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Sonntag, 24. Juni 2018

Stoffspielerei im Juni: Rokoko trifft Mola



Willkommen zur neuen Ausgabe der Stoffspielerei im Juni! Ich habe mich in letzter Zeit sehr rar gemacht bei der Stoffspielerei, und dann auch noch mit dem Thema Rokoko eine schwierige Aufgabe gestellt, wie mir hier und da zurückgemeldet wurde. Ich kam auf das Thema, weil ich im März an einer Führung durch das Neue Palais in Potsdam und die Postdamer Textilrestaurierungswerkstatt teilnahm. Die Innenausstattung des in den 1760er Jahren gebauten Schlosses, das vor allem für Festiviäten und die Unterbringung von Gästen genutzt wurde, ist noch recht vollständig erhalten.

Die Mode des 18. Jahrhunderts, bei solchen repräsentativen Bauten wirklich keine Oberfläche undekoriert zu lassen, ist uns heute ziemlich fremd. Alles ist gemustert, mit Stoff bezogen, geschnitzt, bemalt, mit Borten, Troddeln oder Quasten geschmückt, gerahmt, vergoldet - sicherlich ein beeindruckender Anblick, wenn sich das Kerzenlicht in den glänzenden Fäden des Brokats, in den Kristallen der Lüster und in den großen Spiegeln brach.

Auch wenn spätbarocke Ornamente heute in der Inneneinrichtung nicht mehr so im Übermaß eigesetzt werden, es gibt sie immer noch - Tapeten, die die seidenen Wandbespannungen aus Schlössen nachahmen, gibt es sogar in ziemlich großer Zahl. Oder vergleicht mal die Seidentücher von Versace mit dem Fußboden im Marmorsaal des Neuen Palais! Barock und Rokoko (grob gesagt etwas zarter, heiterer, mit zarteren Farben und Asymmetrien) sind in der Dekoration erhalten geblieben - das war für mich nach dem Schlossbesuch tatsächlich eine neue Erkenntnis.


Für die Stoffspielerei habe ich versucht, ein Ornament in einer Reverse-Applikationstechnik umzusetzen,die ich schon lange einmal auspr0bieren wollte. Die Mola-Technik wurde ursprünglich nur auf einigen Inseln vor der Küste Panamas ausgeübt. Mittlerweile sieht man Molas manchmal auch auf Kunsthandwerkmärkten zusammen mit anderen Textilien aus aller Welt, und es würde mich nicht wundern, wenn Molas eínzwischen auch in Asien nachgeahmt werden würden.



Bei dieser Technik werden die Applikationsmiotive aus einem Stapel verschiedenfarbiger Baumwollstoffe von oben nach unten herausgearbeitet. Das Motiv wird aufgezeichnet und entlang der Konturen mit etwas Nahtzugabe aus der obersten Stofflage herausgeschnitten. Die Zugaben werden nach unten eingeschlagen und die Kante wird durch alle Lagen festgenäht. Aus der zweiten Stofflage, die nun sichtbar ist, wird ein weiteres Motiv ausgeschnitten, der Rand eingeschlagen und mit der Hand festgenäht, so dass die dritte Stofflage zum Vorschein kommt.



Bei den Näherinnen der Cunas in Panama entstehen so häufig abstrahierte Tiermotive, die durch parallele bunte Linien oder Schnecken strukturiert sind. Über die Technik gibt es ein Buch von Kate Mathews - "Molas", es erschien 1999 auf Deutsch im Haupt-Verlag und ist mittlerweile sehr günstig zu haben. Die Technik ist gut beschrieben, so dass man lernt, eigene Entwürfe umzusetzen, und es sind viele Fotos von Molas aus Panama enthalten. (Die Modelle im Anleitungsteil, oft Kleidung mit Dekor in Mola-Technik, entsprechen allerdings eher dem Geschmack der späten 1980er.)


Die Näharbeit erwies sich als zwar recht kleinteilig-fummelig (das Ornament hätte etwas großflächiger sein können und er verwendete Baumwollstoff vielleicht etwas feiner), aber es ist machbar. Bis zu der dritten Stofflage in Rosa bin ich noch gar nicht vorgedrungen, dazu sind die einzelnen Flächen auch größtenteils etwas zu klein. Die Applikation ist schön plastisch, und die Technik ist eine gute Möglichkeit, relativ filigrane Strukturen aus Stoff nachzubilden - als herkömmliche Applikation, also mit kleinen, aufgesetzten Stoffstücken, wäre es nur schwer möglich, so ein Ornament abzubilden.

Ich bin gespannt, was ihr aus der Vorgabe gemacht habt!

Sabine (Tyches Touch) hat eine Rokokospitze gehäkelt, angelehnt an die Muster von Nymphenburger Porzellan. 

Susanne (Nahtlust) hat eine Rokoko-Maske aus Spitzen angefertigt.

Ute (123-Nadelei) ging in Thüringen auf Spurensuche nach dem Rokoko - sehr interessant!

Annelies von der Galerie der Handarbeiten hat verschiedene Rüschenformen - Froschgoscherl und Herzrüsche - ausprobiert.



Vielen Dank allen füs Mitmachen! Ich ergänze die Liste oben noch im Laufe des Tages, sobald ich weitere Beiträge finde.

