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Freitag, 4. Dezember 2015

Perlen der Provinz: Die Woll-Lust in Langenzenn

Die lebenswichtige Versorgung mit Handarbeitsmaterialien ist auf dem Land ja oft ein kleines Problem. Zu Familienbesuchen bin ich regelmäßig in der Nähe von Nürnberg, und nie versäume ich, mir vorher ein kleines Strickpaket zusammenzustellen, mit genügend Wolle und Anleitungen für die Dauer des Besuchs. Irgendwann sitze ich doch mit der Schwiegeroma vor dem laufenden Fernseher beim Bergdoktor, oder es kommen schlimme Gesprächsthemen auf, die ich mit Strickhilfe wunderbar ignorieren kann.



Im Anschluss an das Kölner Bloggerinnentreffen fuhr ich wieder nach Franken - aber diesmal nur mit Wollresten und zwei ausgedruckten Anleitungen. Ich setzte alles auf eine Karte: In Langenzenn, in der Nähe von Fürth, hatte ich beim letzten Besuch bei einer Umleitung der Hauptstraße im Vorbeifahren einen Wolladen erspäht. Die Wollreste waren nach der Zugfahrt Köln-Nürnberg schon verstrickt (ein Testlauf der Escargot-Mütze), ich brauchte dringend Nachschub!

Glücklicherweise erwies sich die Woll-Lust als ein Laden ganz nach meinem Geschmack: Es gibt vorwiegend reine Naturfasergarne von Lana Grossa, Austermann und On-line, ein bißchen Sockenwolle, auch ein bißchen Acryl, aber keine komischen Polyester-Fransengarne. Das ist für mich immer das Kriterium, die Ernsthaftigkeit eines Wollgeschäfts einzuschätzen: Wie ist das Verhältnis von Plastik-Effektgedöns zu richtiger Wolle? Noch dazu ist der Besitzer freundlich, gesprächig und kennt sich mit seiner Wolle aus - was will man mehr?

Ich fand wunderbar weiches Garn, Merino und Mohair-Seide, passend zu der zweiten ausgedruckten Anleitung, Fringed von Westknits, der begleitende Mann ließ sich zum Kauf einer Häkelnadel und eines Knäuels dicken Farbverlaufsgarns hinreißen (geplant ist eine Mütze - falls das etwas wird, biete ich ihm hier einen Gastpost an).

Als fast-nur-Dropsgarn-Verstrickerin muss ich bei normalen Wollladenpreisen immer etwas schlucken, aber jetzt, nachdem ich schon einige Meter verstrickt habe muss ich zugeben: Das ist schon anderer Stoff. Bei den Garnen von Drops ist mir vieles zu kratzig, um es mir um den Hals zu schlingen, und die teils gedämpften Farben treffen auch nicht immer meinen Geschmack. Es ist schön, mal etwas anderes auf den Nadeln zu haben, und noch schöner, dass ich jetzt weiß, dass es in der Nähe des Familienbesuchs-Bermudadreiecks immer Wollnachschub gibt!    

Woll-Lust Langenzenn
Klosterstraße 1
90579 Langenzenn

Oktober bis Februar täglich durchgehend geöffnet, von März bis September kürzere Öffnungszeiten, siehe Webseite!
http://www.woll-lust-langenzenn.de/

Sonntag, 21. September 2014

Nahtzugabe unterwegs in Lyon: Die Stoffgeschäfte

Während des Urlaubs in Lyon schaute ich natürlich auch nach Stoffgeschäften. In Frankreich gibt es ja mindestens genauso viele Nähbegeisterte wie hier, und Lyon ist die Heimat von Nähbloggerinnen, daher war die Recherche der Adressen ziemlich einfach. Ich fand sehr schnell diese Liste und diesen Blogpost und besuchte in den acht Tagen die Läden, die bei unseren Unternehmungen am Wegesrand lagen, also Geschäfte in den Altstadtbezirken. Einige Male hatte ich Pech und stand vor verschlossener Tür: kleine Läden legen oft zwischen ca. 12 und ca. 14/15.00 Uhr eine Mittagspause ein, Montags ist häufig ganz oder teilweise geschlossen, und bei einigen kam ich nur abends mal zufällig vorbei.

Lyon ist im Prinzip nicht schlecht mit Stoffgeschäften ausgestattet (und von Stoffen abgesehen gibt es nach meinem Eindruck sowieso ungeheuer viele Geschäfte in Lyon, zum Beispiel sind fast alle Luxusmarken vertreten, was ich so nicht erwartet hätte - Hannover hat das nicht.) Aber - das klingt sicher nach Hauptstadtsnobismus und nach "zuhause ist es sowieso am schönsten" - ich habe mal wieder festgestellt, dass die Stoffauswahl in Berlin wirklich so gut ist, dass Kaufen woanders schwer fällt.

Lyon 1, Les Terreaux

 


Toto, 80 Place Louis Pradel (an der Ecke des Platzes zur Rhône hin) ist eine Ladenkette, die es in ganz Frankreich gibt, und bei der eine gewisse Ramschigkeit in Angebot und Aufmachung zum Programm gehört. Es wird absolut nichts dekoriert: Die Schaufenster sind mit Plakaten und Angeboten zugeklebt, man geht durch ein Drehkreuz hinein und nimmt einen Einkaufskorb, innen hängen verwirrend viele handbeschriftete Schilder, die Stoffrollen liegen auf großen Tischen und sind grob nach Materialien sortiert, und in jede Ecke ist noch ein Drahtkorb mit irgendwelchen anderen Angeboten gequetscht. 

Neben Bettwäsche, Handtüchern, Koffern und Gardinen gibt es Meterware und Kurzwaren zu günstigen Preisen und noch günstigere Stoffcoupons. Anfang September waren anscheinend gerade die ersten Winterstoffe einsortiert worden, lauter dunkle Wolle-Viskosemischungen mit Streifen, dunklen Karos, leichter Pfeffer-und-Salz-Tweed, Fischgrat, dünner Strickstoff, alles für 6 bis 8 Euro pro Meter. Keine schlechte Qualität, solche Stoffe gibt es im Winter auch immer auf unserem Berliner Markt. Von den Sommerstoffen waren nur noch Restrollen da, ziemlich grob gewebte Baumwollstoffe mit Blümchendruck, die mir nicht gefielen (der Maybachmarkt bietet Besseres), ein bißchen Leinenartiges, etwas Vichykaro, gepunktete und karierte Baumwollstoffe und außerdem Standards wie Jeans in verschiedenen Blautönen und Stärken, Frottier, Faschingssatin, Tüll und natürlich Pannesamt.

Von den Stoffcoupons hatte ich mir mehr versprochen, weil ich mal gelesen hatte, dass dort unter anderem Konfektionsreste zu haben wären. Bei meinem Besuch lagen dort aber genau die gleichen Stoffe, die es auch von der Rolle gab, nur noch günstiger: 3 Meter immer für 10 Euro. Ich konnte mich aber für nichts begeistern: die Sommerstoffe gefielen mir nicht, aber bei 26° Grad ernsthaft Winterstoffe begutachten konnte ich auch nicht, zumal es ja sehr ähnliche Stoffe auch in Berlin gibt.

Toto führt außerdem Waxprints, die typischen "Afrikastoffe", die immer in Coupons zu 6 yard (ca. 5,40 m) verkauft werden. In Lyon waren diese Stoffe in einer Ecke hinter einem separaten
Tresen untergebracht, und hätte ich mich nicht gerade an einer Sammelbestellung beteiligt, hier hätte ich schwach werden können. Die Coupons kosteten dort zwischen 15 und 25 Euro, das ist sogar noch etwas günstiger, als wir durchschnittlich für die Waxprints aus London bezahlt hatten. 

An einem weiteren Laden in der Nähe, Tissus des Terreaux, 2 Rue Algérie kurz vor der Brücke fuhr ich nur einmal im Bus vorbei - schade, denn der Webseite entnehme ich jetzt, dass es dort unter anderem Seide und Vintage-Stoffe gegeben hätte. Auch an der rue Paul Chenevard, in der es einen Stoffladen und einen Kurzwarenladen geben soll, kam ich leider nicht vorbei.

