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Donnerstag, 14. September 2017
Aus einem alten Oberhemd genäht (111 aus Burdastyle 2/2014)
Eine spontane, schnelle und dabei sehr befriedigende Refashion-Näherei habe ich gestern unternommen und dabei festgestellt: Aus einem alten Oberhemd Größe 52 lässt sich mühelos ein kurzes Top mit gerüschten Ärmeln nach Burdaschnitt 111 aus Heft 2/2014 nähen, jedenfalls in Größe 38.
Das Zuschneiden war ganz einfach: Das Vorderteil des Tops passt auf den oberen Teil des Hemdvorderteils, so dass die Knopfleiste in der Mitte verläuft. Am Ausschnitt darauf achten, dass der oberste Knopf weder zu nah noch zu weit weg von der Ausschnittkante ist.
Das Top-Rückenteil passt auf dem oberen Teil des Hemdrückens und die Raglanärmel passten geradezu beängstigend genau auf die Ärmel des Hemds. Ich konnte die Ärmel sogar mit Hilfe des Schnitts 113 aus dem gleichen Heft verlängern, wobei ich eine knappe Handbreit der Verlängerung dann doch wieder wegschnitt. Die Ärmel sind jetzt ab Achsel etwa 20 cm lang.
Der untere Teil des Hemdrückenteils reichte für zwei Stoffstreifen für die Ärmelrüschen. Bei einem Streifen verwendete ich den abgerundeten Hemdsaum einfach weiter und legte Anfang und Ende beim Annähen ein Stück übereinander. Bei der zweiten Ärmelrüsche sind die Enden wie üblich zum Ring verbunden.
Ich bin nicht sicher, ob die Ärmellänge so klug gewählt ist - die Rüsche befindet sich mit dem Saum des sehr kastigen, kurzen Tops fast auf einer Höhe, das könnte insgesamt ziemlich kastig und quadratisch wirken. Da ich das Oberteil am Wochenende beim Lillestoff-Festival anziehen wollte, wo ich zwei Oberhemden-Upcycling-Workshops gebe und wo es sicher nicht besonders warm wird, wollte ich aber unbedingt etwas längere Ärmel haben.
Wie sich die Ärmel- und allgemeinen Proportionen verhalten, kann ich erst richtig beurteilen, wenn ich Fotos von mir in dem Teil gesehen habe. (So weit ist es mit mir also schon gekommen, jahrelanges Nähbloggen hinterlässt seine Spuren: Ohne Outfitfotos geht gar nichts mehr.) Zur Not verkürze ich die Ärmel später noch ein Stück, jetzt am Wochenende trage ich die Bluse erstmal so, wie sie ist. Von der Konstruktion der Raglanärmel bin ich ohnehin nicht so sehr überzeugt - die Naht zwischen den Ärmeln und dem Vorder- bzw. Rückenteil verläuft ziemlich körperfern, das heißt die Armausschnitte sind sehr groß, was für die Beweglichkeit der Arme nicht unbedingt von Vorteil ist. Aber ich will dem Tragetest nicht vorgreifen, vielleicht freunde ich mich ja noch damit an. Genug Hemden, um weitere Rüschenärmelblusen zu nähen, wären vorhanden.
Die Details zusammengefasst:
Schnitt: 111 aus Burdastyle 2/2014, Größe 38
Änderungen: Ärmel ca. 15 cm verlängert, rückwärtiger Ausschnitt hochgesetzt, Ärmelrüsche ausgehend vom vorhandenen Material zugeschnitten
Material: ein altes Oberhemd Größe 52, Rest Schrägband zum Versäubern des hinteren Halsausschnitts, ein Stück von einem anderen Hemd für den Ausschnittbeleg vorne
Dienstag, 2. Mai 2017
Upcycling-Workshops beim Lillestofffestival 2017
Ehe morgen der Verkauf der Eintrittskarten beginnt, möchte ich hier noch kurz meine Workshops beim Lillestoff-Festival ankündigen und euch erzählen, was euch dort erwartet.
Der erste Workshop ist ein Hemden-Upcycling-Workshop, in dem wir uns vor allem mit alten Oberhemden als Grundmaterial befassen werden. Hemden enthalten eine Menge Material, haben viele aufwendige Details wie Knopfleisten, die man weiterverwenden kann, und der Stoff lässt sich leicht verarbeiten, also ideal, um die Sache mit dem Upcycling einmal auszuprobieren. Aber ihr könnt natürlich auch gerne mit anderen Materialien arbeiten - bringt zu rettende Lieblingspullover und andere Textilien mit, und wir werden sehen, was uns dazu einfällt.
Upcycling ist nicht so wie "normales" Nähen: Es gibt meistens keinen vorgezeichneten Weg zum Endprodukt. Man muss sich auf die Gegebenheiten des Materials einlassen, improvisieren, ausprobieren und Lösungen finden, das ist manchmal ein ganz schön großer Sprung, wenn man sonst mit Schnittmustern und festen Anleitungen näht. Aber es macht Spaß! Beispiele, was beim Upcycling alles entstehen kann, findet ihr hier im Blog unter dem Label "Refashion". Der Schirmrock vom Bild entstand aus weißem Bettwäschestoff und Dreiecken aus Hemdenstoffen, ist extrem einfach zu nähen und anzupassen. Ich bringe zum Workshop einen Berg alter Hemden mit, so dass wir auf jeden Fall genug Stoff haben, um uns auszutoben.
Ihr braucht eure normale Nähausstattung und Sachen, die ihr umarbeiten wollt - wenn ihr euch bezüglich Maße und Passform sehr unsicher seid oder vielleicht etwas für euer Kind oder jemand anderen nähen wollt, der nicht dabei ist, dann wäre ein einfaches Schnittmuster als Grundlage gut, das der benähten Person passt, damit man die Größe besser abschätzen kann.
Beim zweiten Workshop, der T-Shirt-Rettung, geht es um eine einfache Methode, mit der man Löcher und Flecken in Teilen aus Jersey kaschieren kann. Diese "Negativapplikationen", bei denen man die obere Stofflage wegschneidet, damit die untere Lage sichtbar wird, ist an die phantastischen Applikationstechniken von Alabama Chanin angelehnt, aber nicht so aufwendig zu nähen, obwohl man mit der Hand näht. Ihr braucht neben Jerseyteilen mit Löchern und Flecken Jerseyreste zum Unterlegen (am besten geht Baumwolljersey), und wenn ihr habt Stickgarn oder Knopflochgarn oder Handquiltgarn - ich bringe aber eine Auswahl an Garn und Handnähnadeln mit.
Ein Klick aufs Bild unten bringt euch zum gesamten Programm - der Ticketverkauf im Lillestoff-Shop geht morgen im Laufe des Tages los. Hier in diesem Beitrag hatte ich über das Festival 2016 geschrieben, dort könnt ihr auch sehen, was letztes Jahr bei den Upcycling-Workshops herausgekommen ist.
Wir sehen uns im September - bis dahin!
Der erste Workshop ist ein Hemden-Upcycling-Workshop, in dem wir uns vor allem mit alten Oberhemden als Grundmaterial befassen werden. Hemden enthalten eine Menge Material, haben viele aufwendige Details wie Knopfleisten, die man weiterverwenden kann, und der Stoff lässt sich leicht verarbeiten, also ideal, um die Sache mit dem Upcycling einmal auszuprobieren. Aber ihr könnt natürlich auch gerne mit anderen Materialien arbeiten - bringt zu rettende Lieblingspullover und andere Textilien mit, und wir werden sehen, was uns dazu einfällt.
Upcycling ist nicht so wie "normales" Nähen: Es gibt meistens keinen vorgezeichneten Weg zum Endprodukt. Man muss sich auf die Gegebenheiten des Materials einlassen, improvisieren, ausprobieren und Lösungen finden, das ist manchmal ein ganz schön großer Sprung, wenn man sonst mit Schnittmustern und festen Anleitungen näht. Aber es macht Spaß! Beispiele, was beim Upcycling alles entstehen kann, findet ihr hier im Blog unter dem Label "Refashion". Der Schirmrock vom Bild entstand aus weißem Bettwäschestoff und Dreiecken aus Hemdenstoffen, ist extrem einfach zu nähen und anzupassen. Ich bringe zum Workshop einen Berg alter Hemden mit, so dass wir auf jeden Fall genug Stoff haben, um uns auszutoben.
Ihr braucht eure normale Nähausstattung und Sachen, die ihr umarbeiten wollt - wenn ihr euch bezüglich Maße und Passform sehr unsicher seid oder vielleicht etwas für euer Kind oder jemand anderen nähen wollt, der nicht dabei ist, dann wäre ein einfaches Schnittmuster als Grundlage gut, das der benähten Person passt, damit man die Größe besser abschätzen kann.
Beim zweiten Workshop, der T-Shirt-Rettung, geht es um eine einfache Methode, mit der man Löcher und Flecken in Teilen aus Jersey kaschieren kann. Diese "Negativapplikationen", bei denen man die obere Stofflage wegschneidet, damit die untere Lage sichtbar wird, ist an die phantastischen Applikationstechniken von Alabama Chanin angelehnt, aber nicht so aufwendig zu nähen, obwohl man mit der Hand näht. Ihr braucht neben Jerseyteilen mit Löchern und Flecken Jerseyreste zum Unterlegen (am besten geht Baumwolljersey), und wenn ihr habt Stickgarn oder Knopflochgarn oder Handquiltgarn - ich bringe aber eine Auswahl an Garn und Handnähnadeln mit.
Ein Klick aufs Bild unten bringt euch zum gesamten Programm - der Ticketverkauf im Lillestoff-Shop geht morgen im Laufe des Tages los. Hier in diesem Beitrag hatte ich über das Festival 2016 geschrieben, dort könnt ihr auch sehen, was letztes Jahr bei den Upcycling-Workshops herausgekommen ist.
Wir sehen uns im September - bis dahin!
Mittwoch, 21. September 2016
Eben noch in Hannover - jetzt mit Upcycling-Jeansfransenrock beim MeMadeMittwoch
Ich bin aus Hannover vom Lillestoff-Festival zurück, wo ich einige Upcycling-Workshops gegeben habe (Bericht folgt), und auch wenn ich meine Eindrücke noch einen Tag sortieren muss, kann ich schon jetzt verraten, dass ich ganz begeistert von der Atmosphäre bei dieser großen Nähparty bin. Durchgängig freundliche Leute, positive Begegnungen und unheimlich nette Mitnäherinnen bei den Workshops - das Wochenende war einfach toll.
Ehrensache, dass ich bei den Workshops etwas Umgearbeitetes anzog, einen Bahnenrock aus lauter alten Jeans, den ich bereits im März genäht, aber noch nicht verbloggt hatte.
Der Schnitt ist ein 8-Bahnenrock aus dem Buch Twinkle Sews, bei dem die Bahnen in Hüfthöhe schräg geteilt sind - sehr praktisch zur Resteverwertung und fürs Upcycling, weil man immer nur kleine Stoffstücke braucht.
