Dienstag, 25. Mai 2010

Weltreise auf fünf Kontinente


Passenderweise ist schon die Anreise in den Berliner Südwesten eine kleine (gefühlte) Weltreise. Das Ethnologische Museum, das Museum für Asiatische Kunst und das (zur Zeit geschlossene) Museum europäischer Kulturen sind in einem gemeinsamen Bau mitten in einem Dahlemer Wohngebiet untergebracht, man kann sich also an einem verregneten Sonntag ganz gemütlich durch alle Kontinente treiben lassen.


Bei meinem Besuch vor ein paar Wochen bin ich über Süd- und Mittelamerika, Nordamerika und Afrika noch nicht hinausgekommen.
Gerade in Nord- und Mittelamerika ist mir aufgefallen, wie medial verdorben, naja, vorgeprägt ich schon bin - das kommt davon, wenn man Indiana Jones im Kino sieht, bevor man ein Mal die Mittelamerika-Abteilung besucht hat. Die Reliefs, Tierstatuen und stilisierten Schädel wirkten jedenfalls seltsam vertraut und noch dazu wie frisch aus der Werkstatt, so dass ich mir mühsam klarmachen musste, dass es sich nicht um Filmkulissen handelt. Ähnlich ist das dann bei den Indianern Nordamerikas, und hier thematisiert die Ausstellung gerade auch die typischen westlichen Indianerklischees.


Der Abteilung mit Kunst aus Afrika konnte ich mich hingegen ohne vorgefertigte Bilder im Kopf nähern. Die Fotos zeigen perlenbesetzte Prunkgegenstände, unter anderem einen Thron, den Wilhelm II. im Jahr 1908 als Geburtstagsgeschenk von Njoya, König von Bamun (westliches Kamerun) erhielt - von Monarch zu Monarch gewissermaßen. Die deutsche Kolonialgeschichte Kameruns zeigt, dass es mit der Ebenbürtigkeit dann doch nicht so weit her war.


Besonders beeindruckend (aber im Dämmerlicht nicht fotografierbar) fand ich die Kraftfiguren aus dem Königreich Kongo, Figuren in Menschen- oder Tierform, die über und über mit rostigen Nägeln, Klingen, Metallspitzen, Stoffstreifen und -Bündeln bedeckt sind. Die Figuren haben eine magische Funktion, sie sollen ein Dorf oder eine Familie schützen, Krankheiten heilen oder den bestrafen, der einen Vertrag bricht. Solche Figuren kann man auch hier sehen - und ich denke wir sind uns einig, dass man sich lieber an Abmachungen hält, wenn so ein Wächter im Spiel ist.

Kaffee und sehr guten Kuchen gibt es auch

Zur Zeit ganz neu ist die Ausstellung Vodou - Kunst und Kult aus Haiti (bis 24. 10. 2010, einige Bilder hier), die ich mir unbedingt ansehen möchte, nachdem ich bei Deutschlandradio Kultur einen Beitrag darüber gehört hatte. Und es bleibt ja noch Asien und die Südsee - letztere hatte vor ein paar Wochen nämlich geschlossen.

Museen Dahlem, Lansstr. 8, 14195 Berlin
Di-Fr 10-18.00, Sa + So 11-18.00 Uhr
Donnerstags ab 14.OO Uhr freier Eintritt in die Dauerausstellungen

Haltestelle Dahlem-Dorf (U3)

5 Kommentare:

  1. Hallo Lucy,
    das macht richtig Laune, sich das auch mal anzuschauen. Hört sich aber so an, als müsste man mindestens ne Woche Berlin einplanen:-)!
    Musste bei deinem Bericht an Bruce Parry denken, er leitet Expeditionen und macht Dokumentarfilme über Ur-Völker auf allen Kontinenten dieser Welt. Habe diese Filme vor längerer Zeit gesehen und war so fasziniert von ihm, seinen Filmen und auch seinem Engagement für diese Kulturen.
    schicke dir liebe Grüße
    Susanne

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  2. Solche authentischen fremden Dinge finde ich auch immer sehr inspirierend - vor allem zu wissen, dass da z.B. mal jemand gesessen und all diese kleinen Perlen aufgebracht hat, sich die Farbzusammenstellungen und Muster überlegt hat. Letztes Jahr gab es dort eine sehr interessante Ausstellung über Tuchintarsien, textiles Interesse wird also gepflegt.
    Zu Handarbeiten gibt es dort auch immer wieder Workshops (http://www.verein-museum-europaeischer-kulturen.de/workshops.htm)
    Die Vodoo-Ausstellung werde ich dann auch mal auf meine Liste setzen. Danke für den Einblick!

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  3. Liebe Lucy, danke für den schönen Bericht. Mich fasziniert es auch immer wieder wie viel Kunst vor tausenden von Jahren entstanden ist, wie viel davon immer noch erhalten ist - besonders wenn man bedenkt, wie kurz lebig die Dinge heute sind. Ich suche mir bei jedem Besuch einer Ausstellung ein Lieblingsstück aus - hast du eins gefunden? Im neuen Museum habe ich mir den grünen Kopf "ausgesucht". Gruß Floh

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  4. Das ethnologische Museum fand ich schon als Kind toll. Ist es immer noch so kinderfreundlich? Ich glaube, ich erinnere mich an Kanus und Hütten "zum Anfassen"...
    Übrigens könnte ich zu Deiner Sammug Berliner Stoffläden noch "Berlins Welt der Stoffe" (http://www.berlinsweltderstoffe.de") in der des U-Bhf. Osloer Straße hinzufügen. War schon mehrmals da und kann ihn durchaus empfehlen.
    Vielen Dank für den schönen Bericht jedenfalls.

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  5. Das war bestimmt ein herrlicher Tag.
    Wenn du einmal nach Hamburg kommen solltest, kann ich dir das Völkerkunde aus Erfahrung sehr ans Herz legen.

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