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Mittwoch, 1. August 2018

Anna (by hand London) aus selbstgefärbtem Batikstoff oder: Vier Jahre von Idee bis Ausführung


Es gibt ja Studien - habe ich kürzlich irgendwo gelesen - die besagen, dass die Wahrscheinlichkeit, ein Vorhaben wirklich umzusetzen, dramatisch sinke, wenn man es nicht quasi sofort in Angriff nimmt. Und, das ist zumindest meines Beobachtung, wenn das Umsetzen des Vorhabens ins Stocken gerät, wird es oft schwierig, wieder einzusteigen und es tatsächlich abzuschließen.


Dieses Kleid belegt diese These recht gut: Den Stoff dafür färbte ich bei der Stoffspielerei im März 2017. Ich wollte nach der poppig-lauten Miami-Vice-Anna vom Sommer 2014 schon die ganze Zeit eine seriösere Variante des Schnitts nähen: Dunkelblau  mit einem Batikmuster im unteren Teil des Rocks. Es dauerte also nur etwa zwei Jahre, um nach der ersten Idee den Stoff tatsächlich herzustellen.


Dann begann ich zu nähen, nicht etwa direkt nach dem Färben, sondern etwas später im Sommer 2017, was dazu führte, dass das Kleid vor dem Herbst nicht mehr fertig wurde. Das Oberteil ist mit einem Futter aus schwarzem Baumwollvoile verstürzt und der Rockteil ist bis zum Schlitz ebenfalls mit Voile gefüttert. Das Futter führte dazu, dass die Passform des Oberstoffs wirklich stimmen muss, ehe man verstürzt, sonst wird das Ändern ziemlich aufwendig, und das hielt mich auf.

Ich erinnere mich daran, dass ich bei einem Nähtreffen hier in Berlin im Herbst bei schlechtem Wetter unter anderem an dem Kleid weiternähte, mit einem eingehefteten Reißverschluss nach Hause fuhr und dachte: "Jetzt habe ich's, das sind doch nur noch Kleinigkeiten".


Zur Annäherung, dem großen Nähtreffen in Bielefeld im Januar 2018 nahm ich das Kleid wieder mit, als Zweitprojekt. Danach war der Reißverschluss fest eingenäht und das Oberteil verstürzt, das Futter musste "nur noch" an den Reißverschluss gesäumt und der Rock gefüttert werden. "Jetzt habe ich's, das sind ja nur noch Kleinigkeiten", dachte ich, als ich nach Hause fuhr.

Muss ich extra betonen, dass das Kleid danach wochen-, nein monatelang auf dem Bügelbrett im Nähstapel lag und in diesem Stapel immer weiter nach unten wanderte? Es zog mit mir in die neue Wohnung um, in der es ein Arbeits- und Nähzimmer für mich gibt (und keinen Nähstapel auf dem Bügelbrett - ich habe mir fest vorgenommen, das Bügelbrett mindestens einmal in der Woche zusammenzuklappen und wegzuräumen).


Dass das Kleid tatsächlich fertiggestellt wurde, bevor der Sommer vorbei ist, ist letztlich nur der Fußballweltmeisterschaft zu danken: Wenn ich mal fernsehe - und besonders, wenn es sich um Fußball handelt - brauche ich nebenher eine Beschäftigung. Das Futter mit der Hand einzustaffieren und das Kleid zu säumen war die passende Tätigkeit für eines dieser langen Spiele mit Verlängerung und Elfmeterschießen.

Die riesigen Blätter in der Rabatte hinter mir sind übrigens Mangold
Und dann war das Kleid tatsächlich fertig, pünktlich zur Hitzewelle, und es funktioniert genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte: Der lange Rock wirbelt die Luft beim Gehen schön auf und das Kleid sitzt insgesamt lockerer als die erste Version des Schnitts. Darin kann man gut einen heißen Sommertag verbringen. Wobei: An dem Tag auf der Pfaueninsel, als die Bilder entstanden, war es eigentlich noch gar nicht so heiß wie im Moment, ich konntefür die Fotos sogar eine Weile in der Sonne stehen, ohne umzukippen.

Mehr Hochsommerkleidung heute im Me-made-Mittwoch-Blog nebst Ankündigung des Hamburger Nähbloggerinnen-Treffens, organisiert von Der feschen Lola und Frau Küstensocke!

Die Details auf einen Blick

Schnitt: Anna von by hand London
Material: Baumwollbatist, selbstgefärbt, etwa 2,30 m - mit fortgeschrittenem Zuschnitttetris, von dem gewünschten Stoff war nicht mehr da.
Futter schwarzer Baumwollvoile von Stoff&Stil, etwa 1m oder 1,20 m
Änderungen: Oberteil ohne Belege, komplett mit Voile verstürzt, Rockteil auch gefüttert. Am Reißverschluss im Rücken angepasst. Schnittteile für den Rock schon vor dem Zuschneiden stark gekürzt, der Schnitt ist übermäßig lang.

Donnerstag, 16. April 2015

Vom Hobby zum Business und wieder zurück: By Hand London zieht die Reißleine


Ob alle in den letzten zwei, drei Jahren gegründeten Indie-Schnittmusterfirmen auf Dauer bestehen können, darüber hatten wir an dieser Stelle ja schon öfter diskutiert. Das Angebot an Schnitten von kleinen Designern war gerade in den letzten Monaten schier unübersehbar geworden, und es war zu erwarten, dass sich das Geschäft nicht für alle lohnen würde.

