Samstag, 31. Dezember 2011

Das Nähfragezeichen Nummer 20: Das war 2011, 2012 kann kommen!


Die Zeit der Jahresrückblicke und Bilanzen ist gekommen, auch in Nähbloggerkreisen. Meike hatte im Nähfragezeichen* zum Zurückblicken auf das Genähte und Erreichte aufgefordert, - und so habe ich tatsächlich mal ausgezählt, was ich alles im Laufe des Jahres genäht oder umgeändert habe.

Ein paar Tendenzen: ich habe mehr Kleidung genäht als früher, vor allem Anfang des Jahres nach den Schnittmustern aus twinkle sews, eine interessante Herausforderung gegenüber den Burdaschnitten, die ich sonst in erster Linie verwendet habe. In twinkle sews gibt es durchaus auch noch ein paar Schnittmuster, die mich reizen würden, allerdings habe ich seit Weihnachten zwei neue Bücher, die mich derzeit einfach noch mehr interessieren - wir werden sehen, was tatsächlich umgesetzt werden wird.

Ein anscheinend immerwährendes Fernziel ist das Konstruieren eigener Schnitte, ein entsprechendes Buch besitze ich seit Weihnachten 2010 und bin dem Ziel noch nicht näher gekommen - aber ich nehme es unverdrossen in meine Liste für 2012 auf. Irgendwann klappt das schon. Der Maßschnitt aus dem Buch Passt! Selberschneidern nach Maß  und das damit entstandene Kleid haben mir aber Appetit auf mehr gemacht - Abwandlungsideen für das Passt!-Kleid hätte ich auch noch, und den Jackenschnitt würde ich auch gerne ausprobieren.    

Im März traf sich die Berlin modern quilt guild das erste Mal, seither sind wir auf eine Gruppe von 15 Personen angewachsen, die sich regelmäßig einmal im Monat zusammenfindet. Das war für mich Anlass, meine alten Patchworkdecken wieder herauszukramen und einige neue Patchworkversuche zu unternehmen - das kleine Kissenformat gefält mir derzeit besonders gut, und wenn ich in meine Glaskugel schaue, sehe ich  für 2012 noch viele weitere Kissen.

Alles andere ist 2011 zu kurz gekommen: Anfang des Jahres hatte ich noch ein bißchen gestickt, aber das ganze Jahr nichts gedruckt, gefärbt oder sonstwie mit Stoff gespielt, hier möchte ich 2012 wieder mehr ausprobieren.

Nicht zuletzt war 2011 auch ein großartiges Blogjahr: Viele neue interessante Nähblogs sind dieses Jahr entstanden - um nur vier ganz unterschiedliche zu nennen: crafteln, eben Julia, talentfrei schön und Minnies allein daheim. Das Blogtreffen hier in Berlin Anfang November war ein ganz besonderes Erlebnis und hat aus meiner Sicht dem Bloggen noch einmal eine ganz neue Qualität verliehen. Für den regen Austausch hier in den Kommentarspalten, für euer Interesse, fürs Mitlesen und Mitdenken, für Vorschläge, Einwände, Zuspruch und Ideen danke ich euch allen sehr - denn der Austausch mit euch ist letztlich der Grund, warum ich blogge.

Ich wünsche euch ein gutes, erfolgreiches neues Jahr, viele Ideen und ein gutes Händchen, sie umzusetzen und natürlich eine immer gut gefüllte Unterfadenspule!

Lucy     


Und nun noch die Statistik:
Genäht: 5 Röcke (einer mißlungen), 4 Blusen, 2 Kleider, 1 Mantel, 2 Taschen, 1 Schal, 1 Pyjama, 5 Patchworkkissen, 2 mug rugs, 1 Mütze.
Gestrickt: 1 Laceschal, 1 Herrenstrickjacke, beides noch nicht gebloggt.
Nur geändert im Rahmen von Neues Leben für alte Kleider außerdem: 1 Kleid, 1 Pullover, 1 Tasche, 1 Bluse, 1 Strickjacke.
Außerdem: ein wenig gestickt, nichts gefärbt oder bedruckt. 

(* Das Nähfragezeichen ist eine Aktion von Meike, immer Dienstags stellt sie eine nähbezogene Frage. Die bisherigen Nähfragezeichen findet ihr hier.)

