Sonntag, 6. November 2011

Neues Leben für alte Kleider im Oktober (und eine Ex-Tischdecke)

Willkommen zum vorletzten Mal Neues Leben für alte Kleider in diesem Jahr. Die Mission ist bald erfüllt - allerdings ist mein Refashion-Stapel nicht wirklich kleiner geworden. Seitdem wird nämlich jedes Fitzelchen Textil im Haushalt daraufhin gescannt, ob nicht doch noch etwas anderes daraus entstehen könnte - und wenn man erst einmal diese Sichtweise angenommen hat, dann taucht überall potentielles Material auf, man kann quasi überhaupt nichts mehr wegwerfen und die Wohnung mutiert allmählich zur Altkleidersammelstelle. Eine gefährliche Entwicklung, und noch gefährlicher, wenn man wie ich auch noch Sachen anschafft, extra um sie umzuarbeiten und das dann nicht tut. Mein Oktober-Projekt basiert auf so einem Flohmarktkauf von 2009, aber dazu kommen wir später, zuerst eure Refashion-Projekte von Oktober:

Schaut euch doch zum Beispiel dieses Kleid an, das die Perlendiva im Schrank ihrer Mutter ausgegraben hat und helft ihr, die Refashion-Blockade zu lösen: Was könnte aus diesem Kleid werden?

Aus Sachen für Große andere Sachen für Kleine machen ist ja immer eine erfolgversprechende Strategie: Andrea von Lya und ich schneiderte aus einem alten Sommerkleid von sich ein Kleid für die Tochter, und aus einer alten Jeans wurde eine neue Hose mit witzig herausgeschnittenen Taschen.

Oder hier: Die Lieblingsjeans lebt in einem Gretje-Kleidchen noch ein bißchen weiter und gefällt sogar noch besser als vorher (na, wenn die Jeans das merkt).

Teresa konnte einen zu engen Pullover aus tollem Kaschmir-Seide-Material im zweiten Anlauf doch noch zu einem erfolgreichen neuen Leben verhelfen: Nachdem sich die Verwandlung von Pullover zu Pullunder als nicht durchführbar erwies, jedenfalls wenn man auf eine passende Streifenfolge Wert legt, gab es doch noch ein Happy End als viel genutzter Loopschal.

Kaschmirpullover sind auch das bevorzugte Material von Siebensachen-zum-Selbermachen: Zwei tolle Schals aus Shiborifilz und außerdem eine Blusenjacke mit Spitzenstoffeinsatz zeigt sie uns heute.

Und auch Karina - Kawi hatte ich zunächst übersehen: ein nicht so gut sitzendes Kleid nach Ottobre wurde bei ihr kurzerhand zum Rock.

Und noch eins: Soranis neuer Ballon-Römö-Rock besteht aus einem alten Bettlaken.

Mein Oktober-Projekt, ein Tellerrock aus einer Tischdecke mit noch nicht überwundenen Schwierigkeiten, hatte ziemlich viel Vorlauf: Trena, the slapdash sewist, hatte im Sommer 2008 ein Kleid aus einer griechischen Tischdecke im Blog gezeigt, und seither hatte ich nach rockgeeigneten Tischdecken Ausschau gehalten. Das war nicht so einfach, denn es gibt eine Menge Tischdeckenmuster, die möchte man einfach nicht als Rock tragen. Etwa ein Jahr später fand ich dann eine bedruckte siebziger-Jahre Tischdecke aus einem weich fallenden Leinenimitat, vermutlich Viskose, in Brauntönen, also gut kombinierbar.


Ein Tellerrock ist ja eigentlich nichts anderes als ein kreisrundes Stück Stoff mit einem kreisrunden Loch in der Mitte, das um die Trägerin herumpassen muss. Eigentlich einfach, möchte man meinen, aber nicht, wenn man wie ich zwei Dinge über- bzw. unterschätzt: einmal den eigenen Taillenumfang, zweitens das Dehnverhalten von Stoff im schrägen Fadenlauf.

