Posts mit dem Label Stoffspielerei werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Stoffspielerei werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 24. Juni 2018

Stoffspielerei im Juni: Rokoko trifft Mola



Willkommen zur neuen Ausgabe der Stoffspielerei im Juni! Ich habe mich in letzter Zeit sehr rar gemacht bei der Stoffspielerei, und dann auch noch mit dem Thema Rokoko eine schwierige Aufgabe gestellt, wie mir hier und da zurückgemeldet wurde. Ich kam auf das Thema, weil ich im März an einer Führung durch das Neue Palais in Potsdam und die Postdamer Textilrestaurierungswerkstatt teilnahm. Die Innenausstattung des in den 1760er Jahren gebauten Schlosses, das vor allem für Festiviäten und die Unterbringung von Gästen genutzt wurde, ist noch recht vollständig erhalten.

Die Mode des 18. Jahrhunderts, bei solchen repräsentativen Bauten wirklich keine Oberfläche undekoriert zu lassen, ist uns heute ziemlich fremd. Alles ist gemustert, mit Stoff bezogen, geschnitzt, bemalt, mit Borten, Troddeln oder Quasten geschmückt, gerahmt, vergoldet - sicherlich ein beeindruckender Anblick, wenn sich das Kerzenlicht in den glänzenden Fäden des Brokats, in den Kristallen der Lüster und in den großen Spiegeln brach.

Auch wenn spätbarocke Ornamente heute in der Inneneinrichtung nicht mehr so im Übermaß eigesetzt werden, es gibt sie immer noch - Tapeten, die die seidenen Wandbespannungen aus Schlössen nachahmen, gibt es sogar in ziemlich großer Zahl. Oder vergleicht mal die Seidentücher von Versace mit dem Fußboden im Marmorsaal des Neuen Palais! Barock und Rokoko (grob gesagt etwas zarter, heiterer, mit zarteren Farben und Asymmetrien) sind in der Dekoration erhalten geblieben - das war für mich nach dem Schlossbesuch tatsächlich eine neue Erkenntnis.


Für die Stoffspielerei habe ich versucht, ein Ornament in einer Reverse-Applikationstechnik umzusetzen,die ich schon lange einmal auspr0bieren wollte. Die Mola-Technik wurde ursprünglich nur auf einigen Inseln vor der Küste Panamas ausgeübt. Mittlerweile sieht man Molas manchmal auch auf Kunsthandwerkmärkten zusammen mit anderen Textilien aus aller Welt, und es würde mich nicht wundern, wenn Molas eínzwischen auch in Asien nachgeahmt werden würden.



Bei dieser Technik werden die Applikationsmiotive aus einem Stapel verschiedenfarbiger Baumwollstoffe von oben nach unten herausgearbeitet. Das Motiv wird aufgezeichnet und entlang der Konturen mit etwas Nahtzugabe aus der obersten Stofflage herausgeschnitten. Die Zugaben werden nach unten eingeschlagen und die Kante wird durch alle Lagen festgenäht. Aus der zweiten Stofflage, die nun sichtbar ist, wird ein weiteres Motiv ausgeschnitten, der Rand eingeschlagen und mit der Hand festgenäht, so dass die dritte Stofflage zum Vorschein kommt.



Bei den Näherinnen der Cunas in Panama entstehen so häufig abstrahierte Tiermotive, die durch parallele bunte Linien oder Schnecken strukturiert sind. Über die Technik gibt es ein Buch von Kate Mathews - "Molas", es erschien 1999 auf Deutsch im Haupt-Verlag und ist mittlerweile sehr günstig zu haben. Die Technik ist gut beschrieben, so dass man lernt, eigene Entwürfe umzusetzen, und es sind viele Fotos von Molas aus Panama enthalten. (Die Modelle im Anleitungsteil, oft Kleidung mit Dekor in Mola-Technik, entsprechen allerdings eher dem Geschmack der späten 1980er.)


Die Näharbeit erwies sich als zwar recht kleinteilig-fummelig (das Ornament hätte etwas großflächiger sein können und er verwendete Baumwollstoff vielleicht etwas feiner), aber es ist machbar. Bis zu der dritten Stofflage in Rosa bin ich noch gar nicht vorgedrungen, dazu sind die einzelnen Flächen auch größtenteils etwas zu klein. Die Applikation ist schön plastisch, und die Technik ist eine gute Möglichkeit, relativ filigrane Strukturen aus Stoff nachzubilden - als herkömmliche Applikation, also mit kleinen, aufgesetzten Stoffstücken, wäre es nur schwer möglich, so ein Ornament abzubilden.

Ich bin gespannt, was ihr aus der Vorgabe gemacht habt!

Sabine (Tyches Touch) hat eine Rokokospitze gehäkelt, angelehnt an die Muster von Nymphenburger Porzellan. 

Susanne (Nahtlust) hat eine Rokoko-Maske aus Spitzen angefertigt.

Ute (123-Nadelei) ging in Thüringen auf Spurensuche nach dem Rokoko - sehr interessant!

Annelies von der Galerie der Handarbeiten hat verschiedene Rüschenformen - Froschgoscherl und Herzrüsche - ausprobiert.



Vielen Dank allen füs Mitmachen! Ich ergänze die Liste oben noch im Laufe des Tages, sobald ich weitere Beiträge finde.

