Montag, 24. Juli 2017

Lempi II oder die Tücken die Routine


Vor einigen Wochen hatte ich vollmundig eine ganze Garderobe aus lauter Lempi-Kleidern (nach dem Schnitt von namedclothing) angekündigt, und ehrlich gesagt finde ich die Idee immer noch bestechend: Neben dem ersten, dem grauen Lempi noch ein blaues, ein rotes, ein grünes und ein schwarzes Lempi, ein Lempi aus Jeans, eins aus feinem Cord, für den Herbst eins als Tweed und für jetzt eins mit Blumenmuster, außerdem natürlich ein Abend-Lempi aus Brokat. Klingt doch total plausibel, oder? Lempi in jeder Lebenslage, außer vielleicht zum Schlafen und zum Schwimmen!


Aber im Ernst: Was dieser Lempisierung meiner Garderobe entgegensteht, bin ich selbst. Einen Schnitt zum zweiten Mal zu nähen ist nie so schön und wird nie so gut wie beim ersten Mal, scheint mir. Mein neues Lempi-Kleid aus dünnem, dunkelblauen Denim mit ein wenig Elasthan hatte ich flott und wohlgemut gleich nach Lempi I zugeschnitten und die ersten großen Nähte geschlossen. Als Kappnähte, abgesteppt mit beigem Jeansgarn. Und dann passierte folgendes:



Die Schere war so scharf, dass ich gar nicht merkte, wie ich durch zwei Stofflagen schnitt. Und natürlich reichte der Stoffrest nicht mehr für einen neuen Ärmel. Typisch! Sowas passiert mir nur bei Schnitten, die ich schon einmal genäht habe.

Nach etwas Herumschmollen und Verzweifeln setzte ich schließlich einfach einen Streifen Jeansstoff an, den ich innen versäuberte und von außen durchsteppte. Nicht unsichtbar, aber da es sich um die Ärmelnaht handelt, befindet sich die Stelle unter der Arm, das sieht man wirklich kaum. Am fertigen Kleid sieht das jetzt so aus:

Damit kann ich leben. Die Steppnaht mit Jeansgarn lenkt ganz gut von der parallel verlaufenden Naht ab.


Am restlichen Kleid habe ich mit Absteppungen ansonsten nicht übertrieben: Den Kragen, die aufgesetzten Taschen und Taschenklappen, die Schulternaht, die Gürtelschlaufen und die Säume habe ich abgesteppt, die Knopfleiste nicht. An dieser sehr sichtbaren Stelle auffällige Nähte zu setzen, war mir nach den vorangehenden Erlebnissen zu heikel, das hätte vermutlich nicht auf Anhieb geklappt, und der Stoff ist erstaunlich empfindlich, was das Trennen angeht.


Die Knöpfe sind silberfarben mit etwas Patina, auf eine Gürtelschnalle habe ich diesmal verzichtet -- es gab zwar eine farblich passende, sie erschien mir aber zu schwer für ein Kleid, und als Kleid habe ich Lempi bisher getragen. Der Schnitt ist ideal für das merkwürdige, wechselhafte Wetter zur Zeit, das oft innerhalb eines Tages von heiß und schwül auf windig und verregnet wechselt. Ich habe aber vor, das Jeans-Lempi auch mal als leichten Mantel einzusetzen, wie es Mema mit ihrem Jeanskleid Iam Hermes macht - die Idee ist gerade für die Reisegarderobe sehr praktisch, und es sieht wirklich gut aus.


Wie beim grauen Lempi-Kleid habe ich am Schnitt nichts geändert, und da der Denim einen kleinen Anteil Elasthan hat, trägt es sich sogar noch bequemer als das erste. Meine Liebe zu diesem Schnitt ist auch noch nicht erloschen: ich habe ein großformatiges schwarz-weißes Vichykaro aus leichter Baumwolle da, Karolänge etwa 4 cm, das ich mir auch als Lempi vorstellen kann. Oder wird das zu heftig gemustert? Ich werde noch eine Weile darüber nachdenken und in der Zwischenzeit etwas anderes nähen, sonst versemmele ich das Kleid bestimmt.

Zusammenfassung:
Schnittmuster: Lempi von namedclothing
Genähte Größe: 40, keine Änderungen
Stoff: Leichter dunkelblauer Denim aus Baumwolle mit Elasthananteil. Jeansabsteppgarn in beige für einige Nähte

19 Kommentare:

  1. Geschickt gerettet! Und solche Improvisationen machen doch auch glücklich, oder? Wenn man retten kann was fast unmöglich erscheint......
    Und es steht dir gut: Sachlich und doch mit dem gewissen Etwas. Sehr gut gefallen mir die Steppnähte die den Bezug zu den Knöpfen hestellen!!

    Bei deiner ersten Version sind mir die tief gesetzten Taschen gar nicht so aufgefallen, hat sich das im Alltag bewährt?