Auch die Rückseite ist interessant: Es wird immer durch alle Stofflagen genäht


Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat werden die Links mit den neuen Werken gesammelt – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Juli & August: Sommerpause
30.09.2018: „Streifen“ bei 123-Nadelei
28.10.2018: „Seide“ bei Siebensachen
25.11.2018: (Thema noch nicht fix) bei Nähzimmerplaudereien
Dezember: Weihnachtspause
27.01.2019: (Thema noch nicht fix) bei Textile Werke
24.02.2019: „Farbverläufe“ bei Schnitt für Schnitt
31.03.2019: „Geometrie“ bei Feuerwerk by Kaze

Sonntag, 25. Mai 2014

Stoffspielerei im Mai: Negativapplikation im Alabama-Chanin-Stil


Also ehrlich: das ging viel schneller als erwartet. Das Thema für die Stoffspielerei hatte Griselda schon Ende März vorgeschlagen, denn die handgenähten Techniken der Designerin Natalie Chanin sind zeitaufwendig. Ich hatte mir überlegt, aus vier alten Tshirts einen Vier-Bahnen-Rock nach dem Schnitt aus dem Buch Alabama Studio Sewing + Design zu machen und ihn mit Negativapplikationen zu verzieren. Über den Fortschritt und die einzelnen Arbeitsschritte hatte ich hier, hier und hier schon einmal berichtet. Besonders toll: im Laufe der letzten 4 Wochen schlossen sich viele Mitnäherinnen an und posteten ihre Fortschritte. Bei Büchern wie diesen, in denen von Materialien die Rede ist, die es bei uns nicht oder unter ganz anderen Namen gibt, ist es wirklich nützlich, wenn man sich über die Technik austauschen kann. Und es gibt wie meistesn mehrere Wege zum Ziel.


Besonders das Übertragen des Musters auf die obere Stofflage mittels einer Schablone ist nicht so ganz einfach. Ich nahm Stofffarbe (die, die sowieso da war: Javana Textil in weiß und schwarz) und ein Schwämmchen, werde es beim nächsten Mal aber mit Sprühen probieren. Die Umrisse der Muster stickt man bei der Negativapplikation im Vorstich oder im Rückstich nach und schneidet danach das Innere der Motive vorsichtig aus, so dass die untere Stofflage sichtbar wird. Die Rockteile werden ebenfalls mit der Hand zusammengefügt.


Ich dachte darüber nach, den Rock einfach mit der Maschine zusammenzurattern - aber das fühlte sich falsch an, sobald die Stickerei einmal angefangen war. Die sichtbaren Handnähte gehören zum Design dazu, ein glattes, maschinelles Nahtfinish wäre ein Stilbruch. Für die Nähte und die Applikationen verwendete ich das Handqquiltgarn von Coats, doppelt eingefädelt. Es näht sich sehr angenehm damit, es ist sehr reißfest, griffig und matt und dröselt sich beim Handnähen nicht auf.


Der Bund ist mit Falzgummi eingefasst, das bildet bei allen Röcken von Alabama Chanin den Abschluss. Das Gummi näht man mit einem elastischen Stich an, Hexenstich, Kreuzstich oder wie hier mit einem Zickzackstich. Ich war zuerst skeptisch, ob sich eine Handnahtwirklich ausreichend mitdehnen würde - aber tatsächlich, es funktioniert.

 Das doppelte Jerseymaterial trägt sich sehr angenehm - es ist immer noch leicht elastisch und fällt sehr schön schwer, etwa so wie Romanitersey. Vor allem zeichnet sich nicht jeder Unterwäscherand darunter ab, das stört mich sonst oft an Jerseykleidern.

Die Rückseite

Wie lange das Nähen und Sticken letztlich gedauert hat, kann ich gar nicht so genau sagen. Nachdem das Muster aufschabloniert war und ich bei einem Nähtreffen drei Stunden gestickt hatte, rechnete ich den Zeitaufwand für den kompletten Rock auf etwa 25 Stunden hoch. Subjektiv gefühlt waren es bloß zweimal drei Stunden Nähtreffen, bei denen ich einen Großteil des Muster stickte und den grau-weißen Randstreifen annähte. Alles andere passierte immer mal wieder zwischendurch in kleinen Etappen. Wenn nämlich das Muster einmal übertragen ist, füllt man nur noch die Umrisse aus und kann ohne großes Nachdenken auch nur mal schnell zwischendurch zehn Minuten weitermachen, das ist wie Stricken oder wie Malen nach Zahlen.


Ich bin ganz zufrieden mit dem Rock und war schon kurz davor loszustürmen, und mir drei Meter schwarzen Jersey zu kaufen, um als nächstes einen bodenlangen Rock mit dichterem Muster zu nähen. Sowas ist z. B. ein gutes Urlaubsprojekt, weil man nur sehr wenig Werkzeug braucht, oder ein Langzeitprojekt, an dem man immer mal wieder ein bißchen weitermachen kann.

