindruck einen Schwerpunkt der Messe. Die großen Wollhersteller haben riesige, oft sehr aufwendig dekorierte Stände und zeigen Dutzende Strick- und Häkelmodelle aus den neuen Garnen. Auf der anderen Seite sind aber auch kleine oder sehr kleine  Firmen aus aller Welt mit handgefärbten Garnen vertreten, die nur wenige Stränge an ihrem Stand zeigen. Ich habe vor allem Strickmodelle fotografiert und versucht, sowas wie Trends auszumachen.

Modelle von ggh
Garn von ggh
Modelle von Katia yarns

Langfädige Garne, die verstrickt eine Art Fell oder Flausch ergeben, habe ich sehr oft gesehen. Anders als das Polyesterzottelgarn, das vor ein paar Jahren populär war, sind diese Garne jetzt meistens aus Naturfasern und fassen sich sehr angenehm an. Sie werden mit großen Nadeln glatt rechts verstrickt und bilden so einen federleichten, pelzähnlichen Stoff ohne sichtbare Maschen. Es wurden vor allem große Strickjacken und Strickmäntel daraus gezeigt - das entspricht ja auch der 90er-Revival-Mode, die zur Zeit in den Läden hängt. Bei Katia Yarns gab es sogar Chenillegarn, das ich zuletzt auch in den 1990er Jahren gesehen hatte - der Pullover unter der grün-grauen Zotteljacke ist aus Chenille. Ob das immer noch so mörderisch leiert wie früher?

Modelle von Rico Design
Modelle von Rico Design

Mohairgarne oder Alpaca in Mohairoptik werden weiterhin viel angeboten, neu jetzt auch noch mit Lurexbestandteilen im Garn. Der grüne Pullover mit dem langen grünen Schal darüber in der Mitte des oberen Bildes ist aus so einerm Mohair-Lurex-Garn. Es ist interessant, dass das Glitzern auf dem Foto fast nicht zu sehen ist, in Wirklichkeit kam mir der Glanz nicht so dezent vor. Ton in Ton auf einem Messestand sieht sowas ja edel aus, aber ob so ein Pullover im Alltagskontext auch so gut wirkt?

Modelle von ggh

Sanfte melierte Farbverläufe wie bei dem Pullover links waren auch häufiger zu sehen - und Unmengen von sehr bunten Farbverlaufsgarnen. Da war die Präsentation an den Ständen oft eher eine Materialschlacht und hatte mit Design nicht so viel zu tun.

Modelle von ONline

Dekorative Aufnäher - neudeutsch: Patches - sind im Moment (seit D&G Jeans mit Aufnähern zeigte) ein großes Thema. Bei ONline wurde Gestricktes mit Aufnähern kombiniert, die Idee gefällt mir gut - und ich bin beruhigt, dass auch Strickprofis Strickjackenblenden stricken, die sich ungünstig zusammenziehen. 

Rico Design

Warum ich das fotografiert habe, weiß ich nicht mehr - aber ist die schwarz-weiß-gelbe Jacke hinten rechts nicht schön?

Lion Brand Yarn

Das Foto bildet den Übergang zum Gehäkelten: Jacke gestrickt, Rock missonimäßig gehäkelt. Gefällt mir an der Puppe sehr, aber auch hier frage ich mich, ob das im richtigen Leben angezogen wirklich so cool wirkt, oder wie Omas Häkeldecke als Kleidung. 

Gehäkeltes  

Modelle:Bernat Design Studio

Gehäkeltes gab es vor allem in zwei Formen: als lustige, gehäkelte Tiere und als Wohnaccessoires, wobei die geschmackvollen Töne der teils gehäkelten, teils gestrickten Wohndeko oben eher die Ausnahme bildeten. Im Hintergrund sieht man ein Beispiel, wie auf der Messe Geschäfte gemacht werden (denn dazu ist sie hauptsächlich da) - an Tischen, die wie bei Bernat zwischen der Messedeko stehen, manchmal auch durch halbhohe Wänder vom Besuchergewusel abgetrennt sind. Aber auf die Geschäfte auf der Messe komme ich später noch einmal zurück.

Modelle: DMC

Die Arrangements beidem französischen Garnhersteller DMC waren besonders schön und detailverliebt - und sofort instagrammierbar (gibt es das Wort?), da quadratisch.

Gesticktes


Stickerei: DMC

Handsticken liegt im Trend, hört man derzeit überall. Der Trend kommt von den Laufstegen - aber wird er wirklich imDIY-Bereich ankommen? Ich bin skeptisch, denn um Plattstiche nur annähernd so gekonnt zu sticken wie die StickerInnen der Messemodelle bei DMC, braucht man sehr viel Übung und Geduld. Ich könnte mir vorstellen, dass einfacher zu erlernende Techniken eine größere Chance auf Verbreitung haben.