Freitag, 30. Dezember 2011

Weihnachtskleid simplicity 2754/Meine Nähmode - Schnittbesprechung

War das nicht eine bombastische Weihnachtskleidnähaktion? Ehrlich gesagt habe ich es immer noch nicht geschafft, alle 120 Kleider anzuschauen, aber ich arbeite dran. Mein Weihnachtskleidschnitt scheint ja auf so mancher Nähliste zu stehen, daher hier noch einmal bessere Fotos ohne plüschiges Accessoire, im knittrigen nachweihnachtlichen Zustand, und ein paar hoffentlich hilfreiche Bemerkungen zum Schnitt.


Das Schnittmuster

Es handelte sich ja wie gesagt um das Kleid Nummer 10 bzw. 11 aus dem Heft Simplicity - meine Nähmode 3/2011 (Herbst) alias Simplicity 2754. Diese Hefte erscheinen derzeit vier Mal im Jahr und enthalten ältere Schnitte der US-Firma Simplicity. Da im Heft die gleichen Bilder verwendet werden, wie auf den Schnittmustertüten, lässt sich mit Hilfe der Simplicity-Webseite leicht herausfinden, welchen Schnitt man da wirklich vor sich hat. Bei pattern review, das mir allerdings von Jahr zu Jahr unübersichtlicher erscheint, finden sich für die meisten Schnittmuster schon Besprechungen, oder auch in englischsprachigen Nähblogs - einfach mal nach dem Schnitt im Netz suchen.

Die Größen

Eine der Merkwürdigkeiten bei der Wandlung von Simplicity zu Meine Nähmode ist die Wandlung von Einzelgrößen zu Doppelgrößen - mein Kleid gab es im Heft als 34/36, 38/40 und 42/44. Ich vermute, dass auf dem einen einzigen Schnittmusterbogen im Heft, der ohnehin schon eng bedruckt ist, eben nur drei Größenlinien pro Schnittmuster untergebracht werden konnten - dass die eine oder andere Markierung und in Schildis Fall sogar Abnäher verschütt gehen, ist wohl ein Kollateralschaden des Sparzwangs. Ich habe Größe 38/40 genäht, in der Taille etwas verschmälert, und es passt - meiner Meinung nach handelt es sich eher um eine Größe 38 als eine Größe 40, aber das ist vermutlich keine Erkenntnis, die sich für alle Meine Nähmode-Schnitte verallgemeinern lässt.


Die Anleitung

Wie in den USA üblich, ist eine Nahtzugabe von 1,5 cm schon in den Schnitteilen enthalten. Die Nähanleitungen gehen Schritt für Schritt vor und sind bebildert und damit weit ausführlicher, als beispielsweise die Anleitungen bei Burdastyle oder Ottobre. Ich halte sie daher grundsätzlich für anfängertauglich, allerdings ist es unpraktisch, dass sich die Angaben zu Nähzutaten irgendwo im Text  verstecken. Ob man Knöpfe, Reißverschlüsse oder anderes Zubehör braucht, erschließt sich erst, wenn man die gesamte Anleitung gelesen und dabei gut aufgepasst hat. Wenn sich dann wie bei Kleid 10/11 keine Markierung für das untere Ende des Reißverschlusses findet, dann weiß man nach der Lektüre immer noch nicht, wie lang er denn nun sein muss. In mein Kleid nähte ich einen 60cm langen nahtverdeckten Reißverschluss ein, der gerade vorhanden war, 50cm hätten aber auch gereicht.  Man braucht außerdem einen Knopf für diese Version mit rundem Ausschnitt und Schlitz (es gibt auch Varianten mit V-Ausschnitt oder einem lockeren Kragen), und Gummiband für die Ärmelsäume (alternativ gibt es einen kürzeren Ärmel oder einen langen Ärmel mit Manschette).


Die Details des Schnitts gehen durch das Stoffmuster leider ziemlich verloren, daher könnte ich mir eine neue, einfarbige Version sehr gut vorstellen - zum Beispiel mit farblich abgesetzten Blenden am Ausschnitt und vielleicht mit einer anderen Ärmelform. Das Kleid ist sehr bequem und ich werde es wahrscheinlich oft anziehen. Allerdings wünsche ich mir einen schnittigen schwarzen Blazer dazu, um der sehr mädchenhaften Anmutung etwas entgegen zu setzen. Überhaupt wünsche ich mir oft einen kleinen, schnittigen, schwarzen Blazer zu allem möglichen - da muss ich 2012 wohl mal in die Richtung tätig werden, oder?