Insgesamt habe ich Stoffe von fünf verschiedene Jeans verarbeitet, auch Reste. Die oberen Teile der Bahnen sind aus dunklen Jeans geschnitten, die unteren aus sehr hellen, die Nähte sind mit kupferfarbenem Jeansabsteppgarn betont. Auf der Rückseite habe ich eine abgetrennte Jeanstasche untergebracht.
Den Saum hatte ich zuerst umgeschlagen und abgesteppt, aber das gefiel mir nicht so richtig. Der helle Stoff der unteren Bahnenteile ist größtenteils sehr dick und sperrig, das sind zerschnittene Levis 501 oder so, vor etwa 15 Jahren in den USA gekauft, viel fester und stabiler als die meisten Jeans, die es heute gibt. Der Rock stand daher sehr stark a-förmig ab. Im März hatte ich ihn so angezogen, aber die gute Idee, was ich mit dem Saum mache, hatte ich erst vorletzte Woche, als ich seit langem mal wieder einen teuren Klamottenladen besuchte. Im Voo-Store in einem Hinterhof der Oranienstraße gibt es die ganzen Marken, die derzeit in Berlin angesagt sind: Carven, Acne, Phillip Lim, Marni, Helmut Lang, irgendwas kyrillisch Beschriftetes - und jede Menge Jeanssachen mit ausgefransten Kanten. (Überhaupt sind ausgefranste, nicht verstürzte Kanten gerade der letzte Schrei, auch bei anderen Stoffen.)
Na wenn das so ist: Ausfransen kann ich auch, es dauerte allerdings einen ganzen Abend und ist jetzt immer noch nicht gleichmäßig, weil die Hosenbeine, aus denen die Rockteile geschnitten wurden, nicht ganz im Fadenlauf lagen. Bei Kaufsachen kann man sich eben auf gar nichts verlassen. Immerhin wiederholen die Zacken im Saum die Zacken der Passe. Damit der Saum nicht unendlich weiter ausfranst, ist er mit einer doppelten Nahtreihe gesichert.
Mir gefällt der ausgefranste Saum erstaunlich gut - der Rock fällt so besser, und die mitwippenden Fransen machen gute Laune. Zum Rock trage ich (schlecht erkennbar) eine Pam-Bluse (Schnitt aus La maison victor) aus dunkelblauer Viskose, ein Schnitt, den ich heute beim Me made Mittwoch wieder mehrmals gesehen habe. Und dahin gebe ich auch zurück - zur Sammlung für selbstgemachte Kleidungsstücke, die im Alltag getragen werden.
Zusammenfassung
Details Rock
Bahnenrock aus Twinkle sews, das Buch hatte ich hier besprochen, genäht aus alten JeansDetails Bluse
Pam aus La Maison Victor, Heft vom Januar/Februar 2016Größe 38
genäht aus etwa 1,20 m dunkelblauer Viskose von Stoff&Stil
Dienstag, 26. April 2016
Upcycling-Workshops beim Lillestoff-Festival 2016
Wenn man Außenstehenden erzählt, dass sich an einem Wochenende im September sechs- bis siebenhundert Frauen in einer Messehalle bei Hannover treffen, um ein Wochenende lang zu nähen, kann man beobachten, wie sich in einer Denkblase über dem Kopf des Gegenübers ein riesiges Fragezeichen materialisiert. Nähnerds aber wissen sofort, dass das eine tolle Sache sein muss. Das Wochenende wird von der der Firma Lillestoff organisiert, Herstellerin hochwertiger Jerseys, und neben Nähen bis zum Abwinken gibt es jedes Mal Workshops zu Nähthemen, zum Fotografieren und Siebdrucken.
Ich freue mich total, dass ich beim Lillestofffestival 2016 zwei verschiedene Upcycling-Workshops geben werde und bin schon ganz neugierig auf die Veranstaltung. Im Workshop Neues Leben für alte Hemden werden abgewetzte Oberhemden verwandelt. Hemden sind mein Lieblingsmaterial beim Upcyceln, weil die Stoffe so schön und hochwertig sind. Mit etwas Einfallsreichtum werden Röcke, Blusen oder Kindersachen daraus, man muss sich nur trauen, hineinzuschneiden und improvisierend zu nähen. Der Workshop läuft jeweils am Samstag und am Sonntag vormittags (17.+18. 9.), dauert ca. 3,5 Stunden und kostet 35 Euro.
Den zweiten Workshop habe ich den T-Shirt-Notarzt genannt, denn darin werden wir T-Shirts mit kleinen, aber lebensbedrohlichen Verletzungen retten: Oft sind T-Shirts ja im Prinzip intakt und tragbar, aber oft finden sich ausgerechnet auf der Vorderseite kleine Löcher oder nicht mehr entfernbare Flecke. Ich werde euch zeigen, wie man mit "umgekehrten" Applikationen (auch Negativapplikation genannt) solche Kandidaten vor der Tonne retten kann. Ein Beispiel seht ihr oben - und ja, es wird mit der Hand genäht, aber das ist gar nicht so langwierig, wie sich das anhört. Dieser Workshop läuft jeweils am Samstag und Sonntag Nachmittag, dauert ca. 2 Stunden und kostet 20 Euro.
Das gesamte Programm des Wochenendes findet ihr hier im Lillestoff-Blog (Klick auf das Bild öffnet ein pdf mit dem Programmflyer), die Karten für Wochenende und Workshops bestellen könnt ihr unter dem Menüpunkt "Lillestofffestival" im Shop. Ich bin unheimlich gespannt, wie das alles wird und wen ich wohl im September beim Festival treffen werde. Und ich freue mich sehr, denn ein ganzes Wochenende, in dem es nur ums Nähen geht, kann ja eigentlich nur gut werden.
Ergänzung 27. 4. 2016: Die Workshops sind schon ausverkauft.
Falls es neue Workshops gibt, findet ihr die Termine auf der Extraseite hier im Blog (siehe oben unter dem Reiter "Termine").
Dienstag, 5. April 2016
Noch mehr Upcycling: ReDesign - Neues nähen aus alten Kleidern [Rezension im Rahmen einer Blogtour]
Wie ihr wisst, ist das Upcycling von Texilien - also auf Deutsch: aus alten Klamotten etwas Neues zu machen - schon lange eines meiner Lieblingsthemen, nicht nur hier im Blog. Es ist nicht nur vernünftig und nachhaltig, die Stoffressourcen alter Kleider zu nutzen, es macht auch großen Spaß, denn mit diesem Material lässt es sich oft unbefangener experimentieren als mit neu gekauftem Stoff.
Auf das Buch ReDesign von Sonja Wöhrenschimmel-Wahl alias Frau Jona&son war ich daher schon neugierig, als ich die erste Ankündigung las und noch bevor der Verlag mir ein Exemplar zur Besprechung anbot. Schließlich hatte ich mir im letzten Jahr als ich mein Upcycling-Buch schrieb lange Gedanken gemacht, wie ich den Spaß am Umgestalten vermitteln könnte, welche Materialien und welche Projekte am besten in so ein Buch einfließen, wie ausführlich das Nähen beschrieben werden müsste - jetzt war ich gespannt, wie eine studierte Modedesignerin und Textilkünstlerin das Thema angehen würde.
Frao Jona&sons Buch bietet nicht nur Nähanleitungen und Tipps zum Färben und Bedrucken, Besticken und Patchen, sondern beginnt mit dem Grundlegenden: Dem Sortieren des Kleiderschranks, dem Identifizieren der Stücke, die durch kleine Reparaturen zu retten sind, und den anderen, den ungeliebten Kleidungsstücken, die das Ausgangsmaterial für neue Kreationen bilden können.
Sonja Wöhrenschimmel-Wahl spricht dabei von "Re-Design": Das neue Kleidungsstück wird durch die Umgestaltung hochwertiger, als es das Ausgangskleidungsstück war, der Wert der Handarbeit verändert nicht nur das Kleidungsstück, sondern auch seine Trägerin, die eine neue Unabhängigkeit erlangt:
"Wenn Sie beginnen selbst zu gestalten, werden Sie selbst zur Produzentin und machen sich unabhängig von der Industrie. Sie schaffen mit Ihren Händen Neues, wann und wie oft Sie wollen."
Die Autorin beschreibt den Zauber des Gestaltens und dieser Unabhängigkeit so mitreißend und vermittelt so viel Elan, dass man gerne bereit ist, das nichts-anzuziehen-Problem endlich einmal anzugehen und sich mit den 80% des Kleiderschrankinhalts zu beschäftigen, die im Durchschnitt nicht oder kaum getragen wird. Und: wie immer beim Haupt-Verlag ist das Buch auch optisch und haptisch ein Genuss, es wurde sehr klar, gut lesbar und luftig gestaltet von Christina Diwold, die auch die Fotos gemacht hat und die man unbedingt ebenso wie die Autorin nennen muss, denn so ein Anleitungsbuch lebt ja nicht zuletzt von den Bildern.
Im zweiten Teil des Buches geht es dann ans Nähen: Die 45 Projekte, bei denen ausschließlich Kleidung und Accessoires für Frauen gestaltet werden, sind in vier Schwierigkeitsstufen unterteilt. Wie die Ausgangskleidungsstücke zerschnitten, gedreht, gewendet und neu zusammengesetzt werden, wird durch kleine Grafiken verdeutlicht, während der Nähprozess und die Verarbeitungsdetails ohne Bilder auskommen müssen. Für ungeübte Bekleidungsnäherinnen könnten Projekte wie das Nähen eines Faltenrocks aus zwei alten Hemden, einer Sixties-Jacke aus einem Mantel oder eines einseitig schulterfreien Kleides aus einer Hose technisch ein bißchen zu kompliziert sein, aber Frau Jona&son empfiehlt ohnehin, mit einfachen Projekten zu beginnen, sich an die Schwierigeren langsam heranzutasten und sich nicht von "wie-gekauft"-Perfektionismus stressen zu lassen.
Die Projekte zur Oberflächengestaltung haben mir besonders gut gefallen: Da wird Jersey auf Jersey appliziert, mit Kartoffelstempeln gedruckt, oder, besonders interessant, mit Stofffarben und Pinsel ziemlich hemmungslos gemalt. Das muss ich unbedingt ausprobieren! Wenn es sich "nur" um ein altes T-Shirt handelt, das bemalt wird, erlange vielleicht sogar ich die nötige Wildheit, so dass das Ergebnis interessant aussieht.
