Dienstag, 15. April 2014

Who made your clothes? Fashion Revolution Day

Logo: fashionrevolution.org
Am 24. April jährt sich zum ersten Mal der Einsturz des Rana-Plaza-Fabrikgebäudes in Dhaka, Bangladesch, bei dem mehr als tausend Textilarbeiterinnen und Textilarbeiter starben. Das Erschrecken über dieses unvorstellbare Unglück währte nur kurz: Nachdem im Mai 2013 eine Reihe von Textilfirmen ein Abkommen zur Feuer- und Gebäudesicherheit abschloss, dessen Überprüfbarkeit allerdings bezweifelt wird, verschwand das Thema weitgehend aus den Medien. Die Entschädigung der Überlebenden und der Familien der Opfer kommt nur schleppend voran, denn viele europäische und amerikanische Bekleidungsfirmen, Auftraggeber der Textilbetriebe in Dhaka, zahlten noch nicht in den Entschädigungsfonds ein. Wir reden hier über ein Volumen des Fonds von 40 Millionen Dollar - zum Vergleich: allein der spanische Textilkonzern Inditex (Zara, Massimo Dutti), der im Rana Plaza produzieren ließ, wies für 2012 einen Gewinn von mehr als zwei Milliarden Euro aus, in diesem Jahr werden allein 1,5 Milliarden Euro an die Anteilseigner ausgeschüttet.

Am 24. April, dem Jahrestag des Unglücks, soll an die unzähligen Menschen erinnert werden, die an der Herstellung der Kleidung beteiligt sind, die wir tragen, und die oft unter erbärmlichen Bedingungen in der Textilindustrie arbeiten: an die Menschen, die Baumwolle anbauen und ernten, die spinnen und färben, weben und nähen. Unter dem Hashtag #InsideOut bei twitter oder facebook gepostete Outfitfotos, bei denen die Kleider mit den Etiketten nach außen getragen werden, verbunden mit der Frage "Who made your clothes?" sollen das Nachdenken über die Herstellungsbedingungen unserer Kleider und den gedankenlosen Textilkonsum in Gang setzen. Ein Textilkonsum, an dem auch Selbermacherinnen beteiligt sind - wenn sie auch die letzten Stufen des Produktionsprozesses selbst ausführen. Die Hoffnung ist, dass mit der Geste #InsideOut eine weltweite Bewegung entsteht, die einen Wandel in der Mode- und Textilindustrie bewirken kann - einen Wandel hin zu einem Wirtschaftszweig, in dem der Gewinn nicht auf Kosten von Menschen, Umwelt und Kreativität erzielt wird.     


Links:
Fashionrevolution.org, Informationen über Veranstaltungen in Deutschland zu Zeit nur auf der dt. Facebookseite. 

Kurz gefasst erklärt: Warum unsere derzeitige Bekleidungsproduktion und unser Textilkonsum ein globales Problem sind.

10 Kommentare:

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag!!
    Diese Aktion verfolge ich seit ein paar Tagen auf Facebook.
    Es macht mich regelrecht wütend, wie die Menschen in den Billiglohnländern ``verheizt´´ werden.
    Mit welchem Recht?
    Hab vielen Dank für´s ``wach rütteln´´!
    Liebe Grüße von Heike

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  2. Ja, ja, ja und nochmals ja. Vielen Dank für die Info, war bislang tatsächlich an mir vorbeigegangen.
    Eine superwichtige Sache, finde ich.

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  3. Ganz toller Beitrag - danke! Ich wusste gar nicht von diesem Tag und finde sein Anliegen in einer Schwemme von "Gedenktagen" auch sehr wichtig. Dies ist ein Thema, von dem wir nicht nur in bestem Gutmenschentum und Sofakaktivismus schwafeln können, sondern auch etwas dagegen tun! Auch gefällt mir, dass die Aktion die Absicht hat, die Leute zum Nachdenken anzuregen und zur Selbstreflektion, anstatt moralisch mit dem Dampfhammer zu predigen. Super Aktion!

    Das Selbermachen hat mir vor allem Wertschätzung für Kleidungsstücke gegeben,wenn man erst einmal selber genäht hat, weiss man, wieviel Arbeit dahinter steckt.

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    1. Ja, das gefällt mir auch, dass nicht moralisiert wird, sondern auf einen Bewusstseinswandel hingearbeitet wird, so dass die Textilindustrie gezwungen ist, nachzuziehen. Das geht nicht von jetzt auf gleich, aber letztendlich hatten wir vor 150 Jahren in Europa auch Produktionsbedingungen wie jetzt in Bangladesch, und es hat einen Wandel gegeben.

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  4. vielen dank für diesen artikel !
    es ist unerlässlich unermüdlich darauf aufmerksam zu machen..!
    eine weile schon plagt mich der gedanke nach öko und fairen stoffen, die ich gerne ausschließlich verarbeiten würde...aber mein konsumhund ist doch oft auch fehlgeleitet...und schlecht erzogen.
    oft bringt es aber auch was genauer darüber nachzudenken...dann erledigen sich kaufwünsche doch auch ziemlich schnell ( wenn man starken willens ist ).

    liebe grüße
    stella

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    1. Ja, mit dem Selbermachen ist man ja noch nicht aus der Nummer raus. Ich lüge mir in der Hinsicht ja auch gerne in die Tasche: Sind ja nur die Überschüsse aus der Konfektion, die ich auf dem Markt kaufe... Ich habe schon ganz lange einen Artikel über umweltfreundlichere, fair produzierte Stoffe angefangen, vielleicht schaffe ich den in der kommenden Woche.

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  5. Vielen Dank für die Links und die Erinnerung an den Jahrestag. Tatsächlcih müssten wir Selbermacherinnen noch einmal in einem größeren Maße reflektieren, dass unser Wunsch nach billigem Stoff auch auf dem Rücken anderer ausgetragen wird.
    Liebe Grüße,
    Juli

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  6. Danke für Deine missionierungsfreie Erinnerung an diesen Tag.
    Es ist wichtig, diese Fakten immer mal aus dem Gedächtnis nach vorne zu kramen damit sie präsent sind, wenn wir Konsumentscheidungen treffen.
    LG Ute

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  7. Sehr wichtiger Post! Vor einiger Zeit hab ich bei Muji ganz zufällig ein Gespräch mitbekommen, wo eine Kundin die Verkäuferin nach der Produktionsstätte der Ware gefragt hat. Es hat sich eine längere Diskussion entwickelt, aber eine Antwort auf ihre Frage hat sie natürlich nicht bekommen. Auch wenn ich die Aktion als sehr sinnvoll finde, bin ich der Meinung, dass es noch sehr, sehr langer Weg ist bis sich tatsächlich etwas ändert. Dazu muss sich unser Kaufverhalten ändern und momentan bewegen wir uns leider kein bisschen in die richtige Richtung. Ich selbst kaufe zwar mittlerweile sehr wenig Kleidung aber über die Herkunft meiner Stoffe weiß ich auch nichts. Ein Thema das mich schon seit Langem sehr beschäftigt!

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  8. Auch von mir Danke für den Beitrag. Ich denke aus genau diesem Grund schon länger über noch langsameres und sorgfältiges Nähen von Kleidungsstücken die mindestens 4 Jahre halten nach. Auch das Wiederverwerten von alten Kleidungsstücken bzw. das Umändern wird mir immer sympatischer. Schöne Ostern Mema

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