Stickpackungen von RTO
Gobelinstickerei bei DMC

Stickpackungen im Kreuzstich oder Gobelinstich erfüllen eigentlich alle Voraussetzungen, um zum massentaglichen Hobby zu werden: Die Muster müssen nicht mühsam auf den Untergrund übertragen werden und die Sticktechnik ist leicht zu meistern. Was die Messe in der Hinsicht zu bieten hatte, ließ mich allerdings etwas ratlos zurück. Moderne Entwürfe, wie die zwei Beispiele, die ich knipste, sind die Ausnahme. Die Hersteller von Stickpackungen aus ganz Europa - es waren bestimmt ein Dutzend Firmen vertreten - bieten zum größten Teil Motive an, wie sie schon unsere Omas stickten: Betende Hände. Schäferhunde und Kätzchen im Schuh. Disneymotive. Bilder wie von Gustav Klimt oder Chagall, aber in schreienden Farben, manchmal mit Glitzer. Vor allem gestickte Bilder, wenig benutzbare Textilien - hängt sich wirklich jemand gestickte Bilder an die Wand? Dabei könnte man in Gobelinstickerei mit Wolle auf Stramin nicht nur Kissen für jede Lebenslage sticken, sondern auch Taschen, Täschchen und Portemonnaies, Gürtel und Hausschuhe - das müsste nur jemand mit guten Designs entwerfen und als Bastelpackung auf den Markt bringen.

Stoffe


Stoffe von lotte martens
Stoffe von lotte martens

Natürlich gibt es auf der Messe auch Stoffe zu sehen - aber den überwiegenden Teil nur als Musterlaschen. Aus den Stoffen genähte Beispiele gab es vor allem bei den Herstellern von Patchworkstoffen, überhaupt gab es relativ wenig reine Bekleidungsstoffe, oder ich habe sie in dem Farben- und Musteroverkill vieler Stoffanbieter nicht wahrgenommen.

Die handbedruckten Stoffe von lottemartens.com aus Belgien sind etwas ganz Feines: Matte Jerseys mit glänzenden Goldpunkten, zarte Linien, bedruckte Plissees, flauschige Wolle mit glattem Druck - selten hat mich Stoff so begeistert! Den Stand fand ich (natürlich) erst zehn Minuten vor Messeschluss, daher war mehr als ein hastiges Foto nicht drin. Auf der Webseite und bei Instagram unter http://instagram.com/lottemartens_exclusivefabrics gibt es mehr Bilder - und wenn ich die Kommentare unter den Bildern dort richtig deute, wird es die Stoffe bald in einigen Läden geben.

Schnittmuster


Schnittmuster von zonen09
Stoffe von zonen09

Die nettesten Gespräche auf der Messe hatte ich bei einer für mich ganz neuen kleinen Schnittmusterfirma, zonen09 aus Belgien, die sich auf Schnitte für Männer und Jungs spezialisiert hat. Die Schnittmuster im Baukastensystem mit Variationen bei Ärmeln, Kragen und Ausschnitten gibt es in drei Größengruppen, für Kinder bis 9 Jahre, für Jugendliche von 10-16, einige auch in den Herrengrößen 48-60. Die schönen Papierschnittmuster haben ein aufwendiges, sehr ausführliches Anleitungsheft mit farbigen Fotos - das Muster des Anleitungshefts sieht man in dem krawattenförmigen Ausschnitt des Pappumschlags, der Schnittbogen und Anleitung zusammenhält. Zur Zeit werden die Anleitungen ins Deutsche übersetzt, so dass es bald Papierschnitte von zonen09 bei uns in den Läden geben wird. Die Kinderschnitte gibt es bereits mit englischer Anleitung als Downloadschnitte zum Zusammenkleben auf der Webseite. Passend zu den Modellen lässt zonen09 Stoffe aus Bio-Baumwolle in Belgien produzieren.

An dem Messestand von zonen09 kann man auch gut sehen, wie eine kleine, sympathische Firma mit beschränkten Mitteln doch etwas aus der Fläche machen kann: In eine Wandverkleidung aus gelochten Fichtenholzplatten werden Regalbretter oder Kleiderbügel eingehängt, dazu ein flauschiger Teppich, ein paar Sukkulenten in kleinen Töpfen, ein Stehtisch und ein Glas mit belgischen Karamellbonbons - mehr braucht man nicht.

Messebeobachtungen


Der bombastische Stand von Gütermann

Bei anderen lautet das Motto eher: Klotzen, nicht kleckern. Weiter oben hatte ich schon beschrieben, dass die wirklich wichtigen Dinge, nämlich die Bestellungen der Händler, an den Ständen an kleinen Tischen abgewickelt werden. Zum Teil sieht man dort Stoff- und Wollladenbesitzerinnen sitzen, nicht selten sind es aber auch Herren in sehr smarten Anzügen. Die Tische stehen manchmal mitten im Messegewusel, manchmal in abgetrennten Ecken - und ein Großkonzern wie Gütermann (der neben Nähgarn auch Perlen und eine Stofflinie produziert), richtet an seinem riesigen Stand einen abgetrennten Bereich mit Kaffebar mit Espressomaschine und Gebäck ein, der auf den ersten Blick wie ein nettes Café wirkt. Das habe ich nicht fotografiert, da zu viele Menschen mit auf das Bild gekommen wären - die Tische waren gut gefüllt - aber die Dekorationen boten genügend Fotomotive. Der Messestand war so groß wie eine große Drei-Zimmer-Wohnung mit ineinander übergehenden Zimmern, frischen Blumen und Garndeko überall.


Es geht aber auch wesentlich prosaischer: Viele Verhandlungen finden am Rand der Messehallen in Räumen aus mobilen Stellwänden statt, und ich wette da gibt es dann nur plörrigen Pumpkannenkaffee und die messetypische Keks- und Waffelmischung!