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    1. Die großen, aufgesetzten Taschen benutzt man eigentlich nicht, denn es gibt versteckte Seitennahttaschen, die auf normaler Höhe sind. Das ist gut durchdacht - die Seitennahttaschen benutze ich regulär für Schlüssel und Taschentuch, und die anderen sind für Notfälle, wenn man die Hände voll hat und trotzdem schnell noch ein paar Kleinigkeiten mit müssen.

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  2. Klasse gelöst. Auf dem Bildschirm kann ich das Malheur kaum mehr erkennen. Ich kann meiner Vorgängerin nur zustimmen, das Kleid steht Dir gut. Freue mich aber auch auf die "Zwischenzeit". LG, Manuela

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    1. Danke! Als nächstes wollte ich endlich ein "Anna" von By Hand London aus selbstgebatiktem Stoff nähen, aber das wetter macht nicht gerade Lust auf Sommerkleid.

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  3. Aus Jeansstoff gefällt mir Lempi noch besser an dir als in dunkelgrau. Dass du den Ärmel zersäbelt hast, ist natürlich nervig, aber du hast ihn ja gut retten können. :)

    Liebe Grüße,
    Sabrina

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  4. Das sieht wirklich toll an Dir aus. Das mit dem Fehler beim 2.3. usw Mal kenne ich. Man denkt sich, das mache ich mal schnell, guckt nicht nochmal in die Anleitung oder schludert sonstwie vor sich hin...
    Aber es ist gerettet.
    LG

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    1. Danke! Ich bin beim zweiten Mal beim Nähen einfach nicht mehr so aufmerksam, scheint mir.

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  5. Sieht wunderbar an dir aus und die Nutzung sowohl als Mantel, als auch als Kleid machen das Stück vielseitig einsetzbar.
    Ich glaube, dass man beim Mehrfachnähen unaufmerksamer wird und schnell mal etwas übersieht, weil man den Schnitt ja schon kennt. Aber du hast dein Mißgeschick äußerst praktisch gelöst.
    LG von Susanne

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    1. Ja, genau - und dazu kommt die Erwartung, dass es jetzt schneller zu nähen sein müsste.

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  6. Wem außer Dir fällt das schon auf. Das muss doch so sein und ist ein Design-Element. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Kleid zu den Lieblingen gehört.
    Grüßle Bellana

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    1. Das passt jetzt vor allem sehr gut zum Wetter, ein Hochsommerleid ist es ja nicht.

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  7. Schaut klasse aus Dein zweites Lempi-Kleid! Der Stoff ist prima und die STeppnähte kommen richtig gut raus. Der kleine Fehler am Ärmel ist gut gerettet. Sehr amüsant zu lesen, dass Schnittwiederholungen bei Dir "Tücken der Routine" auslösen - bei mir läuft es nähtechnisch bei der Wiederholung oft besser und beim zweit/dritt/x Modell läuft alles wie am Schnürchen. LG Kuestensocke

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    1. Das ist ja interessant - du profitierst also von dem Lerneffekt. Den habe ich - wenn überhaupt - wohl nur über längere Zeiträume, also: der zweite, dritte Mantel werden schon besser als der erste, aber nicht, wenn ich sie hintereinander weg nähe.

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  8. Dein blaues gefällt mir viel besser als das graue Lempi, vielleicht weil der Stoff weniger glänzt? Weil Dir die Farbe besser steht? Ach, das mit dem Ärmel ist ja doof - ich kann mir so gut vorstellen, dass Du dich geärgert hast, aber du hast das ja toll gerettet. Die Mantelvariante, zu der du verlinkst, gefällt mir auch ausnehmend gut, das sieht ziemlich lässig aus. lg, Gabi

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    1. Ich finde auch, dass das blaue ganz anders wirkt auf den Fotos als das graue - das könnte aber auch einfach an den Bildern liegen (andere Kamera, dadruch andere Perspektive, etwas andere Farben...)

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  9. Lempi steht dir so gut, dass du die Lempisierung deines Kleiderschrankes weiter verfolgen solltest. Vielleicht bist du bei Nr. 3 wieder aufmerksamer, wegen der Fehler bei Nr. 2? Ich kenne das beim Stricken. Dem "Jetzt kann ich das Muster" folgen oft Schusselfehler...
    LG, Bele

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  10. Spontan musste ich bei deiner Idee "Lempi-Garderobe" an das Projekt von Meike Winnemuth denken, ein Jahr lang nur Blaues zu tragen. Aber ich sehe gerade auf ihrem Blog, auch das gab es schon. Jedenfalls steht dir das blaue Lempikleid ausgezeichnet, sieht aus, als wäre es passend für alle Lebenslagen. LG Christa

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    1. Genau das mag ich so an dem Schnitt: passend für alle Lebenslagen. Und das Lempi wäre für so ein Langzeitprojekt wirklich gut geeignet.

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Vielen Dank für deinen Kommentar!