Lyon 2, Les Cordeliers



Das Gegenprogramm zu Toto und nur ein paar hundert Meter von der Oper entfernt ist La Droguerie, 4 rue Gentil. Ebenfalls eine in allen großen Städten Frankreichs vertretene Kette, aber französisch geschmackvoll, edel, teuer. Schon der Laden selbst mit seinen frei gelegten Balkendecken und den geweißten Ziegelwänden ist eine Augenweide. Perlen, Schmuckzubehör und Knöpfe stehen sehr dekorativ in durchsichtigen Bonbongläsern in offenen Regalen, Fat quarter liegen in Weidekörbchen, dekorativ abgeschrabbelte alte Kommoden wurden zu Verkaufstischen umfunktioniert.

Der Schwerpunkt liegt bei La Droguerie auf dekorativen Kurzwaren und Perlen, weniger bei den Stoffen. Sehr interessant fand ich die Wollauswahl im hinteren Teil des Geschäfts: es gab  Garnmischungen mit Leinen, Seide und Mohair in sehr schönen satten Farben. Wenn ich das Prinzip richtig verstanden habe, waren die Stränge, die im Laden hingen, lediglich Griffproben - wenn man Wolle kaufen möchte, muss man eine Verkäuferin fragen und bekommt die gewünschte Menge von einer großen Kone abgespult. Da man sich Bänder und Stoffe natürlich nicht selbst abschneidet und auch die Perlengläser nicht geöffnet werden sollen, muss man an manchen Tagen sicher etwas Geduld mitbringen. Materialpakete mit Anleitung gibt es hingegen gleich zum Mitnehmen, schön verpackt in silbernen Blechdosen mit transparentem Deckel, also zum Beispiel Wolle, Knöpfe, Stricknadeln und Anleitung für ein gestricktes Babyjäckchen, oder Perlen, Kordel, Verschluss für ein Collier. Über die Preise decke ich lieber den Mantel des Schweigens - aber sehenswert ist La Droguerie allemal, bei uns gibt es nichts Vergleichbares.    


Lydo Tissus, 42 rue du Président Edouard Herriot liegt nur ein paar Schritte um die Ecke von La Droguerie. Ein hochpreisiger Stoffladen alten Schlags mit einer älteren Besitzerin, die mich als "Mademoiselle" anprach und mir die Materialzusammensetzung der Stoffe erläuterte, auf die ich meinen Blick richtete, während sie gleichzeitig mit einer anderen Kundin plauderte und einer dritten Stoff abschnitt. Das winzige Erdgeschoß mit den vom Boden bis zur Decke gestapelten Stoffballen war mit uns vieren dann auch schon klaustrophobisch voll. Links vom Eingang führt eine steile Treppe ins Obergeschoß und zu weiteren Stoffen.

Ich war nach einem Tag voller Besichtigungen und einem ausgedehnten Stadtbummel schon am Rand meiner Aufnahmefähigkeit, und visuelle Aufnahmefähigkeit und Geduld braucht man in diesem kleinen Laden, denn von den Stoffballen und -rollen bekommt man im Grunde immer nur ein Eckchen zu sehen und zu fühlen. Bei dem Preisschildern, die ich so ausmachen konnte - z. B. Kammgarnstoffe für 69,-€/Meter, typische Baumwoll-Hosenstoffe für 20,-€/Meter - wollte ich nicht anfangen, einzelne Ballen herauszuziehen - Madame hätte das bestimmt missbilligt und zu Recht, womöglich wäre eine Stofflawine niedergegangen. In der richtigen Einkaufsstimmung könnte Lydo Tissus aber der Laden sein, in dem man den einen, ganz besonderen, Herzklopfen verursachenden Stoff findet, den man sich nur gönnt, weil Urlaub ist und den man dann jahrelang nicht anschneidet. 


Ganz bodenständig ist hingegen der Laden Au Liseron, 82 rue du Président Edouard Herriot nahe place des Jacobins. Im Erdgeschoss gibt es Kurzwaren, Stickgarne, Wolle und viele Knöpfe. Eine verspiegelte Treppe ganz hinten führt in den ersten Stock zu den Stoffen. Auch hier waren Anfang September die erste Winterstoffe angekommen und die Sommerstoffe um 50% reduziert, auch hier viele Blümchenmuster auf recht grober Baumwolle.

Für mich fallen solche Stoffe eher in die Rubrik Deko, ich wüsste zumindest nicht, was man daraus nähen sollte, außer vielleicht ein Kinderkleid oder eine Schürze, und ich habe auch nicht so recht verstanden, was der nähende Teil der Franzosen daran findet - auf der Straße und bei Kaufkleidung sieht man solche Stoffe jedenfalls nicht. Möglicherweise waren die guten Sommerstoffe aber einfach schon ausverkauft, und ich hatte hier nur noch mit den Ladenhütern zu tun. Mich sprach jedenfalls kein Stoff besonders an, obwohl hier bei Meterpreisen zwsichen 10 und 20 Euro (und bei den Resten vom Sommer die Hälfte) ein kleiner Einkauf durchaus drin gewesen wäre.    

Lyon 2, Bellecour

 


Was ich gerade über die offenkundige Beliebtheit kleingemusterter Blümchenstoffe schrieb, lässt sich noch steigern: Um Liberty lawn, die Blümchenstoffe des Kaufhaus Liberty aus London, gibt es in Frankreich geradezu einen Hype. Nur dewegen ist der Laden 1000 Mercis, 13 rue Francois Dauphin, eine Querstraße von der place Bellecour entfernt, überhaupt eine Erwähnung wert.

Es handelt sich nämlich um einen winzigen Schnickschnack-Laden, in dem sich nach meinem Eindruck kaum Ware befand: Die tollen Kindernähmaschinen aus den 70ern in den oberen Regalfächern waren nur unverkäufliche Deko, in den unteren Fächern lagen recht locker verteilt kleine Reißverschlusstäschchen, Häkeldeckchen, Postkarten, Einkaufsnetze und Kissenbezüge, neben den erwähnten Liberty-Stoffen, von denen der Laden vermutlich lebt. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass sich eine Ladenfläche in der Gegend durch den Verkauf von selbstgehäkelten Untersetzern für 3 Euro auf die Dauer erhalten lässt.

(Das Foto ist aus einem seltsamen spitzen Winkel aufgenommen, da man die Straße wegen einer Riesenbaustelle nicht betreten konnte.) 


Die Straßen rund um das Stoffmuseum im südlicheren Teil der Halbinsel sind eine nette Gegend mit vielen kleinen Cafés und Läden, allerdings hatte ich hier mit den Öffnungszeiten überhaupt kein Glück: es war Mittwoch Nachmittag und alle Ladenbesitzerinnen hatten sich gegen mich verschworen. L'atelier des Abécedaires, ein Laden für Patchworkstoffe und Stickzubehör, ist gerade ein paar Häuser weiter gezogen, hat sich vergrößert  und findet sich jetzt 40 rue des remparts d'Ainay. Geöffnet ist nur am Mittwoch Vormittag von 9.30 bis 12.30 Uhr und am Donnerstag von 9.30 bis 12.30 und 14.00 bis 18.30 Uhr, ich nehme an, das ist nur vorübergehend wegen des Umzugs, am alten Standort waren die Öffnungszeiten wohl etwas ausgedehnter.


Auf der Suche nach dem Patchworkladen fand ich an der Kreuzung mit der rue du Charité dieses Geschäft, Le Lyon qui tricote, ein sehr nett ausehendes Strickcafé mit großer Wollauswahl, so weit sich das durch die Schaufensterscheiben erkennen ließ. Denn dieser Laden hat Mittwoch komplett geschlossen. Anscheinend kennt man sich dort auch mit Strickmaschinen aus, man kann Pullover in Auftrag geben, und in der oberen Etage standen sogar einige Nähmaschinen.


Lyon 4, Croix Rousse

 


Lyons viertes Arrondissement ist für seinen großen Lebensmittelmarkt auf dem boulevard de la Croix Rousse bekannt, der außer am Montag jeden Vormittag stattfindet. Am Dienstag Vormittag kommt eine zweite Standreihe mit Bekleidung, Haushaltswaren, Kunstblumen, Schuhen und auch Stoffen dazu, und der Markt zieht sich dann den ganzen Boulevard entlang.

