Posts mit dem Label Rock werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rock werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 4. November 2020

Dp Studio - le 406: Asymmetrischer Rock mit Volant

Ahoi aus dem Wald hinter dem Haus heute zum MeMadeMittwoch, dem Treffpunkt für Selbstgenähtes. In den letzten Wochen war ich nähtechnisch etwas lustlos. Eigentlich liebe ich den Herbst, auch als Näh-Jahreszeit. In früheren Jahren war das jetzt die Zeit, um in Schnittmustern und herrlichen Materialien wie Cord, Tweed und leichter Wolle zu schwelgen und Nähpläne für Herbst und Winter zu machen. Tja. Wenn man fast immer zuhause ist, von zuhause arbeitet und bis auf ein paar Spaziergänge zuhause die Freizeit verbringt, ist der Bedarf an Kleidung einfach nicht so hoch. 

Mir ist noch nicht viel eingefallen, was ich jetzt gerne hätte - ich brauche einfach nichts. Daher habe ich im Spätsommer einige Schnitte genäht, die ich spannend fand (oder bei denen ich ausprobieren wollte, ob ich das tragen kann), einfach wegen des Nähvergnügens. Der Schnitt Nummer 406 von dp Studio lag seit ziemlich genau einem Jahr hier - ich hatte ihn im September 2019 beim Lillestoff-Festival ganz günstig gekauft. Der Rock besteht zum größten Teil aus einem einzigen riesigen Schnittteil für Rücken und Seiten und einem kleinen Vorderteil. Bei Version A, die ich genäht habe, wird dann noch ein Volant vorne in die Verbindungsnaht gesetzt. Eine spannende Konstruktion und ein wirklich tolles Design.

Hier sieht man die Konstruktion etwas besser: Das große Schnittteil wird an der rechten Hüfte in mehrere Falten gelegt, der Volant ist darüber eingenäht und bedeckt die Falten.

Das obere Ende des Volants wird eingeklappt und die doppelte Volantlage ist in der Naht zwischengefasst.

Der Rock ist sehr schön schwungvoll, und obwohl ich ihn schon im Sommer genäht habe (der Stoff ist ein günstiges Leinen von Karstadt) finde ich, dass er auf jeden Fall auch wintertauglich ist. Eine Nadelstreifenversion wäre toll. Oder eine Version aus Karostoff. (Aber da kommt dann wieder die Vernunft hoch, denn viele Gelegenheiten, sowas anzuziehen, habe ich derzeit ja nicht. Ich sitze zwar richtig angezogen am Schreibtisch und besitze keinen Jogginganzug, aber so einen dramatischen Rpock ziehe nicht mal ich an, wenn ich während des Tages maximal zum Mülleimer gehe.)  

Der Pullover ist auch selbstgemacht, nach eigenem Entwurf Ende 2018 aus Drops Lima gestrickt - besprochen wurde er hier.

Das Schnittmuster ist auf schönem, festen Papier gedruckt und alles nebeneinander, so dass man die Teile auch ausschneiden könnte. Ich habe kopiert und musste für das Hauptteil zwei Bögen Seidenpapier aneinander kleben. Die Anleitung besteht vor allem aus Zeichungen, inklusive Pfeilen, die zeigen, was wohin gehört, so, wie man es auch von japanischen Schnittmustern kennt. Ich tat mich erstmal schwer, die Zeichnungen nachzuvollziehen - vor allem dauerte es, bis mir auffiel, dass der obere Teil des Volants nach innen gefaltet werden muss.

Beim Ansetzen des Volants waren die erwarteten Passzeichen nicht immer vorhanden, und vorne, wo Vorderteil und Rücken/Seitenteil aufeinander treffen, ist ein Passzeichen meiner Meinung nach falsch beschriftet - man muss darauf achten, dass die rechte und die linke Seite des Rocks auf einer Höhe aufeinander treffen, dann kommt alles einigermaßen hin. An den Markierungen für die eingelegten Falten unter dem Volant habe ich auch meine Zweifel. Ich habe es nicht hinbekommen, die Falten anhand der Passzeichen so einzulegen, dass sie genau zu ihrem Gegenstück passen, irgendwie war da immer zu viel Stoff, so dass ich schließlich so gefaltet habe, wie es mir sinnvoll erschien. 

In einigen Blogposts habe ich gelesen, dass bei anderen zum Teil der Taillenbeleg nicht zum Rock passte, wobei der Fehler bei jüngeren Versionen des Schnitts korrigiert worden sein soll - das Problem hatte ich nicht. Es kann sein, dass die anderen Ungenauigkeiten bei mir beim mühsamen Abkopieren des Riesenschnittteils entstanden sind, aber davon abgesehen hätten ein paar mehr Passzeichen auf jeden Fall nicht geschadet. Wenn man erstmal weiß, wie sich die Teile zusammensetzen, dann ist der Rock nämlich schnell genäht, das ist ein Projekt für einen Nachmittag.