Auch die Rückseite ist interessant: Es wird immer durch alle Stofflagen genäht


Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat werden die Links mit den neuen Werken gesammelt – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Juli & August: Sommerpause
30.09.2018: „Streifen“ bei 123-Nadelei
28.10.2018: „Seide“ bei Siebensachen
25.11.2018: (Thema noch nicht fix) bei Nähzimmerplaudereien
Dezember: Weihnachtspause
27.01.2019: (Thema noch nicht fix) bei Textile Werke
24.02.2019: „Farbverläufe“ bei Schnitt für Schnitt
31.03.2019: „Geometrie“ bei Feuerwerk by Kaze

Freitag, 8. Juni 2018

Mit Naturmaterialien gefärbt: Workshop Ecoprinting

 
In meinem Kiez gibt es seit neuestem einen Gemeinschaftsgarten mit Hochbeeten auf dem Gelände eines nicht mehr genutzten Schulhofs, und weil der Garten Teil eines geförderten Projekts zum Klimaschutz ist, finden dort ab und zu auch Veranstaltungen statt. An einem schönen Sonntag Nachmittag konnte das Ecoprinting ausprobiert werden, also das Drucken oder Färben mit Pflanzen auf Stoff. Hannah Schorch, die den Workshop leitete, kannte ich von ihrem Label Erie Berlin, ihre zart gefärbten Sachen waren mir im Studio Herzberg, einem Laden für nachhaltige Kleidung an der Sonnenallee, schon vor längerer Zeit aufgefallen.

Ehrlich gesagt bin ich von Ecoprinting-Ergebnissen nicht immer restlos begeistert - im Netz sieht man manchmal Beispiele von Stoffen mit lauter fleckigen braun-grau-Tönen, die mich an einen Komposthaufen auf Stoff erinnern, das finde ich nicht so erstrebenswert. Hannahs bedruckte Stoffe sehen hingegen zart und geheimnisvoll und besonders aus, mit interessanten Farbverläufen oder Strukturen, gar nicht "Öko", sondern sehr raffiniert.


Hannah hatte färbende Pflanzen mitgebracht: getrocknete Zwiebel-, Avocado- und Granatapfelschalen, pulverisierte Krappwurzel und geraspeltes Blauholz, Kamillenblüten und getrocknete Rosen- und Malvenblüten. In einem Topf auf einer Kochplatte wurden Baumwollstoffe in einer Alaunlösung gebeizt, dadurch können die Fasern die Farbstoffe besser aufnehmen und die Farben werden haltbarer.


Das eigentliche Färben (oder genauer gesagt: Drucken) erinnert dann etwas an Kochen (und riecht auch fast so): Die Pflanzenbestandteile werden auf dem feuchten Stoff ausgelegt, der Stoff fest zusammengerollt und zu kleinen Päckchen gebunden. Die Stoffpäckchen kommen in ein Sieb über kochendes Wasser und liegen eine Weile im Dampf, wobei sich die Farbstoffe mit dem Stoff verbinden.


Dann geht es ans Auspacken und Auswaschen und an die große Überraschung: Was ist mit den Farben aus den Pflanzenteilen passiert? Färberkamilleblüten ergeben zum Beispiel kräftig gelbe Punkte, die Blauholzspäne violette Striche. Manche Pflanzenteile färben gar nicht - grüne Blätter zum Beipiel - und wenn verschiedene farbstoffhaltige Pflanzen zusammentreffen, können sich interessante Mischungen ergeben.


Ich bin größtenteils nur zu zarten Sprenkeln auf weißem Untergrund gekommen, für mehr Farbe darf man nicht so zögerlich sein wie ich - die Kinder hatten das beim Workshop besser drauf: Viel Material ergibt viel Farbe.


Ein Stoffstück (aus dem ich die Passe einer Bluse machen will) ist einfach grandios geworden. Das Stück alte Bettwäsche hatte ich zuerst in einem Sud aus Holunderbeeren gefärbt, der in einem kleinen Topf vor sich hinköchelte. Der Stoff war dann so gleichmäßig dunkelviolett, dass ich schon dachte, das könne man gar nicht weiter färben, aber Hannah gab mir den Tipp, Granatapfelschalen zu verwenden. Die getrockneten Schalen waren zu kleinen Bröckchen von etwa 5x5 mm geschreddert, die ich konfettimäßig auf dem gefärbten Stoff verteilte. Nach dem Dämpfen konnte ich das Ergebnis kaum fassen: Die Schalen hatten irgendwie mit der Holunderfarbe reagiert und den Stoff an den Stellen, wo sie lagen, zu orange bis rostrot verfärbt. Sehr schön und sehr überraschend!


Um mit dieser Methode systematisch zu färben und einigermaßen wiederholbare Ergebnisse zu bekommen, müsste man also alles notieren und am besten noch Vorher-Nachher-Fotos machen. Aber auch ganz unsystematisch bekommt man interessante Ergebnisse - und keine schlammfarbenen Fleckmuster, wie ich befürchtet hatte - und der Pflanzendruck macht großen Spaß und braucht nur ein Minimum an Ausstattung. Färben kann man auch mit Dingen, die man normalerweise wegwerfen würde: Schalen und Kerne, gebrauchte Teebeutel und verwelkte Blumensträuße, und natürlich kann man auch fertige Kleidungsstücke färben, sofern sie aus Naturfasern bestehen und sie so auffrischen, zum Beispiel wenn sie Flecke haben, die nicht mehr herausgehen. Ein spannender, sehr netter Nachmittag war das! 