Besonders spannend finde ich auch die Stücke, bei denen Raffungen und Smok mit Gummifaden als Unterfaden in der Nähmaschine die Form des Ausgangsskleidungsstücks verändern. Aber längst nicht alle Projekte sind so ungewöhnlich, es gibt auch ganz cleane Designs wie das Trägeroberteil aus einem Sweatshirt, die Bluse aus einem Hemd, das Kleid aus zwei Hemden oder das Oberteil mit Dreiviertelarm aus einem übergroßen Pullover. Wie man an dieser Aufzählung sieht, sind die Ausgangsmaterialien so gewählt, dass wohl jede etwas Ähnliches in ihrem eigenen Kleiderschrank finden wird und gleich mit dem Nacharbeiten beginnen kann, auf dass aus dem dem toten Kleiderkapital im Schrank neue Lieblingsstücke werden.
Frau Jona&Son
ReDesign. Neues nähen aus alten Kleidern
Haupt Verlag, 224 Seiten, 29,90€
Auf der Seite des Verlags gibt es eine Leseprobe und im Magazin des Haupt-Verlags kann man eines von fünf Exemplaren gewinnen.
Schaut auch noch in die wirklich interessanten Blogs der Blogtour hinein:
Donnerstag, 24. März gesehen und gesehen werden
Dienstag, 29. März Green Friday
Mittwoch, 30. März simply zero
Freitag, 1. April Re:belle upcycling
Dienstag, 29. März Green Friday
Mittwoch, 30. März simply zero
Freitag, 1. April Re:belle upcycling
In den nächsten Tagen folgt dann noch:
Mittwoch, 6. April Christinaa
Donnerstag, 7. April Ich kauf nix!
Freitag, 8. April widerstandistzweckmaessig
[Das Buch wurde mir vom Haupt-Verlag für die Rezension zur Verfügung gestellt.]
Dienstag, 10. November 2015
"Neues Leben für alte Kleider" ist da!
Endlich komme ich dazu, euch mein neues Buch "Neues Leben für alte Kleider" vorzustellen, das ich vor ein paar Wochen angekündigt hatte. Den Karton mit den Belegexemplaren auszupacken, ähnelt vom Gefühlszustand her dem Entgegennehmen von Prüfungsergebnissen und ich brauchte ein, zwei Tage und eine Erkältung, um alles sacken zu lassen - jetzt kann ich mich endlich freuen!
Das Thema Upcycling oder Refashion interessiert mich hier im Blog ja schon seit Jahren. Ich finde es einfach ungeheuer befriedigend, eine alte Klamotte, die sonst in den Müll wandern würde, zu erhalten und noch etwas Sinnvolles daraus zu machen. Als Selbermacherin ist mir der Wert von Textilien natürlich bewusst, die viele Arbeit und die Ressourcen, die in so einem Stoff und erst recht in einem Kleidungsstück stecken. Daher tue ich mich schwer, Textilien die noch nicht nicht völlig zerfallen sind, einfach in die Tonne zu hauen. Auf der anderen Seite mag ich die Unbeschwertheit, die das Experimentieren mit alten Stoffen mit sich bringt und die kreativen Lösungen, die einem manchmal zufallen, wenn das Material begrenzt ist.
Von sehr vielen Selbermacherinnen weiß ich, dass sie alte Kleider horten und nur der letzte Anstoß fehlt, tatsächlich loszulegen, und ich hoffe, dass das Buch diesen Stupser bieten kann. Die verwendeten Materialien beschränken sich auf Jeans, Hemden, T-Shirts und Pullis, denn die hat sowieso jeder zuhause oder sie lassen sich leicht im Verwandten- und Freundeskreis sammeln. Ich habe mich nämlich selbst schon ab und zu über lebensfremde Refashion-Anleitungen geärgert, für die man sehr spezifische Dinge wie ein bodenlanges Seidenkleid oder 5 Blusen in aufeinander abgestimmten Farben und Mustern brauchte.
Neben dem Upcycling gibt es in jedem Kapital auch noch ein paar Tipps zum Reparieren: Wie stopft man eine Jeans oder einen Pullover? Wie kürzt man eine Jeans, ohne den coolen abgeschraddelten Saum zu opfern? Wie kann man ein löchriges T-Shirt retten?
Die Projekte im Einzelnen:
Im Jeanskapitel gibt es
- Jeans stopfen, flicken, kürzen
- eine Anleitung für eine modular aufgebaute Decke oder Matte, quasi Patchwork, aber ganz einfach zu nähen
- eine Anleitung für große und sehr stabile Einkaufstaschen
- eine Anleitung für Hüllen für Laptop oder Tablet, den Schnitt macht man sich ganz einfach selber
- der Upcycling-Klassiker schlechthin: Der Rock aus einer Jeanshose
- eine kleine gefütterte Umhängetasche mit Reißverschluss
Das Oberhemdkapitel:
- Kragen und Knopfleiste reparieren
- eine Anleitung für ganz einfache Kissenbezüge
- ein Malkittel für Kinder, den kann man gut als Vorübung für das Kleidchen nähen
- ein Sommerrock oder auch eine Schürze - ist in der Mitte unten auch auf dem Titel abgebildet
- eine Schößchenbluse, die sich unendlich variieren lässt, ein guter Einstieg ins Bekleidungsnähen
- das Kinderkleid von der Doppelseite oben. Den Schnitt zeichnet man direkt auf das Hemd.
Im T-Shirt-Kapitel geht es zuerst um die Rettung löchriger oder fleckiger Teile durch Negativapplikationen (die Spaß machen, auch wenn sie sich, nunja, nicht so positiv anhören) und um das Konservieren abgeliebter T-Shirts mit Erinnerungswert. Genäht wird außerdem
- ein Loopschal aus dünnen Viskoseshirts
- ein Rock mit Taschen und Gummibandbund, den können ältere Kinder sicher schon mit geringer Hilfe nähen
- eine Hose für kleine Kinder aus einem alten Langarmshirt
Außerdem gibt es eine Anleitung für T-Shirt-Garn - für solches Garn gibt es ja mittlerweile viele Strick- und Häkelmodelle, für die man widersinnigerweise extra hergestelltes Jerseyschlauchgarn kaufen soll. Aber Selberschneiden ist wirklich einfach.
Im Pulloverkapitel wird das Löcherstopfen gezeigt, und wie man sich eigene Ellbogenflicken machen kann, die hübscher sind, als die Fertigteile aus der Kurzwarenabteilung. Meine Lieblingstechnik, das Pulloverfilzen kommt vor, mit Anleitungen für kleine Dinge, die man aus gefilzten Pullovern nähen kann: Kleine Hüllen für elektronische Gadgets, eine Hülle für die Wärmflasche und ganz einfache Stulpen, mit denen man gut als Weihnachtsgeschenk für den weiblichen Teil der Verwandtschaft in Serienproduktion gehen kann. Die Stulpen können Kinder auch gut umsetzen, sie brauchen vielleicht nur ein bißchen Hilfe beim Schneiden der Knopflöcher.
Außerdem gibt es eine Kinderjacke mit umhäkelten Kanten (auch auf dem Cover) und einen Strickbolero oder Ärmelschal, also eine kurze Jacke zum Überziehen.
Die wunderbaren Fotos der fertigen Dinge hat die Leipziger Fotografin Kathleen Busies gemacht. Wir haben uns nie getroffen und die Zeit war ziemlich knapp, und trotzdem hat sie die Sachen sehr schön inszeniert und in ihren Bildern eine Stimmung geschaffen, die sehr gut zum Thema Upcycling passt. Ich bin richtig begeistert davon, dass die Kleidungsstücke von ganz normalen hübschen Frauen präsentiert werden und dass die Bilder der Kindersachen so fröhlich und natürlich geworden sind. Kathleen Busies ist offensichtlich eine ausgezeichnete Porträtfotografin und ich bin sehr glücklich, dass der Verlag sie für die Zusammenarbeit ausgesucht hat. Besser hätte es nicht laufen können.
Meike, Frau Crafteln, hat schon vor einigen Tagen über das Buch geschrieben, bei ihr findet ihr auch weitere Bilder aus dem Inneren und wenn ihr euch sehr beeilt, könnte ihr dort heute Abend noch ein Exemplar gewinnen. Ansonsten gibt es das Buch natürlich in der Buchhandlung eures Vertrauens!
Constanze Derham
Neues Leben für alte Kleider (Mach mit!)
BuchVerlag für die Frau, Leipzig 2015
ISBN 978-3-89798-482-0
80 Seiten, 12,95 €
Übrigens: Das ABC Nähen von 2012, das einige Zeit vergriffen war, ist nun in der zweiten Auflage wieder erhältlich! Ein paar Druckfehler wurden korrigiert, sonst hat sich nichts geändert, es ist ein schlichtes, kleines, nützliches Nähtechnikbuch für Anfänger - hier hatte ich damals darüber geschrieben.
Constanze Derham
Nähen (ABC der Handarbeiten)
BuchVerlag für die Frau, Leipzig
2. Auflage 2015
ISBN 978-3-89798-361-8
72 Seiten, 9,95 €
Donnerstag, 15. Oktober 2015
Refashion, Recycling, Upcycling: "Neues Leben für alte Kleider" gibt es bald als Buch
Bei den Bloggertreffen der letzten Monate, in Muriels-(Nahtzugabe5cm) Podcast und bei twitter habe ich es schon erzählt: Demnächst erscheint wieder ein Handarbeitsbuch von mir, und ich bin ziemlich aufgeregt, wie das wird, oder besser gesagt: wie es dann ist, wenn es da ist, es ist nämlich, was meinen Teil der Arbeit betrifft, fertig.
Falls ihr mein Blog schon lange lest, wird euch das Thema bekannt vorkommen, es geht nämlich um Kleidungs-Upcycling oder -Recycling oder Refashion, also auf Deutsch gesagt darum, aus alten Kleidern, die man nicht mehr mag oder nicht mehr trägt, etwas Neues zu machen. Vor Urzeiten, im Jahr 2011, gab es hier im Blog mal eine Serie zu dem Thema mit einer monatlichen Linksammlung voller Ideen zum Umgestalten und Weiterverwenden, die schon "Neues Leben für alte Kleider" hieß.
Für das Buch habe ich mir aber ein paar neue Sachen ausgedacht und gleichzeitig ein paar Recycling-Klassiker wie den Jeansrock aus einer Jeanshose aufgenommen. Ich dachte mir, dass es nicht besonders sinnvoll ist, Anleitungen zu schreiben, für die man sehr spezielle Kleidungsstücke braucht, die wahrscheinlich nur die wenigsten zufällig im Schrank haben. Deshalb geht es bei Neues Leben für alte Kleider ausschließlich um Jeans, Oberhemden, T-Shirts und Wollpullis, mit Anleitungen in verschiedenen Schwierigkeitsstufen.
