Posts mit dem Label Perlen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Perlen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Sonntag, 31. Januar 2016
Stoffspielerei im Januar: Perlen (ohne Plan)
"Perlen" lautet das Thema der Stoffspielerei, zu der frifris heute einlädt. Anders als sonst bei den Stoffspielereien, bin ich diesmal ohne jedes Nachlesen über Techniken und Theorien an das Projekt herangegangen. Ich habe einfach mal alle Perlenvorräte zusammengesucht und mich von dem inspirieren lassen, was da war. Das war in erster Linie eine größere Menge unterschiedlicher Rocailles, grob nach Farben sortiert, die ich mal auf einer Kreativmesse gekauft hatte (Da gab es einen Stand mit lauter Perlen in Schüsselchen, die man selbst zusammenstellen konnte - ein großer Plastikbeutel voll kostete dann 3 Euro oder so.)
Die Idee, ein Collier zu besticken, kristallisierte sich dann heraus, als ich die 7 helltürkisen platten Quadrate fand. Ein bißchen inspiriert war ich von wunderschönen, wilden Perlenstickereien von Katharina Dietrich, die ich im Sommer bei der Textile Art gesehen hatte. Ich verstärkte ein Stück Nessel auf der Rückseite mit aufbügelbarer Gewebeeinlage, dann fiel mir ein, dass ich es bestimmt nicht hinkriegen würde, den Untergrundstoff komplett ordentlich mit Perlen zu besticken, so dass ein schwarzer Stoff als Untergrund günstiger wäre. Daher bügelte ich auf die Oberseite ein Stück schwarze Gewebeeinlage - der helle Stoff schimmert noch ein bißchen durch, man sieht eine zarte Webstruktur, das gefällt mir sehr gut. Für die bananenförmigen Umrisse schnitt ich zuerst eine Schablone vor, übertrug die Umrisse mit Kreide und nähte die Markierung mit der Hand nach.
Die Perlen sind mit doppelt genommenen schwarzen Nähgarn aufgestickt, und wie erwartet war es nicht ganz so einfach, alles schön ordentlich so aufzusticken, wie beabsichtigt. Ich habe bei der Stickerei aber auch mit Absicht ein paar "Fehler" eingebaut: mal eine kleine grüne Perle, statt einer türkisen, mal eine transparente blaue.
Die Stickerei habe ich dann ausgeschnitten, die Ränder eingeschnitten und sie mit Textilkleber (H2 von Gütermann) um einen Pappkern herumgeklebt. Der Kettenverschluss war in meinen Kruschtkisten auch noch vorhanden, die Schnur besteht aus gewachster Baumwollschnur, vierfach genommen und zum Zopf geflochten. Auf die Rückseite habe ich Filz geklebt.
Ich bin ziemlich zufrieden mit meiner kleinen Bastelei und werde mal schauen, dass ich noch ein Foto an der Person nachliefern kann. Die Luise schrieb ja neulich so einen klugen Artikel über Prozessorientierung versus Ergebnisorientierung bei Nähen und Handarbeiten und nannte die Stoffspielereien als Beispiel für Prozessorientierung, und rückblickend kann ich sagen, dass hier beide Orientierungen gut zusammengewirkt haben: Zuerst prozessorientiert das Herumschieben der kleinen Glassteinchen, das Ausprobieren verschiedener Anordnungen und Zusammenstellungen, dann aber an der richtigen Stelle der Wechsel zur Ergebnisorientierung, zum Beispiel habe ich mich dann entschlossen, einfach alles zusammenzukleben, anstatt auch noch nach einem Weg zu suchen, die Einzelteile zusammenzunähen. Und so kann ich dieses Mal ein fertiges Teil zum um-den-Hals-hängen vorweisen, und nicht nur ein paar Anfänge, Versuche und Schnipsel wie sonst oft.
Alle Perlen-Projekte werden heute hier bei frifris gesammelt.
Die nächste Stoffspielerei ist am 28. 2. bei Suschna zum Thema "Es war einmal ein Tuch".
Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch
Sonntag, 29. September 2013
Stoffspielerei September
Kaum hatte ich Stickerei als Thema der Stoffspielerei ausgerufen, fand ich in der zu-verschenken-Kiste bei uns im Hausflur eine Tüte Perlen (den Haufen links auf dem Teller). Das musste dann doch erstmal sortiert werden, und die Perlenvorräte, die sonst noch da waren, auch. Was Glasperlen betrifft, bin ich eher Käuferin als Verabeiterin.