Donnerstag, 1. Februar 2018

Stoffspielerei im Januar: Eine Kalenderhülle mit Biesen


Martina Machwerk hatte für die Stoffspielerei im Januar das Thema Biesen vorgeschlagen. Kein Thema, zu dem mir spontan etwas einfiel - Biesen, da denke ich an strenge weiße Blusen oder Frackhemden, bei denen solche feinen, abgenähten Falten ja oft als Schmuck im Vorderteil vorkommen.

Den Kick, Biesen wenigstens auszuprobieren, gab mir ein Prozess-Foto von ihr bei Instagram, in dem sie verschiedene Biesen mit Schnurfüllungen zeigte und dazu schrieb, sie seien mit der Zwillingsnadel genäht. Zwillingsnadel, das war mein Stichwort! Ich habe seit über zwei Jahren eine neue (jetzt nicht mehr ganz so neue) Nähmaschine, bei der ich die Zwillingsnadel immer noch nicht ausprobiert hatte. Meine alte Maschine tat sich mit der Zwillingsnadel schwer, ließ häufig Stiche aus, Jerseysäume mit der Zwillingsnadel konnte man vergessen, mit festem gewebtem Stoff ging es einigermaßen.

Ich spannte also die einzige Zwillingsnadel ein, die ich noch besaß, fädelte rechts rotes und links weißes Garn ein und nähte los. Das klappte tatsächlich tadellos, ja sogar so gut, dass der Stoff ganz glatt lag und sich zwischen den beiden Stichreihen nicht im mindesten hob. Die Zwillingsnadel funktioniert ja so, dass sich die zwei Fäden auf der Unterseite abwechselnd mit dem Unterfaden verbinden. Wenn die Fadenspannung schlecht abgestimmt ist - oder bei meiner alten Maschine auch einfach so - zieht sich die Doppelnaht dabei so zusammen, dass der Stoff zwischen den Stichreihen hochsteht und eine Biese bildet. Diesen Effekt will man normalerweise vermeiden, wenn man mit der Zwillingsnadel säumt - wenn es hingegen Biesen werden sollen, ist genau das das Ziel. Mit einem speziellen Biesenfuß kann man dann auf der Rückseite auch noch einen dickeren oder dünneren Faden mitlaufen lassen, der übernäht wird und die Biese ausfüllt und ihr richtig viel Struktur gibt. Martina hat damit richtig viel experimentiert.


Ich änderte ein bißchen an er Fadenspannung herum und erhöhte schließlich sowohl die Oberfadenspannung, als auch die Unterfadenspannung. Bei der Maschine kann man den Unterfaden durch eine zuätzliche Öse an der Spulenkapsel einfädeln und so die Unterfadenspannung erhöhen, das wird z. B. für Knopflöcher empfohlen. Die Biesen nähte ich dann diagonal in ein rechteckiges Stück Stoff, das sich, wie man oben sieht, durch die Biesen etwas verzieht. Bei einem Kleidungsstück sollte man Biesen auf jeden Fall parallel zum Fadenlauf anordnen.


Der Effekt von dicht an dicht genähten rot-weißen Biesen gefiel mir. Je nach Blickrichtung sieht der Stoff eher rot oder eher weiß aus, und er bekommt eine gewisse Stabilität und Dreideimensionalität, ähnlich wie Wellpappe.


Die Rückseite sieht auch ganz interessant aus.

So weit kam ich am letzten Wochenende, dann lag das interessante Stoffstück ein paar Tage herum. Ich wollte erst ein Reißverschlusstäschchen daraus nähen (naheliegendste Option, kann man immer brauchen, schnell genäht), aber glücklicherweise kam ich nicht dazu. Dann fiel mir ein, dass mein Kalender für 2018 noch eine Hülle brauchte. Ich kaufe immer denselben Kalender in einem Format zwischen A6 und A5 und habe mich an ihn gewöhnt - dieses Jahr gab es ihn nur in Pink mit einem Einhorn und einem blöden Spruch auf dem Umschlag, daher war ein Umschlag für den Umschlag dringend nötig.



Die Hülle - ganz einfach genäht mit zwei Klappen zum Einstecken des Kalenders - gefällt mir sehr, die tolle Haptik und die Dreidimesnionalität des Stoffes kann man mit einem Foto aber gar nicht richtig einfangen.


Auf die Rückseite des Biesenstoffs habe ich zwei Lagen Einlage gebügelt, um den eher dünnen Stoff zu stabilisieren. Da die Hülle  nur für diesen Kalender ist und nicht zum Verschenken und auch nicht ständig an- und ausgezogen wird, habe ich sie nicht gefüttert, sondern nur die Kanten zwischen den Klappen eingeschlagen und von rechts festgesteppt.


Sogar ein Gummiband zum Zusammenhalten des Kalenders konnte ich einbauen! Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis dieser kleinen Spielerei, vielen Dank Martina, für die Vorgabe, mit der ich erstmal nicht viel anzufangen wusste. Wie so oft zeigte sich mal wieder, dass man einfach machen und ausprobieren muss, nur dann passiert auch was!

Alle Stoffspielereien zum Thema Biesen finde sich hier im Machwerk-Blog.