Im Juli und August, als es in Berlin so heiß war, war gerade die Hochphase des Beispiele-Nähens bei mir, und ich saß also bei geschlossenen Türen und Fenstern drinnen, nähte und probierte und änderte und fotografierte, lüftete mich am Abend in einem Straßencafé aus (um auch mal wieder unter Leute zu kommen), lüftete nach Mitternacht die Wohnung und nähte am nächsten Tag weiter... Das war schon ein bißchen extrem, aber mir hat es trotzdem großen Spaß gemacht. Mir gefällt es, mir ein Konzept für so ein Buch auszudenken, zu überlegen: Wer soll es kaufen, wie baut man es am besten auf, was ist eine gute Mischung von Schwierigkeitsstufen und Projekten? Mir macht das Schreiben Spaß, mir macht es Spaß, die Projekte umzusetzen und zu fotografieren und so zu gestalten, dass das Buch stilistisch sozusagen aus enem Guss ist. Außerdem hatte ich diesmal das Glück, dass eine tolle Fotografin aus Leipzig die fertigen Sachen abgelichtet hat - darüber schreibe ich aber später nochmal, wenn das Buch da ist und ich ein bißchen was zeigen kann.
Das dauert noch bis Ende des Monats, und ich bin selbst sehr, sehr gespannt. Man bekommt zwar bei den vorletzten und den letzten Korrekturen die Buchseiten als pdf (es geht ja auch darum, dass die Bilder richtig zugeordnet sind), aber als Buch ist das natürlich nochmal etwas ganz anderes. Das ist fast so wie der Unterschied zwischen einer Stoffbahn und einem Kleidungsstück: Man kann sich zwar vorstellen, wie ein Stoff als Rock, Hose, Jacke aussehen würde, aber das fertige Teil in der Hand zu halten, ist mit der Vorstellung eben nicht zu vergleichen. Und ein bißchen arg spannend ist es auch deshalb, weil man mit allen Fehlern und Mängeln, die dann trotz aller Sorgfalt sicher immer noch da sind (fehlerlose Bücher gibt es nicht), leben muss. Für mich als kleine Perfektionistin schwer zu ertragen - wahrscheinlich habe ich das Gefühl, einen Schnaps trinken zu müssen, nachdem ich das Paket mit den Belegexemplaren aufgerissen habe.
Beim bösen A ist Neues Leben für alte Kleider schon gelistet (wobei ihr es aber besser in der kleinen Buchhandlung an der Ecke bestellt), das Cover wurde aber nochmal geändert, in Wirklichkeit sieht es dann aus wie oben auf dem Foto. Bei den Projekten im Buch ist auch für absolute Nähanfänger einiges dabei, und manches, wie die geknöpften Wollstulpen, können auch Kinder umsetzen. Neues Leben für alte Kleider ist also eher nicht für versierte Refashionistas oder hingebungsvolle Nähnerds gedacht, aber ich habe die Hoffnung, dass Näh-Neulinge aller Altersstufen Lust bekommen, ein bißchen mit alten Kleidern zu experimentieren. Gerade wenn man mit dem Nähen anfängt, ist es doof, Stoff zu kaufen und den womöglich zu verschneiden, da ist es doch viel entspannender, erst mal mit Material anzufangen, das sowieso herumliegt, und um das es nicht so schade ist, wenn das Nähwerk noch nicht so gut gelingt.
Ich melde mich dann Ende Oktober nochmal zu dem Thema, sobald das Buch da ist und ich den Schnaps (s. o.) verdaut habe, dann zeige ich euch ein bißchen was.
Falls ihr mein Blog schon lange lest, wird euch das Thema bekannt vorkommen, es geht nämlich um Kleidungs-Upcycling oder -Recycling oder Refashion, also auf Deutsch gesagt darum, aus alten Kleidern, die man nicht mehr mag oder nicht mehr trägt, etwas Neues zu machen. Vor Urzeiten, im Jahr 2011, gab es hier im Blog mal eine Serie zu dem Thema mit einer monatlichen Linksammlung voller Ideen zum Umgestalten und Weiterverwenden, die schon "Neues Leben für alte Kleider" hieß.
Für das Buch habe ich mir aber ein paar neue Sachen ausgedacht und gleichzeitig ein paar Recycling-Klassiker wie den Jeansrock aus einer Jeanshose aufgenommen. Ich dachte mir, dass es nicht besonders sinnvoll ist, Anleitungen zu schreiben, für die man sehr spezielle Kleidungsstücke braucht, die wahrscheinlich nur die wenigsten zufällig im Schrank haben. Deshalb geht es bei Neues Leben für alte Kleider ausschließlich um Jeans, Oberhemden, T-Shirts und Wollpullis, mit Anleitungen in verschiedenen Schwierigkeitsstufen.
Im Juli und August, als es in Berlin so heiß war, war gerade die Hochphase des Beispiele-Nähens bei mir, und ich saß also bei geschlossenen Türen und Fenstern drinnen, nähte und probierte und änderte und fotografierte, lüftete mich am Abend in einem Straßencafé aus (um auch mal wieder unter Leute zu kommen), lüftete nach Mitternacht die Wohnung und nähte am nächsten Tag weiter... Das war schon ein bißchen extrem, aber mir hat es trotzdem großen Spaß gemacht. Mir gefällt es, mir ein Konzept für so ein Buch auszudenken, zu überlegen: Wer soll es kaufen, wie baut man es am besten auf, was ist eine gute Mischung von Schwierigkeitsstufen und Projekten? Mir macht das Schreiben Spaß, mir macht es Spaß, die Projekte umzusetzen und zu fotografieren und so zu gestalten, dass das Buch stilistisch sozusagen aus enem Guss ist. Außerdem hatte ich diesmal das Glück, dass eine tolle Fotografin aus Leipzig die fertigen Sachen abgelichtet hat - darüber schreibe ich aber später nochmal, wenn das Buch da ist und ich ein bißchen was zeigen kann.
Das dauert noch bis Ende des Monats, und ich bin selbst sehr, sehr gespannt. Man bekommt zwar bei den vorletzten und den letzten Korrekturen die Buchseiten als pdf (es geht ja auch darum, dass die Bilder richtig zugeordnet sind), aber als Buch ist das natürlich nochmal etwas ganz anderes. Das ist fast so wie der Unterschied zwischen einer Stoffbahn und einem Kleidungsstück: Man kann sich zwar vorstellen, wie ein Stoff als Rock, Hose, Jacke aussehen würde, aber das fertige Teil in der Hand zu halten, ist mit der Vorstellung eben nicht zu vergleichen. Und ein bißchen arg spannend ist es auch deshalb, weil man mit allen Fehlern und Mängeln, die dann trotz aller Sorgfalt sicher immer noch da sind (fehlerlose Bücher gibt es nicht), leben muss. Für mich als kleine Perfektionistin schwer zu ertragen - wahrscheinlich habe ich das Gefühl, einen Schnaps trinken zu müssen, nachdem ich das Paket mit den Belegexemplaren aufgerissen habe.
Beim bösen A ist Neues Leben für alte Kleider schon gelistet (wobei ihr es aber besser in der kleinen Buchhandlung an der Ecke bestellt), das Cover wurde aber nochmal geändert, in Wirklichkeit sieht es dann aus wie oben auf dem Foto. Bei den Projekten im Buch ist auch für absolute Nähanfänger einiges dabei, und manches, wie die geknöpften Wollstulpen, können auch Kinder umsetzen. Neues Leben für alte Kleider ist also eher nicht für versierte Refashionistas oder hingebungsvolle Nähnerds gedacht, aber ich habe die Hoffnung, dass Näh-Neulinge aller Altersstufen Lust bekommen, ein bißchen mit alten Kleidern zu experimentieren. Gerade wenn man mit dem Nähen anfängt, ist es doof, Stoff zu kaufen und den womöglich zu verschneiden, da ist es doch viel entspannender, erst mal mit Material anzufangen, das sowieso herumliegt, und um das es nicht so schade ist, wenn das Nähwerk noch nicht so gut gelingt.
Ich melde mich dann Ende Oktober nochmal zu dem Thema, sobald das Buch da ist und ich den Schnaps (s. o.) verdaut habe, dann zeige ich euch ein bißchen was.
Sonntag, 30. August 2015
Stoffspielerei im August: Es war einmal ein Oberhemd. Aufgeschnitten mit "Cut up couture" von Koko Yamase
Heute sammelt Suschna - Textile Geschichten die Beiträge der Stoffspielerei. Oberhemden sind ja sozusagen ein Lieblingsthema von mir: Ich mag die typischen Stoffe sehr gerne und hebe daher jedes Hemd mit durchgescheuertem Kragen auf. Aus Hemden habe ich schon Blusen gemacht (hier, hier und hier) und einmal einen Rock, viele andere wanderten in Patchwork, wurden zu Taschenbeuteln oder Belegen verarbeitet.
Dieses Mal wollte ich eine Anleitung aus einem Buch ausprobieren, das ich schon lange habe: Cut-up Couture von Kakao Yamase (gibt es inzwischen auch auf Deutsch).
In dem Buch werden XXL-Sweatshirts, Oberhemden und Wollschals zu anderen Kleidungsstücken umgearbeitet, das Ganze ist sehr cool fotografiert - jedes Kapitel in einem anderen Stil - und die genähten Teile sind teils normal tragbar wie das T-Shirt mit den angesetzten Ärmeln eines Hemdes, teils ziemlich gewagt wie das drapierte Sweatshirtkleid. Die alten Kleidungsstücke fungieren nicht einfach nur als Stofflieferanten, typische Elemente werden bei der Verwandlung beibehalten.
Wie man es aus japanischen Nähbüchern kennt, sind die schriftlichen Anleitungen knapp gehalten, aber werden durch sehr gute und sehr klare Grafiken ergänzt.
Ich habe mir den "Arm-in-arm Skirt" aus zwei Oberhemden vorgenommen, für den ich zwei wunderbar grün-bunt und blau gestreifte (und daher schlecht zu fotografierende) Ex-Lieblingshemden des Liebsten gehortet hatte.
Das Konstruktionsprinzip des Rocks ist eigentlich ganz einfach, was aber nicht bedeutet, dass ich selbst jemals darauf gekommen wäre. Bei beiden Hemden werden Passen samt Kragen und die Ärmel abgeschnitten, dann die obere Kanten eingekräuselt und an einen Bundstreifen aus den Passen angenäht. Der hintere Bund wird beim Tragen nach vorne gebunden, der vordere nach hinten, und beide Hemden werden an den Seiten zusammengeknöpft. Anscheinend gibt es einen Standard für den Knopfabstand bei Oberhemden, bei mir passten nämlich zwei Hemden völlig unterschiedlicher Fabrikate perfekt zusammen.
Die abgeschnittenen Ärmel von Hemd 1 bilden das Bindeband des Vorderteils - die Manschetten werden einfach zusammengefaltet und aufgesteppt.
Die Anleitung für die Rocktaschen ist leider ziemlicher Quatsch: Man soll die Ärmel 4 cm von der Achsel entfernt durchschneiden, den Ärmelstumpf auf links drehen, zunähen und als Taschenbeutel in den Rock ziehen. Das kann man zwar machen - oben im Bild sieht man den Tascheneingriff, also den ehemaligen Armausschnitt - der Taschenbeutel ist dann aber mehr oder weniger dreieckig und hat da, wo es drauf ankommt, nur eine Tiefe von 4 cm minus Nahtzugabe, ist also selbst für eine Kinokarte zu klein. Verlängern kann man ihn aber auch nicht ohne weiteres, weil der restliche Ärmel dann als Bindeband zu kurz wäre.
