Freitag, 13. Dezember 2019

Weihnachtsgeschenke für Menschen, die nähen

In den letzten Jahren habe ich ja nebenher in einem Stoffgeschäft gearbeitet und hatte daher in der Vorweihnachtszeit häufig mit Menschen zu tun, die überwältigt mitten in diesem Laden voller Stoffe und Nähzubehör standen, sich einer Verkäuferin näherten und dann etwas sagten wie "Helfen Sie mir. Meine Schwester/Mutter/Freundin näht und ich möchte ihr etwas schenken, aber ich weiß nicht was, ich kenne mich überhaupt nicht aus." In so einem großen Geschäft kann man zur Not immer zu einem Gutschein raten, aber besonders persönlich und originell ist das natürlich nicht.

Daher habe ich hier ein paar Tipps für nicht-alltägliche Weihnachtsgeschenke für Hobbyschneiderinnen und -schneider zusammengestellt, fast alle für unter 30 Euro. Hochwertiges Nähzubehör, an dem man lange Freude hat und das die oder der Beschenkte wahrscheinlich noch nicht besitzt, da es von kleinen bis sehr kleinen Firmen hergestellt wird oder von den Erfinderinnen selbst vertrieben wird. Die letzte Geschenkidee könnte man sogar selbst basteln, wenn man sich mit Holzverarbeitung auskennt. Wer selbst näht, findet hier vielleicht noch eine Ergänzung für den Wunschzettel.

(Da ich hier Produktempfehlungen gebe und Bezugsquellen angebe, handelt es sich der Form nach um Werbung - ich wurde dafür aber weder bezahlt noch beauftragt, die Herstellerinnen, die ich empfehle, wissen nichts davon.)

1. Das Bügelhandmaß aus Edelstahl von Nannette Hopf

 

Screenshot http://www.filztex.de/index.html

Lineale für die Schneiderei gibt es zuhauf, aber die meisten, ob nun Quiltlineale, Saumlineale oder Handmaße, haben den großen Fehler, dass sie aus Plastik sind. Will man beim Bügeln etwas messen oder gar einen Saum gleichmäßig umbügeln, muss man höllisch aufpassen - bügelt man einmal aus Versehen darüber, sind sie hin. Metalllineale aus dem Schreibwarenladen sind für Schneiderzwecke größtenteils zu dick und zu starr. Nannette Hopf eintwickelte aus diesem Grund ein spezielles Handmaß aus Edelstahl und ließ sich die Form patentieren: Das Bügelhandmaß ist flach, flexibel und unverwüstlich, die Skala ist eingeätzt, nicht aufgedruckt, es hat eine Schablone zum Anzeichnen von Knopflöchern, über die Rundung an einem Ende können Kragen und andere verstürzte Teile ausgebügelt werden. 

Das Handmaß fürs Leben gibt es direkt über die Webseite von Nannette Hopf für 25,00 Euro plus Versandkosten, man kann es zu einem etwas höheren Preis auch über einige andere Shops beziehen (nach "Bügelhandmaß Edelstahl" suchen), unter anderem auch von Manufactum - aber der Direktbezug ist natürlich immer am besten, dann bleibt für die Erfinderin am meisten hängen.

2. Zuschneidehilfe "Einfach Karl" für Schere oder Rollschneider 

Screenshot https://www.etsy.com/de/shop/EinfachKarl

Die meisten Schnittmuster hierzulande enthalten keine Nahtzugabe, man muss sie beim Zuschneiden rundherum dazugeben. Viele Nähende machen das nach Augenmaß, bei kniffeligen Schnittteilen, wenn es auf Genauigkeit ankommt, oder wenn man perfektionistisch veranlagt ist, kommt man mit "ich schneide nach Gefühl immer im gleichen Abstand drumherum" aber nicht weit. Die Nahtzugabe genau anzuzeichnen ist mühsam und ein Arbeitsgang, den man sich gerne erspart.