Den Saum der Volants habe ich einfach mit der Overlock abgekettelt, das Abgekettelte umgebügelt und von rechts festgesteppt, ganz unauffällig. Weil die gerundeten Säume im schrägen Fadenlauf liegen, ist die Kante so ausreichend dehnbar, dass man sie mit etwas Bügeln faltenfrei umschlagen kann. In der Anleitung wird vorgeschlagen, die Säume des Volants mit Schrägband einzufassen, das war mir für diesen dünnen Stoff zu mächtig. Bei festerem oder dickerem Stoff würde das Säumen kaum anders gehen - und man könnte die Einfassung in einer anderen Farbe machen als den Rock, das sähe bestimmt gut aus. 

An Nähideen mangelt es hier nicht, wie man sieht. Mal sehen, ob ich in den nächsten Wochen meine relative Näh-Unlust überwinde - und mal sehen, was die anderen heute beim MeMadeMittwoch tragen

Details zum Schnitt:

Schnitt: le 406, dp Studio (Größe 42 genäht - bei der Auswahl auf die Maßtabelle achten, französische Größen!)

Material:  1,80 m Leinen, 1,40 breit (der Stoff reichte nicht ganz, daher musste ich den vorderen Volant mit einer zusätzlichen Naht teilen), nahtverdeckter Reißverschluss, Bügeeinlage für den Taillenbeleg

Tipps: nicht auf die Passzeichen verlassen und frühzeitig überlegen, welche Art Saum zum Stoff passt  

Mittwoch, 1. Juli 2020

Le 4001 von dp Studio und die Angst, etwas zu verpassen.


Wer mit mir schon einmal auf einem Stoffmarkt war, weiß: ich bin eine ziemlich kontrollierte Shopperin (was mich allerdings nicht davon abgehalten hat, über die Jahre ein ansehnliches Stofflager anzuhäufen). Was Schnittmuster angeht habe ich ein Burda-Abo, das die meisten Schnittwünsche abdeckt und ab und zu kaufe ich gezielt einen Indie-Schnitt, den ich gleich nähen möchte oder borge mir einen aus. Bei einer Aussage werfe ich meine innere Shoppingkontrolle allerdings sofort über Bord: "Wir nehmen einige Schnitte aus dem Programm". Sagt mir, dass ein Schnittmuster bald nicht mehr erhältlich sein wird, und ich überlege fieberhaft, ob ich es brauchen kann, nein, haben muss.


Ist das eine Unterart von FOMO - fear of missing out, die Angst, etwas zu verpassen? Ich kann es mir nicht anders erklären. Dabei weiß ich doch, dass kein Schnittmuster wirklich einzigartig ist, viele sind einander sogar sehr ähnlich oder lassen sich relativ einfach nachkonstruieren. Aber gegen den Gedanken "brauche ich das - solange es das noch gibt?" kann ich nichts machen, er tritt immer auf, wenn irgendwo ein Schnittmusterausverkauf angekündigt wird.


Als der französische Schnittmusteranbieter dp Studio vor einigen Wochen ankündigte, keine neuen Schnitte für Hobbyschneiderinnen mehr aufzulegen und die vorhandenen Papierschnitte jetzt nach und nach abzuverkaufen, musste ich natürlich sofort das Angebot scannen. Die Papierschnitte sind normalerweise so teuer - und es kommt noch teures Porto aus Frankreich dazu -, dass ich mich nie zu einer Bestellung durchringen konnte. Auch jetzt fand ich sie immer noch nicht gerade günstig und es war auch nicht mehr so richtig etwas dabei, was mich reizte, aber im Sommer 2018 hatte dp einige einfachere Schnittmuster als pdf herausgebracht und die waren - und sind - ebenfalls reduziert. Und so konnte ich für 4,83 € meiner "fear of missing out" begegnen.


Der Wickelrock Nummer 4001 ist wirklich einfach zu nähen, hat man erstmal das Herauskopieren von zwei großen Schnittteilen und das Zuschneiden überstanden. Der Bund, der in ein Bindeband übergeht, besteht einfach aus einem geraden, mit Einlage verstärkten Streifen. Auf der linken Seite wird der Streifen durch einen verstürzten Schlitz in der Seitennaht geführt.