Mir gefällt die Lässigkeit der Jerseyteile, die aber durch die sichtbare Handarbeit geadelt werden. Natalie Chanin  hat mit ihren Designs und der Umsetzung mit modernen Materialien altbekannte handwerkliche Techniken der Stoffgestaltung auf eine neue Ebene gehoben. Denn im Grunde sind weder die Applikation noch die Negativapplikation oder die Stickstiche neue Erfindungen, nur das Wie und das Was ist anders als traditionelle Handarbeit, ohne aber handwerkliche Sorgfalt aufzugeben. Die Anleitungen in Natalie Chanins Büchern sind bis in die Details durchdacht und man merkt ihnen die langjährigen Erfahrung der Autorin an. Dass es darüber hinaus möglich ist, mit den Alabama-Chanin-Techniken Kleidungsstücke aus Jersey zu recyceln ist das i-Tüpfelchen dieser Designphilosophie. Für mein Projekt musste ich nur eine Rolle Handquiltgarn und 80 cm Einfassgummi kaufen - die Tshirts waren potentieller Textilmüll, der nun noch ein paar Jahre verwendet werden wird.

Die Beiträge zur Alabama-Chanin-Stoffspielerei sammelt Griselda heute und in den nächsten Tagen. Vielen Dank für die Idee - ohne diese Aktion hätte ich das Projekt nie in Angriff genommen.     

Donnerstag, 8. Mai 2014

Das Alabama-Projekt III: Muster ausschneiden


Das Handnähprojekt nach Alabama Chanin macht Spaß und ist eigentlich gar nicht so zeitaufwendig wie ich dachte. Mein Muster ist ziemlich großflächig - da hat sich Griselda schon etwas ganz anderes vorgenommen, ein kleinteiligeres Muster, und gleich ein ganzes Kleid. In fünf Stunden würde ich wohl mehr als eine Bahn meines Rocks fertigsticken können, und ich brauche nur vier Bahnen und eine Saumblende.

Seit dem Schablonieren vor annähernd zwei Wochen habe ich drei der vier Rockbahnen gestickt und es nun nicht mehr ausgehalten und bei diesen Bahnen schon mal die Motive ausgeschnitten, um zu sehen, wie das Muster wirkt. Man schneidet knapp innerhalb der gestickten Umrisse die obere Stofflage ganz vorsichtig heraus. Von der vorher aufschablonierten Farbe bleiben etwa 2 mm stehen, die Stickerei verläuft genau am Rand der Motive - man erkennt das hier nicht so richtig, weil die Farben wirklich sehr ähnlich sind. Der Kontrast der beiden Stofflagen - oben grau, unten weiß - ist hingegen relativ groß, größer als bei den Modellen in den Alabama-Chanin-Büchern, die meistens sehr elegant Ton-in-Ton gehalten sind. Mal sehen, wie das dann als Rock wirkt.   


Dass bei dieser Technik, einer Art offenkantiger Negativapplikation, die Stofffarbe auf der oberen Schicht größtenteils wieder weggeschnitten wird, ist außerdem sehr günstig, weil der Farbauftrag mit dem Schwamm bei mir wirklich unangenehm batzig geworden ist. Die getrockneten Farbinseln bilden eine ziemlich feste, leicht gummiartige Kruste, da ist es gut, wenn das meiste davon wieder wegkommt. Griselda hatte die Farbe verdünnt und mit einer ausgedienten Haushaltsreiniger-Sprühflasche aufgesprüht, und das sieht auf ihren Bildern schon viel besser aus und fühlt sich bestimmt auch besser an. Ich habe für spätere Versuche gerade noch eine kleine Sprühflasche aus dem Verpackungsmüll retten können - das nächste Mal wird gesprüht, zur Not eben auf dem Hof.


Die Rückseite: die Motive werden alle einzeln für sich umstickt, damit der Stoff elastisch bleibt. Die Naht wird mit einer zweiten Reihe Stiche von rechts noch einmal sichtbar abgesteppt, eine offenkantige Kappnaht sozusagen. (Auf dem zweiten Foto sieht man die Naht von rechts, auf dem dritten Foto von links.) Das macht einen sehr haltbaren Eindruck.

Den nächsten Zwischen- oder vielleicht sogar Endstand gibt es dann am 25. Mai bei der Stoffspielerei, gesammelt bei Griselda. Wie ich in den Kommentaren gesehen habe, werkeln ja einige gerade an Alabama-Chanin-Projekten - ich freue mich auf den Erfahrungsaustausch.     

Montag, 28. April 2014

Das Alabama-Projekt II: Schablonieren und Sticken


Mit dem Alabama-Chanin-Projekt, über das ich letzte Woche berichtet hatte, bin ich schon gut vorangekommen. Weil am Sonntag ein kleines Nähtreffen geplant war (das ich übrigens supernett fand - vielen Dank an K. und die anderen Organisatorinnen!), also weil ich Sonntag zu dem Nähtreffen wollte, beeilte ich mich am Samstag, den Stoff so weit vorzubereiten, dass ich am Sonntag mit dem Sticken beginnen konnte. Ich schreibe hier mal etwas ausführlicher als sonst über den Prozess, denn es gibt im Netz zwar Unmengen englischsprachiger Anleitungen für die Applikationen im Alabama-Chanin-Stil, aber so weit ich gesehen habe sehr wenig auf Deutsch. 