Die nächsten Themen und Termine:

25.2.2018: Gesichter  (Nahtlust)
25.3.2018: Falten (Schnitt für Schnitt)
29.4.2018: Schlipse  (FeuerwerkbyKaze)
27.5.2018: Japan  (madewithBlümchen)
24.6.2018: Thema noch offen  (Nahtzugabe)
 
Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Sonntag, 25. Juni 2017

Typographiespielerei Schwarz und Weiß - Stoffspielerei im Juni


 Eigentlich müsste es bei mir "schwarz auf weiß" heißen, denn als ich letztes Jahr bei der Recherche nach alten Grafiken einen Katalog für Druckstöcke und Schriften entdeckte, fand ich den Inhalt so interessant und dekorativ, dass ich unbedingt etwas machen wollte. Der Katalog "Specimens of type, borders & ornaments, brass rules & cuts" ist von 1897 und kann hier bei archive.org virtuell durchgeblättert werden.

Es lohnt sich wirklich, sich ein paar Seiten anzuschauen, am besten mittendrin: Das Buch fängt sehr langweilig an, mit Preislisten, Schlagwortverzeichnissen, anschließend Linien, Rahmen und Gebrauchsschriften, aber dann kommen die dekorativen Schriften und es wird interessant. Damit man abschätzen kann, wie die Schriften wirken, sind als Beispiele Wörter und Sätze abgedruckt - oft so unsinnig und merkwürdig, dass ich mich frage: Ist das alles Zufall, oder hat sich der Setzer des Schriftkatalogs einen Spaß daraus gemacht, eine verborgene Geschichte in den Katalog hineinzuschmuggeln und ergibt das alles einen Sinn, wenn man die absurden Wortgruppen in der richtigen Reihenfolge liest? "Demolished Christmas Decorations" - "Refused Tickets" - "Graceful Buildíngs" - "Horned, wrecked, Hendersons" - "Brides desire utmost faith" - "Band played march kindhearted golden moments" - das ist doch eine Geschichte, oder?



Aber von diesen faszinierenden Minidramen abgesehen, enthält der Katalog viele schöne Ornamente, dekorative Rahmen und Signets, eben alles, was eine amerikanische Druckerei um 1897  beim Drucken von Zeitungen, Büchern, Handzetteln, Anzeigen, Plakaten, Einladungskarten gebrauchen konnte. Die Ornamente kann man auch für Grafikbasteleien am Rechner gebrauchen, ich wollte versuchen, sie auf Stoff umzusetzen.

Mein ursprünglicher Plan, auch noch ein schwarz-weiß gestreiftes Hemd wiederzuverwerten, das ich dann besticke, ist nichts geworden, weil mir jetzt am Donnerstag die allerletzte Prüfung meines Lebens dazwischengekommen ist, von dem Termin wusste ich noch nichts, als wir die Stoffspielerei-Termine verteilten. Aber ich habe schon mal einen Schriftzug gestickt, und das ging besser als erwartet.


Der Großteil der Bilder aus dem Buch sind hier bei flickr commons als Scan verfügbar. Ich habe den Schriftzug "New Ideas" in einer mittleren Größe ausgedruckt, auf Butterbrotpapier durchgezeichnet und die Zeichnung auf der Rückseite mit dem Bügelmusterstift von Prym nachgezeichnet. Dieser Transferstift sieht aus wie ein Bleistift und verbraucht sich sich gut wie nicht, ich habe meinen seit Jahren. Auf Stoff gelegt und mit mittlerer Hitze gebügelt, überträgt sich die Zeichnung mit blauen Linien auf den Stoff. Ich stecke Papier und Stoff auf dem Bezug des Bügelbretts fest, dann kann nichts verrutschen.

Wir haben uns bei den Stoffspielereien ja schon oft über Übertragungsmethoden von Vorlagen ausgetauscht, für helle, waschbare Stoffe ist der Bügelmusterstift meines Erachtens die beste Möglichkeit. Die Linien verwischen beim Nachsticken nicht, aber sie lassen sich in warmem Wasser mit etwas Waschpulver leicht auswaschen.

 
Beim Sticken muss man dann ausprobieren, ob und wie man von der Vorzeichnung abweicht. Ich habe Umrisse mit Stielstich dreifädig gestickt, teils mit kleinem Langettenstich, um die Schraffierungen des Drucks nachzuahmen, feinere Linien mit zweifädigem Garn (und bin nicht ganz fertig geworden). Bei der Vorlage ist der Hintergrund gesprenkelt, ich werde stattdessen wohl noch die Buchstaben mit Sprenkeln ausfüllen. Es macht großen Spaß, und da mir die Schriften und Ornamente aus dem Buch ungeheuer gut gefallen, werde ich nach Anwendungsmöglichkeiten suchen.

Die schwarz-weißen Projekte der Mitspielerinnen:


Ines - Nähzimmerplaudereien - hat mit schwarzen und weißen Stoffen gespielt und verblüffende Illusionen erzeugt, und sie zeigt auch, wie sie das gemacht hat.

Tyche - Tyche's touch - hat ein älteres schwarz-weißes Projekt wiederbelebt, einen Yukata, das japanische Äquivalent des Bademantels, mit Kreuzstichstickereien und Sashiko.

Textile Werke hat mit Maschinenstickerei auf Mull experimentiert.