Die Form des Rocks kommt einfach nur durch den Zuschnitt der Einzelteile zustande. Vorne gibt es ein längeres, unregelmäßig viereckiges Teil, das volantartig herabfällt. Hier ist auch die Rückseite des Stoffes zu sehen, man sollte also unbedingt ein Material nehmen, das auf beiden Seiten ansehnlich ist. Ich hatte das vorher nicht bedacht und einfach Glück, dass der Stickereistoff auf der Rückseite kaum Spannfäden hat und fast so aussieht wie auf der Vorderseite. Dann ist nur noch ein sehr, sehr langer Saum mit mehreren Ecken zu steppen, und das Teil ist fertig.


Der Stoff stammt übrigens vom Stofftauschtisch der Annäherung 2016. Stickerei liegt eigentlich so gar nicht in meinem Beuteschema, zu verspielt-romantisch, bei diesem Stoff gefielen mir aber die grafisch reduzierten Blumen. Ein bisschen verspielt ist der Rock durch den zipfeligen Saum nun doch geworden, aber ich bin ganz zufrieden - ein nettes, schnelles Projekt, das ich eigentlich nur dazwischenschob, weil ich von den Patchworkhemd, das ich vorher anfing, nicht mehr so überzeugt war. Ein neues Problem hat sich aber ergeben: ich habe zu wenig einfarbige Oberteile, die dazu passen. Die alte Oberteilschwäche mal wieder.
Menschen, die ihre Kleidung selbernähen, treffen sich heute wieder beim MeMadeMittwoch. Vielleicht finde ich da ja Ideen für Oberteile.



Schnittdetails:

Rock
Schnitt: 4001 von dp studio
Stoff: ca. 2,50 m Batist mit Stickerei, Einlage für Bund/Bindeband
Der stoff muss zwei ansehnliche Seiten besitzen. 

Oberteil
T-shirt mit Knoten, 125 aus Burdastyle 8/2016 - den Schnitt hatte ich (aus anderem Stoff) hier vorgestellt
Stoff: dünner Viskosejersey
Stoff: 

Mittwoch, 6. Mai 2020

MeMadeMittwoch, Use-what-you-have-Edition

Die allerbeste private Investition der letzten Jahre: mein Stoff- und Nähzutatenlager. Hand hoch, wer sich in den letzten sechs Wochen auch zufrieden auf die Schulter geklopft hat, beizeiten ausreichende Materialvorräte angelegt zu haben! Ich konnte zuhausebleiben und weiternähen, als ob nichts wäre, und ich hätte noch Material für Projekte für die nächsten paar Monate, wenn nicht Jahre, wenn es darauf ankäme, und danach könnte ich immer noch mit den Resten weiternähen.


Die beiden Kleidungsstücke vom Foto sind aus Resten entstanden, allerdings schon Anfang des Jahres. Ich werfe Stoffreste bis auf ganz kleine Abschnitte nicht weg, sondern hebe sie, ordentlich zusammengefaltet, mit dem Gedanken auf, sie irgendwann als Kombinationsstoff zu verwenden oder mehrere Reste zu etwas ganz Neuem zu kombinieren. Wie man sich unschwer denken kann, ist es dazu bisher nicht so oft gekommen, wie ich mir gewünscht hätte. Nur die Restesammlung wurde immer größer.



Zum Jahreswechsel stand dann "endlich was aus den Stoffresten nähen" ziemlich weit oben auf der Projektliste, und dann erschien auch noch ein Artikel über Daniel Silverstein alias Zero Waste Daniel in der New York Times. Irgendwo hatte ich vor einiger Zeit schon einmal eine Artikel über seine Mode aus Stoffresten gelesen und einen Bericht gesehen (ich glaube es war dieser Beitrag) und daraufhin angefangen, alle Jerseyreste separat zu sammeln, aber es gilt ja das ewige Gesetz: Stoff sammeln ist einfacher als Stoff vernähen. Die Sache war dann doch wieder ins Hintertreffen geraten. Der NYT-Artikel war dann der Anlass, mich zur Inspiration durch Webseite und Instagram zu wühlen - außerdem gibt es einen Zero-Waste-Daniel-Youtubekanal, wo auch ein bisschen gezeigt wird, wie aus Resten ein neuer Stoff zusammengesetzt wird.



Das Shirt ist dann an einem Nachmittag entstanden. Ich suchte farblich zusammenpassende Jerseyreste aus, schüttete sie auf einen Haufen und setzte sie von den größeren Stücken ausgehend mit der Overlock zusammen. Die Schnittteile für das Shirt legte ich immer wieder auf, um gezielt Stoffstücke anzunähen, wo noch etwas fehlte. Es machte Spaß, mal so richtig ausgiebig mit der Overlock zu nähen, ich nähe ansonsten nicht viel mit Jersey. So ein Resteshirt ist das richtige Projekt, wenn man mal viel geradeaus nähen und wenig denken möchte.


