Montag, 3. Mai 2010

Handarbeitsbücher im Netz


Als Suschna kürzlich Blumen mit einer Anleitung aus einem Buch von 1856 herstellte, das sie bei Google Books gefunden hatte, fiel mir ein, dass ich schon über längere Zeit Quellen gesammelt hatte, die gemeinfreie Werke aus dem Handarbeits- und Schneidereibereich zur Verfügung stellen.

Der Blick auf alte Handarbeitstechniken fasziniert mich schon immer - vieles hat sich erstaunlich wenig geändert, beispielsweise das Sockenstricken oder die Filethäkelei, andere Techniken sind wohl ausgestorben, z. B. die Bändchenspitze, weil die Materialien gar nicht mehr hergestellt werden. Manches ist amüsant, wenn etwa lebenspraktische Ratschläge in das Lehrbuch für die Hobbyschneiderin eingeflochten werden, manches ist aufregend, wenn ein Buch die Schnittkonstruktionen von Abendroben der dreißiger Jahre enthüllt, oder ein Hutmacherbuch aus den 1920er Jahren Federdekorationen zeigt, die wir heute nur noch im Zuammenhang mit dem internationalen Artenschutzabkommen kennen. Vieles gefällt mir besser als Modernes, z. B. die alten Kreuzstichvorlagen von DMC oder Sajou.

Vielleicht interessiert euch das ja auch? Ich habe hier meine gesammelten Links aufgeführt, jeweils mit einer kleinen Beschreibung, was einen erwartet. Es ist jedenfalls mehr, als man in absehbarer Zeit lesen und anschauen kann, und viele Seitenbetreiber scannen laufend weitere Bücher ein. Viel Spaß!

Schneiderei und Hutmacherei

- www.vintagesewing.info: Die Seite stellt eine ständig wachsende Zahl von Büchern zur Damen- und Herrenschneiderei, zur Schnitterstellung, zur Hutmacherei einschließlich phantastischer Hutdekorationen und zum Nähen von Handschuhen aus der Zeit von etwa 1890 bis 1950 zur Verfügung, alle in englischer Sprache. Vom Inhaltsverzeichnis gelangt man jeweils in die einzelnen Kapitel.
Im Angebot sind sowohl Bücher, die sich an Hobbyschneiderinnen richteten, aber auch Lehrbücher für Profischneider oder Hutmacher. Erste geben zum Teil gleich putzige Tips, wie frau sich am vorteilhaftesten kleidet, letztere behandeln auch Themen wie die Ladeneinrichtung und die Auswahl von Angestellten - man will ja nichts dem Zufall überlassen.

Handarbeiten querbeet

- antiquepatternlibrary.org: Der Katalog enthält etwa 300 Handarbeitstitel - vom sechseitigen Heftchen mit Kreuzstichvorlagen bis hin zu dickleibigen Handbüchern, vor allem in englischer Sprache, aber auch eine ganze Menge deutsche sind darunter. Neben zahlreichen Mustervorlagen für Stickereien, Spitzen- und Häkelarbeiten finden sich z. B. auch Informationen zur Wachsblumenherstellung, zur Hardanger- und Soutachestickerei und zur Sprache der Blumen, letzteres von 1844.
Die Bücher wurden in guter Qualität eingescannt und können als pdf heruntergeladen werden. Eine Beschäftigung für mehr als einen verregneten Nachmittag.

- encyclopediaofneedlework.com: Thérèse de Dillmonts Encyclopedie des ouvrages de dames von 1884 ist ein handarbeitstechnisches Standardwerk mit vielen Illustrationen, das unter dem Titel Encyklopädie der weiblichen Handarbeiten in vielen Auflagen auch auf Deutsch erschienen ist - als Nachdruck zuletzt 1995 (Taschenbuchausgaben aus den 1980er Jahren sind antiquarisch recht günstig zu finden, falls die Webseite Appetit auf ein richtiges Buch macht). Durch die englische Ausgabe kann man sich online Kapitel für Kapitel durchklicken.
Das Buch deckt ungefähr alles ab, was man mit Nadel(n) und Faden anstellen kann, einschließlich Häkeln, Stricken, Knüpfen, Occhi. Besonders interessant die Kapitel zu Techniken der Spitzenherstellung, z. B. von Tüll- und Nadelspitzen und Irischer Spitze, die heute kaum noch ausgeübt werden.

- beetonsbookofneedlework.com: Ähnlich wie Thérèse de Dillmont deckt Beeton's Book of Needlework von 1870 fast alle nur denkbaren Handarbeitstechniken ab, der Schwerpunkt liegt auf Stickereien und Spitzenherstellung. Auch hier ist das gesamte Buch, in Kapitel aufgeteilt, online verfügbar.