Martina - Machwerk - hat schwarzen Stoff mit Bleichgel behandelt und hellen Stoff schwarz bedruckt und zeigt auch ganz ausführlich, wie das geht.

Mond - bimbambuki - hat gelochtes Kunstleder schwarz und weiß experimentell bestickt.

In der Galerie der Handarbeiten gibt es schwarz-weiße Falten.

Gabi - Made with Blümchen - zeigt gleich mehrere Projekte: Blackwork-Stickerei, Knöpfe und ein Täschen. 

Karen - Feuerwerk bei Kaze - näht den La-Passacaglia-Quilt in English Paper-Piecing-Technik und zeigt ihren Fortschritt.

Suschna - Textile Geschichten - arbeitet an Stoffbuchseiten im Stil von Louise Bourgeois.

Ute - 123-Nadelei - hat schwarze und weiße Oberhemden zu einer Patchworksdecke recycelt

Ich danke euch allen fürs Mitmachen, so interessante Sachen sind entstanden! Die Liste ergänze ich im Laufe des Tages, denn ich glaube, da kommt noch einiges. Jetzt muss ich erstmal bei einem Umzug helfen, heute Nachmittag kann ich dann in Ruhe schauen.

Im Juli und August ist ertsmal Stoffspielerei-Sommerpause, weiter geht es am 24. September 2017 bei Siebensachen mit dem Thema: Von der Natur inspiriert. Am 27. Oktober 2017 folgt Ute – 123-Nadelei mit Fäden auf Farbe.

Sonntag, 28. Mai 2017

Stoffspielerei im Mai: Jeans - Upcycling mit Boro-Stickerei


Jeansstoff, also korrekt benannt: Denim ist das Thema der Stoffspielerei im Mai. Griselda - Machwerke, die das Thema vorschlug und die heute auch die Beiträge sammelt, brachte mich mit dieser Idee etwas in Verlegenheit: Im Nahtzugabe-Haushalt werden wenig Jeans getragen, und die wenigen aussortierten Hosen waren schon bei früheren Experimenten zerschnippelt worden. Seit dem Jeansrock mit Fransensaum im letzten Herbst hatte es keinen Jeansnachschub gegeben, es waren nur noch etwa postkartengroße Stücke vorhanden. In den Tiefen des Kleiderschranks fand sich aber noch ein alter gekaufter Jeansrock, der da bestimmt schon 15 Jahre herumdümpelte. Zerschneiden? Und dann? Oder umarbeiten und wieder tragen?

Der Rock endete etwa eine Handbreit über dem Knie, und da er mittlerweile wie eine Wurstpelle saß und nur mit Mühe zuging, war er an mir noch kürzer als früher - der Bund wanderte in die Taille und lag nicht mehr halb auf der Hüfte.


Ich entschied mich fürs Umarbeiten und eine Rockverlängerung und -erweiterung mit meinen Jeansresten, die in der Art japanischer Boro-Stickerei verbunden werden sollten. Boro ist eine japanische Bezeichnung für Textilien, die wieder und wieder geflickt wurden. Decken oder Kleidungsstücke erhielten an löchrigen Stellen einen Flicken, der mit Sashiokostichen, einer Art Vorstich, mit dem Untergrund verbunden wurde. Manche Gebrauchsgegenstände wurden auf dieser Weise mehrmals reapriert, so dass sich interessante Stoffschichtungen ergaben. Die Stickerei, die die Stoffschichten verband, war manchmal sehr kunstvoll und bildete grafische Muster, manchmal wurden die Schichten aber auch nur grob mit unregelmäßigen Stichen zusammengefügt. In diesem Blogbeitrag sieht man einige Stücke, unter dem Suchbegriff "boro stitching" findet man im Netz viele weitere Beispiele. 

Der Jeansrock habe ich an den Seitennähten komplett aufgetrennt, den Saum aufgetrennt und einen breiten Jeansstreifen untergelegt. Den ausgeklappten Saum mit den interessant abgeschrabbelten Kanten und den Denimstreifen darunter habe ich dann per Hand mit kleinen Vorstichen mit Stickgarn verbunden. Ich habe unregelmäßig lange Reihen, abwechselnd mit hellblau, dunkelblau und mittelblau gestickt.
 

Die Streifen für die Saumverlängerung musste ich selbst auch wieder aus mehreren Stücken zusammensetzen, da nicht genügend Material da war - die Nähte habe ich mit der Maschine genäht und sie so gelegt, dass die Blautöne an den Nähten möglichst ähnlich sind. 


Die Teilungsnähte im Verlängerungsstreifen und die Oberkante des Streifens sind nicht versäubert, da ich befürchtete, die Versäuberung könnte sich durchdrücken. Nur die Nahtzugabe der Teilungsnähte hatte ich auseinander gelegt und rechts und links der Naht abgesteppt. Im Nachhinein finde ich diese Entscheidung nicht besonders schlau, das könnte alles mehr ausfransen, als mir lieb ist - wahscheinlich wäre es besser gewesen, die Oberkante des Streifens wenigstens durch eine oder zwei Steppnähte zu sichern, aber das lässt sich jetzt nicht mehr ändern.


Bei der oberen Schicht, also dem alten Rocksaum, ist etwas Ausfransen aber gewollt - und was sich auf der Innenseite tut, muss ich abwarten. Stoff-Erosion gehört bei Denim ja dazu, und es wäre möglich, eine weitere Jeansschicht aufzulegen und mit Stickerei zu befestigen, falls mir die untere Schicht wegfranst.


