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Freitag, 1. Januar 2010

Textile Monatsseite: Im traurigen Monat November war's

Im traurigen Monat November war's,
Die Tage wurden trüber,
der Wind riß von den Bäumen das Laub, [...]

(Heinrich Heine, Deutschland ein Wintermärchen)




Hoffentlich habt ihr den Jahreswechsel alle gut und gesund überstanden. Hier hat sich der Pulverdampf nun einigermaßen verzogen, die Mitternachtscocktails sind sozusagen verdaut (wie sagt man eigentlich bei Getränken?), jedenfalls möchte ich noch ein Werk der letzten freien Tage zeigen, die Monatsseite November, wie beim letzten Mal eine Collage aus allen möglichen Stoffresten (Wolle, Seide, Leinen), bestickt mit der Nähmaschine und mit einigen handgestickten Details.



Den November nicht zu mögen ist so einfach, auch wenn er dieses Jahr so freundlich und warm daherkam, dass man gar nichts gegen ihn vorbringen konnte.
Andererseits ist es mit dem November wohl so, wie häufig mit schwierigen Persönlichkeiten: sie sind gleichzeitig auch ganz interessant und wenigstens gut für einen düsteren Song. Ob nun von Heine oder von Tom Waits, dessen gebelltes, geheultes und gejaultes Novemberlied mit der singenden Säge mir beim Nähen unaufhörlich im Kopf herumging.



November

No shadow
No stars
No moon
No cars
November
It only believes
In a pile of dead leaves
And a moon
That's the color of bone

No prayers for November
To linger longer
[...]



November has tied me
To an old dead tree
Get word to April
To rescue me
November's cold chain

Made of wet boots and rain
And shiny black ravens
On chimney smoke lanes
November seems odd
You're my firing squad
November

[...]

Go away you rainsnout
Go away blow your brains out
November

(Tom Waits, November)

Die Rückseite

Tja, das wars nun mit Monatsseiten für 2009. Es war sehr bereichernd und inspirierend, gemeinsam mit Tally, Kaze, Griselda, Monika und Suschna diese selbstgestellte Aufgabe anzugehen. Mit noch mehr Spannung als gewöhnlich schlug ich meinen Blogreader auf, wenn wieder eine der Damen eine neue Seite gepostet hatte, wie interessant war es, die persönlichen und ganz unterschiedlichen Interpretationen des Monatsthemas zu betrachten, und wie gern verfolgte ich die Diskussionen, die sich in den Kommentaren so häufig ergaben. Was mich betrifft, wird es auch 2010 mit Monatsseiten weitergehen - denn sechs Monate sind ja sozusagen noch offen.

Und obwohl der erste Beitrag des Jahres nun ausgerechnet der traurige November heißt (das hab ich ja wieder fein hingekriegt), wünsche ich Euch allen ein großartiges, gesundes und rundherum erfreuliches Jahr 2010!

Dienstag, 1. Dezember 2009

Textile Monatsseite August: Mauersegler



Jaja, ich weiß, das kommt zur Unzeit, die Seite war zwar seit August im Kopf fertig, umgesetzt habe ich sie aber erst vor drei Wochen. Also Lametta beiseite - kennt ihr Mauersegler eigentlich auch aus eurer Stadt?

"Mauersegler sind extrem an ein Leben in der Luft angepasst. Außerhalb der Brutzeit halten sie sich über mehrere Monate höchstwahrscheinlich ohne Unterbrechung in der Luft auf. Im Hochsommer sind die geselligen Vögel im Luftraum über den Städten mit ihren schrillen Rufen sehr auffällig. [...]
Vor allem in Gesellschaft und bei Kämpfen sind Mauersegler außerordentlich ruffreudig. Am auffallendsten ist das hohe, schrille, oft gereiht vorgetragene „srieh srieh“, mit dem die Vögel auch den Verkehrslärm in Städten übertönen können."
(Quelle: Wikipedia)



In unserem Karree lebt nämlich ein kleiner Mauerseglerschwarm. In der ersten Zeit hier fielen mir die Vögel gar nicht besonders auf - da sie so schnell sind, sieht man sie quasi kaum. Sie sind schon wieder gegenüber die Fassade hoch und übers Dach, ehe man sie richtig ins Auge fassen kann. Die Rufe (wer auch mal hören will: hier) ertönen von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang, besonders an trockenen Tagen. Von Anfang Mai bis Mitte August bilden sie einen Klangteppich, den ich nur selten bewusst wahrgenommen habe.



Erst im Spätsommer begann ich mich für diese unscheinbaren aber höchst erstaunlichen Vögel zu interessieren. Und nachzulesen. Und dann, an einem Tag im August, waren sie weg, und sie fehlten mir. Die Stille morgens war für mich in dem Moment hörbarer als das Rufen die ganze Zeit davor. Im Mai werden sie wieder zurück sein und ich hoffe, den Tag nicht zu verpassen - dann wird es nämlich Sommer!