Aber sticken lässt sich ja auch mit Perlen, man braucht nur einen stabilen Untergrund, weil das Glas ziemlich schwer wird.
Ich erinnerte mich an einen Perlenknopf, den ich mit ungefähr zehn Jahren gemacht hatte - der bunte Knopf links. Ich trage ihn heute noch manchmal als Brosche. Im ersten Versuch rechts steckt auch ein normaler, mit Stoff bezogener Knopf, den ich anschließend bestickt habe. (Hier hatte ich schon mal gezeigt, wie das mit dem Knopfbeziehen geht.)
Auf der Suche nach größeren überziehbaren und bestickbaren Gebilden landete ich bei Plastikdeckeln von Saftflaschen und schließlich bei diesem Deckel einer Shampooflasche: schön flach und eine interessante, unregelmäßig-ovale Form. Besser wäre es gewesen, den Deckel mit dunklem Stoff zu beziehen, wenn mit dunklen Perlen darauf gestickt werden soll. Außerdem eignen sich gewölbte Knöpfe oder Deckel zum Besticken einen Tick besser, weil es bei geraden Flächen zunehmend schwieriger wird, mit der Nadel an den schon befestigten Perlen vorbeizukommen. Der Deckel ist daher noch nicht ganz fertig, ich freue mich aber schon darauf, ihn als große glitzernde Brosche zu tragen.
Wie haben die anderen das Stickereithema interpretiert?
Ute zerschnitt blau-weiße Stoffe und gestickte Deckchen und nähte eine Quiltoberseite aus Streifen, mit einer Technik, die mir ganz bekannt vorkommt.
Suschna stickte auf schwarzem Untergrund und färbte sich das Garn nach Bedarf selbst - abenteuerlich und wunderschön.
Bei Griselda wurde aus einer Gobelinstickerei eine Hülle für einen Mini-Tabletcomputer - Pixel innen und außen.
Petra bestickte Kissenbezüge im Satinstich mit der Nähmaschine und erklärt, wie das geht.
Karen stickte ein Monogramm nach einer alten Vorlage und macht sich über Kreuzstiche Gedanken.
Frifris setzte Kinderzeichnungen in Stickerei um - einfach, aber sehr wirkungsvoll.
Die nächste Stoffspielerei am 29. Oktober bei Suschna.
Sonntag, 18. Juli 2010
Im grünen Bereich
Na wer sagt's denn! Bei diesem Schnitt - 110 aus Burda 4/2009 - war ich zunächst viel skeptischer, was die Passform betrifft, als bei dem Ganzkörper-Faltenmodell vom letzten Mal, aber siehe da: es funktioniert weitaus besser. Das Material ist ein flutschiger, schwerer Viskosejersey vom Maybachmarkt, damit fallen die ganzen Falten im Unterbrustbereich schön schmal. (An der Hüfte vorne hätte ich es für das Foto noch einmal richtig hinzupfen müssen - das Bild zeigt also den Zustand nach einem halben Tag tragen.)
Das Mittelstück zwischen den Raffungen habe ich um gut einen Zentimeter verschmälert und mit einigen Perlen bestickt - sollte ich den Schnitt noch einmal nähen, würde ich es mit nicht-elastischer Einlage verstärken. Die Anleitung sieht an dieser Stelle gar keine Verstärkungen vor, bei Baumwolljersey mit größerem Ausleierfaktor könnte das fatal werden.
Das Nähen von solchem Flutschjersey mit meiner etwas grobschlächtigen mechanischen Nähmaschine habe ich mittlerweile ganz gut raus. Man muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass es genau so aussehen soll, wie ein gekauftes Teil aus Jersey. Das geht ohne Over- und Coverlock einfach nicht, muss aber kein Nachteil sein.
Wenn ich da mal mit Tipps um mich werfen darf:
- Eine Nadel speziell für Jersey ist essentiell, alle anderen verursachen Löcher. Ich markiere die Jerseynadeln gleich nach dem Kauf mit einem Klacks Nagellack am Schaft, denn mit bloßem Auge kann man sie kaum von den anderen unterscheiden.