Wer den Berliner Markt kennt, für den ist das ein vertrauter Anblick, auch wenn die Zahl der Stoff- und Kurzwarenstände hier klein ist: ich zählte fünf oder sechs Stoffstände und zwei Kurzwarenstände, einer davon sehr groß, mit vielen alten Knöpfen auf Karten, Gürtelschnallen, Borten und Spitzen. Und die Preise sind tatsächlich genau so wie in Berlin: Undefinierbares für einen Euro pro Meter (siehe Foto), wirklich schönes Leinen gab es für 3 Euro pro Meter. Am boulevard de la Croix Rousse hinter dem Rathaus befindet sich außerdem ein großer Kurzwarenladen.

In dem Lyoner Nähblog werden noch einige andere Märkte mit Stoffständen an anderen Wochentagen aufgeführt, am besten erreichbar für Touristen dürfte der Markt Montag Vormittag am quai Saint Antoine in Lyon 2 sein.   

Lyon 5, Fourvière


Die Adresse von Trésor de Soie, 2 place du gouvernement fand ich über die Stoffladenliste. Leider war auch dort geschlossen (und es war bestimmt noch vor 20.00 Uhr). Durchs Schaufenster wirkte das Geschäft wie ein typischer Touristenladen, aber laut Webseite soll die Meterware ja in einem zweiten Raum zu finden sein. Das wäre möglicherweise interessant gewesen! Tja, aber so geht es mir immer - ein Besuch in einer anderen Stadt ist nie lang genug. Dass ich aber trotz Gelegenheiten ohne ein einziges Stück Stoff zurückkehre, das hätte ich nicht gedacht - wie konnte das nur passieren?

Ergänzung 5. 11. 2014:
Schaut auch in die Kommentare, dort gibts Stoffkauftipps von den Leserinnen.

Freitag, 16. Mai 2014

Wochenrückblick: Abenteuer Brandenburg, abenteuerliche Wolle und japanisch nähen


Berlin bibberte unter den Eisheiligen, ich bibberte mit. Das waren Tage, an denen ich über die kuschelige Abwärme des Laptops sehr froh war! Aus Wärmebedürfnis begann ich außerdem, einen Schal aus Delight von Drops zu stricken - ein Strickvorhaben, das sofort zu einer doofen Idee werden wird, sobald die Temperaturen wieder über 20° steigen. Delight ahmt die Unregelmäßigkeiten von handgesponnener, handgefärbter Wolle nach und tut so, als wäre es ganz was Edles, es ist aber Socke und kommt aus der Fabrik. Als Knäuel finde ich die Farben wunderschön, und auch verstrickt gefällt mir das Garn bisher ganz gut. Farbverlaufsgarne finde ich sonst oft etwas zu unruhig und bunt, bei Delight ist der Farbverlauf sehr lang, das ergibt relativ klar definierte Streifen. Und nachdem V. bei der Mittwochsmasche den Schal mit einem Missoni-Vergleich adelte, bin ich ganz überzeugt, dass ich den Schal auch wirklich tragen werde.

Mit dem entzückenden gelb-schwarzen Vehikel vom dritten Bild, einem Schienenbus, der die eingleisige Strecke zwischen Pritzwalk und Meyenburg in Brandenburg befährt, unternahm eine Abordnung Berliner Nähnerds letzte Woche einen Ausflug ins Modemuseum nach Meyenburg. Über das Museum schreibe ich demnächst noch einmal ausführlich, ich kann euch aber schon jetzt verraten, dass unser Ausflug alles bot, was eine Reise interessant macht: Kultur, Unterhaltung, Abenteuer. Zum Schluss sogar ein Quentchen Drama, als wir auf dem Rückweg einem verzweifelten jungen Russen begegneten, der sich mit Nummernschildern unter dem Arm zu einem Autokauf nach Meyenburg aufgemacht hatte - nur dass der Verkäufer offenbar in einem der anderen beiden bundesdeutschen Meyenburgs auf ihn wartete und sich dieser Irrtum ausgerechnet zwei Minuten vor einem Gewitter mit Platzregen herausstellte.

Die Selbermach-Links der Woche:

Viele japanische Nähbücher sind inzwischen auch in deutscher oder wenigstens englischer Übersetzung  erhältlich. Für Catrin vom Stoffbüro ist das der Anlass, einen Sew-Along zum Nähen nach japanischen Schnitten anzubieten. Der Beginn war schon am letzten Montag, ich denke man kann jetzt aber noch problemlos einsteigen. Bis Ende Juni können gemeinsam eines oder mehrere Modelle genäht werden - das Programm findet ihr hier auf dem Tanoshii-Blog, auf dem sich außerdem jede Menge Buchvorstellungen, Schnittmusterkritiken und hilfreiche Hinweise zum Nähen mit Schnittmustern aus Japan finden. 

Strick-Graffiti sind ja nur manchmal Kunst, manchmal wirken sie auf mich eher wie Textilrestentsorgung im öffentlichen Raum. Eine wie ich finde ästhetisch ansprechende Aktion gab es im vergangenen Winter in Arosa in der Schweiz: Unter Leitung der 70jährigen Christine Schawalder strickten über sechzig Strickerinnen Bänke, Geländer, Tore, Hütten und sogar eine Gondel ein. Aus dem Strickwerk werden nun Taschen angefertigt und verkauft, der Erlös fließt in ein Schulprojekt in Sambia.

Seitdem ich an einem handgenähten Rock nach Alabama Chanin arbeite, bin ich natürlich immer auf der Suche nach fertigen Projekten im Netz. Umso toller, dass Wiebke beim Me made Mittwoch diese Woche eines entdeckte: eine schwarz-rosa Jacke von Antje - machen statt kaufen, die sich früher schon eine grün-schwarze Jacke gemacht hatte. Toll! Und da Antjes Blog noch ziemlich neu ist und außerdem unter dem Motto "schönes Leben ohne Shoppen" steht, empfehle ich euch das einfach mal.

Freitag, 22. November 2013

Drops-Wolle in Berlin: Wollreich und Liljedal Verkhus

In Berlin gibt es wieder Wolle von Drops! StrickerInnen werden wissen, dass die Garne der norwegischen Firma in Deutschland nur in wenigen Läden angeboten werden. Ich nehme an, der Verzicht auf ein dichtes Händlernetz senkt die Kosten und erklärt auch die relativ geringen Preise der Wolle. Im letzten Jahr gab es für kurze Zeit einen Wollladen in Neukölln, der Wolle von Drops führte, mit der Inhaberin wurde ich aber überhaupt nicht warm (ich sage vorbeugend, dass das sicher an mir lag), also habe ich die Wolle dann doch meistens bestellt. Aber viel schöner ist es natürlich, die Wolle direkt anfassen zu können und die Farben vor sich zu sehen, und natürlich ist es sinnvoll, kleine Einzelhändler dort zu unterstützen, wo man wohnt. Und in dieser Hinsicht hat sich in Berlin nun einiges getan: Zwei neue Geschäfte, in Charlottenburg und Liljedal in Alt-Treptow, haben das Garn im Programm.
Spätere Ergänzung: Im Wollreich in Charlottenburg gibt es nun kein Garn von Drops mehr, dafür aber in einem Laden in der Brunnenstraße, Handsache Berlin.

Wollreich Charlottenburg



Das Wollreich ist ein netter kleiner Laden in der Knobelsdorffstraße um die Ecke von der Sophie-Charlotten-Straße. Schurrmurr hatte im Frühjahr hier schon darüber geschrieben, ich habe nur bis jetzt gebraucht, um mich in den Westen der Stadt aufzumachen.

In erster Linie trieb mich Baby Merino in Schwarz dorthin, denn einer angefangenen Strickjacke fehlt noch immer der zweite Ärmel - nur gab es zwar Baby Merino in vielen schönen Farben, doch Schwarz war leider nicht darunter. Aber das war nicht so schlimm, denn davon abgesehen finde ich die Garnqualitäten gut ausgewählt, es gibt dickeres wie dünneres, Mohair, Merino, Alpaca und Baumwolle, alle Garne und alle Farben kann ein Laden mit begrenztem Platz nun mal nicht vorrätig haben. Es gibt schon genug Aha-Erlebnisse, wenn man zum Beispiel einige Drops-Alpaca-Farben wirklich in der Hand hält und nicht nur die Farbkarte im Internet anstarrt. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass Farbe 3969 "rot lila" ein wunderbares, sattes, blaustichiges Dunkelrot ist. Welche Drops-Garne das Wollreich führt, findet man hier auf der Händlerliste.

