Sonntag, 28. Juni 2015

Stoffspielerei im Juni: Knöpfe mit Wolle beziehen


Knöpfe sind das Thema der Stoffspielerei im Juni, vorgeschlagen und gesammelt von frifris.
Ich habe endlich eine Anleitung für bezogene Knöpfe von der Strickdesignerin Kate Davies ausprobiert, die schon sehr lange in meinen ungeordneten Lesezeichen schlummerte und auf die ich zuerst durch manufacta-est aufmerksam geworden bin. Ich bin diesmal wohl nicht die einzige, die sich diese Anleitung herausgesucht hat, zeigt der Blick in meine Blogroll, und gestern Abend bei twitter entdeckte ich bei der Luise die gleiche kleine Pappscheibe, die man für die Herstellung braucht.


Das Beziehen der Knöpfe geht so: Die Wolle wird speichenförmig aufgespannt und die Speichen werden anschließend umwebt - genau wird das im Tutorial von Kate Davies gezeigt. Man webt gegen den Uhrzeigersinn und schlingt den Faden einmal über den Spannfaden, dann unter den nächsten zwei Fäden durch. Ich habe verschiedende Wollreste ausprobiert, die grüne Wolle hier unten ist Sockenwolle, da braucht man ziemlich viel Garn. Es ist aber kein Pronlem, mittendrin neu anzusetzen, Fadenende und -anfang werden dann einfach in den nächsten Runden mit überwebt. 


Wenn die Pappscheibe bis zum Rand vollgewebt ist, wird der Faden durch die Schlaufen auf der Rückseite geschlungen und das gewebte Teil wird von der Pappscheibe genommen. In die Mitte legt man den Knopf, zieht den Rand zusammen und vernäht den Faden kreuz und quer einige Male, das ist alles. Die hübsche, seeigelartige Struktur entsteht ganz von selbst. Der Knopf hat hier 2,5 cm Durchmesser, die Pappscheibe 5 cm Durchmesser.


Da die Knöpfe ziemlich dick sind, sind sie zum richtige Knöpfen durch ein Knopfloch nicht so gut geeignet. Ich kann sie mir aber sehr gut als Zierknöpfe vorstellen, zum Beispiel auf einem Mantel, der mit Druckknöpfen geschlossen wird. Man könnte hässliche Knöpfe so beziehen oder Einzelstücke aus der Knopfsammlung so angleichen. Und man könnte allerlei Dekoratives damit anstellen: Zierknöpfe auf Kissen nähen, oder mehrere Knöpfe zu einem Armband oder einem Collier zusammenfügen.


Ich bin übrigens auch ein Knopf-Aufheberin, die jedes Tütchen mit Ersatzknopf in die Knopfkiste legt und bei alter Kleidung, die nicht mehr getragen werden kann, die Knöpfe abtrennt. Da ich mittlerweile auch zwei Knopfsammlungen übernommen habe, gibt es mehrere Dosen mit Knöpfen hier im Nahtzugabe-Haushalt, in denen ich aber trotzdem oft nicht den richtigen Knopf finde.

Merkwürdigerweise habe ich in letzter Zeit gleich zwei Frauen kennengelernt, die eine leichte Knopf-Phobie haben. Die eine findet vor allem das Marmeladenglas mit Ersatzknöpfen eklig, das ihr Freund in der Küche stehen hat, und schiebt es immer außer Sichtweite, wenn sie dort ist. Das Schlimmste seien aber verlorene Knöpfe, die irgendwo auf dem Boden liegen. Ich hebe solche Knöpfe ja oft auf, wenn sie hübsch sind - das dürfte ich nicht tun, wenn U. dabei ist, denn das würde einen Ekelanfall bei ihr auslösen. Die zweite sucht sich immer Kleidung ohne Knöpfe aus, sie trägt also nur Jacken und Mäntel mit Reißverschluss, keine Blusen, und hat schon öfter Kleidungsstücke nicht gekauft, weil sie Knöpfe hatten. Ich vermute ja, dass die Abneigung gegen Knöpfe gar nicht so selten ist, nur ist das Verhältnis zu Knöpfen ja eher selten ein Gesprächsthema, daher erfährt man nichts darüber. Glücklicherweise kommt man mittlerweile durch die ganzen alternativen Verschlussmöglichkeiten auch ohne Knöpfe ganz gut durchs Leben.

Ob die ganzen Geschichten wahr sind, die sich um die Bedeutung von Knöpfen bei traditioneller Bekleidung ranken, würde ich ja auch gerne wissen. In der Literatur über Trachten liest man häufig, dass die Knöpfe aus massivem Silber waren und die Träger damit ihren Wohlstand zeigten: je mehr Knöpfe an der Jacke, desto reicher der Bauer. Oder Knöpfe in der Literatur: Die Intrige um die Diamantknöpfe der Königin bei den drei Musketieren, der Roman der "Krieg der Knöpfe" von Louis Pergaud, oder der unvergleichliche Jim Knopf von Michael Ende, für den sich Frau Waas das praktische, auf- und zuknöpfbare Loch in der Hose ausgedacht hat: nicht mehr flicken, einfach nur noch knöpfen! 