Der erste Punkt, der Taillenumfang, sollte eigentlich kein Problem sein, wenn man einfach den Maßen und nicht der eigenen Wahrnehmung vertraut: Taillenumfang messen, zum Beispiel auf dieser Seite bei "Umfang" eingeben, dann spuckt einem die Seite den Radius aus, den der Kreis für das Taillenloch haben muss, das man in die Mitte der Tischdecke schneidet. Mir kam das Herausgeschnittene viel zu wenig vor und das Loch viel zu klein, das konnte doch unmöglich passen, daher schnitt ich mehr weg - Fehler: zu groß.

Das zweite Problem, das ungleichmäßige Aushängen des Tellers, tritt besonders bei locker gewebten Stoffen wie meinem auf: ein Teil des Rockes hängt ja im schrägen Fadenlauf, und diese Partien dehnen sich mit der Zeit aus, daher soll man Tellerröcke eine Weile aushängen lassen, bevor man sie säumt, sonst wird die Saumlinie gleich wieder ungleichmäßig. Bei meiner Tischdecke war der Unterschied extrem: nach kurzer Zeit waren die graden Partien vier Zentimeter kürzer als die schrägen.


Ich dachte dann, das Problem 1 zusammen mit dem Problem 2 elegant lösen zu können, indem ich nicht einen geraden Bund, sondern eine Passe oben ansetzte. Die unterschiedliche Breite der Passe in der Mitte und an den Seiten würde die unterschiedlichen Saumlängen in etwa ausgleichen, und mein zu groß geschnittenes Taillenloch würde zu der Passenunterkante passen. Wenigstens das zweite hat geklappt, mit dem Passenansatz bin ich zufrieden, aber die Säume wachsen anscheinend weiter in unterschiedliche Richtungen. So zumindest mein Eindruck - eben war der Rock doch überall gleich lang? Und einen Tag später sieht es aus wie oben. Ob ich das als individualistisch deklariere oder noch einmal etwas daran ändere, sobald sich der Stoff entschieden hat, wie weit er noch wachsen will, entscheide ich nach dem Probetragen diese Woche.

P. S. fast vergessen: Das nächste - und letzte! - Mal Neues Leben für alte Kleider am 4. Dezember.

14 Kommentare:

  1. Hallo Lucy,
    darf ich noch einen Beitrag hinzufügen...?:
    http://siebensachen-zum-selbermachen.blogspot.com/2011/11/neues-leben-fur-alte-kleider-teil-5.html
    LG
    Siebensachen

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  2. ;o) ich hätte auch einen beitrag.......http://soranis.blogspot.com/2011/11/aaaaaaaaaah-und-die-7-sachen.html der stoff für den rock war nämlich mal ein bettlaken ;o) ich finde deine aktion toll......geht es nächstes jahr weiter??? und wie nimmt man richtig teil? habe auch einen riesenberg an Umänder-klamotten ;o) weiß also genau wovon du sprichst...... liebe grüße nico

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  3. @Siebensachen: Ja, natürlich! Deine Sachen sind großartig (wie immer), entschuldige das Übersehen.

    viele Grüße, Lucy

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  4. @Nico: beim nächsten Mal habe ich dich auf dem Schirm und sollte deinen Beitrag finden, wenn du ihn mit "Neues Leben für alte Kleider" betitelst. Und wenn ichs doch übersehe, bitte einfach nochmal melden.
    Nächstes Jahr werde ich die Aktion so nicht weiter machen - aber es kann gerne jemand anders übernehmen und weitersammeln. Fühlt sich jemand berufen? Allerleihrauh hatte vor einiger Zeit vorgeschlagen, man könnte ja auch eine flickr-Gruppe einrichten. Was haltet ihr denn davon? Oder habt ihr ganz andere Ideen zur Organisation?

    viele Grüße und noch einen schönen Abend! Lucy

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  5. mal ein tipp wegen des aushängens: den stoff mit wäschestärke spülen, das könnte was bringen. allerdings könnte auch der weiche fall etwas steifer werden ;-)

    sieht toll aus der rock (auch wenns absolut nicht meine farbe ist)

    lg
    carola

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  6. HI,
    danke, Lucy.
    An deinem Rock finde ich gerade die gewellte Saumlinie schön. Sieht gleichmäßig und so gewollt aus.
    LG
    Siebensachen

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  7. Hallo!

    Ich schließe mich Siebensachen an: Der WELLIGE Saum ist irgendwie interssant. Sieht es angezogen okay aus? Dann würde ich es so lassen.