Neben Drops gibt es auch Wolle von einigen anderen Herstellern, zum Beispiel Zauberbälle von Schoppel, Mohairgarn von ggh, Seidengarn von Bergère de France, außerdem natürlich Stricknadeln, Maschenmarkierer und Anleitungshefte.

Wollreich
Knobelsdorffstr. 43
14059 Berlin

geöffnet: DI 10.30-18.00 Uhr, MI-FR 10.30-18.30 Uhr, SA 11-15.00 Uhr

Haltestellen:  Messe Nord oder Westend (S 41/42) oder Sophie-Charlotte-Platz (U2)

http://www.wollreich-berlin.de/

Nicht ganz zum Woll-Thema passend, aber nur wenige Schritte vom Wollreich entfernt, gibt es noch ein Selbermach-Lädchen, das Schurrmurr auch schon mal erwähnt hatte.


An Wunderschick fand ich zuerst einmal das winzige, dreieckige Lädchen selbst faszinierend - es ist ein kleiner Anbau in einem Winkel zwischen zwei Wohnhäusern. Neben herzigem Schnickschnack, Postkarten, Bildern, kleinen Möbeln und Genähtem werden dort auch Selbermach-Kurse abgehalten, Stricken und Häkeln, oder am 21. Dezember ein aller-allerletztes Weihnachtsgeschenkebasteln. Leider war geschlossen, als ich vorbeikam - am besten erfährt man wohl im Wunderschick-Blog, was so los ist.

Liljedal Verkhus



Der zweite Berliner Laden mit Drops-Garnen, das Liljedal Verkhus Handarbeits-Atelier, eröffnete letzten Freitag quasi vor meiner Haustür. In meinem Kiez!

Ich muss etwas ausholen, warum das so unglaublich ist: niemals, wirklich niemals hätte ich vor gut sechs Jahren mit sowas gerechnet, als der Liebste und ich in diese Gegend zogen. Meine Straße war eine lange, graue Straße mit heruntergelassenden Rolläden. Die Gegend, früher auf östlicher Seite im Schatten der Mauer gelegen, wirkte entvölkert und immer noch wie abgeschnitten vom Rest der Welt. (Was die Internetverbindung betrifft, ist das übrigens noch nicht viel besser geworden). Fast alle Geschäfte standen leer. Ein bißchen deprimierend war es schon da draußen, aber dafür waren der Landwehrkanal, die Spree, der Görlitzer und der Treptower Park nicht weit, und man gelangte schnell nach Kreuzberg, Mitte oder andere aufregendere Orte. Wir hatten den richtigen Riecher, denn mittlerweile ist es bei uns richtig nett geworden. Und ein Wollladen vor meiner Haustür ist natürlich die Krönung!

Ich war sehr gespannt - dass in dem Geschäft gewerkelt wurde, war mir schon vor zwei, drei Monaten aufgefallen. Dann tauchten Blumenkübel vor der Tür auf, ab und zu waren die Rolladen hochgezogen und ich konnte einmal ein paar Nähmaschinen erspähen. Die Chefin des Lieblingsrestaurants erzählte mir vor ein paar Wochen ganz begeistert, dass sie dort Wolle gesehen habe - Wolle! Vor kurzem wurde das Schild mit der vielversprechenden Aufschrift "Handarbeits-Atelier" montiert - und als ich am letzten Wochenende den großen Aufkleber "Autorisierter Drops-Händler" auf dem Briefkasten sah, wäre ich am liebsten in Ohnmacht gefallen.            


Das Liljedal Verkhus ist tatsächlich sowohl Woll- als auch Nähladen: neben Drops-Wolle gibt es eine kleine, feine Auswahl Westfalenstoffe, Schrägbänder und anderes Nähzubehör. Im Nebenraum stehen schon einige Nähmaschinen bereit - im nächsten Jahr soll es hier auch Kurse geben. Das kommt aber alles erst nach und nach, im Sommer wird die Tochter der Inhaberin mit einsteigen, dann werden die Öffnungszeiten verlängert, und das Stoffangebot soll sich nach Möglichkeit vergrößern, so erzählte mir die Besitzerin. Wie sich der Laden entwickelt, hängt natürlich davon ab, wie er bei uns im Kiez angenommen wird. Ich setze große Hoffnung in meine Nachbarinnen und Nachbarn und kaufte am Mittwoch gleich mal drei Knäuel Wolle.

In der Drops-Händlerliste wird das Liljedal Verkhus im Moment noch nicht aufgeführt - ich erinnere mich an die Garnsorten Merino extra fine, Big Merino, Karisma, Lace, Andes, Fabel, Nepal, Safran, das neue Cotton-Merino und das neue, mohairartige Alpaca-Silk. (Sobald es einen Händlereintrag mit Garnliste gibt, verlinke ich ihn hier). Ergänzt: hier ist der Händlereintrag mit Garnliste.


und die aktuellen Öffnungszeiten (Stand 12. 12. 2013):
MI, DO 15.00-19.00 Uhr
SA 10.30-15.30 Uhr

Liljedal Verkus Handarbeits-Atelier
Karl-Kunger-Str. 9
12435 Berlin

Geöffnet zur Zeit MI und FR Nachmittag und Samstag
Haltestelle: Treptower Park (S41/42) oder Herrmannplatz (U7/U8) und weiter mit dem Bus 194 bis Lohmühlenstraße.

http://liljedal.de/

Freitag, 11. Oktober 2013

Die Fadeninsel in Kreuzberg


Die Fadeninsel in der Oranienstraße, also da, wo Kreuzberg am kreuzbergerischsten ist, hat Strick- und Häkeltrends kommen und gehen gesehen: Seit gut 30 Jahren gibt es diesen Laden, und würde die Metapher bei einen so flauschigen Thema wie Wolle nicht derartig danebenliegen, würde ich glatt von einem Urgestein unter den Wollgeschäften sprechen. Das muss man sich einmal vorstellen: Nach dem Strickboom der 80er Jahre sah es in den 90ern und mehr noch in den Jahren nach der Jahrtausendwende ja nicht mehr so gut aus für das Hobby. Die Strickzeitschriften wurden dünner, die Wollläden wurden weniger und weniger, aber die Fadeninsel gab es immer noch. Und auch, wenn man in der Fadeninsel bis heute auch Strümpfe und Strumpfhosen und außerdem fertig gestrickte Mützen, Handschuhe, Schals kaufen kann - Wolle ist und bleibt das Hauptgeschäft.

Der Laden bietet die ganze herrliche Palette an reinen Merino- und Alpacagarnen von Lang und ggh, eine große Auswahl an Sockenwollen und Mohair, handgefärbte Stränge zum Beispiel von Araucania und sicherlich noch eine ganze Menge mehr, was man in dem teilweise bis unter die Decke mit Wolle gefüllten Geschäft aber erst nach einiger Zeit entdeckt. Dafür ist die Beratung gut - eine kurze Skizze des geplanten Projekts und der benötigten Lauflänge, eine der Verkäuferinnen zeigt mir, in welchen Regalen entsprechende Garne liegen, und dann kann ich ganz in Ruhe schauen und Materialien und Farben vergleichen. In der Zwischenzeit geht es in dem Laden zu, wie in einem Taubenschlag: Stammkundinnen ebenso wie solche, die den Laden zufällig entdeckt haben, und nur mal schauen wollen, die Frage nach einem gestrickten Tuch aus dem Schaufenster, nach Bestellmöglichkeiten - und dazwischen lauter Kundinnen wie ich, die Wollknäule drücken und vergleichen und nebeneinanderhalten.  Die Wolle ist nicht billig, aber dafür können nicht genutzte Knäuel problemlos zurückgegeben werden.

Ich entschied mich schließlich für ein Knäuel rostrotes Luxus-Babyalpaca (um die Leaving Cuffs als Geschenk noch einmal zu stricken) und bekam noch den für nicht-Berliner Ohren vielleicht etwas ruppig klingenden, aber nett gemeinten Ratschlag "Locker anschlagen und abketten - aber das weeßte schon, wa?" mit auf den Weg. So ist Kreuzberg!

