Freitag, 12. November 2010

Neuer Lieblingsrock


Ich muss ja gestehen, dass das Konzept des Strickrocks mir bis vor kurzem noch etwas fremd war. Hatte ich nie gehabt, würde ich nie haben - wozu das ganze?

Meine Bekehrung erfolgte innerhalb weniger Tage, als ich Catherines Strickrock vom August im Original in Augenschein nehmen konnte - und einen oder zwei Tage später beim Staubsaugen um eine prall gefüllte Tüte mit schwarzem Baumwollgarn herumsaugte, die ich zum ersten Mal seit langem wieder wahrnahm. Eine halb aufgeribbelte, gut zehn Jahre alte Lochmusterstrickjacke, die ich wegen ihres Gewichts kaum getragen hatte. Sie war nicht nur mehrmals mit mir umgezogen, sondern harrte auch in der aktuellen Wohnung schon lange in einer Ecke aus - für mich schon lange unsichtbar.


Die Erkältung Mitte September kam dann beinahe wie gerufen: Die wenig anspruchsvolle Strickarbeit - in Runden immer rechts mit ein paar Abnahmen - entsprach zu diesem Zeitpunkt genau meinen geistigen Kapazitäten. Ich richtete mich nach der Anleitung von drops für Größe M, verstrickte mein Garn mit Nadel viereinhalb und arbeitete den Hauptteil so lang, dass der Volant ein Stück über dem Knie ansetzt.


Anstatt das Gestrickte selbst für den Tunnelzug oben zu verwenden, wie es die Anleitung vorschlägt, setzte ich mit der Nähmaschine einen Bund aus Leinen an, in den ein Gummiband eingezogen wird. Das wäre eine besonders gute Idee gewesen, hätte ich diesen Bund noch einige Zentimeter weiter gemacht - dann müsste ich mich nicht schlangenschwörerinnengleich hineinwinden. Aber es geht.

Und ansonsten ist dieser Rock bequem wie eine Jogginghose, das hohe Gewicht des Garns sorgt für einen schönen Fall, und ich kann mich gar nicht erinnern, was ich eigentlich angezogen habe, bevor ich diesen Rock hatte. (Leserin W. aus B., die den Rock und die Geschichte kennt, vermutete gar, ich könne ihn - siehe Bund - in Wirklichkeit gar nicht mehr ausziehen und trüge ihn deshalb jeden Tag. Pöh. Also jetzt gerade trage ich ihn nicht - ich habe mich vorhin herausgewunden, wirklich.)


Fazit: Wenn es nicht so viele langweilige Runden wären, würde ich mir noch einen stricken, zum Beispiel farbig abgestimmt mit einem Streifen am Saum und an der Oberkante des Volants. Der ziemlich grobe Strick hat eine angenehme und interessante Struktur und erwies sich bisher als verhältnismäßig formstabil. Der Rock ist mein bequemstes Kleidungsstück und schon jetzt unverzichtbar.

Anleitung: Drops Rock mit Volantkante L-096
Garn: etwa 500g reines Baumwollgarn unbekannter Herkunft aus dem Fundus
Stricknadel 4,5

22 Kommentare:

  1. schaut super aus!
    hätt ich auch gleich lust drauf mir einen zu stricken.
    leider überhaupt keine zeit im moment!

    lg, Sabine

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  2. Da hatte ich noch letzten Sonntag überlegt, ob der auch von Dir selbst gemacht ist. Aber ich bin von dem Gedanken wieder abgekommen, weil er ja gestrickt und nicht genäht ist... Er sah wirklich sehr bequem aus. Der einzige Vorteil am Rock-Runden stricken ist wohl, das man keine Ärmel stricken muss.

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  3. Sensationell! Obwohl ich im Moment in absoluter Stricklaune bin (habe mein Nähzimmer geputzt und trau mich jetzt gar nicht mehr an die Maschine, um die Ordnung nicht zu zuerstören) würde ich mich an so ein Projekt nicht heranwagen. Es sieht aus, als wäre ich damit 3Jahre lang beschäftigt.
    Der Rock ist wirklich eine Schau ... prima!

    Christel

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  4. Uiiiii, Lucy, du triffst gerade mehrere meiner "Nerven".
    * Bequem wie eine Jogging-Hose - , bin ich doch eine bekennende fast immer eine solche Tragende.
    * Glatt rechts stricken -, genau darüber sinnierte ich, während ich glatt rechts an meiner Jacke maschte und gleichzeitig am Surfen und Lesen bin.
    * Baumwolle :-) Die Formstabilität kann ich mir allerdings nur vorstellen, wenn das Garn bearbeitet (mercerisiert) ist.