Die Monatsseite besteht diesmal aus vielen verschiedenen Stoffen, die ich anschließend mit der Nähmaschine ziemlich wild bestickt habe. Die Stoffstücke klebte ich mit einem ganz normalen Papierklebestift fest und ließ die Collage einen Tag trocknen, bevor es an die Nähmaschine ging. Das kann ich emfehlen, denn wenn man sowieso vorhat, mehrmals über jede Stoffkante zu nähen, muss man sich mit Vliesofix gar nicht erst abmühen. Der Klebestift schlägt zumindest bei mitteldicken Baumwollstoffen nicht auf die Vorderseite durch und versteift das Gewebe ein wenig, wenn er trocken ist.
Durch die Stickerei hat mein Mauersegler etwas an Umfang zugelegt (oder war der etwa heimlich an den Keksen?), so dass er ein wenig fluguntüchtig wirkt, eher wie ein dicker, gutmütiger Papagei.



Meine Absicht war es ja, auf der Vorderseite die verschiedenen Stoffe durch die Näherei zu verbinden, dabei ist auf der Rückseite eine ganz interessante Zeichnung entstanden. Die Seite ist daher noch nicht gefüttert, weil ich noch gar nicht sicher bin, ob ich nicht die ursprüngliche Rückseite zur Vorderseite machen soll. Mal sehen.



Weitere textile Monatsseiten in letzter Zeit:
Griseldas Monatssets entstehen mit bewunderungswürdiger Regelmäßigkeit, sie werden aber auch gebraucht, denn zum Weihnachtessen (ha! also doch noch Lametta!) sollen alle zwölf bei ihr auf dem Tisch liegen. August und September sind jedenfalls fertig.
Suschnas Monatsblumenbilder waren sogar schon einmal zu einem Geburtstag im Einsatz, die Juli- und Augustblumen gab es vorher schon im Detail zu sehen.
Tallys Monatsseite Juni, Wege wohin sie führen entstand aus ihren Wegen im Sommer.
KaZe zeigte als Ausblick zuletzt Katzen (aber mit T!).

Sonntag, 30. August 2009

Textile Monatsseite Juli: Lange Tage



Gleißend helle Tage, glühend heiße Tage, trockene, staubige Tage, schwül-dumpfige Tage, frische und sonnige Tage nach dem Gewitter, laute Tage, agressive Tage, auch ein paar Regentage – im Juli ist nun endlich und unmissverständlich der Sommer da, auch in Berlin. Die Straßen sind voller Menschen, der Holzbildhauer in unserer Straße sitzt auf einem Gartenstuhl vor seinem Atelier und der Maßschuhmacher schräg gegenüber hat sich Arbeit mit hinausgenommen. Sogar die Eckkneipe vom Typus „Alt-Berliner Säuferkneipe“ mit vergilbten Gardinen und verstaubten Plastikblumen auf den Tischen bietet auf einmal Eis an. In jeder Ecke eröffnet eine Strandbar, jedes noch so kleine Lokal in jeder noch so kleinen Straße stellt Tische und Stühle heraus. Straßen, Parks, Flussufer und Brücken sind bis tief in die Nacht von jungen Menschen bevölkert, die Stadt eine einzige, meistens friedliche internationale Freiluftparty.



Menschen unterhalten sich, telefonieren, zerbrechen Flaschen, lachen und rufen. Autotüren klappen, Menschen steigen ein und aus, Autoradios dudeln. Haustüren klappern, Rollkoffer rattern über das Pflaster, Autos hupen, die Feuerwehr bahnt sich mit Sirene und Blaulicht den Weg. Ein Wagen mit aufgedrehter Musikanlage fährt vorbei, wie eine rollende Disko, und der Nachbar feiert eine Party, bei offenen Fenstern. Die Nacht bringt kaum Abkühlung, die Straßen und Häuserwände strahlen die Hitze noch ab, auch wenn die Sonne schon lange untergegangen ist. Die Leute schlafen schlecht – und nach ein paar heißen Nächten merkt man das auch tags auf der Straße. Fußgänger schreien Radfahrer an und umgekehrt. Frau zerrt Kind am Arm über die Straße, Kind brüllt. Ein vollbesetztes Auto rast immer im Kreis um den Herrmannplatz herum, ein anderer fährt noch schnell bei Rot.



Dann kommt endlich der Regen, ein Gewitter, jeder bleibt mal einen Tag zu Hause, bei geschlossenen Fenstern, und tatsächlich kann man eine Nacht nichts anderes als den Donner und das Geräusch leise fallender Tropfen hören. Zeit zum Durchatmen.

In manchen Situationen beame ich mich in Gedanken in unseren schattigen alten Garten, früher, mit vermoostem Rasen, rauschenden Pappeln und im Juli (oder eigentlich immer) voller Giersch, dem Schrecken des Gärtners. Auch wenn ich ihn oft genug ausrupfen musste, erinnere ich mich gerne an den würzigen Geruch der Blätter, an die weißen Blütendolden. Hässlich ist der Giersch nicht - nur wenn man ihn lässt, überwuchert er alles andere. Ausrotten kann man ihn nicht - wenn man ihn loswerden will, muss man selber wegziehen. Oder lernen mit ihm zu leben, ihn nur dort einzudämmen, wo er wirklich stört.

wilde MöhreWilde Möhre muss für das Foto als Giersch-Ersatz herhalten, der ist nämlich hier nicht so verbreitet

Für die Monatsseite Juli griff ich wieder in meine Restetüte und sammelte weiße, naturweiße, hellgraue, blassblaue und ein paar rot-orangene Reste heraus, Baumwolle, Leinen und Seide. Ähnlich wie bei der Monatsseite vom März nähte ich sie zu einem unregelmäßigen Patchwork zusammen. Zur Stabilisierung bügelte ich vor dem Sticken eine Gewebeeinlage auf die Rückseite des Patchworkteils, wobei an zwei Stellen bei besonders dünnen Stoffen der Kleber etwas durchgeschlagen ist, die Nahtzugaben schimmern hier und da auch durch - darauf würde ich beim nächsten Mal achten und die wirklich dünnen Stücke aussortieren.