Dazu wurde die Zuschneidehilfe "Karl" erfunden: Sie wird mit einem Magneten an der Schere befestigt und hat einen einstellbaren Zeiger parallel zur Klinge, mit dem man beim Schneiden an den Konturen des Schnittteils entlangfährt - der Schnitt ist dann automatisch im eingestellten Abstand von der Kante und man erhält ohne Messen überall gleichmäßige Nahtzugaben. "Karl" gibt es mittlerweile in zwei Größen ("Kleiner Karl" für Scheren ab 8 cm Klingenlänge, "Großer Karl" für Scheren ab 9,5 cm Klingenlänge) und in verschiedenen Farben, außerdem "Karlchen" für Rollschneider (die allerdings eine ebene, magnetische Mitte haben müssen, damit Karlchen richtig Halt findet). Die Mitglieder der Karl-Familie kann man über den "Einfach Karl"-Shop bei Etsy bestellen, sie kosten zwischen 26,50 und 30,50 Euro plus Versandkosten.

3. Bügelamboss oder Tailor's Board 

 

Screenshot https://www.etsy.com/de/shop/tailorboardnl

Bügeln ist beim Nähen von Kleidung unverzichtbar, wenn es sich um komplexere Teile als ein T-Shirt handelt. Um auch schwer erreichbare Stellen zum Beispiel am Kragen oder am Armausschnitt erreichen zu können, ist ein Bügelamboss praktisch, eine Art Mini-Bügelbrett aus Holz mit vielen verschiedenen Rundungen und Spitzen, über denen Nähte ausgebügelt werden können. Für dieses Werkzeug gibt es einige Anbieter, wer sich mit Holzbearbeitung etwas auskennt und über eine Grundstock an Werkzeugen verfügt, kann so einen Bügelamboss aber auch selber bauen. Anbieter findet man über die Suche nach "Bügelamboss", "tailor board" oder "tailor's board", zum Beispiel tailorboardnl bei etsy.

Wer sich am Selbermachen versuchen will: beim Beswingten Allerlei ist eine Anleitung verlinkt und sie beschreibt auch, wie sie die Schablonen noch etwas angepasst hat.

4. Ein Zeitschriftenabo: Fibremood oder Vintage Flaneur


Auch wenn es im Internet ja irgendwo alles gibt, ist eine gedruckte Zeitschrift aus Papier in manchen Fällen doch ganz nett, wenn das Heft schön gestaltet ist und schwer zu bekommen. Außerdem kann sich die/der Beschenkte übers ganze Jahr hinweg alle paar Monate auf weitere Ausgaben freuen.
Zwei ganz unterschiedliche Vorschläge hätte ich dazu, die Zeitschriften werden beide von einem kleinen bis sehr kleinen Team realisiert und sind meistens nur in den großen Bahnhofsbuchhandlungen zu finden.
Screenshot https://www.fibremood.com/de

Fibremood ist ein 2018 gegründetes belgisches Nähmagazin mit Schnittmustern und Strickanleitungen und im Moment die interessanteste und aktuellste Nähzeitschrift auf dem Markt. Wer gerne neue Schnittmuster ausprobiert und sich beim Nähen an der aktuellen Mode orientiert, wird sich über die Zeitschrift freuen. Das Heft erscheint fünf Mal im Jahr, Abos können für zwei Hefte (25 Euro) oder 5 Hefte (55 Euro) abgeschlossen werden.

Screenshot https://www.vintage-flaneur.de/

Der Vintage Flaneur ist keine Handarbeitszeitschrift, auch wenn immer ein paar kleine DIY-Anleitungen enthalten sind, sondern ein liebevoll gemachtes kleines Magazin für Menschen, die Mode und Design der 1920er bis 1950er Jahre mögen. Das Heft erscheint sechs Mal im Jahr und enthält neben Mode auch Beiträge zu Kultur und Geschichte, meistens hat das Heft ein übergeordnetes Thema. Das Geschenkabonnement über sechs Ausgaben mit Geschenkprämie gibt es für 47,40 Euro.


5. Das Materiallexikon "Stoff und Faden"



Zum Schluss noch etwas Eigenwerbung: Das kleine Stofflexikon "Stoff und Faden" ist nun in der zweiten Auflage erschienen und für 14 Euro immer noch ein nettes, kleines Geschenk für nähende Menschen. Oder vielleicht lieber ein Buch über Mode oder zu einem anderen textilen Thema? Susanne von "Textile Geschichten" und ich haben in unserer Kleinverlagskooperation einige im Angebot. Alle unsere Bücher kann man im Buchhandel oder direkt bei uns bestellen.