- Stecknadeln können ebenso Löcher verursachen. Vom Hörensagen weiß ich, dass es sogar spezielle Jerseystecknadeln geben soll. Die habe ich auch nicht, ich stecke vorsichtig mit dünnen Stecknadeln und nur auf der Nahtzugabe.
- Zum Zusammennähen verwende ich einen mittelbreiten Zickzackstich.
- Säume kann man mit einer Zwillingsnadel festnähen, wenn das die eigene Maschine mitmacht. Meine ist gerade in Kombination mit Jersey ausgesprochen bockig - die Fadenführung bis zur Nadel ist nicht so sonderlich ausgeklügelt, die linke Nadel lässt häufig Stiche aus, das Garn reißt.
Mit untergelegtem Seidenpapier beim Nähen oder auswaschbarem Stickvlies lässt sich meistens noch etwas retten, auch wenn das Säumen dadurch oft länger dauert, als das Nähen des Shirts an sich.
Mittlerweile verwende ich einfach einen elastischen Stich für die Säume, meistens den Rautenstich - siehe Foto. Für den Saum plane ich gleich eine breite Zugabe ein, so dass das Nähfüßchen und der Transporteur auf einer doppelten Lage Jersey laufen und schneide den überstehenden Stoff erst nach dem Umnähen zurück.
Schnitt: 104 aus Burda 4/2009
Material: dünner, schwer fallender Viskosejersey
Änderungen: Mittelstück zwischen den Raffungen verschmälert, sollte außerdem verstärkt werden
Dienstag, 25. Mai 2010
Weltreise auf fünf Kontinente
Passenderweise ist schon die Anreise in den Berliner Südwesten eine kleine (gefühlte) Weltreise. Das Ethnologische Museum, das Museum für Asiatische Kunst und das (zur Zeit geschlossene) Museum europäischer Kulturen sind in einem gemeinsamen Bau mitten in einem Dahlemer Wohngebiet untergebracht, man kann sich also an einem verregneten Sonntag ganz gemütlich durch alle Kontinente treiben lassen.
Bei meinem Besuch vor ein paar Wochen bin ich über Süd- und Mittelamerika, Nordamerika und Afrika noch nicht hinausgekommen.
Gerade in Nord- und Mittelamerika ist mir aufgefallen, wie medial
Der Abteilung mit Kunst aus Afrika konnte ich mich hingegen ohne vorgefertigte Bilder im Kopf nähern. Die Fotos zeigen perlenbesetzte Prunkgegenstände, unter anderem einen Thron, den Wilhelm II. im Jahr 1908 als Geburtstagsgeschenk von Njoya, König von Bamun (westliches Kamerun) erhielt - von Monarch zu Monarch gewissermaßen. Die deutsche Kolonialgeschichte Kameruns zeigt, dass es mit der Ebenbürtigkeit dann doch nicht so weit her war.
Besonders beeindruckend (aber im Dämmerlicht nicht fotografierbar) fand ich die Kraftfiguren aus dem Königreich Kongo, Figuren in Menschen- oder Tierform, die über und über mit rostigen Nägeln, Klingen, Metallspitzen, Stoffstreifen und -Bündeln bedeckt sind. Die Figuren haben eine magische Funktion, sie sollen ein Dorf oder eine Familie schützen, Krankheiten heilen oder den bestrafen, der einen Vertrag bricht. Solche Figuren kann man auch hier sehen - und ich denke wir sind uns einig, dass man sich lieber an Abmachungen hält, wenn so ein Wächter im Spiel ist.
Zur Zeit ganz neu ist die Ausstellung Vodou - Kunst und Kult aus Haiti (bis 24. 10. 2010, einige Bilder hier), die ich mir unbedingt ansehen möchte, nachdem ich bei Deutschlandradio Kultur einen Beitrag darüber gehört hatte. Und es bleibt ja noch Asien und die Südsee - letztere hatte vor ein paar Wochen nämlich geschlossen.
Museen Dahlem, Lansstr. 8, 14195 Berlin
Di-Fr 10-18.00, Sa + So 11-18.00 Uhr
Donnerstags ab 14.OO Uhr freier Eintritt in die Dauerausstellungen
Haltestelle Dahlem-Dorf (U3)
Freitag, 6. November 2009
Eine kleine Alternative zum Maybachmarkt
Der Wochenmarkt am Maybachufer Dienstag und Freitag mit seinen Stoff- und Kurzwarenständen ist ja eine feste Größe im Wochenplan vieler Berliner Stoffjunkies. Habt ihr euch aber auch schon mal gefragt, was die Stoffhändler eigentlich an all den anderen Wochentagen machen? Der Stand von Naturstoffe Lindemann mit seinen ungefärbten Baumwoll- und Leinenstoffen ist am Samstag auf dem Winterfeldtplatz, dort, wo es auch die guten Scheren gibt. Aber alle anderen? Verdienen die an zwei Markttagen genug?