Die Stickerei wie immer mit der Hand, das schätze ich als Tätigkeit immer mehr, weil man irgendwo sitzen und sich dabei noch nett unterhalten kann, und das obwohl ich mir seit Anfang des Jahres vornehme, das Sticken mit der Nähmaschine endlich ernsthaft auszuprobieren. Steht für August natürlich wieder auf der Agenda, diesmal aber wirklich!

Griseldas Monatsset Juli kann man hier schon erspähen, und jetzt wo die Urlaubszeit vorbei ist, gibts sicher auch bald wieder monatsseitiges bei KaZe, Suschna und Tally.

Mittwoch, 19. August 2009

Textile Monatsseite Mai: Wie Kraut und Rüben oder wie nicht zusammenwächst, was auch nicht zusammengehört



Über die Monatsseite Mai (Monatsseite, was war das denn nochmal?) habe ich hier im Blog bisher ja nur ein paar Andeutungen und ein Bild hinterlassen – mittlerweile ist die Mai-Seite sehr gut abgelagert, und trotz wochenlangem Betrachten und von-rechts-nach-links-und-wieder-zurück-Räumen muss ich gestehen, dass sie mir immer noch nicht gefällt.



Die Idee am Anfang war im Grunde ganz simpel: Zum schönsten am Berliner Sommer zählen für mich die Straßengärten, auf die man ganz überraschend in vielen Gegenden stoßen kann. Es gibt ja kaum eine Wohnstraße ohne Straßenbäume, und manchmal sind auch die sogenannten Baumscheiben hübsch bepflanzt, also das Fleckchen freie Erde um den Baum herum.





Diese kleinen Gärten können ganz unterschiedlich aussehen: Da gibt es welche mit einem stabilen Zaun drumherum und Rosensträuchern und Stauden, die dort offensichtlich schon seit Jahren wachsen. Anderswo sieht man auf einmal im Frühling ein Fleckchen aufgekratzter Erde mit einigen ausgesäten Sommerblumen und mit alten Ziegeln begrenzt, die man hier auf Brachgrundstücken immer noch findet. Manche sind das Werk von anonymen Gärtnern – zum Beispiel die Sonnenblumen, die sich hier um die Ecke an der Straße auf fast jedem freien Flecken breitmachten, bevor sie letzte Woche leider abgemäht wurden. Guerilla-Gärtner brauchen einen langen Atem. Andere Straßengärten werden angelegt, wenn ein Laden neu vermietet oder eine Erdgeschoßwohnung neu bezogen wird, so verhindert der Mieter ein Hundeklo direkt vor der eigenen Haustür. Oft wächst da eine wilde Mischung, denn die Gärtner sind offensichtlich echte Großstadtkinder, die nicht mit Gärten aufgewachsen sind und auch keine Gartenmagazine lesen, und daher nicht wissen, was „man“ so pflanzt. Da steht dann Oleander neben Konifere neben Stockrose neben Riesenkürbis.



Wenn es sich um lebende Pflanzen handelt, wächst sich so ein Durcheinander ganz hübsch zurecht – für Blumen aus Stoff gilt das nicht unbedingt, wie man hier sieht. Als Grundlage der Monatsseite nähte ich einen unregelmäßigen Log-Cabin-Block aus hellen Stoffen, der dann mehr oder weniger organisch von allerlei plastischen Stoffblumen (den gleichen wie in der Anleitung vom Kreativtag), applizierten Blüten und Stickereien überwuchert werden sollte.



Tja, überwuchert hat so weit geklappt, die Seite als ganzes jedoch nicht – ich verhedderte mich buchstäblich in Kleinteiligkeit, so dass sich zwar ein paar Ecken ergaben, die ich ganz in Ordnung finde, aber insgesamt kein stimmiges Bild. Für die Stoffblumen kamen nur einige bestimmte dünne Stoffreste in Frage, alle eher gedämpft und dunkel – ungünstig für das Gesamtergebnis. Es hat zwar großen Spaß gemacht, die Stoffmuster stickend zu ergänzen – aber all das hätte besser geplant werden müssen.



Die Monatsseiten für Mai (und Juni) bleiben also als Aufgabe für nächstes Jahr. Eine Juliseite, die mir recht gut gefällt, ist inzwischen entstanden, die gibt es dann demnächst.