Aber ich will nicht meckern: Ich habe keine drei Stunden an diesem Rock genäht. Am Samstag von halb elf bis halb eins nach einem langen Tag im Stoffgeschäft, und heute am Sonntag nochmal eine Dreiviertelstunde vor dem Frühstück. An dem heißen Tag heute zog ich ihn gleich an, der schöne kühle, glatte Stoff und die locker fallende Stoffmenge sind ideal bei Hitze. Ein bißchen aufregender und avantgardistischer hatte ich mir den Rock schon vorgestellt, selbst der Saum ist ziemlich langweilig gerade geworden! Vielleicht verbessere ich das Teil noch, indem ich die Taschenbeutel mit anderem Stoff erweitere, und statt Kräuseln würden Falten in Knopfleistenbreite sicher eleganter aussehen und den Blick stärker auf die Knopfleisten lenken. Die gehen jetzt im Gekräusel etwas unter und sind ja eigentlich der Clou der ganzen Sache.
Alle Hemdenverwandlungen der Stoffspielerei im August findet ihr gesammelt bei Suschna.
Ergänzung 4. 9. 2015: Eine Verlinkungsaktion zum Thema Hemdenrecycling gibt es gerade bei Maike von Liaison: Altes Hemd - neues Gewand.
Danke für die Einladung, Maike!
Das Thema der nächste Stoffspielerei am 27. 9. sind Falten, gesammelt bei Griselda/Machwerk.
...................................................
Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.
Der vorläufige Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:
27. September – Machwerke – Thema Falten
25. Oktober – Karen – Thema Spitze
29. November – Nahtzugabe
27. Dezember – WINTERPAUSE
Dieses Mal wollte ich eine Anleitung aus einem Buch ausprobieren, das ich schon lange habe: Cut-up Couture von Kakao Yamase (gibt es inzwischen auch auf Deutsch).
In dem Buch werden XXL-Sweatshirts, Oberhemden und Wollschals zu anderen Kleidungsstücken umgearbeitet, das Ganze ist sehr cool fotografiert - jedes Kapitel in einem anderen Stil - und die genähten Teile sind teils normal tragbar wie das T-Shirt mit den angesetzten Ärmeln eines Hemdes, teils ziemlich gewagt wie das drapierte Sweatshirtkleid. Die alten Kleidungsstücke fungieren nicht einfach nur als Stofflieferanten, typische Elemente werden bei der Verwandlung beibehalten.
Wie man es aus japanischen Nähbüchern kennt, sind die schriftlichen Anleitungen knapp gehalten, aber werden durch sehr gute und sehr klare Grafiken ergänzt.
Ich habe mir den "Arm-in-arm Skirt" aus zwei Oberhemden vorgenommen, für den ich zwei wunderbar grün-bunt und blau gestreifte (und daher schlecht zu fotografierende) Ex-Lieblingshemden des Liebsten gehortet hatte.
Das Konstruktionsprinzip des Rocks ist eigentlich ganz einfach, was aber nicht bedeutet, dass ich selbst jemals darauf gekommen wäre. Bei beiden Hemden werden Passen samt Kragen und die Ärmel abgeschnitten, dann die obere Kanten eingekräuselt und an einen Bundstreifen aus den Passen angenäht. Der hintere Bund wird beim Tragen nach vorne gebunden, der vordere nach hinten, und beide Hemden werden an den Seiten zusammengeknöpft. Anscheinend gibt es einen Standard für den Knopfabstand bei Oberhemden, bei mir passten nämlich zwei Hemden völlig unterschiedlicher Fabrikate perfekt zusammen.
Die abgeschnittenen Ärmel von Hemd 1 bilden das Bindeband des Vorderteils - die Manschetten werden einfach zusammengefaltet und aufgesteppt.
Die Anleitung für die Rocktaschen ist leider ziemlicher Quatsch: Man soll die Ärmel 4 cm von der Achsel entfernt durchschneiden, den Ärmelstumpf auf links drehen, zunähen und als Taschenbeutel in den Rock ziehen. Das kann man zwar machen - oben im Bild sieht man den Tascheneingriff, also den ehemaligen Armausschnitt - der Taschenbeutel ist dann aber mehr oder weniger dreieckig und hat da, wo es drauf ankommt, nur eine Tiefe von 4 cm minus Nahtzugabe, ist also selbst für eine Kinokarte zu klein. Verlängern kann man ihn aber auch nicht ohne weiteres, weil der restliche Ärmel dann als Bindeband zu kurz wäre.
Aber ich will nicht meckern: Ich habe keine drei Stunden an diesem Rock genäht. Am Samstag von halb elf bis halb eins nach einem langen Tag im Stoffgeschäft, und heute am Sonntag nochmal eine Dreiviertelstunde vor dem Frühstück. An dem heißen Tag heute zog ich ihn gleich an, der schöne kühle, glatte Stoff und die locker fallende Stoffmenge sind ideal bei Hitze. Ein bißchen aufregender und avantgardistischer hatte ich mir den Rock schon vorgestellt, selbst der Saum ist ziemlich langweilig gerade geworden! Vielleicht verbessere ich das Teil noch, indem ich die Taschenbeutel mit anderem Stoff erweitere, und statt Kräuseln würden Falten in Knopfleistenbreite sicher eleganter aussehen und den Blick stärker auf die Knopfleisten lenken. Die gehen jetzt im Gekräusel etwas unter und sind ja eigentlich der Clou der ganzen Sache.
Alle Hemdenverwandlungen der Stoffspielerei im August findet ihr gesammelt bei Suschna.
Ergänzung 4. 9. 2015: Eine Verlinkungsaktion zum Thema Hemdenrecycling gibt es gerade bei Maike von Liaison: Altes Hemd - neues Gewand.
Danke für die Einladung, Maike!
Das Thema der nächste Stoffspielerei am 27. 9. sind Falten, gesammelt bei Griselda/Machwerk.
...................................................
Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.
Der vorläufige Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:
27. September – Machwerke – Thema Falten
25. Oktober – Karen – Thema Spitze
29. November – Nahtzugabe
27. Dezember – WINTERPAUSE
Donnerstag, 22. Dezember 2011
Alles ist erleuchtet (oder: wie man kurz vor Weihnachten seine geistige Gesundheit behält)
Anscheinend gibt es in jedem Haushalt mindestens eine klapprige Stehlampe von Ikea - diese Vermutung hege ich seit Suschnas Lampenverschönerung vom Anfang des Jahres, denn ausweislich der Kommentare fühlten sich mehrere Leute gleich animiert, ihre Lampen ebenfalls zu bemalen oder umzugestalten. Unsere klapprige Stehlampe, an deren sicherlich klangvollen Namen - ich vermute sowas wie „Stelåmpa“ - ich mich nicht mehr erinnere (sie wird seit Jahren nicht mehr hergestellt), schlug nun leider in der vergangenen Woche den Weg von „nur klapprig“ zu „ganz kaputt“ ein. Das folgende Bild mag das Problem verdeutlichen:
Der Schirm zerbröselte wie ein Mandelspekulatius und wollte nicht einmal mehr als Unterlage für Verschönerungsaktionen taugen. Was tun?!? Am vierten Adventswochenende zu Ikea fahren und inmitten einer Horde einkaufswütiger Irrer einen neuen billigen Schirm für Stelåmpa an mich raffen? Wie sollte das gelingen, ohne den Verstand zu verlieren und bepackt mit Stoffen, Papierservietten, Bettwäsche, Blumenvasen, Weihnachtsdeko und Fleischbällchen zurückzukehren, um nur die geläufigsten Stolperfallen zu nennen? Oder sollten wir Weihnachten zur Sicherheit lieber neben einer nackten Energiesparleuchte verbringen?
... und fertig war ein charmanter und glücklicherweise selbst unbeleuchtet nicht wie Tshirt-über-Gestell-geworfen aussehender Lampenschirm.
Aber die Nähnadel im Haus erspart den geistigen und finanziellen Ruin, denn anstatt neben Stelåmpa auf die Erleuchtung zu warten (haha), wurde ich mit einem schon ganz dünn gewaschenen weißen Tshirt tätig. Ich schnitt es unter den Achseln quer durch, so dass ich einen Schlauch erhielt. Den oberen, abgeschnittenen Rand schlug ich nach innen um und nähte ihn fest, in den Tunnel zog ich eine Schnur ein und raffte damit das obere Schlauchende zusammen...
... am anderen Ende schlug ich den Tshirtsaum nach innen, legte den unteren, größeren Reifen des Lampenschirms dort ein und nähte ihn mit der Hand fest...
Der darf jetzt eine Weile bleiben, wahrscheinlich über Weihnachten hinaus, denn die Lampe ist so klapprig, dass sich im Grunde nicht einmal die Investition in einen neuen Billigschirm lohnt, und Ikea ist ja auch nach den Feiertagen immer noch gefährlich.
P. S. Nicole von Mia Unikate hatte vor kurzem ein ganz ausführliches Tutorial erstellt, wie man einen Lampenschirm mit Stoff bezieht, sofern er noch nicht rettungslos zusammengebrochen ist wie meiner. Ihr Lampenschirm hieß übrigens JÄRA.
Sonntag, 4. Dezember 2011
Neues Leben für alte Kleider im November - die letzte Runde
Liebe Leute, die letzte Folge Neues Leben für alte Kleider haben wir heute - fast Gelegenheit, etwas sentimental zu werden. In zehn Folgen kamen mehr als 100 Umarbeitungsprojekte zusammen, vom Verbessern schlecht passender Schrankleichen bis hin zur kompletten Dekonstruktion und Neuschöpfung. Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben! Mir hats viel Spaß gemacht mit euch, es war jeden Monat wieder spannend und überraschend, was man aus alten Sachen so machen kann, und außerdem sind wirklich ein paar neue Lieblingsteile entstanden. Die aufgehübschte Tasche vom März ist zum Beispiel ständig in Verwendung (wenn auch meistens nicht von mir), und die Strickjacke mit Punktekante vom September ziehe ich derzeit kaum noch aus.
Jetzt aber zu der kleinen, feinen Sammlung eurer Projekte im November:
Kirstin/Augusthimmel baute einen Adventskranz aus vielen verschiedenen Jeansresten - sehr, sehr cool, besonders mit silbernen Kugeln und Kerzen, und zu anderen Jahreszeiten findet sich dafür bestimmt auch ein Plätzchen.
Sehr cool war auch das Projekt von Griselda/Machwerk: sie überschrieb zwar den Post mit "Der Tod einer heißgeliebten Lederjacke", in Wirklichkeit handelt es sich aber um ein ganz neues Leben dieses tollen Materials als schöne große Ledertasche.