Vorlagen für Kreuzstichmuster und Schwarzstickerei

- Swappons avec sof: Stickvorlagenhefte der vorletzten Jahrhundertwende, viele Alphabete. Ein Klick auf eines der Hefte führt zu Vorschauseiten, auf denen man die Muster als pdf herunterladen kann (auf die gewünschte Musterreihe klicken). Die Scans haben eine sehr gute Qualität, aber zum Teil längere Ladezeiten.

- patternmakercharts.blogspot.com: Alte französische, deutsche und russische Muster für Kreuzstich- und Weißstickerei, auch hier viele Alphabete (auch ein kyrillisches!) und Bordüren. Ein Klick auf die gelben Felder in der Tabelle oben auf der Seite führt direkt zu dem entsprechenden Vorlagenheft, das man Seite für Seite herunterladen bzw. ausdrucken kann, jeweils als Scan und als bearbeitete Stickvorlage, beide als jpg.
Andere Dateiformate (.xsd, .pat, .wxs, .chart) werden auch angeboten, ich nehme an, um mit den Mustern in Grafikprogrammen weiterarbeiten zu können (falls sich zufällig jemand damit auskennt, freue ich mich sehr über einen erklärenden Kommentar. Die .pat-Dateien sollten sich mit Gimp öffnen lassen, aber mein Gimp tut das nicht).

Ergänzung 5. 6. 2010:
- www.blackworkarchives.com: Vorlagen für Schwarzstickerei, die den typischen Mustern aus dem 15. und 16. Jahrhundert nachempfunden sind. Die Schwarzstickerei, im deutschsprachigen Raum auch als Holbeinstickerei bekannt, wird heutzutage meistens fadengebunden gestickt - einige erhellende technische Hinweise auf Deutsch von Christiane Eichler gibt es hier.

(wird ergänzt, falls ich weiteres finde)

10 Kommentare:

  1. uiuiuiui !
    da wird wohl mal eine halbe nacht draufgehen !
    danke für die tipps !!!!

    eine schöne woche
    stella

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  2. Vielen Dank für die Links! (Vintagesewing kannte ich schon, der Rest ist neu für mich.)

    (Das Wiener Nähbuch habe ich übrigens auch. ;) )

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  3. bei dem ersten sticklink bekomme ich eine französische fehlermeldung die ich mangels französischkenntnissen leider nicht verstehe :(

    ansonsten top! vielen dank!!!

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  4. Danke, danke, danke! Ich suche immer neue Zeitvernichtungslinks... Am besten sind doch immer die Einblicke in Sitten und Ansichten der Zeit, oder? Liebe Grüße,
    Uta

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  5. Britta, ich glaube der Link war nur vorübergehend nicht erreichbar, jetzt gehts wieder.
    ("Zeitvernichtungslinks" ist gut... ich wüsste da ja noch mehr...)
    vieel grüße, Lucy

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  6. Och Lucy, das ist ja unglaublich. Habe nur kurz geschaut und gleich so viele wunderbare Sachen gesehen. Mich fasziniert ja auch die irische Spitze, mit vielen Blüten/Blättern ganz durcheinander, da habe ich auch schon was entdeckt. Und ein mit Stroh gehäkelter Korb! Und die vielen Monogramme.
    Mir geht es auch so, dass ich zusätzlich noch das Gefühl mag, in eine andere Zeit einzutauschen. Daher gefallen mir Anleitungen in Originalbüchern oder Faksimile noch mal besonders gut.
    Vielen Dank, ich dachte schon, ich wäre allein mit meiner Begeisterung. Ich werde gern noch Links beisteuern, sollte ich etwas finden.

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  7. Das hätte ich nicht gedacht, dass man so viele historische Vorlagen finden kann. Dankeschön! Alte Handarbeitsliteratur ist einfach herrlich, noch schöner, wenn man live drin blättern kann, aber irgendwann sind sie so brüchig.... da ist es doch toll, dass es das Internet bewahrt.
    Lohnt sich das Wiener Nähbuch? Erstausgabe bereits 1944, da sind sicher viele Verwertungsanleitungen drin, oder? Ich kenne uralte Hefte meiner Großmiutter aus der Zeit mit dem Titel : "Alles verwenden, nichts verschwenden"
    antiquarische Grüße, Karen

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  8. Cool, das muss ich mir alles mal in Ruhe anschauen...wenn mal Zeit ist...
    Vielen Dank für die links.
    LG
    Sandkörnchen

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  9. Wow!!!!Danke, Du bist ein fleißiges Schätzchen, Dein Blog ein einziges Schatzkästchen und Du schreibst auch noch so unterhaltsam!
    Liebe Grüße von
    Ula

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  10. Alle Achtung! Die Sammlung ist der Hammer! Da werd ich wohl einige Zeit dran verweilen :-)
    Vielen lieben Dank fürs teilen!

    Liebe Grüsse,
    Ramona

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Vielen Dank für deinen Kommentar!