Die Monatsseiten-Mitstreiterinnen waren seit Mai nicht untätig:
Tally zeigte hier den Beginn ihrer Juni-Monatsseite mit Wolle, Organza und Perlen, die außerdem ein Gemeinschaftsprojekt ist.
Karen hat gleich mehrere Seiten in Arbeit: ein blumiger April, ein Mai mit Wasser und Seerosen (hoffentlich wird das trotz der Panne zuletzt fertig - die Entwurfszeichnung und die Blätter sehen so schön aus!) und die Aussicht auf einen Juli mit Katze.
Susanne fügte ihrer Blumenkranzdecke für Mai Akelei, Beinwell, Kastanienblüten und Melisse hinzu und unternahm interessante Färbeexperimente, im Juni gabs Johannisbeeren zum Anbeißen und plastische Jasminblüten (Anleitung für die Jasminblüten hier).
Griseldas Monatssets entstanden mit beneidenswerter Regelmäßigkeit und sind ganz wunderbar unterschiedlich: Der Mai als Farb-und Formenexplosion, der Juni rot, weiß und grün, und im Juli gibts Knötchen über Knötchen...

Freitag, 15. Mai 2009

Textile Monatsseite April: Frühling, aber ordentlich bitte!



Ein sehr ordentlicher Frühling, das war der April. Nachdem es am 24. März noch etwas geschneit hatte, sichtete ich bereits am 3. April am Landwehrkanal den ersten Jogger mit nacktem Oberkörper (zugegeben, der Bursche hatte auch etwas vorzuzeigen, übertrieben war es trotzdem). In den Wochen danach konnte man eine Blüten- und Blätterexplosion sondergleichen beobachten, sogar hier in der Stadt, wo Natur ja doch immer nur in Ausschnitten vorkommt. Dieses plötzliche Wachstum überall nach den Wintermonaten ist ja im Prinzip jedes Jahr das gleiche, sollte man meinen, trotzdem kam es mir in diesem April schneller und intensiver als sonst vor – aber das kann auch eine Täuschung sein und nur dem Kontrast zu dem doch sehr langen Winter geschuldet.



Obwohl draußen dann endlich alles wuchs, wollte bei der Monatsseite April zunächst erstmal gar nichts wachsen. Bis Mitte April hatte ich nur Ideen, die mich aber nicht so packten, dass ich sie weiter verfolgen wollte. Dann packten mich ein paar Sorgen (die quasi aus dem Nichts wuchsen), und obwohl vom Sich-Sorgen-machen ja im allgemeinen sehr abgeraten wird, verhinderten sie jedenfalls gründlich, dass hier irgendwelche Ideen keimen konnten. Als sich die Sorgen aufgelöst hatten, nähte ich etwas unmotiviert die ausgeschnittenen Kreise der Monatsseite März auf einen apfelgrünen Hintergund, weil ich dachte, dass man aus diesen Resten doch noch etwas machen könnte und weil ich dieses ganz bestimmte gelbstichige Hellgrün ganz besonders mit dem Frühling, nämlich mit der Farbe frischer junger Blätter verbinde.



Die betongrauen Stoffkreise, in der Größe gestaffelt und im Raster angeordnet, gefielen mir nun aber nicht. Viel zu ordentlich, eine seltsame Art von Mengenlehre, und anstatt sie von anderen (nur welchen?) Strukturen überwuchern zu lassen, fing ich noch einmal von vorne an.
Verschiedene Grüntöne auf hellgrün, verlaufend sollten es sein, darin und dazwischen bunte Blüten. Dass ich mit den gestickten Kreisen, versetzt angeordnet, letztlich wieder ein Raster herstellte, fiel mir zunächst nicht auf. Erst als schon ziemlich viel dazwischen mit Kettenstich ausgefüllt war. Nun denn, ich gab mich also dem Raster geschlagen, und so wurde es nun ein ordentlicher Frühling, ordentlich in beiden Bedeutungen.



Die plastischen Blüten bestehen aus Stoffkreisen aus verschiedenen weißen, pastellfarbenen und zart gestreiften Stoffen, die ich mit roter Ostereierfarbe (eine Tablette Rot, aufgelöst in heißem Wasser) vom Rand aus zart verlaufend rosa färbte. Für eine Blüte sind jeweils zwei Kreise übereinander mit ein paar Handstichen befestigt und im Knötchenstich zusätzlich bestickt.



Für den Mai bin ich mal gespannt, ob ich ohne Raster auskomme. Eine Idee für die Grundstruktur habe ich schon, ich möchte von einem unregelmäßigen Log-Cabin-Quadrat ausgehen. Hoffen wir, dass es tatsächlich unregelmäßig wird.



Auch die Monatsseiten der Mitstreiterinnen behandeln das Blütenthema: Suschna applizierte für eine Geburtstagstischdecke Kirschblüten und Silbertaler und wird die Decke in den nächsten Monaten mit weiteren Pflanzenporträts füllen. Griseldas Monatsset April porträtierte Traubenhyzinthen und (gelbblühendes, mehrjähriges) Steinkraut auf Türkis mit Braun, Monika fügte die Seite von April mit der Märzseite zu einem blumigen Kissen zusammen und Kaze zeigt applizierte und handgequiltete vielschichtige Blumen. Tally ist (glaube ich) gerade verreist, und hat ihre Monatsseiten für Juni angekündigt - ich warte gerne!