Zum Teil anscheinend ja, zum Teil nein, und diese zweite Gruppe steht am Mittwoch und am Samstag auf dem Markt in der Crellestraße, Nähe Yorckstraße in Schöneberg. Der kleine Wochenmarkt dort hat es bisher noch nicht in die Berlin-Reiseführer geschafft und liegt auch nicht in einem aufstrebenden Szenebezirk, daher ist das Angebot äußerst bodenständig: Weißkohlköpfe im 10kg-Sack und Großmarktware statt Biogemüse, Topfsets und voluminöse Steppdecken für türkische Großfamilien. Und etwa acht Stoffstände, ein großer Kurzwaren- und Perlenstand und ein kleiner Reißverschlussstand.
Die Preise sind eher noch niedriger als auf dem Markt am Maybachufer, ja mir scheint, dass dort auch zwei, drei Händler stehen, die man gar nicht auf dem Maybachmarkt findet (was wieder die Frage aufwirft, wo diese Anbieter denn den Rest der Woche verbringen, aber gut). Was die Auswahl betrifft kann der Markt in der Crellestraße zwar nicht mit dem Maybachmarkt mithalten, aber durch den Samstagstermin kommen Wochenendbesucher mit Stoffkaufwunsch nun auch zum Zuge. (Und wenn man mit der U7 eine Station weiter fährt, ist man nach kurzem Fußmarsch auf dem Winterfeldtplatz und kann dem Besuch noch einen Markt mit ganz anderem Charakter zeigen.)
Wochenmarkt Crellestraße
Mi und Sa ca. 10-15.00 Uhr
direkt am Ausgang Yorckstraße/Großgörschenstraße (S1)
erreichbar auch mit S2/S25 oder U7 (Yorckstraße)
Freitag, 26. Juni 2009
Zweimal praktisch
Die kleinen Plastikboxen vom Blasenpflaster lagen schon im Müll, als mir einfiel, dass sie ideal für das Aufbewahren von Perlen, Knöpfen oder anderen Kleinteilen wären. Die Etiketten lassen sich einfach abziehen. Die größere hellblaue Box rechts ist die Verpackung von Blasenpflaster der Firma Scholl und sogar groß genug, um ein Reisenähzeug unterzubringen, die kleineren sind Marke Compeed. Da dieser Haushalt besonders im Sommer einen recht großen Blasenpflaster-Verbrauch hat, werden mir die Behältnisse so schnell nicht ausgehen - wenigstens etwas gutes, wenn empfindliche Füße und Eitelkeit (Birkenstock? Nylonfüßlinge? *grusel* niemals!) zusammentreffen.
Freitag, 29. Mai 2009
Im Kurzwarenrausch in München
Von allen mir bekannten Räuschen ist der Kurzwarenrausch mir der liebste. Man möge mir diesen läppischen Witz verzeihen, aber dieser hübsche weiß-rosa Laden in der Corneliusstraße, nur ein paar Schritte vom Gärtnerplatz, ist wirklich ein Kleinod unter den Kurzwarenläden (und ich wünschte ich würde sowas in Berlin finden).
Natürlich kann man dort auch langweilig-praktisches Nähzubehör, Nähgarn und Reißverschlüsse und aufbügelbare Flicken kaufen. Richtiggehend begeistert bin ich aber von der riesigen Auswahl an Perlen, Borten, Bändern und anderen Verzierungen, die ich so woanders noch nicht gesehen habe. Zum Beispiel gibt es ganz viele verschiedene Stoffblümchen, Satinröschen und Häkelblumen zum Aufnähen. In einem dicken A4-Ordner mit Klarsichthüllen kann man durch alle möglichen gestickten Aufnäher, Pailletten- und Strassmotive blättern. Und erst die Borten und Bänder! Das Bild zeigt noch nicht einmal die ganze Bortenabteilung, links davon und davor steht noch einiges mehr. Da gibt es ungefähr alles – Satin, Samt- und Ripsbänder, gemusterte Schrägstreifen, Zackenlitze, perlenbestickte Tüllborten, elastische Spitze, Wäschegummis in den schönsten Farben, bunte Baumwollhäkelspitze, Borten mit Federn, mit Fransen, mit Perlen, mit Stickereien, mit eingewebten Mustern, mit Bommeln. Alles in sehr guter Qualität, daher nicht billig, aber auch gar kein Vergleich zum Kaufhaus-Standardangebot. Die freundliche Inhaberin bezieht die Ware zum Teil aus Frankreich.
