Donnerstag, 3. April 2014

Wochenrückblick: Burda-Vorschau, Tage des Kunsthandwerks und Taschengeschichte


Wenn man schon etwas länger bloggt, ist es toll, dass man immer nachschauen kann, was man vor einem Jahr um diese Zeit so getrieben hat. Oder genäht hat. Oder gestrickt hat. Eine gewisse handarbeitstechnische Unlust scheint mit dem Frühjahr einherzugehen, das war schon 2013 so.

Ich kenne das schon: ich bin unfähig, mir im Voraus zu überlegen, was ich im Sommer anziehen möchte. An den ersten richtig warmen Tagen - voraussichtlich am Wochenende - werde ich in meinen schwarzen Strumpfhosen herumlaufen und mir deplatziert vorkommen. Wie jedes Jahr werde ich über hautfarbene Strumpfhosen nachdenken, sie aufgrund von Assoziationen (Weißwürste, Alice im Wunderland, Katharina Witt) verwerfen und mich fragen, wie ich mich am besten in die strumpfhosenlose Zeit hinüberrette. Und wenn es dann richtig Sommer wird, werde ich keine Oberteile haben.

Hilfe zur Kleiderplanung ist da draußen ja reichlich vorhanden, die Serie "Mein Kleiderschrank und ich" bei Tessa habe ich zum Beispiel sehr gerne gelesen, und im Colette-Blog läuft gerade eine Artikelserie zum gleichen Thema. Auch theoretisch ist mir die Abfolge nachdenken - ausmisten - Vorhandenes ergänzen vollkommen einsichtig. Aber die Praxis! Mein Kleiderschrank spricht nicht zu mir, jedenfalls nicht jetzt, der Kopfkleiderschrank bleibt leer, mich kann gerade gar nichts so recht begeistern.

Aber wenigstens das Gärtnern macht Freude. Ich bepflanze ja seit einigen Jahren als Guerilla-Gärtnerin die Baumscheibe des Straßenbaums vor dem Haus, also die freie Erde rund um den Baum. Die Anfänge waren mühsam: Im ersten Jahr war das eine betonharte Fläche, in die ich erstmal einen Sack Blumenerde einarbeitete, ohne wahrnehmbaren Effekt übrigens. Die übereifrige Straßenreinigung harkte meine Pflänzchen weg, ließ aber die Hundescheiße liegen. Andere Pflanzen ergaben sich in kürzster Zeit dem Hundeurin. Mal stand ein kaputter Staubsauger in der Baumscheibe, mal ein halbes Dutzend Schnapsfläschchen. Mal rupfte jemand die blühenden Tulpen mit Stumpf und Stiel ab, dann kam ein Winter mit Temperaturen weit unter Null, ohne Schnee - Kahlfrost. Dieses Jahr habe ich das erste Mal das Gefühl: das wird was! Durch den milden Winter sind die Pflanzen kaum heruntergefroren und die Erde scheint sich belebt zu haben. Letzte Woche pflanzte ich ein paar Hornveilchen und fand in jedem frisch gegrabenen Pflanzloch einen richtig fetten Regenwurm. Zum Vergleich: so sah die Baumscheibe im April 2013 aus.       

Und sonst so? Die Selbermachlinks der Woche:

Die Vorschau für Burdastyle 5/2014 gibts seit einer Woche. Interessant finde ich - so weit man etwas erkennen kann - das Shirt mit dem Knoten am Ausschnitt von Bild 16 und die blaue Bluse von Bild 19. Dann kommen ein paar sehr seltsame Sachen (Federpuschelarmbänder? Lederfransen? Gladiatorentops?), das gestreifte Sommerkleid von Bild 37 könnte auch ganz schön sein, auch wenn ich den Eindruck nicht loswerde, dass es aus Ikea-Dekostoff genäht wurde. Aber das lässt sich eigentlich immer erst beurteilen, wenn das Heft und die Schnittzeichnungen da sind.