Freitag, 17. April 2009

Monatsseite März - die Links und, öhm, dieses Mal kein Ausblick auf April



Nach alter Praxis hier noch einmal die Links für die textilen Monatsseiten März zusammen:
Griselda eröffnete den Märzreigen mit einem grün-türkis-blumigen Monatsset.
Tally bewegte sich zwischen Blumen und Schnee - eine Seite mit ganz vielen Details und teilweise alten Materialien.
Karens Seite zeigt wieder den roten Faden, der sich als kleines Pflänzchen dem Licht entgegen streckt, so scheint es.
Monika werkelt noch - wie sie schon verraten hat (leider finde ich nicht mehr wieder, wo das war, aber ich habe das gelesen, ganz sicher!) wird sie wieder etwas nähen, allerdings würde ich mich auch nicht wundern, wenn sie uns mit einer gestrickten Seite überraschte (mit eingestricktem Muster natürlich). Ergänzung vom 20. 4.: Monikas Märzseite ist da! Und sie ist gepatcht, appliziert und bestickt in frischen Frühlingsfarben!

Und der April? Tja, ein paar ganz vage Ideen habe ich zwar, aber bisher war keine so überzeugend, dass ich mich dringend ans Werk machen müsste. Daher im Moment kein Ausblick, aber der Monat dauert ja noch ein paar Tage.

Donnerstag, 2. April 2009

Textile Monatsseite März: Verborgenes Grün



Der März gilt in unseren Breiten gemeinhin als der erste Frühlingsmonat und der März ist grün. Zumindest letzteres scheint mehrheitsfähig zu sein, denn Griselda hat für den März schon ein grünes Set vorgelegt, und auch tallys Anfang und Kazes verzwickter März gehen in die grüne Richtung. Mit Frühling war hingegen noch nichts. Nachdem ja schon der Februar mit dem Warten auf den Frühling ausgefüllt war, setzte sich das Warten auch im März fort. Im übrigen wollte nicht nur der Frühling nicht in die Puschen kommen, wie man hier im Norden so sagt, auch ich hatte im März vieles vor und habe davon nur wenig umgesetzt. Jetzt ist der Monat vorbei, und ich habe das Gefühl, die ganze Zeit vor allem auf besseres Wetter gewartet und über das Wetter geredet zu haben.




Für den Untergrund der Monatsseite hatte ich von Anfang an die Idee, die grünen Bestandteile meiner Stoffrestetüte zu verwenden. Prinzipiell hebe ich nämlich alle Stoffreste auf, seit Jahren schon, und die kleinsten Stücke wandern in eine mittelgroße stabile Plastiktüte, die beim Nähen in Reichweite steht. Wundersamerweise ist diese Tüte immer ungefähr gleich voll, auch so ein Rätsel, obwohl Reste darin sind, die ich schon seit Jahren mitschleppe.

Außerdem fand ich es reizvoll, zur Abwechslung den Zufall entscheiden zu lassen. Nähen ist ja sonst ein Prozess, in dem ständig Entscheidungen getroffen werden müssen – hier sortierte ich einfach alle grünen Reste aus meiner Tüte aus und nähte sie fortlaufend jeweils an den Schmalseiten aneinander, so dass sich ein mal schmaleres, mal breiteres Stoffband ergab, das ich mit der Schere hier und da noch etwas begradigte. Das Band schnitt ich dann in 23cm lange Abschnitte, die an den Längskanten aneinander genäht wurden.




Auf dieses grün gestreifte Patchwork, das mich an Erdschichten erinnert, kam später eine Lage verstärktes graues Leinen mit umstickten Löchern. Diese Löcher sind sozusagen der Trick17 der Monatsseite und ich bin ganz stolz, dass ich mich so schlau selbst überlistet habe.

Vor mehr als drei Monaten schrieb ich hier ja schon mal über meinen Wunsch, handgenähte Knopflöcher zu lernen. Aber ach, mir fehlt einfach die Disziplin für Fingerübungen, nicht nur am Klavier. Es gibt immer so viel anderes, „richtiges“ und wichtiges zu tun.



Die Monatsseite ist zum Beispiel etwas „richtiges“ und wichtiges – und daher hatte ich überhaupt keine Disziplinprobleme, 35 Löcher verschiedener Größe mit Knopflochstich und doppelten Faden zu umsticken. Ok, bei einigen habe ich nebenher DVDs angeschaut, das sollte man nicht, aber trotzdem! Mit dem Knopflochstich komme ich jetzt leidlich klar, weiß endlich, wie ich die zu umstickende Kante, Nadel und Faden am besten halte, damit sich der vermaledeite Knoten nicht zu früh zuzieht. Die restliche Stickerei – Schlingstichrosetten, locker gearbeiteter Fischgrätenstich und ein paar Knötchenstiche – war im Vergleich dazu die Kür.