Frau Siebensachen ging eine nicht passende Cordhose aus dem Secondhandladen nicht aus dem Kopf - jetzt trägt sie sie doch, aber als Rock, und erklärt uns, wie das geht.
Suschna nahm sich eines Strickkleides aus den Achtzigern an: statt Goldknöpfen und aufgesticktem Löwenkopf haben wir jetzt Japanstoff und fast unsichtbar versorgte Mottenlöcher. Karina/Kawi arbeitete eine nicht mehr so beliebte selbstgenähte Jacke in eine Weste mit schönem Kragen um - noch nicht ganz fertig, aber auf jeden Fall viel besser so. Manchmal sind es ja nur kleinere, aber für das Wohlfühlen entscheidende Änderungen: Malou versah ein lockeres Polohemdkleid mit Abnähern und kürzte die Ärmel, aus einer Tunika wurde ein Rock mit Punkten, und der Kleiderschrank ist um zwei gerne getragene Stücke reicher.
Die monatliche Sammlung wird es hier nächstes Jahr nicht mehr geben, aber kein Grund zur Trauer: der Refashion-Stapel wird ja nicht kleiner, im Gegenteil. Ein paar sehr interessante Stücke sind noch da, und die kommen vielleicht im Laufe des nächsten Jahrs unter die Schere.
In Arbeit ist zum Beispiel ein paar Hausschuhe aus einer alten Jeans, ich versuche, den Schnitt von gut passenden Stoffballerinas abzunehmen und werde über Erfolg oder Mißerfolg berichten. Das Pullöverchen oben in der Mitte bekam ich gerade von meiner Schreibtischnachbarin geschenkt - zum Glück kein Waschunfall, sie musterte ihn aus und ließ ihn mit Absicht verfilzen. Jetzt ist er winzig klein, mal sehen, ob ich da wenigstens noch ein paar Handstulpen herausbekomme. Und dann gibt es noch eine Menge Sachen aus den Neunzigern: eine grüne Bluse, deren Muster ich noch immer liebe, deren geräumigen Schnitt aber nicht mehr. Eine dunkelgrüne Cargohose mit Gummizug in der Taille, die man heute nur noch als Geschmacksverirrunng betrachten kann - der Stoff ist aber sehr schön. Genauso der Stoff der Bluse daneben: leider passte sie aber schon immer schlecht, und die Verteilung der Blumen ist auch nicht sonderlich überzeugend. Und der Rock ist jetzt leider einen Tick zu eng, ich hätte aber gerne wieder so einen, passend natürlich.
Es ist also noch viel zu tun. Hier noch einmal die Links zu den Beiträgen der vergangenen Monate:
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
Jetzt aber zu der kleinen, feinen Sammlung eurer Projekte im November:
Kirstin/Augusthimmel baute einen Adventskranz aus vielen verschiedenen Jeansresten - sehr, sehr cool, besonders mit silbernen Kugeln und Kerzen, und zu anderen Jahreszeiten findet sich dafür bestimmt auch ein Plätzchen.
Sehr cool war auch das Projekt von Griselda/Machwerk: sie überschrieb zwar den Post mit "Der Tod einer heißgeliebten Lederjacke", in Wirklichkeit handelt es sich aber um ein ganz neues Leben dieses tollen Materials als schöne große Ledertasche.
Frau Siebensachen ging eine nicht passende Cordhose aus dem Secondhandladen nicht aus dem Kopf - jetzt trägt sie sie doch, aber als Rock, und erklärt uns, wie das geht.
Suschna nahm sich eines Strickkleides aus den Achtzigern an: statt Goldknöpfen und aufgesticktem Löwenkopf haben wir jetzt Japanstoff und fast unsichtbar versorgte Mottenlöcher. Karina/Kawi arbeitete eine nicht mehr so beliebte selbstgenähte Jacke in eine Weste mit schönem Kragen um - noch nicht ganz fertig, aber auf jeden Fall viel besser so. Manchmal sind es ja nur kleinere, aber für das Wohlfühlen entscheidende Änderungen: Malou versah ein lockeres Polohemdkleid mit Abnähern und kürzte die Ärmel, aus einer Tunika wurde ein Rock mit Punkten, und der Kleiderschrank ist um zwei gerne getragene Stücke reicher.
Die monatliche Sammlung wird es hier nächstes Jahr nicht mehr geben, aber kein Grund zur Trauer: der Refashion-Stapel wird ja nicht kleiner, im Gegenteil. Ein paar sehr interessante Stücke sind noch da, und die kommen vielleicht im Laufe des nächsten Jahrs unter die Schere.
In Arbeit ist zum Beispiel ein paar Hausschuhe aus einer alten Jeans, ich versuche, den Schnitt von gut passenden Stoffballerinas abzunehmen und werde über Erfolg oder Mißerfolg berichten. Das Pullöverchen oben in der Mitte bekam ich gerade von meiner Schreibtischnachbarin geschenkt - zum Glück kein Waschunfall, sie musterte ihn aus und ließ ihn mit Absicht verfilzen. Jetzt ist er winzig klein, mal sehen, ob ich da wenigstens noch ein paar Handstulpen herausbekomme. Und dann gibt es noch eine Menge Sachen aus den Neunzigern: eine grüne Bluse, deren Muster ich noch immer liebe, deren geräumigen Schnitt aber nicht mehr. Eine dunkelgrüne Cargohose mit Gummizug in der Taille, die man heute nur noch als Geschmacksverirrunng betrachten kann - der Stoff ist aber sehr schön. Genauso der Stoff der Bluse daneben: leider passte sie aber schon immer schlecht, und die Verteilung der Blumen ist auch nicht sonderlich überzeugend. Und der Rock ist jetzt leider einen Tick zu eng, ich hätte aber gerne wieder so einen, passend natürlich.
Es ist also noch viel zu tun. Hier noch einmal die Links zu den Beiträgen der vergangenen Monate:
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
Sonntag, 6. November 2011
Neues Leben für alte Kleider im Oktober (und eine Ex-Tischdecke)
Willkommen zum vorletzten Mal Neues Leben für alte Kleider in diesem Jahr. Die Mission ist bald erfüllt - allerdings ist mein Refashion-Stapel nicht wirklich kleiner geworden. Seitdem wird nämlich jedes Fitzelchen Textil im Haushalt daraufhin gescannt, ob nicht doch noch etwas anderes daraus entstehen könnte - und wenn man erst einmal diese Sichtweise angenommen hat, dann taucht überall potentielles Material auf, man kann quasi überhaupt nichts mehr wegwerfen und die Wohnung mutiert allmählich zur Altkleidersammelstelle. Eine gefährliche Entwicklung, und noch gefährlicher, wenn man wie ich auch noch Sachen anschafft, extra um sie umzuarbeiten und das dann nicht tut. Mein Oktober-Projekt basiert auf so einem Flohmarktkauf von 2009, aber dazu kommen wir später, zuerst eure Refashion-Projekte von Oktober:
Schaut euch doch zum Beispiel dieses Kleid an, das die Perlendiva im Schrank ihrer Mutter ausgegraben hat und helft ihr, die Refashion-Blockade zu lösen: Was könnte aus diesem Kleid werden?
Aus Sachen für Große andere Sachen für Kleine machen ist ja immer eine erfolgversprechende Strategie: Andrea von Lya und ich schneiderte aus einem alten Sommerkleid von sich ein Kleid für die Tochter, und aus einer alten Jeans wurde eine neue Hose mit witzig herausgeschnittenen Taschen.
Oder hier: Die Lieblingsjeans lebt in einem Gretje-Kleidchen noch ein bißchen weiter und gefällt sogar noch besser als vorher (na, wenn die Jeans das merkt).
Teresa konnte einen zu engen Pullover aus tollem Kaschmir-Seide-Material im zweiten Anlauf doch noch zu einem erfolgreichen neuen Leben verhelfen: Nachdem sich die Verwandlung von Pullover zu Pullunder als nicht durchführbar erwies, jedenfalls wenn man auf eine passende Streifenfolge Wert legt, gab es doch noch ein Happy End als viel genutzter Loopschal.
Kaschmirpullover sind auch das bevorzugte Material von Siebensachen-zum-Selbermachen: Zwei tolle Schals aus Shiborifilz und außerdem eine Blusenjacke mit Spitzenstoffeinsatz zeigt sie uns heute.
Und auch Karina - Kawi hatte ich zunächst übersehen: ein nicht so gut sitzendes Kleid nach Ottobre wurde bei ihr kurzerhand zum Rock.
Und noch eins: Soranis neuer Ballon-Römö-Rock besteht aus einem alten Bettlaken.
Mein Oktober-Projekt, ein Tellerrock aus einer Tischdecke mit noch nicht überwundenen Schwierigkeiten, hatte ziemlich viel Vorlauf: Trena, the slapdash sewist, hatte im Sommer 2008 ein Kleid aus einer griechischen Tischdecke im Blog gezeigt, und seither hatte ich nach rockgeeigneten Tischdecken Ausschau gehalten. Das war nicht so einfach, denn es gibt eine Menge Tischdeckenmuster, die möchte man einfach nicht als Rock tragen. Etwa ein Jahr später fand ich dann eine bedruckte siebziger-Jahre Tischdecke aus einem weich fallenden Leinenimitat, vermutlich Viskose, in Brauntönen, also gut kombinierbar.
Ein Tellerrock ist ja eigentlich nichts anderes als ein kreisrundes Stück Stoff mit einem kreisrunden Loch in der Mitte, das um die Trägerin herumpassen muss. Eigentlich einfach, möchte man meinen, aber nicht, wenn man wie ich zwei Dinge über- bzw. unterschätzt: einmal den eigenen Taillenumfang, zweitens das Dehnverhalten von Stoff im schrägen Fadenlauf.
Der erste Punkt, der Taillenumfang, sollte eigentlich kein Problem sein, wenn man einfach den Maßen und nicht der eigenen Wahrnehmung vertraut: Taillenumfang messen, zum Beispiel auf dieser Seite bei "Umfang" eingeben, dann spuckt einem die Seite den Radius aus, den der Kreis für das Taillenloch haben muss, das man in die Mitte der Tischdecke schneidet. Mir kam das Herausgeschnittene viel zu wenig vor und das Loch viel zu klein, das konnte doch unmöglich passen, daher schnitt ich mehr weg - Fehler: zu groß.
Das zweite Problem, das ungleichmäßige Aushängen des Tellers, tritt besonders bei locker gewebten Stoffen wie meinem auf: ein Teil des Rockes hängt ja im schrägen Fadenlauf, und diese Partien dehnen sich mit der Zeit aus, daher soll man Tellerröcke eine Weile aushängen lassen, bevor man sie säumt, sonst wird die Saumlinie gleich wieder ungleichmäßig. Bei meiner Tischdecke war der Unterschied extrem: nach kurzer Zeit waren die graden Partien vier Zentimeter kürzer als die schrägen.