Ich mache einen knielangen 4-Bahnen-Rock nach dem Schnittmuster aus Alabama Studio Sewing + Design. Die Kleider bei Alabama Chanin bestehen fast immer aus zwei Lagen Jersey. Die obere Lage wird mitttels Schablonen und Stofffarbe mit einem Muster bedruckt, die Muster werden mit Handstichen durch beide Lagen nachgestickt, und zuletzt wird von der oberen Stofflage einiges weggeschnitten. Manchmal bleiben von der oberen Lage nur einzelne "Musterinseln" stehen, manchmal wirkt das Muster der oberen Lage wie ein Netz, manchmal handelt es sich eher um isolierte "Löcher" in der oberen Schicht. Die Wirkung beruht, denke ich, einmal auf dem großflächigen Einsatz der Muster, zum anderen auf den eleganten Ton-in-Ton-Farbkombinationen der beiden Jerseyschichten. Die offenen Kanten und das sportliche Material sorgen gleichzeitig für eine gewisse Lässigkeit der Kleider. Mir gefällt das sehr gut, die Sachen sind etwas Besonderes, aber auf den zweiten Blick, sie sehen zwar deutlich handgemacht aus, aber nicht selbstgebastelt und auch nicht übertrieben künstlerisch. Bei flickr gibt es eine Sammlung von Alabama-Chanin-Projekten - einige Leute haben tatsächlich schon mehrere Kleider angefertigt, der Aufwand scheint sich also im Rahmen zu halten. (Danke an Dinknesh für den Hinweis auf die flickr-Gruppe.)      


Ich schnitt am Samstag also aus den vier alten Tshirts insgesamt acht Rockbahnen aus, vier weiße und vier graue. Gebrauchtes Material zu verwenden wird im Buch ausdrücklich empfohlen, Natalie Chanin begann selbst mit dem Umarbeiten alter Jerseyware.


Beim Muster orientierte ich mich an der "Bloomers"-Schablone, die man hier unter "resources" in Originalgröße herunterladen kann. Es ist zwar nicht sonderlich kreativ, ein vorgegebenes Muster nachzuarbeiten, aber ich will erstmal ein Gefühl dafür bekommen, wie groß die einzelnen Musterbestandteile sein sollten und in welchen Abständen man sie platziert. Bei Alabama Chanin werden in der Produktion großformatige Schablonen aus dünnem Filz verwendet, weil die Stofffarbe aufgesprüht wird. Ich habe normale Stofffarbe aus dem Glas von Javana verwendet, die ich sowieso noch da hatte und tupfte sie mit einem Schwämmchen auf. Die kleine Schablone schnitt ich aus einem Briefumschlag aus Tyvek. Das ist ein gutes, weil wasserfestes und sehr reißfestes Schablonenmaterial, das mir besser gefällt als Plastik. Die durchgezeichnete Schablonenvorlage aus Papier kann man einfach mit ein paar Klebestifttupfern auf dem Tyvek fixieren (geht wieder ab) und die Aussparungen durch beide Schichten ausschneiden.     


Die Schablone fixierte ich mit Malerkrepp auf dem Stoff. Die Tupferei mit dem Schwamm ergibt eine relativ dicke Farbschicht, die beim Trocknen recht hart wird - glücklicherweise wird nach dem Sticken das meiste davon wieder weggeschnitten.


Das Muster schablonierte ich zwei Mal auf jede Rockbahn. Nach dem Trocknen über Nacht wurden jeweils eine graue Rockbahn und eine weiße Rockbahn als untere Lage aufeinander gelegt und rundherum geheftet.


Gestickt wird dann immer rundherum um die Motive, am einfachsten so wie hier mit kleinen Vorstichen. Im Anleitungsbuch werden noch einige andere Möglichkeiten (z. B. Rückstich, Stielstich) erklärt.

Alabama Chanin verwendet einen ominösen "Button Craft Thread" von Coats & Clark, ein stärkeres Nähgarn aus Poly-Baumwoll-Mischung, das so etwas wie Knopflochgarn zu sein scheint. Als ich zum Garn kaufen losging, hatte ich Marke und Qualität aus der Anleitung nicht im Kopf, weil ich ohnehin nicht damit rechnete, dass es das hier geben könnte. Unser Karstadt führt aber neuerdings Coats & Clark Garne, und anscheinend dieselben Qualitäten, die es auch in den USA gibt. Nach einigem mühsamen Vergleichen - bei Coats werden keine Garnstärken angegeben, wie man es in Europa kennt, und die Mengen auf den Spulen sind, nunja, typisch amerikanisch: 297 Meter und sowas - entschied ich mich für Dual Duty plus, ein baumwollummanteltes Polyestergarn auf einer hellgrünen Spule, das als Handquiltgarn bezeichnet wird. Da man das Garn doppelt nimmt, erschien es mir stabil genug, ich werde aber bei nächster Gelegenheit nach dem "richtigen" Garn Ausschau halten, das auf türkisen 45-Meter-Spulen verkauft wird.     