Fadeninsel 
Oranienstraße 23
10999 Berlin

MO-FR 10-18.00 Uhr, SA 10-16.00 Uhr

www.fadeninsel.de   

Haltestellen in der Nähe: Kottbusser Tor (U1, U8) oder Görlitzer Bahnhof (U1)

Neben der Fadeninsel ist der Comicladen Modern Graphics, ein guter Aufenthaltsort für die nicht-strickende oder häkelnde Begleitung!

Montag, 12. August 2013

Woche 32


Wieder erträgliche Temperaturen, und ich bin total im Strickfieber. Alles Eskapismus, nehme ich an, denn mit nichts kann ich mich derzeit gedanktlich so gut wegbeamen, vor allem an den verregneten Abenden, die wir jetzt ab und zu hatten. Stricken beruhigt mich, und so muss ich nicht Zigaretten holen gehen und mit gefälschtem Pass in Argentinien ein neues Leben anfangen. (Macht euch keine Sorgen um mich, es ist nur die alte Geschichte "Der Text und ich", den ich nicht mehr sehen kann, der jetzt langsam fertig wird und irgendwie auch zu schnell, weil ich mich fürchte, ihn abzugeben.)

Sprechen wir lieber von erfreulichen Erfolgserlebnissen:

1. Ich habe eine Strickjacke abgekettet.

2. Experimentiert.

3.  Eine neue Maschenprobe gestrickt, aus Baby Merino von Drops. Das Muster nennt sich "Schleifenmuster" und wird eigentlich wie in der unteren Hälfte der Probe gestrickt (sofern man das bei schwarzer Wolle erkennen kann), mit normal abgestrickten Umschlägen.  Bei dem glatten Garn gefällt mir das Muster mit verschränkt abgestrickten Umschlägen und kleineren Löchern aber auch ganz gut. Welches es wird? Mal sehen. Die Maschenprobe habe ich diesmal kurz durchgewaschen, weil ich irgendwo in einem Blog (war es bei Lucia?) gelesen hatte, dass dieses Merinogarn stark nachgibt. Das kommt mir auch so vor.

4. Mich mit Strickmusternachschub versorgt (darunter zu sehen übrigens Teile des blöden Textes). Die gedankliche Strickprojektliste umfasst nun etwa 15 Positionen, aber keine Angst - das alles werde ich sicher nicht stricken, nur davon träumen. Ich habe ja zum ersten Mal seit Jahren wieder Strickmusterhefte gekauft und bin ganz angetan. Die Modelle können durchaus mit dem mithalten, was man von ravelry aus dem angelsächsischen Raum kennt. Nur Anleitungen für dünneres Garn - also dünner als Nadelstärke 4 - sind immer noch selten. Und es gibt Eulen- und Katzenpullover, ohje. Aber meine älteren Strickzeitschriften sind von 2006, als ich dachte, ich könnte mal wieder was stricken und zwei Verenas kaufte. Letztlich strickte ich nichts daraus, und wenn ich mir die alte Modelle jetzt ansehe, weiß ich auch wieder, warum. Eine Vorschau auf die aktuellen Hefte findet ihr hier: Rebecca Heft 55 und hier: Verena Herbst 2013.

5. Die Besteigung der Eiger-Nordwand mit der Heidi-Jodelgruppe geplant. Susa hat da schon wieder ein Strickmuster entdeckt (aus der Rebecca) und einen schlimmen Rückfall der Heidi-Strick-Jodelitis erlitten (wir erinnern uns). Natürlich wurden wie letztes Jahr wieder zahlreiche Bloggerinnen in Mitleidenschaft gezogen (gehörte ich einer bestimmten theoretischen Richtung der Literatur- und Kulturwissenschaft an, schriebe ich jetzt Mit-leiden-schaft, damit ihr auch ja alle merkt, welche Einzelbestandteile in diesem Wort stecken, und dass es um Leiden und um Leidenschaft und um das Gemeinsame, das Mitfühlen, Verzeihung, das Mit-Fühlen geht und das alles ungeheuer tief und bedeutsam ist), also, es wurden andere Bloggerinnen in Mitleidenschaft gezogen und auch ich, die ich ja nur den Fehler machte, die Kommentare zu lesen, konnte mich dem nicht entgegenstellen, als ich einem Link von Ilsebyl folgte: So ein Strickcape brauche ich jetzt wohl auch! Eine Lawine kann man nicht aufhalten.

Am 1. September gehts los, die weitere Route der Jodelgruppe in Sachen alpenländischer Strickware entnehmen Sie bitte dem Post unserer Expeditionsleiterin Frau Sachenmacherin. Es sind noch Plätze in unserer Seilschaft frei! Mein Motto wird sein: Miss Marple goes Eiger-Nordwand.

5. Die alles beherrschende Strickleidenschaft ist auch Schuld daran, dass ich wollige Links zu empfehlen habe: Bei drops wird es ab etwa Mitte Oktober zwei neue Garne geben: ein flauschiges Alpaca-Seide-Garn, das sehr dünn ist, aber mit Nadelstärke 5 verarbeitet werden soll, und eine Mischung aus Baumwolle und Merino, die ziemlich sportlich aussieht. Besonders auf das Flauschgarn bin ich gespannt, mehr noch auf die Anleitungen dazu - ich finde, dann kann man erst richtig abschätzen, wozu so ein Garn geeignet wäre.

Samstag, 27. Juli 2013

Woche 29+30


Der Sommer ist da! Das bedeutet: unnötige Wege - vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln - vermeiden und dafür ganz viel:

1. Im Treptower Park liegen und in die Baumkronen schauen.

2. Kalte Nudeln essen - z. B. japanische im Daruma in der Uhlandstraße: Mit Omelette, Gurken, Sojasprossen, Algen, Shitakepilzen, Hähnchenfleisch, eingelegtem Ingwer und Surimi.

3. Die halbe Nacht in netter Gesellschaft stricken, bei der MittwochsMasche, dem 14-tägigen Strick- und Häkeltreffen im Café Provinz in Alt-Treptow. Beim letzten Mal waren eine dunkelgrüne Miette-Strickjacke, ein rosarotes Elefantenkringel-Tuch, ein lila Strickmantel, ein hellgraugrüner Zopfmusterpulli nach eigenem Entwurf und eine dunkelblaue Raglanstrickjacke auf den Nadeln, und wir strickten und plauderten bis halb zwei. (Aber fragt nicht nach dem Donnerstagmorgen). Die nächste MittwochsMasche ist am 7. August. am 14. und wieder am 28. August - immer am 2. und 4. Mittwoch im Monat.


4. Eine Gurke ernten.   

5. Auf Abkühlung hoffen. Samstag kam dann um Mitternacht ein bißchen Regen, und die Nachbarn zeigten Dias.

6. Selbermacher klicken: Ich bin kein Fan von Game of Thrones, weder als Film noch als Buch, aber die Handstickereien, die Michele Carragher für die Kostüme in der Fernsehserie geschaffen hat, sind atemberaubend. Auf ihrer Webseite zeigt sie den Entstehungsprozess.    

7. Selber Selbermachen: die Materialmafia und die Prinzessinnengärten am Moritzplatz machen  jeden ersten Samstag im Monat zum Re-Use-Tag: ab 11.00 Uhr gibt es offene Workshops zur kreativen Neu- und Weiterverwendung von Materialien - aktuelle Informationen dazu immer hier (und schaut euch doch mal die tollen Häkelkörbe aus Plastiktüten an!). Nächster Re-Use-Tag am 3. August. 