Nun hat es als erstes By Hand London getroffen, die am Mittwoch letzter Woche in einem Blogpost ankündigten, ihr Geschäft signifikant zu verkleinern. Seit der Gründung von zweieinhalb Jahren hatte die Firma der drei Frauen aus London einen rasanten Höhenflug hingelegt. Ihr erster Schnitt, das Elisalex dress mit Tulpenrock, war damals neu und ungewöhnlich und wurde erfolgreich, nicht zuletzt Dank hinreißender Realisationen bekannter Nähbloggerinnen - ich sage nur: Dolly Clacketts Hummerkleid. Das Anna dress war wohl das beliebsteste Schnittmuster des Sommers 2013, nach der Frequenz zu urteilen, in der es in den Nähblogs nicht nur der englischsprachigen Welt auftauchte. Die aufwendigen Schnittmusterverpackungen, die Inszenierung als beste-Freundinnen-Firma, die ironischen Katzenbilder im Blog - By Hand London verströmte lässigen Londonglamour. Wie jede erfolgreiche Firma verkauften sie nicht nur ein Produkt, sondern ein Lebensgefühl. 

Vor einem Jahr sammelte By Hand schließlich per Crowdfunding das Startkapital für einen Stoffdruckservice ähnlich Spoonflower  - und mit dieser Erweiterung des Geschäftsfelds übernahmen sich die Gründerinnen. So lese ich es zumindest aus ihrem Blogartikel heraus: der Digitaldrucker erforderte neue, größere Geschäftsräume, die Programmierung der Webseite zum Hochladen und Bearbeiten eigener Stoffdesigns war sehr aufwendig, sich mit der Druckmaschine vertraut zu machen, erforderte mehr Zeit und mehr Material für Probedrucke als gedacht, während zugleich die laufenden Kosten stiegen und der Verkauf der Schnittmuster zurückging. Die bittere Bilanz: das Kapital ist verbraucht, die drei By-Hand-Frauen suchen sich nun wieder Jobs in ihren ehemaligen Berufen und betreiben das Schnittmustergeschäft mit pdf-Schnitten nur noch nach Feierabend. By Hand London ist damit zwar nicht ganz verschwunden, aber doch auf den Status eines ambitionierten Freizeitprojekts zurückgestutzt.

Sehr schade, dass es nicht geklappt hat! By Hand war eine der größeren Firmen unter den vielen neuen kleinen, und ich hatte angenommen, dass ihre große Fangemeinde das Geschäft über die nächsten Jahre bringen würde. Für mich funktionierten die vielen ärmellosen Kleiderschnitte nicht, die By Hand London im letzten Jahr herausbrachte, ich hätte mir Kleider mit Ärmeln, Röcke, Oberteile oder auch mal einen tollen Mantel oder eine Jacke gewünscht. Aber ich kann die Nachfrage nach Schnittmustern für Partykleider im Vergleich zu anderen Kleidungsstücken überhaupt nicht einschätzen - gut möglich, dass  By Hand sich auf Kleider spezialisiert hatte, weil sie sich einfach am besten verkauften. Dass Stoffdruck-on-demand ein schwieriges Geschäft ist, das sich nicht mal eben als zweites Standbein aufbauen lässt, hätte man vielleicht vorher wissen können. Aber im Nachhinein ist es immer leicht, schlau zu sein.

Was meint ihr, ist By Hand London nur der Anfang, werden wir 2015 als das Jahr der Indie-Schnittmusterfirmenpleiten in Erinnerung behalten? Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, was Todd Gibson von oliver+s über die Entwicklung im Verhältnis von pdf-Schnitten zu Papierschnittmustern schreibt. Seine Prognose: Einzelschnitte aus Papier wird es in 20 Jahren nicht mehr geben, und anscheinend sind es weniger die Druckkosten, als die Kosten für Lagerung und Vertrieb, die das Geschäft mit den Papierschnitten schwierig machen. 

Mittwoch, 11. Juni 2014

Abba, Miami Vice oder doch der Neckermann-Katalog? Anna Dress von by hand London

Große Hitze, wie wir sie jetzt ein paar Tage hatten, setzt manche Bekleidungsregel außer Kraft - geht euch das auch so? Was mir bei bedecktem Himmel und 20° viel zu bunt vorkommt, erscheint bei 30° plötzlich gerade angemessen. Schon letztes Jahr wollte ich mir für die ganz heißen Tage so ein luftiges Maxikleid nähen. Ich trage bei Hitze gerne lange, lockere Sachen, die nicht am Körper kleben und die sich entspannt tragen lassen, weil man nicht darauf achten muss, wie man sich hinsetzt, und in denen es sich auch auf einer Decke im Park herumlümmeln lässt.

Allerdings sehen die meisten Maxikleidschnitte Spaghettiträger vor - um die Stoffmenge des Rockteils auszugleichen? - und das trägt sich bei meiner Oberweite nicht so entspannt. Anna von by hand London erfüllte meine Vorstellungen, aber ehrlich: ich bin für solche teuren Schnittmuster einfach ein bißchen zu arm oder zu geizig, und dann schrieb und erzählte Claudia ja auch noch, der Schnitt passe ihr überhaupt nicht (Stichwort: Klingonenschultern). Bei dem Bohei, das die by hand-Gründerinnen letztes Jahr im Netz entfachten, konnte man sich ja sowieso fragen, ob diese Schnittmuster eigentlich ihren Preis wert seien, oder ob die Nähbloggerinnencommunity gerade einem klug inszenierten Hype aufsaß.   