Das Futter ist auch ein Rest, und weil es etwas kurz war, habe ich am Saum eine Spitzenborte angesetzt. (Außerdem muss man sich bei dem flutschigen Futterstoff dann nicht mit dem Säumen abplagen.)
Der Rock enstand auch Anfang Januar (in diesem Beitrag lag er schon auf dem Nähstapel). Der Schnitt für den "Skyline Skirt" aus dem Buch "Twinkle sews" eignet sich sehr gut für Reste, ich horte seit Jahren lauter 40-cm-Wollstoffreste allein für diesen Schnitt. Hier kombinierte ich einen Rest dunkelgraue Viskose-Wollmischung mit einem Pfeffer-und-Salz-Tweed mit Glitzer, den ich einmal in Bielefeld vom Tauschtisch mitgenommen hatte (und der beim Bügeln ziemlich giftig roch, wahrscheinlich wegen dem Lurex). Ich hätte aber noch Reste für zwei oder drei weitere Skyline Skirts.



Normalerweise würde ich diese beiden Kleidungsstücke nicht unbedingt miteinander kombinieren. Gerade was das Shirt betrifft, ist die Grenze zu merkwürdiger Ökomode wahrscheinlich fließend (oder möglicherweise je nach Betrachterin auch schon überschritten). Trotzdem hat es etwas sehr Befriedigendes, aus einer Tüte Stoffreste, die man auch hätte wegwerfen können, wieder ein richtiges Kleidungsstück zu nähen, und ich ziehe das Shirt regulär im Wechsel mit meinen anderen Langamrshirts an, meistens unter einer Strickjacke oder einem Pullover. Weitere werden sicher folgen, öko oder nicht - auch Stoff ist ein Rohstoff, mit dem man sparsam umgehen sollte, und davon abgesehen macht auch das Nähen einfach Spaß. Ein Detailfoto vom Shirt liefere ich hier noch nach - mir fällt erst jetzt ein, dass das ja interessant gewesen wäre! Bilder oben eingefügt (7.5.2020)


Menschen in ihrer selbstgenähten Kleidung treffen sich heute - wie jeden ersten Mittwoch im Monat - beim MeMadeMittwoch.

Mittwoch, 6. November 2019

Fast wie von Vivienne Westwood: Der "Trendschnitt" aus Burdastyle 10/2019

Mir passiert es selten, dass ich ein Schnittmuster sehe und denke: Das will ich unbedingt haben. In der letzten Zeit passierte mir das eigentlich gar nicht mehr (war ich früher begeisterungsfähiger?) - aber als ich vor einigen Wochen das gerade angekommene Burdaheft Oktober durchblätterte und auf Seite 72 anlangte war es wieder da, dieses Gefühl: das muss ich nähen.



Schnitt 120, "der Trendschnitt" für einen asymmetrischen Rock, war auf den ersten Blick nicht zu entschlüsseln, auch wenn die technische Zeichnung und der Karostoff des Modells einige Hinweise auf den Nahtverlauf gaben. Ich mag ja sowas! Noch ehe ich das Heft zugeschlagen hatte, ging ich schon im Kopf meinen Stoffvorrat durch. Bei den veranschlagten 2,65 Metern gab es nicht viel Auswahl (ich kaufe auf Verdacht selten mehr als 2 Meter). Am liebsten wären mir Nadelstreifen oder Schottenkaro gewesen, aber beides hatte ich nicht in ausreichender Menge. Schottenkaro, weil mich der Burdaschnitt sehr an die asymmetrischen Karoröcke von Vivienne Westwood aus der schon etwas älteren "Anglomania"-Kollektion erinnerten, zum Beispiel an diesen hier oder an diesen. An diesen Röcken hatte ich vor drei, vier Jahren ewig herumrecherchiert, im Netz nach Bildern von hinten und von der Seite gesucht, um der Konstruktion auf die Schliche zu kommen. Eines der vielen Projekte, die nach so viel Zeit für die Vorbereitung als zu kompliziert erscheinen und dadurch nie umgesetzt werden.