Ich konnte mich jedenfalls mal wieder nicht entscheiden und wie das so ist, fiel mir nachher noch einiges ein, was ich jetzt doch ganz gerne hätte, aber der nächte München-Besuch kommt bestimmt, irgendwann, und dann: KURZWARENRAUSCH!
Ergänzung 22. Juli 2009: Am Wochenende konnte ich mich überzeugen, dass sich der Laden bester Gesundheit erfreut. Bänder von Mokuba aus Japan haben sie auch.
Kurzwarenrausch Sanna Liisa Dollhofer
Corneliusstr. 31
80469 München
www.kurzwarenrausch.de
Öffnungszeiten
Di - Fr 11.00 bis 19.00 Uhr, Sa 11.00 bis 16.00 Uhr, Montags geschlossen
Sonntag, 1. Februar 2009
Monatsseite Januar: Wege im Nebel
Im Januar hatte ich unerwartet viel Zeit, um an der Monatsseite zu arbeiten und auch viel Zeit, um über den Januar nachzudenken. Der Januar, Winterfreunde mögen mir verzeihen, ist für mich der schlimmste Monat des Jahres. Der Winter dauert noch lange, Schnee hat den Reiz den Neuen verloren, es ist dunkel, es ist kalt, es gibt keine besonderen Tage, auf die man sich freuen kann.
Dann die Sache mit dem Jahreswechsel. Als Rationalistin sage ich mir, dass der 1. Januar ein Tag ist wie jeder andere auch, dass nur die Willkür unseres kalendarischen Systems ihn zum ersten Tag des neuen Jahres bestimmt. Hätten wir einen anderen Kalender, würde ein anderer Tag diesen Stempel tragen. Dennoch kann ich mich von einem gewissen Januar-Aberglauben nicht ganz frei machen. Denn wer möchte schon am Anfang alles vermasseln? Wer möchte gleich auf der ersten Seite des neuen Schulhefts einen dicken Fehler machen? So geht es mir auch mit dem neuen Jahr. Obwohl ich weiß, dass es irrational ist, glaube ich doch ein bisschen daran, dass jetzt die Karten neu gemischt werden, dass alles möglich ist, im Guten wie im Schlechten, dass Entwicklungen gerade hier ihren Anfang nehmen, deren Fortgang wir jedoch noch nicht überblicken können.
Und wohl selten hat ein Jahr so mit Ungewissheiten begonnen wie 2009. Was wird kommen? Stecken wir mitten in einem Paradigmenwechsel? Werden wir in Zukunft anders leben als jetzt? Oder wird sich nach einer Phase der Krise das Weiter-So durchsetzen? Soll man es fürchten, das neue Jahr, oder es freudig begrüßen? In diesem Januar wurde so oft der Ausspruch zitiert, dass die gegenwärtige Krise als Chance zu begreifen sei, dass man es langsam glauben möchte.
Tja, wie man sieht sind einfache mechanische Tätigkeiten, die wenig Konzentration für die Tätigkeit selbst verlangen, hervorragend geeignet, die Gedanken schweifen zu lassen und sich mehr oder minder tiefschürfende Gedanken zu machen. Ich verbrachte während meiner Erkältung sicherlich Stunden damit, ein Quadrat aus dem Batikstoff mit Vorstichen zu besticken, zuerst den Stoff alleine, später mit einer dünnen Schicht Polyesterwattierung darunter. Durch die Stiche zog sich der Stoff ein wenig zusammen, so dass eine kleine Hügellandschaft entstand, die ich dann auch nicht mehr gebügelt habe.