In Bielefeld unterhielten wir uns unter anderem auch darüber, und Claudia war so nett, mir den Anna-Schnitt auszuleihen. Nachdem ich am zweiten Bielefeld-Tag dann Elkes phantastisches Anna-Kleid sah, das aber erst nach einem Probemodell und grundlegenden Änderungen so saß, wollte ich wirklich wissen, ob an dem Schnitt etwas dran ist. Sagen wir mal so: Verpackungsdesign können sie in London. Die Schnittteile wirken demgegenüber etwas banal: ein Oberteil mit vier zugesteppten Falten im Vorderteil und überschnittenen Schultern, daran ein Sechs-Bahnen-Rock.

Nach einem heißen Tag mit Falten vom Tragen

Aber: ein effektvoller Schnitt muss nicht kompliziert sein. Ich nähte vorsichtshalber eine Probe des Oberteils und musste daraufhin nur ein paar Kleinigkeiten ändern, mehr dazu weiter unten. Mit Zuschneidetetris (wer hat eigentlich dieses tolle Wort erfunden? Antwort: Siebenhundersachen am 27. 5. 2014 um 10. 43 auf twitter) konnte ich das Kleid aus nur 2,20 m leichtem Baumwollsatin herausquetschen. Der Stoff ist an den Webkanten schwarz, daraufhin folgt eine Zone dichter Blumen in Pink, Flamingorosa und Lachsrosa mit hellgrauen Blättern, in der Mitte sind vor allem schwarze, graue und rosa Blätter auf weißem Grund.

Farbe und Muster ist ganz und gar nichts für bedeckte Tage, und auch an heißen Tagen gibt es sicher einige Möglichkeiten, seriöser auszusehen. Meine Assoziationen bewegen sich zwischen Poolparty in Miami (Cocktails!), Abba-Mottoparty und dem Neckermannkatalog von 1978. Den Anna-Schnitt finde ich prima und unkompliziert, und möglicherweise nähe ich mir noch ein kurzes Kleid mit V-Ausschnitt und/oder noch ein langes in einer seriösen Farbe.

Beim Me made Mittwoch gibts heute jede Menge selbstgemachte Hochsommerkleidung und Julia in einem wunderbaren, gar nicht spießigen Dirndl. In der MMM-Sommerpause wird Julia übrigens einen Dirndl-und-Tracht-Sewalong im MMM-Blog begleiten. Mich reizt die Dirndlnäherei aus handwerklichen Gründen, und ich habe schon ein paar Ideen, wie man das Dirndl berlintauglich machen könnte.

Für Interessierte jetzt noch ein paar technische Details zum Anna dress von by hand London

 

Die Rockteile der langen Version kürzte ich um knapp 20 cm - die Schnittteile sind so lang, dass sie auch für große Frauen mit hohen Absätzen auf keinen Fall zu kurz sind. Ich hätte das Kleid gerne noch 3 cm länger gehabt, das ließ sich aus den nur 2,20 m Stoff mit Bordüre aber nicht zuschneiden. Zum Vergleich: ich bin 1,67 m groß, die Rockteile sind jetzt 100 cm lang und setzen 2-3 cm über der natürlichen Taille an und ich beabsichtige, das Kleid immer mit flachen Schuhen zu tragen. 

An der vorderen und hinteren Mitte nahm ich jeweils einen kleinen Keil weg, am Vorderteil ca. 1 cm insgesamt, beim Rückenteil je 1 cm auf jeder Seite des Reißverschlusses. Am Reißverschluss hätte es sogar noch etwas mehr sein dürfen - der hintere Ausschnitt steht immer noch ein wenig ab. 

In der Taille verschmälerte ich das Oberteil und das Rockteil an den Nähten und Abnähern bzw. Falten ein wenig, das hat weniger mit Eigenheiten des Schnittmusters zu tun, sondern ist meiner relativ großen Oberweite-Taille-Differenz geschuldet.  


Das Oberteil ist komplett mit Futter, einem dünnen weißen Baumwollstoff verstürzt, im Blog von by hand London gibt es hier eine Anleitung dafür. Den Ausschnitt sicherte ich gleich nach dem Zuschneiden mit einer Stütznaht und steppte das Futter beim Verstürzen auf die Nahtzugaben


Das Rockteil ist bis etwa auf Kniehöhe mit einem dünnen weißen Futterstoff gefüttert, weil der Oberstoff in den weißen Partien transparent ist. Um möglichst wenig Rocklänge zu verlieren, säumte ich das Kleid mit einem Schrägstreifen aus schwarzem Futterstoff. (Außerdem bin ich für brutal durchgeratterte Steppsäume, wie man sie von  Kaufkleidung kennt, für immer verloren. Den nach links umgeschlagenen Futterstreifen säumte ich mit der Hand an und das ist auf der Vorderseite wirklich fast unsichtbar.)

Mittwoch, 9. April 2014

Elisalex oder: was macht den Lemming zum Lemming?