Ich dachte dann, das Problem 1 zusammen mit dem Problem 2 elegant lösen zu können, indem ich nicht einen geraden Bund, sondern eine Passe oben ansetzte. Die unterschiedliche Breite der Passe in der Mitte und an den Seiten würde die unterschiedlichen Saumlängen in etwa ausgleichen, und mein zu groß geschnittenes Taillenloch würde zu der Passenunterkante passen. Wenigstens das zweite hat geklappt, mit dem Passenansatz bin ich zufrieden, aber die Säume wachsen anscheinend weiter in unterschiedliche Richtungen. So zumindest mein Eindruck - eben war der Rock doch überall gleich lang? Und einen Tag später sieht es aus wie oben. Ob ich das als individualistisch deklariere oder noch einmal etwas daran ändere, sobald sich der Stoff entschieden hat, wie weit er noch wachsen will, entscheide ich nach dem Probetragen diese Woche.
P. S. fast vergessen: Das nächste - und letzte! - Mal Neues Leben für alte Kleider am 4. Dezember.
Schaut euch doch zum Beispiel dieses Kleid an, das die Perlendiva im Schrank ihrer Mutter ausgegraben hat und helft ihr, die Refashion-Blockade zu lösen: Was könnte aus diesem Kleid werden?
Aus Sachen für Große andere Sachen für Kleine machen ist ja immer eine erfolgversprechende Strategie: Andrea von Lya und ich schneiderte aus einem alten Sommerkleid von sich ein Kleid für die Tochter, und aus einer alten Jeans wurde eine neue Hose mit witzig herausgeschnittenen Taschen.
Oder hier: Die Lieblingsjeans lebt in einem Gretje-Kleidchen noch ein bißchen weiter und gefällt sogar noch besser als vorher (na, wenn die Jeans das merkt).
Teresa konnte einen zu engen Pullover aus tollem Kaschmir-Seide-Material im zweiten Anlauf doch noch zu einem erfolgreichen neuen Leben verhelfen: Nachdem sich die Verwandlung von Pullover zu Pullunder als nicht durchführbar erwies, jedenfalls wenn man auf eine passende Streifenfolge Wert legt, gab es doch noch ein Happy End als viel genutzter Loopschal.
Kaschmirpullover sind auch das bevorzugte Material von Siebensachen-zum-Selbermachen: Zwei tolle Schals aus Shiborifilz und außerdem eine Blusenjacke mit Spitzenstoffeinsatz zeigt sie uns heute.
Und auch Karina - Kawi hatte ich zunächst übersehen: ein nicht so gut sitzendes Kleid nach Ottobre wurde bei ihr kurzerhand zum Rock.
Und noch eins: Soranis neuer Ballon-Römö-Rock besteht aus einem alten Bettlaken.
Mein Oktober-Projekt, ein Tellerrock aus einer Tischdecke mit noch nicht überwundenen Schwierigkeiten, hatte ziemlich viel Vorlauf: Trena, the slapdash sewist, hatte im Sommer 2008 ein Kleid aus einer griechischen Tischdecke im Blog gezeigt, und seither hatte ich nach rockgeeigneten Tischdecken Ausschau gehalten. Das war nicht so einfach, denn es gibt eine Menge Tischdeckenmuster, die möchte man einfach nicht als Rock tragen. Etwa ein Jahr später fand ich dann eine bedruckte siebziger-Jahre Tischdecke aus einem weich fallenden Leinenimitat, vermutlich Viskose, in Brauntönen, also gut kombinierbar.
Ein Tellerrock ist ja eigentlich nichts anderes als ein kreisrundes Stück Stoff mit einem kreisrunden Loch in der Mitte, das um die Trägerin herumpassen muss. Eigentlich einfach, möchte man meinen, aber nicht, wenn man wie ich zwei Dinge über- bzw. unterschätzt: einmal den eigenen Taillenumfang, zweitens das Dehnverhalten von Stoff im schrägen Fadenlauf.
Der erste Punkt, der Taillenumfang, sollte eigentlich kein Problem sein, wenn man einfach den Maßen und nicht der eigenen Wahrnehmung vertraut: Taillenumfang messen, zum Beispiel auf dieser Seite bei "Umfang" eingeben, dann spuckt einem die Seite den Radius aus, den der Kreis für das Taillenloch haben muss, das man in die Mitte der Tischdecke schneidet. Mir kam das Herausgeschnittene viel zu wenig vor und das Loch viel zu klein, das konnte doch unmöglich passen, daher schnitt ich mehr weg - Fehler: zu groß.
Das zweite Problem, das ungleichmäßige Aushängen des Tellers, tritt besonders bei locker gewebten Stoffen wie meinem auf: ein Teil des Rockes hängt ja im schrägen Fadenlauf, und diese Partien dehnen sich mit der Zeit aus, daher soll man Tellerröcke eine Weile aushängen lassen, bevor man sie säumt, sonst wird die Saumlinie gleich wieder ungleichmäßig. Bei meiner Tischdecke war der Unterschied extrem: nach kurzer Zeit waren die graden Partien vier Zentimeter kürzer als die schrägen.
Ich dachte dann, das Problem 1 zusammen mit dem Problem 2 elegant lösen zu können, indem ich nicht einen geraden Bund, sondern eine Passe oben ansetzte. Die unterschiedliche Breite der Passe in der Mitte und an den Seiten würde die unterschiedlichen Saumlängen in etwa ausgleichen, und mein zu groß geschnittenes Taillenloch würde zu der Passenunterkante passen. Wenigstens das zweite hat geklappt, mit dem Passenansatz bin ich zufrieden, aber die Säume wachsen anscheinend weiter in unterschiedliche Richtungen. So zumindest mein Eindruck - eben war der Rock doch überall gleich lang? Und einen Tag später sieht es aus wie oben. Ob ich das als individualistisch deklariere oder noch einmal etwas daran ändere, sobald sich der Stoff entschieden hat, wie weit er noch wachsen will, entscheide ich nach dem Probetragen diese Woche.
P. S. fast vergessen: Das nächste - und letzte! - Mal Neues Leben für alte Kleider am 4. Dezember.
Sonntag, 2. Oktober 2011
Neues Leben für alte Kleider im September (und eine Strickjacke mit Punktekante)
Willkommen zu Neues Leben für alte Kleider im September - als hätten wir uns verabredet mit dem thematischen Schwerpunkt "Jacken" mit besonderer Beachtung des Unterthemas "Männer und ihre Kapuzenjacken mit Erinnerungswert", ein Kapitel für sich, wie viele sicher aus eigener Erfahrung bestätigen können.
Da haben wir zunächst einmal Griseldas Sohn und eine Kapuzenjacke mit Rammstein-Logo (hätte ich nicht erkannt, aber Griseldas Kommentatorinnen wissen sowas) - als Stifterolle kann sie nun noch ein paar Jahre weiterleben und täglich benutzt werden. Und dann möchte ich noch auf diesen Beitrag von Griselda verweisen: Stoffdrucke, bei denen jedem anderen nicht viel mehr als „ach du meine Güte!“ einfällt, werden unter ihren Händen zu tragbaren Meisterwerken – ein montenegrinischer Vorhang zum Beispiel zu einem lockeren Faltenrock mit Retro-Charme.
Die zweite Kapuzenjacke des Tages wärmte zehn Jahre lang dem Mann an Catherines Seite: mit guten Worten und beherztem Zuschneiden gelang es ihr, Mann und Jacke zu trennen und letztere in einen Jogginganzug für den kleinen Herrn B. zu verwandeln.
Und Halitha hatte gleich zwei Jacken unter der Schere: Ein sackiger Kurzmantel und eine Fleecejacke verschmolzen zu einer Jacke, die über die Babytrage samt Baby passt - eine tolle praktische Idee.
Und - ich glaube es nicht - noch eine Jacke: Frau Siebensachen verbesserte eine nur fast gute, etwas formlose Jacke mit dunkelrotem Gummiband vom Flohmarkt.
Mein Refashionobjekt war diesmal ein schwarzer, kastig geschnittener Pullover, den ich vor fast einem Jahr auf einem Kirchenbasar für 1€ gekauft hatte. Ich trug ihn im letzten Winter einige Zeit als Pullover, ehe mir jetzt an den ersten kühlen Tagen auffiel, dass ich eine Strickjacke eigentlich viel besser gebrauchen könnte. Der relativ weite Schnitt, auch an den Ärmeln, war sowieso nicht sonderlich kleidsam - als Jacke aber ideal geeignet.
Ich setzte zwei parallele Nähte vom Ausschnitt bis zum Saum in der Pullovermitte und schnitt ihn dazwischen auf. Hätte ich am Saum und am Ausschnitt Bündchen abschneiden müssen, hätte ich auch da vorher eine Sicherungsnaht genäht. Das war aber bei diesem in Form gestrickten hochwertigen Teil nicht nötig. Die Einfassung mit einem dünneren, nicht sehr dehnbaren Strickstoff mit dunkelblauen Punkten reicht einmal rundherum - also um Ausschnitt, Vorderkanten, Rückenteil wieder nach vorne. Die sechs Zentimeter breiten Streifen nähte ich rechts auf rechts mit Zickzackstich an die Kanten, faltete den Streifen nach innen um und nähte ihn dort mit der Hand fest. Am Ausschnitt muss man den Streifen etwas dehnen (und den Pullover möglichst überhaupt nicht), an den abgerundeten Ecken vorne sollte der Streifen etwas zusammengeschoben werden.
Mit einmal ordentlich Bügeln ist die Einfassung geradezu perfekt geworden - viel, viel besser, als ich erwartet hatte. Ich bin begeistert und werde auf dem Kirchenbasar in ein paar Wochen nach weiteren Pullovern Ausschau halten.
Im Moment hält eine zusammengestichelte Brosche aus Filz und Wolle die Jacke zusammen - passt aber stilistisch überhaupt nicht, wenn ich das Foto so betrachte. Da werde ich einfach einen großen Druckknopf an die Kante nähen und außen einen Zierknopf - einen großen schwarzen oder einen bezogenen mit dem gepunkteten Stoff oder doch noch etwas anderes?
Das nächste (das vorletzte!) Mal Neues Leben für alte Kleider am 6. November. Die Monatsbeiträge bis jetzt sind hier im Ursprungsbeitrag verlinkt.
Da haben wir zunächst einmal Griseldas Sohn und eine Kapuzenjacke mit Rammstein-Logo (hätte ich nicht erkannt, aber Griseldas Kommentatorinnen wissen sowas) - als Stifterolle kann sie nun noch ein paar Jahre weiterleben und täglich benutzt werden. Und dann möchte ich noch auf diesen Beitrag von Griselda verweisen: Stoffdrucke, bei denen jedem anderen nicht viel mehr als „ach du meine Güte!“ einfällt, werden unter ihren Händen zu tragbaren Meisterwerken – ein montenegrinischer Vorhang zum Beispiel zu einem lockeren Faltenrock mit Retro-Charme.