Nähzubehör


Grundsätzlich hatte ich den Eindruck, dass es auf der Messe fast alles gibt, was man sich als Selbermacherin an Werkzeug oder Zubehör wünscht, aber in den Läden nie oder nur sehr selten findet. Es gibt schöne Taschengriffe, es gibt japanisches Sashiko-Garn und Sashiko-Stoffe mit vorgedruckten Mustern. Es gibt hochwertige Scheren aus Solingen, es gibt Holzstickrahmen in jeder Größe, es gibt Tapisseriewolle in allen Farben, es gibt dänisches Stickgarn, hochwertiges Ripsband, gewebte Borten aus Baumwolle, Nähseide verschiedenen Stärken und Perlen- und Pailettenmotive zum Aufnähen, die nicht billig aussehen. Es gibt sogar (schon seit letztem Jahr) eine Nähzubehörserie von Prym in türkis, die richtig hübsch aussieht, die ich aber noch nie in irgendeinem Einzelhandelsgeschäft gesehen habe. Wenn wir all das in den Läden vermissen, dann liegt es jedenfalls nicht daran, dass schöne, hochwertige Sachen nicht zu beschaffen wären.

Auf der anderen Seite gibt es das ganze Nähzubehör und viele Kurzwaren auch in billig und als Kopie, direkt von chinesischen Herstellern, mit der Möglichkeit, den eigenen Firmennamen gleich auf die Verpackung drucken zu lassen. An diesen Ständen war meistens nicht viel los, die H+H ist eher ein Umschlagplatz für Hochwertiges, aber die nicht unerhebliche Anzahl dieser Anbieter lässt doch darauf schließen, dass sich das Geschäft lohnen muss.

Zum Schluss möchte ich noch zwei Anbieter für hübsche Kleinigkeiten zeigen, die schöne und nützliche Geschenke für Näh- und Stricknerds anbieten.

Die japanische Firma Cohana stellt in Japan formschönes Nähzubehör aus japanischen Rohstoffen her und versendet es weltweit. Mir gefallen besonders die kleinen Nadelkissen und die Scheren mit Holzgriffen. Und es gibt handgemachte Glaskopfstecknadeln die kleine Schmuckstücke sind.



Strickhandschuhe von hobbywool.com
Aus Riga kommen die Strickpakete für lettische Fausthandschuhe mit traditionellen Mustern von hobbywool.com. In einer schwarzen Schachtel bekommt man alles, was man für ein paar Handschuhe braucht: Wolle in verschiedenen Farben, ein farbiges Zählmuster und eine englische Strickanleitung.

Am Sonntag konnte ich dann noch viele Kölner Nähnerds bei ihrem Stammtisch in einem sehr schönen Café treffen, ehe ich etwas erschöpft die Heimreise antrat. Ich hoffe der Messerundgang mit mir war interessant für euch - mir hat das Wochenende in Köln großen Spaß gemacht und ich habe mir den Messetermin für nächstes Jahr gleich im Kalender notiert.

Freitag, 3. April 2015

Stoffspielerei im März: Seltene Techniken oder: ein erster Versuch mit Gabelhäkelei


Wie selten oder wie verbreitet Handarbeitstechniken sind, das ist ja oft eine Frage des Zeitpunkts: Moden und Begeisterungen treten in Wellen auf, das war schon im 19. Jahrhundert der Fall, und noch mehr heutzutage, wenn manche Hypes von der Handarbeitszubehörindustrie bewusst erzeugt werden. Ich habe mich für die Stoffspielerei mit der Gabelhäkelei beschäftigt, die derzeit nicht gerade einen Boom erlebt. Bei ravelry mit seiner unendlich scheinenenden Musterdatenbank gibt es keine 200 Anleitungen, die mich noch dazu nicht wirklich ansprechen. Ich wollte daher einfach etwas herumprobieren, ein Gefühl für die Technik und das Ergebnis bekommen, dementsprechend bin ich mal wieder über Probeläppchen nicht hiansugekommen.   

Wer gabelhäkeln will,  braucht zunächst einmal eine Häkelgabel. In den Anleitungen im Netz begegnen einem superfancy breitenverstellbare Gabeln, das ist die moderne (und teilweise sehr kostspielige) Variante. Dank der Abbildung im Reprint eines Handarbeitsbuchs von 1913 (Mizi Donner, Carl Schnebel: "Ich kann handarbeiten" - gibts antiquarisch sehr günstig unter dem Titel "Handarbeiten wie zu Großmutters Zeiten") identifizierte ich einen u-förmig gebogenen und leicht angespitzten starken Draht am Kurzwarenstand auf dem Markt als Häkelgabel - für 50 Cent, wenn ich mich richtig erinnere.


Wie funktioniert das nun mit der Gabel? Wie die Abbildungen im Buch nicht ganz so klar zeigen, wird der Arbeitsfaden immer um die rechte Zinke geschlungen, in der Mitte durch die vorige Schlaufe mit einer oder mehreren festen Maschen festgehäkelt, die Gabel gedreht, so dass sich der Faden wieder um die rechte Zinke schlingt, festgehäkelt, gedreht, festgehäkelt, und so weiter.

Es entsteht ein Band mit einer festen, aber elastischen Mitte und Garnschlaufen auf beiden Seiten. Wenn man das aus dicker, flauschiger Wolle, Bouclégarn oder ähnlichem häkelt, könnte man so ein Band als Borte bei einem chanelartigen Jäckchen einsetzen. Für diesen Grundstreifen gibt es noch ein paar Variationen, das Garn kann z. B. etwas anders geschlungen werden, so dass die Häkelreihe nicht in der Mitte des Streifens liegt und auf einer Seite größere, auf der anderen Seite kleinere Schlaufen entstehen.