Im Verlauf der Arbeit verbreiterten sich die einmal angelegten Wege wie gut eingelaufene Trampelpfade immer mehr, zum Teil entstanden kleine planierte Flächen. Die "Inseln" dazwischen mit ihrer schwächeren oder stärkeren Batikmusterung bekamen zum Schluss ein paar farblich passende Perlen - grauviolett, silbern, permuttfarben - oder Knötchenstiche und damit das ganze Stück nicht nur wie eine grau in graue Suppe aussieht (wo bleibt denn das Positive?) kamen auch ein paar bunte gestickte Flecken dazu.
Den Schriftzug "Januar" stickte ich ganz simpel auf ein Stück breites Baumwollköperband. Dieses Etikett wollte ich zuerst auf der Vorderseite festnähen, letztendlich sah das aber, egal wo, wie ein Fremdkörper aus, so dass ich es schließlich auf der Rückseite befestigte.
So, und nun warte ich gespannt auf weitere Januar-Monatsseiten. Tally ist im Harz und kann gerade nicht bloggen, Kaze hat etwas mit Tyvek vor und Griselda zeigte hier schon mal einen kleinen Teaser...
Dienstag, 23. September 2008
Eine kleine Eloge auf den Maybachmarkt
Bis vor einem Jahr wohnte ich in einer Stadt, die beim Stoffkauf nur die Wahl zwischen teuer und sehr teuer ließ. Die Gleichung teuer=schön und hochwertig geht bei Stoffen leider längst nicht immer auf, jedenfalls nicht in meiner alten Stadt, und so saß ich immer wieder staunend am Rechner, wenn ich in Blogs oder im Hobbyschneiderinnen-Forum die Stofflager anderer Näherinnen entdeckte. Ich war ja schon froh, wenn ich wenigstens einen einzigen schönen Stoff fand.
Tja, nach einigen Besuchen auf dem Maybachmarkt bin ich nun selbst auf dem besten Weg zum Stofflager. Der Maybachmarkt ist eigentlich ein Wochenmarkt, der mittlerweile den Weg in die Berlin-Reiseführer gefunden hat. Im Sommer sieht man denn auch eine Menge Besucher, die bisweilen wie im Freilichtmuseum durch die Reihen streben, während die Marktschreier abwechselnd auf Deutsch und Türkisch ihre Angebote ausrufen. Es gibt Obst- und Gemüsestände, Blumen, Brot, süßes Gebäck, Gewürze, Fleisch, Fisch, Käse und Oliven, Haushaltswaren, Kleidung, Schuhe - und Stoffe.
Kommt man vom Kottbusser Damm, ist vorne im linken Gang zuerst ein Stand mit ungebleichten Baumwollstoffen unterschiedlicher Qualitäten von Schleiernessel bis Malerleinen, dann folgen einige Kurzwarenstände mit Reißverschlüssen, Garn, Schrägband, Bügeleinlagen, Knöpfen, Borten und Perlen. Die gut 25 Stoffstände wechseln sich in beiden Reihen mit den Lebensmittelständen ab - Gardinen- und Polsterstoffe, Baumwollstoffe, Jerseys, Jeans, Organza, Futterstoffe, Polyestersatin, zur Zeit winterliche Woll- und Strickstoffe, Fleece, Schottenkaro und Cord. Dazwischen Ananas - "nur ein' Euro!"-, Sesamringe, Schafskäse, französische Salami, Berge frischer Petersilie und Pfefferminze, gekochte Maiskolben, Hähnchenschenkel und Hülsenfrüchte. Die meisten Stoffe kosten zwei oder drei Euro der Meter, die neuen Winterstoffe zum Teil auch fünf, sechs oder gar acht Euro, das ist aber für den Maybachmarkt dann schon richtig teuer. Abgeschnitten wird meist großzügig.
Anfangs war ich ja selber skeptisch, wollte eigentlich "nur mal gucken" und fasste die Stoffe vom Markt nur für Probeteile ins Auge, wenn mir die alten Laken ausgehen. Und natürlich gibt es auch viel Schrott - Polyesterscheußlichkeiten, Fehldrucke oder nicht durchgefärbten Cord (Vorderseite dunkelblau, Rückseite fast weiß). Einige Stoffe haben Fehlermarkierungen mit eingeknoteten Fäden oder Aufklebern an der Webkante, und manche Ballen sind am Rand derartig befranst, dass der Stoff dann wohl nur aus Fehlern besteht...