Warum wird ein Schnittmuster erfolgreich? Wer Nähblogs verfolgt, dem ist sicher das Phänomen der Lemming-Schnitte nicht entgangen. Ein Schnittmuster wird von einer Bloggerin „entdeckt“, genäht, gezeigt, die Begeisterung ist groß, der Schnitt taucht landauf, landab in den Blogs in immer mehr Varianten auf, was noch mehr Verlangen erzeugt, bis die lemminghafte Begeisterung irgendwann abflaut, weil nun wirklich jede halbwegs vernetzte Selbermacherin den Schnitt schon umgesetzt hat, oder weil das nächste, noch begehrenswertere Schnittmuster den Plan betritt.


Butterick 5951 war so ein Fall, davor war es das Knip-Kleid 17 mit den gewickelten Bändern, das schräg geschnittene Wasserfallkleid aus Burda 10/2012, davor das Jersey-Knotenkleid Onion 2022, davor gab es Wellen der Römö- und Amy-Begeisterung, ganz zu schweigen von den Kinderkleidungsmoden, mit denen alles anfing.


Welche Voraussetzungen muss ein Schnittmuster erfüllen, um den typischen Lemming-Sog auszulösen? Mir scheint, der Schnitt darf zum einen nicht allzu kompliziert sein. Ein Hemdblusenkleid mit zehn, zwölf oder mehr Schnittteilen hat nur geringe Chancen im Beliebtheitswettbewerb, im Gegensatz zu Butterick 5951 mit vier Schnittteilen oder dem Burda-Wasserfallkleid mit drei Schnitteilen. Es ist kein Zufall, dass Jacken und Mäntelschnitte bisher nicht zu Lemmingen geworden sind: den Robson-Mantel von Sewaholic finden bestimmt viele toll, wirklich nachnähen werden ihn nur wenige.

Das Oberteil ist mit dünnem Baumwollstoff gefüttert, das Rockteil mit Futtertaft

Nicht ganz unwichtig sind sicher auch die Vernetzung und die Präsentation: Je besser das entdeckende Blog vernetzt ist, je schöner und den Mund wässrig machender die Fotos, desto schneller nimmt der Lemming an Fahrt auf. Aber es bleibt immer auch ein unerklärlicher Rest: Der Schnitt muss einen Nerv treffen, die Phantasie in Gang setzen, eine Lücke des imaginären Kopfkleiderschrankes ausfüllen.

Den Reißverschluss habe ich sichtbar außen aufgenäht

Was haben diese Überlegungen mit dem Kleid auf den Bildern zu tun? Bei dem Kleid handelt es sich um Elisalex von by hand London, dem Lemmingschnitt des vergangenen Jahres in Großbritannien. Ein britischer Superlemming sozusagen, der in Deutschland aber nur als kleine, unbedeutende Wühlmaus angekommen ist. Interessant, oder? Da geht so ein Schnitt auf der Insel durch alle Blogs und verbreitet sich bis nach Australien, und bei uns gibt es ein paar schöne Umsetzungen von Dodo, Yvonet und Bunte Kleider, einige Versuche mit nicht so zufriedenstellenden Ergebnissen, und damit verschwindet der Schnitt in der Versenkung. Kein Lemming-Hype weit und breit.


Woran liegt das wohl? Konnte die Geschichte von Charlotte, Elisalex und Victoria, den drei Gründerinnen von by hand London bei uns aufgrund der Sprachbarriere nicht so recht zünden? Oder fehlt den deutschen Nähbloggerinnen der Modemut, um sich für die hüftbetonte Silhouette des Elisalex-Kleides zu begeistern? Ist der Kopfkleiderschrank auf den Britischen Inseln anders bestückt als unserer, bunter und verwegener?


Ich denke häufig, dass deutsche Nähbloggerinnen im großen und ganzen recht konservativ und brav nähen (ich auch!), wenn man sich im Vergleich britische Blogs wie Cyberdaze anschaut, die sich bei Voguepatterns immer die avantgardistischsten Schnitte aussucht. Oder Dolly Clackett mit ihrer Vorliebe für ungewöhnliche Musterstoffe, oder Lladybird mit den wechselnden Haarfarben. Näht sich die deutsche Nähbloggerin lieber etwas Solides für alle Lebenslagen, während die britische Nähbloggerin ihre verrückten Klamottenträume verwirklicht?


Ein einfarbiges Elisalex ist nicht verrückt, nur sollte frau ihren Frieden mit ihrer unteren Körperhälfte gemacht haben, dafür sieht der Oberkörper durch den Tulpenrock sehr schmal aus. Ich habe das Elisalex-Kleid schon im Dezember aus einer Art dunkelblau-schwarzem Cord von Philea genäht und es einige Male getragen, unter anderem an meinem Geburtstag und mit böhmischen Strass zu Silvester, und ich mag es: ich mag die Schnittform, die übertrieben breite Hüfte, ich mag, dass es nicht auf die konventionelle Art ein hübsches Kleid ist - aber das Elisalex ist für mich kein Alltagskleid.