So ein Streifen ist aber im Grunde noch nichts, für alle größeren, flächigen Gebilde werden nämlich mehrere Bänder zusammengehäkelt, gleichmäßig Schlaufe mit Schlaufe oder in abgezählten Gruppen, die Längsseiten von zwei Streifen aneinander, oder ein Streifen in Spiralen, die Streifen können direkt zusammengefügt werden, oder mit zusätzlichen Häkelreihen dazwischen - es gibt unendliche Möglichkeiten. Auf der Gabelhäkelei-Seite der Stitch Divas werden das Häkeln des Grundstreifens und einige Möglichkeiten des Weiterverarbeitens gezeigt, zum Teil mit Videos.   


Anhand der Beispiele in diesem Buch (Burda Häkel-Lehrbuch, Offenburg 1980) ahnt man auch, warum die Technik auf englisch "hairpin lace" heißt: Wenn man ein dünnes Garn und eine breite Gabel verwendet, erhält man sehr luftige, durchbrochene Gebilde. Spitzen, Fransen und Quasten scheinen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert auch der hauptsächliche Anwendungsbereich der Gabelhäkelei gewesen zu sein.


Von einem Besuch im Modemuseum Meyenburg hatte ich aber eine andere Idee im Kopf: Dort war ein schlicht geschnittener Wollmantel aus den frühen 1920er Jahren in Gabelhäkeleitechnik ausgestellt (leider kein Bild, da Fotografierverbot). Der Mantel bestand aus lauter halbmondförmigen Segmenten, die aus dicht gehäkelten Basisstreifen zusammengesetzt waren, ohne Spitzeneffekt. Das Material sah wie ein richtiger Stoff mit einer leichten Rippenstruktur aus. In einem Handarbeitsheft, geliehen von Suschna, das vermutlich aus den späten 1920er Jahren stammt, siehe Bilder oben, sind Kissenbezüge und Kannenwärmer aus Wolle mit einer ähnlichen Struktur abgebildet.


Ich probierte ein bißchen herum und häkelte schließlich aus mitteldicker Wolle ein paar Basisstreifen und häkelte sie zusammen. Der Häkelstoff liegt sehr flach, wirkt sehr stabil und ist trotzdem in Längs- und Querrichtung dehnbar - wirklich faszinierend, ihr müsstet das mal in die Hand nehmen können, das Material hat weder Ähnlichkeit mit Gestricktem, noch mit Gehäkeltem.

Die Prozedur geht auch relativ fix, nur das Problem, wie man bequem die Anzahl der Schlaufen auf der Gabel zählen kann, habe ich noch nicht gelöst - mal sehen, ob es bei den Stitch-Divas-Tutorials einen Trick dafür gibt. Damit man Flächen mit geraden Rändern erhält, müssten die Basisstreifen nämlich immer aus der gleichen Anzahl Schlaufen bestehen, man darf nicht wie ich Streifen zusammensetzen, die nur ungefähr gleich lang sind, das sieht dann entsprechend aus. In den Anleitungen in dem oben abgebildeten Handarbeitsheft wird z. B. tatsächlich verlangt, einen Streifen mit 80 Schlaufen aus Farbe A herzustellen, einen Streifen mit 160 Schlaufen aus Farbe B, der dann mit A verbunden wird, und so weiter - entspannte Handarbeit stelle ich mir anders vor.

Was könnte man nun mit dieser Technik anfangen? So ein dichter, "gabelgehäkelter" Stoff wäre tatsächlich ein gutes Material für Kleidung, man könnte die Schnittteile exakt nach Schnittvorlage anfertigen. Ich möchte auch noch festes Baumwollhäkelgarn ausprobieren, vermutlich entsteht dabei ein robustes Material, das sich zum Beispiel für Taschen eignen könnte. Einstweilen lasse ich euch mit diesem etwas unbefriedigenden Ergebnis zurück - wie so oft bei den Stoffspielereien habe ich das Gefühl, allenfalls an der Oberfläche gekratzt zu haben. Da sind einige Mitstreiterinnen dieses Mal doch deutlich weiter gekommen! Die Links der Projekte werden dieses Mal bei Suschna - Textile Geschichten gesammelt - vielen Dank!  

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der vorläufige Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:

26. April hier im Blog, Thema: Stoff und Farbe
31. Mai KaZe, Thema: Inspiration Kunst (mit Quellenangabe)
28. Juni Frifris, Thema: Knöpfe
26. Juli SOMMERPAUSE

Samstag, 2. November 2013

Woche 42, 43

 

Urlaub hat einen entscheidenden Nachteil: danach ist der Lebens-, Arbeits- und damit auch Blogrhythmus durcheinander. Seit der Fahrt nach Franken hänge ich ziemlich hinterher. Vom alten Montagstakt der Wochenrückblicke kann keine Rede mehr sein, ich habe eine Wust gesammelter Links, bei denen ich selbst gar nicht mehr weiß, was das war, und mit der Umstellung zur Winterzeit ist es unmöglich geworden, am frühen Abend nach der Arbeit noch brauchbare Fotos zu machen. Von allem anderen gar nicht zu reden. Aber nie wieder Urlaub ist ja auch keine Alternative.

Was war also los in den vergangenen 14 Tagen? Der Liebste und ich büxten am wirklich allerletzen schönen Herbstttag noch einmal aus und fuhren auf die Pfaueninsel. Perfekt, wenn man noch einmal die Illusion haben will, ganz weit weg von Berlin zu sein. Die Fähre bringt einen in ca. 30 Sekunden hinüber in den Landschaftspark mit Schlösschen, Mini-Landwirtschaft und Gebäuden, die Ruinen oder englischen Landsitzen ähneln. Die namensgebenden freilaufenden Pfaue sind recht verfressen. Im Cafe auf der großen Wiese umkreisen sie die Tische, an denen Kuchen gegessen wird.