Die Tage des Kunsthandwerks gibt es in anderen europäischen Ländern schon länger, dieses Jahr ist zum ersten Mal auch Berlin dabei. Vom 4. bis zum 6. April öffnen zahlreiche Kunsthandwerkerinnen und -handwerker ihre Ateliers und Werkstätten und lassen sich über die Schulter und hinter die Kulissen gucken, das vollständige Programm findet sich hier.

Ich vergesse immer wieder, was für informative und unterhaltsame Artikel das Londoner Victoria and Albert-Museum auf seiner Webseite über seine Sammlungen veröffentlicht, wie zum Beispiel diese  Geschichte der Taschen vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Wahrscheinlich könnte man dort tagelang über Textilien und Mode lesen, warum tue ich das eigentlich so selten?

Was macht eigentlich so eine Modedesignerin? Annette Rufeger erzählt in dem neuen Blog Was machen die da? von ihrem Beruf: "Am allermeisten Spaß macht es, wenn du ein neues Teil genäht hast. Wenn es fertig ist und du siehst: supertolle Hose. Das ist der Hammer!" (via @FrauCrafteln)

14 Kommentare:

  1. Ich lese deine Rückblicke immer sehr gerne! Und bin auch im Frühling und Sommer etwas weniger nähfreudig, vor allem weil ich dann lieber draussen an der Sonne bin und mich gerne viel bewege. Ich finde die Übergangszeit auch nicht so einfach, war ich diese Woche auch dementsprechend langweilig gekleidet und hatte oft Leinenhosen an - ich liebe sie aber.

    Die Burdavorschau gefällt mir persönlich jetzt sehr gut, ich bin gespannt! Und danke für den Hinweis auf das Victoria-Albert-Museum, im Gegensatz zu deinen vielen Tipps zu Berlin kann ich nämlich dort tatsächlich hingehen, weil ich im Mai nach london fliege.

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    1. Oh, ich bin sehr neidisch auf London im Mai! Viel Spaß im V&A - lass dich am besten da einschließen.

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  2. haha...mir fällt zwischen schwarzen strumpfhosen und den nackten beinen auch nichts ein. so trage ich hier im bayrischen süden bei wunderbar warmen frühlingswetter schmollend: Hosen!!! ich glaubs ja nicht...irgendwie bin ich nicht ich selbst, seufz
    nach ein paar schönen burdaheften gefällt mir die nächste ausgabe in der vorschau nicht so sehr...mal sehen.
    viele grüße
    mimi

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    1. Um diese Zeit denke ich auch öfter, ich muss mal Hosen nähen, wenigstens eine schwarze Leinenhose und eine Cordhose hätte ich doch gerne wieder, um die Zeit "dazwischen" zu überbrücken.

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    2. Ja, ich rette mich auch mit Hosen. Denke mir aber, dass ich mehr nach hellen Strumpfhosen suchen will, nicht die klassischen hautfarbenen sondern andere, besondere. Oder durchsichtige dunkle. Ist schon mehr Anziehstress als im Winter. Aber im Sommer mag ich es auch nicht, da fehlen mir dann die hübschen UND bequemen Schuhe. Von mir aus kann es gern noch ein bisschen kühl bleiben.

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    3. ja, aber was ist das nur mit DIESEN Strumpfhosen? warum sind die bloß so unbeliebt? meine mutter trug nichts anderes, gab ja keine alternative(oder?). mit den durchsichtigen dunklen kann ich mich auch nicht anfreunden...
      hosen nähe ich nicht selber, da habe ich null ambitionen -
      meine näh-ehre rette ich beim hosentragen mit den oberteilen, sprich blusen. Obwohl ich immer denke, ich mag sie nicht(immer schwierig für mich ist die kragenlösung), trage ich sie dann sehr gerne - heisst, ich "vergesse" sie schlichtweg, sobald ich sie angezogen habe. Das ist immer ein gutes Zeichen;-)
      viele grüße
      mimi

