Mittwoch, 19. August 2009

Textile Monatsseite Mai: Wie Kraut und Rüben oder wie nicht zusammenwächst, was auch nicht zusammengehört



Über die Monatsseite Mai (Monatsseite, was war das denn nochmal?) habe ich hier im Blog bisher ja nur ein paar Andeutungen und ein Bild hinterlassen – mittlerweile ist die Mai-Seite sehr gut abgelagert, und trotz wochenlangem Betrachten und von-rechts-nach-links-und-wieder-zurück-Räumen muss ich gestehen, dass sie mir immer noch nicht gefällt.



Die Idee am Anfang war im Grunde ganz simpel: Zum schönsten am Berliner Sommer zählen für mich die Straßengärten, auf die man ganz überraschend in vielen Gegenden stoßen kann. Es gibt ja kaum eine Wohnstraße ohne Straßenbäume, und manchmal sind auch die sogenannten Baumscheiben hübsch bepflanzt, also das Fleckchen freie Erde um den Baum herum.





Diese kleinen Gärten können ganz unterschiedlich aussehen: Da gibt es welche mit einem stabilen Zaun drumherum und Rosensträuchern und Stauden, die dort offensichtlich schon seit Jahren wachsen. Anderswo sieht man auf einmal im Frühling ein Fleckchen aufgekratzter Erde mit einigen ausgesäten Sommerblumen und mit alten Ziegeln begrenzt, die man hier auf Brachgrundstücken immer noch findet. Manche sind das Werk von anonymen Gärtnern – zum Beispiel die Sonnenblumen, die sich hier um die Ecke an der Straße auf fast jedem freien Flecken breitmachten, bevor sie letzte Woche leider abgemäht wurden. Guerilla-Gärtner brauchen einen langen Atem. Andere Straßengärten werden angelegt, wenn ein Laden neu vermietet oder eine Erdgeschoßwohnung neu bezogen wird, so verhindert der Mieter ein Hundeklo direkt vor der eigenen Haustür. Oft wächst da eine wilde Mischung, denn die Gärtner sind offensichtlich echte Großstadtkinder, die nicht mit Gärten aufgewachsen sind und auch keine Gartenmagazine lesen, und daher nicht wissen, was „man“ so pflanzt. Da steht dann Oleander neben Konifere neben Stockrose neben Riesenkürbis.



Wenn es sich um lebende Pflanzen handelt, wächst sich so ein Durcheinander ganz hübsch zurecht – für Blumen aus Stoff gilt das nicht unbedingt, wie man hier sieht. Als Grundlage der Monatsseite nähte ich einen unregelmäßigen Log-Cabin-Block aus hellen Stoffen, der dann mehr oder weniger organisch von allerlei plastischen Stoffblumen (den gleichen wie in der Anleitung vom Kreativtag), applizierten Blüten und Stickereien überwuchert werden sollte.



Tja, überwuchert hat so weit geklappt, die Seite als ganzes jedoch nicht – ich verhedderte mich buchstäblich in Kleinteiligkeit, so dass sich zwar ein paar Ecken ergaben, die ich ganz in Ordnung finde, aber insgesamt kein stimmiges Bild. Für die Stoffblumen kamen nur einige bestimmte dünne Stoffreste in Frage, alle eher gedämpft und dunkel – ungünstig für das Gesamtergebnis. Es hat zwar großen Spaß gemacht, die Stoffmuster stickend zu ergänzen – aber all das hätte besser geplant werden müssen.



Die Monatsseiten für Mai (und Juni) bleiben also als Aufgabe für nächstes Jahr. Eine Juliseite, die mir recht gut gefällt, ist inzwischen entstanden, die gibt es dann demnächst.



Die Monatsseiten-Mitstreiterinnen waren seit Mai nicht untätig:
Tally zeigte hier den Beginn ihrer Juni-Monatsseite mit Wolle, Organza und Perlen, die außerdem ein Gemeinschaftsprojekt ist.
Karen hat gleich mehrere Seiten in Arbeit: ein blumiger April, ein Mai mit Wasser und Seerosen (hoffentlich wird das trotz der Panne zuletzt fertig - die Entwurfszeichnung und die Blätter sehen so schön aus!) und die Aussicht auf einen Juli mit Katze.
Susanne fügte ihrer Blumenkranzdecke für Mai Akelei, Beinwell, Kastanienblüten und Melisse hinzu und unternahm interessante Färbeexperimente, im Juni gabs Johannisbeeren zum Anbeißen und plastische Jasminblüten (Anleitung für die Jasminblüten hier).
Griseldas Monatssets entstanden mit beneidenswerter Regelmäßigkeit und sind ganz wunderbar unterschiedlich: Der Mai als Farb-und Formenexplosion, der Juni rot, weiß und grün, und im Juli gibts Knötchen über Knötchen...