Mittlerweile habe ich schon gekauft, gewaschen und teilweise genäht und bin positiv überrascht. Klar, Wunder sollte man nicht erwarten, und so wenig wie man auf dem Flohmarkt zufällig einen Rembrandt findet, wird man wohl auf dem Maybachmarkt einen Mailänder Seidendruck ergattern. Den Versicherungen der Händler - "Alles reine Wolle!" - sollte man auch nicht unbedingt Glauben schenken, lieber ausgiebig Stoffe befühlen und dem eigenen Urteil vertrauen. Dennoch finde ich das Preis-Leistungsverhältnis unschlagbar und nach den Jahren mit teuren Stoffeinkaufsquellen ist es für mich sehr befreiend, einfach mal draufloszuschneidern. Dazu kommt noch der Jagdtrieb - jede Woche gibt es wieder etwas anderes, die "Schätze" muss man in dem Wust erstmal finden und dann zugreifen, denn beim nächsten Markt könnte der Stoff schon weg sein. Außerdem gönne ich mir nach erfolgreicher Jagd ganz dekadent noch einen Cappucino am äthiopischen Kaffeestand neben dem Bio-Bäcker.
Die beste Zeit für einen Jagdausflug ist übrigens gegen Mittag, ab etwa 14.00 Uhr wird es voll, ab 16.00 Uhr sehr voll, besonders an Freitagen. Ab 17.00 Uhr wird das Obst an vielen Ständen nur noch kistenweise abgegeben und die Händler räumen langsam zusammen. Die Stoffhändler packen ihre Reste wieder ein - wird ja nicht schlecht - aber wenn man an einem Stand zehn Meter Stoff oder so kauft, kann man auch schonmal feilschen.
Wochenmarkt Maybachufer
Maybachufer, Ecke Kottbusser Damm
Dienstag und Freitag ca. 11.30-18.00 Uhr
Haltestelle Schönleinstr. (U8)
Sonntag, 20. Juli 2008
Inchies: Und man kann sie doch benutzen!
"Wozu sind die denn gut?", "Was macht man denn damit?" sind die Fragen, die Außenstehenden wohl zuerst beim Anblick von Inchies einfallen.
Also Freunde, man braucht sie natürlich gar nicht (wie so viele andere Sachen), aber man kann sie durchaus benutzen. Zum Beispiel, um sich ein schmückendes Armband zu basteln. Hier habe ich sieben passende Stücke aus dem roten Inchies-Tausch per Hand mit Langettenstich dicht an dicht auf ein 2,5cm breites Ripsband genäht. Als Verschluss dienen zwei kleine Druckknöpfe, die waren noch da. Das Armband wird mit dem Rest Ripsband gefüttert, auch mit der Hand mit kleinen überwendlichen Stichen. Die Nähmaschine muss hier wegen der Perlen und plastischen Verzierungen leider draußen bleiben. Die Perlenkante verdeckt kleine Unregelmäßigkeiten, die Inchies sind nämlich nicht immer exakt 2,5 cm breit.
Das Armband aus sieben Inchies ist mit Verschluss 20cm lang, man braucht also etwa 42cm Band, für ein Acht-Inchies-Armband (22,5cm) braucht man demzufolge etwa 47cm. Mein Ripsband (bei Karstadt gekauft) erwies sich übrigens als nicht durchgefärbt und ziemlich empfindlich, so dass bei jedem Stich leichte Farbtonunterschiede im Band sichtbar werden. Ich weiß nicht, ob das die übliche Qualität ist. Vorsichtshalber würde ich beim nächsten Mal ein anderes Band zum Füttern nehmen, ein Samtband stelle ich mir zum Beispiel auch schön vor.
Das Armband ist sehr bequem und tragbar. Normalerweise irritieren mich Armbänder, weil sie hin- und herrutschen, auf der Tastatur klappern, am Ärmel hängenbleiben, dieses aber ist für mich perfekt: geräuschlos, weich, nicht einengend.
Jetzt überlege ich, wie man ein Armband mit Inchies zum Auswechseln konstruieren könnte, das sich je nach Kleidung und Anlass verändern lässt und mit dem man kleine Inchie-Erinnerungsstücke sammeln und spazierentragen kann. Dazu später eventuell mehr.