Ich strickte noch einmal die wunderbaren Leaving cuffs (ravelry-Link) zum Verschenken und häkelte wie blöd. Die Sechsecke nach dieser Anleitung erinnern mich an Briefbeschwerer aus venezianischem Glas. Es macht einfach zu großen Spaß, neue Farbkombinationen auszuprobieren, und ein paar Minuten für ein Sechseck lassen sich zwischendurch immer einschieben. 

Dann erledigte ich einige Pflicht-Nähaufgaben: ein Kameraband mit rutschhemmendem Silikongummiband restaurieren, ein Mantelfutter austauschen. Besonders bei letzterem bin ich froh, dass ich mich aufgerafft habe: ich habe meinen alten Wintermantel gerettet! Er war so schmuddelig, hing über ein Jahr unbenutzt an der Garderobe, und ich stellte ihn vor die Wahl: entweder Wollwaschgang - oder Müll. Er kam fast wie neu aus der Maschine und bekam daher von mir das neue Futter spendiert. Nach den Pflichtaufgaben konnte ich dann beim Nähkränzchen, über das Monika und Wiebke ja schon geschrieben hatten, ein Spaßprojekt beginnen: einen Rock aus einem Stoff, den fast alle total scheulich fanden.

 Die Selbermach-Links der Woche: 

 

Die Vorschau für die November-Burda ist da - und ich sehe noch mehr Zipfel. Und Hochwasserhosen wie in den frühen Neunzigern. Mit Plateauschuhen aus Lackleder. Oh, ich glaube es wird viel zu lästern geben.

Garmenter.com ist eine brandneue (gestern gestartete!) schwedische Schnittmusterfirma, die mit individuell angepassten Grundschnitten arbeitet: man kauft ein Set, bestehend aus einem bereits auf Nessel gedruckten Schnitt für Kleid oder Rock, näht diesen und passt ihn mit Hilfe gezeichneter Diagramme und eines Videos auf der Garmenter-Webseite an die eigene Figur an. Die geänderten Schnittteile dienen dann als Basis für die Modelle, die mit Hilfe von Tutorials selbst erstellt werden. Ich bin ja skeptisch, ob sich solche Schnitte zum Selberbasteln wirklich gut verkaufen lassen, auch wenn jede mit ein bißchen Nähpraxis irgendwann einsehen muss, dass frau um Schnittänderungen nicht herum kommt.

Und da ich bei Miz Kitty gerade von Schnittbasteleien las und sie in ihrer Liste auch den Punkt "Schneiderpuppe bauen" aufführt: Mir ist vor kurzem dieses Video untergekommen, in dem das Abformen einer Schneiderpuppe mit Nassklebeband wirklich akribisch erklärt wird. Bei Minute 10 wird das richtige Vermessen gezeigt - sehr hilfreich, falls ihr euch wie ich auch schon gefragt habt, wie man die Rückenlänge ermittelt. Davon abgesehen entfaltet der Film mit seinem Sprechertext im Telekolleg-Stil und den Bildern stumm agierender junger Frauen eine seltsame, groteske Faszination. Möglicherweise ist das Kunst, und ich habe es nur nicht gemerkt.

Apropos Kunst: Bestrickte Bäume verstehe ich nicht schrieb Stef (gefunden via @kittykoma), und ich stimme ihr zu: mittlerweile hole ich nur noch selten die Kamera heraus, wenn ich irgendwo ein umstricktes Geländer sehe. Urban-Knitting-Installationen, die subversiv auf ihre Umgebung eingehen, die mit Witz und Ironie den Blick auf bestimmte Elemente der Stadt lenken, oder eine Botschaft verbreiten und die nicht zuletzt auch einen minimalen ästhetischen Anspruch verfolgen, die findet man nämlich kaum noch. Meistens scheint es sich um irgendwelche Restwolle zu handeln, die irgendwie verhäkelt oder verstrickt und dann im öffentlichen Raum installiert wurde. Wenn es sich um ein Projekt wie den Tintenfisch-Baum in San Mateo handelt, der einen verwahrlosten Platz aufwertet, oder um eine temporäre Installation wie die Strickkunst in der Würzburger Semmelstraße, bei der die Bewohnerinnen einiger Seniorenheime beteiligt waren, dann lasse ich mir auch umstrickte Bäume gefallen.

Und apropos gestrickte Kunst: Auf ein gestricktes Lebenswerk von 500 Pullovern seit 1955 kann die Niederländerin Loes Veenstra zurückblicken. Alle Pullover wurden von der Designerin Christien Meidertsma in einem Bildband dokumentiert - und in einem Video werden die Werke zum ersten Mal getragen. Hinter der Pulloversammlung steckt aber keine tragische Geschichte, wenn man diesem Artikel glauben darf: Loes Veenstra strickte quasi am Stück und produzierte so über die Jahrzehnte einfach mehr Pullover, als sie verschenken oder selbst tragen konnte.