10 Kommentare:

  1. Hallo lucy,
    Ich weiß zwar noch nicht, was eine Monatsseite ist, aber möchtest Du dies Blumenbild nicht behalten, hätte ich es Supergerne bei mir. Ich finde es total Klasse!
    Vielleicht ein Tausch?
    Ich würde mich sehr freuen!

    Frauke von WASANDRES

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  2. Ich finde auch, an der Guerilla-Gardening-Mai-Monatsseite gibt es mal gar nix zu knurren. Ich mag sie!
    lg
    claudia

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  3. WOW!
    Da hast du doch Stunde über Stunde dran gesessen und ich denke, du kannst mit recht stolz auf dich sein!
    Liebe grüsse, Anette

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  4. Ach ja, die Monatsseiten! Was war das noch mal? Meine angefangene Patchworkseite vom Mai - liegt irgendwo und gefällt gar nicht. Hätte doch bei der Ursprungsidee bleiben sollen. Aber ich habe mich ja distanziert - mir fehlt die Zeit für das, was ich alles tun will.
    Dein Vorgarten ist berlinlike bunt. Die bestickten Blumen finde ich sehr hübsch. Auch die plastischen Blumen gefallen mir.
    Ja, immer kann man nicht zufrieden sein. Dann ist es dann doch auch gut zu sagen: nein, jetzt nicht weiter.
    liebe grüße von monika

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  5. Deine Stickerereien sind wunderschön, aber der Untergrund wäre mir zu unruhig. Ja, Blummen wachsen nicht in jeder Erde gleich gut.
    In Zürich gibt es auch einen Mann, der schon seit Jahren Stockrosensamen in der Stadt verteilt und überrall wachsen sie, nur bei mir ihm Garten wollen sich leider auch nicht wachsen, schade.
    Liebe Grüsse, Allerleirauh

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  6. Vor deiner Monatsarbeit stehe ich ein wenig wie vor der Theke in meiner Lieblingskonditorei. So viele schöne Sachen, da ist man vollkommen überfordert.
    Deine hineingepackten Ideen hähtten locker für den Rest des Jahres gereicht!
    Wunderbar sind die grafischen schmalen Streifen des Stoffes mit der bunten Stickerei, das zweifarbig eingefädelte Garn, die aufgenähte dicke Wolle- und das sind nur meie persönlichen Top3. Eine Ideenfundgrube auf zu kleinem Raum.

    Aber ist das nicht genau das, was diese Gartenecken ausmacht? Das Überbordende, wilde Nebeneinander hast du eigentlich gut herübergebracht. Insofern ist das Konzept ja aufgegangen.

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  7. Genau Griselda, und wenn man alles aus der Theke probiert wird einem schlecht! Dein Konditorei-Vergleich trifft es sehr gut.

    viele Grüße, Lucy

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  8. Wenn man die Idee liest, die hinter deiner Monatsseite steckt, gefällt mir diese eigentlich ziemlich gut! Auf jeden Fall sehe ich darin deinen Straßengarten! Allerdings - und da gebe ich dir Recht - ist die Seite ohne Hintergrundwissen betrachtet wirklich recht überladen...
    Liebe Grüße
    Katharina

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  9. ich finde sie frech und fröhlich und richtig gut interpretiert!!!!!!!!!Vor kuzem erst war ich in Berlin und lustigerweise ist mir gerade das aufgefallen. Sicher weil ich die Ecke besucht habe, in der ich im Studium gewohnt habe und zu der Zeit ist niemand auf diese Mini-Graten-Idee gekommen.
    Eine schöne Illustration, einfach passend!
    LG Karen

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  10. Lustig, Griselda hat mit ihrer Maiseite auch ohne große Planung drauflosgestickt und war auch nicht zufrieden. Mir gefallen beide Maiseiten trotzdem, nur sehe ich, daß sie aus der Gesamtfolge der jeweiligen Monatsseiten vielleicht ein wenig herausfallen. Ich finde es eigentlich sehr befreiend, einfach drauflos zu arbeiten, zuviel Planungswille kann ja auch lähmen.
    Selbiges droht übrigens auch den Berliner Gärtchen - das Tiefbauamt Neukölln hat schon Regeln für die "wilde" Bepflanzung der Baumscheiben aufgestellt: https://www.berlin.de/imperia/md/content/baneukoelln/neubaumscheibe.pdf

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Vielen Dank für deinen Kommentar!