Dienstag, 10. März 2009

Monatsseite Februar: Alle Links und ein Ausblick auf März

Inchie fürs Inhaltsverzeichnis Februar

Wie gehabt möchte ich hier noch einmal zum Nachschlagen die Links zu den einzelnen Monatsseiten Februar versammeln. Ich fiebere den Monatsseiten ja geradezu entgegen und schaue zum Monatsende dauernd nach, ob schon irgendwo eine zu sehen ist. Die ganz unterschiedlichen, sehr persönlichen Ergebnisse überraschen, erstaunen und inspirieren mich sehr. Und außerdem erstaunt und erfreut mich die Anteilnahme, die sich hier und in den anderen Blogs in den Kommentaren zeigt. Danke auch dafür.

Tallys Monatsseite im Zeichen der Fische

Griseldas Winterlings-Monatsset

Wollixundstoffixs Wendetasche

KaZes Gedankenteppich

Und im März? Im März wirds (hoffentlich) endlich grün. Stoffreste, und seien sie noch so klein, kann ich nur sehr schwer wegwerfen. Am Nähplatz habe ich eine stabile Tüte stehen, in die wandert fast jedes Restchen - solange man eine Naht darauf anbringen könnte, ist es nicht zu klein. Alles Grüne habe ich nun für die Monatsseite März aussortiert.

Mittwoch, 4. März 2009

Textile Monatsseite: Der Februar tut sich schwer



Oder eher tue ich mich mit dem Februar schwer. Dieser Februar war nicht viel mehr als Warten auf den Frühling, auf die erste warme Luft. Hier in Berlin haben wir vergeblich gewartet, aber seit einigen Tagen gruppiert sich die Krähenkolonie auf dem Baum vor dem Bürofenster des Liebsten zu Paaren, immer eine größere und eine kleinere Krähe, und es wird geherzt und geschnäbelt. Niedlich, sofern Krähen niedlich sein können.

Der Februar ist für mich grau-bunt, das war mir schon ohne langes Nachdenken klar, und ebenso klar hatte ich sehr schnell eine Vorstellung von der „fertigen“ Seite vor Augen, nämlich von kaleidoskopartigen Rosetten aus Stoff und Garn vor einem grau-blauen Hintergrundstoff. Die Umsetzung dieser Vorstellung hatte dann mehr Tücken, als ich dachte.



Für den Hintergrund wollte ich ganz einfache Scherenschnittrosetten mit einer Spritztechnik auf den Stoff bringen. Technisch höchst einfach, auf diese Weise hatte ich vor Äonen schon mal Glückwunschkarten gemacht: Die ausgeschnittenen Formen aus Papier liegen auf dem Stoff, die verdünnte Farbe wird mit einer Zahnbürste gleichmäßig darüber gespritzt. Nicht bedacht hatte ich, dass gespritzte graue Stofffarbe, und dann noch auf hellblau, in erster Linie wie Dreck aussieht. Vielleicht handelt es sich aber auch um einen Fall von unbewusster Beeinflussung, das Ergebnis ähnelt nämlich sehr dem Fußweg vor unserem Haus in den letzten vier Wochen: Schneematsch und dunkelgraues Streugranulat. Bin ich froh, dass ich nicht gleich, wie ursprünglich angedacht, eine ganze T-Shirt-Vorderseite so bespritzt habe.



Als zweite Schicht sollten ausgeschnittene Rosetten aus Stoff appliziert werden. Merke: aus Stoff lassen sie sich nicht so einfach schneiden wie aus Papier. Für das Applizieren habe ich bei diesen Versuchen keinen Randabschluss gefunden, der mir zusagt. Zufällig fand ich in dem gerade ertauschten Garnvorrat rosa Sticktwist und fliederfarbenes Spitzenhäkelgarn, die farblich so genau zu meinen Stoffresten passten, als wären sie extra dafür gekauft worden. Aber die umrandeten Rosetten (mit Kettenstich, Schlingstich oder einem aufgenähten dickeren Stopfgarn) sehen trotzdem nicht mehr so recht wie Scherenschnitte aus. Falls ich sowas noch einmal probieren sollte, greife ich lieber zu Schablone und Farbe. (Apropos Scherenschnitte: Was mit dieser Kunst alles möglich ist, kann man bei All about Papercutting bewundern.)

gehaekelte Rosetten

Die gehäkelten Rosetten sind meine ersten Versuche, etwas Komplizierteres als ein Einkaufsnetz zu häkeln und dementsprechend mit Nachsicht zu betrachten. Ich kann noch viel lernen und bewundere die Taschentuchumhäklerinnen in meiner Verwandtschaft.



Auf die Anleitung für die aufgestickten Spiegelpailetten – indische Art – stieß ich zufällig in einem Neuzugang meiner Handarbeitsbüchersammlung. Dazu schreibe ich demnächst noch einmal ausführlich, bisher hatte ich solche umstickten Spiegelchen nur in manchen Perlen- und Kurzwarenläden gesehen, dabei ist es verhältnismäßig einfach, sie selbst zu machen. Da man dann nicht zwangsläufig Spiegel umsticken muss, ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten.



Ein paar Stickereien und aufgenähte Flitter (Karneval!) versuchen, noch etwas Fröhlichkeit in den Februar zu bringen - aber ehrlich, ich bin ganz froh, dass er jetzt vorbei ist und freue mich auf den März.
Weitere Monatsseiten: Transparenz und Leichtigkeit bei Tally, ein Februargarten bei Griselda und eine Wendetasche bei Wollixundstoffix.
(Und was es mit der ganzen Monatsseitengeschichte auf sich hat, kann man hier bei Tally nachlesen.)