Beim Nähnachmittag konnte ich in drei Stunden ungefähr zwei Drittel einer Rockbahn sticken. Man umstickt jedes Motiv einzeln für sich, damit die Elastizität des Jerseys erhalten bleibt. Die dicken Knoten auf der Rückseite sind unverzichtbar, die Fadenenden arbeiten sich sonst langsam durch die Maschen nach draußen -  und ich mühe mich ordentlich ab, doppelte Knoten nahe am Stoff hinzukriegen, das ist gar nicht so einfach.

Sonntag, 24. November 2013

Stoffspielerei im November: Schneeflocken-Untersetzer

Das Thema der Stoffspielerei vom November habe ich ein bißchen verfehlt: Griselda schlug vor, wir sollten aus einem unserer Anleitungsbücher ein Projekt umsetzen  - oft kauft man ja bloß Bücher, ohne sie jemals zu benutzen - und brachte selbst das neueste Buch von Alabama Chanin ins Spiel. Das Buch habe ich ja auch, und sogar schon ab und zu davon inspirierte Projekte verwirklicht.



Die November-Stoffspielerei kam dann ohne einen einzigen Blick in dieses oder ein anderes Buch zustande. Der assoziative Gedankengang von Alabama Chanin, einer Firma für Textilprodukte, die vor allem für handgenähte Applikationen mit Jerseystoffen bekannt ist, zu maschinegenähten Filzuntersetzern verlief ungefähr so: Beim Abwischen der Wohnzimmertischchen vor zwei Wochen wurde mir der dringende Bedarf an Untersetzern bewusst - diese Ringe überall! (Die Möbelpolitur habe ich übrigens bis jetzt noch nicht rausgekramt, obwohl ich das damals gleich machen wollte, fällt mir gerade auf.) Hm, Untersetzer im Stil von Alabama Chanin - also mit Applikationen - aber aus Jersey? Was könnte man denn noch für Materialien nehmen? Was habe ich überhaupt da? Die selbstgenähte Laptophülle aus grauem Filz könnte ich ja mal ausschlachten - den Laptop gibt es gar nicht mehr. Der Filz wäre ja ein gutes Untersetzermaterial. Aber Jersey draufapplizieren? Vielleicht anderen Filz nehmen? Aber das dann mit der Hand nähen?

Als Vorlage für die Muster habe ich in Scherenschnitt-Manier "Schneeflocken" geschnitten, also erst aus Papierkreisen, mehrfach gefaltet, Muster geschnitten und diese Muster auf die Papierseite vom Vliesofix übertragen.



Ich kann dazu auch noch eine genauere Anleitung nachliefern, falls gewünscht, denn die Untersetzer könnte man sogar an Leute verschenken, die Handarbeit ansonsten nichts abgewinnen können, denke ich. Aber nicht in vorweihnachtlicher Hektik und Nervenzerrrüttung nähen, dann wird das garantiert nichts mit dem Aufsteppen!

Alle Stoffspielereien sammelt heute Griselda. (Nächster Termin am 29. 12. bei frifris.)

Dienstag, 26. Februar 2013

Stoffspielerei im Februar: Schon wieder Alabama Chanin


Etwas verspätet und nicht unbedingt innovativ kommt hier meine Stoffspielerei im Februar – ich beschäftigte mich zum x-ten Mal mit den Applikationstechniken vonAlabama Chanin. Derzeit fehlt mir ein wenig die Muße, um mich auf Stoffspielereien einzulassen. Das ist weniger eine Zeitfrage, denn eine Kopffrage: wenn ich viel zu tun habe und davon gedanklich absorbiert werde, bleibt im Kopf kein Platz, dann suche ich mir besser etwas mit einer Anleitung. Das entlastet.


Da ich mir aber un-be-dingt (seit mindestens zwei Jahren) einen Jerseyrock mit Applikationen oder ausgeschnittenen Applikationen machen möchte, probierte ich im Februar die einfache Jersey-auf-Jersey-Applikation nach Alabama Chanin aus. Erstmal an einem Schal und mit dem denkbar einfachsten (aber selbst ausgedachten) Muster. Anders als bei meinem Versuch mit Jersey-auf-Baumwollvoile gefällt mir die Wirkung schon viel besser. Es ist bei dieser Technik wohl entscheidend, dass die beiden Schichten in Dicke, Festigkeit, Struktur ähnlich sind.


Der Untergrund ist ein altes weißes T-Shirt, unter den Armen durchgeschnitten und später an einer Seitennaht aufgeschnitten. Da ich wie üblich nicht sehr weit vorausplante, kam mir erst nach einiger Zeit die Idee, die Schalenden mit grauem Jersey (ein abgeschnittenes Trägerhemd) abzusetzen.
Die frei Hand ganz unregelmäßig geschnittenen Kreise aus Jerseyresten in blau, grau und rot habe ich mit dreifädigem rotem Sticktwist aufgenäht.


Hier noch einmal im Überblick: Das zweite Schalende ist noch fast unbearbeitet (und unverstürzt). Das kommt aber noch - diese Stickerei ist eine meditative Handarbeit, fast so wie stricken. 


Die Stoffspielereien sammelt diesmal frifris - vielen Dank dafür!

(Nächster Termin: 31. 3. bei Karen.)