In Warthausen, zwischen Ulm und Biberach, gibt es übrigens ein Knopfmuseum, vielleicht gibt es dort noch mehr Knopfgeschichten? Für heute sammelt frifris die Knopfspielereien der Teilnehmerinnen.

*Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Im Juli pausieren die Stoffspielereien, im August geht es weiter mit dem Thema "Es war einmal ein Oberhemd" (30. 8., Susanne), im September "Falten" (27. 9., Martina), im Oktober "Spitze" (25. 10., Karen).

18 Kommentare:

  1. Hihi, da war irgendein Virus am Werk. Du hast es sehr viel ausführlicher erklärt,das ist fein!
    Ekel vor Knöpfen, das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Ich liebe sie, vor allem, wenn es gebrauchte Knöpfe sind. Da steckt für mich Geschichte drin. Gibt es wohl Bildbände zum Thema "Knopf"?
    Liebe Grüße von
    Luise

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Paul Knopf empfiehlt auf seiner Seite einige Bücher, da sind auch Bildbände dabei:
      http://www.paulknopf.de/knopf_geschichte/literatur.html

      Ich glaube der Punkt "da steckt Geschichte drin" bei alten Knöpfen könnte so ein Ansatz für Ekelgefühle sein, sofern sie einen rationalen Kern haben: man weiß nicht, wo das Teil schon war und wer es alles schon angefasst hat. Wobei echte Phobien, so weit ich weiß, komplett irrational sind. Aber so richtig reindenken kann man sich als Nicht-Betroffene sicher nicht Ich finde alte Knöpfe ja auch interessant - und wenn sie klebrig sind, wäscht man sie ab und gut ist.

      Löschen
  2. im waldviertel in österreich gibt es eine perlmuttdrechslerei, da wird noch auf so altmodische weise gearbeitet: klick
    lieben gruß, susi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. hoppla, das wollt ich eigentlich zu frifris post schreiben, sorry! :-/

      Löschen
    2. Danke, ich finde das trotzdem interessant, hier passt es ja auch hin.

      Löschen
  3. Finde ich gut, dass diese Form so in der Luft lag, und man bei dir sehen kann, wie es mehrfarbig aussieht. Knopfekel ist ja seltsam, das habe ich noch nie gehört. Nur von einem Samt-Ekel. Vielleicht sollte man mal textile Phobien sammeln.
    Und Knopfkultur insgesamt scheint ein weites Feld zu sein. "Jemandem etwas abknöpfen" soll ja auch damit zu tun haben, dass Knöpfe wichtige Wertgegenstände waren, die gestohlen/geraubt wurden.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wahrscheinlich gibt es zu jedem Objekt, mit dem Menschen zu tun haben, auch eine starke Abneigung oder sogar eine Phobie. Von Samt-Ekel hatte ich auch noch nichts gehört, finde ich aber nachvollziehbar, dass diese Stoffstruktur etwas auslösen kann.

      Löschen
  4. Diese Webknöpfe scheinen ein Trend zu werden! Aber jede von euch hat es anders interpretiert: wie gut tut Kreativität! Und lustig, dass du von Berlin aus das Knopf und Knopf-Museum erwähnst. Ich kann nur sagen, dass es ein nettes kleines, sehr persönlich gestaltetes Museum ist, mit viel Herzblut und in einem wunderbaren Gebäude. Natürlich hält man sich dort keine 6 Stunden auf: aber Oberschwaben ist auch eine Reise wert!
    Liebe Grüße
    Ines

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Den Link zum Museum hatte ich schon ganz lange in meiner Lesezeichensammlung. Schön, dass du es schon besucht hast und es weiterempfehlen kannst.

      Löschen
  5. Schön sind die textilen Seeigel! Und auch schon lange auf meiner muß-ich-mal-probieren-Liste....