Freitag, 31. Mai 2013

Handmade Berlin: Luxusgarne am Monbijoupark


Mit der menschlichen Wahrnehmung ist es manchmal schon was Lustiges: Ich wusste seit Jahren, dass es in Mitte einen Wollladen namens Handmade Berlin gibt, mit schönen und teuren Strickgarnen, die man sonst nirgends in der Stadt bekommen kann. Bei der Textile Art, der großen Textilkunstausstellung im Juni, befühlte ich einige Garne an deren Stand. Ich klickte mich durch den Onlineshop und fragte mich, wer eigentlich 29 Euro für 100 Gramm Wolle ausgibt, und vor allem: warum. Bei der MittwochsMasche kam der Laden auch einige Male zur Sprache, schließlich war ich mal wieder - nur zum Gucken - auf der Webseite und las, dass man bei Handmade Berlin außerdem Kaffee trinken und auf einer Terrasse direkt am Monbijoupark sitzen kann. Und dann endlich fragte ich mich: Wo zum Teufel ist dieser Laden überhaupt? Am Monbijoupark komme ich zwar nicht täglich, aber doch zwei bis drei Mal im Monat vorbei, und mir war bis dato noch nicht einmal aufgefallen, dass man am Park überhaupt irgendwo Kaffee trinken kann.


Vor zwei Tagen machte ich mich also gezielt auf den Weg und hielt nach Wolle und Kaffee Ausschau und fand den Laden sofort: im Erdgeschoss eines neuen Bürogebäudes, dort, wo die Kleine Präsidentenstraße auf den Park trifft und ein paar Meter weiter in die Oranienburger Straße mündet. Wie hatte ich das Geschäft bloß jahrelang übersehen können? Wahrscheinlich wusste ich schon, dass ich fortan von den herrlichen Strickgarnen träumen würde, sollte ich den Laden einmal betreten, und mein Unterbewusstes hatte immer die andere Straßenseite gewählt und alles hinter dem Adalbert-von-Chamisso-Denkmal verpixelt, wie bei google streetview.

Denn, das muss ich nun zugeben: ich bin für Luxus jeder Art empfänglich und die Frage, wer das denn kauft, ist eine sehr blöde. Der Unterschied zwischen irgendeiner Wolle aus dem Kaufhaus und den Materialien, die es bei Handmade Berlin gibt, ist sehr offensichtlich. Da gibt es wunderbar weiche Merino-Kaschmir-Mischungen in allen Farben, handgefärbte Sockengarne, flauschiges Alpaca, die japanischen Garne von Noro mit den sanften Farbübergängen als Endlosfaden von der Kone, Tweedgarn von den Shetlandinseln, das sich besonders für mehrfarbige Einstrickmuster eignet, allerlei Beilaufgarne mit Glitzer und Pailletten, kurzum: es schlummern lauter wunderbare Strickprojekte in den Regalen. Besonders fielen mir die Garne von Ito aus Japan auf, wegen den interessanten strukturierten Sommergarnen aus Baumwolle, Hanf, Leinen und Seide und einem spinnwebfeinen Mohairgarn, das in allen erdenklichen Farben vorrätig ist. Aber auch direkt vor der Haustür findet sich schöne und hochwertige Wolle. Tulliver Yarns, pflanzengefärbte Wolle aus Berlin, die ich von der Textile Art kannte, begegnete mir hier wieder, mit weicheren und dünneren Qualitäten, aber immer noch in den wunderbaren Rot- und Grüntönen, die mir schon letztes Jahr so gut gefallen hatten. Darüber hinaus gibt es bei Handmade Berlin natürlich auch Strick- und Häkelnadeln sowie deutsche und englische Strickzeitschriften und Anleitungshefte, die man nicht im normalen Zeitschriftenhandel bekommt.  


Von dem Ladenrundgang überwältigt, bestellte ich am Tresen bei der sehr freundlichen Verkäuferin einen Kaffee und saß eine Weile strickend am Park. Man ist ganz weit weg von der lärmigen Touristenmeile der Oranienburger nebenan, aber trotzdem mitten in Berlin, wenn hinter dem Haus die S-Bahnen und ab und zu ein ICE auf der Höhe des ersten Stocks entlangfahren und die Dächer des Bodemuseums hinter den Bäumen sichtbar sind. Zum Kaffeetrinken werde ich daher sicher noch öfter bei Handmade Berlin vorbeischauen, dabei die Wolle anschmachten und überlegen. Und eines Tages wird mein Selbstvertrauen als Strickerin so weit gewachsen sein, dass ich tatsächlich ein Strickprojekt aus Luxusgarn beginne, und es wird ganz wunderbar werden.  


Handmade Berlin
Monbijouplatz 9
10178 Berlin

geöffnet: Di-Sa 12-19.00 Uhr
Haltestellen: Hackescher Markt (S-Bahn Hauptstrecke) oder Weinmeisterstraße (U8) oder Oranienburger Straße (S1, S2, S25)

http://www.handmadeberlin.net/ 

(Disclaimer: wie alle Ladenbesprechungen in diesem Blog wurde dieser Artikel weder gesponsert noch bestellt.)

Freitag, 5. April 2013

Kein Bezirk ohne Wollgeschäft: Wolleria II in Tempelhof

Die weißen Flecke auf der Berliner Selbermach-Landkarte werden weniger: Selbst die DIY-Einöde Tempelhof hat nun ein Wollgeschäft, die Wolleria II in der Albrechtstraße/Ecke Tempelhofer Damm. Ich besuchte den Laden, als ich kürzlich Garn für die Stulpen der Büronachbarin suchte - aus meiner Richtung ist das Geschäft nämlich gut zu erreichen, vom nördlichen Ausgang der U6 Kaiserin-Augusta-Straße fällt man quasi hinein.

Die Wolleria II bietet vor allem eine große Auswahl an industriell hergestellter Strickwolle, Lana grossa, Lang, Regia, die üblichen Verdächtigen eben. Wirklich außergewöhnliche Materialien oder Wolle von kleinen Herstellern findet man dort eher nicht - dafür aber einen ganzen Raum voller Merinogarne, einen Raum mit Strumpfwolle, gleich im ersten Teil des Landes die aktuelle Saisonware, daneben Baumwolle, ein wenig Lacegarn, einige Effektgarne wie z. B. das Material für die beliebten Rüschenschals, und auch mit Strick- und Häkelnadeln (herkömmliche und KnitPro) ist die Wolleria II gut ausgestattet.  

Und warum "II"? Weil es weiter draußen im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, nämlich in Lichtenrade, bereits die Wolleria I gibt - am Berliner Stadtrand hat man eben schon immer gestrickt und gehäkelt, schon bevor es innerhalb des S-Bahn-Rings zum Trend ausgerufen wurde.

Wolleria II
Albrechtstraße 122
12099 Berlin

geöffnet: Mo-Fr 10-18.00 Uhr, Sa 10-14.00 Uhr

Haltestelle: Kaiserin-Augusta-Str. (U6)

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Ein Wollmusterbuch

 
Wenn ihr auch ab und zu Wolle vom großen norwegischen Garnhersteller bestellt, kennt ihr wahrscheinlich das Problem: es gibt zum Teil unendlich viele Farben, man sinniert vor dem Rechner über die Unterschiede von blau, blau/türkis, petrol, dunkeltürkis und hellpetrol, nicht zu vergessen indigoblau, marineblau und königsblau, schaut sich die Farbkarten bei verschiedenen Händlern und auf verschiedenen Monitoren an und kommt doch zu keinem Entschluss.Aber immer nur grau oder Schwarz verstricken ist ja auch langweilig.

Beim Stricktreffen (nächster Termin übrigens am 12. 12.) arbeiten wir jetzt an einer Lösung: in einem kleinen Ringbuch (ursprünglich ein Jahreskalender von Tchibo) sammele ich Garnproben. Jede Garnqualität bekommt ein farbiges Trennblatt, auf das ich eine Garnbanderole aufklebe, dahinter kommen die in unserem Kreis schon verstrickten Farben mit Farbnummern. Wenn sich das Programm von drops nicht über Nacht grundlegend ändert, haben wir bald ein handliches kleines Nachschlagewerk, wenn es vor dem Garnbestellung mal wieder heißt: "welche Farbe nehm' ich bloß?".

Dienstag, 29. Dezember 2009

Woll-Landschaft mit Becher



Weihnachten ohne Verpflichtungen ist herrlich! Ohne Überfressen-sein, ohne Autobahn, ohne Herumsitzen in überheizten Räumen, sondern schöne lange Ferien zu zweit zuhause, mit gemeinsamen Ausflügen und viel Zeit, in der jeder tun darf, was er möchte. Was man dann tut ist naturgemäß unterschiedlich - manche lesen erst einen 450-Seiten-Roman, sortieren dann 5000 Digitalfotos und schmoren eine Lammschulter, andere (ich) wechseln zwischen Nähmaschine, Stoffvorrat, Stoffstempeln und textiler Fachliteratur. Herrlich!