Der schwarze Baumwollstoff mit aufgedrucktem Ikatmuster war dann fast der einzige im Lager, der in Frage kam. Der Stoff ist eine wirklich gut gemachte Ikat-Imitation, das weiße, wie gewebt wirkende Muster ist mit verschiedenen Grau- und Weißtönen gedruckt und hat einen ziemlich großen Rapport. Der Stoff ist mittelfest und nicht allzu steif, auf der Vorderseite ist er ganz leicht angerauht (oder nach dem Waschen ganz leicht aufgerauht?), nur die helle Rückseite stört etwas, oder zumindest machte sie es für mich schwer, mir wirklich ein Kleidungsstück daraus vorzustellen.



Beim Zuschneiden habe ich dann nur auf den Fadenlauf der Schnittteile, aber nicht großartig auf die Karoplatzierung geachtet. Nachdem ich die Monsterschnittteile unter großem Papiereinsatz endlich herauskopiert und mehrfach zusammengeklebt hatte, war mir die Konstruktion des Rockes immer noch nicht richtig klar, daher wusste ich nicht, worauf ich beim Zuschneiden hätte achten sollen. Da Nähte mit ganz unterschiedlichen Winkeln aufeinandertreffen, ist es auch nicht wirklich möglich, die Karos irgendwo schön zusammenlaufen zu lassen.

Bund von innen: Der Knopf (vorne, Bildmitte) wird in das Knopfloch hinten links geknöpft (bei dem Muster sind die Fotos leider nicht sehr erhellend)
 Das Nähen war dann so weit doch ganz unkompliziert: Ich fügte einfach stur nach Anleitung die Teile zusammen und ließ mich vom Ergebnis überraschen.  Der Rock ist wie ein Wickelrock konstruiert, die unteen liegende Falte wird von innen in den Bund geknöpft, die oben liegende Falte wird durch das Bindeband gehalten. In den Teilungsnähten vorne und hinten ist jeweils auf halber Höhe eine gelegte Falte, die die Ballonform erzeugt, und in der linken Seitennaht ist sogar eine Tasche!


Der Rock hat sich durch die moderate Länge, die moderate Weite und die praktische Tasche als sehr alltagstauglich erwiesen: Da ist nirgends zu viel oder zu wenig Stoff - sehr weite und lange Kleidungsstücke können ja genauso nerven wie sehr kurze und enge. Die Oberteile dazu sollten genau bis zur Taille gehen, längeres verknäult sich mit den Bindebändern. Und ein bisschen sieht er doch wirklich nach Vivienne Westwood aus, nicht wahr?


Zusammenfassung
Schnitt: 120 aus Burdastyle 10/2019, keine Änderungen
Stoff: mittelfeste gewebte Baumwolle, schwarz-weiß bedruckt - gut 2,50 Meter/1,40 breit
Beleg innen mit Gewebeeinlage verstärkt
Pullover: Im Dezember ohne Anleitung gestrickt, mehr dazu hier. 


Viele weitere selbstgenähte Kleidung an echten Menschen heute (wie immer jeden ersten Mittwoch im Monat) beim me MadeMittwoch!

Mittwoch, 6. September 2017

Fast wie ein heißer Sommertag in China: Maxirock und Burda-Knotenshirt (125 aus Burda 8/2016)

In einem Blogbeitrag über das aktuelle oder vergangene Wetter zu reden ist in der Regel ebenso langweilig wie überflüssig, aber eines muss ich hier doch loswerden: War das ein bescheidener Sommer in Berlin! In den letzten Sommern war es immer heiß, zeitweise sogar sehr heiß, es gab Wochen, in denen man nur nach Mitternacht Türen und Fenster öffnete und sich mit möglichst wenig Bewegung durch den Tag schleppte. Dieses Jahr war alles anders, jeder leidlich warme Tag wurde sogleich von einem Unwetter abgelöst. Es schüttete und stürmte wie in den Tropen und unser Hof lief etwa einmal in der Woche voll, dazwischen gab es Phasen mit nur 18 Grad, in denen eine Strumpfhose gut getan hätte.


Und das obwohl ich mich im Frühjahr endlich nähtechnisch auf superheißes Wetter vorbereitet hatte! Schon im Mai hatte ich mir einen luftigen, flattrigen Maxirock aus dünner Viskose für die sehr, sehr heißen Tage genäht - und dann bis Juli keine dementsprechenden Temperaturen vogefunden. Und es danach nie geschafft, den einen heißen Tag zwischen den Unwettern abzupassen.


Beim Besuch der IGA, der Internationalen Gartenausstellung in Berlin, habe ich den Rock vor ein paar Tagen dann auch eher aus Trotz angezogen: Er musste jetzt einfach noch einmal raus, bevor er überhaupt nicht mehr in die Jahreszeit passt. 


Die Konstruktion des Maxirocks ist denkbar simpel: Zwei etwas ausgestellte Rechtecke, knapp einen Meter breit, an den Seiten bis auf zwei hohe Schlitze zusammengenäht. Im Bund ist ein breites Gummiband eingenäht.