Freitag, 9. Mai 2008
Zentralste Nähversorgung
Heute komme ich endlich einmal dazu, über das Thema zu schreiben, was ich eigentlich am Anfang in den Mittelpunkt dieses Blogs stellen wollte (man hat ja manchmal so Pläne): Die Einkaufsmöglichkeiten für Stoffe und andere Lebensnotwendigkeiten in Berlin.
Im Knopfloch am Alexanderplatz war ich mittlerweile am häufigsten - das hat nicht unbedingt mit dem Laden selbst zu tun, sondern vor allem mit seiner unschlagbaren günstigen Lage, nur wenige Schritte von S- und U-Bahn entfernt. Alte West-Berliner werden jetzt aufstöhnen, aber zentraler kann ein Laden kaum liegen: in der etwas angeschmuddelten Passage des Alexanderhauses neben der Weltzeituhr.
Der Laden selbst wirkt auf den ersten Blick etwas altmodisch und unübersichtlich, was auch am Wollregal liegt, das man beim Hereinkommen als erstes sieht: Die Auswahl finde ich nicht so doll, es gibt recht viel Acryl in grellen Farben, ein paar Garne von online und Gedifra und ansonsten meistens nichts, was ich gerne auf der Nadel hätte.
Nachdem ich jetzt mehrere Male dort war, habe ich aber die unbestreitbaren Vorzüge des Ladens entdeckt. Da sind zunächst einmal die Verkäuferinnen alten Schlags, die sich in der Materie auskennen und beraten können und wollen, egal ob eine Schülerin Stoff für ein Taschennähprojekt an der Schule braucht oder eine kniffelige Lösung für ein Gothikkleid gefunden werden soll. Die einen aber auch einfach in Ruhe Stoffe schauen lassen, wenn man das möchte.
Zweitens hat das Knopfloch eine gute Auswahl an saisonunabhängigen Standardstoffen, Handarbeits- und Patchworkstoffen und ich begrüße es sehr, wenn ich auch jetzt im Mai beispielsweise Cord in verschiedenen Farben kaufen kann, falls ich ihn brauche und nicht auf die Herbstsaison warten muss. Die Stoffpreise finde ich in Ordnung - nicht überragend günstig, aber auch nicht überteuert, angemessen eben, etwa die Preise, die man für Markenstoffe im allgemeinen zahlt. Dann gibt es in dem Laden noch viel, viel mehr, was man aber schätzungsweise erst beim dritten Mal sieht, weil man am Anfang gar nicht alles erfassen kann. Zum Beispiel neben Burdaschnitten neuerdings auch Schnitte von Simplicity und Unterwäsche-Schnitte von Sewy nebst Dessousstoffen und -zubehör. Perlen von Gütermann, Stickpackungen und Handstickgarne, außerdem Maschinenstickgarne von Madeira und das Gütermann Baumwollstickgarn. Knöpfe von union Knopf, dill, Muehlmeier und die schönen, selten zu findenden von Jim Knopf und natürlich die üblichen Kurzwaren, Bänder, Borten, Häkelgarne und so weiter. Nicht zuletzt verkauft das Knopfloch auch Nähmaschinen (Pfaff, Singer, Brother) und bietet eine Nähmaschineninspektion für 30 Euro an.
Nur die Saisonstoffe, da kommen das Knopfloch und ich nicht so recht zusammen. Obwohl ich viel schwarz und dunkle Farben trage, sind mir die Stoffe dort zu düster, vielfach auch zu gemustert. Möglicherweise ist das einfach eine seltsame Diskrepanz zwischen Fühlen und Denken bei mir: Offenbar mag ich Stoffläden lieber, in denen es viele bunte Stoffe gibt, obwohl ich letztlich immer dunkle kaufe. Das muss ich mal weiter beobachten. Stoff habe ich also noch nicht gekauft, und das obwohl zum Saisonwechsel zum Teil kräftig reduziert wird. Aber kann ja noch werden.
Knopfloch
Alexanderplatz 2
10178 Berlin
Haltestelle Alexanderplatz
Update 16.6.2008:
Aus einem werden zwei: Die Inhaberinnen des Knopflochs gehen anscheinend in Zukunft getrennte Wege: Wie die Webseite ankündigt, zieht das Knopfloch zum 1.7.2008 in einen S-Bahn-Bogen neben das Alexa. Ein zweiter Laden eröffnet ebenfalls am 1.7.2008 im Berlin-Carré in der Karl-Liebknecht-Straße.
Abonnieren
Posts (Atom)