Bei Alltagskleidern vergesse ich nach kurzer Zeit, was ich gerade trage, sie funktionieren einfach, und ich kann mich mit anderen Dingen beschäftigen. Das Kleid wird weggeblendet, während ich lebe. Beim Elisalex-Kleid merke ich die ganze Zeit, was ich trage, der große Rückenausschnitt schummelt sich immer ins Bewusstsein, der enge Saum ist hinderlich, wenn ich mal auf einen Stuhl steigen muss oder mich gemütlich aufs Sofa schmeißen will. Aber: das Gefühl des Besonderen kann bei besonderen Gelegenheiten eben genau richtig sein. Ich denke, ich habe mir mit Elisalex ein wunderbares, nerdig angehauchtes Anlasskleid genäht  und damit eine Lücke in meinem Kopfkleiderschrank geschlossen, von der ich vorher noch nicht einmal wusste, dass sie da ist und die ich mit noch so viel bewusster Überlegung nicht hätte schließen können. Und das verbuche ich als großen Erfolg.  

Die Fakten zum Schnitt:


Schnittmuster: Elisalex von by hand London. Der Schnitt ist auf Seidenpapier aufgedruckt, die englische Nähanleitung mit gezeichneten Bildern steht in einem separaten kleinen Heft, beides steckt in einem schick bedruckten Pappschuber. Der Schnitt kam mir im Prinzip technisch ausgereift vor, an den Prinzessnähten im Oberteil gibt es pro Naht zwei Passzeichen, an der Armkugel drei Passzeichen. Die Schnittteile enthalten bereits 1,5 cm Nahtzugabe.

Rockteil kürzen (Klick vergrlößert das Bild)
Änderungen: Ein großes Problem des Schnittes ist, dass das Schnittmuster nicht dem Kleid entspricht, das man auf den meisten Fotos des Modells sieht, worüber Siebenhundertsachen im Februar schon ausführlich geschrieben hatte. Nach Schnittmuster ist der Rock etwa wadenlang, bei Dodo sieht man die Originallänge. Um den Rock auf Knielänge zu kürzen und gleichzeitig die Tulpenform zu erhalten, faltete ich bei den Schnittteilen an fünf Stellen regelmäßig verteilt etwa 3 cm weg. Yvonet schrieb hier und hier über ihre Änderungen. 

Ich verlängerte außerdem das Oberteil um 2 cm, bei mir eine häufige Änderung. Die Taille soll beim Elisalex-Kleid ein bißchen über der natürlichen Taille sitzen.

Nähanleitung: Das Anleitungsheft sieht zwar auf den ersten Blick sehr ausführlich aus, einige wichtige Details sind jedoch gut versteckt oder werden nicht erklärt.

Ich rätselte herum, warum auf der Verpackung ein 65 cm-Reißverschluss angegeben ist, aber in der Anleitung auf einmal ein teilbarer Reißverschluss verwendet wird, der in den Zeichnungen vom Ausschnitt bis zum Saum des Kleides reicht. Im Sew-along auf der Webseite wird es klar: Setzt man in die hintere Mitte einen teilbaren Reißverschluss ein, kann man Elisalex als Wendekleid nähen. Aber natürlich reicht ein 65-cm-Reißverschluss nicht bis zum Kleidsaum, es sei denn man kürzt das Kleid so weit, dass es nur knapp über den Po reicht.

Das ist alles in der Anleitung also nicht sonderlich durchdacht. Am Kleid gemessen würde ich sagen: plant einen 40-cm-Reißer ein, wenn ihr das Kleid mit dem originalen tiefen Rückenausschnitt näht, wenn ihr den Rückenausschnitt höher setzt, sollte der Reißverschluss entsprechend länger sein. Ich nähte den Reißverschluss von außen sichtbar auf, weil mir der Kontrast des Metallreißers zum Stoff an dem ansonsten schlichten Kleid gut gefiel.

Das Oberteil ist wie in der Anleitung angegeben mit dünnem Baumwollstoff gefüttert. Ein Futter für das Rockteil ist nicht vorgesehen, ich fütterte den Rock aber mit glitschigem Futtertaft, den ich gemeinsam mit dem Oberstoff verarbeitete. Die Kellerfalten sind also gemeinsam in Oberstoff und Futter eingelegt, die dabei wie eine Lage behandelt wurden.  

Noch ein Wort zur Stoffwahl: ich glaube ein fester Stoff mit ordentlich Stand ist beim Elisalex-Nähen der wichtigste Punkt, wenn man sich für den Tulpenrock entscheidet. Aus weicherem Stoff funktioniert die Rockform nicht, dann fallen die Falten unansehnlich zusammen. Im Netz gibt es aber viele (britische) Beispiele, bei denen das Oberteil mit einer anderen Rockform, zum Beispiel einem halben Teller kombiniert wurde - dann geht auch ein fließender Stoff.

Donnerstag, 13. März 2014

Wochenrückblick: Textilkunst, neue Strickmuster, neue Entwicklungen im Schnittmustersektor und das Auge isst mit

 

Ein Ausflug in die Kulisse eines Lara-Croft-Adventures? Aber nein! Die Textilkunstausstellung von Katharina Krenkel über die Suschna vor ein paar Tagen schrieb, lässt sich gut mit einem Besuch in den Gewächshäusern verbinden (ganz oben). Unter Glas blühen die Kamelien, im Freien die Krokusse, und da das wunderbare Wetter noch ein paar Tage anhalten soll, ist der Botanische Garten in Dahlem gerade ein gutes Ausflugsziel und der Kaffee in der Gartencafeteria am Gewächshaus ist besser als man denkt.