In die linke Seitennaht habe ich eine Tasche eingearbeitet - im zweiten Anlauf, ich hatte den Rock schon fertiggenäht, als mir einfiel, dass ich Taschen haben wollte. Daher wurde es dann nur eine, ich hatte keine Lust, beide Seitennähte wieder aufzutrennen. 


Zum Rock trage ich ein Knotenshirt aus Viskosejersey nach Burdaschnitt 125 aus Heft 8/2016 vom letzten Sommer, ein Shirt mit überschnittenen Schultern und angeschnittenen Zipfeln zum Knoten am Ausschnitt. Letztes Jahr hatte ich ausführlich über den Schnitt geschrieben. Er neigt aufgrund des Materials zur Formlosigkeit, was aber an sehr, sehr heißen Tagen genau richtig ist.


Auf der IGA war "sehr, sehr heiß" aber nur gespielt (ich trug eine gekaufte Jeansjacke dazu), genauso wie die chinesische Landschaft im Hintergrund nur gespielt und Teil der Gartenausstellung ist. Den Chinesischen Garten kann man als Teil der "Gärten der Welt" in Berlin-Marzahn auch nächstes Jahr noch besuchen - für den größten Teil der Gartenausstellung und vermutlich auch für die Seilbahn gilt das nicht, da ist am 15. Oktober wohl Schluss. Wer einen ein-Tages-Kurzurlaub in allen möglichen Landschaften machen möchte, sollte sich also beeilen!

Echte Urlaubsgeschichten gibts heute im MeMadeMittwoch-Blog, der wöchentlichen Vernetzungsaktion für selbstgenähte Kleidung.


Mittwoch, 22. März 2017

Im Weihnachtsrock (115, Burdastyle 2/2016) beim MeMadeMittwoch


Es ist ja langsam gar nicht mehr erklärlich, wie lange ich an diesem schnitttechnisch nicht allzu komplizierten Teil genäht habe: Die erste Planung fand beim Weihnachtskleid-Sewalong statt, zur Annäherung im Januar ließ ich es dummerweise zuhause, und bei einem Nähtreffen hier in Berlin kam ich über das Zusammennähen der Außenhülle und das Verstürzen der oberen Rockkante mit dem Beleg nicht hinaus. Ich muss bei diesem Treffen vor allem Kaffee getrunken, gequatscht und gegessen haben, anders kann ich mir den quasi nicht vorhandenen Nähfortschritt nicht erklären. 


Der Schnitt 115 aus Burdastyle 2/2016 kommt im Heft ohne Futter aus, sehr ungünstig, wenn man wie hier einen brokatähnliches Jacquardgewebe mit sehr rauher Rückseite verwendet. Den Stoff bekam ich günstig als Rest, er ist im Grundton dunkelviolett und leicht glänzend mit einer eingewebten, schwarzen Wellenstruktur. Die schwarzen Musterlinien sind erhaben, matt und etwas flauschig.


Im Schnitt ist ein Stoffgürtel vorgesehen, der entlang des Rückenteils am Rock festgenäht werden soll. Dazu konnte ich mich bisher nicht entschließen. Der Rock sieht auf dem Bügel mit nur festgestecktem Gürtel vollständiger aus als ohne, aber zusammen mit einer Strickjacke getragen, wie zum Beispiel im Foto oben, ist mir der Gürtel irgendwie zu viel. Ganz schlicht finde ich den Rock in der Kombination schöner. Ich glaube, ich mache für den Gürtel noch ein paar unauffällige, gehäkelte Garnschlaufen und nähe ihn nicht fest, was meint ihr?



Durch den steifen Stoff kommen die Details - Falten im Vorderteil, Taschenklappen - gut heraus. Die schwarzen Posamentenknöpfe passen genau, sie hatte ich noch in der Knopfkiste. Ich hatte sie ursprünglich in Regensburg für eine moosgrüne Samtweste mit schwarzem Posamentenbesatz gekauft, die ich etwa 1994 nähte.


Für den Verschluss bin ich, damit es schlicht bleibt, auf von außen nicht sichtbare Druckknöpfe ausgewichen. 



Das Futter ist oben am Beleg verstürzt und an den Seiten und am Saum mit der Hand anstaffiert, also so unsichtbar wie möglich angenäht. Das war alles wirklich nicht weiter kompliziert, aber die Hürde, erst einen Futterschnitt selber machen zu müssen und das Handnähen haben mich dieses Mal sehr aufgehalten.