    Meine Kollegin leidet auch unter Koumpounophobie (Wahnsinnswort, oder?!), findet aber vor allem helle Perlmutt- und Kunststoffknöpfe mit Löchern fies. Wir arbeiten mit einem Bastelprojekt aus lauter Knöpfen an der Desensibilisierung. Bisher mit mäßigem Erfolg.
    Ich hatte mal die großartige Gelegenheit, bei zwei Privatsammlerinnen deren hausfüllende Knopfsammlung zu bestaunen, die echte Kunstwerke beinhaltet. Die beiden haben auch einen Knopfladen mit dem bezeichnenden Namen "Tender buttons" (leider nicht um die Ecke...) und haben ein schönes Buch zum Thema herausgebracht (D. Epstein, M. Safro: Buttons).
    LG, Bele

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Irre, dass es dafür sogar einen Begriff gibt!
      Nach dem Laden musste ich gleich suchen - in New York also, wo sonst. wen das auch interessiert, hier die Webseite: http://tenderbuttons-nyc.com/
      und hier eine schöne Geschichte über den Laden: http://untappedcities.com/2011/05/31/cute-as-a-button-the-story-of-the-store-tender-buttons/

      Löschen
  6. Da habe ich damals das ja ganz richtig gemacht mit den Zwirnknöpfen, denn genauso ist der gewickelt gewesen.
    Ich hebe auch alle Knöpfe an alter Kleidung auf und habe diverses Kisten geerbt. Wie man RV favorisieren kann, statt Knopf, kann ich so gar nicht verstehen.Und die entsprechenden Gefühle dazu, hmm - seltsam.
    Die Strümpfe de Japanerinner mit dem einzelnen Zeh, wurden früher geknöpft, weil sie aus Webware genäht wurden,bevor manTrikotware erfunden hat. Beim Adel waren sie aus reinem Silber! Knöpfe waren schon Stataussymbole, heute sind sie eher Werbefläche, siehe Marken wie Chanel, etc.
    Viele Grüße Karen

    AntwortenLöschen
  7. Die Methode zum Knöpfe verschönern hat offensichtlich Gruppendynamik, nichtsdestotrotz sind auch Deine sehr schön geworden.
    Unterhaltsam zu lesen auch Deine Schilderung zu Phobien, ich mag verschlusstechnisch ungerne Klett wegen dem Geräusch, der Haptik und Schmutzmagnetismus.
    Meinem Enkel hatte ich als er 3 war mal Sternknöpfe an ein Shirt genäht. Die hat er abgerissen und gesagt. "Ich will Kreis-Knöpfe!"
    LG von Ute, einer Knopfabschneiderin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja Klett (vor allem das schreckliche Geräusch beim Öffnen) gehört auch nicht zu meinen Lieblingsverschlüssen, wobei das noch weit entfernt von einer Phobie ist.

      Löschen
  8. Oh, toll, das muss ich mir merken! Ich würde die Knöpfe auch durchaus funktional verwenden - dann eben mit Schlaufen statt Knopflöchern, da macht auch die Dicke nix aus.

    AntwortenLöschen
  9. Oh ich gestehe: Ich mag keine Knöpfe
    Und zwar überhaupt nicht.
    Ekel wäre zuviel gesagt, aber mein letztes genähtes Kleidungsstück mit Knöpfen war eine Jacke- und das ist schon ein paar Jahre her. Die letzten Wochen hatte ich ja etwas Zeit, darüber nachzudenken warum das so ist. Vermutlich liegt das an meiner alten Pfaff, da werden die Knopflöcher einfach nicht so schön wie ich mir das wünschen würde. Und da habe ich schon immer nach alternativen Verschlussmöglichkeiten gesucht und seltenst Blusen mit Knopfleiste für mich genäht. ( Hemden übrigens schon, aber die habe ich ja verschenkt und dann konnte sich jemand anders beim Bügeln über die häßlichen Knopflöcher wundern.)
    Doch, ich glaube ich habe eine Knopfphobie.
    Oder vielleicht eine Knopflöcherphobie?
    Interessant.
    ( Sonst hätte ich den mir eigenlich wichtigen Stoffspielereien-Termin nicht so sausen lassen....)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Was für ein Geständnis! Ich habe mich schon gewundert, warum du nicht dabei warst (im Ernst, du hast in all den Jahren nicht eine Stoffspielerei ausgelassen, wenn ich mich richtig erinnere). Hässliche Knopflöcher hat meine alte Maschine ja auch gemacht, über die ich mich oft geärgert habe - aber wenn so ein Teil dann zugeknöpft ist, sieht man die Knopflöcher ja nicht mehr, nur noch die Knöpfe, und damit konnte ich sehr gut leben.

      Löschen
  10. Mir geht es wie dir, ich bin auch eine Knopfabschneider- und aufheberin. Den Spinnenstich, mit dem du die Knöpfe bezogen hast, habe ich vor wenigen Wochen auch verwendet, um eine Pappschachtel damit zu besticken. Ich habe auch einen Rest Stoffwebkante mit eingewebt. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, damit Knöpfe zu beziehen. Aber die Idee gefällt mir. Früher wurden Knöpfe teilweise aus Knochen hergestellt (zu sehen beispielsweise im Zuchthaus der Burg Laibach). Ekel vor solchen Knöpfen könnte ich verstehen, aber ich kenne ehrlich gesagt niemanden, der eine Knopfphobie hat.
    Liebe Grüße
    Carmen

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für deinen Kommentar!