Dienstag, 27. Dezember 2011

Selbstgemacht - Wochenrückblick KW 51




1. Erstmal war natürlich Weihnachten - und die Woche davor wie immer ziemlich hektisch, denn neben dem üblichen Tagesablauf strickte ich buchstäblich bis zur letzten Minute an einem Geschenk. Es wurde rechtzeitig fertig und ich kann es euch in den nächsten Tagen zeigen.

2. Vor allem aber unternahm ich letzte Woche eine kleine Reise in die Vergangenheit: nach Leipzig, um Altes wiederzufinden und Neues zu entdecken. Neu sind zum Beispiel die vielen Läden und neu genutzten Fabrikgebäude in der Karl-Heine-Straße. Im Westwerk, einer ehemaligen Gießerei und Armaturenfabrik, gibt es jetzt ein Hostel, Künstlerateliers, Designfirmen und einen großen Secondhandladen, und die Straße, in der sich früher wenig mehr als eine Videothek und ein Getränkemarkt hielten, ist zu einer Flaniermeile geworden. Das Mini-Kino Cineding gleich nebenan und zwischenzeitlich geschlossen, eröffnete just am ersten Dezember wieder mit einem regelmäßigen Programm.

3. Im Buchlager, einem 1€-Antiquariat im Westwerk, fand ich dieses Buch mit ungarischen Kreuzstichvorlagen. Ansonsten verstehe ich kein Wort, aber das macht nichts. 2012 will ich wieder häufiger sticken, und mit den Stickereien vom Stickprojekt 2010 wird auch was passieren. 



4.Von den vielen neuen Läden gefielen mir die Kleider von Studio Balzer und der Schmuck von Luise Neugebauer in der Karl-Heine-Straße 59 besonders gut. Und im Schaufenster spiegelt sich schon...

5. ...die Schaubühne Lindenfels, seit Jahren die Konstante des Leipziger Westens, Kino, Konzertbühne, Café. Von außen hat sie ein bißchen neue Farbe bekommen, innen aber...

6. ... ist alles noch ganz genau wie früher. Sogar der Geruch ist noch der gleiche, ich saß auf einem Platz, auf dem ich früher oft gesessen hatte und werde nostalgisch: Hunderte Filme habe ich hier gesehen, war zu Konzerten, Lesungen und zu Silvester im großen Saal. Eine Zeitblase.




7. Bevor ich sentimental werde, ging es weiter: Solche Straßenkunst wie dieses paste-up in der Zschocherschen Straße gabs früher nicht. Und so viele Secondhandläden auch nicht.

8. Und da, wo früher der Haupteingang meiner Uni war, unter einem mächtigen Bronzerelief, das Marx und eine Menge Arbeiter und Bauern zeigte, hat man nun einen Glaskasten gebaut, in dem eine Filiale pseudo-italienischer Systemgastronomie Platz gefunden hat. Die neue Universitätskirche daneben, kombiniert expressionistisch verzerrte Glasarchitektur wie die Kulisse eines Doktor-Mabuse-Films mit gotischen Spitzbogenfenstern, und das Riesenrad des Weihnachtsmarkts spiegelt sich in allem.
Ist das metaphorisch zu verstehen? Und was mag das alles bedeuten? Statt politischer Philosophie nur noch Fressen, Opium fürs Volk und dann mit Riesenschritten zurück in die Vergangenheit?

9. Für einen letzten Kaffee suchte ich noch schnell eine andere Zeitblase auf: die Moritzbastei, Studentenkneipe und Veranstaltungsort in den Kellergewölben der alten Stadtbefestigung. Hier heißen selbst die Veranstaltungsreihen noch genau so wie früher. Und nach zehn Stunden L. E. gings wieder nach Hause, zurück nach Berlin. 

Freitag, 23. Dezember 2011

Weihnachtskleid: Finale!


Rehlein und ich wünschen euch allen schöne Feiertage!

Credits
 Kleid: selbstgenäht
Rock: selbstgestrickt
Schal: Stella McCartney for H&M
Strumpfhose: Falke
Stiefel: privat
Rehlein: Wiebke
Weihnachtsbaum: Dussmann
Idee: Catherine

Alle großartigen Weihnachtskleid-Finalistinnen: hier

(Die Schnittbesprechung folgt nach Weihnachten - und auch nochmal ein Bild ohne kaschierendes Rehlein im Burda-Stil.)