Ich bin ganz zufrieden mit dem Rock, den Stoff mag ich sehr, mir gefällt die Struktur und der Wechsel von matt und glänzend. Da der Stoff so steif ist, könnte der Rock auch alleine stehen, daher ist so ein Wickelrockschnitt günstig, denn er kann weniger einengen als ein normaler schmaler Rockschnitt.

Ich gebe zurück zum MeMadeMittwoch, dem wöchentlichen Treffen für selbstgemachte Kleidung. Schaut auch mal hier - es gibt einige Neuerungen beim MeMadeMittwoch, nämlich einen Motto-Mittwoch im Monat. 

Zusammenfassung:
Schnittmuster: 115/ Burdastyle 2/2016, Größe 38 mit etwas mehr Notfallnahtzugabe ("Angstzugabe" nannte das passenderweise mal eine Kundin im Stoffladen)
Stoff: 1,50 m Jacquard aus Polyester/Viskosemischung - der Gürtel ist in der Mitte geteilt, wäre aber vermutlich auch komplett auf den Stoff gegangen, wenn ich beim Zuschneiden rechtzeitig daran gedacht hätte.
Futterstoff für die vorderen Taschenbeutel und für das Futter
Taillenbeleg und angeschnittene Belege an den Vorderkanten der Vorderteile mit dünner Bügeleinlage verstärkt.  

Mittwoch, 18. Januar 2017

Niederländischer Barock-Rock, ein Falten-Tellerrock nach 700Sachen


Manche Kleidungsstücke leben allein von dem Stoff, nicht vom Schnitt, oder werden überhaupt erst erdacht, weil es einen bestimmten Stoff gibt. Mit dem barocken Blumenrock, desen Muster mich an ein altes, niederländisches Stilleben erinnert, ging es mir genau so: Ich fand den Stoff auf dem Markt an meinem Lieblingsstand und hätte ihn fast übersehen, weil das riesige Muster auf dem Ballen gar nicht zu erkennen war. Man sah vor allem unattraktive gelb-grün-Nuancen, aber weil der Stoff einen schwarzen Untergrund zu haben schien (Schwarz geht immer!) und sich gut anfühlte, rollte ich ihn ein Stück aus.

Suppentellergroße Blüten und fleischige Blätter erwarteten mich - ich glaube, es sind Pfingstrosen. Den ausgebreiteten Stoff hatte ich kurz nach dem Fund im November 2015 schon hier gezeigt. Die Messingtöne der Blüten passen zufällig sehr gut zum Schirmständer im Nähkontor, wo das Foto gemacht wurde.


Den in Muster und Stoffqualität so wunderbaren Fund wollte ich schon im Rahmen des Vivienne-Westwood-Sewalongs vernähen, zu einem Rock, wie es sie in der Anglomania-Kollektion gibt, wusste aber nicht so recht, nach welchem Schnitt. Der Stoff wanderte erst auf den "bald-nähen"-Stapel auf dem Bügelbrett und nach und nach auf weiter entfernte Stapel.


Im Lauf des letzten Sommers fiel mir dann die Anleitung für einen Falten-Tellerrock von Siebenhundertsachen wieder ein: Sie hatte den Schnitt eines H&M-Rocks analysiert und ein Schema für die Konstruktion bereitgestellt. Es handelt sich im Prinzip um einen halben Teller, der in Kellerfalten und Quetschfalten gelegt ist - einfach, aber sehr wirkungsvoll.


Für den Bund habe ich einen Formbundschnitt von irgendeinem Burdarock verwendet, der hier als Standard-Bundschnitt herumfliegt. Der Saum ist mit schmalem schwarzem Schrägband verstürzt.

Weil der Stoff viel Stand hat, ist der Rock ziemlich voluminös, fällt aber trotzdem angenehm und knittert wenig. Der Stoff ist aus reiner Baumwolle, würde ich sagen, etwas gekreppt, mit eingewebter Struktur - wie ein typischer Küchengardinenstoff Jahrgang 1965, also ungefähr das gleiche Material, aus dem Die Luise heute als Gastgeberin beim MeMadeMittwoch einen Rock zeigt, nur dass ihr Stoff  wirklich alt ist.

Material: "Vorhangstoff" aus Baumwolle, etwa 1,80 m vom Markt, schwarzes Schrägband, nahtverdeckter Reißverschluss, schwarzer Futterstoff. 

Schnitt: Faltentellerrock, selbstgemacht nach Schema von Siebenhundertsachen
Strickjacke: selbstgemacht aus drops Baby Merino kombiniert mit Kid silk, hier noch nicht verbloggt.