Zwei Restaurantbesuche in der letzten Woche waren leider in punkto Inneneinrichtung viel interessanter als in punkto Essen. Im das erste Lokal gerieten wir nur zufällig, weil beim geschätzen Koreaner kein Platz mehr frei war. Es gab viel Eisbergsalat, viel Reisnudeln und ein paar lieblos gebratene Reste aus der Küche. Das zweite Restaurant bot vor allem viel zu gucken: ausgestopfte Tierköpfe, Ölschinken im Goldrahmen, afrikanische Masken und eine vollkommen konfuse Bedienung, die schon mal dem einen Pärchentisch die gerade servierten Teller wieder wegriss, um sie dem anderen Pärchentisch am anderen Ende des Raumes zu bringen.

Aufgewogen wurde das eingeschränkte kulinarische Vergnügen in beiden Fällen durch die sehr sehr nette Begleitung: am Wochenende waren nämlich große Nähnerd-Festspiele mit Bremer und Hamburger Beteiligung, die wir standesgemäß mit einem großen Nähkränzchen begingen. Ich fing das Dakota-Kleid von Named aus Finnland an (ganz unten). Was die  Passform betrifft, sieht es ganz gut aus, soweit sich das jetzt beurteilen lässt. Der blaugraue Wollstoff könnte aber an Volkspolizisten-Uniformen erinnern, wenn es ganz schlecht läuft. Oder an so eine Art maoistisches Reformkleid. Oder an eine sowjetische Politkommissarin, sprich: an Greta Garbo als Ninotschka, und zwar bevor sie in Paris die Mode entdeckt.

Selbermachlinks der Woche 


Die neuen Frühlingsstrickmuster von knitty.com sind da! Ich fiebere jeder neuen Ausgabe entgegen, dieses Mal jedoch gefällt mir gar nichts: Tücher stricke ich nicht, Pullunder trage ich nicht, Strickjacken gibt es aus unerfindlichen Gründen nicht - ich bin enttäuscht!

By hand London, die schicke Schnittmusterfirma aus der britischen Hauptstadt, erweitert ihr Portfolio: am Mittwoch zeigten die drei Inhaberinnen ihren ersten selbst entworfenen Stoff, der nun im Onlineshop erhältlich ist, aber das ist noch nicht alles. Die drei Frauen stellen sich eine Webseite vor, über die jeder Stoffe on demand digital bedrucken lassen und eigene Musterentwürfe verwirklichen kann. Also im Grunde das, was Spoonflower schon anbietet, aber mit einer Benutzeroberfläche, die sich auch ohne Grafikkenntnisse intuitiv bedienen lässt, wenn ich die Beschreibung im Film zur Kickstarter-Kampagne richtig verstanden habe. Nun muss zunächst einmal Geld für Programmierung und Digitaldruckmaschinen eingesammelt werden, damit die Idee verwirklicht werden kann.

Was sagt ihr? Haltet ihr die Idee für erfolgversprechend? Ich finde sie aus zwei Gründen interessant: einmal ist es natürlich sehr reizvoll, Kleider aus absolut einzigartigen Stoffen nähen zu können. Schon oft habe ich von Stoff in einer ganz bestimmten Farbe und mit einem ganz bestimmten Muster geträumt, und solche Träume kennen wohl alle Selbernäherinnen. Wenn sich solche Wünsche tatsächlich unkompliziert verwirklichen ließen!

Auf der anderen Seite finde ich es klug von den By-hand-London-Frauen, sich nicht allein auf das Schnittmustergeschäft zu verlassen. In den letzten Monaten ist mit dem DIY-Boom Zahl der Indie-Schnittmusterfirmen geradezu explodiert, und ich bin nicht sicher, ob sich das Marktvolumen im gleichen Ausmaß vergrößert hat. Also ob jetzt wirklich so viel mehr Menschen so viel mehr Schnittmuster kaufen, oder ob der Kuchen nicht vielmehr unter immer mehr Anbietern verteilt wird.

Und was macht so eine kleine Firma, wenn ein neues Schnittmuster nicht so gut ankommt, wie man sich das gedacht hat? Wenn die alten Schnittmuster unmodern werden und überhaupt jede Selbermacherin auf dem Planeten, die sich dafür prinzipiell interessiert, schon eins gekauft oder ausgeliehen hat? Burda und die amerikanischen "Big 4", die großen Anbieter, bringen zwei Mal im Jahr eine vollkommen neue Kollektion heraus, das können die Kleinen nicht leisten.

Die logische Konsequenz wäre, a) noch etwas anderes als Schnittmuster zu verkaufen, was By hand London nun mit dem Stoffdruck anstrebt. Oder b) dafür zu sorgen, dass noch mehr Menschen als früher die eigenen Schnittmuster kaufen können, eine Strategie, die Colette Patterns mit der relativ neuen Männer-Schnittmusterlinie Walden verfolgt und mit der Ankündigung von dieser Woche, die geplanten Schnitte für Jersey auch in großen Größen anzubieten und auf lange Sicht auch die älteren Schnitte für diese Größen zu gradieren. Spannend, oder? Was meint ihr, wohin die Entwicklung geht?