Freitag, 18. Oktober 2013

Woche 41


Zurück vom Betriebsausflug des MMM-Teams in den Süden und von einem kleinen Familienbesuch anschließend, um das zu erleben, was es in Berlin nicht gibt: weite Landschaften und Stille. Eine Woche komplett offline tat gut, vor allem da ich vor dem Wegfahren jedes Mal in Hektik verfalle, weil so viel noch unbedingt vorher zu erledigen ist. Der Liebste hält es ebenso und bleibt am letzten Tag auch immer extra lange im Büro, so dass wir beide erst spät zuhause eintreffen, die Koffer noch ungepackt, nichts mehr zu essen da, beide abgehetzt. Ein Freund von uns meinte einmal angesichts unseres Wegfahrverhaltens, er könne sowas ja nicht, er brauche immer erst einen Tag vor dem Wegfahren für sich, um sich in Ruhe darauf einzustellen. Ja, diesen Tag nur für mich hätte ich auch gerne, nur klappt das leider nie!

Die gehäkelten Sechsecke sind ein neues Projekt mit Suchtpotential - nachdem ich natürlich Meikes Häkeldeckenfortschritte verfolgte und ihre Hexagons beim Betriebsausflug auch mal anfassen konnte, gab ich nach und begann mit Sockenwollresten und einer Häkelnadel Nr. 2,5. Bisher bin ich begeistert. Im Grunde trage ich einen unterdrückten Hexagondeckenwunsch schon seit 2007 mit mir herum, als Moonstitches ihre wunderbare Decke häkelte. Nur wusste ich lange nicht, welches Garn ich verwenden sollte: Acrylgarn gibt es zwar günstig in vielen Farben und ich finde es für Dekosachen die man nicht anzieht auch ganz annehmbar, aber eine Menge Plastikgarn neu kaufen wollte ich auch nicht. Baumwolle war mir zu schwer, Wolle extra zu kaufen zu teuer - wie gut, dass ich jetzt darauf kam, meine bunten Sockenwollreste, aus denen sowieso keine Socken mehr werden, zu verhäkeln. Siebenhundertsachen schickte mir außerdem netterweise ein paar weitere Reste in anderen Farben zu  -  Danke nochmal! Das Sechseckmuster sind die "Love at first sight"-Hexagons von Le monde de Sucrette und ich strebe vorerst nur einen Kissenbezug an.

Und weil ich in der vergangenen Woche recht viel Zeit auf Bahnhöfen verbracht habe, kam ich nicht umhin, den irrsinnigen Werbeaufwand zu bemerken, den Pro7 in die Sendung Fashion Hero investiert. Neben Plakaten an jeder zweiten Ecke gibt es auch ein gedrucktes Magazin, das ich wegen der auf dem Titel angekündigten "4 Schnittmuster" mitnahm.

Ich finde ja prinzipiell erstmal alles gut, was Leute zum Nähen bringt, und die Zeitschrift ist auch nicht schlecht gemacht - ein bißchen Modetrends, die Kandidatinnen und Kandidaten werden vorgestellt, ein langer Artikel erklärt die Möglichkeiten, Modedesign zu studieren. Aber ohje, die Schnittmuster! Zwar gibt es einen richtigen Schnittbogen aus Seidenpapier für vier Modelle in den Größen S, M und L, aber weder eine Maßtabelle, noch technische Zeichnungen noch Angaben zur Stoffmenge und -art. Die Nähanleitungen lassen sich über QR-Codes abrufen, aber was man dann bekommt ist zum Beispiel sowas: Nähanleitung Twiggy-Kleid. Eine Aufzählung der Nähschritte, mit deren Hilfe eine versierte Selbermacherin dieses Kleid wahrscheinlich zusammennähen könnte - eine Nähanfängerin aber ganz sicher nicht. Also liebe Nähanfängerinnen - spart euch das Geld für das Heft, wenn es euch um Schnittmuster geht, und kauft euch lieber die Cut oder die Burda Easy, die haben ausführliche Anleitungen mit Bildern.

Linktipps gibt es diese Woche nicht, aber eine Empfehlung für die BerlinerInnen: In der Auguststraße 82 in Mitte hat mit Water to Wine ein neuer Laden für Upcycling-Mode eröffnet. Das Besondere: dahinter steckt ein Projekt der Berliner Stadtmission in Kooperation mit der Designerin Sarah Schwesig. Verarbeitet werden Kleiderspenden an die Stadtmission, die nicht an Obdachlose verteilt werden können, weil die Sachen kaputt sind oder nicht geeignet, wie zum Beispiel Abendkleider. In neuer, umgearbeiteter Gestalt warten sie bei Water to Wine auf Käufer, außerdem gibt es Schmuck und Accessoires anderer Labels, die sich ebenfalls dem Recycling und Upcycling verschrieben haben. Ich finde das hört sich sehr sinnvoll an, hoffentlich komme ich am Wochenende dazu, mir den Laden anzusehen.         

Donnerstag, 27. Juni 2013

Wochenrückblick 25


In der 25. Woche war ich auf der Fête de la Musique bei einem tollen Konzert von Gorilla Rodeo, in der Mitte der Woche bei 35° ein paar Stunden in Leipzig, strickte ein missmutiges Mini-Monster aus dem Mochi-Mochi-Land nach dieser Anleitung von Anna Hrachovec und häkelte ein Blumensechseck zur Probe, grübelte, ob die Stockrose in der Baumscheibe vor dem Haus letztes Jahr nicht doch dunkelpink geblüht hatte, und fand Glück zum Mitnehmen. Pflückt euch auch was, es ist ja noch genug da!

Donnerstag, 20. September 2012

Neu: MittwochsMasche im Café Provinz. Gemeinsam stricken, häkeln, sticken


Der Herbst ist Handarbeitszeit, oder? Wenn es kühler wird, überkommt mich auf einmal die Lust auf wollige Strickjacken, kuschelige Schals, Mützen und Handschuhe, und ich nehme mir vor, wieder mehr zu stricken, zu häkeln und zu sticken.