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Weihnachtskleid-Sewalong: Planlos glücklich oder: Dior für Arme


Beim Weihnachtskleid-Sewalong im MeMadeMittwoch-Blog ist nun schon das dritte Treffen, und auch wenn ich es beim zweiten Treffen nicht schaffte, meinen (im übrigen nicht vorhandenen) Fortschritt zu posten, bin ich noch nicht ausgestiegen. Gestern gab ich mir einen Tag frei, schlief mal richtig aus und versuchte so, dem Ansatz einer Erkältung abzuhelfen. Nachmittags konnte ich mir dann Gedanken über das Weihnachtsoutfit machen und etwas nähen.

Ich bleibe im wesentlichen bei den Plänen aus dem ersten Treffen und nähe jetzt erstmal drauflos. Wenn ich dann kein selbstgenähtes Oberteil habe, macht das gar nichts, denn ein quergerippter, uralter schwarzer Kaufpullover würde gut zu allen Rockplänen passen. Das geplante kastige Oberteil mit den gerüschten Ärmeln würde ich auch gerne nähen, aber wahrscheinlich wird das nichts bis Weihnachten. Dunkelgrauer Sweatshirtstoff wäre als betont lässiges Material für diesen Schnitt bestimmt ganz gut, als Kontrast zu dem Ärmelchichi.   


Mit dem Wickelrock aus Burdastyle 2/2016 (Nr. 115) habe ich schon mal angefangen. Der dicke Jacquard passt sehr gut zum Schnitt und lässt sich angenehm nähen und sogar gut bügeln.


Die Taschenklappen an den Hüftpassentaschen gefallen mir sehr, und in meiner Knopfsammlung findet sich bestimmt etwas Passendes. Die Unterseite der Klappen schnitt ich aus schwarzem Futterstoff zu, genauso wie die vorderen Taschenbeutel, dann werden die Lagen am Tascheneingriff nicht so dick. Jetzt muss ich erstmal einen Schnitt für das Rockfutter basteln - bei Burda ist der Rock nicht gefüttert.

Auch über das Projekt Paillettenrock habe ich weiter nachgedacht und eine neue Idee ausgebrütet. Der Paillettenstoff ist ja eine Art feiner Tüll, querelastisch, auf den kleine schwarze Pailletten in mäandernden Linien aufgestickt sind. Einen schwarzen Stoff als untere Lage zu verwenden, wäre das Naheliegendste, aber auch das Langweiligste - auf diese Erkenntnis brachte mich eine Kollegin bei meinem Nebenjob im Stoffladen: Wir hatten etwas Zeit, sinnierten über die halbtransparenten Paillettenstoffe, die es dort gibt, und sie entdeckte, dass ein Stoff mit Blattformen aus feinen goldenen Pailletten auf schwarzem Tüll einfach göttlich aussieht, wenn man pfefferminzgrüne Viskose darunter legt. Ein Tanzkleid wie aus den 1920er Jahren könnte man sich daraus vorstellen.

Gleichzeitig kam mir die Dior-Frühjahrskollektion 2013 in den Sinn - gegen Ende des Defilees gibt es lauter Kleider aus transparenten Stoffen mit blütenartigen Verzierungen aus bunten Perlen und Pailletten, ganz zart und eher fröhlich als festlich. Beim gedanklichen Durchblättern meiner Stoffsammlung fiel mir dann ein cremefarbener Viskosejersey ein, mit aquarelliert wirkenden, wie hingetupften grauen und gelben Blüten:


Die zwei Meter hatte ich schon unter "schön, aber eigentlich ein Fehlkauf" verbucht, weil mir die Farben überhaupt nicht stehen. Aber als Rock mit einer zarten Lage schwarzem Tüll darüber, sieht es schon ganz anders aus:


Schwarze und braune Pailletten zum Aufnähen sind sogar auch noch vorhanden, Glasperlen in hellen Farben (weiß, gelb) sollten sich finden lassen - wenn ich Zeit und Lust habe, könnte ich den Tüll stellenweise mit weiteren Pailletten verzieren. Bei Pinterest gibt es eine Pinnwand dazu.

Ich verspreche mir davon, dass der Paillettenrock nicht ganz so düster-ernst-festlich-elegant wird und damit etwas alltagstauglicher - es könnte aber auch passieren, dass ich statt Dior für Arme einen bunt-glitzernden Alptraum herstelle. Ich habe aber gerade große Lust, so ein verspieltes und möglicherweise albernes Stück anzugehen und lasse mich überraschen, wie es wird.

Die Weihnachtskleidnäherinnen versammeln sich hier beim Weihnachtskleid-Sewalong im MeMadeMittwoch-Blog.