Montag, 7. Oktober 2013

Woche 40


Erst das Vergnügen, und dann.... Der 3. Oktober führte uns bei herrlichem Herbstwetter auf einen langen Spaziergang durch Kreuzberg, in den Prinzessinnengarten. Die Brachfläche wurde in den letzten Jahren in einen gemeinschaftlich bewirtschafteten Gemüsegarten mit Hochbeeten und einem Gartencafé verwandelt, es gibt aber immer noch wunderbar verwunschene, zugewachsene Ecken mit Schaukeln zwischen den Bäumen. Am Donnerstag begann im Garten eine Freiluftausstellung zum Thema Freigebigkeit (noch bis zum 10. 10.).

Ich tat mich schwer, die 25 Kunstwerke zu entdecken: Wenn in einem Beet, einem Blumentopf oder im Boden ein kleines weißes Schild mit dem Namen des Künstlers und des Kunstwerks steckte, dann war ein Ausstellungsobjekt nicht weit - aber wohin sollte man schauen? Geradeaus, nach oben, auf den Boden? Ich suchte also nach Dingen, die vermutlich nicht in einen Garten gehören, und entdeckte so einiges: ein gespanntes Seil zwischen den Bäumen - kein Kunstwerk. Eine interessante Spalierkonstruktion aus Regenrohren - kein Kunstwerk, da mit Erdbeeren bepflanzt. Ein laufender Fernseher, der ein verschwommenes Video zeigte, zwischen Tomatenpflanzen: Kunst! Der Zweck der üblichen Präsentationsweise von Kunst in Museen und Galerien mit weißen Wänden ist mir selten so deutlich geworden: man weiß wenigstens sofort, womit man es zu tun hat. Lustige Dialoge hörte ich mit an: "Ist das auch Kunst?" - "Nein, das ist ein Sessel, setz' dich doch da mal drauf."

Wir landeten zuletzt bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen bei Fräulein Wild in der Dresdener Straße, einem pfefferminzgrünen Mädchencafé unmittelbar hinter dem Neuen Kreuzberger Zentrum.


Das weit weniger stilvolle Kaffeetrinken am Samstag war sehr hart erarbeitet. Es ist nämlich so: Es zieht durch die alten Doppelfenster in unserem Wohnzimmer. Stoff für Vorhänge hatten wir schon für über einem Jahr gekauft, ich fand ihn letzte Woche zufällig wieder. Der Plan stand felsenfest: einen weiteren Winter ohne Vorhänge sollte es nicht geben! Am Freitag verbrachte der Liebste einen nicht unerheblichen Teil seines freien Tags im Baumarkt, verglich Vorhangstangen und kalkulierte die Preise von Vorhangstangen im Baukastensystem im Vergleich zu Vorhangstangensets. Wenn ihr denkt, dass Kompatibilitätsfragen bei Staubsaugerbeuteln oder Handyladekabeln ein Problem sind, dann habt ihr noch keine Vorhangstangen gekauft. Wobei, leidlich passende, nur etwas zu lange Stangen gab es, aber das Vorhangringsystem, bei dem der Vorhang mit kleinen, stabilen Metallklämmerchen gehalten wird, gibt es anscheinend nur bei Ikea. 

Und es gibt nichts Schlimmeres als Ikea am Brückenwochenendsamstag, außer vielleicht Ikea an einem Adventssamstag. Nach einer nicht ganz so kurzen Anreise in eine bis auf die Menschen mit Ikea-Taschen entvölkert wirkende Gegend Lichtenbergs, standen wir in der Gardinenabteilung. Es gab zwar hunderte 20 mm-Gardinenstangen in allen Farben und Längen, aber keinen einzigen dazu passenden Gardinenring. Keine einzigen. Ich zog für einige Sekunden einen Trotzanfall mit Hinwerfen und Brüllen in Erwägung, aber das hat ja noch nie geholfen. Die durchschnittliche Ikea-Kundin tröstet sich in einer solchen Situation mit bedruckten Muffinförmchen, Kerzen oder Kissenbezügen. Aber nicht mit mir. Wahrscheinlich bin ich eine lebende Anomalie, weil das Ikea-Prinzip - mehr kaufen, als man eigentlich jemals haben wollte - bei mir nicht verfängt, ich kaufe da immer weniger, als ich eigentlich vorhatte. Wir eilten also zum Ausgang, ließen uns weder von der Stoffabteilung (ich), noch von Paletten mit Massivholzschneidbrettern, Edelstahltöpfen und Fleischklopfern aufhalten (er), überwanden zuletzt einen Kubikmeter grüner Papierservietten und fanden nach 200 Metern querfeldein über eine holprige Wiese einen Baumarkt.

Dort erstanden wir Gardinenringe mit Plastikhäkchen und eine Packung Metallgardinenklammern mit Metallhaken für Drahtseile, die zuhause mittels einer Flachzange anstelle der Plastikhäkchen an die Ringe gefummelt wurden. Nach ein paar Stunden mit Absägen der Gardinenstangen, Messen, Bohren, Schrauben, Fummeln, Nähen, haben wir jetzt Vorhänge! Aus petrolblauem Wollstoff! Ich versteh' zwar nicht, warum der Kapitalismus die Versorgung mit Gardinenstangen und -ringen nicht geregelt kriegt, aber Kaffee kann er. Sogar in der Cafeteria des Baumarkts am Rande des Universums steht eine Espressomaschine.