Sonntag, 30. September 2012

Stoffmanipulationen im September: die Rüschentasche


Herzlich willkommen zur Stoffmanipulationssammlung, bei der ich die Initiatorin Suschna heute vertrete. Es geht wie immer um Zwei- und Dreidimensionales mit und aus Stoff, genäht, gerafft, gefaltet, geknotet oder gedruckt.

Ich wäre im September beinahe meiner Taschenserie aus weißen Stoffen mit roten und schwarzen Akzenten untreu geworden, weil ich mir endlich das neueste Buch von Natalie Chanin, Alabama Studio Sewing + Design gegönnt hatte. Die Fotos darin sind einfach atemberaubend – wunderschöne Kleidungsstücke mit Applikationen, Perlen, aufgenähten Jerseyschnüren und so weiter. Da mein angefangener Schal aber keineswegs atemberaubend zu werden versprach, kehrte ich reumütig zu meinen Taschenmaterialien zurück.


„Random ruffle“, zufällige Rüsche, nennt Natalie Chanin solche aufgenähten Jerseystreifen. Das ist tatsächlich sehr einfach umzusetzen und macht was her. Ich verwendete wie immer Nessel als Taschenmaterial und schnitt Jerseystreifen aus einem alten T-Shirt, die ich mit rotem Stickgarn aufnähte. Die gerüschten Stellen werden mehr oder weniger willkürlich, eben "random" verteilt. Ich dachte mir aber gleich, dass es doch besser aussieht, wenn man ein System hat - im Buch ist nämlich eine Stola abgebildet (S. 138), die dicht an dicht mit "random ruffles" besetzt ist, so dass die gerüschten Stellen ein regelmäßiges Raster ergeben.



Natalie Chanin besetzt T-Shirts mit einigen Rüschenstreifen, aber man könnte ja auch größere Stoffbahnen so gestalten. In weiß mit weiß wäre das z. B. Stoff für ein unkonventionelles Brautkleid.

Eure Stoffmanipulationen im September: 

Marion/Kunst und Kleider befilzte Jerseyschals mit Motiven aus Wolle.

Suschna ahmte Knallerbsen nach, die weißen Beeren des Gartenstrauchs. Bei ihr sind sie aus gefärbter Seide (und sehen täuschend echt aus).  

Waltraut/Siebensachen stellte Blüten aus gestreiftem Stoff her und verzierte ihre Sandalen damit.

Kathrin/annekata probierte eine schwedische Sticktechnik namens Hallandssöm aus, über die es im Netz kaum Informationen gibt - das Internet weiß eben doch nicht alles.

Griselda/Machwerk hat die gesmokte Tasche fertig und experimentierte mit gefüllten Biesen iin transparentem Stoff.

Kathrin/tinistaschen faltete große Sechsecke zu ebenfalls sechseckigen, plastischen Strukturen - eine interessante Technik, die noch viele Möglichkeiten bietet.

Christoph/Chri-stoff Charming experimentierte mit Falten unterschiedlicher Breite - und mit dem Kordelaufnähfuß der Nähmaschine.

... und bei frifris erfährt man, wie man Muschelbiesen mit der Maschine anfertigt und einen rechteckigen Einsatz dann mit schönen Ecken in eine Bluse näht.

Sonntag, 26. August 2012

Stoffmanipulation: Zickzack plastisch - aber Schwarz macht eben doch schlank


Wo ist eine Idee, wenn man mal eine braucht? Zur Stoffmanipulation in diesem Monat brauchte ich letzte Woche ganz dringend eine. Glücklicherweise sitze ich tagtäglich an einem Fenster im ersten Stock mit dem Blick auf eine sehr belebte Straße. Wenn man da den Blick schweifen lässt, fällt einem eigentlich immer irgendetwas auf oder ein. Letzte Woche dachte ich über die Stoffmanipulation nach, schaute nach unten - und sah eine weiße Tasche mit schwarzem Zickzackmuster am Arm einer Frau vorübergehen.

Aus dem regelmäßigen, kleinformatigen Zickzack aus der Fabrik wurde bei mir ein einziger Riesenzacken aus schwarzem Leinen, offenkantig mit großen Handstichen (Sticktwist) appliziert. Da alle offenen Kanten schräg zum Fadenlauf geschnitten sind, wird er in der Wäsche nicht oder nur ein bißchen ausfransen.



Die Kanten wollte ich durch eine plastische Füllung hervorheben, was nicht so ganz geklappt hat. Zwischen die beiden parallelen Stichreihen oben und unten habe ich von der Rückseite mehrere Stränge weiches Baumwollgarn gezogen.

Kordelquilten oder Kordelstepperei nennt man das - geht auch mit der Maschine. Das Prinzip ist immer, dass man in eine doppelte Stofflage einen schmalen Tunnel näht, in den eine oder mehrere Kordeln mit einer stumpfen Nadel eingezogen werden. An den Spitzen, wenn der Tunnel die Richtung wechselt, sticht man durch die Rückseite nach draußen, sticht an der gleichen Stelle wieder ein und lässt auf der Rückseite eine kleine Fadenschlaufe stehen.


Allerdings entfaltet das schwarze Leinen eine so schlankmachende Wirkung, dass man die plastische Füllung nur im Gegenlicht wahrnimmt, oder wenn man die Tasche anfasst - jedenfalls nicht auf einem Foto. Kordelstepperei macht auf einem einfarbigen, hellen Stoff definitiv mehr her, so viel zum Lernzuwachs dieses Mal.