An den Seitennähten setzte ich einen Streifen Jeansstoff dazwischen, und auch der Bund, der praktischerweise an den Seiten auch Teilungsnähte hat, bekam einen Stoffstreifen hineinoperiert. Die senkrechten Nähte sind mit Jeansgarn abgesteppt, das kann man auf dem vierten Bild besser erkennen als hier. Der Rock hat jetzt eine leichte A-Form und sitzt wieder locker, und ich werde in den nächsten Wochen ausprobieren, wie er sich macht. Anfangs plante ich, ihn noch weiter zu besticken, aber ich glaube, ich lasse ihn jetzt erstmal so schlicht, nur mit der Boro-Stickerei.

Was bei den übrigen Denim-Experimenten herausgekommen ist, findet sich hier bei Griselda - Machwerk, vielen Dank für das Thema und fürs Sammeln! 

Thema der nächsten Runde am 25. Juni ist Schwarz und weiß hier im Blog, im Juli und August ist ist Sommerpause, ehe es am Sonntag, 24. 9. weitergeht bei Siebensachen mit dem Thema Von der Natur inspiriert und am Sonntag 29. 10. bei 123-Nadelei mit dem Thema Fäden auf Farbe.

Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Montag, 1. Mai 2017

Rope bowls ohne Nähmaschine bei der Stoffspielerei im April


Ehe ich mich noch monatelang dumm und dusselig wickele, poste ich lieber jetzt den aktuellen Stand meines Versuchs für die Stoffspielerei im April. Das Thema lautete "Seltene Techniken", und Suschna hatte in ihrem Blog Textile Geschichten schon gestern die Projekte der Mitstreiterinnen gesammelt.

Wenn es um seltene - ich intepretiere das als ungewöhnliche, nicht mehr verbreitete - Techniken geht, dann ist das "Werkbuch für Mädchen" von Ruth Zechlin ein guter Ausgangspunkt. Das Buch erschien seit den 1950er Jahren in vielen Auflagen - ich habe eines aus der 24. Auflage von 1960 - und es behandelt neben bekannten Handarbeitstechniken wie Stricken und Häkeln auch weniger gebräuchliche Techniken. Die Zielsetzung des Buches ist aus heutiger Sicht mehr als merkwürdig, neben der geschlechtsspezifischen Zuordnung im Titel gibt es z.B. eine Einleitung, in der über "Werkgesetze, die wir beachten müssen" doziert wird.

Manche Technikkapitel sind aber sehr interessant, denn Anleitungen für "Arbeiten aus Bast, Binsen und Stroh" findet man sonst kaum. Aus diesem Kapitel habe ich mich mit den Wickelarbeiten befasst. Dabei werden dicke Schnüren aus den Grundmaterialien (Binsen, Stroh) mit Hilfe von Garn zu Gefäßen zusammengefügt.  


Bei der getesteten Wickeltechnik wird das Grundmaterial (im Buch: Peddigrohr) schneckenförmig aufgerollt und mit dem Garn komplett umwickelt. Durch regelmäßige Stiche in die vorhergehende Runde verbindet man das Gewickelte zu einer zusammenhängenden Fläche.


Ich habe als Einlage ein geflochtenes Seil, eine Art Wäscheleine verwendet, die es im 1-Euro-Laden nur in den nicht so ansprechenden Farben neongelb, neonorange und neonpink gab - deshalb ein Versuch, das Seil komplett zu umwickeln. Das Garn sind Reste aus Baumwolle, das typische Topflappengarn.  


Die knappe Anleitung im Buch, die fast nur aus einer nicht sehr deutlichen Zeichnung besteht, habe ich nicht hundertprozentig nachvollziehen können. Anscheinend wird das Garn zum Umwickeln entweder in Form einer Acht um das Grundmaterial geschlungen, oder mit dem so genannten "Knotenstich", der wohl so ähnlich wie ein Knopflochstich funktioniert. Wie man diese Verschlingungen einigermaßen rationell arbeiten kann, ohne Wicklung für Wicklung mit einer Nadel zu fädeln, habe ich nicht herausbekommen, an dieser Stelle hätte ich ein Video oder wenigstens eine Folge von Bildern gebraucht.

Ich habe dann einfach das Seil immer fünf- bis sechsmal mit Baumwollgarn umwickelt, bei der nächsten Wicklung eine Runde tiefer eingestochen, wieder gewickelt wieder eingestochen - was schon viel, viel länger dauerte, als ich mir vorher vorgestellt hatte, aber ausreichend stabil zu sein scheint. Der angefangene Korb, im Moment nur eine Scheibe in der Größe eine Kuchentellers mit etwas Knick, ist das Ergebnis der Wickelei von mehreren Abenden. 

Ich hatte gehofft, eine alternative Technik zu den zur Zeit so beliebten "rope bowls", den mit der Nähmaschine aus Seilen genähten Behältnissen zu finden. Nun ja. Das Ergebnis gefällt mir zwar sehr, aber die Handnähtechnik ist so langwierig, dass ich nicht glaube, dass sich irgendjemand diese Wickelei als neues Hobby aussuchen wird. Oder ich bin einfach nicht der Typ für gewickelt-genähte Behältnisse, denn auch den Versuch mit einem maschinell genähten Korb in rope bowl-Technik bei der Stoffspielerei im Dezember 2013 fand ich ermüdend, aber immerhin benutze ich den großen Papierkorb immer noch, den ich damals gemacht habe.