Geht es euch auch so, und habt ihr Lust auf Gesellschaft? Wollt ihr euch über Muster, Tricks und Techniken austauschen, Kenntnisse auffrischen oder Stricken und Häkeln neu lernen? Im Café Provinz in Alt-Treptow (Karl-Kunger-Str. Ecke Bouchéstraße) gibt’s am Mittwoch, 26. 9. ab 20.00 Uhr den ersten Handarbeitsstammtisch. In Zukunft trifft sich der Stammtisch alle 14 Tage, immer am zweiten und am vierten Mittwoch im Monat, die Veranstaltung ist natürlich kostenlos.

Also: angefangene Handarbeit einpacken und am nächsten Mittwoch im Provinz vorbeischauen – ich sitze an einem der großen runden Tische links im ersten Raum und ihr erkennt mich an den Stricknadeln.

Mögen die Maschen mit euch sein!

Dienstag, 16. November 2010

Kirchenbasar


Der Gang zum Kirchenbasar eine Straße weiter ähnelt jedes Jahr einer Rettungsexpedition: Gibt es textile Schätze, die unbedingt meiner Hilfe bedürfen? Verwaiste Taschentücher, Leinen, altes Nähzubehör, Bücher oder gar eine Nähmaschine? Und jedes Mal stürzt mich der Basar in Qualen der Unentschlossenheit, denn natürlich würde ich am liebsten fast alles mitnehmen - kann man denn wissen, ob es die Dinge woanders so gut haben werden, wie bei mir? Die Lagerkapazitäten zuhause sprechen leider dagegen, also heißt es auswählen.

Letztes Jahr ließ ich eine schicke weiß-türkise "Adlerette" Koffernähmaschine zunächst zurück, um zuhause eine schnelle Recherche nach dem Maschinentyp anzustellen - der ergab, dass dieses Fabrikat aus den sechziger Jahren unweigerlich Risse in einigen Plastikzahnrädern bekommt, für die es keine Ersatzteile mehr gibt. Puh, da konnte ich die Maschine guten Gewissens stehen lassen. Dieses Jahr entschied ich mich gegen einen großen Stapel Handarbeitshefte vom Leipziger Verlag für die Frau - ich kann mich ja nicht um alles kümmern - aber überlegte zuhause noch stundenlang, ob ich die Hefte nicht doch noch kaufen sollte.


Mitgekommen sind dafür alte Häkelnadeln - in der großen Hülle aus Holz steckt auch eine ganz feine Häkelnadel, mit gedrechseltem Griff - zwei Knäuel Mohairgarn, Gesticktes, eine Vase und vor allem drei Ausgaben Pramo ("Praktische Mode") von 1964 und 1965 und ein wunderbares Abendmodeheft, das ich noch einmal genauer vorstellen werde, mit Schnittbögen, gegen die ein japanischer Stadtplan wohl übersichtlich und leicht verständlich wirken würde.


Verglichen mit Burda-Beyer Schnittmusterheften aus der gleichen Zeit, zeigt die Leipziger Pramo tatsächlich eher "praktische" Mode für die berufstätige Frau: Moderate Rocklängen und -weiten, die die Bewegungsfreiheit nicht einschränken, neue "pflegeleichte" Kunstfaserstoffe, moderate Absätze und moderate Frisuren. Die Verwandtschaft einiger Schnitte mit einem Kittel lässt sich nicht immer verleugnen. Die Hose kommt, wie im Westen, nur als Sportbekleidung in Frage. Und auch die Texterei unterscheidet sich nicht sehr von dem, was Frauenzeitschriften bis heute versuchen: Zu den Bildern eine Geschichte zu erzählen und der Leserin einen Kontext zu bieten, mit dem sie sich identifizieren oder in den sie sich zumindest hineinträumen kann.
Zum Beispiel Pramo 9/1964:
"Sabine vertritt die Frau im öffentlichen Leben, für die ein gepflegtes Äußeres eine unbedingte Notwendigkeit ist. Sie "betätigt" sich hier in einem der vorbildlich eingerichteten Büroräume der Leipziger Oper und stellt dabei auf charmante Art kleine Tageskleider in das Blickfeld der Kamera."
Wer wünscht sich da nicht auch, in solchen vorbildlich eingerichteten Büroräumen arbeiten zu dürfen?

Montag, 3. Mai 2010

Handarbeitsbücher im Netz


Als Suschna kürzlich Blumen mit einer Anleitung aus einem Buch von 1856 herstellte, das sie bei Google Books gefunden hatte, fiel mir ein, dass ich schon über längere Zeit Quellen gesammelt hatte, die gemeinfreie Werke aus dem Handarbeits- und Schneidereibereich zur Verfügung stellen.

Der Blick auf alte Handarbeitstechniken fasziniert mich schon immer - vieles hat sich erstaunlich wenig geändert, beispielsweise das Sockenstricken oder die Filethäkelei, andere Techniken sind wohl ausgestorben, z. B. die Bändchenspitze, weil die Materialien gar nicht mehr hergestellt werden. Manches ist amüsant, wenn etwa lebenspraktische Ratschläge in das Lehrbuch für die Hobbyschneiderin eingeflochten werden, manches ist aufregend, wenn ein Buch die Schnittkonstruktionen von Abendroben der dreißiger Jahre enthüllt, oder ein Hutmacherbuch aus den 1920er Jahren Federdekorationen zeigt, die wir heute nur noch im Zuammenhang mit dem internationalen Artenschutzabkommen kennen. Vieles gefällt mir besser als Modernes, z. B. die alten Kreuzstichvorlagen von DMC oder Sajou.