Vor kurzem wurde ja im Nahtzugabe-Haushalt die Forderung nach "mehr Bauhaus" gegenüber meinen Hervorbringungen erhoben. Aus dem Shibori-Filz von Anfang Dezember wurde daher ein nur mäßig dekorierter großer Untersetzer für heiße Teekannen und -Becher. Der Becher vom Bild ist von Helmut Menzel (ohne Webseite, jeden ersten Freitag im Monat auf dem Wochenmarkt Arkonaplatz).



Ich kann dabei versichern, dass die Stickerei (Sticktwist dreifädig) völlig funktional ist: sie verbindet nämlich die Filzoberseite mit einer wattierenden Zwischenlage (dünnes Volumenvlies, Quiltwattierung oder Fleece). Auf der Unterseite ist dann zusätzlich noch ein Baumwollstoff, aus dem ich auch die Einfassung wie bei einem Quilt genäht habe.

Anette zeigte gerade vor kurzem mit vielen Bildern, wie das geht, so dass die Ecken auch schön werden: Stoffstreifen aneinandersetzen, Ecken nähen, Anfang und Ende verbinden, Ecken falten.



Die Stickerei von Spiralen um die "Hubbel" des Filzes herum dauerte drei Abende auf dem Sofa, offensichtlich jeder mit einer anderen Stimmung, die sich in einer anderen Stichlänge, -dichte und Fadenspannung niederschlug. Wenn mans weiß, sieht man an dem fertigen Teil genau, welcher Bereich jeweils an einem anderen Abend gemacht wurde.



Einen Teil unserer Weihnachtsdekoration möchte ich auch noch dokumentieren. Neben Weihnachtshühnern vom letzten Jahr hängen rosa Kugeln, ein skeptischer Engel und ja, ganz hinten, eine weiße Pseudo-Quietsche-Ente mit rosa (!) Schnabel, überflüssiges Werbegeschenk eines bekannten Kameraherstellers, vom Bauhaus-Befürworter selbst ins Haus geschleppt und mit dekorativer Absicht aufgehängt. Die Ente hat auf der Unterseite ein Knöpfchen (daher ist sie auch nicht wasserdicht), drückt man es einmal, zweimal oder dreimal, leuchtet sie rot, grün oder blau. Drückt man das Knöpfchen dreimal ganz kurz hintereinander, was gar nicht so einfach ist, beginnt sie psychedelisch in rot-grün-blau zu flackern. Meine Damen und Herren, ist dieses Disco-Küken etwa Bauhaus? Sogar die Hühner wenden sich mit Grausen ab.

"Die Ente bleibt draußen!"

Sonntag, 13. Dezember 2009

Kuschelige Anti-Bauhaus-Stulpen


"Anti-Bauhaus" ist vielleicht ein wenig schroff formuliert, so als würde ich die Prinzipien des Bauhauses aktiv ablehnen und wollte qua Handstulpe ein Zeichen dagegen setzen - dem ist nicht so, aber von vorne:

Aus einem Teil des gefilzten Pullovers vom letzten Mal nähte ich mir gestern Abend kuschelige Handstulpen (oder sagt man Armstulpen?) nach der Anleitung von Elvira. Das mitgefilzte gerippte Bündchen der Pulloverunterkante dient jetzt als als unterer Abschluss. Längs der oberen Kante nähte ich ein dunkelviolettes Samtband auf, nicht nur weil es dekorativ ist, sondern auch, weil der Abschluss dann nicht mehr ausleiern kann. Die Häkelrosetten (ein selbst ausgedachtes Muster) sind aus dünner Sockenwolle in einem ganz eigenartigen blauviolett, das sich fotografisch anscheinend nicht wiedergeben lässt. Die Häkelteile waren noch nicht befestigt, und ich hatte in meinen Vorräten zufällig genau passende dunkelviolette Glasperlen und aufnähbare Strasssteine gefunden - da entdeckte der Liebste mein halbfertiges Werk und fragte "Warum nähst du denn da dieses Geschnörksel drauf? Mach doch mal Bauhaus!"


Was für eine Frage! Mehr ist mehr, jedenfalls was solche Stulpen angeht, finde ich. Wenn es um Möbel geht, lasse ich gerne mit mir reden.

Bei der Suche nach Elviras Elfenstulpen-Anleitung in meinen Lesezeichen fand ich noch eine Menge andere gespeicherte Links mit Anleitungen und Inspirationen für Pulloverfilz wieder - Frau Liebe nähte sich zum Beispiel Fäustlinge aus einem gefilzten Pullover, und da wurde mir auch klar, wo meine Idee mit der Häkeldekoration ihren Anfang nahm. Wie gerufen kommt da der Fäustling-Schnitt, den man ganz neu im Blog von Cut herunterladen kann.


Grundsätzlich kann man gefilzte Pullover bei allen Schnitten verwenden, für die Wollwalk, Filz oder fieser Fleece als Material angegeben ist. Die Bloggerin von two kitties näht Plüschtiere, unter anderem knuffelige gemusterte Schweine aus Pulloverfilz; Filzbälle, Ansteckblumen und kleine Vogelanhänger gibt es bei kleas. Oder wie wäre es mit einem 20er-Jahre-Glockenhut von Absinthe and orange (mit Schnittmuster)? Hüllen für Handys, mp3-Player, Iphones und anderen geliebten Technikkleinkram lassen sich auch gut aus Pulloverfilz nähen und eventuell verschenken, oder auch Wärmflaschenhüllen, Unhängetaschen in fast jeder Größe und wärmende Manschetten für Kaffebecher, für den, ders gebrauchen kann.

Als Geschenk für Weihnachten 2010 oder 2011 kann man sich jetzt schon eine Decke aus gefilzten Pullovern vormerken, Inspirationen zum Beipiel bei Betz White, bei Recovergirl und bei Craftstylish. Wenn man die Farbaufteilung geschickt anfängt, könnte sogar etwas ähnliches wie Bauhaus dabei herauskommen. Aber ob sich die Familie dazu bewegen lässt, alle Pulloverkäufe in Zukunft mit der Deckennäherin abzustimmen, damit das Farbkonzept stimmt? Früher oder später wird sich jemand opfern und einen grasgrünen oder orangenen Pullover tragen müssen.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Shibori-Filz aus der Waschmaschine

Shibori-Filz mit Knöpfen
Shhibori-Filz leicht angefilzt
Shibori-filz abgebundenDrei Stadien einer Filzlandschaft

Winterzeit ist Filzzeit, und wie vor fast einem Jahr konnte wieder ein alter Wollpullover per Waschmaschinentrommel in ein zweites Leben überführt werden.

Meine übliche Pulloverfilz-Brachialmethode besteht einfach darin, den Pullover bei der 60-Grad-Buntwäsche mitzuwaschen, wenn nötig auch mehrmals, bis er einen schönen dicken, flauschigen Filz ergibt und zu Stulpen, Handytaschen und allerlei Kleinigkeiten verarbeitet werden kann. Bisher klappte das gezielte Verfilzen immer ganz ausgezeichnet, die Pullover färbten weder ab, noch fusselten sie die andere Wäsche voll. (Bei der Akquise von Filz-Rohmaterial muss ich allerdings in Zukunft etwas vorsichtiger vorgehen. Wenn Pulloverspender anfangen, demonstrativ kleine aufmunternde Gespräche mit ihren Pullovern zu führen ("Hab keine Angst, die böse Filztante bekommt dich nicht!"), bedeutet das wohl, dass ich den Bogen ein wenig überspannt habe.)

Shibori-Filzen ist eine Abbindetechnik ganz ähnlich wie beim Färben. In ein Stück lockeres Wollgewebe oder -gestrick werden kleinere oder größere Perlen, Knöpfe, Münzen, Steine oder sogar Pingpongbälle eingebunden. Beim Filzen schrumpft und verdichtet sich dann das Grundmaterial, nur rund um die eingebundenen Objekte kann es das nicht und so entstehen interessante, dauerhaft haltbare Hubbel und Blasen. Wie immer beim Filzen ist auch ein Rest Zufall dabei, je nachdem wie sich das Material verhält und wie stark man es verfilzen lässt, sieht das Ergebnis immer etwas anders aus.

