Montag, 5. Januar 2009

Gute Vorsätze?

Ich bin ja nicht so für diese Vorsatzfasserei in der Silvesternacht. Zwar ist auch mir das Bilanzieren des vergangenen Jahres zum Jahreswechsel nicht ganz fremd – mit den Jahresrückblicken allüberall kann man sich der Bilanzstimmung ja auch kaum entziehen – aber im Grunde ist der 1. Januar so geeignet oder ungeeignet wie jeder andere Tag auch, um mit Gewohnheiten zu brechen und Neues anzufangen.



Selbstverpflichtungen in Bezug auf mein Hobby liegen mir persönlich noch weniger. Dieser Tage staune ich über die amerikanischen Nähbloggerinnen, die ihre „Produktion“ 2008 nach Kleidungsstücken, Materialien und Schnittmusterherstellern aufschlüsseln, die besten und die schlechtesten Teile 2008 küren und sich vor allem lange To-Do-Listen für 2009 anlegen. Ich finde diese Herangehensweise sehr interessant. Ein Hobby ist so nicht einfach ein Zeitvertreib, sondern eine weitere Aufgabe, die nach besten Kräften erfüllt werden muss, ein weiterer Lebensbereich, in dem messbare Ziele erreicht werden müssen.

Ich möchte niemandem solche Listen und Vorsätze schlechtreden – jeder, wie er mag – nur für mich wäre das nichts. Ich wäre froh, könnte ich die Anforderungen und Aufgaben in anderen, wichtigeren Bereichen meines Lebens nur annähernd so erfüllen, wie ich mir das vorstelle. Nähen (und darüber bloggen) ist für mich ein Freiraum, in dem ich mich austoben, von einem zum anderen springen, Fehler machen, spielen, unvollkommen sein kann, wie ich will. (Und manchmal denke ich, es wäre gut, wenn ich etwas von dieser Leichtigkeit auch auf meinen eigentlichen Beruf übertragen könnte.)

Gute Nähvorsätze und große Pläne gibt es daher bei mir nicht – nur einen kleinen, der mich nicht unter Druck setzt. Der erste Januar ist ja ein gutes Datum, um mit einem Kalenderprojekt zu beginnen. Bei t.tally habe ich von ihrem Plan gelesen, in jedem Monat eine textile Buchseite zu gestalten, eine Art immerwährenden Kalender – so weit, wie man in einem Monat eben kommt.

"Es gibt keine Verpflichtung, keine Eile, keinen selbstauferlegten Druck.
Hüpf einfach rein, wenn dir danach ist."
schrieb sie. Das war genau der Stupser, den ich brauchte.

Ich habe nämlich ein ganzes, vor Ideen überquellendes Notizbuch. Das meiste daraus kam bisher nicht zur Ausführung, weil ich dazu neige, gleich ein „richtiges“, großes Projekt daraus zu machen, das sich dann über Wochen hinzieht. Da ich im Moment vorzugsweise Kleidung und anderes Benutzbares nähe, fehlt mir dort für viele Ideen auch die Anwendungsmöglichkeit. Kunsthandwerklich gestaltete Kleidung finde ich zwar auf Ausstellungen immer ganz interessant, aber für mich, zum Tragen im echten Leben, ist das eher nichts.

Die Monatsseiten sollen meine Spielwiese sein, auf der sich diese Ideen nun tummeln dürfen. Meine Buchseiten, wobei ich mir noch nicht sicher bin, ob sie letztendlich zum Buch zusammengefügt werden, werden das Format 23 * 23 cm haben. Für Vorderseite, Wattierung und Futter bediene ich mich in meinem nicht unerheblichen Stofffundus. Die Entstehung werde ich jeweils hier dokumentieren, wenn es sich ergibt, auch als Gedächtnisstütze für mich, das Ergebnis (wie weit ich auch immer komme), gibt es dann jeweils zum Monatsende auch hier, und natürlich eine Verlinkung zu Tally und zu jedem, der sich sonst noch anschließen mag. Also, "Just hop in whenever you feel like it." Die Einzelheiten stehen hier bei Tally, und hier ist der Anfang ihrer Januar-Monatsseite.

5 Kommentare:

  1. Erstmal wünsch ich dir noch ein schönes neues Jahr!
    Ansonsten sprichst du mir ganz aus dem Herzen. Ich mag mir auch keine Pläne für mein Hobby machen - ich hab mit meinem Lohnerwerb eigentlich genug geplantes um die Ohren. Und der Spaß besthet für mich auch darin, spontan dies und das zu probieren. Mein einziger Plan ist eigentlich, besser zu werden bei der Verarbeitung und das ist ja unabhängig vom gewählten Projekt.
    Bin gespannt auf deine Buchidee, ich kann mir da irgendwie noch nichts drunter vorstellen.
    Viele Grüße von hier noch dort :-)
    Catherine

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  2. Auch im Hause Machwerk: Keine Vorsätze.
    Obwohl ich den ersten Januar für sowas schon gut geeignet finde: Da zählt es sich leichter bis zu dem Tag, an dem sie gebrochen werden.
    Tallys Idee finde ich auch gut, nur bin ich für solche Sachen zu pragmatisch. Als Abwandlung könnte ich mir vorstellen, jeden Monat ein Tischset aus den Abfallstücken der jeweiligen letzten Wochen zu quilten. Quasi als verwendbares Nähtagebuch.....
    Aber wie gesagt: Lieber keine Vorsätze ;-)
    grüßle von griselda!

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  3. Hi Lucy,
    ich freue mich zu deinem schönen Post und zu unserer Zusammenarbeit :-)
    Bei mir sprudeln die Ideen im Augenblick. Meine Zeit ist zwar genauso begrenzt wie meine technische Fähigkeiten, aber ich strebe ja keinen Perfektionismus an, sondern es überhaupt zu tun.
    Ich bin total gespannt auf deine Ideen!
    Herzliche Grüße
    :-Tally-:

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  4. eine interessante Idee mit dem Jahresbuch - etwas abgewandelt könnte ich mir das für mich auch gut vorstellen. Bei der Sache mit den Vorsätzen muss ich Dir recht geben.
    Hier aber erst mal ein dickes Lob an Dich und Deine Schreiberei. Du hast eine Art zu schreiben, die Lust auf MEHR lesen macht. Sie sorgt dafür, dass man sich mit einem Lächeln von Beitrag zu Beitrag hangelt! Dies ist ein Kompliment, dass von einem lachenden Herzen kommt :-)
    liebe Grüsse - Veri

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  5. Ja, im Moment habe ich große Lust, mal ein paar nicht-pragmatische Sachen zu machen und etwas mit Stoff zu spielen. Morgen wird gefärbt!
    Veri, nur zu! (Und Danke für das wirklich schöne Kompliment, das hat nun wieder mich zum Lächeln gebracht!)

    liebe Grüße, Lucy

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