Als nächstes könnte ich noch eine andere Wickel- und Nähtechnik ausprobieren, bei der das Seil größtenteils sichtbar bleibt - vielleicht komme ich dann zu dem Brotkorb, den ich eigentlich geplant hatte, denn das könnte etwas schneller gehen.

Alle Mitstreiterinnen bei den "Seltenen Techniken" findet ihr bei Susanne hier im Blog "Textile Geschichten". Die nächste Stoffspielerei ist am 28. 5. bei Griselda/Machwerke zum Thema Jeans - Blau in allen Schattierungen. Der Termin im Juni ist am 25. 6. hier zum Thema Schwarz und Weiß.   

Sonntag, 26. März 2017

Stoffspielerei im März: Zaghaftes Shibori


Für die Stoffspielerei im März hatte Karen - Feuerwerk by KaZe - das Thema Shibori vorgeschlagen. Shibori, das ist eine ursprünglich japanische Batiktechnik, bei der Stoffe gefaltet, abgebunden, verdreht, verklammert, verschnürt und dann gefärbt werden, oft mit Indigo. Die Farbe kann nicht unter die Verschnürungen oder Klammern vordringen, so dass diese Partien ungefärbt bleiben. Auf der Webseite des World Shibori Network findet man ein Verzeichnis der traditionellen japanischen Shiboritechniken und -muster. In einfacherer Form haben das die meisten von uns möglicherweise schon mal in den vergangenen Jahrzehnten ausprobiert: gebatikte-TShirts sind ja alle paar Jahre wieder populär.


Ich wollte die Abbindebatik an einem Projekt ausprobieren, das ich dann auch tatsächlich nutze und nicht nur Stoff färben. Da kam mir eine Idee gelegen, die ich schon seit 2014 mit mir herumtrage, nach dem knallbunten Miami-Vice-Anna-Kleid ein seriöseres Kleid zu nähen, ohne oder mit wenig Muster und in einer dunklen Farbe, zum Beispiel dunkelblau. Ein Shibori-gemusterte, lockere Bordüre am Rock würde der Seriosität nicht schaden.

Um das Muster gezielt platzieren zu können, habe ich die Teile des Kleids aus weißem, vorgewaschenen Baumwollbatist zugeschnitten und auf jedem Rockteil die obere und untere Begrenzung der Bordüre mit einem auswaschbaren Stift markiert.  

Zwischen den Markierungen ordnete ich kreisförmig abgebundene Stoffzipfel in verschiedenen Größen mehr oder weniger zufällig-verstreut an. Die Zipfel sind mit Filtehäkelgarn aus Baumwolle sehr fest abgebunden.  


Als Zugeständnis an die Alltagstauglichkeit, die für mich vor allem Maschinenwaschbarkeit bedeutet, färbte ich mit Simplicol-Echtfarbe, Farbton marineblau, in der Waschmaschine. Diese Farbe ist nach meiner Erfahrung wirklich absolut waschfest, allerdings glaube ich, dass man mit einem nicht ganz so langen Farbbad schönere und interessantere Batikeffekte erzielen würde. Da der Stoff über eine Stunde lang im Buntwaschprogramm durch die Färbelösung gewirbelt wird, dringt die Farbe sehr weit vor. 


Nach der zweiten Wäsche und dem Auspacken bekam ich daher vor allem zarte weiße Ringe und nur wenige interessant gemaserte Partien. Ich hätte die Zipfel alle ruhig noch etwas dicker und auf größerer Breite umwickeln können. 


Hier zum Vergleich ein Stück alte japanische Seide, die mit der gleichen Shibori-Wickeltechnik gestaltet wurde. Die Punkte, aus denen die Zweige bestehen, sind wirklich winzig! Dort ist eine Stoffmenge ungefähr von der Größe eines Stecknadelkopfes abgebunden worden. 


Meine Rockteile, hier für eine ersten Eindruck zusammengesteckt, haben eine zarte, unregelmäßige Blasenmusterung bekommen. Letztlich finde ich das so gar nicht schlecht, auch wenn ich mir die Teile etwas gemusterter vorgestellt hatte. Den Stoff für das Oberteil des Kleides habe ich mitgefärbt, es wird einfarbig dunkelblau.


Alle Shibori-Beiträge sammelt Karen hier, es gab wirklich beeindruckende Ergebnisse. Vielen Dank für die schöne Idee, Karen!

Die nächste Stoffspielerei ist am 30. April bei Suschna - Textile Geschichten, Thema: Seltene Techniken.

Sonntag, 26. Februar 2017

"Hüte müssen frech sein, frivol, man muß sie bewundern und lieben können." Stoffspielerei im Februar mit einem Hut nach einem Schnitt von 1966


Bei der Stoffspielerei ist heute Gabi /Made with Blümchen Gastgeberin, sie schlug das Thema "Kopfputz" vor. Bis zum "Putz", dem kleinen schmückenden Beiwerk, bin ich nicht vorgedrungen, aber ich habe zum ersten Mal einen Hut genäht.