Alle August-Stoffmanipulationen sammelt Suschna heute hier (und wir dürfen in ihre Blumenwerkstatt gucken).

Dienstag, 14. August 2012

Wochenrückblick KW 32




1. Applikationen mit der Nähmaschine waren das Thema beim Quilttreffen am Sonntag. Mit einigen Tricks von Floh gings schon viel besser als bei meinen früheren Versuchen. Ein Grund dafür war bestimmt auch die Nähmaschine im Nadelwald, die sich auf eine langsame Geschwindigkeit stellen lässt - vielleicht brauche ich doch irgendwann eine neue, moderne, die nicht nur "schnell" kann?

2. Die Lesedühne ist eine Lesebühnenveranstaltung im Südblock, es lesen immer vier Stammautoren (darunter Marc-Uwe Kling - seit kurzer Zeit bin ich Fan), und ein wechselnder Gastautor. Lesebühnenleseungen machen definitiv nur richtig Spaß, wenn man einen Sitzplatz hat und es einem egal sein kann, dass es weiter hinten heiß und voll ist. Ich war weiter hinten und dachte die ganze Zeit "vielleicht sollte ich mal wieder ein gutes Buch lesen, zuhause im Sessel". Der typische Lesebühnensound - ein bestimmter Duktus, die Metaphern, ein bestimmter Vortragsstil - kann auf die Dauer enorm enervierend sein, und ganz schön austauschbar. Aber vielleicht hätte ich die Lesung freundlicher aufgenommen, hätte ich sie in einem Sessel sitzend erleben dürfen. Marcel Reich-Ranicki sagte einmal, er lese zu rezensierende Bücher am Schreibtisch, nicht im Sessel - jetzt weiß ich, wieso.   

3. Paste-up in der Werbellinstraße, Neukölln - die meisterliche Figur ist auf mehrere Theaterplakate geklebt, die wiederum auf einem Altkleidercontainer kleben. Bilder von diesem/dieser KünstlerIn sehe ich öfter, dies ist aber das erste unversehrte, das ich finden konnte. 

Sonntag, 25. März 2012

Stoffmanipulation, Tasche zwei: schwarze Löcher


Nach Tasche 1 mit Applikation und „umgekehrter“ Applikation interessierte mich, was man mit Löchern bzw. deren Füllungen noch anstellen kann. Oder muss ein Loch gar kein Loch sein, um wie ein Loch wahrgenommen zu werden? In meiner Materialtüte steckt auch ein fadenscheiniger Rock aus schwarzem Wollkrepp (dieser). Der Stoff ist schön schwarz und sehr matt und lichtschluckend.

Der zweiten Tasche brachte ich damit Pseudo-Löcher bei: in Wirklichkeit handelt es sich um Applikationen, also um aufgenähte Stoffstücke.



Diese Lochimitationen sind einfach Kreise aus dem Kreppstoff, mit Sticktwist und großen Handstichen aufgenäht. In diese Richtung möchte ich weitermachen: So einen kunstvoll geflickten Jeansrock, wie ihn annekata gemacht hat, hätte ich auch gern.




Auf der anderen Seite überstickte ich die Kreppkreise am Rand ganz dicht mit Stickgarn. Das erinnert auch an Löcher - oder an Schusswunden, wie Suschna meinte?

Bei ihr laufen auch die Fäden dieser Aktion zusammen: Stoffmanipulation im März.

Wenn ich die anderen, bunten Beiträge betrachte, bin ich nicht mehr sicher, ob ich mein geplantes Farbschema - nur weiße Stoffe mit schwarz, rot und grau - wirklich die ganze Zeit durchhalten möchte. Allerdings ist der zweite Faktor, der mich am Loslegen hindert (der erste ist, wie Suschna gerade schrieb, die Angst, teures, besonderes oder unwiederbringliches Material zu zerstören), also der zweite hinderliche Faktor ist der Zwang, auswählen zu müssen. Nehme ich diesen Stoff oder einen anderen? Passt das blaue oder das rote besser dazu? Nehme ich dies - oder wäre jenes doch besser gewesen? Eine vordefinierte Tüte mit Material erleichtert mir das Leben...




Sonntag, 28. November 2010

Alabama Lydia


Dekorierte Kleidung ist ja immer so eine Sache, finde ich - der Grat zwischen "gekonnt" und "ungeschickt selbstgebastelt" ist ziemlich schmal. Wie aber sogar handgenähte Verzierungen absolut hochglanzmagazinwürdig aussehen können, dafür ist die Webseite von Alabama Chanin eine gute Inspirationsquelle. Die Designerin Natalie Chanin entwirft Kleider, Wohnaccessoires und Möbel und lässt sie in Alabama anfertigen. "Slow design"´nennt sie diesen Prozess, denn nicht nur dass ressourcenschonend mit Bio-Stoffen und Recyclingmaterialien gearbeitet wird: Die Kleider sind komplett von Hand genäht und meistens großflächig mit Applikationen und Stickereien verziert, und das dauert seine Zeit, was auch die stolzen Preise für die Stücke erklärt. Inzwischen gibt es sogar zwei Anleitungsbücher von Natalie Chanin, so dass man macnhe Stücke originalgetreu nacharbeiten kann.