    Deine Bemerkungen rund zum Klamotten-Horten zwecks Recyclings würde ich sofort unterschreiben. Irgendwann hat man zuhause einen riesigen Kleiderberg, der drohend den Finger hebt... ufz.

    Bye, bye,

    Caterina

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  8. Soso, ein Nähwesen mit Wachstumsschüben. Na ein Glück hast du schon mal Erfahrungen gesammelt, ich habe hier nämlich noch eine runde Tischdecke, die sich dafür eignen würde. Also würde ich schon mal aufpassen, dass das Loch nicht zu groß wird und lasse dann erstmal hängen. Wobei es bei mir feste Baumwolle wäre, und das ist dann auch wieder ungüngstig, weil ich für einen abstehenden Petticoat-Look nicht gebaut bin.
    Falls der Trageversuch bei dir negativ ausfällt, könnte man unten vielleicht mit Weiß nachhelfen? Aber das wird dann wohl eine Neverending Story.
    Jedenfalls eine schön geschriebene Geschichte aus dem wahren Näh-Leben.

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  9. Liebe Lucy,
    Fachlich löst man das Problem übelicherweise so:
    Kreis/ Halbkreis und auch sehr ausgestellte Röcke muß man IMMER vor dem Nähen aushängen lassen. Auf einen Kleiderbügel mit mehreren Wäscheklammern (Rockbügel mit 2 Klipsen ist zu wenig sonst hängt es oben schon zu sehr durch) befestigen und bei sehr weichen Stoffen eventuell den Saum noch etwas beschweren (vorsichtig!) Mehrere Tage aushängen lassen. Für Stoff bei denen eine Saumlinie durch das Muster vorgegeben ist gilt dann folgendes: das Bündchen anheften, den Rock abgleichen und sich ergebenden Ungleichheiten oben am Bund ausgleichen. Unten abmessen oben wegnehmen. Da das nicht ganz einfach ist empfiehlt es sich das Bündchen nochmals zu heften und zu probieren ehe man endgültig näht.Diese Vorgangsweise gilt auch für schmale Röcke mit aus dem Muster sich ergebende Saumlinie z.B. Querstreifen, Spitzeabschluß usw.
    Hoffentlich nicht zu viel Theorie oder frag nach wenn doch unklar...

    Der Rock ist sonst sehr schön. Gut Idee mit dem Tischtuch.

    Auf meiner List was ich in meinem Leben noch unbedingt machen möchte ist auch noch notiert "an eurem Bloggertreffen teilnehmen". Ich hoffe es gelingt mir das nächste Mal.

    Danke, für "Aus alt mach Neu" ich habe zwar nicht immer was beigetragen aber schon das mitlesen war immer ein Ansporn.

    Liebe Grüße
    Teresa

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  10. Danke, Teresa für diese Erklärung, wie man es richtig macht. Ich mag Theorie ;-) Runde-Tischdecke-zu-Tellerrock gibts ja häufiger als Refashion-Vorschlag, aber wie man sieht hat das so seine Tücken. Ich lasse ihn jetzt erstmal hängen und mache mich irgendwann später noch einmal daran. Das Muster finde ich nämlich genial.

    Und: einmal aus Alt mach Neu gibt es ja noch dieses Jahr.

    viele Grüße, Lucy

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  11. also ich finde der ungleichmäßige saum sieht eigentlich ganz schön aus, würde mich nicht sonderlich stören.
    man könnte ja eventuell noch einen unterrock annähen der einen geraden saum hat, stell ich mir schön vor.

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  12. Mir gefällt das Muster auch sehr. Der wellige Saum kann durchaus als Designelement durchgehen - also wenn es dich nicht stört, lass ihn doch wachsen wohin er will ;)

    Ich fände übrigens eine Refashion- flickr Gruppe eine gute Idee. Die kann ja dann jede(r) nach Belieben auf seinem blog verlinken.

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  13. Also ich muss leider sagen, dass das Teil ziemlich, nein: total gemurkst aussieht, so wie es ist. Und um Teresas Vorschlag zu folgen, und es richtig ordentlich zu machen, dazu habe ich in der Mitte eigentlich schon zu viel Stoff rausgeschnitten. Mistmistmist.

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  14. wow. sehr nette Idee und toller Rock!!

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Vielen Dank für deinen Kommentar!