Und nun noch die Handarbeitslinks der Woche:

 

Zum Stricken: Am Mittwoch erscheint ein Strick-Sonderheft von Burda, mit anfängertauglichen Strickanleitungen, wie es auf den kleinen Ausschnitten hier aussieht. Ich werde mal reinblättern, die Stricksachen, die früher ab und zu im Burda-Schnittmusterheft dabei waren, haben mir meistens ganz gut gefallen.

Zum Nähen: Die übercoole kleine Schnittmusterfirma by hand London brachte einen kostenlosen Downloadschnitt heraus: das Schnittmuster für das Polly-Top kann hier angefordert werden. Ihr bekommt dann eine Mail mit einem Downloadlink. 

Zum sich-bestätigt-Fühlen: Über das Wechselbad von Erwartung - Enttäuschung - neu aufgebauter Erwartung, neuer Enttäuschung und mühsam erarbeiteter Ergebniszufriedenheit beim Nähen eines Kleidungsstücks hatte Katharina vor einigen Wochen sinniert. Mir scheint, das Phänomen ist universell: Kathryn von yes i like that fasste die Phasen des Nähprozesses nun in einer hochwissenschaftlichen Graphik zusammen. Wir sehen: es ist vollkommen normal, das Planen zu mögen, die Vorbereitungsarbeiten zu verabscheuen und fertiggestellte Kleidungsstücke bis zum ersten Kompliment allenfalls mittelmäßig zu finden.

Zum Anschauen: Ein Musikvideo, in dem Nähzubehör die Hauptrolle spielt.

Zum Anschauen II: Am Mittwoch um 20.15 Uhr beginnt bei ProSieben die neue Castingshow Fashion Hero. Ähnlich wie bei Project Runway aus den USA müssen junge Modedesignerinnen und -designer Wochenaufgaben lösen, ihre Entwürfe werden von einer Jury beurteilt, jedes Mal fliegen welche raus, und am Ende bleibt eine(r) übrig. Da zu Anfang 21 KandidatInnen gegeneinander antreten - wie soll der Zuschauer bitte so viele Leute auseinander halten? - nehme ich nicht an, dass der Design- und Herstellungsprozess allzu viel Raum eingeräumt werden wird, aber vielleicht ist es ja trotzdem ganz lustig.   

Montag, 16. September 2013

Woche 37


Auf meinem Nähtisch liegt ein echter Luxusschnitt - das Elisalex-Kleid von by hand London. Die ersten Elisalex-Kleider sichtete ich im Frühjahr bei Dodo und bei Yvonet, aber erst vor kurzem ging mir auf, dass die Schnittmuster von by hand London in Großbritannien gerade der totale Hype sind - die Schnitte werden in den britischen Nähblogs wie verrückt rauf und runter genäht.

Die Firma wurde vor noch nicht einmal einem Jahr von zwei Mittzwanzigerinnen in London gegründet, ehemalige Schuhdesignerin die eine, Marketingexpertin die andere. Man könnte daher befürchten, dass der große Erfolg vor allem durch geschicktes Einspannen der bloggenden Nähcommunity zustande gekommen ist - aber die zahlreichen Bilder vorteilhafter und gut sitzender Kleider sprechen eine andere Sprache, und so viel enthusiastisches Lob kann man nicht kaufen. Denke ich. Eine Sache haben die Frauen von by hand London jedenfalls schon ganz richtig gemacht: die Verpackung des Schnittmusters und das Anleitungsheft sind so schön und hochwertig gestaltet, dass nicht nur Nähnerds, sondern auch Büchernerds voll auf ihre Kosten kommen.

Ich bekam den Schnitt von Constance im Tausch gegen Korrekturlese- und Redigierarbeit (hat sie natürlich auch in ihrem Shop), und streichelte erstmal eine Woche nur die Verpackung, aber am Wochenende war ich dann so neugierig, ob das etwas für mich sein könnte, dass ich ein Probeoberteil nähte. Das Oberteil sitzt sehr vielversprechend, und ich denke es ist mir auch gelungen, die Schnittteile für den Rock so zu kürzen, dass ein knielanger Tulpenrock mit der "Beule" an der richtigen Stelle dabei herauskommt - das ist am Schnittmuster nämlich etwas merkwürdig, der Rock ist extrem lang (an Dodo sieht man hier die Originallänge), damit der Rock wie auf der Modellzeichnung nur bis zum Knie geht, müsste die Trägerin also ca. 1,93 m groß sein.

Also, das nähe ich mir als nächstes, dann komme ich (falls es klappt) auch nochmal auf die Änderungen zurück. Der Stoff ist oben mit auf dem ersten Foto - eine Art Feincord mit weit auseinander liegenden Rippen in dunkelblau-schwarz von Philea.

Ansonsten ist nicht viel passiert - in unserer kleinen Straße eröffnete ein kleiner israelischer Falafel- und Hummus-Imbiss, der wahrscheinlich unser Ziel für die Abende werden wird, an denen ich weder Lust noch Zeit zum Kochen habe. Und die Turmspringer vom Kanal, die im August noch so aussahen, sind um zwei Springer und Wasser ergänzt worden. Im Netz gibts die neuen Strickmuster von knitty.com - "deep fall 2013" - ja, wir stecken schon mitten im Herbst.