Freitag, 8. Juni 2018

Mit Naturmaterialien gefärbt: Workshop Ecoprinting

 
In meinem Kiez gibt es seit neuestem einen Gemeinschaftsgarten mit Hochbeeten auf dem Gelände eines nicht mehr genutzten Schulhofs, und weil der Garten Teil eines geförderten Projekts zum Klimaschutz ist, finden dort ab und zu auch Veranstaltungen statt. An einem schönen Sonntag Nachmittag konnte das Ecoprinting ausprobiert werden, also das Drucken oder Färben mit Pflanzen auf Stoff. Hannah Schorch, die den Workshop leitete, kannte ich von ihrem Label Erie Berlin, ihre zart gefärbten Sachen waren mir im Studio Herzberg, einem Laden für nachhaltige Kleidung an der Sonnenallee, schon vor längerer Zeit aufgefallen.

Ehrlich gesagt bin ich von Ecoprinting-Ergebnissen nicht immer restlos begeistert - im Netz sieht man manchmal Beispiele von Stoffen mit lauter fleckigen braun-grau-Tönen, die mich an einen Komposthaufen auf Stoff erinnern, das finde ich nicht so erstrebenswert. Hannahs bedruckte Stoffe sehen hingegen zart und geheimnisvoll und besonders aus, mit interessanten Farbverläufen oder Strukturen, gar nicht "Öko", sondern sehr raffiniert.


Hannah hatte färbende Pflanzen mitgebracht: getrocknete Zwiebel-, Avocado- und Granatapfelschalen, pulverisierte Krappwurzel und geraspeltes Blauholz, Kamillenblüten und getrocknete Rosen- und Malvenblüten. In einem Topf auf einer Kochplatte wurden Baumwollstoffe in einer Alaunlösung gebeizt, dadurch können die Fasern die Farbstoffe besser aufnehmen und die Farben werden haltbarer.


Das eigentliche Färben (oder genauer gesagt: Drucken) erinnert dann etwas an Kochen (und riecht auch fast so): Die Pflanzenbestandteile werden auf dem feuchten Stoff ausgelegt, der Stoff fest zusammengerollt und zu kleinen Päckchen gebunden. Die Stoffpäckchen kommen in ein Sieb über kochendes Wasser und liegen eine Weile im Dampf, wobei sich die Farbstoffe mit dem Stoff verbinden.


Dann geht es ans Auspacken und Auswaschen und an die große Überraschung: Was ist mit den Farben aus den Pflanzenteilen passiert? Färberkamilleblüten ergeben zum Beispiel kräftig gelbe Punkte, die Blauholzspäne violette Striche. Manche Pflanzenteile färben gar nicht - grüne Blätter zum Beipiel - und wenn verschiedene farbstoffhaltige Pflanzen zusammentreffen, können sich interessante Mischungen ergeben.


Ich bin größtenteils nur zu zarten Sprenkeln auf weißem Untergrund gekommen, für mehr Farbe darf man nicht so zögerlich sein wie ich - die Kinder hatten das beim Workshop besser drauf: Viel Material ergibt viel Farbe.


Ein Stoffstück (aus dem ich die Passe einer Bluse machen will) ist einfach grandios geworden. Das Stück alte Bettwäsche hatte ich zuerst in einem Sud aus Holunderbeeren gefärbt, der in einem kleinen Topf vor sich hinköchelte. Der Stoff war dann so gleichmäßig dunkelviolett, dass ich schon dachte, das könne man gar nicht weiter färben, aber Hannah gab mir den Tipp, Granatapfelschalen zu verwenden. Die getrockneten Schalen waren zu kleinen Bröckchen von etwa 5x5 mm geschreddert, die ich konfettimäßig auf dem gefärbten Stoff verteilte. Nach dem Dämpfen konnte ich das Ergebnis kaum fassen: Die Schalen hatten irgendwie mit der Holunderfarbe reagiert und den Stoff an den Stellen, wo sie lagen, zu orange bis rostrot verfärbt. Sehr schön und sehr überraschend!


Um mit dieser Methode systematisch zu färben und einigermaßen wiederholbare Ergebnisse zu bekommen, müsste man also alles notieren und am besten noch Vorher-Nachher-Fotos machen. Aber auch ganz unsystematisch bekommt man interessante Ergebnisse - und keine schlammfarbenen Fleckmuster, wie ich befürchtet hatte - und der Pflanzendruck macht großen Spaß und braucht nur ein Minimum an Ausstattung. Färben kann man auch mit Dingen, die man normalerweise wegwerfen würde: Schalen und Kerne, gebrauchte Teebeutel und verwelkte Blumensträuße, und natürlich kann man auch fertige Kleidungsstücke färben, sofern sie aus Naturfasern bestehen und sie so auffrischen, zum Beispiel wenn sie Flecke haben, die nicht mehr herausgehen. Ein spannender, sehr netter Nachmittag war das!