Vielleicht interessiert euch das ja auch? Ich habe hier meine gesammelten Links aufgeführt, jeweils mit einer kleinen Beschreibung, was einen erwartet. Es ist jedenfalls mehr, als man in absehbarer Zeit lesen und anschauen kann, und viele Seitenbetreiber scannen laufend weitere Bücher ein. Viel Spaß!

Schneiderei und Hutmacherei

- www.vintagesewing.info: Die Seite stellt eine ständig wachsende Zahl von Büchern zur Damen- und Herrenschneiderei, zur Schnitterstellung, zur Hutmacherei einschließlich phantastischer Hutdekorationen und zum Nähen von Handschuhen aus der Zeit von etwa 1890 bis 1950 zur Verfügung, alle in englischer Sprache. Vom Inhaltsverzeichnis gelangt man jeweils in die einzelnen Kapitel.
Im Angebot sind sowohl Bücher, die sich an Hobbyschneiderinnen richteten, aber auch Lehrbücher für Profischneider oder Hutmacher. Erste geben zum Teil gleich putzige Tips, wie frau sich am vorteilhaftesten kleidet, letztere behandeln auch Themen wie die Ladeneinrichtung und die Auswahl von Angestellten - man will ja nichts dem Zufall überlassen.

Handarbeiten querbeet

- antiquepatternlibrary.org: Der Katalog enthält etwa 300 Handarbeitstitel - vom sechseitigen Heftchen mit Kreuzstichvorlagen bis hin zu dickleibigen Handbüchern, vor allem in englischer Sprache, aber auch eine ganze Menge deutsche sind darunter. Neben zahlreichen Mustervorlagen für Stickereien, Spitzen- und Häkelarbeiten finden sich z. B. auch Informationen zur Wachsblumenherstellung, zur Hardanger- und Soutachestickerei und zur Sprache der Blumen, letzteres von 1844.
Die Bücher wurden in guter Qualität eingescannt und können als pdf heruntergeladen werden. Eine Beschäftigung für mehr als einen verregneten Nachmittag.

- encyclopediaofneedlework.com: Thérèse de Dillmonts Encyclopedie des ouvrages de dames von 1884 ist ein handarbeitstechnisches Standardwerk mit vielen Illustrationen, das unter dem Titel Encyklopädie der weiblichen Handarbeiten in vielen Auflagen auch auf Deutsch erschienen ist - als Nachdruck zuletzt 1995 (Taschenbuchausgaben aus den 1980er Jahren sind antiquarisch recht günstig zu finden, falls die Webseite Appetit auf ein richtiges Buch macht). Durch die englische Ausgabe kann man sich online Kapitel für Kapitel durchklicken.
Das Buch deckt ungefähr alles ab, was man mit Nadel(n) und Faden anstellen kann, einschließlich Häkeln, Stricken, Knüpfen, Occhi. Besonders interessant die Kapitel zu Techniken der Spitzenherstellung, z. B. von Tüll- und Nadelspitzen und Irischer Spitze, die heute kaum noch ausgeübt werden.

- beetonsbookofneedlework.com: Ähnlich wie Thérèse de Dillmont deckt Beeton's Book of Needlework von 1870 fast alle nur denkbaren Handarbeitstechniken ab, der Schwerpunkt liegt auf Stickereien und Spitzenherstellung. Auch hier ist das gesamte Buch, in Kapitel aufgeteilt, online verfügbar.

Vorlagen für Kreuzstichmuster und Schwarzstickerei

- Swappons avec sof: Stickvorlagenhefte der vorletzten Jahrhundertwende, viele Alphabete. Ein Klick auf eines der Hefte führt zu Vorschauseiten, auf denen man die Muster als pdf herunterladen kann (auf die gewünschte Musterreihe klicken). Die Scans haben eine sehr gute Qualität, aber zum Teil längere Ladezeiten.

- patternmakercharts.blogspot.com: Alte französische, deutsche und russische Muster für Kreuzstich- und Weißstickerei, auch hier viele Alphabete (auch ein kyrillisches!) und Bordüren. Ein Klick auf die gelben Felder in der Tabelle oben auf der Seite führt direkt zu dem entsprechenden Vorlagenheft, das man Seite für Seite herunterladen bzw. ausdrucken kann, jeweils als Scan und als bearbeitete Stickvorlage, beide als jpg.
Andere Dateiformate (.xsd, .pat, .wxs, .chart) werden auch angeboten, ich nehme an, um mit den Mustern in Grafikprogrammen weiterarbeiten zu können (falls sich zufällig jemand damit auskennt, freue ich mich sehr über einen erklärenden Kommentar. Die .pat-Dateien sollten sich mit Gimp öffnen lassen, aber mein Gimp tut das nicht).

Ergänzung 5. 6. 2010:
- www.blackworkarchives.com: Vorlagen für Schwarzstickerei, die den typischen Mustern aus dem 15. und 16. Jahrhundert nachempfunden sind. Die Schwarzstickerei, im deutschsprachigen Raum auch als Holbeinstickerei bekannt, wird heutzutage meistens fadengebunden gestickt - einige erhellende technische Hinweise auf Deutsch von Christiane Eichler gibt es hier.

(wird ergänzt, falls ich weiteres finde)