Die zweite Kapuzenjacke des Tages wärmte zehn Jahre lang dem Mann an Catherines Seite: mit guten Worten und beherztem Zuschneiden gelang es ihr, Mann und Jacke zu trennen und letztere in einen Jogginganzug für den kleinen Herrn B. zu verwandeln.
Und Halitha hatte gleich zwei Jacken unter der Schere: Ein sackiger Kurzmantel und eine Fleecejacke verschmolzen zu einer Jacke, die über die Babytrage samt Baby passt - eine tolle praktische Idee.
Und - ich glaube es nicht - noch eine Jacke: Frau Siebensachen verbesserte eine nur fast gute, etwas formlose Jacke mit dunkelrotem Gummiband vom Flohmarkt.
Mein Refashionobjekt war diesmal ein schwarzer, kastig geschnittener Pullover, den ich vor fast einem Jahr auf einem Kirchenbasar für 1€ gekauft hatte. Ich trug ihn im letzten Winter einige Zeit als Pullover, ehe mir jetzt an den ersten kühlen Tagen auffiel, dass ich eine Strickjacke eigentlich viel besser gebrauchen könnte. Der relativ weite Schnitt, auch an den Ärmeln, war sowieso nicht sonderlich kleidsam - als Jacke aber ideal geeignet.
Ich setzte zwei parallele Nähte vom Ausschnitt bis zum Saum in der Pullovermitte und schnitt ihn dazwischen auf. Hätte ich am Saum und am Ausschnitt Bündchen abschneiden müssen, hätte ich auch da vorher eine Sicherungsnaht genäht. Das war aber bei diesem in Form gestrickten hochwertigen Teil nicht nötig. Die Einfassung mit einem dünneren, nicht sehr dehnbaren Strickstoff mit dunkelblauen Punkten reicht einmal rundherum - also um Ausschnitt, Vorderkanten, Rückenteil wieder nach vorne. Die sechs Zentimeter breiten Streifen nähte ich rechts auf rechts mit Zickzackstich an die Kanten, faltete den Streifen nach innen um und nähte ihn dort mit der Hand fest. Am Ausschnitt muss man den Streifen etwas dehnen (und den Pullover möglichst überhaupt nicht), an den abgerundeten Ecken vorne sollte der Streifen etwas zusammengeschoben werden.
Mit einmal ordentlich Bügeln ist die Einfassung geradezu perfekt geworden - viel, viel besser, als ich erwartet hatte. Ich bin begeistert und werde auf dem Kirchenbasar in ein paar Wochen nach weiteren Pullovern Ausschau halten.
Im Moment hält eine zusammengestichelte Brosche aus Filz und Wolle die Jacke zusammen - passt aber stilistisch überhaupt nicht, wenn ich das Foto so betrachte. Da werde ich einfach einen großen Druckknopf an die Kante nähen und außen einen Zierknopf - einen großen schwarzen oder einen bezogenen mit dem gepunkteten Stoff oder doch noch etwas anderes?
Das nächste (das vorletzte!) Mal Neues Leben für alte Kleider am 6. November. Die Monatsbeiträge bis jetzt sind hier im Ursprungsbeitrag verlinkt.
Sonntag, 4. September 2011
Neues Leben für alte Kleider im August (und ein Ex-Drahtpullover)
Ein spätes Willkommen zu aus alt mach anders im August - nach diesem seltsamen Sommer wirft der Herbst seine Schatten voraus, und da man ja in letzter Zeit nie so richtig wusste, wo man sich jahreszeitentechnisch befindet, haben wir dazu passend sowohl Schals, als auch Sommerkleider im Angebot. Was gerade besser passt, muss man ja im Moment von Tag zu Tag entscheiden.
Frau Siebensachen gehört zur Sommerfraktion: aus einem Vorhangfutterstoff entstand ein tolles luftiges Sommerkleid, das später noch gefärbt wurde, und aus alten Jeans Täschchen für das Opinelmesser.
Wenn es aber nun tatsächlich Herbst wird und ihr eure Pullover sortiert: die löchrigen nicht wegwerfen! Siebensachen-zum-Selbermachen zeigt, wie man mit Hilfe von ein paar Knöpfen und der Waschmaschine einen geradezu avantgardistisch anmutenden Schal filzt. Einen fleckigen Rock hat sie auch noch gerettet - mit einer Applikation, denn die müssen durchaus nicht immer bunt sein.
Apropos Rock: alte Jeans aufzutrennen und in einen Rock zu verwandeln ist ja ein Klassiker der Wiederverwertung (und manchmal kann man sogar Jeansröcke kaufen, die nur so aussehen, als wären sie aus einer Jeans gemacht worden...) - hier bei Kawi sieht man nochmal, wie das aussehen kann, und da sie von einer "ungeliebten Hose" schreibt: das lohnt sich richtig bei Jeans, die nicht richtig passen und deshalb unbequem sind.
Danyeela kann ja aus nahezu allem etwas machen, den Eindruck habe ich zumindest immer, wenn ich ihr Blog lese. Diesmal ist es ein Farblumpen - ein Stück Stoff mit Farbklecksen, das als Unterlage beim Malen diente. Nun schaut euch an, was für eine Umhängetasche daraus geworden ist - der Taschenverschluss ist auch recycelt.
Um Taschen ging es auch bei der Perlendiva: aus einem alten T-Shirt wurde ein sehr praktischer Einkaufsbeutel - gut für T-Shirts, bei denen wie meistens zuerst das Halsbündchen durchgescheuert ist.
Bei meinem - lächerlich einfachen - Augustprojekt kam der erste Schal der Saison heraus. An einem heißen Tag wie heute natürlich völlig deplaziert, aber zwischenzeitlich war ja schon Schalwetter, und wer weiß schon, wie es morgen ist.
Eine Pullover in einen Loopschal zu verwandeln ist simpel, im einfachsten Fall braucht man nur eine Schere und einen dünnen Pullover, eventuell noch Jersey zum Füttern. Ich verwendete ein Teil aus dem Klamottentauschladen, das ich wegen des interessanten Materials mitgenommen hatte: 60% Viskose, 40% Kupfer. Wie man sieht ist der Pullover blöd geschnitten - breiter als lang -, hat einen ewig tiefen Ausschnitt, das Material ist leicht transparent, zieht leicht Fäden und fasst sich drahtig an. Als Pullover eine Fehlbesetzung, aber: der Kupferanteil glänzt sehr edel (was auf Fotos leider nicht so gut herauskommt) und das Gestrick lässt sich interessant in Falten knautschen.
Ideal also für einen Schal mit vor allem dekorativer Funktion. Ich schnitt den Pullover unter den Armen durch, nähte einen Schlauch aus blaugrünem Jersey in gleicher Größe und fütterte den Pulloverschlauch damit. Wenn man einen Pullover aus nicht-kratzigem Material verwurstet, kann man sich das Füttern sparen: Pullover durchschneiden, Bündchen abschneiden, den Schlauch einmal beherzt in die Breite ziehen - die Schnittkanten rollen sich ein - als Schal tragen und der Herbst kann kommen.
Das nächste Mal neues Leben für alte Kleider am 2. Oktober - die bisherigen Monate sind alle hier am Ende des Artikels verlinkt.
Frau Siebensachen gehört zur Sommerfraktion: aus einem Vorhangfutterstoff entstand ein tolles luftiges Sommerkleid, das später noch gefärbt wurde, und aus alten Jeans Täschchen für das Opinelmesser.
Wenn es aber nun tatsächlich Herbst wird und ihr eure Pullover sortiert: die löchrigen nicht wegwerfen! Siebensachen-zum-Selbermachen zeigt, wie man mit Hilfe von ein paar Knöpfen und der Waschmaschine einen geradezu avantgardistisch anmutenden Schal filzt. Einen fleckigen Rock hat sie auch noch gerettet - mit einer Applikation, denn die müssen durchaus nicht immer bunt sein.
Apropos Rock: alte Jeans aufzutrennen und in einen Rock zu verwandeln ist ja ein Klassiker der Wiederverwertung (und manchmal kann man sogar Jeansröcke kaufen, die nur so aussehen, als wären sie aus einer Jeans gemacht worden...) - hier bei Kawi sieht man nochmal, wie das aussehen kann, und da sie von einer "ungeliebten Hose" schreibt: das lohnt sich richtig bei Jeans, die nicht richtig passen und deshalb unbequem sind.
Danyeela kann ja aus nahezu allem etwas machen, den Eindruck habe ich zumindest immer, wenn ich ihr Blog lese. Diesmal ist es ein Farblumpen - ein Stück Stoff mit Farbklecksen, das als Unterlage beim Malen diente. Nun schaut euch an, was für eine Umhängetasche daraus geworden ist - der Taschenverschluss ist auch recycelt.
Um Taschen ging es auch bei der Perlendiva: aus einem alten T-Shirt wurde ein sehr praktischer Einkaufsbeutel - gut für T-Shirts, bei denen wie meistens zuerst das Halsbündchen durchgescheuert ist.
Bei meinem - lächerlich einfachen - Augustprojekt kam der erste Schal der Saison heraus. An einem heißen Tag wie heute natürlich völlig deplaziert, aber zwischenzeitlich war ja schon Schalwetter, und wer weiß schon, wie es morgen ist.
Eine Pullover in einen Loopschal zu verwandeln ist simpel, im einfachsten Fall braucht man nur eine Schere und einen dünnen Pullover, eventuell noch Jersey zum Füttern. Ich verwendete ein Teil aus dem Klamottentauschladen, das ich wegen des interessanten Materials mitgenommen hatte: 60% Viskose, 40% Kupfer. Wie man sieht ist der Pullover blöd geschnitten - breiter als lang -, hat einen ewig tiefen Ausschnitt, das Material ist leicht transparent, zieht leicht Fäden und fasst sich drahtig an. Als Pullover eine Fehlbesetzung, aber: der Kupferanteil glänzt sehr edel (was auf Fotos leider nicht so gut herauskommt) und das Gestrick lässt sich interessant in Falten knautschen.
Ideal also für einen Schal mit vor allem dekorativer Funktion. Ich schnitt den Pullover unter den Armen durch, nähte einen Schlauch aus blaugrünem Jersey in gleicher Größe und fütterte den Pulloverschlauch damit. Wenn man einen Pullover aus nicht-kratzigem Material verwurstet, kann man sich das Füttern sparen: Pullover durchschneiden, Bündchen abschneiden, den Schlauch einmal beherzt in die Breite ziehen - die Schnittkanten rollen sich ein - als Schal tragen und der Herbst kann kommen.
Das nächste Mal neues Leben für alte Kleider am 2. Oktober - die bisherigen Monate sind alle hier am Ende des Artikels verlinkt.
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