Ich hatte schon lange vor, das Hutnähen auszuprobieren, weil ich einen Schnittbogen aus den 60er Jahren mit lauter Hut-Schnitten habe. Im Sommer, wenn die Sonne herunterknallt, trage ich ab und zu einen Strohhut und ich dachte schon länger, dass ich die Hutgarderobe mit selbstgenähten Stoffhüten ergänzen könnte. Die Stoffspielerei bot den Anlass, zu testen, ob das überhaupt Zweck hat. 


Ich habe mir den sogenannten "Verwandlungshut" vorgenommen, einen Hut mit einer vorne breiteren und hinten schmaleren Krempe, die auf verschiedene Arten hochgeklappt werden kann. Der Hut ist noch ganz roh und braucht auf jeden Fall noch ein schwarzes Band, das die Ansatznaht von Kopfteil und Krempe verdeckt. Das Material ist ein dünner Wollflanell, der fast wie Filz aussieht - ich wollte einen Hut nähen, den ich jetzt tragen und ausprobieren kann.


Der Schnitt stammt aus dem Buch "Selbstgeschneidert - ganz perfekt" von Ines Ruebel, Ravensburg 1966. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre, als das Buch erschien, waren Hüte schon auf dem Rückzug: es gehörte nicht mehr unbedingt zum guten Ton, in der Stadt auf der Straße Hut zu tragen. Ines Ruebel zieht daraus den Schluss: "Heute können wir unsere Hüte tragen, weil wir es gern tun, weil sie uns schöner machen und uns verzaubern,weil sie das Tüpfelchen auf dem i sind für die modebewusste Frau" und wettert gegen den hässlichen "beigen oder grauen Einheitstopf aus Filz". "Hüte müssen frech sein, frivol, man muß sie bewundern und lieben können."

Ein hoher Anspruch für ein Kleidungsstück, das heute im Alltag fast gar nicht mehr vorkommt. Gibt es heutzutage überhaupt eine echte Hutmode? Bei Designermodenschauen tragen die Models ab und zu Hüte oder andere Kopfbedeckungen, aber wie mir scheint lediglich als Ergänzung für die Show. Ich kann mich nicht erinnern, Hüte in letzter Zeit in Bekleidungsgeschäften gesehen zu haben - und Hutgeschäfte begegnen mir immer nur in kleineren Städten, und dann sind das oft Läden, in denen seit 1966 die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Hier in Berlin habe ich im Winter ab und zu Oma-Pelzhüze aus Fuchsfell (vermutlich echt) gesehen, ironisch getragen von modischen Anfangszwanzigerinnen, aber selbst das ist selten. Was sind eure Beobachtungen? Begegnen euch Hutträgerinnen?


Das Nähbuch von Ines Ruebel bietet Schnitte für eine Reihe von Stoffhüten: Pillbox, drapierter Hut, St. Tropez-Hut, aufgeschlagener Hut, Ascot-Hut und Strandhut.


Das Kopfteil des Verwandlungshuts besteht aus sieben Segmenten, ich habe sie mit gewebter Einlage verstärkt und die Nahtlinien mit Fineliner auf die Einlage gezeichnet, um ganz exakt nähen zu können. Die Nahtzugaben werden auseinandergebügelt und jeweils rechts und links der Naht knapp abgesteppt. Die Mitte des Hutes, wo alle Spitzen zusammentreffen, ist schwierig - ich habe das nicht besonders exakt hingekriegt und daher die Mitte mit einem bezogenen Knopf verdeckt, wie es die Anleitung vorschlägt.


Das Kopfteil und die an der Außenkante schon verstürzte und abgesteppte Krempe soll man verbinden, indem man die Nahtzugabe des Kopfteils nach links umbügelt und das Kopfteil dann auf die Krempe steppt. Ich habe beides erstmal von Hand zusammengeheftet...



... und anschließend gesteppt.


Und hier der höchst untaugliche Versuch, den Hut auf dem eigenen Kopf per Handy-Selfie zu zeigen:


Der Hut gefällt mir, und ich werde ihn auf jeden Fall tragen um herauszufinden, wie er sich im Alltag bewährt und was das Huttragen mit mir macht. Denn Hut-Tragen ist heute wirklich etwas anderes als vor 50 Jahren. Frech, frivol, bewundern und lieben? Das überfordert mich. Und braucht ein Hut, braucht dieser Hut eine Dekoration?

"Überlegen Sie sich dazu Variationen und Ausschmückungen, die zu Ihnen und auch zum Material Ihres Hutes passen. Mit Ripsband, Schleiern, Schleifen, Stoffblumen, Borten und Modeschmuck kann man jedem Hut eine persönliche Note geben. Haben Sie Mut und machen Sie sich ans Werk, Sie werden viel Freude dabei haben.", schreibt Ines Ruebel. 

Ich bin sehr gespannt, wie andere das Thema Kopfputz umgesetzt haben - und ob noch jemand vom Erfahrungen mit Hüten berichten kann. Die Beiträge heute sammelt Gabi - Made with Blümchen, die vor ein paar Tagen zur Inspiration schon einen Hinweis auf ein Hausschneiderei- und Hauswirtschaftsbuch von 1913 bloggte, das bei archive.org eingescannt verfügbar ist. Ich werde mir die Beiträge erst heute Abend ansehen können, vielen Dank für das interessante Thema, das ich bestimmt weiterverfolgen werde!


----------------
Die nächste Stoffspielerei ist am 26. März, Gastgeberin ist Karen und das Thema lautet Shibori.