Im Oktober 2008 hatte ich schon einmal einen kleinen Versuch mit Applikationen im Alabama-Chanin-Stil unternommen, den ich bald wiederholen wollte, im Mai dieses Jahres wurde ich durch die wunderbaren Röcke von Kathrin/annekata aufs Neue daran erinnert, so dass im Oktober die Lösung auf der Hand lag, als ich von drei verschiedenen Jerseys im blau-grün-petrol-Spektrum jeweils gerade ein bißchen zu wenig hatte.


Die Schnittgrundlage ist Lydia von burdastyle.com (auch im Heft 10/2006 als Nummer 114/115) mit selbst eingezeichneten Vorder- und Rückenpassen. Die Passenteile sind doppellagig - obere Lage petrolblau, untere Lage grün - und mit Reversapplikationen verziert.

Die offenkantige Reversapplikation, manchmal auch "ungekehrte" Applikation oder Negativapplikation genannt, ist wohl die Technik, die Alabama Chanin am häufigsten verwendet. Jersey hat dabei den Vorteil, dass die offenen Schnittkanten nur minimal ausfransen.
2008, als ich meinen alten Beitrag schrieb, gab es auf der Webseite sogar eine Fotoanleitung dafür, die inzwischen verschwunden ist, daher habe ich ein bißchen mitfotografiert. Schwierig ist die Applikation nicht, und auch gar nicht so zeitaufwendig, ja sogar fernsehgeeignet, sofern das Programm nicht zu spannend ist. Die Technik eignet sich natürlich nicht nur für Shirts (auch wenn man damit sogar solche mit Löchern oder Flecken noch retten kann), sondern auch für Schals oder Kissenbezüge oder kleine Einsätze für Taschen, die sogar noch bis Weihnachten fertig werden würden. 

Material: Jersey, Heftgarn, Papier für eine Schablone, Seife oder Schneiderkreide oder Markierungsstift, Stecknadeln, Sticktwist oder anderes stärkeres Garn, passende Nadel, kleine spitze Schere
(Die Bilder werden beim Anklicken vergrößert angezeigt.)

Das Schnitteil zwei Mal aus Jersey zuschneiden und die beiden Lagen am Rand aufeinander heften (links auf rechts). Bei so kleinen Teilen verzieht sich im allgemeinen nichts, bei größeren Flächen würde ich eventuell in der Mitte noch ein- oder zweimal durchheften oder beide Lagen mit etwas Sprühzeitkleber verbinden.

Für das Muster braucht man - logisch - eine Idee und dann eine Schablone. Es lassen sich z. B. Quiltschablonen verwenden, oder man überträgt ein Stoffmuster auf Papier, aber auch einfache Blümchen, Blätter, Kreise, Ovale oder Spiralen sehen gut aus. Die Formen sollten nicht zu filigran und kompliziert sein. Ich habe hier einfach ein Stück Papier in der Größe des Schnitteils mehrmals zusammengefaltet, am Rand Dreiecke und andere Formen herausgeschnitten (wie bei den Scherenschnittsternen, die man in der Grundschule macht), und hatte damit meine Schablone.

Die Schablone auf dem zusammengehefteten Jersey feststecken und das Muster durchmalen. Ich verwende gerne kleine Seifenstücke dafür, das lässt sich problemlos auswaschen und kostet nichts.

Die bemalten Flächen werden später ausgeschnitten, dort kommt die  untere Stofflage zum Vorschein.
Am Rand der markierten Motive mit kleinen Vorstichen entlangnähen.  Dabei den Faden nicht allzu stark anziehen - die Stiche verschwinden dann leicht im Stoff, und mit lockerem Faden bleibt die Stickerei noch etwas elastisch.

Hier habe ich Sticktwist (2fädig) verwendet, aber jedes andere dickere Garn funktioniert sicher genauso gut, zum Beispiel Handquiltgarn oder einfädiges Stickgarn (dänisches Blumengarn).

Um vom einen zum nächsten Motiv zu kommen, kann man den Faden zwischen den beiden Lagen entlangführen - wie man auf dem zweiten Foto vom Tshirt oben erkennen kann, habe ich das selbst nicht immer ganz konsequent so gemacht.

Wenn alle Formen umnäht sind, innerhalb der Motive die obere Stofflage mit einer spitzen Schere sehr vorsichtig wegschneiden - bei sehr gutem Licht und vor allem: ohne Hektik!

Der Rand des Schnitteils bleibt so, wie er ist, bei Zusammennähen werden beide Stofflagen wie eine behandelt. Ich habe auch die Passennähte anschließend noch mit Vorstichen verziert.

Für solche Applikationen kann ich mir übrigens noch bessere Platzierungen vorstellen als meine Schulterpasse - meistens trage ich nämlich eine Strickjacke darüber, und dann sieht man gar nichts mehr vom Muster. Beim nächsten Mal probiere ich eine Rundpasse rund um den Ausschnitt oder einen Einsatz vorne, falls ich nicht wieder viel zu wenig Stoff habe.