    Ein großer Auftritt auf dem Photo gepaart mit deiner tollen Jacke.
    Schönes Wochenende
    wünscht
    Tally

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  5. Der Rock steht dir ausgezeichnet. Auch wenn das Stricken bestimmt superlangweilig war, das Ergebnis ist es doch allemal wert.
    LG, Ulrike

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  6. hammer schön mega und es steht dir so was von toll!!!!
    liebe grüsse lee-ann

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  7. Siehr super toll aus und steht dir wunderbar.
    LG
    Lucie

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  8. Ein schöner Rock und einfach toll geworden! So einen will ich auch!! Dankeschön für den Hinweis zur Anleitung.
    LG, berry

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  9. An Selbstgemacht hätte ich da jetzt auch nicht gedacht. (Früher war das ja immer ein Kompliment: "Sieht gar nicht wie selbstgemacht aus". Inzwischen bemühen sich einige Marken, wie selbstgemacht auszusehen.)
    Gut finde ich ja auch, dass du noch einen Aspekt der Fundusnutzung zeigst: Aufribbeln. Verfilzen einerseits, oder eben aufribbeln und neu machen.
    Gemütliche Tage noch mit deinem Rock wünsche ich - da kann man ja auch schön noch was drunter ziehen und so durch den Winter kommen.

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  10. Deine Aussage mit der Jogginghose (ja, ich bekenne!) hat diesen Rock auf meiner Wunschliste als Neueinsteiger direkt auf Platz 1 befördert.
    Vom Prinzip her habe ich gleichzeitig gerne eine anspruchsvolle Strickarbeit, die vollste Konzentration erfordert, neben einem Strickwerk für anspruchsvolle Nebenbeschäftigung (es gibt ja Filme, bei denen man auch hinschauen möchte) in meinem Strickkörbchen. Etwas, was nur aus rechten Maschen besteht, habe ich wohl noch nie gestrickt- sehr sympatisch. (ah doch nicht, ich sehe 4 linke Reihen!)
    Bei der Schilderung, wie du auf die Tüte gestossen bist, mußte ich sehr schmunzeln- ja sowas passiert mir auch immer mal wieder. Schlau ist es wohl, Gestricktes, das einer Nachnutzung zugeführt werden soll, gleich aufzuribbeln und aufgewickelt in Knäulen aufzubewahren, dann ist die Wolle nicht mehr so verkrauselt. Oder wie kam dein gleichmäßiges Maschenbild aus bereits verstricktem Baumwollgarn zustande?
    Ein schönes WE wünscht
    W. aus B.

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  11. Sieht toll aus! Die Anleitung selbst wäre mir gar nicht aufgefallen, aber so am Modell - super. Könnte ich mir auch in geringelt gut vorstellen...
    LG
    Meike

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  12. Oh, ja der sieht schön aus und fällt toll! Und einfarbig schwarz ist praktisch und schön (finde ich). Ach, hätte ich nur mehr Geduld zum Stricken - hier liegen auch noch zwei so wollige Häufchen herum, die vor Jahren angefangen wurden und trotzdem ganz geduldig ihrer Vollendung harren, die Armen. Immerhin, ab und zu werden sie von einer Ecke in die andere geschubst. Was mich aber nicht davon abhält, mir heiter und unbesorgt immer mal wieder schöne Wolle zu kaufen. AARGH.

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  13. Ein toller Rock! Ob der sich bei mir auf die to-do-Liste schmugelt? Hach, ich hadere... Wie lange hast du denn dafür gebraucht?

    LG Zora

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  14. Ungefähr 5-6 Tage - das ist aber nicht repräsentativ, weil ich an dreien davon wirklich schwer erkältet war und nichts anderes getan habe außer stricken und schlafen! Der Rock wiegt knapp 500g, das Garn hat vielleicht knapp 100 Meter auf 50 Gramm - also zehn Knäuel mitteldickes Material - wie lange strickt man denn normalerweise an sowas? Da das Stück technisch so einfach ist, geht es wirklich verhältnismäßig schnell.

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  15. Dein Rock sieht klasse aus, sowas hätte ich wohl auch gern. Ich kann mir gut vorstellen, dass Du ihn gerne trägst. Na, ja, die Anleitung habe ich hier, vielleicht lasse ich mich auch mal hinreißen...

    Liebe Grüße,
    Liese

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  16. Huch, wieso habe ich diesen Rockpost verpaßt. Der ist ganz wunderbar!!!!!!!!!Und dieses schwere Garn ist höchstwahrscheinlich prädestiniert für einen Rock.(leichte Rockwollteile fallen oft scheußlich) Toll, wenn so ein ewig "Mitreisender" noch zu solchen Ehren kommt
    Habe aus so schwerer Baumwolle einen Pullover mit lauter eingestrickten Farbflecken. Nie zu Ende gemacht, weil schon beim Stricken das Gewicht spürbar.Leider reicht eine Farbe nicht für diesesn tollen Rock, aber den merk ich mir!
    Schicke strickgrüße von Karen, die gleich gesehen hat, dass die Piroschkajacke auch unterwegs ist.
    Wäre gern ein nachahmer

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  17. Danke für die Info zur Strickdauer. Das klingt ja wirklich machbar. Herje, der Rock ruft schon nach mir...
    LG Zora

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  18. Toll! What a great skirt. This is very inspiring!

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