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  3. Gerne habe ich hier mal wieder ausführlicher gelesen... und ja! es ist kleidungstechnisch irgendwie eine seltsame Zeit - gerade diese Zeit, wo man dann gerne Röcke ohne Strumpfhosen tragen würde, es optisch aber grauslig findet - und sich nach dem Winter auch wieder daran gewöhnen muss, viel Haut zu zeigen. Das ist die Zeit,wo man das Gefühl hat, nichts im Schrank zu haben. Geht doch im Herbst ähnlich - aber nicht so schlimm.
    Die Burdavorschau muss ich nochmals in Ruhe ansehen...
    Ich wünsch dir einen schönen Frühling! Kleidungstechnisch und auch sonst!!
    lieben Gruß von Ellen

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    1. Danke! Den Übergang zum Herbst kriege ich immer viel besser hin - mehr anziehen ist einfacher als weniger anziehen, wenn man leicht friert.

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  4. Interessant zu lesen. Mir geht es ähnlich. Strukturiert nach Plan und auch noch kompatibel zu nähen ist nicht mein Ding. Ich habe das jetzt eingesehen. Hautfarbene Strumpfhosen, auch ich denke darüber nach, aber ich mag sie nicht. Noch weniger wie weiße Kleidung. Die Vorschau werde ich mir ansehen, aber das Heft wie immer kaufen und Jahre später daraus nähen. Lg Monika

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    1. Genau. Das geht mir in allen Punkten genauso (Ausnahme: ein weißer Leinenrock, den mag ich sehr im Hochsommer).

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  5. Liebe Lucy,
    Deinen Guerilla-Garten finde ich toll. Wenn Du magst, schicke ich Dir ein bisschen Steinkraut (Allyssum), entweder als Samen (wenn ich noch welchen finde), oder als Pflänzchen, wenn es draußen ist. Es blüht in ca.15-20cm hohen weißen honig-duftenden Wolken, samt sich zuverlässig immer wieder selber aus und erobert gerne auch Gehwegritzen. Ich habe es seit Jahren in der Einfahrt und muss im Frühling immer nur das Zuviel an kleinen Pflanzen ausjäten.
    Liebe Grüße, Stefanie

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    1. Oh, Steinkraut-Samen habe ich sogar selber noch da, ich hatte das vorletztes Jahr auf dem Balkon! Aber in der Baumscheibe fühlt es sich sicher wohler, gute Idee. Ich wollte diese Woche sowieso einiges aussäen, auf der Fensterbank. also ich kriege das hin, denke ich, aber trotzdem vielen Dank für dein nettes Angebot!

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  6. Bei der nächsten Baumscheibe *zwinker* erst einmal Gründünger säen. Da tun die BSR, die Hunde oder 'nette' Mitmenschen nicht weh und der Boden hat eine Chance wieder guter Boden zu werden. Und immer wenn was 'richtiges' gepflanzt wird tut es auch nicht weh die Gründüngung unterzubuddeln.
    Auch von hier das Angebot: Pflanzen werden gerne abgegeben, auch welche die im Stadtklima eine Chance haben.
    Frau-Irgendwas-ist-immer

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    1. Ja, ich glaube den Durchbruch brachte letztes Jahr eine Tüte Wildblumenrasen - in diesen Samenmischungen ist ja immer irgendwas drin, das auch auf sandigem Boden wächst. Eigentlich war das eine Notlösung, da es so lange so kalt war und die Samentüte gabs auf einem Markt am Stand vom NABU geschenkt. Aber es war zumindest schon mal grün. Die großen Pflanzen vorne sind Stockrosen, die sind auch ziemlich robust und ich versuche jetzt mal dieses Jahr, hinten links Steinkraut anzusiedeln (gerade beschlossen). Das sollte mit dem Boden eigentlich ganz gut zurechtkommen. Dir auch vielen Dank für dein Angebot! Ich halte euch auf dem Laufenden, was sich hier tut.

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