Donnerstag, 19. Februar 2009

Tauschgeschäft



Der Zufall bringt doch die schönsten Geschenke. Nur der Zufall in Gestalt eines kaputten Handrührgeräts war es nämlich, der mich vor knapp zwei Wochen auf die Webseite der Berliner Stadtreinigung und dann weiter auf die Seiten des BSR Tausch- und Verschenkmarkts führte. Was für den einen völlig wertlos ist, könnte für jemand anderes noch brauchbar sein - und in den Zeiten des Internets muss man sich von diesem "Müll" nicht mehr finden lassen, sondern kann Dinge und Menschen relativ einfach zusammenbringen.

Ich las ein wenig durch die Anzeigen, wunderte mich über Angebote wie "Tausche Laptop gegen Kratzbaum" und entdeckte ganz zum Schluss eine ältere Anzeige „Tausche altes Handarbeitsgarn, aus DDR-Produktion, Reste, gegen eine Flasche Olivenöl, z.B. von Aldi.“ Und tatsächlich fuhr ich letzte Woche mit einer Flasche Olivenöl gen Tempelhof und kehrte mit einem großen Karton zurück.

Das „Handarbeitsgarn“ entpuppte sich als Garnvorrat einer versierten Häklerin mit einer Vorliebe für Weiß- und Naturtöne und ich fühle mich reich beschenkt. Die Vorbesitzerin, ich nehme an eine ältere Verwandte der Tauschpartnerin, kaufte Material für ihr Hobby immer gleich in größeren Mengen: weißes, cremeweißes und beiges Garn für Filethäkelei und Taschentuchspitzen jeweils zehn Mal, buntes Spitzengarn in türkis, fliederlila, pastellgelb, hellblau und in Mischungen dieser Farben jeweils vier bis sechs Mal. Dazu noch Garn mit Leinenanteil, weißes Klöppelgarn, Viskose-Glanzhäkelgarn und Sticktwist. Zufällig genau die Farben und Garne, die ich mir erhofft, aber in einer Menge, von der ich nicht zu träumen gewagt hatte. Die meisten Knäuel sind noch unversehrt, die Zeit hat ihnen nicht geschadet und hinsichtlich der Qualität kann ich im Moment keinen Unterschied zu „Westware“ erkennen.

Die bunten Garne werden in die Februar-Monatsseite einfließen, ich war nämlich schon drauf und dran, Häkelgarn zu kaufen und wollte mich vorher nur noch über die Stärke der Häkelnadel schlau machen. Die Pastellfarben entsprechen genau meiner Vorstellung von dieser Seite und und ich freue mich besonders, dass ich hier wieder altes Material benutzen kann, das schon einen eigene Geschichte mitbringt.
Was die schönen weißen und cremeweißen Garne in verschiedenen Stärken betrifft, so habe ich noch keine konkreten Pläne. Aber ich habe jetzt Garn genug für alle möglichen Experimente, noch dazu ressourcenschonend erworben, und schon das Vorhandensein des Materials lässt mich Filethäkelgardinen mit anderen Augen betrachten.

Wer auch sein Glück bei der Suche nach solchen alten Handarbeitsschätzen versuchen will: Solche Tauschbörsen gibt es in vielen Städten, auf dieser Seite findet sich ein Überblick. Der Liebste fühlte sich von meinem Tausch gleich animiert, seinen Computersammlung zu durchforsten, um selbst etwas anbieten zu können.

Auf ein anderes Zufallsgeschenk kürzlich, über das ich mich auch sehr gefreut habe, möchte ich auch noch aufmerksam machen: Im Blog der neuen Kreativ-Community wanaba wurden meine Inchies vorgestellt. Inchies sind nämlich, so der Entschluss der Bastelbuchverlage und Agenturen, DER neue Kreativtrend im Jahr 2009, daher gibt es dort im Blog im Februar einen thematischen Schwerpunkt „Inchies“ mit Buchbesprechungen und Vorstellung einiger Inchie-Bastler. Ich werde aufmerksam verfolgen, ob sich dieser Trend im realen Leben tatsächlich zum Trend auswächst – wenn ich zum ersten Mal in freier Wildbahn ein Inchie sehe oder jemand, den ich tatsächlich kenne, mit der Inchie-Bastelei anfängt, gebe ich Bescheid.
Im wanaba-Blog läuft übrigens noch bis zum 15. März eine Inchie-Mitmachaktion, bei der man etwas gewinnen kann.

Donnerstag, 5. Februar 2009

Monatsseite Januar - die Zusammenfassung, ein Inchie und ein Ausblick auf Februar

Inchie Silberperlen









Nun gibt es auch bei den Mitstreiterinnen des textilen Kalenderprojekts die Januarseiten zu sehen, und weil ich es gerne übersichtlich habe (vor allem für mich, dann muss ich die Links nämlich nie wieder suchen, hehe), hier die einzelnen Beiträge mit den Ergebnissen:
Tally zeigt hier ihr blau-türkises Neujahrsfeuerwerk in ganzer Pracht. Dank einer Tasche auf der Rückseite ein echter Erinnerungsspeicher.
Griselda näht ein benutzbares Nähtagebuch – ein Patchwork-Tischset aus den Resten ihrer Jaunuarprojekte.
Kazes Tyvek-Experiment wartet noch auf Vollendung (Link dann auch hier). ist zu einer Winterlandschaft mit rotem Faden geworden.