Nachtrag 31. 12.: Die Schnittbesprechung findet ihr jetzt hier.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Alles ist erleuchtet (oder: wie man kurz vor Weihnachten seine geistige Gesundheit behält)


Anscheinend gibt es in jedem Haushalt mindestens eine klapprige Stehlampe von Ikea - diese Vermutung hege ich seit Suschnas Lampenverschönerung vom Anfang des Jahres, denn ausweislich der Kommentare fühlten sich mehrere Leute gleich animiert, ihre Lampen ebenfalls zu bemalen oder umzugestalten. Unsere klapprige Stehlampe, an deren sicherlich klangvollen Namen - ich vermute sowas wie „Stelåmpa“ - ich mich nicht mehr erinnere (sie wird seit Jahren nicht mehr hergestellt), schlug nun leider in der vergangenen Woche den Weg von „nur klapprig“ zu „ganz kaputt“ ein. Das folgende Bild mag das Problem verdeutlichen:


Der Schirm zerbröselte wie ein Mandelspekulatius und wollte nicht einmal mehr als Unterlage für Verschönerungsaktionen taugen. Was tun?!? Am vierten Adventswochenende zu Ikea fahren und inmitten einer Horde einkaufswütiger Irrer einen neuen billigen Schirm für Stelåmpa an mich raffen? Wie sollte das gelingen, ohne den Verstand zu verlieren und bepackt mit Stoffen, Papierservietten, Bettwäsche, Blumenvasen, Weihnachtsdeko und Fleischbällchen zurückzukehren, um nur die geläufigsten Stolperfallen zu nennen? Oder sollten wir Weihnachten zur Sicherheit lieber neben einer nackten Energiesparleuchte verbringen?

Aber die Nähnadel im Haus erspart den geistigen und finanziellen Ruin, denn anstatt neben Stelåmpa auf die Erleuchtung zu warten (haha), wurde ich mit einem schon ganz dünn gewaschenen weißen Tshirt tätig. Ich schnitt es unter den Achseln quer durch, so dass ich einen Schlauch erhielt. Den oberen, abgeschnittenen Rand schlug ich nach innen um und nähte ihn fest, in den Tunnel zog ich eine Schnur ein und raffte damit das obere Schlauchende zusammen...


... am anderen Ende schlug ich den Tshirtsaum nach innen, legte den unteren, größeren Reifen des Lampenschirms dort ein und nähte ihn mit der Hand fest...
 

... und fertig war ein charmanter und glücklicherweise selbst unbeleuchtet nicht wie Tshirt-über-Gestell-geworfen aussehender Lampenschirm.



Der darf jetzt eine Weile bleiben, wahrscheinlich über Weihnachten hinaus, denn die Lampe ist so klapprig, dass sich im Grunde nicht einmal die Investition in einen neuen Billigschirm lohnt, und Ikea ist ja auch nach den Feiertagen immer noch gefährlich.

P. S. Nicole von Mia Unikate hatte vor kurzem ein ganz ausführliches Tutorial erstellt, wie man einen Lampenschirm mit Stoff bezieht, sofern er noch nicht rettungslos zusammengebrochen ist wie meiner. Ihr Lampenschirm hieß übrigens JÄRA.

Montag, 19. Dezember 2011

Weihnachtskleid Sewalong V: Nur keine Panik!


Gestern Nachmittag glaubte ich noch, heute zum Programmpunkt "Panik" gar nichts beizutragen zu haben: Das Kleid aus "Simplicity - Meine Nähmode" fügte sich quasi wie von alleine zusammen, und fast, fast wäre es gestern fertig geworden.

Nun gibt es aber doch etwas, das nicht klappt: Der Ausschnittbeleg ist, wie das obige Foto belegt (haha), zu kurz. Da hatte ich wohl auf dem unübersichtlichen Schnittmusterbogen die falsche Größe abgezeichnet. Grund für Panik ist das nun direkt nicht, wenigstens komme ich so dazu, die Ausschnitttiefe nochmal gegenzuchecken. Da das mit mehrmaligen Kleid anziehen - gucken - Kleid ausziehen - markieren - Kleid anziehen - gucken usw. verbunden ist, mochte ich gestern Nachmittag nicht mehr weiternähen.

Bis Freitag muss ich noch:
- Gummiband in die Ärmelsäume einziehen
- mir über Größe und Form des Ausschnitts klar werden, einen Beleg zeichnen und den Ausschnitt verstürzen
- mich entscheiden, mit welchem Knopf der Schlitz am Ausschnitt geschlossen werden soll, den Knopf annähen und eine kleine Fadenschlinge als Knopfloch arbeiten
- das Kleid säumen

Nicht  mehr viel, also vorerst keine Panik. Wie der Nähfortschritt bei den anderen aussieht, ist drüben bei Catherine gesammelt