Sonntag, 1. Februar 2009

Monatsseite Januar: Wege im Nebel


Im Januar hatte ich unerwartet viel Zeit, um an der Monatsseite zu arbeiten und auch viel Zeit, um über den Januar nachzudenken. Der Januar, Winterfreunde mögen mir verzeihen, ist für mich der schlimmste Monat des Jahres. Der Winter dauert noch lange, Schnee hat den Reiz den Neuen verloren, es ist dunkel, es ist kalt, es gibt keine besonderen Tage, auf die man sich freuen kann.


Dann die Sache mit dem Jahreswechsel. Als Rationalistin sage ich mir, dass der 1. Januar ein Tag ist wie jeder andere auch, dass nur die Willkür unseres kalendarischen Systems ihn zum ersten Tag des neuen Jahres bestimmt. Hätten wir einen anderen Kalender, würde ein anderer Tag diesen Stempel tragen. Dennoch kann ich mich von einem gewissen Januar-Aberglauben nicht ganz frei machen. Denn wer möchte schon am Anfang alles vermasseln? Wer möchte gleich auf der ersten Seite des neuen Schulhefts einen dicken Fehler machen? So geht es mir auch mit dem neuen Jahr. Obwohl ich weiß, dass es irrational ist, glaube ich doch ein bisschen daran, dass jetzt die Karten neu gemischt werden, dass alles möglich ist, im Guten wie im Schlechten, dass Entwicklungen gerade hier ihren Anfang nehmen, deren Fortgang wir jedoch noch nicht überblicken können.


Und wohl selten hat ein Jahr so mit Ungewissheiten begonnen wie 2009. Was wird kommen? Stecken wir mitten in einem Paradigmenwechsel? Werden wir in Zukunft anders leben als jetzt? Oder wird sich nach einer Phase der Krise das Weiter-So durchsetzen? Soll man es fürchten, das neue Jahr, oder es freudig begrüßen? In diesem Januar wurde so oft der Ausspruch zitiert, dass die gegenwärtige Krise als Chance zu begreifen sei, dass man es langsam glauben möchte.


Tja, wie man sieht sind einfache mechanische Tätigkeiten, die wenig Konzentration für die Tätigkeit selbst verlangen, hervorragend geeignet, die Gedanken schweifen zu lassen und sich mehr oder minder tiefschürfende Gedanken zu machen. Ich verbrachte während meiner Erkältung sicherlich Stunden damit, ein Quadrat aus dem Batikstoff mit Vorstichen zu besticken, zuerst den Stoff alleine, später mit einer dünnen Schicht Polyesterwattierung darunter. Durch die Stiche zog sich der Stoff ein wenig zusammen, so dass eine kleine Hügellandschaft entstand, die ich dann auch nicht mehr gebügelt habe.


Im Verlauf der Arbeit verbreiterten sich die einmal angelegten Wege wie gut eingelaufene Trampelpfade immer mehr, zum Teil entstanden kleine planierte Flächen. Die "Inseln" dazwischen mit ihrer schwächeren oder stärkeren Batikmusterung bekamen zum Schluss ein paar farblich passende Perlen - grauviolett, silbern, permuttfarben - oder Knötchenstiche und damit das ganze Stück nicht nur wie eine grau in graue Suppe aussieht (wo bleibt denn das Positive?) kamen auch ein paar bunte gestickte Flecken dazu.


Den Schriftzug "Januar" stickte ich ganz simpel auf ein Stück breites Baumwollköperband. Dieses Etikett wollte ich zuerst auf der Vorderseite festnähen, letztendlich sah das aber, egal wo, wie ein Fremdkörper aus, so dass ich es schließlich auf der Rückseite befestigte.


So, und nun warte ich gespannt auf weitere Januar-Monatsseiten. Tally ist im Harz und kann gerade nicht bloggen, Kaze hat etwas mit Tyvek vor und Griselda zeigte hier schon mal einen kleinen Teaser...

11 Kommentare:

  1. Deine Wege im Januar sind sehr schön, unerwartet bunt, bei soviel Nebel.
    Liebe Grüsse, Allerleirauh, die schon gespannt auf deine Februar ist

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  2. Das erinnert mich an Tierspuren im Schnee, oder auch an die Grate, die Schifahrer um fiese Hügel in der Piste hinterlassen. Du hast ein tolles Relief gefunden.
    Und gute Worte dazu.
    Respekt!
    (Ich mag übrigens die Farbigkeit...)

    Morgen fotografier ich mal mein machwerk. Mein Ansatz ist schrecklich pragmatisch, aber so bin ich wohl gerade.....

    grüßle von griselda :-)

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  3. ich finde es sehr gelungen ! und deine worte auch ! ich finde den januar auch gräßlich..er ist soooo lang und nur ein störenfried der den frühling hinauszögert....aber er hat auch seinen reiz,wie man auch an den kleinen glitzernden hügeln auf deinem monatsbild gut erkennen kann !
    schöööön ist sie geworden !!
    stella

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  4. Über Tally habe ich hierher gefunden und ich bin von Deiner Januarseite total begeistert! Es ist spannend zu verfolgen, welche Werke zu den Monaten entstehen werden.

    LG
    Chris

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  5. Ich kann den Januar wirklich darin sehen. Das Graue, etwas verhangene mit der Sehnsucht nach dem Frühling.

    Liebe Grüße
    Eva

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  6. Großartig!
    Spuren im Nebel und im Geist. Ich kann mir dich so richtig vorstellen, wie vor dich hingestichelt hast. Das Ergebnis ist sehr persönlich und ausdrucksvoll.
    Ich freue mich zu unserer Zusammenarbeit :-)

    Herzliche Grüße
    :-Tally-:

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  7. Hallo Lucy, das ist j asagenhaft, was du da im Januarnebel so "erwanderst". Ich finde es toll, wenn man so improvisiert sticken kann!! Das würde mich auch einmal reizen - weiß aber gar nicht, wie ich das als Neuling angehen lönnte..

    liebe Grüße von ELlen

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  8. Jetzt weiss sich, was du meinst.
    Gefällt mir sehr gut die Idee - ich glaube, ich wär dafür zu ungeduldig. Passt sehr gut zu meinem Januarempfinden und zum Februar auch gleich mit.
    Hoffentlich wird dein Februar weniger trüb :-)
    LG Catherine

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  9. Ich habe sowas ja auch zum ersten Mal gemacht (und die Geduld hatte ich, weil ich mit Erkältung sonst nicht viel tun konnte). Also Ellen - einfach probieren, es gibt da kein "richtig" oder "falsch".

    viele Grüße, Lucy

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  10. So ein lyrischer Titel - es ist faszinierend, was Du aus Deinem Batikbeginn gemacht hast. Ich bin so froh Euch gefunden zu haben!
    Es macht Lust und Mut zugleich.
    Danke
    viele Grüße Karen, die noch nachholen muß

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