Am Sonntag habe ich dann noch ein Inchie nachgeschoben, aus den gleichen Materialien wie die Hauptseite. Die grobe Idee ist, dass ich die großen Monatseiten später entweder wie ein Buch oder wie ein Leporello verbinde und dass die allererste Seite (oder ein etwas festerer Umschlag) mit den zwölf Monatsinchies gestaltet wird, etwa so wie ein Inhaltsverzeichnis. Mal sehen, so weit sind wir ja noch lange nicht.

Einen ersten Ausblick auf die Februarseite zeigt das Foto unten – im Februar wird sich bei mir alles um Rosetten drehen. Diese aus Papier werden als Schablone dienen, aber es wird auch noch welche aus Stoff geben. Dazu aber später mehr, denn wie sich mein Bild im Kopf technisch umsetzen lässt, ist mir selbst noch nicht ganz klar.

Scherenschnittrosetten

Sonntag, 1. Februar 2009

Monatsseite Januar: Wege im Nebel


Im Januar hatte ich unerwartet viel Zeit, um an der Monatsseite zu arbeiten und auch viel Zeit, um über den Januar nachzudenken. Der Januar, Winterfreunde mögen mir verzeihen, ist für mich der schlimmste Monat des Jahres. Der Winter dauert noch lange, Schnee hat den Reiz den Neuen verloren, es ist dunkel, es ist kalt, es gibt keine besonderen Tage, auf die man sich freuen kann.


Dann die Sache mit dem Jahreswechsel. Als Rationalistin sage ich mir, dass der 1. Januar ein Tag ist wie jeder andere auch, dass nur die Willkür unseres kalendarischen Systems ihn zum ersten Tag des neuen Jahres bestimmt. Hätten wir einen anderen Kalender, würde ein anderer Tag diesen Stempel tragen. Dennoch kann ich mich von einem gewissen Januar-Aberglauben nicht ganz frei machen. Denn wer möchte schon am Anfang alles vermasseln? Wer möchte gleich auf der ersten Seite des neuen Schulhefts einen dicken Fehler machen? So geht es mir auch mit dem neuen Jahr. Obwohl ich weiß, dass es irrational ist, glaube ich doch ein bisschen daran, dass jetzt die Karten neu gemischt werden, dass alles möglich ist, im Guten wie im Schlechten, dass Entwicklungen gerade hier ihren Anfang nehmen, deren Fortgang wir jedoch noch nicht überblicken können.


Und wohl selten hat ein Jahr so mit Ungewissheiten begonnen wie 2009. Was wird kommen? Stecken wir mitten in einem Paradigmenwechsel? Werden wir in Zukunft anders leben als jetzt? Oder wird sich nach einer Phase der Krise das Weiter-So durchsetzen? Soll man es fürchten, das neue Jahr, oder es freudig begrüßen? In diesem Januar wurde so oft der Ausspruch zitiert, dass die gegenwärtige Krise als Chance zu begreifen sei, dass man es langsam glauben möchte.


Tja, wie man sieht sind einfache mechanische Tätigkeiten, die wenig Konzentration für die Tätigkeit selbst verlangen, hervorragend geeignet, die Gedanken schweifen zu lassen und sich mehr oder minder tiefschürfende Gedanken zu machen. Ich verbrachte während meiner Erkältung sicherlich Stunden damit, ein Quadrat aus dem Batikstoff mit Vorstichen zu besticken, zuerst den Stoff alleine, später mit einer dünnen Schicht Polyesterwattierung darunter. Durch die Stiche zog sich der Stoff ein wenig zusammen, so dass eine kleine Hügellandschaft entstand, die ich dann auch nicht mehr gebügelt habe.


Im Verlauf der Arbeit verbreiterten sich die einmal angelegten Wege wie gut eingelaufene Trampelpfade immer mehr, zum Teil entstanden kleine planierte Flächen. Die "Inseln" dazwischen mit ihrer schwächeren oder stärkeren Batikmusterung bekamen zum Schluss ein paar farblich passende Perlen - grauviolett, silbern, permuttfarben - oder Knötchenstiche und damit das ganze Stück nicht nur wie eine grau in graue Suppe aussieht (wo bleibt denn das Positive?) kamen auch ein paar bunte gestickte Flecken dazu.


Den Schriftzug "Januar" stickte ich ganz simpel auf ein Stück breites Baumwollköperband. Dieses Etikett wollte ich zuerst auf der Vorderseite festnähen, letztendlich sah das aber, egal wo, wie ein Fremdkörper aus, so dass ich es schließlich auf der Rückseite befestigte.


So, und nun warte ich gespannt auf weitere Januar-Monatsseiten. Tally ist im Harz und kann gerade nicht bloggen, Kaze hat etwas mit Tyvek vor und Griselda zeigte hier schon mal einen kleinen Teaser...