Bei meinem Filzexperiment habe ich einfach eine ganze Menge kleine Plastiknöpfe mit dünnem Baumwollgarn fest eingebunden, erstmal testweise an einem Ärmel, und das ganze dann gewaschen. Insgesamt vier Mal, denn der Pullover hatte wohl eine Anti-Filz-Ausrüstung und kam aus der ersten Wäsche fast unverändert heraus. Hier im Blog von Craft gibt es ein paar Beispiele für gefilzte Schals mit weiterführenden Links zu Anleitungen. Auf Deutsch findet man zum Shibori-Filzen im Jeromin-Blog ganz detaillierte Anleitungen, erstaunlicherweise lässt sich nicht nur Wolle so verformen. Also wieder mal unendliche Möglichkeiten!
Aus dem blauen Filz werde ich mir ein paar Handstulpen nähen. Aber ich lauere schon auf den nächsten Pullover, da plane ich einen Kissenbezug mit unterschiedlich großen Hubbeln auf der Vorderseite, am liebsten in grau - das müsste aussehen wie teuer beim Designer gekauft und wäre auch ein schönes Weihnachtsgeschenk für Leute, die nichts für Rüschen übrig haben.

Mittwoch, 18. März 2009

Zieldurchlauf im Strickmarathon



Die Tussie-Jacke - wir erinnern uns, der erste Versuch glich einem Strickbolero mit Dreiviertelärmeln - hat doch noch zu einem guten Ende gefunden. Seit drei Wochen ist sie nun fertig und wurde auch schon ausgeführt. Beim zweiten Durchgang habe ich nicht nur eine Nummer größer, sondern vor allem um einiges länger gestrickt.

Das Originalstrickmuster Tussie-Mussie (Knitty Fall 2007) scheint für eher kleinere Menschen gedacht zu sein, denn obwohl ich nicht sonderlich groß bin (1,67) waren mir die Ärmel laut Schnitt viel zu kurz. Dass ich allerdings auch schon bei zwei Burdaschnitten Ärmel hatte, die sich an mir als Dreiviertelärmel entpuppten, gibt mir etwas zu denken. Sollte ich mir Sorgen machen? Dabei lasse ich doch immer andere Leute die Getränkekisten schleppen. Der Schulterbereich ist recht knapp, obwohl ich bei der Ärmelweite nun von Größe L plus zwei hineingeschummelten Maschen ausgegangen bin. Die fast nahtlose Konstruktion der Jacke ist zwar einerseits was Feines, da nur ein paar Zentimeter unter den Armen zusammengenäht werden müssen, andererseits lassen sich Einzelteile erheblich besser in Form bringen. Damit sich die Vorderkanten oben schön umlegen (und dann auf Dauer auch so bleiben) muss ich noch einmal mit Dampf ran.
Also Fazit: Der Schnitt und die Anleitung überzeugen mich nicht so hundertprozentig. Die Jacke ist jetzt zwar tragbar und wirkt wie eine moderne Neuinterpretation der Trachtenjacke, die Größenabstufungen sind in der Anleitung aber ungünstig umgesetzt. Während die Brustweite der Jacke von einer Größe zur anderen um 10cm weiter wird, kommen bei den Ärmeln von Größe zu Größe jeweils nur wenige Maschen dazu. Die Weite fehlt dann letztlich auch an den Schultern.

Als Garn verwendete ich 100% Merino in dunkelgrün, 7fach gespult, bestellt bei der Wolle-Halle. Von der Garnqualität bin ich begeistert - ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis, noch dazu kratzt es überhaupt nicht und ließ sich sehr gut verstricken, auch wenn die gespulten Fäden nicht so stark verzwirnt sind wie herkömmliches Handstrickgarn vom Knäuel.

Freitag, 9. Mai 2008

Zentralste Nähversorgung








Heute komme ich endlich einmal dazu, über das Thema zu schreiben, was ich eigentlich am Anfang in den Mittelpunkt dieses Blogs stellen wollte (man hat ja manchmal so Pläne): Die Einkaufsmöglichkeiten für Stoffe und andere Lebensnotwendigkeiten in Berlin.

Im Knopfloch am Alexanderplatz war ich mittlerweile am häufigsten - das hat nicht unbedingt mit dem Laden selbst zu tun, sondern vor allem mit seiner unschlagbaren günstigen Lage, nur wenige Schritte von S- und U-Bahn entfernt. Alte West-Berliner werden jetzt aufstöhnen, aber zentraler kann ein Laden kaum liegen: in der etwas angeschmuddelten Passage des Alexanderhauses neben der Weltzeituhr.

Der Laden selbst wirkt auf den ersten Blick etwas altmodisch und unübersichtlich, was auch am Wollregal liegt, das man beim Hereinkommen als erstes sieht: Die Auswahl finde ich nicht so doll, es gibt recht viel Acryl in grellen Farben, ein paar Garne von online und Gedifra und ansonsten meistens nichts, was ich gerne auf der Nadel hätte.
Nachdem ich jetzt mehrere Male dort war, habe ich aber die unbestreitbaren Vorzüge des Ladens entdeckt. Da sind zunächst einmal die Verkäuferinnen alten Schlags, die sich in der Materie auskennen und beraten können und wollen, egal ob eine Schülerin Stoff für ein Taschennähprojekt an der Schule braucht oder eine kniffelige Lösung für ein Gothikkleid gefunden werden soll. Die einen aber auch einfach in Ruhe Stoffe schauen lassen, wenn man das möchte.

Zweitens hat das Knopfloch eine gute Auswahl an saisonunabhängigen Standardstoffen, Handarbeits- und Patchworkstoffen und ich begrüße es sehr, wenn ich auch jetzt im Mai beispielsweise Cord in verschiedenen Farben kaufen kann, falls ich ihn brauche und nicht auf die Herbstsaison warten muss. Die Stoffpreise finde ich in Ordnung - nicht überragend günstig, aber auch nicht überteuert, angemessen eben, etwa die Preise, die man für Markenstoffe im allgemeinen zahlt. Dann gibt es in dem Laden noch viel, viel mehr, was man aber schätzungsweise erst beim dritten Mal sieht, weil man am Anfang gar nicht alles erfassen kann. Zum Beispiel neben Burdaschnitten neuerdings auch Schnitte von Simplicity und Unterwäsche-Schnitte von Sewy nebst Dessousstoffen und -zubehör. Perlen von Gütermann, Stickpackungen und Handstickgarne, außerdem Maschinenstickgarne von Madeira und das Gütermann Baumwollstickgarn. Knöpfe von union Knopf, dill, Muehlmeier und die schönen, selten zu findenden von Jim Knopf und natürlich die üblichen Kurzwaren, Bänder, Borten, Häkelgarne und so weiter. Nicht zuletzt verkauft das Knopfloch auch Nähmaschinen (Pfaff, Singer, Brother) und bietet eine Nähmaschineninspektion für 30 Euro an.

Nur die Saisonstoffe, da kommen das Knopfloch und ich nicht so recht zusammen. Obwohl ich viel schwarz und dunkle Farben trage, sind mir die Stoffe dort zu düster, vielfach auch zu gemustert. Möglicherweise ist das einfach eine seltsame Diskrepanz zwischen Fühlen und Denken bei mir: Offenbar mag ich Stoffläden lieber, in denen es viele bunte Stoffe gibt, obwohl ich letztlich immer dunkle kaufe. Das muss ich mal weiter beobachten. Stoff habe ich also noch nicht gekauft, und das obwohl zum Saisonwechsel zum Teil kräftig reduziert wird. Aber kann ja noch werden.

Knopfloch
Alexanderplatz 2
10178 Berlin

Haltestelle Alexanderplatz

Update 16.6.2008:
Aus einem werden zwei: Die Inhaberinnen des Knopflochs gehen anscheinend in Zukunft getrennte Wege: Wie die Webseite ankündigt, zieht das Knopfloch zum 1.7.2008 in einen S-Bahn-Bogen neben das Alexa. Ein zweiter Laden eröffnet ebenfalls am 1.7.2008 im Berlin-Carré in der Karl-Liebknecht-Straße.